(Text von Jacob Böhme, am 8. Februar 1623 vollendet, deutsche Überarbeitung 2021, Puschpak)

Vorrede des Verfassers an den Leser

1. Wenn der Verstand von Gott reden hört, was er nach seinem Wesen und Willen sei, dann bildet er sich gern ein, daß Gott etwas Fernes und Fremdes sei, der außerhalb der Orte dieser Welt hoch über den Sternen wohne und deshalb nur durch seinen Geist mit einer allgegenwärtigen Kraft im Ort dieser Welt regiere. Und seine Majestät der Dreifaltigkeit, in der Gott besonders offenbar sei, wohne im Himmel außerhalb des Ortes dieser Welt.

2. Und daher fällt er auch in einen kreatürlichen Wahn, als ob Gott etwas Fremdes sei und vor Zeiten der Schöpfung der Kreaturen und dieser Welt einen Ratschluß in sich selbst durch die Weisheit in seiner Dreiheit gefaßt habe, was er machen wollte und wozu alles Wesen entstehen solle. Und so habe er in sich selber einen Vorsatz geschöpft, wohin er ein jedes Ding ordnen wollte.

3. Daraus ist der umstrittene Wahn vom (schicksalhaften) Ratschluß über die Menschen entstanden, als hätte Gott aus seinem Vorsatz einen Teil der Menschen zum Himmelreich in seine heilige Wonne auserkoren und den anderen Teil zur ewigen Verdammnis, in denen er seinen Zorn offenbaren wollte, und hingegen an den anderen Auserwählten seine Gnade. Und so habe Er aus seinem Vorsatz einen Unterschied gemacht, seine Macht in Liebe und in Zorn sehen zu lassen. Und deswegen müßten alle Dinge notwendig also geschehen, und der Teil des Zorns aus Gottes Vorsatz werde so verhärtet und verworfen (bzw. versündigt), daß keine Möglichkeit mehr zur Gnade Gottes sei, hingegen in dem anderen keine Möglichkeit zur Verdammnis.

4. Und obwohl die Heilige Schrift mit fast ähnlichen Sprüchen redet, in die auch der kreatürliche (unterscheidende) Verstand mit einstimmt, der nicht erkennt, was Gott ist, so redet sie doch anderseits viel mehr vom Gegenteil, nämlich daß Gott nichts Böses wolle oder aus seinem Vorsatz gemacht habe. Um diese beiden Gegensätze wieder zu vereinen, wollen wir nun dem christlichen unparteiischen Leser, den Suchern des Grundes und den Liebhabern der Wahrheit, eine kurze Andeutung zum Nachsinnengeben, wie das eigentlich im Grunde zu verstehen sei und mit wahrer (ganzheitlicher) Vernunft ergründet werden kann. So wollen wir ihm unsere empfangenen Gaben, wie sie in Gnade des höchsten Gutes ergriffen wurden, wohlmeinend zur Erwägung darstellen. Nicht mit der Meinung, jemanden dadurch anzugreifen oder wegen seiner ergriffenen Meinung zu verachten, sondern zu christlicher und brüderlicher Vereinigung unserer Gaben, die wir untereinander aus göttlicher Gnade empfangen haben.

5. Wie die Äste und Zweige eines Baumes einander nicht in allen Dingen förmlich gleichen und doch in einem Stamm stehen und einer dem anderen Wesen und Kraft gibt und einführt, und sich auch alle an einem Stamm erfreuen, blühen und Frucht tragen, und keine Mißgunst wegen der Stärke und Ungleichheit ist, und ein jeder Ast zu seiner Frucht und Ernte arbeitet, so kann es wohl auch mit unseren ungleichen Gaben geschehen. Dazu sollten wir unsere Begierde in die rechte wahre Mutter, als in unseren Stamm, hineinführen. Ein Ast des Baumes sollte dem anderen immerdar seine Kraft in gutem Willen geben, und wir sollten uns nicht in eine Ichheit und eigene Lust in eigener Liebe, nämlich in überheblichen Stolz hineinführen. Auch keine Willkür über unsere Mutter hegen, in der wir stehen, und über alle ihre Kinder erhoben und ein eigener Baum sein wollen, noch des Teufels Gift der Eigenheit und der falschen magnetischen Impression (der illusorisch anhaftenden Einbildung) in uns nehmen, daraus Streit und Widerwillen, auch Spaltungen und Trennungen entstehen. Denn wenn sich je ein Zweig des menschlichen Baumes vom anderen abtrennt und ihm sein Wesen und seine Kraft nicht gönnt, oder auch für abtrünnig und falsch verleumdet, sich aber selber auch nur wie ein abtrünniger Zweig seinen Brüdern im falschen Schein darstellt und von ihnen entsprechend erkannt wird, dann entstehen daraus die vielen Streitigkeiten unter den Menschen.

6. Denen allen wollen wir andeuten, was des Streites Ursprung sei und woraus die Meinungen und Spaltungen natürlich entstehen, auch was der wahre Grund der Einigen Religion sei, daraus so viel Meinungen und Spaltungen entstanden sind und woher das Gegensätzliche der Welt hergekommen sei, um den göttlichen Willen nach Liebe und Zorn besser und gründlicher zu verstehen.

7. Der liebhabende Leser sei aufgerufen, sich in göttlicher Demut in Gott und der Gemeinschaft seiner Brüder wie die Äste an einem Einigen Baum zu versenken. Dann kann er unseren empfangenen tiefen Sinn und Begriff wohl ergreifen und von allen Irrungen in die wahre Ruhe eingekehrt werden, in der alle Dinge im Wort und der Kraft Gottes innerlich ruhen. So empfehlen wir ihn der wirkenden Liebe im Wesen Christi und unserem wohlgemeinten Willen und der Begierde in seinem Willen. Amen.

1. Kapitel – Der Einige Gott

Eine Einführung zum Einigen Willen Gottes und des Wesens seiner Offenbarung. Was der Einige Gott sei.

1.1. Gott spricht in Moses zum Volk Israel in einer offenbarten Stimme. Mit dieser Stimme offenbarte er sich aus seiner Verborgenheit in einen hörbaren Schall auf formhafte kreatürliche Art, so daß ihn die Kreatur wahrnehmen konnte. Und Moses hörte: »Ich, der Herr, dein Gott, bin ein Einiger Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir ehren. (2.Moses 20.3 / 5.Moses 6.4)« Und Moses sagt auch: »Der Herr unser Gott ist ein zorniger, eifriger Gott und ein verzehrend Feuer.« Aber an anderem Ort: »Gott ist ein barmherziger Gott.« Oder auch: »Sein Geist ist eine Flamme der Liebe (5.Moses 4.24/31)«.

1.2. Diese aufgezählten Sprüche scheinen im Widerspruch zu stehen, wenn sich Gott einen zornigen Gott und ein verzehrend Feuer nennt und dann wieder eine Flamme der Liebe, der doch nichts als nur gut sein kann, sonst wäre er nicht Gott als das Einige Gute.

1.3. Denn man kann von Gott nicht sagen, daß er dies oder das sei, böse oder gut, so daß er in sich selber Unterschiede habe. Denn er ist in sich selbst naturlos, sowohl affekt- und gestaltlos. Er hat keine Neigung zu etwas, denn es ist nichts vor ihm, dazu er sich neigen könnte, weder Böses noch Gutes. Er ist in sich selbst der Ungrund, ohne einen Willen gegen die Natur und Kreatur, wie ein ewiges Nichts. Es ist keine Qual (oder auch Qualität) in ihm, noch etwas, das sich zu ihm oder von ihm neigen könnte. Er ist das Einige Wesen, und nichts ist vor ihm oder nach ihm, daran oder darin er sich einen Willen schöpfen oder fassen könnte. Er hat auch nichts, das ihn gebärt oder gibt (erschafft). Er ist das Nichts und das Alles, und ist ein Einiger Wille, in dem die Welt und die ganze Schöpfung liegt. In ihm ist alles gleich-ewig ohne Anfang, in gleichem Gewicht, Maß und Ziel. Er ist weder Licht noch Finsternis, weder Liebe noch Zorn, sondern das ewige Eine. Darum sagt Moses: »Der Herr ist ein Einiger Gott.«

1.4. Dieser unergründliche, unfaßliche, unnatürliche und ungestaltete Wille, welcher nur Einer ist und nichts vor sich noch hinter sich hat, welcher in sich selbst nur Eines ist, welcher wie ein Nichts und doch Alles ist, der ist und heißt der „Einige Gott“, der sich in sich selbst erfaßt und findet und „Gott“ aus Gott gebiert.

1.5. Nämlich so: Der erste anfangslose Einige Wille, der weder böse noch gut ist, gebiert in sich das Einige ewige Gute als einen faßbaren Willen, der des unergründlichen Willens Sohn ist und doch im anfangslosen Willen gleich-ewig. Und dieser zweite Wille ist des ersten Willens ewige Empfindlichkeit und Findlichkeit (Wahrnehmung und Bewußtsein), wenn sich das Nichts in sich selbst zu Etwas findet. Und das Unfindliche (Unbewußte), nämlich der unergründliche Wille, geht durch sein ewig Gefundenes aus und führt sich in eine ewige Beschaulichkeit seiner selbst.

1.6. Also heißt der unergründliche Wille „ewiger Vater“. Der gefundene, gefaßte und geborene Wille des Ungrundes heißt „Wesen (Ens)“, darin sich der Ungrund als ein Grund faßt. Der Ausgang des unergründlichen Willens durch den gefaßten Sohn oder auch das Wesen heißt „Geist“, denn er führt das gefaßte Sein aus sich heraus in ein Weben oder Leben des Willens, als ein Leben des Vaters und des Sohnes. Und das Ausgegangene ist die Lust, als das Gefundene im ewigen Nichts, wenn sich der Vater, Sohn und Geist innerlich sieht und findet, und es heißt „Gottes Weisheit oder Beschaulichkeit“.

1.7. Dieses dreifaltige Wesen (von Vater, Sohn und Geist) in seiner Geburt, in seiner Selbst-Beschaulichkeit der Weisheit, ist von Ewigkeit her gewesen und besitzt in sich selbst keinen anderen Grund noch Stätte als nur sich selbst. Es ist ein Einiges Leben und ein Einiger Wille ohne Begierde, und ist weder dick noch dünn, weder hoch noch tief. Es ist weder Raum, Zeit noch Stätte, besitzt auch in sich weder Dickes noch Dünnes, weder Höhe noch Tiefe noch Raum oder Zeit, sondern besteht durch Alles in Allem, und ist diesem Allem doch wie ein unfaßbares Nichts.

1.8. Gleichwie der Schein der Sonne in der ganzen Welt in Allem und durch Alles wirkt, kann dieses All der Sonne doch nichts nehmen, sondern muß sie ertragen und mit der Sonne Kraft wirken. Auf solche Weise kann auch Gott betrachtet werden, was er jenseits von Natur und Kreatur in sich selber sei, nämlich in einem selbstfaßbaren Chaos (einem Meer der Möglichkeiten) außerhalb von Grund, Zeit und Stätte, da sich das ewige Nichts in ein Auge oder ewiges Sehen zu seiner Selbst-Beschaulichkeit, Selbst-Empfindlichkeit und Selbst-Findlichkeit faßt (Selbst-Wahrnehmung und Selbst-Bewußtheit). Und so kann man nicht sagen, daß Gott selbst zweierlei Willen hat, wie einen zum Bösen und den anderen zum Guten.

1.9. Denn in der unnatürlichen und ungestalteten Gottheit ist nichts mehr als ein Einiger Wille, welcher auch der „Einige Gott“ heißt. Der will auch in sich selbst nichts mehr als nur sich selbst finden und fassen und aus sich selbst ausgehen, um sich mit dem Ausgehen in eine Beschaulichkeit (des sinnlichen Bewußtseins) zu führen. Darin kann man die Dreiheit der Gottheit samt dem Spiegel seiner Weisheit verstehen, nämlich dem Auge seines Sehens. Darin können auch alle Kräfte, Farben, Wunder und Wesen in der ewigen Einigen Weisheit in gleichem Gewicht und Maß ohne Eigenschaften verstanden werden, als ein Einiger Grund des Wesens aller Wesen. Wie auch eine in sich selbst gefundene Lust oder Begierde zu Etwas – eine Lust zur Offenbarung oder Findung von Eigenschaften, welche göttliche Lust oder Weisheit in sich selbst ist – im ersten Grund noch ganz ohne Eigenschaften ist. Denn wären da Eigenschaften, dann müßte auch etwas sein, das diese Eigenschaften gäbe und verursachte. Nun gibt es aber keine Ursache für die göttlichen Kräfte und für die göttliche Lust oder Weisheit, als allein der Einige Wille, nämlich der Einige Gott, der sich selbst in eine Dreiheit führt, als in eine Greifbarkeit (Wahrnehmbarkeit) seiner selbst. Diese Faßlichkeit ist das Zentrum als das ewige gefaßte Eine. Deshalb wird das Herz der Sitz des ewigen Willen Gottes genannt, wo sich der Ungrund in einem Grund besitzt, der die eigene Stätte Gottes ist, ohne Teilbarkeit oder Unterschiedlichkeit, auch ganz unermeßlich ohne jegliche Form oder Gleichheit, denn es ist nichts davor, mit dem es vergleichbar wäre.

1.10. Dieses Herz oder Zentrum des Ungrundes ist das ewige Gemüt als ein Wollen, und hat doch nichts vor sich, das es wollen kann, als nur den Einigen Willen, der sich in diesem Zentrum faßt. So hat auch der erste (ursprüngliche) Wille zu diesem Zentrum nichts, was er wollen könnte, als nur diese Einige Stätte seiner Selbst-Findlichkeit (Selbst-Bewußtheit). Also ist der erste Wille der Vater seines Herzens oder der Stätte seines Findens, und ein Besitzer des Gefundenen als seines eingeborenen Willens oder Sohnes.

1.11. Der unergründliche Wille, welcher der Vater und Anfang aller Wesen ist, gebiert sich in sich selbst zu einer Stätte der Greifbarkeit, besitzt diese Stätte, und diese Stätte ist der Grund und Anfang aller Wesen und besitzt wiederum den unergründlichen Willen, welcher der Vater des Anfangs zum Grund ist.

1.12. Also ist der Vater und sein Sohn, als die Stätte einer Selbstheit, ein Einiger Gott eines Einigen Willens. Und es ist dieser Einige Wille, der in der gefaßten Stätte des Grundes aus sich selbst aus der Fassung ausgeht, wo er mit seinem Ausgehen ein Geist genannt wird. So scheidet sich der Einige Wille des Ungrundes mit der ersten, ewigen und anfangslosen Fassung in dreierlei Wirkung (Vater, Sohn und Geist), und bleibt doch nur ein Wille. Also wirkt der erste Wille, der nun „Vater“ heißt, in sich den Sohn als die Stätte der Gottheit. Und die Stätte der Gottheit, welche des Vaters Sohn ist, wirkt in sich in der Findlichkeit (Bewußtheit) die Kraft der Weisheit. Diese Kräfte entstehen alle im Sohn, und doch sind hier alle Kräfte nur eine Einige Kraft, und die ist die empfindliche und findliche (bewußte) Gottheit in sich selbst, in einem Einigen Willen und Wesen und in keiner Unterschiedlichkeit.

1.13. Diese gefundenen (bewußten), geborenen und gewirkten Kräfte als das Zentrum aller Wesen Anfänge haucht der erste Wille, welcher Vater heißt, in der Empfindlichkeit seiner selbst aus der Einigen Kraft, welche sein Sitz oder Sohn ist, aus sich heraus. Das geschieht in gleicher Art, wie die Strahlen der Sonne aus dem magischen Feuer der Sonne aus sich herausschießen und der Sonne Kraft offenbaren. Also ist derselbe Ausgang ein Strahl der Kraft Gottes als ein bewegendes Leben der Gottheit, welches sich der unergründliche Wille in einen Grund hineingeführt hat, als in eine wallende Kraft. Dieselbe haucht der Wille zur Kraft aus der Kraft aus, und der Ausgang heißt der „Geist Gottes“ und macht die dritte Wirkung als ein Leben oder Weben in der Kraft.

1.14. Die vierte Wirkung (der göttlichen Selbsterkenntnis) geschieht nun in der ausgehauchten Kraft als in der göttlichen Beschaulichkeit oder Weisheit, da der Geist Gottes, welcher aus der Kraft entsteht, mit den ausgehauchten Kräften als mit einer Einigen Kraft mit sich selber spielt, da er sich in den Gestaltungen der Kraft in der göttlichen Lust hineinführt, gleich als wollte er ein Bild dieser Gebärung der Dreiheit in einen besonderen Willen und Leben hineinführen, wie eine Gestaltung der Einigen Dreiheit. Und dieses gestaltete Bild ist die Lust der göttlichen Beschaulichkeit (bzw. Selbst-Erkenntnis). Darunter soll man aber nicht ein greifbares geschaffenes Bild einer Abbildung verstehen, sondern die göttliche Imagination selbst als den ersten Grund der Magie, daraus die Schöpfung ihren Anfang und Ursprung genommen hat.

1.15. Auch wird in dieser (überbildlichen) Gestaltung oder magischen Fassung in der Weisheit das englische und seelische wahre Bild Gottes verstanden, zu dem Moses sagte: »Gott schuf den Menschen in seinem Bilde (1.Moses 1.27)« Das heißt: Er schuf ihn im Bilde dieser göttlichen Gestaltung nach dem Geist, und zum Bild Gottes nach der Kreatur der geschaffenen körperlichen Bildlichkeit. Also ist auch die Schöpfung der Engel zu verstehen, nämlich nach dem göttlichen Wesen aus göttlicher Weisheit. Der kreatürliche Grund aber soll im Folgenden angedeutet werden, darin die Eigenschaften liegen.

1.16. In dieser obigen Erklärung verstehen wir nun kurzgefaßt, was Gott jenseits von Natur und Kreatur sei, da er in Moses sprach: »Ich, der Herr, dein Gott, bin ein Einiger Gott.« Dessen Name heißt dem geistigen Sinn nach „Jehova“, weil sich diese göttliche Gebärung in den Kräften der Einigen Weisheit in ein gefaßtes Bildnis seiner selbst hineinführt, wie eine ergriffene Lust des Nichts in ein Etwas, oder auch das ewige Eine, welches irgendwann auf eine gestaltete Art entworfen werden möchte, nämlich mit einer solchen Bildung △ (der drei Wirkungen von Vater, Sohn und Geist). Obwohl es doch kein meßbares oder abgetrenntes Bild oder Wesen ist, sondern nur ein Nachsinnen des Gemüts.

1.17. Denn diese Selbst-Einbildung ist in sich weder groß noch klein und hat nirgends einen Anfang noch ein Ende, als nur dort, wo sich die göttliche Lust in ein Wesen seiner eigenen Beschaulichkeit hineinführt, nämlich in der Schöpfung. Aber in sich selbst ist diese Bildung unendlich und die Formung unumschrieben (unbestimmt und dauerhaft). Gleichwie die Einbildung des menschlichen Gemüts unermeßlich in dauerhafter Form besteht, weil sich unzählig viele sinnliche Vorstellungen in dem einen Gemüt gestalten und fassen können, die in der irdischen Kreatur doch meistens aus der Phantasie des weltlichen Sternen-Gemüts entstehen und nicht aus den Kräften des inneren Grundes göttlicher Weisheit.

1.18. Hier wollen wir nun den Leser daran erinnern, daß Gott in sich selber, soweit er „Gott“ jenseits von Natur und Kreatur heißt, nicht mehr als nur einen Einigen Willen habe, und der ist, daß er sich selber gibt und gebiert. Gott Jehova gebärt nichts als Gott. Das heiß: Es gebärt sich nur ein Vater, Sohn und Heiliger Geist in die Einige göttliche Kraft und Weisheit.

1.19. Gleichwie die Sonne nur einen einzigen Willen hat, und der ist, daß sie sich selber gibt und mit ihrer Begierde in allen Dingen ausdringt und wächst, und damit allem Leben Kraft und sich selber dahinein gibt. In gleicher Weise ist auch Gott jenseits von Natur und Kreatur das Einige Gute, das nichts als Gott oder das Gute geben kann noch will.

1.20. Er ist jenseits der Natur die größte Güte und Demut, darin weder ein Wille zu guter noch böser Neigung spürbar wird, denn es ist weder Böses noch Gutes vor ihm. Er ist selbst das Einige ewige Gute und ein Anfang alles guten Wesens und Willens. Es ist auch nicht möglich, daß etwas Böses in ihn eindringen könnte, soweit er das Einige Gute ist, denn er ist allen Dingen ein Nichts, die außerhalb von ihm sind (und eindringen könnten). Er ist eine in sich selbst wirkliche, wesentliche und geistige Kraft, die allerhöchste einfältigste Demut und Wohltat, nämlich ein Liebefühlen, Liebeschmecken und Wohlschmecken im Sinne der süßen Gebärung und ein Wohlhören und Gernhören.

1.21. Denn alle Sinne qualifizieren (und vereinen) sich in gleicher Harmonie, und es ist nichts, als nur ein liebliches Wallen des Heiligen Geistes in der Einigen Weisheit. Hier kann man nicht von einem „zornigen Gott“ sprechen, auch nicht von einem „barmherzigen Gott“, denn hier ist keine Ursache zum Zorn, auch keine Ursache für Barmherzigkeit, denn Er ist die Einige Liebe selbst, der sich in reiner Liebe in die Dreifaltigkeit hineinführt und gebiert.

1.22. Der erste Wille, der „Vater“ heißt, liebt seinen Sohn als das Herz seiner Selbst-Offenbarung, weil er seine Findlichkeit (Bewußtheit) und Kraft ist. Wie die Seele den Leib liebt, in gleicher Weise ist auch der gefaßte Wille des Vaters seine Kraft und sein geistiger Leib als das Zentrum der Gottheit oder des göttlichen Etwas, darin der erste Wille ein Etwas ist.

1.23. So entsteht der Sohn aus dem ersten Willen, nämlich aus des Vaters (Güte und) Demut, und begehrt deshalb wiederum so mächtig des Vaters Willen, denn ohne den Vater wäre er ein Nichts. Und er wird zu Recht des Vaters Lust oder Begierde zur Offenbarung der (Sinnes-) Kräfte genannt, nämlich des Vaters Geschmack, Geruch, Gehör, Gefühl und Sehen. Doch sollte man hier keine (absoluten) Unterschiede verstehen, denn alle Sinne liegen in gleichem Gewicht in der Einigen Gottheit. Denkt nur, daß diese Sinne aus dem Grunde der Natur entstehen, indem der Vater diese Kräfte aus sich in eine Unterschiedlichkeit ausspricht.

1.24. Und der Heilige Geist wird darum heilig und eine Flamme der Liebe genannt, weil er die ausgehende Kraft aus dem Vater und Sohn ist, nämlich das bewegende Leben im ersten Willen des Vaters und im zweiten Willen des Sohnes in seiner (sinnlichen) Kraft, und daß er ein Gestalter, Wirker und Führer in der ausgegangenen Lust des Vaters und des Sohnes ist, als in der Weisheit.

1.25. Also, ihr lieben Brüder, ihr armen, von Babel verwirrten Menschen (durch himmelstrebende Gedankengebäude, die in begrifflicher Verwirrung enden), die euch durch des Satans Neid verwirrt hat, merkt dieses: Wenn man von drei Personen der Gottheit und vom göttlichen Willen zu euch spricht, dann wisset, daß der Herr, unser Gott, ein Einiger Gott ist, welcher nichts Böses wollen kann noch will. Denn wollte er etwas Böses und dann auch etwas Gutes in sich selbst, dann wäre eine Trennung in ihm, und so müßte auch etwas sein, das eine Ursache dieses Gegensatzes wäre.

1.26. Weil aber nichts vor Gott ist, so kann ihn auch nichts zu etwas bewegen. Denn wenn ihn etwas bewegte, dann wäre es eher und größer als er selber. Könnte es geschehen, daß Gott in sich selber uneinig und zertrennt wäre, dann müßte diese Bewegung aus einer anderen Ursache kommen, weil es sich sonst nicht bewegen könnte.

1.27. Wir aber sagen euch bezüglich des Einen, daß Gottes Wesen, soweit es der „Einige Gott“ heißt, jenseits von Grund, Stätte und Zeit in sich selbst wohnend verstanden und an keinem besonderen Orte mit einer besonderen Wohnung betrachtet werden sollte. Willst du aber wissen, wo Gott wohnt, so nimm Natur und Kreatur weg (bzw. schaue hindurch), dann ist Gott Alles. Nimm das ausgesprochene geformte Wort weg, dann siehst du das ewigsprechende Wort, das der Vater im Sohne ausspricht. So siehst du die verborgene Weisheit Gottes.

1.28. Sprichst du aber: „Ich kann nicht die Natur und Kreatur von mir wegnehmen (bzw. durchschauen), denn wenn das geschähe, so wäre ich ein Nichts. Darum muß ich mir die Gottheit durch Bilder so einbilden, weil ich sehe, daß in mir Böses und Gutes ist, wie es auch in der ganzen Schöpfung so verstanden wird.“

1.29. Dann höre, mein Bruder, wie Gott in Moses sprach »Du sollst dir kein Bildnis eines Gottes machen, weder im Himmel, auf Erden noch im Wasser oder in etwas… (2.Moses 20.4)«, um anzudeuten, daß Er kein Bild sei, auch keine Stätte zu einem Sitz bedürfe, und man Ihn nirgends an einem Ort suchen solle, als nur in seinem geformten ausgesprochenen Wort, nämlich im Bild Gottes, im Menschen selbst, wie auch geschrieben steht: »Das Wort ist dir nahe, nämlich in deinem Mund und Herzen. (Röm. 10.8)« Und das ist der nächste Weg zu Gott, daß das Bild Gottes (der Menschen) in sich selbst allen eingebildeten Bildern entsinke und alle Bilder, Gegensätze und Streitigkeiten in sich verlasse und dem eigenen Wollen, Begehren und Meinen entsage, um sich bloß allein in das ewige Eine als in die lautere Einige Liebe Gottes zu versenken und zu vertrauen, die Er durch Christo nach des Menschen Fall wieder in die Menschheit hineingeführt hat.

1.30. Dieses habe ich etwas weitläufig vorbereitet, damit der Leser den ersten Grund verstehen lerne, was Gott sei und wolle, und daß er nicht einen bösen und guten Willen in dem Einigen unnatürlichen und ungeschaffenen Gott suche, und damit er aus den (äußeren) Bildern der Schöpfung herausgehe, wenn er Gott, seinen Willen und sein ewig sprechendes Wort betrachten will, auch wenn er erkennen will, woraus Böses und Gutes entsteht, wegen dem sich Gott einen „zornigen und eifrigen Gott“ nennt, so daß Er sich dann zur ewigen Natur als zum ausgesprochenen, gefaßten und geformten Wort wende, und danach zur Natur als zur anfänglichen, zeitlichen (und vergänglichen) Natur, darin die Schöpfung dieser Welt liegt.

1.31. So wollen wir nun dem Leser weiter von Gottes Wort berichten, das Er aus seinen Kräften ausspricht, und ihm die Unterscheidung andeuten als (1.) den Ursprung der Eigenschaften, daraus ein guter und böser Wille entsteht, und (2.) zu welchem Ziel solches unvermeidlich sein müsse, und (3.) wie alle Dinge in der Unvermeidlichkeit stehen, und (4.) wie die Bosheit in der Kreatur entsteht.

2. Kapitel – Das Wort Gottes

Vom Ursprung des ewigsprechenden Wortes von Gott und der Offenbarung göttlicher Kraft als Natur und Eigenschaft.

2.1. Der kreatürliche Verstand steht in dem geformten, gefaßten und ausgesprochenen Wort. Darum ist er ein bildhaftes Wesen und denkt immerdar, Gott sei auch ein bildhaftes Wesen, der sich erzürnen und in Eigenschaften zum Bösen und Guten hineinführen kann. Auf diese Weise hat er sich bezüglich der Hoheit dieses göttlichen Willens eingebildet, daß sich Gott von Ewigkeit her einen Vorsatz und eine Wahl gemacht habe, was er mit seinem Geschöpf tun wollte, und sich sozusagen in eine Rache hineingeführt habe, damit er seine Liebe und Barmherzigkeit an seinen Auserwählten offenbaren könne und möge. Also müsse sein Grimm die Ursache sein, damit seine Barmherzigkeit erkannt werde. Dann ist es im Grunde überall so, daß Gottes Zorn seine majestätische Macht offenbaren muß, ähnlich wie das Feuer das Licht.

2.2. Doch vom Willen Gottes, abgesehen von der Unterschiedlichkeit des geformten Wortes und der Kreatur, hat dieser Verstand keinen wahren Begriff. Denn hätte Gott jemals einen Rat in sich gehalten, um sich so zu offenbaren, dann wäre seine Offenbarung nicht von Ewigkeit außerhalb von Gemüt und Stätte. Dann müßte dieser Rat auch irgendwann einen Anfang genommen haben, und dann müßte dafür eine Ursache in der Gottheit gewesen sein, wegen der sich Gott in seiner Dreiheit beratschlagt hätte. Und dann müßten auch Gedanken in Gott sein, die ihm in einer solchen Gestaltung einbilden, wie er einem Dinge begegnen wollte.

2.3. Nun ist Er aber selbst das Einige und der Grund aller Dinge und das Auge aller Wesen und die Ursache aller Wesenheit. Aus seiner Eigenschaft entstehen Natur und Kreatur. Was wollte Er denn mit sich selber beratschlagen, wenn kein Feind vor ihm noch hinter ihm ist und er selbst allein alles ist, alles Wollen, Können und Vermögen?

2.4. Darum sollten wir, wenn wir von Gottes unwandelbarem Wesen einzig und allein sprechen wollen, was er wolle, was er gewollt habe und immer will, nicht von seinem Ratschlag sprechen, denn es ist kein Ratschlag in ihm. Er ist das Auge alles Sehens (das reine Bewußtsein) und der Grund aller Wesen. Er will und tut in sich selbst immer nur das Eine: Er gebiert sich in Vater, Sohn und Heiligem Geist in die Weisheit seiner Offenbarung. Sonst will der Einige und unergründliche Gott in sich selbst nichts, hat auch in sich selbst darüber keinen Ratschlag. Denn wollte er in sich noch mehr, dann müßte ihm zum Vollbringen von solchem Wollen die Allmacht fehlen. So kann er auch in sich selbst nichts mehr als nur sich selber wollen, denn was er je von Ewigkeit gewollt hat, das ist er selbst. Also ist er allein Eines und nichts mehr. Und so kann auch das Einige mit ihm nicht streitig werden, davon ein Ratschlag entstünde, um diesen Streit zu entscheiden.

2.5. Auf diese Weise sollte man auch von den Dingen denken, die aus dem ewigen, anfangslosen Grund herrühren, nämlich daß ein jedes Ding, das aus dem ewigen Grund ist, ein Ding in seiner Ichheit sei, aber auch ein Einiger Wille, der nichts vor sich hat, das ihn zerbrechen kann, er führe sich denn selbst in eine fremde (äußerliche bzw. getrennte) Fassung hinein, die dem ersten Grund, daraus er entstanden ist, nicht mehr ähnlich sieht. Dann ist es eine Abtrennung vom Ganzen, wie uns dann am gefallenen Teufel und der Seele des Menschen verständlich wird, daß sich die Kreatur vom ganzheitlichen Willen abgebrochen und in eine Eigenheit anderer Fassung hineingeführt hat, der göttlichen Einigen Geburt zuwider. Um aber dieses zu erkennen, müssen wir auf die Hauptursache schauen, wie das geschehen konnte.

2.6. Denn hätten sich die Kräfte der Einigen göttlichen Eigenschaft nicht in Unterschiedlichkeit hineingeführt, dann hätte das nicht geschehen können, und dann wären weder Engel noch andere Kreaturen geworden. Auch gäbe es keine Natur mit Eigenschaften, und dann wäre der unsichtbare Gott dem Willen allein in der stillen wirkenden Weisheit in sich selbst offenbar, und dann wären alle Wesen ein Einiges Wesen, so daß man nicht mehr von Wesen sprechen könnte, sondern von einer in sich selber wirkenden Lust, welche also nur in dem Einigen Gott ist und nicht Mehreres (kein Vielfältiges) ist.

2.7. Wenn wir aber die göttliche Offenbarung in der ganzen Schöpfung in allen Dingen betrachten und die Schriften der Heiligen anschauen, dann sehen, finden und begreifen wir den wahren Grund. Denn es steht geschrieben: »Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. (Joh. 1.1)«

2.8. In dieser kurzen Beschreibung liegt der ganze Grund göttlicher und natürlicher Offenbarung, im Wesen aller Wesen. Denn »im Anfang« heißt hier der ewige Anfang im Willen des Ungrundes zum Grund als zur göttlichen Fassung, wenn sich der Wille in ein Zentrum zu einem Grund faßt, nämlich zum Wesen Gottes, und sich in Kraft hineinführt und aus der Kraft ausgeht in Geist, und im Geist sich in Empfindlichkeit der Kräfte bildet. Also sind diese Kräfte, die alle in einer Kraft liegen, der Ursprung des Wortes. Denn der Einige Wille faßt sich in der Einigen Kraft, in der alle Verborgenheit liegt, und haucht sich durch die Kraft in die Beschaulichkeit des ewigen Gemüts aus, als die Anschauung seiner selbst (dem „Selbst-Bewußtsein“). Das heißt nun: »Das Wort war im Anfang bei Gott, und war Gott selbst.«

2.9. Der Wille ist der Anfang und heißt „Gott Vater“, der sich dann in eine Kraft faßt und „Sohn“ heißt. Und das Wesen der Kraft ist die Scienz (Erfahrung oder Erkenntnis) und Ursache des Aussprechens, als das Wesen der Unterschiedlichkeit der Einigen Kraft, als die Austeilung des Gemüts, das der Geist mit seinem Ausgehen aus der Kraft unterschiedlich macht.

2.10. Nun könnte aber kein Aussprechen oder Ausschallen geschehen – denn die Kräfte stehen (ursprünglich) alle in einer Einigen Kraft in großer Stille – wenn sich diese Einige Lust nicht in der Kraft einer Begierde faßte, nämlich durch Zusammenziehung (bzw. Fassung) in einer Erfahrung (Scienz). Das heißt: Die freie Lust faßt sich in eine Erfahrung seiner selbst zu einer Formung der Kräfte, auf daß die Kräfte in eine Verfestigung zu einem wahrnehmbaren Hall (bzw. gegensätzlichen Schwingen) eingehen, davon die sinnliche Wahrnehmung der fünf Sinne entstehen, als eine innere Beschauung, Fühlung, Hörung, Riechung und Schmeckung, welches hier noch nicht auf kreatürlicher (körperlicher), sondern nur auf Art der ersten (geistigen) Empfindlichkeit und Findlichkeit (Wahrnehmung und Bewußtsein) in sinnlicher Art verstanden werden soll.

2.11. So heißt es dann hier: »Das Wort (als die geformte Kraft) war im Anfang bei Gott.« Denn hier werden nun zwei Wesen verstanden, nämlich die ungeformte Kraft, das heißt „In“, und die ausgeformte Kraft, das heißt »Bei«, denn sie ist in das Etwas zur Beweglichkeit eingetreten. Das »In« ist still, aber das »Bei« ist gefaßt. Und aus dieser Fassung (Gestaltung) und Erfahrung (Scienz) entstehen Natur und Kreatur samt allen Wesen.

2.12. Hier sollen wir unser Auge der Vernunft weit auftun, damit wir den Unterschied zwischen Gott und der Natur durchschauen können, und nicht nur sagen: „Gott will, und Gott schuf.“ Es ist nicht genug, daß man mit dem Heiligen Geist gaukle und ihn einen Teufel nennt, wie der gefangene Verstand es tut, der sagt: „Gott will das Böse.“ Denn all der böse Wille ist ein Teufel, nämlich ein selbstgefaßter Wille zur Eigenheit (Ichheit), ein abtrünniger vom ganzheitlichen Wesen und eine Phantasie (bzw. Illusion).

2.13. Darum ermahne ich den Leser zuhöchst, unseren Sinn recht zu begreifen und sich von der Phantasie gedanklicher Schlußfolgerungen fernzuhalten, die nicht auf wahrem und innerlichem Grund stehen (sondern auf materiellem Sand gebaut sind). So wollen wir ihm hier den wahren Grund darstellen.

2.14. Versteht bitte: Die Kräfte zum Wort sind Gott, und die Erfahrung als das magnetische Ziehen ist der Anfang der Natur. Nun könnten die Kräfte nicht offenbar werden, ohne diese Begierde des Ziehens. Denn Gottes Majestät in wirkender Kraft zur Freude und Herrlichkeit würde ohne das Anziehen der Begierde nicht offenbar werden, und es wäre auch kein Licht in göttlicher Kraft, wenn sich nicht die Begierde einzöge und überschattete, darin der Grund der Finsternis verstanden wird, welcher sich dann bis zur Entzündung des Feuers führt, in der sich Gott einen zornigen Gott und ein verzehrendes Feuer nennt. Und daraus entsteht die große Unterschiedlichkeit, wie auch der Tod und das Sterben und das ganze wahrnehmbare kreatürliche Leben und wird entsprechend verstanden.

2.15. Wie ihr dessen ein Gleichnis an einer brennenden Kerze habt, wenn das Feuer die Kerze in sich zieht und verzehrt, so daß das Wesen stirbt. Das heißt: Im Sterben der (materiellen) Finsternis verwandelt sich die Kerze im Feuer in einen Geist und eine andere Qualität, wie am Licht verstanden wird, obwohl man in der Kerze eigentlich kein fühlendes Leben versteht. Aber mit des Feuers Entzündung führt sich das Etwas der Kerze in eine Verzehrung hinein, wie in ein leidvoll fühlendes Weben und Leben, und aus diesem leidvoll fühlenden Leben wird das Nichts, nämlich das Eine, in einer großen Zufriedenheit scheinbar und lichtvoll.

2.16. Ähnlich können wir auch über Gott nachsinnen, daß er seinen Willen darum in eine Erfahrung der Natur hineinführt, damit seine Kraft im Licht seiner Majestät offenbar und ein Freudenreich werde. Denn wenn in dem ewigen Einen keine Natur entstünde, dann wäre alles still. Aber die Natur führt uns in Leiderfahrung, Empfindlichkeit und Findlichkeit hinein, auf daß die ewige Stille beweglich werde und die Kräfte zum Wort erfahrbar werden. Nicht, daß darum das ewige Leiden werde, so wenig das Licht vom Feuer leidvoll wird, sondern daß die feurige Eigenschaft im Leiden die stille Lust bewege.

2.17. Die Natur ist das Werkzeug der stillen Ewigkeit, damit sie wirke, gestalte und unterscheide, und sich selbst darin in ein Freudenreich fasse, denn der ewige Wille offenbart sein Wort durch die Natur. So nimmt das Wort in der Erfahrung Natur an. Aber das ewige Eine, als der Gott Jehovah, nimmt keine Natur an, sondern wohnt durch die Natur gleichwie die Sonne in den Elementen oder wie das Nichts im Licht des Feuers, denn des Feuers Glanz macht das Nichts scheinbar (sichtbar). Obwohl man hier nicht von „Nichts“ sprechen sollte, denn dieses Nichts ist Gott und Alles. Allein wir reden so, damit wir dem Leser unseren Sinn und Begriff erklären könnten.

2.18. Die Natur mit ihrem Ursprung in der Erfahrung, als in der anziehenden Begierde, wird wie folgt verstanden. Dazu will ich ein Gleichnis vorstellen vom Feuer und Licht, damit sich der Leser in den wahren Sinn und Verstand mit der Hilfe göttlicher Kraft hineinführen kann.

2.19. Siehe eine angezündete Kerze an, dann siehst du ein Gleichnis für Beides, dem göttlichen und auch dem natürlichen Wesen. In der Kerze liegt alles ineinander in einem Wesen in gleichem Gewicht ohne Unterschied, nämlich das Wachs, das Feuer, das Licht, die Luft, das Wasser und die Erde. Also auch Schwefel, Quecksilber und Salz (die drei Grundqualitäten) im Wachs, aus dem Feuer, Licht, Luft und Wasser (wieder in getrennter Form) entstehen. Dazu kann man in der Kerze keinen Unterschied finden und sagen: das ist Feuer, das ist Licht, das ist Luft, das ist Erde. Man sieht auch nicht die Ursachen des Schwefels, Salzes oder Wachses. Man sagt nur, es ist Wachs. Und das ist auch wahr, aber alle diese Eigenschaften liegen darin, aber noch in keinem Unterschied der Erkenntnis, denn sie stehen alle in gleichem Gewicht in einer Ausgewogenheit.

2.20. Gleiches können wir auch vom ewigen Einen erkennen, nämlich von dem verborgenen und nicht offenbaren Gott, jenseits der ewigen Erfahrung (Scienz), das heißt, jenseits der Offenbarung seines Wortes durch seine Kräfte. Denn es liegen alle Kräfte und Eigenschaften im anfangslosen Gott Jehovah in ganzheitlicher Ausgewogenheit. Doch indem der ewige Wille, welcher der Vater aller Wesen und allen Ursprungs ist, sich in der Weisheit in einem Gemüt zu seinem Selbst-Sitz und zur Kraft faßt und dieses innerlich Gefaßte aushaucht, so faßt sich sein Wille im Aushauchen seiner Kraft in der Ausgewogenheit zu einem Ausgehen seiner selbst in eine Erfahrung der Unterschiedlichkeit durch Offenbarung der Kräfte. Auf diese Weise erscheint in dem Einen eine unendliche Vielfalt der Kräfte, als ein ewiger Blick (des ewigen Bewußtseins), damit das ewige Eine unterscheidbar, empfindbar, sichtbar, fühlbar und wesentlich werde.

2.21. Und in dieser Erfahrung mit ihrer anziehenden Begierde, wie man das ungefähr erklären könnte, beginnt die ewige Natur. Und in der Natur beginnt das Wesen, das heißt, ein geistiges Wesen als Mysterium Magnum (großes Unbekanntes), nämlich der offenbare Gott oder wie man es nennen möchte, auch die göttliche Offenbarung. So daß auch die Heilige Schrift von Gott mit Unterscheidung redet, wie »Gott ist gut; Gott ist zornig und eifrig; Gott kann nichts Böses wollen; Gott verstockt ihr Herz, daß sie nicht glauben und nicht selig werden; es ist oder geschieht kein Übel in der Stadt, das der Herr nicht tut; darum habe ich dich erweckt, damit ich meines Zornes Macht an dir offenbare…« Die ganze Wahl des Guten und Bösen in der Schöpfung, wie da böse und gute Kreaturen in Metallen, Erden, Steinen, Kräutern, Bäumen und Elementen entsprechend zu sehen sind, das hat alles seinen Anfang und Ursprung daher (von der natürlichen Begierde nach Erfahrung bzw. Erkenntnis).

2.22. Und so ist in der Natur immer eines gegen das andere gesetzt, so daß eines des anderen Feind sei. Doch nicht nur, damit es sich anfeinde, sondern daß eines das andere im Streit bewege und durch sich offenbare, auf daß das Mysterium Magnum (große Unbekannte) in Unterschiedlichkeit eingehe und in dem ewigen Einen eine Erhebung zum Freudenreich sei, auf daß das Nichts in und mit Etwas zu wirken und zu spielen habe, nämlich der Geist Gottes, der sich durch Weisheit von Ewigkeit in ein solch geistiges Mysterium zu seiner Selbst-Beschaulichkeit (Selbst-Erkenntnis) hineingeführt hat. Dieses Mysterium hat Er in einen Anfang zur Schöpfung und Zeit hineingeführt und in ein Wesen und Weben der vier Elemente gefaßt, und damit das unsichtbare Geistige mit und in der Zeit sichtbar gemacht.

2.23. Nun zeigen wir euch diesbezüglich ein wahres Bild an der Welt, nämlich an der Sonne, den Sternen und Elementen und des Mysteriums, daraus die vier Elemente entstanden. Wir sehen, daß die Sonne in der Tiefe der Welt leuchtet und ihre Strahlen das Wesen der Erde entzünden, daraus alles wächst. Auch verstehen wir, daß sie das Wesen im Mysterium Magnum (dem großen Unbekannten) als Spiritus Mundi (Erd- oder Weltgeist) nämlich im Schwefel, Quecksilber und Salz entzündet (die drei Grundqualitäten des Lebens, ähnlich wie Leid, Ichheit und Glück), darin das magische Feuer offenbart wird, aus dem die Luft, das Wasser und die Erde ihren Ursprung nehmen. Das heißt: Das Einige im Mysterium Magnum scheidet sich danach in der äußeren Welt in vier Elemente, welche wohl zuvor im Mysterium lagen. Aber nun stehen sie in der Erfahrung (Scienz) der magnetischen Impression (begehrenden Einbildung), die ineinander im großen Mysterium verborgen waren und in einem Wesen lagen.

2.24. Nun, gleichwie der Sonne Kraft und Strahlen das Mysterium der äußeren Welt offenbaren, so daß Kreaturen und Gewächse daraus entstehen, so ist auch das Mysterium eine Ursache für die äußere Welt, darin sich die Strahlen der Sonne offenbaren und entzünden. Wenn nicht das große Mysterium in Schwefel, Salz und Quecksilber auf geistige Art im Geist der Welt (Spiritus Mundi) läge, wie in der Erfahrung der Eigenschaften der Sterne, die eine Quintessenz der vier Elemente ist, dann könnten die Strahlen der Sonne nicht offenbar werden. Weil aber die Sonne edler und einen Grad tiefer (bzw. grundlegender) in der Natur als das Mysterium der äußeren Welt ist, nämlich als der weltliche Geist in Schwefel, Salz und Quecksilber in der Quintessenz der Sterne, so drängt sie sich in das äußere Mysterium hinein und entzündet es, und damit auch sich selbst, so daß ihre Strahlen feurig werden. Denn sonst wären sie nicht feurig, und es gäbe auch keine Erfahrung im Mysterium dieser Welt.

(Die Quintessenz war das fünfte unsichtbare Element. Aus körperlicher Sicht der Raum, der alles durchdringt und in sich vereint, und aus geistiger Sicht die ganzheitliche Vernunft als Quintessenz der unterscheidenden Gedanken.)

2.25. Und wie nun die Sonne ihre Begierde heftig in die Erfahrung des äußeren Mysteriums als in diese drei Grundqualitäten hineinführt, nämlich in Schwefel, Salz und Quecksilber, um sich in ihnen anzuzünden und zu offenbaren, so führt auch die Erfahrung ihre Begierde aus der Quintessenz der Sterne (aus der Vernunft) durch diese drei Grundqualitäten so heftig der Sonne entgegen, nämlich als ihren Naturgott, welcher eine Seele des großen Mysteriums in der äußeren Welt der Elemente ist, wie ein Gleichnis des inneren verborgenen Gottes.

2.26. Auch sieht man, wie die Sterne (bzw. Gedanken) so gierig und hungrig nach der Sonne Kraft sind, daß sie ihre Erfahrung und Begierde auf magnetische Art im Geist der Welt in die drei Grundqualitäten hineinführen und der Sonne Kraft in sich ziehen, hingegen sich auch die Sonne mächtig in sie hinein drängt, um ihre Erfahrung zu empfangen. Deshalb haben sie aus der Sonne Kraft ihren Schein, so daß sie wiederum ihre angezündete Kraft wie eine Frucht in die vier Elemente bringen und also ineinander qualifizieren (sich befruchten), so daß je eines des anderen Offenbarung und auch Kraft und Leben ist, aber auch des anderen Zerstörung, damit nicht eine Eigenschaft über alle anderen aufsteigt.

2.27. So hat es der Höchste in ein Gleichnis nach seinem eigenen Wesen durch sein ewig sprechendes Wort in eine vergängliche Zeit gesprochen, nämlich aus dem ewigen großen Mysterium, das ganz geistig ist, und hat das Ewige in einer vergängliche Zeit mit einer vergänglichen Gestalt dargestellt, aus der alles kreatürliche Leben entsteht und auch darin sein Regiment führt, ausgenommen die Engel und ewigen Geister, wie auch die reine innere Seele des wahren Menschen. Diese haben ihren Ursprung in der ewigen uranfänglichen Erfahrung (Scienz) oder Natur, wie im Folgenden erklärt werden soll.

2.28. So versteht nun dies symbolische Gleichnis: Gott ist die ewige Sonne, als das ewige Einige Gute. Er wäre aber jenseits der ewigen Erfahrung, nämlich der ewigen Natur mit seiner Sonnenkraft als Majestät, nicht offenbar (bzw. erkennbar) ohne die ewige geistige Natur (das reine Bewußtsein). Denn es wäre nichts jenseits der Natur, darin Gott in seiner Kraft offenbar sein könnte, denn er ist der Anfang der Natur. Deshalb führt Er sich nicht darum aus dem ewigen Einen in einen ewigen Anfang zur Natur, damit er etwas Böses sein will, sondern daß seine majestätische Kraft in Unterschiedlichkeit und Empfindlichkeit kommen möge, damit ein Bewegen und Spielen in Ihm sei, wenn die Kräfte miteinander spielen und sich in ihrem Liebesspiel und Ringen also selbst offenbaren und empfinden, dadurch das große unermeßliche Liebefeuer im Bande und der Geburt der Heiligen Dreifaltigkeit wirkend werde.

2.29. Dessen geben wir euch noch ein Gleichnis am Feuer und Licht: Das Feuer deutet uns in seinem leidvollen Aspekt die Natur als Erfahrung an, und das Licht deutet uns das göttliche Liebefeuer an. Denn das Licht ist auch ein Feuer, aber ein gebendes Feuer, denn es gibt sich selbst in alle Dinge. Und in seinem Geben ist Leben und Wesen, nämlich Luft und ein geistiges Wasser. In diesem Wasser, das dem Brenn-Öl (des Feuers) gleicht, führt das Liebefeuer des Lichts sein Leben, denn es ist des Lichtes Speise. Denn wenn das Licht eingesperrt werden sollte und sich das geistige Wasser von der feurigen Art nicht mehr unterscheiden könnte und sich in sich selbst mit dem Nichts verschmelzen sollte, nämlich mit dem Ungrund, dann würde das Licht erlöschen. Indem es sich aber mit dem Ungrund, darin doch der ewige Grund liegt, zu einer ganzheitlichen Ausgeglichenheit verschmilzt, wenn die Kräfte alle in einer liegen, so zieht das Licht- oder Liebefeuer dieses geistige Wasser wieder zu seiner Speise in sich, so daß es in der Verschmelzung eine einzige Öl-Tinktur wird (ein Ur-Meer oder Meer der Ursachen), als eine ganzheitliche Kraft von Feuer und Licht.

2.30. Und allhier liegt das größte Geheimnis der geistigen Ernährung. Ihr lieben Söhne, wenn ihr das erkennen könntet, dann hättet ihr den Grund aller Heimlichkeit und des Wesens aller Wesen erkannt. Und von diesem sagte uns Christus, »er wolle uns das Wasser des ewigen Lebens geben, und das würde in uns in einen Quellbrunnen des ewigen Lebens quellen. (Joh. 4.14)« Nicht das äußere Wasser vom äußeren Lichtfeuer, sondern das innere vom göttlichen Lichtfeuer, von dem das äußere ein Bildnis ist.

2.31. Also erkennt und versteht dieses Gleichnis. Das ewige, Einige Gute als das Wort der heiligen geistigen Zunge, welches der allerheiligste Jehovah aus der ganzheitlichen Ausgeglichenheit seines eigenen Wesens in die Erfahrung der Natur spricht, das spricht er nur darum in eine Erfahrung der Unterschiedlichkeit als in eine Gegensätzlichkeit, damit seine heiligen Kräfte unterschiedlich werden und in den Schein der Majestät kommen, denn sie müssen durch die feurige Natur offenbar werden. Denn der ewige Wille, welcher „Vater“ heißt, führt sein Herz oder „Sohn“ als seine Kraft durch das Feuer heraus zu einem großen Triumph des Freudenreichs.

2.32. Im Feuer ist der Tod, nämlich das ewige Nichts stirbt im Feuer. Und aus dem Sterben kommt das heilige Leben. Nicht daß es ein Sterben sei, sondern so entsteht das Liebe-Leben aus dem Leiden. Das Nichts oder die Einheit nimmt also ein ewiges Leben in sich, daß es fühlend sei, und geht aber wieder aus dem Feuer heraus, wie ein Nichts. Wie wir auch sehen, daß das Licht vom Feuer ausscheint, und doch wie ein Nichts nur einer lieblichen, gebenden und wirkenden Kraft gleicht.

2.33. Also versteht in der Unterscheidung der Erfahrung, wenn sich Feuer und Licht unterscheidet, im Feuer die ewige Natur. Darin spricht Gott, daß er ein zorniger und eifriger Gott und wie ein verzehrendes Feuer sei, das nicht der „Heilige Gott“ genannt wird, sondern sein Eifer ist wie eine Verzehrung (bzw. Verbrennung) dessen, was die Begierde durch Unterscheidung in der Erfahrung in sich faßt.

2.34. So versteht nun, wie sich da eine Unterschiedlichkeit in der Erfahrung in einem eigenen Willen erhebt, um über die Ausgeglichenheit hinauszufahren, sich einschließt und vom ganzheitlichen Willen abbricht und in die Phantasie (bzw. Illusion) hineinführt, wie Herr Luzifer und die Seele von Adam getan haben und noch heute in der menschlichen Erfahrung und in der seelischen Eigenschaft (der Ichheit) geschieht. Daraus werden Distel-Kinder mit falscher (illusorischer) Erfahrung (teuflischer Art) geboren, die der Geist Gottes erkennt, und von welchen Christus sagte, sie wären nicht seine Schafe (Joh. 10.26). Das heißt, daß der allein Gottes Kind sei, dessen Seele nicht vom Fleisch noch vom Blut noch vom Willen eines Mannes, sondern von Gott entsprossen sei (Joh. 1.13), das heißt, aus wahrer göttlicher Erfahrung, aus der ganzheitlichen Ausgeglichenheit, nämlich aus der Wurzel des Liebefeuers. Wie nun Gott sein Liebefeuer durch Christo wieder in die verdorbene Erfahrung von Adam hineingeführt und wieder in des Lichtes Ausgeglichenheit als in des Lichtes Erfahrung eingewurzelt hat, das soll im Folgenden weiter behandelt werden.

2.35. Wie wir nun in der Entzündung des Feuers zwei Wesen erkennen, nämlich eines im Feuer und das andere im Licht und damit zwei Prinzipien, so können wir es auch in Gott erkennen. Er heißt allein „Gott“ nach dem Licht, als in den Kräften des Lichts, da gleich auch die Erfahrung (Scienz) innerlich offenbar ist und auch in unendlicher Vielfalt, aber alles im Liebefeuer, da alle Eigenschaften der Kräfte ihren Willen in Einen Willen geben, nämlich in die göttliche Ausgewogenheit. In dieser Ausgewogenheit regiert in allen Eigenschaften nur ein Einiger Geist und Wille, und die Eigenschaften begeben sich alle in Eine große Liebe zueinander und ineinander, weil je eine Eigenschaft die andere in großer feuriger Liebe zu schmecken begehrt und alles nur eine vollkommene liebliche und ineinander inqualierende (ausgleichende) Kraft ist, die sich aber durch die Unterschiedlichkeit der Erfahrung in vielfältigen Farben, Kräften und Tugenden hineinführt, um die unendliche göttliche Weisheit zu offenbaren.

2.36. Wie wir dessen auch ein Beispiel an der blühenden Erde haben, an den Kräutern, wenn durch die Erfahrung der Ausgewogenheit aus dem guten Anteil schöne und liebliche Früchte wachsen und dagegen aus der Erfahrung der feurigen Natur aufgrund des Fluchs der Erde – die der Herr wegen des Menschen und des Teufels Falls verflucht und in einem Austreiben zu seiner Prüfung vorgesehen hat – nur bösartige, stachlige und distelartige Früchte wachsen, welche aber immer noch ein Gutes in sich haben, wegen ihres Ursprungs, weil in der Quintessenz die Ausgewogenheit noch verinnerlich liegt und am Ende auch entschieden werden soll.

2.37. So sollen wir es hier recht verstehen, daß in der göttlichen Kraft, soweit Gott „Gott“ heißt, im Wort der göttlichen Eigenschaften kein Wille zum Bösen sein könne, auch keine Wissenschaft vom Bösen darin sei. Sondern nur darin entsteht die Erkenntnis von Gutem und Bösem, wenn sich der unergründliche Einige Wille in die feurige Erfahrung unterscheidet, darin der natürliche und kreatürliche Grund liegt.

2.38. Denn aus der göttlichen Liebe-Erfahrung kann keine Kreatur einig und allein geboren werden und bestehen, sondern sie muß die feurige Dreiheit der feurigen Leid-Erfahrung in sich haben, als einen eigenen Willen (der Ichheit), der als ein getrennter Teil wie eine ausgehauchte Erfahrung und ein Strahl vom ganzen Willen aus der ganzheitlichen Ausgeglichenheit des ersten unergründlichen Willens ausgeht, wenn sich das Wort der Kräfte im Feuer unterscheidet, um sich aus dem Feuer wieder in das Licht zu entscheiden.

2.39. Allda entstehen die Engel und die Seele des Menschen aus der feurigen Erfahrung des Anfanges der ewigen Natur, damit sich dieser Strahl der feurigen Erfahrung wieder in der Licht-Ausgeglichenheit vereinen soll, nämlich im Ganzen. So ernährt sie sich von der heiligen Tinktur des Feuers und des Lichts, nämlich vom geistigen Wasser (des ewigen Lebens), darin das Feuer ein Freudenreich wird.

2.40. Denn das Geist-Wasser ist eine tägliche Erlöschung der feurigen Erfahrung, dadurch die feurige Erfahrung mit dem Liebefeuer eine Ausgeglichenheit wird. Dann ist nur noch ein Einiger Wille darin, nämlich alles zu lieben, was in dieser Wurzel steht. So kann man die Engel Gottes und auch Glückseligen verstehen, welche allesamt ihren Ursprung aus der Feuer-Erfahrung genommen haben, in der nun das Licht Gottes scheint, so daß sie einen stetigen Durst nach göttlicher Kraft und Liebe haben und ihr Feuer mit heiliger Liebe ausgleichen, dadurch die feurige Dreiheit (der drei natürlichen Grundqualitäten) in reine Heiligkeit und Liebe und große Freude verwandelt wird. Denn nichts ist oder besteht ewig, es habe denn seinen Ursprung aus dem ewigen anfangslosen Willen, aus der feurigen Erfahrung des göttlichen Wortes, wie im Folgenden erklärt werden soll.

3. Kapitel – Die geistige Gestaltung der Natur

Von der Einführung der feurigen Erfahrung (Scienz) in die Gestaltung zur Natur und zum Wesen, wie sich die Erfahrung in das Feuer hineinführt, was das sei und wie die Vielfalt entsteht. Das ist die Porte des großen Mysteriums aller Heimlichkeiten.

3.1. Als der hochverehrte Moses die Schöpfung der Welt beschreibt, sagt er, Gott habe gesprochen »Es werde!«, und so sei es geworden. Und dann spricht er: »Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. (1.Moses 1.1)« Und bei Johannes steht: »Gott habe alle Dinge aus seinem Wort gemacht. (Joh. 1.3)«

3.2. In diesem liegt nun der Grund und tiefgründige Verstand, denn von Ewigkeit ist nichts als nur Gott in seiner Dreifaltigkeit in seiner Weisheit gewesen, wie bereits erklärt wurde, und darin die Erfahrung als das Sprechen, aus sich Aushauchen, Fassen, Formen und in Eigenschaften Führen. Das Fassen ist das »Es werde!«, und die Erfahrung als die Begierde ist der Anfang aus der ganzheitlichen Ausgeglichenheit zur Unterschiedlichkeit. Denn der ganze Grund dafür liegt in dem, wenn gesagt wird: »Gott schuf durch das Wort.« Das Wort bleibt in Gott und geht mit der Erfahrung und entsprechender Begierde aus sich heraus in eine Teilung. Dies ist so zu verstehen: Die Erfahrung ist ewig im Wort, denn sie entsteht im Willen. Im Wort ist sie Gott, und in der Teilung, als in der Fassung, ist sie der Anfang zur Natur.

Die erste Qualität (Specie) der Natur

3.3. Die erste Qualität der Natur ist das Herbe als die Faßlichkeit seiner selbst. Ihre Gestaltungen, die in ihrer inneren (geistigen) Fassung entstehen, sind folgende: Als Erstes die Finsternis, denn die Fassung überschattet den freien Willen in der Erfahrung. Zum Zweiten ist sie die Ursache der Verhärtung, denn das Angezogene wird hart und grob, und soll doch im Ewigen nur als Geist verstanden werden. Zum Dritten ist sie eine Ursache für die Schärfe. Zum Vierten eine Ursache der Kälte als eine Eigenschaft, die das Feurige erkalten läßt. Und zum Fünften eine Ursache aller Wesenheit oder Begreiflichkeit. Diese ist im großen Mysterium die Mutter aller Salze und eine Wurzel der Natur und wird im weltlichen Mysterium mit dem Begriff „Salz“ als eine geistige Schärfe bezeichnet, und ist der Ursprung von Gottes Zorn, aber auch der Ursprung des Freudenreichs.

Von der zweiten Qualität der Natur

3.4. Die zweite Qualität in der Erfahrung ist der Stachel der Empfindlichkeit als das Ziehen selbst, daraus das Fühlen und die Empfindlichkeit entstehen. Denn je mehr sich die Herbigkeit einprägt, je größer wird dieser Stachel als ein Wütender, Tobender und Zerbrechender. Seine Teilung in Gestaltungen sind diese: Bitter, Weh, Leid und Regung als Anfang des Widerwillens in der Ausgeglichenheit, eine Ursache des Geist-Lebens und auch eine Ursache der Qual und des Quellens. Dieser Stachel ist der Vater oder die Wurzel des merkurischen Lebens (nach der Qualität des Quecksilbers bzw. der Ichheit) in den Lebhaften und Wachsenden, eine Ursache der umherschweifenden Sinne, aber auch der erheblichen Freuden im Licht, sowie eine Ursache der feindlichen Widerwärtigkeit in der strengen Prägung der Verhärtung, daraus Streit und Widerwille entstehen.

Von der dritten Qualität der Natur

3.5. Die dritte Qualität in der Erfahrung ist die Angst, welche durch den Gegensatz von Herbigkeit und stachliger Bitterkeit als ein Wesen des Gefühls entsteht, als ein Anfang des Wesens und des Gemüts, eine Wurzel des Feuers und aller Leiderfahrung, ein Hunger und Durst nach der Freiheit als nach dem Ungrund, eine Offenbarung des ewigen und unergründlichen Willens in der Erfahrung, wenn sich der Wille in geistige Gestaltung hineinführt, aber auch eine Ursache des Sterbens als die Geburt des Todes, obwohl nicht der Tod, sondern der Anfang des natürlichen Lebens entsteht. So ist sie eben auch die Wurzel, daß Gott und Natur unterschieden wird. Aber nicht als eine (absolute) Trennung, denn nur durch die Einheit der Gottheit ist es möglich, daß hier das erfahrbare geistig-sinnliche Leben entsteht, daraus die Schöpfung ihren Ursprung genommen hat.

3.6. Diese drei genannten Qualitäten als Herb, Bitter-Stachel und Angst, sind die drei ersten (und grundsätzlichen) in der Erfahrung des Einigen Willens, der „Vater aller Wesen“ heißt, und sie nehmen ihren Grund und Ursprung aus der Erfahrung der göttlichen Dreiheit.

3.7. Man sollte nicht denken, daß sie Gott sind, sondern seine Offenbarung in seinem Wort der Kraft. Nämlich zum Ersten mit dem Herben, das der Anfang zur Stärke und Macht ist, als ein Grund, daraus alles kommt und aus des Vaters Eigenschaft durch das Wort entsteht.

3.8. Zum Zweiten hat der bittere Stachel, als ein Anfang des Lebens, seinen Ursprung aus der Eigenschaft des Sohnes durch das Wort. Denn er ist eine Ursache aller (gegensätzlichen) Kräfte und Unterschiedlichkeiten, auch des Redens, des Denkens und der fünf Sinne.

3.9. Zum Dritten die Angst, die aus der Eigenschaft des Heiligen Geistes im Wort entsteht, denn sie ist die Ursache beider Feuer, nämlich des Liebe-Feuers des Lichtes und des Leiden-Feuers der Vergänglichkeit, und ist der wirkliche Ursprung des gefundenen kreatürlichen Lebens und damit auch des Sterbens für Freud und Leid, die Wurzel alles Lebens aus der Erfahrung des Einigen ewigen Willens.

3.10. Diese drei Grundqualitäten werden in der Schöpfung nach ihrer Verfestigung (bzw. Verkörperung) im natürlichen Leben der Schöpfung auch Salz, Schwefel und Quecksilber genannt, wenn sich das geistige Leben in eine sichtbare und begreifbare Materie hineingeführt hat. Diese Materie ist in allen Dingen, wie in den lebendigen Körpern und den Gewächsen der Erde, die ausnahmslos alle geistig und körperlich sind. Denn alle Wesen dieser Welt stehen darin, wie es den Augen sichtbar und den Erfahrenen bekannt ist.

3.11. So also hat sich das Unsichtbare, nämlich die geistige Welt, mit diesen drei ersten Qualitäten (Grundqualitäten) in ein sichtbares und begreifliches Wesen hineingeführt, nämlich nach den Geistern geistig und nach den Körpern begreiflich. Daraus entsteht auch die ganze Erde mit allen Materien, sowie das ganze Gestirn mit den Elementen. Jedoch muß man tiefer schauen und durch alle sieben (geistigen) Qualitäten gehen, wenn man das wahre Wesen der Sonne, Sterne und Elemente andeuten will, wie nun folgt.

(Vergleich der drei Grundqualitäten:)

Drei Grundqualitäten, Gestalter oder Eigenschaften
Geistige
Qualität
Verkörperte
Qualität
Göttliche
Dreifaltigkeit
Menschliche
Erfahrung
Drei
Prinzipien
Herb-AnziehendSchwefelVaterLeidFinsternis
Bitter-StachelQuecksilberSohnIchheitLicht
AngstSalzHeiliger GeistGlückWelt der 4 Elemente

(Die Vorstellung von drei grundsätzlichen Kräften oder Qualitäten als Ursache für die Bewegung der Schöpfung ist eine uralte Vorstellung vieler Traditionen. Zwei gegensätzliche Kräfte würden nur sinnlos hin- und herschwingen. Dazu dient dann eine dritte Kraft für eine Ausrichtung, so daß symbolisch ein Dreieck entsteht, in dem die drei Kräfte wechselwirken. Ähnliche Dreiecks-Systeme sind: )

Drei Seelenkräfte
des Mittelalters
Drei Geistesgifte
im Buddhismus
Drei Gunas
der Veden
Drei Doshas
im Ayurveda
Drei Veränderungen
von Aristoteles
VernunftBegierdeLeidenschaftVata-WindSubstrat
GedächtnisHaßGütePita-GalleAusgangszustand
WilleUnwissenheitTrägheitKapha-SchleimZielzustand

Von der vierten Qualität der Natur

3.12. Die vierte Qualität in der Erfahrung aus dem Einigen Willen ist nun des Feuers Entzündung, so daß sich Licht und Finsternis unterscheiden und zwei getrennte Prinzipien daraus werden. Denn hier ist des Lichtes Ursprung, sowohl des wirklichen Lebens in der Empfindlichkeit der drei ersten Qualitäten (Grundqualitäten), aber auch der wirklichen Unterscheidung zwischen der Angst und der Freude. Und dies geschieht so:

3.13. Der erste Wille in der Dreifaltigkeit, welcher „Gott jenseits der Natur und Kreatur“ heißt, faßt sich innerlich selbst zu seinem eigenen Sitz in der Gebärung der Dreiheit durch die Erfahrung und führt sich in eine Kraft, und mit der Kraft in das gebärende Wort als in einen wesentlichen Schall zur Offenbarung der Kräfte, und weiter in eine Begierde zur Empfindlichkeit und Findlichkeit (Wahrnehmung und Bewußtsein) der Kräfte, nämlich in die drei Ersten (die drei Grundqualitäten) zur Natur, wie oben erklärt wurde.

3.14. Wie er sich aber in die Angst zum Anfang der Natur geführt hat, nämlich in den Ursprung des geistigen Lebens, so faßt er sich in sich selbst auch wieder eine Lust zur Freiheit, um von der Angst frei zu sein. Das heißt: Er faßt den Ungrund als die ganzheitliche Ausgeglichenheit der göttlichen Lust und Weisheit in sich, welche so lieblich, gütig und still ist. Und in dieser innerlichen Fassung geschieht in der Angst ein großer Schreck, weil das Leid vor der großen Güte erschrickt und in sich wie in ein Zittern sinkt, davon das Gift-Leben (bzgl. Gut und Böse) in der Natur seinen Grund und Anfang hat. Denn im Schreck ist der Tod, und im Schreck faßt sich die Herbigkeit in ein Wesen, nämlich in ein quecksilbernes Geist-Wasser, aus dem in der innerlichen Prägung zum Anfang der Schöpfung der Erde für die Steine und Metalle das quecksilberne und schweflige Wasser geboren wurde, aus dem die Metalle und Steine ihren Ursprung haben.

3.15. Dieser Schreck erzeugt in den drei Grundqualitäten von Herb, Bitter und Angst nach der finsteren Prägung in sich das feindliche und schreckliche Leben des Grimmes oder Zornes von Gott, des Fressens und Verzehrens (des Fressens und gefressen Werdens). Denn es ist des Feuers Entzündung als das Wesen der Leiderfahrung oder Verzehrung im Feuer und wird nach der finsteren Prägung die Hölle oder Höhle genannt, als ein eigenes und in sich selbst gefaßtes leidliches Leben, das nur in sich selber empfindlich und offenbar ist und bezüglich des ganzheitlichen Ungrundes zu Recht eine verborgene Höhle genannt wird, welche im Licht nicht offenbar ist und doch eine Ursache für die Entzündung des Lichtes ist. Das kann man in der Art verstehen, wie die Nacht im Tag wohnt (das eine das andere bedingt) und doch keines das andere ist.

3.16. So versteht nun des Feuers Entzündung recht: Es geschieht einerseits durch die Wechselwirkung der drei Grundqualitäten in ihrer grimmigen Fassung, und anderseits durch die Liebe nach der Freiheit des Wesens in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit, wenn Liebe und Zorn ineinander vergehen. Denn wie es ein großer Schreck ist, wenn man Wasser ins Feuer gießt, so geschieht auch ein Schreck, wenn die Liebe in den Zorn eingeht. In der Liebe ist der Schreck ein Anfang des Blitzes oder Lichtstrahls, wenn sich die Einige Liebe als majestätisch oder strahlend empfindlich macht, als der Anfang zum Freudenreich, in ähnlicher Art wie das Licht im Feuer strahlend wird. So ist in dieser Liebe auch der Anfang der Unterschiedlichkeit der Kräfte, so daß die Kräfte im Schreck ausdringend werden, davon der Geruch und Geschmack der Unterschiede entsteht. Dagegen wird in den drei Grundqualitäten die leidvolle Natur des Feuers verstanden.

3.17. Denn zum Ersten prägt und frißt das Herbe. Zum Zweiten ist der Stachel des Leides das Bittere. Und zum Dritten ist dann die Angst der Tod und auch das neue Feuer-Leben, denn es ist die Mutter des Leidens. Und der Liebe Wesen gibt der Angst als der Mutter des Leidens eine Erquickung zum neuen Leben, aus dem der Lichtglanz des Feuers entsteht. Denn wir sehen, daß das Licht sanft (gütig) und das Feuer leidvoll ist. Also verstehen wir, daß des Lichtes Grund aus der Ausgewogenheit als aus der Einheit des Ungrundes der Einigen Liebe entsteht, welche „Gott“ heißt, und das Feuer entsteht aus dem führenden Willen im Wort und der Erfahrung durch die Prägung und Einführung in die drei Grundqualitäten.

3.18. Im Licht wird nun das Reich Gottes verstanden, als das Reich der Liebe. Und im Feuer wird Gottes Stärke und Allmacht verstanden, als das geistige Kreatur-Leben. Und in der Finsternis wird der Tod, die Hölle und der Zorn Gottes im ängstlichen Gift-Leben (von Gut und Böse) verstanden, wie solches an der Erde sowie den Steinen, Metallen und Kreaturen der äußeren geschaffenen Welt zu erkennen ist.

3.19. Doch nun bitte ich den Leser, den hohen und übernatürlichen Sinn, wenn ich von Gott und der Gebärung des großen Mysteriums rede, nicht irdisch zu verstehen. Denn ich deute damit nur den Grund an, woraus das Irdische geworden sei. Also muß ich es öfters sagen, damit es der Leser versteht und ihm nachsinnt und sich in den inneren Grund schwingt. Denn ich muß dem Himmlischen öfters irdische Namen geben, nur darum, damit das Irdische erklärt werden kann.

3.20. In der Entzündung des Feuers liegt der ganze Grund aller Heimlichkeit, denn der Schreck der Entzündung heißt in der Natur „Salz“ als eine Wurzel aller salzigen (bzw. kristallisierenden) Kräfte, eine Unterschiedlichkeit der Natur, weil sich die Erfahrung endlos unterscheidet und so immerdar als Schreck der Scheidung im Leiden des Wesens bleibt. In des Feuers Entzündung – nach dem inneren magischen (geistigen) Feuer verstanden – macht sich der Geist Gottes webend in der Art, wie die Luft (bzw. der Wind) aus dem Feuer entsteht. Denn all das entsteht aus dem Einigen Element (der Quintessenz), das sich in der äußeren Welt in vier Elemente entfaltet hat. Das versteht so:

3.21. Im Anblick des Feuers und des Lichtes entsteht die Unterscheidung. Das heißt: Der (ausgeglichene) Geist scheidet sich über sich hinaus in die feurige Erfahrung der Kräfte. Denn er geht durch den Feuer-Schreck aus sich heraus wie in ein neues Leben. Und es ist doch kein neues Leben, denn er hat nur solche Natur angenommen. Das Wesen der Liebe bleibt innerlich als ein Zentrum des Geistes bestehen, und gibt aus sich ein geistiges Brenn-Öl, in dem das Licht lebt, denn es ist das Wesen der feurigen Liebe. Aus diesem feurigen Wesen der Liebe geht die Tinktur (aus dem geistigen Ur-Meer oder Meer der Ursachen) mit dem Geist über sich selbst in die Höhe aus, als das Geist-Wässerlein, die Kraft von Feuer und Licht, die mit Namen auch Jungfrau Sophia („Weisheit“) heißt.

3.22. Es wäre gut für euch, ihr lieben Weisen, wenn ihr sie kennenlernt. Dieses geistige Wässerlein ist die wahre Demut, welche sich alsbald zur ganzheitlichen Ausgeglichenheit verwandelt und vom Licht wieder (zur Ganzheit) eingezogen wird. Denn sie (Sophia bzw. Weisheit) ist die Licht-Seele nach der Liebe, und das Feuer ist der Mann als des Vaters Eigenschaft, nämlich die Feuer-Seele. Und hierin bestehen die beiden Tinkturen als Mann und Weib, wie zwei Liebende, welche in der Ausgeglichenheit göttlich sind, aber in Adam geschieden wurden, als sich die Einbildung aus der Ausgeglichenheit herauswandte und (später) in Christo wieder vereinigt wurde.

3.23. Oh ihr lieben Weisen, versteht diesen Sinn, denn es liegt allhier das Perlein (des göttlichen Samens) der ganzen Welt, von den Unseren hinreichend erkannt, aber wir sollen es nicht den Tieren geben.

3.24. Die dritte Unterscheidung aus dem Feuer kommt durch die Abtötung des Feuers und geht durch das Wesen der drei Grundqualitäten des geistigen Schwefels, Quecksilbers und Salzes wie ein stummes und taubes Leben in sich selbst unter. Es ist der Wasser-Geist, aus dem das materielle Wasser der äußeren Welt seinen Ursprung hat, darin die drei Grundqualitäten mit ihrer Wirkung die Metalle, Steine und Erden aus den Eigenschaften des Salzes geboren haben. Aber auch darin sollte man das höhere Wesen aus der Prägung des Liebe-Wesens erkennen, wie in den Edelmetallen und Edelsteinen. Dieser salzartige (materielle) Grund wird durch die Sonne (das Licht des Bewußtseins) aufgeschlossen, damit er ein wachsendes Leben hat, den Unseren allhier hinreichend bekannt, denn er (der Wasser-Geist) wurde mit dem Fluch (der Erde) bedeckt. So lassen wir uns zu Recht mit dem begnügen, was uns ewig erfreut, und wollen dem Tierwesen keinen Freudenaffen aufbinden, doch im Folgenden andeuten, was uns nützt.

3.25. Die vierte Unterscheidung geht in die Finsternis, wo auch alle Wesen innerlich liegen und webend sind wie in der Lichtwelt und in der äußeren Welt der Elemente. Aber es geht alles in die Phantasie nach der Eigenschaft der quälenden Qualität, davon wir hier nichts weiter vermelden wollen, wegen des falschen Lichtes, das darin verstanden wird, und auch wegen der Menschen Verwegenheit. Jedoch sei dem Unwissenden hiermit angedeutet, daß er keinen wahren Verstand von der Hölle und der Phantasie habe, was ihre Qualität und Vorhaben sind und wozu das alles sei. Zumal außer Gott nichts ist, und es doch außerhalb von Gott ist, aber nur in anderer Qualität und als ein anderes Leben, auch ein anderes Naturlicht, was den Weisen bewußt ist.

Von der fünften Qualität der Natur

3.26. Die fünfte Qualität in der Erfahrung ist nun das wahre Liebe-Feuer, das sich im Licht aus dem Leid-Feuer scheidet. Darin wird nun das Wesen der göttlichen Liebe verstanden. Denn die Kräfte unterscheiden sich im Feuer-Schrecken und werden in sich begierig, so daß man auch alle Arten der drei Grundqualitäten darin versteht, aber nun nicht mehr als Leiderfahrung, sondern als ein Freudenreich, auch in ihrem (heiligen) Hunger oder Begierde, wie man es nennen möchte. Als Erfahrung ziehen sie sich selbst in ein Wesen, ziehen die Tinktur vom Feuer und Licht, nämlich die Jungfrau Sophia (der Weisheit) in sich, und die ist ihre Speise als ihre größte Sänfte (Trägerin). Dieses Wohltun und Wohlschmecken faßt sich in der Begierde der drei Grundqualitäten in einem Wesen, das „der Körper der Tinktur“ heißt, nämlich die göttliche Wesenheit oder Christis himmlische Leiblichkeit.

3.27. Ihr lieben Söhne, worin ihr es versteht, wenn Christus (in Joh. 3.13) sagt, »er wäre vom Himmel gekommen und wäre im Himmel«, diese Tinktur (des ewigen Ur-Meeres oder Meeres der Ursachen) ist die Kraft des Sprechens im Wort, und das Wesen ist seine innerliche Fassung, wenn das Wort wesentlich wird. Das Wesen ist das Geist-Wasser, davon Christus sagte, »er wollte es uns zu trinken geben, und das würde uns in einen Quellbrunnen des ewigen Lebens quellen«. Die Tinktur wandelt es in geistiges Blut, denn sie ist die Seele von Vater und Sohn, aus denen der Heilige Geist als die Kraft ausgeht.

3.28. Oh ihr lieben Söhne, wenn ihr dies versteht, dann laßt es eurem Geist nicht zu, sich darin in Freude zu erheben, sondern neigt ihn zur allergrößten Demut vor Gott. Zeigt ihm wie unwürdig der Geist noch ist, so daß er damit nicht in Eigenliebe und Eigenwille falle, wie es Adam und Luzifer taten, welche das Perlein (des göttlichen Samens) in die Phantasie (Illusion) hineinführten und sich vom Ganzen abtrennten. Bedenkt es wohl, in welcher schweren Herberge die Seele noch gefangen liegt. Demut und nichts als nur Gottes Erbarmen zu wollen, ist denen, welche die Jungfrau Sophia (der Weisheit) kennengelernt haben, das Beste und Nützlichste, das sie üben sollten. Denn es ist ein Hohes, das euch Gott offenbart. Seht wohl zu, was ihr tut, und macht keinen fallenden Luzifer daraus, oder ihr werdet es ewig bereuen.

3.29. Diese fünfte Qualität hat alle Kräfte der göttlichen Weisheit in sich und ist das Zentrum, darin sich Gott der Vater in seinem Sohn durch das sprechende Wort offenbart. Es ist die Wurzel vom Baum des ewigen Lebens, also der geistigen Wesen, eine Speise der feurigen Seele, sowohl der Engel und was man nicht aussprechen kann. Denn es ist die ewige immerwährende Offenbarung der dreieinigen Gottheit, in der sich alle Eigenschaften der heiligen Weisheit in wahrnehmbarer Art innerlich qualifizieren (nach ihrer Fähigkeit wirksam machen), wie ein Geschmack, Geruch und ineinander qualifizierendes (also ganzheitliches) Leben des Liebe-Feuers. Und es heißt „die Kraft der Herrlichkeit Gottes“, welche sich in der Schöpfung in alle geschaffenen Dinge mit ausgegossen hat, und so in jedem Ding nach des Dinges Eigenschaft innerlich verborgen liegt, als eine Tinktur im lebendigen Körper, aus welcher Erfahrung alle Dinge wachsen und blühen und ihre Früchte geben. Das ist die Kraft, die in der Quintessenz liegt und eine Heilung aller Krankheiten ist.

3.30. Wenn die vier Elemente in die ganzheitliche Ausgeglichenheit gesetzt werden können, dann ist das herrliche Perlein in seiner Wirkung offenbar. Aber der Fluch von Gottes Zorn hält es wegen der Menschen Unwürdigkeit in sich gefangen, von den Heilern wohl verstanden.

Von der sechsten Qualität der Natur

3.31. Die sechste Qualität in der Erfahrung ist in der göttlichen Kraft das Sprechen aus dem göttlichen Mund, der Schall der Kräfte, wenn sich der Heilige Geist in der Liebe-Fassung wahrnehmbar aus der eingefaßten Kraft hinausführt, wie uns am Bild Gottes, dem Menschen, in seiner Rede zu verstehen ist. Also liegt auch ein geistig-sinnlich wirkendes Sprechen bereits in der Ausgeglichenheit der göttlichen Kraft, das in den fünf Sinnen als ein geistiges Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen recht verstanden wird, wenn die Offenbarung einen wahrnehmbaren Hall ausspricht, wie am Menschen zu verstehen ist und auch am ausgesprochenen Wort in den geschaffenen Kreaturen, sowohl den lebhaften wie auch den stumm Wachsenden (Pflanzen) und dergleichen.

3.32. Denn allda wird verstanden, wie sich die geistige Welt als der geistige Hall in die Schöpfung mit hineinbegeben hat, davon der Schall aller Wesen entsteht, der in den Materien eine (belebende) Quecksilber-Kraft aus der feurigen Härte genannt wird, darin die anderen Kräfte ihre Mitwirkung haben und geben, so daß es ein Klang oder sogar Gesang wird, wie an den Lebewesen erkennbar ist, in den Stummen aber nur ein Klang ist. So wie man auch an einem Saitenspiel sieht, wie alle Melodien, die der Verstand hervorbringen kann, ineinander in einem Einigen Werk liegen.

3.33. Mehr noch können wir in der sechsten Qualität die wahre Vernunft der Sinne verstehen. Denn wenn sich der Geist aus den Eigenschaften herausgeführt hat, dann ist er wieder in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit und hat alle möglichen Eigenschaften in sich vereint. Doch wem der Körper eine wesentliche Kraft ist, dem ist der Geist eine fliehende Kraft, nämlich eine geistig-sinnliche, in der das Gemüt verstanden wird, daraus die Sinne entstehen. Denn die Sinne entstehen aus der Vielfalt der unendlichen Eigenschaften aus dem Feuer-Schrecken. Darum haben sie beide Zentren von Gottes Liebe und Zorn in sich. Solange sie in der Ausgeglichenheit stehen, sind sie gerecht. Sobald sie aber daraus ausgehen und sich in die eigene Erfahrung ihrer selbst schwingen, um sich selber in Eigenschaften zu finden und selber zu erkennen, dann wird die Lüge geboren, so daß sie vom eigenen Willen reden und die anderen Eigenschaften für falsch (bzw. gegensätzlich oder feindlich) halten und verachten. Und so führen sie sich bald in die eigensinnige Lust, in der wir den schweren Fall von Adam und Luzifer betrachten und erkennen können.

3.34. Denn Adam war (ursprünglich) mit seinen Eigenschaften in eine Ausgeglichenheit gesetzt. Aber seine Erfahrung führte sich durch des Teufels Infizierung und sein Einhallen oder Einreden in die Zerteilung illusorischer Lust. Durch dieses Einreden erhob sich in der Ausgeglichenheit die Lust, die in die Vielfalt der Eigenschaften hineinführte, nämlich durch jegliche Eigenschaft in eine Ichheit.

3.35. Denn die Seele wollte schmecken, wie es schmeckte, wenn die Ausgeglichenheit auseinanderginge, nämlich wie die Hitze und Kälte, dazu Trocken und Naß, Hart und Weich, Herb, Süß, Bitter und Sauer und also fort alle Eigenschaften in der Unterschiedlichkeit schmeckten. Obwohl doch Gott ihm verbot, von diesem Gewächs zu essen, das heißt, von der Offenbarung der Erkenntnis des Bösen und Guten, in welchem Geschmack erst der feurige Hunger entstand, so daß die Lebensqualitäten das Manna, als das Brot Gottes aus dem Wesen der Liebe, verloren und nicht mehr schmecken konnten, wie es in der Ausgeglichenheit in einem Einigen Willen wäre. Dadurch haben sich die (geistigen) Lebensqualitäten alsbald in einen großen Hunger gefaßt und sich die Vielfalt der Eigenschaften eingeprägt, daraus die Grobstofflichkeit des Körpers entstand. Und so wurde auch die tierische Begierde in der Vielfalt der Erfahrung, der Eigenschaften und Kräfte in ihm (Adam) offenbar. Und damit sind auch die zerteilten (gegensätzlichen) Eigenschaften im Geist der Welt in ihn eingedrungen, wie Hitze und Kälte, und auch das bitter-stachlige Leiden berührte ihn nun, was alles in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit unmöglich gewesen wäre. Und davon sind ihm auch sogleich die Krankheiten entstanden, denn die Eigenschaften waren nun in Streit und Widerwillen gekommen.

3.36. Sobald sich nun die eine über die andere erhebt oder durch etwas entzündet wird, so daß sie sich durch Qualifizierung in die Höhe schwingt, so wird es den anderen ein feindlicher Widerwille, und davon entstehen Leid und Krankheit. Denn der Streit führt sich alsbald in die drei Grundqualitäten hinein, daraus sich dann die Verwirrung gebiert und des Todes Kammer eröffnet, so daß die Gift-Qual (von Böse und Gut) das Regiment bekommt. Und das ist eben der schwere Fall von Adam.

Von der siebenten Qualität der Natur

3.37. Die siebente Qualität in der Erfahrung ist das eingefaßte Wesen aller Kräfte in einer göttlichen Kraft, wenn sich der Schall als das sprechende Wort in der Erfahrung zu einem Wesen faßt, darin der Schall zur Wahrnehmung wird. Die fünfte Einfassung mit der Liebe, wie in der fünften Qualität, ist ganz geistig wie die allerlauterste Wesenheit. Aber diese siebente Qualität ist eine Einfassung aller Eigenschaften und heißt zu Recht die „ganze Natur“ oder das „geformte Wort“. Es ist das ausgesprochene Wort, als der innere göttliche Himmel, der zwarungeschaffen ist, aber in der göttlichen wirklichen Geburt der Ausgeglichenheit mit verinnerlicht ist und „das Paradies“ heißt, als ein gründendes Wesen der gefaßten wirkenden göttlichen Kräfte. Dazu sollte man die wachsende Seele innerlich auf ähnliche Art verstehen, wie sich die Erfahrung aus der Erde durch die Begierde der Sonne in ein Gewächs des Holzes, der Kräuter und des Grases zieht, denn die Erfahrung der Erde hat auch ihren Ursprung daher.

3.38. Denn als Gott die geistige Welt nach allen Eigenschaften in ein äußerliches Wesen hineinführte, da blieb das Innere im Äußern aller Geschöpfe und zwar als ein gebärendes Wesen. Und deswegen sehen wir die Welt nur halb, denn das Paradies als die innere Welt, das in Adams Unschuld in der äußerlichen Erde mit ausgrünte, haben wir verloren.

3.39. Darüber hinaus sollten wir verstehen, daß die sieben Tage mit ihren Namen aus diesen sieben Gestalten entstanden, nämlich alle sieben aus einem Einigen, welcher der Anfang der Bewegung des Mysterium Magnum (des großen Unbekannten) war. Und der siebente ist dann der Ruhetag, darin das wirkende Leben der sechs Eigenschaften (bzw. Qualitäten) innerlich ruht, und das ist eben die ganzheitliche Ausgeglichenheit im Wesen, wenn das wirkende Leben der göttlichen Kräfte in sich ruht. Darum befahl Gott in demselben zu ruhen, denn es ist das wahre (überbildliche) Bild Gottes, weil sich Gott darin in ein ewiges Wesen von Ewigkeit her immerdar (über-) bildet. Und wenn wir es sehen wollen, so ist es Christus, nämlich der wahre in Adam geschaffene Mensch, welcher dann fiel und sich mit der Erfahrung aus den sechs Tagewerken in Unruhe hineinführte und die finstere Welt erweckte und emporführte, welche Gott mit seiner höchsten Liebe-Tinktur durch den Namen „Jesus“ in dem Menschen wieder ausglich und in den ewigen Sonntag der Ruhe hineinführte.

3.40. Dies sind also die sieben Eigenschaften der ewigen und zeitlichen Natur, nämlich nach der Ewigkeit geistig und vergleichbar mit heller, kristallinischer und durchscheinender Wesenheit, und zeitlich (vergänglich) nach der äußeren geschaffenen Welt. Dort liegen Böse und Gut untereinander im Streit, und dies ist mit dem Ziel entstanden, damit sich die inneren und geistigen Kräfte durch die gegensätzliche Erfahrung in kreatürliche Formen und Geburten hineinführten, darin die göttliche Weisheit in den Wundern der Formungen in vielfältigem Leben offenbar werde. Denn in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit kann keine Kreatur geboren werden, weil sie der Einige Gott ist. Aber im Ausgehen der Erfahrung des Einigen Willens, in dem er sich in Teile unterscheidet, kann eine Kreatur als ein Bild des geformten Wortes entstehen.

(Vergleich der sieben gestaltenden Qualitäten der Natur mit den sieben vedischen Prinzipien der Natur, wie sie zum Beispiel im Vayu-Purana 1.4 erklärt werden:)

Die sieben Qualitäten oder geistigen Gestaltungen
Geistige EntwicklungKörperliche EntstehungVedische Prinzipien
1Herb / AnziehendSchwefel / Seele, UrnaturIntelligenz / Vernunft
2Bitter-StachelQuecksilber / IchheitIchbewußtsein / Verstand
3AngstSalz / KörperlichkeitRaum / Gehör
4Feuer EntzündungFeuer / LichtFeuer / Sehen
5Liebe-FeuerLuft / WindWind / Gefühl
6Göttliches SprechenWasser / LebenWasser / Geschmack
7EinheitserfahrungErde / ParadiesErde / Geruch


4. Kapitel – Die Entstehung der Schöpfung

Von der Entstehung der Schöpfung.

4.1. Wohlgesinnter Leser, ich bitte dich, sei ein Mensch und kein unvernünftiges Tier. Laß dich vom Geschwätz der Sophisten (Unwissenden) mit ihrem Kälberverstand nicht beirren, die da nicht wissen, was sie schwatzen, die nur zanken und beißen, aber nicht wahrhaft verstehen, was sie behaupten und keinen Grund im Sinn (der Vernunft) haben.

4.2. Laß dich auch nicht beirren von dieser Feder oder Hand der Feder (des Autors). Der Höchste hat sie so geschnitzt und seinen Odem hineingeblasen, weshalb wir ein solches wohl wissen, sehen und erkennen, und nicht aus Wahn von anderer Hand oder durch astralische (weltliche) Einfälle, wie wir oft beschuldigt werden. Uns ist eine Pforte in der Heiligen Dreifaltigkeit aufgetan, um zu sehen und zu wissen, was der Herr zu dieser Zeit in den Menschen wissen will, auf daß der Streit ein Ende nehme und man nicht mehr um Gott zanke. Darum offenbart Er sich auf diese Weise selbst, und das soll kein Wunder sein, sondern wir selbst sollen das Wunder sein, das Er in Erfüllung der Zeit geboren hat, damit wir uns erkennen, was wir sind, und vom Streit abgehen in die ganzheitliche Ausgeglichenheit des Einigen Willens und uns untereinander lieben.

4.3. Die ganze Schöpfung, sowohl der ewigen Wesen als auch der zeitlichen (vergänglichen) Kreaturen, steht im Wort der göttlichen Kraft.

4.4. Die Ewigen entstehen aus der Erfahrung (Scienz) des Sprechens aus dem Einigen Willen des Ungrundes, der sich durch das Wort des Sprechens mit der Erfahrung in eine Teilung hineingeführt hat.

4.5. Und die Zeitlichen entstehen im ausgesprochenen Wort durch eine bildliche Gestaltung der Ewigen, weil sich das ausgesprochene Wort in seiner Substanz wieder in einen äußerlichen Spiegel zu seiner eigenen Beschaulichkeit hineingeführt hat.

4.6. Die Auf- und Austeilung der Erfahrung aus dem Ungrund in den Grund mit der Einführung des sprechenden Wortes in ein Wieder-Aussprechen des Wesens aller Wesen, in und zum Bösen und Guten, entsteht so: Es gebären sich drei Prinzipien in dem Wesen aller Wesen, von denen je eines des anderen Ursache ist, darin man auch dreierlei Leben versteht als drei Unterschiede göttlicher Offenbarung.

4.7. Zum Allerersten die wahre Gottheit in sich selbst in der Dreifaltigkeit und der Erfahrung des Ungrundes im Einigen Willen, daraus Gott „Gott“ gebiert, als der Einige Wille, der sich in die Dreiheit hineinführt. Er ist noch kein Prinzip, denn es ist nichts vor ihm. Und so kann Er auch keinen Anfang von etwas haben, sondern Er ist selbst sein Anfang, das Nichts und auch sein Etwas.

4.8. Aber im Wort der Einigen göttlichen Kraft, in der sich die Einige Erfahrung der Gebärung der Dreiheit aus sich selbst aushaucht, allda entsteht der Anfang des ersten Prinzips. Doch nicht im Grund des Sprechens als Dreiheit, sondern in der Fassung der Unterschiedlichkeit, da sich die Unterschiedlichkeit in der Natur zur Empfindlichkeit und Beweglichkeit einfaßt, so daß sich die Empfindlichkeit in zwei Wesen scheidet, nämlich in den (hitzigen) Grimm nach der Prägung in der Finsternis und in ein kaltes leidvolles Feuer, darin die Hitze entsteht. Hierin versteht man das erste Prinzip in der Feuerwurzel, welches das Zentrum der Natur ist.

4.9. Das zweite Prinzip versteht man in der Scheidung des Feuers, wenn sich die göttliche Erfahrung im Feuer in das Licht scheidet, dazu sie sich in Natur und Wesen zur Offenbarung des göttlichen Freudenreichs hineingeführt hat, weil das Wort der Kräfte in der wirklichen Gebärung innerlich besteht und der gedankliche Verstand (Mens) im Wesen (Ens) wirkt. Damit geschieht die Scheidung zwischen zwei Prinzipien, wenn sich Gott nach dem ersten einen zornigen und eifrigen Gott und ein verzehrendes Feuer nennt, und nach dem zweiten einen lieben und barmherzigen Gott, der nichts Bösartiges will oder wollen kann.

4.10. Das dritte Prinzip wird in den sieben Tagewerken verstanden, in denen sich die sieben Eigenschaften der Natur in der siebenten in ein (äußerliches) Wesen zur Faßlichkeit hineingeführt haben. Dessen (innerliches) Wesen ist in sich selbst heilig, rein und gut und heißt der ewige, ungeschaffene Himmel, als die Stätte Gottes oder das Reich Gottes, oder auch das Paradies, das reine Element, das göttliche Wesen oder wie man es nach seiner Eigenschaft auch benennen möchte.

4.11. Dieses Einige Wesen der göttlichen Wirklichkeit, das seit Ewigkeit gewesen ist, hat Gott mit der Erfahrung seines unergründlichen Willens gefaßt und bewegt und in das Wort seines Sprechens eingefaßt und aus dem ersten Prinzip der leidvoll finsteren Feuer-Welt und aus (dem zweiten Prinzip) der heiligen lichtflammenden Liebe-Welt ausgesprochen, als eine äußerliche Gestaltung der innerlichen geistigen Welt.

4.12. Und das ist nun die äußere sichtbare Welt mit den Sternen und (vier) Elementen. Doch man sollte nicht denken, daß dies zuvor in einem geistigen Wesen bereits so unterschiedlich gewesen war. Es ist das Mysterium Magnum (große Unbekannte bzw. Ungestaltete) gewesen, in dem alle Dinge in der Weisheit in geistiger Form als Erfahrung des Feuers und Lichtes in einem innigen Liebe-Spiel standen, nicht in kreatürlichen (gestalteten) Geistern, sondern in der Erfahrung (Scienz bzw. „Information“) solcher Gestaltungen, darin die Weisheit mit sich selbst in der Kraft gespielt hat. Diese Gestaltung hat nun der Einige Wille ins Wort gefaßt und die Erfahrung aus dem Einigen Willen frei gehen lassen, damit sich eine jede Kraft in der Unterscheidung aus eigenem Willen in der freigelassenen Erfahrung in eine Form hineinführe, je nach ihrer Eigenschaft.

4.13. Solches hat das göttliche »Schuf! (Werde!)« als die Begierde der ewigen Natur, welche das Schöpfungswort (Fiat) der Kräfte genannt wird, in eine Verkörperung der Eigenschaften eingefaßt. So spricht nun auch Moses, Gott habe im Anfang, nämlich in dieser Einfassung des Mysteriums Magnums, Himmel und Erde geschaffen und gesagt: »Es sollen allerlei Kreaturen hervorgehen, ein jedes nach seiner Eigenschaft.«

4.14. So können wir es nun verstehen, daß im Schöpfungswort das Mysterium Magnum in ein Wesen gefaßt worden ist, nämlich aus dem inneren geistigen Wesen in ein greifbares. Und in der Begreifbarkeit liegt die Erfahrung des Lebens, und dies in zwei Eigenschaften, nämlich in einer gedanklichen und einer sinnlichen (Mens und Ens). Das geschieht in einer wirklich lebendigen Weise aus dem Grund der Ewigkeit, die in der Weisheit des Wortes steht, und in einer ausgrünenden aus des Wesens eigener in sich selbst geborenen Erfahrung, welche das Wachstum ist, darin sowohl das wachsende Leben wie auch das stumme steht.

4.15. Aus diesem Mysterium ist anfänglich die Quintessenz als das Wesen des Wortes offenbar und wesentlich geworden, an der nun alle drei Prinzipien angehangen sind, weil sich dann das Wesen geschieden hat, nämlich das Geistige in geistiges Wesen und das Stumme in stummes Wesen, wie da sind Erde, Steine, Metalle und das materielle Wasser.

4.16. Die drei Ersten (Grundqualitäten) haben sich zuerst in ein geistiges Wesen gefaßt, nämlich in Himmel, Feuer und Luft. Denn Moses sagt: »Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.« Das Wort »Himmel« bedeutet das geistige Element als die geistige Oberwelt mit der Wirkung der vier Elemente, wenn sich das Einige Element mit der Eigenschaft der drei Grundqualitäten ausgewickelt hat, darin die Natur mit ihren sieben Qualitäten verinnerlicht liegt. Und dieses Geistige hat dann aus sich das grobe, gefaßte und stumme Wesen ausgestoßen, nämlich die Materie der Erde und was darin nach und aus der Eigenschaft der sieben Qualitäten der Natur und ihrer unterschiedlichen Ausgestaltungen begriffen werden kann, weil sich nun jede Qualität mit ihrer Ausgestaltung der Vielfalt in verschiedene Wesen hineingeführt hat. Das erkennt man am wachsenden Geist, der aus dem salzigen Sud (materiellen Grund) der beiden Feuer die Erfahrung jeder Eigenschaft aus sich in die Höhe herausführt, nämlich in die Begierde nach dem oberen (himmlischen) Geist-Leben, von dem auch die Erde ihre Kraft empfängt. In welcher oberen und unteren Kraft sich die Erfahrung der Erde in ein Gewächs hineinführt, das die Sonne mit ihrem Licht-Feuer entzündet – so daß daraus Früchte in ähnlicher Weise wachsen, wie die innere magische (geistige) Sonne des göttlichen Lichtes die innere Natur entzündet, darin das Paradies wachsend und grünend steht – das versteht in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit des Einigen Elements, welches dem Irdischen verborgen ist. So wollen wir nun dem Leser zusammengefaßt andeuten, was das Wesen aller Wesen ist.

4.17. Die innere, heilige und geistige Welt ist das aussprechende Wort Gottes, welches sich in Wesen und Wirkung nach Liebe und Zorn hineinführt, weil man in der Einprägung der Finsternis das Böse versteht, obwohl doch in Gott nichts böse ist, sondern nur in seiner eigensinnigen Fassung der Ichheit als in einer Kreatur, und weil es doch auch gut ist, sofern nur die Kreatur innerlich in der Ausgeglichenheit steht.

4.18. Und in der Fassung des Lichtes versteht man das Reich als den offenbaren Gott mit seiner wirklichen Kraft, die sich in der feurigen Natur in ein wahrnehmbares Wort zur göttlichen Offenbarung im Heiligen Geist faßt. Dieses wirkende Wort aus allen Kräften, aus dem Guten und Bösen wie aus dem Licht- und Liebe-Feuer und aus dem leidlichen und finsteren Natur-Feuer, das in der Ewigkeit in einem wirklichen Wesen in zwei Prinzipien stand, nämlich im Licht und der Finsternis, hat sich in eine Zeit ausgesprochen und in ein Wesen mit Anfang und Ende hineingeführt und in die Schöpfung zu seiner Selbstoffenbarung gebildet.

4.19. Das ist diese äußere Welt mit ihren Heeren (der Engel) und allem, was darin lebt und webt. All das ist in eine Zeit wie in ein Uhrwerk eingeschlossen, das nun stetig von seinem Anfang wieder zum Ende läuft, nämlich wieder in das Erste, daraus es ausgegangen ist. Und so ist Alles mit dem Ziel offenbar geworden, damit das ewige Wort in seiner wirklichen Kraft kreatürlich und bildlich werde, und in gleicher Weise, wie es sich von Ewigkeit in der Weisheit informiert und eingebildet hat, nun auch in unterschiedlichem Leben (Particular-Leben) ausgebildet sei, und zwar zur Herrlichkeit und Freude des Heiligen Geistes im Wort des Lebens in sich selbst.

Die Entstehung der Engel

4.20. Und darum hat Gott in der ewigen Erfahrung des ewigen unergründlichen Willens auch die Engel aus beiden Feuern geschaffen, nämlich aus dem Feuer der Natur und aus dem Feuer der Liebe. Obwohl das Liebe-Feuer keine Kreatur hervorbringen kann, sondern es wohnt in der Kreatur und erfüllt sie wie die Sonne die Welt oder die Natur in der Zeit der Welt, auf daß der Heilige Geist so ein Freudenspiel in sich selbst habe.

4.21. So sollten wir die Engel auf rechte Weise wohl erkennen, denn hierin liegt die Grundlage, auf der nun die Frage nach der Gnadenwahl (dem freien Willen) behandelt wird, darin der Verstand in die Irre läuft.

4.22. Die Heilige Schrift nennt die Engel Feuer- und Licht-Flammen und auch dienstbare Geister (Psalm 104.4, Hebr. 1.7). Dem ist wohl so. Aber auch wenn sie ihre hochfürstliche Herrschaft haben, so sind sie doch allesamt nur ein zugerichtetes Instrument des Einigen Geistes Gottes in seiner Freude, welche er mit ihnen offenbart, denn er offenbart sich selbst durch sie.

4.23. Ihre Substanz und ihr Wesen, soweit sie ein Eigenwesen sind und Kreaturen genannt werden, ist eine Einfassung der ewigen Natur, welche ohne Anfang in göttlicher Wirkung zu seiner Selbstoffenbarung in ewiger Gebärung steht. Versteht, daß sie als Kreaturen die sieben gestalteten Qualitäten der ewigen Natur in großer Unterschiedlichkeit der Kräfte sind, in gleicher Weise, wie sich die drei Grundqualitäten in der Natur in unendliche Unterschiede einführen und formen. Also ist auch ihre Kreatur in vielen Eigenschaften zu verstehen, ein jeder (Engel) in seiner Eigenschaft.

4.24. Sie sind uns vor allem als sieben hohe Herrschaften in drei Hierarchien zu verstehen, nämlich nach dem Quell (der Qualitäten) der sieben Eigenschaften der Natur, weil sich eine jede gestaltete Qualität der ewigen Natur in einen Thron gefaßt hat, wie zu einer Herrschaft, darin die Unterschiede verstanden werden und auch der Wille des Gehorsams für den Thronfürsten.

4.25. Diese Herrschaft haben sie als Kreaturen zur Verwaltung göttlicher Gaben, weil ihnen Gott das Wesen, dessen sie ein Bild sind, zum Besitz gegeben hat, um darin zu wohnen, welches die heilige und geistige Kraft der Welt ist, nämlich die ganzheitliche Ausgeglichenheit. Ihr allerinnerlichster Grund, welcher aus göttlicher Eigenschaft aus der Ewigkeit entsteht, ist der Einige Wille des Ungrundes als ihr Grund. Also entstehen sie nach dem Anfang der Natur aus der Erfahrung des freien Willens, aus dem und in dem Gott sein Wort gebiert. Dieser freie Wille hat sich in der Naturgeburt im ersten Prinzip durch des Feuers Entzündung in Unterschiedlichkeit hineingeführt. Und aus derselben Unterschiedlichkeit im Ursprung des Feuers sind die Engel im freien Willen als ein Teilwesen (Particular) des unergründlichen freien Willens eingeführt worden, um sich mit dem freien Willen in das erste oder in das zweite Prinzip hineinzuwenden und zu offenbaren.

4.26. Gleichwie Gott selbst in diesem freien Willen frei und alles ist und sich in diesem freien Willen in der Natur in Feuer, Licht und Finsternis, in Leid und Qual wie auch in Liebe und Freude hineinführt, so haben auch die Teilwesen ihre Macht, sich aus dem ganzheitlichen freien Willen mit kreatürlicher Eigenschaft in die drei Hierarchien oder Prinzipien hineinzuführen, wie sie wollen. So kann sich die Erfahrung in den drei Hierarchien fassen und offenbaren, worin sie Gewalt hat, wie sich auch die göttliche Erfahrung in Wesen und Wirkung hineingeführt hat, nämlich als das erste Teil im feurigen nach der Kälte, das zweite im feurigen nach der Hitze, das dritte im feurigen nach dem Licht, und das vierte in die Phantasie als ein Spiel der Ichheit der Natur, wenn sie mit sich selbst in den Eigenschaften der Ungleichheit spielt.

4.27. Die drei Hierarchien können wir in den drei Prinzipien verstehen wie in dreierlei Licht der Natur: Die erste Hierarchie steht in der wesentlichen Eigenschaft des ewigen Vaters nach dem Feuer der Stärke, nämlich in der Feuer-Tinktur als Wesen der Natur. Die zweite Hierarchie steht in der Licht-Feuer-Tinktur nach der Eigenschaft des Sohnes in der ewigen Natur und ist die Heiligste. Die dritte Hierarchie steht in der Ichheit der Natur, wo sie in den gegensätzlichen Eigenschaften spielt, wie die vier Elemente in der Kraft der Sterne spielen. Und diese ist nach dem Zentrum der Finsternis offenbar, aber sie hat auch ein natürliches Licht in sich, nämlich den kalten und hitzigen Feuer-Blitz oder Blick, darin die Verwandlung verstanden wird, so daß sich die Kreatur bald in diese oder andere Formen verwandeln kann. Sie wird in der Natur die falsche (illusorische) Magie genannt, zu deren Hierarchie sich Fürst Luzifer gewandt hat und durch diese Erfahrung aus der ganzheitlichen Ausgeglichenheit ausgegangen ist. Dessen Reich wird eine Höhle oder Hölle genannt, weil es in sich selber in der Finsternis wohnt und kein wahres Licht hat, da es nicht in der Ausgeglichenheit steht, sondern eine Lust und Begierde der Phantasie des Aufbauens und Zerbrechens in sich trägt, so daß jede formierte Gestaltung durch die gegensätzlichen Gestaltungen der Natur bald wieder zerbrochen und in eine andere gewandelt wird. Sein Reich steht mit im Ort der Welt unter dem Regiment der Schöpfung, zwar nicht nach den vier Elementen und dem Gestirn, aber doch darin verborgen, und dringt in die Geschöpfe mit ein, darin die Teufel und Geister der Phantasie in den vier Elementen wohnen.

4.28. Wenn die Sonne und das Wasser aufhören sollten, dann wäre dieses Reich offenbar. Es bildet sich in etliche Gewächse mit hinein, oder auch in Metallen, welche nicht beständig sind und im Feuer entstehen, oder auch in Kräutern, Bäumen und Kreaturen, darin die falsche Magie der Zauberei verstanden wird, und darin Christus den Teufel einen Fürsten dieser Welt nennt.

4.29. Denn weil er aus dem reinen Licht verstoßen wurde, fiel er in das Reich der Phantasie, ins Zentrum (der Egozentrik) der Natur, aus der Ausgeglichenheit heraus in die Finsternis, wo er sich ein falsches Licht aus dem hitzigen und kalten Feuer durch die Erfahrung in der Macht der Ewigkeit entzünden kann. Denn das ist der Fall von Luzifer, daß er mit eigenem Willen das Reich der Phantasie in seiner Kreatur offenbarte, und daß er den ewigen Willen aus der ganzheitlichen Ausgeglichenheit in die Zertrennung hineinführte, nämlich in die Ungleichheit (und Gegensätzlichkeit) der Phantasie, die ihn auch sogleich einfing und darin in einem unverlöschlichen kalten und hitzigen Feuerquell der Qual in die Widerwärtigkeit der Gestaltungen hineinführte.

4.30. Denn der Grimm der ewigen Natur, der „Gottes Zorn“ heißt, offenbarte sich in ihnen und führte ihren Willen in die Phantasie. Darin leben sie immer noch, und mögen nun nichts anderes tun, als was die Eigenschaft der Phantasie ist, nämlich Narrheit treiben, sich verwandeln und das ganzheitliche Wesen zerbrechen. Dazu gehört auch, daß sie sich in kalter und hitziger Feuers-Macht erheben und einen Willen in sich fassen, über die Hierarchien Gottes auszufahren, nämlich der heiligen Engel, und sich in prächtiger Feuers-Macht nach dem ersten Prinzip in ihrem Grimm sehen zu lassen. Ihr Wille ist nur überheblicher Stolz, also eine Gier zur Vielfalt der Eigenschaften, ein stachliger Neid aus dem bitteren Leid, ein Zorn aus dem Feuer und ein Verzweifeln aus der Angst.

4.31. In Summa: Wie die drei Grundqualitäten als der Geist der Natur im geistigen Salz, Schwefel und Quecksilber sind, so ist auch ihr Gemüt, daraus die Sinne kommen. Bitte versteht: Wie die drei Grundqualitäten außerhalb von Gottes Licht ihren Ursprung haben, so ist auch der Teufel in seinem Willen und Gemüt, denn seine Erhebung geschah nach dem ersten Prinzip, weil er ein Herr über und in allen Wesen sein wollte, sogar über alle Engelsheere. Und darum wandte er sich von der Demut der Liebe ab und wollte mit der Macht des Feuers darin herrschen, welche ihn aus sich ausgespeit, sich selbst zu seinem Richter gemacht und ihm die göttliche Gewalt genommen hat.

4.32. Und bezüglich dieser Erhebung können wir betrachten und zuhöchst erkennen: Wie die Engel vor der Zeit des dritten Prinzips (der Welt der vier Elemente) in der ersten göttlichen Bewegung geschaffen worden waren, so haben dann, als sich das Reich der Phantasie im Grimm der Natur so gewaltig bewegt, eingeprägt und gefaßt hat, in dieser Fassung die Erde und Steine ihren Ursprung genommen. Doch diese haben nicht die (egoistischen) Teufel verursacht, sondern sie haben die Mutter der Natur als den Grimm Gottes verursacht, so daß er ihnen (den Egos) das Wesen in eine Verfestigung (Verkörperung) verschlossen und in einen Klumpen (Körper) gebracht hat, weil sie ihre Gaukelei in der Matrix (im Mutterleib) der Natur treiben wollten. Aber genau dieses wurde ihnen dann entzogen, so daß sie nun im geistigen Grund in derselben Mutter der Phantasie gefangen liegen müssen und die ärmsten Kreaturen sind, denn sie haben Gott und sein Wesen verloren. Wer da also zu reich sein wollte, der wurde arm. In der Demut hatte er alles gehabt und mit Gott gewirkt, aber in der Ichheit wurde er närrisch, damit erkannt werde, was Torheit und was Weisheit sei. Dazu hat ihn Gott in seinem eigenen Willen durch sein eigenes Erheben in die Torheit geschlossen, wie in ein ewiges Gefängnis.

4.33. So spricht nun der Verstand: „Es ist Gottes Wille gewesen, damit seine Weisheit von der Torheit unterschieden würde und daß verstanden werde, was Weisheit oder Torheit sei. Sonst wüßte man nicht, was Weisheit wäre. Darum hat ihn Gott fallengelassen und verstockt, so daß er es tun mußte, sonst wäre es nicht geschehen.“ Soweit kommt der (gedankliche) Verstand, und mehr versteht er nicht.

4.34. Darauf antworten wir: Als sich der Ungrund mit dem Einigen Willen in eine feurige Scheidung hineinführte, da entstand die Erfahrung der Teilung in ihren eigenen Willen. Die vielfältigen Willen standen (ursprünglich) alle in der Ausgeglichenheit, aber haften nun an den drei Hierarchien an, nämlich an Licht, Feuer oder Finsternis. Da konnte sich nun ein jedes Heer (der Engel) durch Einfassung seiner Kreatur in die drei Grundqualitäten in eine Hierarchie hineinführen, ganz nach seinem Willen. Und daß dies wahr sei, erkennt man daran, weil die Teufel ursprünglich Engel waren und in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit im freien Willen standen. So konnten sie sich wenden, wohin sie wollten, und dahin sollten sie bestätigt werden.

4.35. Spricht der Verstand aber: „Nein, Gott machte mit ihnen, was er wollte.“ So antworten wir: Versteht es nur recht: Die Erfahrung wurde in Natur und Kreatur hineingeführt. Allein in der Erfahrung der Kreatur entstand der Wille, sich in die Phantasie als ins Zentrum zum Feuer-Leben hineinzuführen. Und darauf folgte die Bestätigung und Scheidung, wie auch die Ausstoßung aus der Ausgeglichenheit in die quälende Qualität, in die sich die Erfahrung mit dem freien Willen gewandt hatte.

4.36. Diese Hierarchie der Finsternis und der Phantasie nahm den entsprechenden Willen an und bestätigte ihn in ihr. So wurde aus einem Engel ein Teufel als ein Fürst im Grimm Gottes, auch wenn er innerlich gut (bzw. göttlich) ist, denn wie Gottes Zorn ist, so ist auch sein eingeborener Thronfürst. Er ist und bleibt ewig ein Fürst mit seinen Legionen, aber nur im Reich der Phantasie. Denn wie das Reich dieser Kräfte in sich ist, so ist auch sein eingeborener Fürst. Des grimmigen Reiches Qual ist die Mutter seiner Ichheit als sein Gott. Und er muß nun tun, was sein Gott will. So ist er ein Feind des Guten, denn die Liebe ist sein Gift und Tod. Auch wenn er gleichsam in heiliger Kraft im Lichte säße, so zöge er doch nur giftige Qual in sich, denn sie ist sein Leben und seine Natur. Gleichsam, als würde man eine giftige Kröte in eine Zuckerdose setzen, so zöge sie doch nur Gift daraus und vergiftete den Zucker.

4.37. So spricht nun der Verstand: „Hätte ihm Gott seine Liebe wieder eingegossen, dann wäre er wieder ein Engel geworden. Darum liegt es an Gottes Bestimmung.“ Darauf antworten wir: Lieber Verstand, siehe eine Distel oder Nessel an, auf welche die Sonne den ganzen Tag scheint und auch mit ihrer Kraft in diese eindringt und ihr gar gern ihre Liebestrahlen in ihr stachliges Wesen gibt. Die Distel freut sich auch an der Sonne Wesen, aber sie wächst dadurch als Distel nur desto stachliger und wird dadurch nur immer stolzer. Also ist es auch mit dem Teufel zu verstehen: Wenn ihm Gott auch gleichsam seine Liebe eingegossen hätte, dann hätte sich die Erfahrung des unergründlichen Willens dennoch in Distel-Art hineingeführt, nämlich der ewige Wille, welcher außer Grund und Stätte in sich selbst ein Wille ist, den nichts zerbrechen kann.

4.38. Und so sollten wir nicht denken, daß es der Wille des Ungrundes getan hat. Denn dieser ist weder böse noch gut, sondern ein reiner Wille, das heißt, eine Erfahrung ohne Verstand zu etwas oder in etwas. Denn er ist nur ein Einiges, weder Begierde noch Lust, sondern das Wallen oder Wollen selbst.

4.39. Gleichwie die äußere Welt im Geist der Welt auch einen Willen hat, oder wie die Luft ein Wallen und weder böse noch gut ist, so versteht man, wie die drei Grundqualitäten mit dem geistig-sinnlichen Grund dahinein dringen und den Willen durch ihre Greifbarkeit einnehmen. Und obwohl sie aus diesem Willen entstehen, ergreifen sie ihn dennoch als ihr Eigentum.

4.40. In gleicher Weise können wir die Erfahrung des Einigen ewigen Willens aus dem Ungrund verstehen, welcher aus dem ewigen Einen entsteht und sich in die Kreatur der Phantasie mit eingegeben hat, und so auch in den Grimm der ewigen Natur zum Bösen. Doch dieser Wille ist nicht die Ursache der Phantasie, sondern die drei Grundqualitäten, darin die Kreatur als Natur in ewiger Bindung verstanden wird, aus welcher und in welcher sowohl die Vernunft als auch die Phantasie entsteht, die zur Ursache des Falls wird. Denn der unergründliche Wille ist nicht die Kreatur, weil er keine Bildung ist. Allein in der ewigen Natur entstehen Bildung und kreatürlicher Wille zu Etwas und zur Vielfalt.

4.41. Der unergründliche Wille gehört Gott, denn er ist in dem Einen, und ist doch nicht Gott. Denn Gott kann nur darin erkannt werden, wenn sich der Wille des Ungrundes durch Gebärung in ein Zentrum der Dreiheit einschließt und in die Lust der Weisheit ausführt.

4.42. Aus diesem Willen, darin sich die Gottheit in die Dreiheit schließt, ist auch der Grund der Natur seit Ewigkeit geboren worden. Denn da ist kein bestimmter Vorsatz, sondern nur eine Geburt. Und diese ewige Geburt ist der Vorsatz, darin Gott sich selbst gebären und durch die Natur offenbaren will.

4.43. Nun schließt sich die Natur in eigenem Willen, nämlich in ein leidvolles und feindliches Leben. Und dieses feindliche Leben ist die Ursache des Falls, denn es hat sich in die Phantasie der Natur oder das Spiel der Gebärung hineinbegeben und sich zum Führer oder Herrn dieser phantastischen Natur gemacht. Und die Phantasie hat dieses Leben in sich ergriffen und sich in dieses Leben ganz hineingegeben. So ist nun die Phantasie und das Leben ein Ding geworden und hat den Willen des Ungrundes in sich, nämlich die göttliche Erfahrung, darin sich Gott in Gott gebiert. Aber in dieser eingeschlossenen Erfahrung gebiert sich Gott nicht. Er gebiert sich wohl darin, aber er wird in der Erfahrung, soweit sie die Natur erfaßt und begreift, nicht erkannt. Denn Gott ist unbewegt und unwirklich in dieser Erfahrung. Er gebiert darin nicht einen Vater, Sohn und Heiligen Geist der Weisheit, sondern eine Phantasie nach der Eigenschaft der finsteren Welt. Gott ist wohl darin ein Gott, aber nur in sich selbst wohnend, nicht in der Kreatur, sondern im Ungrund jenseits der äußerlichen Bewegung und dem Willen und Leben der Kreatur.

4.44. Wenn nun die Kreatur etwas tut, dann tut es nicht Gott im Willen des Ungrundes, welcher auch in der Kreatur ist, sondern das Leben und das Wollen des Lebens der Kreatur tut es, wie uns solches am Teufel erkennbar ist. Ihn reut es, daß er ein Teufel geworden ist, weil er ein Engel war. Aber es reut ihn nicht in seines Lebens Willen nach der Kreatur, sondern nach dem Willen des Ungrundes, darin ihm Gott stets nahe ist. Dort schämt er sich vor Gottes Heiligkeit, weil er ein heiliger Engel war und nun ein (egoistischer) Teufel ist. Denn die Erfahrung des Ungrundes schämt sich, daß an ihr ein solches Bild in ihrer Offenbarung entsteht und daß sie im Äußeren eine Phantasie ist. Dieser Wille aber kann die Phantasie nicht zerbrechen, denn er ist nur Eines und ist in sich keine Qual, auch keine Empfindlichkeit der Phantasie, sondern er ist eine Erfahrung, in der die Phantasie sich bildet. Und diese Phantasie nimmt nichts an, als nur eine Gleichheit, und diese Gleichheit ist die Kraft ihres Lebens. Käme aber etwas Anderes hinein, dann müßte die Phantasie vergehen, und dann verginge auch das mit, daraus sie geboren wird, nämlich die Natur. Doch wenn die Natur verginge, dann wäre das Wort der göttlichen Kraft nicht sprechend oder offenbar, und so bliebe Gott (für immer) verborgen.

4.45. Also versteht bitte, daß dies alles etwas Unvermeidliches sei, so daß Gutes und Böses entsteht. In Gott ist zwar alles gut, aber in der Kreatur ist der Unterschied. Das Leben der ewigen Kreatur ist in seinem Anfang ganz frei gewesen, denn es wurde in der Ausgeglichenheit offenbar, als im Himmel die Engel aus dieser Natur, Qualität und Eigenschaft geschaffen wurden. Die finstere Welt mit dem Reich der Phantasie war zwar darin enthalten, aber im Himmel nicht offenbar. Doch der freie Wille in den gefallenen Engeln machte dieses Reich in sich offenbar, denn er neigte sich in die Phantasie. Also ergriff sie ihn auch und ergoß sich ihm in sein Leben.

4.46. So ist nun dieses finstere Reich und die Phantasie und die Kreatur der gefallenen Engel ein ganzes Ding, ein Wille und ein Wesen. Weil dieser abtrünnige Wille aber nicht allein in der Phantasie wohnen und regieren wollte, sondern auch zugleich in der heiligen Kraft, darin er anfänglich stand, so stieß ihn die heilige Kraft als die Erfahrung im Licht Gottes aus sich heraus und verbarg sich vor ihm. Das heiß: Der innere Himmel (der Phantasie) umschließt ihn, so daß er Gott nicht sieht, und man sagt: Er starb im Himmelreich des guten Willens, aber ist immer noch in Gott, gleichwie die Nacht im Tag ist. Denn sie ist am Tag in der Sonne Glanz nicht offenbar und existiert doch, aber wohnt nur in sich selbst, wie (in Joh. 1.5) steht: »Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht begriffen.« Solches ist nunmehr auch bezüglich Teufel und Gott zu verstehen, denn der Teufel ist in Gott, aber in der göttlichen Nacht, im Zentrum (der Egozentrik) der Natur, mit Finsternis im Wesen seines Lebens umschlossen, und führt ein magisches Feuer-Licht vom Wesen der Kälte und Hitze als ein schreckliches Licht vor unsere Augen. Ihm aber erscheint es gut.

4.47. Die Schrift sagt: »Der Großfürst Michael habe mit dem Drachen gestritten, und der Drache habe nicht gesiegt. (Offb. 12.7)« Und an einem anderen Ort sagt Christus: »Ich sah den Satan vom Himmel fallen als einen Blitz. (Luk. 10.18)« Dieser Fürst Michael ist ein Thronengel und hat in der Kraft Christi, als im Wort der heiligen Kraft mit ihm gestritten, in welchem Wort auch Adam geschaffen wurde.

4.48. Dieses Wort der Kraft wird in allen drei Prinzipien verstanden, denn als Luzifer fiel und sich in das Reich der Phantasie begab, da verlor er das Reich in heiliger Kraft und ward ausgestoßen. Und solches geschah durch die Wirksamkeit der Engel, welche ihn als einen Abtrünnigen durch göttliche Kraft ausstießen. Und in derselben Kraft, im Wort aus allen drei Prinzipien, wurde auch der Mensch geschaffen.

4.49. Als aber das Reich des Grimmes den Menschen überwältigte und ihn aus der ganzheitlichen Ausgeglichenheit ausstieß, da offenbarte sich der höchste Name der Gottheit in ihm als die allersüßeste Kraft Jesu, welche das Reich der Phantasie und des Grimmes überwand und alles wieder mit höchster Liebe vereinte. Allda ward des Teufels Reich und Gewalt in der Kraft des Menschen zerbrochen. Und daher kommt der Name „Christus“.

5. Kapitel – Die Entstehung des Menschen

Von der Entstehung des Menschen

5.1. Moses sagt (in 1.Moses 2.7): »Gott schuf den Menschen aus einem Erdenklos…« Darunter versteht man den Leib, denn der ist ein Stoff der Erde, und die Erde ist ein Wesen aus allen drei Prinzipien, eine ausgehauchte, gefaßte und geronnene Kraft aus dem Wort aller drei Prinzipien, aus dem Mysterium Magnum (dem großen Unbekannten) sowie aus den drei Grundqualitäten und den sieben gestaltenden Qualitäten der Natur. Diese haben sich in der entzündeten Begierde, nämlich im Schöpfungswort („Es werde!“), eingefaßt und in ein Wesen geführt, eine jede Eigenschaft in sich selbst zu einer Verdichtung, welche Gott durch das Schöpfungswort als wesenhafte Erfahrung in einen Klumpen (Erdenklos) gefaßt hat, in dem alle Kräfte der geistigen Welt nach Gottes Liebe und Zorn sowie der Phantasie in einer gewissen Beständigkeit verinnerlicht liegen, nicht mehr nur nach Art des Denkens (Mens, auf geistige Art wie in Kapitel 3 erklärt), sondern nach Art des Wesens (Ens).

5.2. Im Denken wird die lebendige Wesenheit verstanden, welche geistig ist, als ein ganz geistiges Wesen und ein geistiges Wesen der Tinktur (aus dem Ur-Meer oder Meer der Ursachen), mit dem sich die höchste Kraft von Feuer und Licht in ein Wesen hineinführt.

5.3. Und im Wesen wird das Leben der sieben Eigenschaften (bzw. Qualitäten) der Natur verstanden, als das empfindlich wachsende Leben, nämlich das ausgesprochene Wort, das sich im Wachstum wieder ausspricht, formt und gerinnt.

5.4. Das geistige Denken aber liegt im Wesen, wie die Seele im Leib. Und das geistige Wort spricht das Wesen aus. Und der Himmel umschließt das Denken, und die Phantasie das Wesen. Das versteht so: Im Denken wird die göttliche heilige Kraft in der Fassung des Wortes verstanden, wenn sich das Wort der Kräfte in ein geistiges Wesen einfaßt, weil das Wort der Kräfte wesentlich ist.

5.5. So ist das Denken das geistige Wasser, und die Kraft darin, die sich im Geistwasser formt, ist nun die höchste Tinktur, welche in der Ausgeglichenheit steht. Und der Grund dieser Tinktur ist die göttliche Weisheit; und der Grund der Weisheit ist die Dreiheit der unergründlichen Gottheit; und der Grund der Dreiheit ist der Einige und unerforschliche Wille; und des Willens Grund ist das Nichts.

5.6. Also soll das Gemüt zuvor erkennen lernen, was als „Erde“ verstanden werde, bevor es sagt „der Mensch sei Erde“, und die Erde nicht wie eine Kuh betrachten, die denkt, die Erde sei nur die Mutter des Grases, die auch nicht mehr bedarf als Gras und Kraut.

5.7. Denn der Mensch will das Beste aus der Erde essen. Darum soll er auch erkennen lernen, daß er das Beste aus der Erde sei. Denn ein jedes Geschöpf begehrt, von seiner Mutter ernährt zu werden, von der es geboren wurde. Und wir sehen ja wohl, daß der Mensch nicht nur von der Grobheit des irdischen Wesens zu essen begehrt, sondern auch von der Feinheit als die Quintessenz seiner Lebenskraft, die er auch im Paradies zur Speise hatte.

5.8. Als er aber aus der Ausgeglichenheit in die Erfahrung der Unterschiedlichkeiten ausging, da setzte Gott den Fluch zwischen dem ganzheitlichen Element und den vier Elementen, weil der Mensch mit der Begierde in die Ungleichheit der Eigenschaften gegangen war. Und diese haben sich in ihm auch in ein so tierisches, verhärtetes, begreifbares, fühlbares und empfindliches Wesen der Feindschaft durch die Phantasie gefaßt, nämlich in die vier Elemente mit ihrer Grobstofflichkeit und den Gegensätzen wie Hitze und Kälte, wie auch in die giftige Qual der finsteren Welt, nämlich die Sterblichkeit. So mußte er sich nun von diesen Eigenschaften ernähren. Denn der Ungleichheit gehört nicht die Ausgeglichenheit des Einigen heiligen Elements, sondern ihr gehören die vier Elemente. Darum zielte der Fluch auf die Scheidung, damit nicht das Unreine in das Reine eingehe. Denn der Fluch ist nichts anderes als ein Fliehen des Guten, so daß sich das Einige Element in sich selber gefaßt und vor dem Wesen der Bosheit verborgen hat.

5.9. Denn in Adams Unschuld grünte das heilige Element in der Ausgeglichenheit durch die vier Elemente aus und gebar durch die vier Elemente himmlische Früchte, welche lieblich anzusehen und gut zu essen waren, wie Moses sagt. Und in diesem Ausgrünen wird das Paradies verstanden, denn diese Frucht stand in der Qualität der ganzheitlichen Ausgeglichenheit, und so stand auch Adam darin. Also sollte und konnte der Mensch Paradiesfrüchte essen.

5.10. Als sich Adam aber mit der Lust in die Vielfalt der Eigenschaften, nämlich in die Phantasie der Ungleichheit, ins Zentrum (der Egozentrik) hineinführte und alles wissen, klug werden und erfahren wollte, wie Hitze und Kälte und alle anderen Eigenschaften im ringenden Streit schmeckten, da fingen ihn auch diese Eigenschaften im Streit und wachten in ihm auf und faßten sich mit der Begierde in ein Wesen der Phantasie. So wurde das (ganzheitliche) Bild Gottes in der Ausgeglichenheit zerstört, und das Licht im Wesen des heiligen Elements verlosch in ihm, darin er Gott erkannte. Also starb er in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit und wachte in den vier Elementen und der ungleichen Erfahrung auf, welche ihn nun kränken und schließlich auch töten. Und das ist der wahre Grund.

5.11. Damit wir aber dem suchenden Gemüt Genüge tun, das nach seinem Vaterland fragt und auf dem Pilgerweg ist, so wollen wir ihm den Menschen noch weiter vorstellen, nämlich 1.) was er eigentlich sei, 2.) woraus er erschaffen wurde, 3.) was seine Seele und sein Leib sei, 4.) auch seinen Fall und 5.) seine Erlösung oder Wiederbringung. Damit wollen wir ihm den Grund des göttlichen Willens recht gründlich weisen, dazu auch mit der Heiligen Schrift belegen und ihren vermeintlichen Widerspruch erklären, um vielleicht jemandem die Augen dadurch zu öffnen, welches wir nach unseren Gaben getreu tun sollen.

5.12. Moses spricht gar recht: »Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, ja zum Bilde Gottes schuf er ihn.« Und auch: »Gott machte den Menschen aus dem Stoff der Erde.« Wenn Moses spricht »Gott schuf den Menschen in seinem Bilde.«, dann versteht Moses nicht, daß Gott ein Bild sei und daß er den Menschen nach seinem Model (seiner Form*) geschaffen habe. Sondern er versteht die Erfahrung in der Kraft, weil sich seit Ewigkeit die Dinge durch Erfahrung (Scienz bzw. „In-formation“) in der Ausgeglichenheit und in den Kräften im Geist der Weisheit eingemodelt (eingebildet bzw. „in-formiert“) haben, nicht als Kreaturen, sondern gleichwie ein Schatten oder eine Abbildung in einem Spiegel, so daß Gott seit Ewigkeit in seiner Weisheit sehen konnte, was werden würde. Und mit dieser Bildung hat der Geist Gottes in der Weisheit gespielt, und in dem eingefaßten Model – weil sich der Geist der Erfahrung in der Weisheit in den Kräften der ewigen Natur in ein Spiel gemodelt hat, dessen Model keine Kreatur, sondern wie ein Schatten einer Kreatur gewesen war – hat Gott den kreatürlichen Menschen erschaffen, nämlich im eigenen Bild des Menschen, der doch (in Wahrheit) kein Mensch war, sondern Gottes Bildnis, darin sich der Geist Gottes aus allen Prinzipien zu einem gleichförmigen Schatten im Wesen aller Wesen einmodelte (einbildete bzw. „informierte“). Ähnlich wie sich ein Mensch vor einem Spiegel besieht, so daß im Spiegel sein Bildnis ist, aber ohne ein Leben, so können wir auch das Bild betrachten, das Gott vom Menschen in der Ewigkeit hat, wie auch die ganze Schöpfung, weil Gott alle Dinge seit Ewigkeit im Spiegel der Weisheit gesehen hat.

5.13. Als Gott alle Kräfte der drei Prinzipien aus der Erfahrung in ein Wesen gefaßt und in einen Klumpen gezogen hatte, der Erde heißt, nämlich in eine Verkörperung der gebärenden geistigen Kräfte, da unterschied Er die Elemente aus der Ausgeglichenheit des Einigen Elements in vier Elemente (Feuer, Luft, Wasser und Erde) zu einem webenden Leben und faßte auch die geistigen Kräfte der Natur (aus denen die materielle Verkörperung der Erde und aller Materien verstanden werden) in die Sterne. Denn für die Wesen, denen die Erde körperlich ist, für die sind die Sterne geistig, und doch nicht wie lebendige Geister, sondern ein geistiges Wesen als Kräfte der Quintessenz, nämlich die subtile Kraft, mit der sich die Erde in die Grobstofflichkeit geschieden hat, welche Gott durch die Erfahrung seines Wortes in die Unterschiedlichkeit der Kräfte formte.

5.14. Sie heißen darum Sterne, weil sie ein bewegliches, hartes, gieriges und strenges Wesen haben, darin die Eigenschaften der Natur von all dem verstanden werden, was die Natur in sich selbst in geistiger Ausgeglichenheit ist. Daraus entstehen die Sterne in ihrer Unterschiedlichkeit, und ich behaupte auch, um es recht zu verstehen: Wenn die Sterne alle zergingen und wieder in das Eine träten, daraus sie ausgegangen sind, dann wäre es die ewige Natur, wie es von Ewigkeit gewesen ist. Denn es stünde wieder in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit, wie es dann auch am Ende wieder geschehen soll. Doch bis dahin werden alle Wesen durch das Feuer geprüft und in ihr eigenes Prinzip geschieden. In dieser Zerteilung und Einfassung der Kräfte der Sterne und der vier Elemente verstehen wir die Zeit und den kreatürlichen Anfang dieser Welt.

5.15. Als nun Gott die Erde und das Firmament der Sterne geschaffen und in ihrer Mitte das planetarische Rad der sieben Eigenschaften der Natur mit der Sonne als ihren Regenten angeordnet hatte, offenbarte sich damit der Geist der Welt (Spiritus Mundi) aus allen Eigenschaften der Kräfte, aus den Sternen und den Elementen. Denn eine jede Kraft ist ausgehend nach der Ordnung der ewigen Natur im aussprechenden Wort. Und dieses ewige Wort hatte sich hier aus dem Mysterium Magnum in eine Zeit als eine Gestaltung des geistigen Mysteriums Magnums eingefaßt und eingeschlossen, wie ein großes Uhrwerk, darin man das geistige Wort in einem zeitlichen Werk versteht.

5.16. Das ganze Werk ist das geformte Wort Gottes. Das heißt: Das natürliche Wort, in dem das lebendige Wort Gottes, das Gott selbst ist, im Inneren verstanden wird. Das spricht sich durch die Natur in einem Welt-Geist aus, nämlich in eine Seele der Schöpfung. Und im Aussprechen geschieht wieder die Unterscheidung in der feurigen weltlichen Erfahrung im Geist der Welt, weil sich die feurige Erfahrung in eine geistige Unterscheidung ausführt. In dieser Unterscheidung werden die Geister in den Elementen verstanden, und diese nach der Trennung der vier Elemente, in jedem Element nach seiner Eigenschaft.

5.17. Denn jedes Element hat seine innewohnenden Geister, je nach der Qualität des jeweiligen Elements, welche ein Schatten und Bild des Ewigen sind, aber auch in einem wirklichen Leben aus der Erfahrung der Natur des ausgesprochenen geformten Wortes, aus dem Mysterium Magnum. Jedoch nicht aus dem wahren göttlichen Leben, sondern aus dem natürlichen, so daß sie (als Geister) im Feuer, in der Luft, im Wasser und in der Erde in Ordnungen herrschen, wie auch das Gestirn seine verinnerlichte Ordnung hat, und wie es auch unter jedem (Himmels-) Pol zu verstehen ist.

5.18. Der Welt-Geist (Spiritus Mundi) ist nun das Leben der äußeren Welt. Das Gestirn steht rings umher und hat die drei Grundqualitäten (Salz, Schwefel und Quecksilber) in harter feuriger Erfahrung in sich. Ja, sie sind eben selbst von diesem Wesen, aber in großer Zertrennung und Unterschiedlichkeit. Diese Unterschiedlichkeiten der Kräfte gehen aus sich aus und werden wie zu einem Hunger nach ihrem gehabten (ehemalig erfahrenen) Wesen, also nach der Erde und deren Materien in ihren jeweiligen Eigenschaften. Und so ist auch die Erde ein Hunger nach dem Welt-Geist (Spiritus Mundi), denn sie ist aus ihm geschieden (bzw. entstanden).

5.19. Also hungert das Obere nach dem Unteren, und das Untere nach dem Oberen. Der Hunger des Oberen begehrt mächtig nach der Erde, und der Hunger der Erde nach dem Oberen. Darum fallen alle materiellen Dinge zur Erde, wie auch das Wasser von der Erde angezogen wird, und dagegen zieht sich der feurige Geist im Oberen das Wasser wieder in die Höhe zu seiner Labsal. Er gebiert es und gibt es von sich, und zieht es auch wieder in sich, nachdem es sich mit der Erde verbunden hat. So erscheinen beide zueinander wie Leib und Seele oder wie Mann und Weib, die miteinander Kinder gebären.

5.20. Aus dieser Geburt, wie aus dem Mutterleib der Natur, hat Gott im Schöpfungswort, also in der wesentlichen Begierde der Kräfte, am fünften Tag alle Kreaturen aus deren Erfahrung in ihrer Eigenschaft hervorgerufen, nämlich das Körperliche aus der Verkörperung der Erde und den Geist aus dem Welt-Geist. Das geschah in der Konjunktion des Oberen und Unteren. Das heißt: Das innere göttliche Wort sprach sich durch das äußere ausgesprochene Wort in jeder Erfahrung der feurigen Eigenschaft der Kräfte in ein kreatürliches Leben aus. Das sind nun die Kreaturen auf Erden, im Wasser und die Vögel in der Luft, eine jede Kreatur aus seiner eigenen Erfahrung aus Gutem und Bösem nach der Eigenschaft aller drei Prinzipien, und jede nach ihrem gleichnishaften Bild des inneren Grundes, nämlich aus dem Reich der Phantasie wie auch aus dem ursprünglichen guten (heiligen bzw. ganzheitlichen) Leben. So sieht man es vor Augen, daß es gute und böse Kreaturen gibt, wie giftige Tiere und Würmer nach dem Zentrum der finsteren Natur aus der Gewalt der grimmigen Eigenschaft, welche auch nur im Finsteren zu wohnen begehren, wie all diejenigen, die in Erdlöchern wohnen und sich vor der Sonne verbergen. Dagegen findet man auch viele Kreaturen, mit denen sich der Welt-Geist aus dem Reich der Phantasie gebildet hat, wie Affen, Vögel und ähnliche Tiere, die gern Possen treiben und andere Kreaturen plagen und beunruhigen, so daß der eine des anderen Feind ist und alles gegeneinander streitet, so ähnlich wie die drei Prinzipien in ihren Kräften miteinander spielen. Also hat Gott dieses Spiel vor sich mit dem Welt-Geist und dessen Erfahrung in ein lebendig kreatürliches Wesen hineingeführt, wie man dann auch gute und freundliche Kreaturen in Ausgestaltung der Engelswelt findet, wenn sich der Welt-Geist in die guten ausgesprochenen Kräfte eingebildet hat, welches auch die zahmen Tiere und Vögel sind, obwohl sich da auch viele bösartige Tiere mit bösartigen Eigenschaften unter die zahmen mengen, und sie also in vermischten Eigenschaften ergriffen worden sind. An Nahrung und Wohnung eines jeden Tieres sieht man, woraus es hergekommen sei, denn eine jede Kreatur begehrt in seiner Mutter zu wohnen und sehnt sich nach ihr, wie das klar sichtbar ist.

5.21. Der Welt-Geist, aus dem alle äußeren Kreaturen nach dem Geiste gekommen sind, ist in eine Zeit mit Ziel und Maß eingeschlossen, nämlich wie lange alles währen soll, und ist wie ein Uhrwerk aus den Sternen und Elementen, darin der höchste Gott wohnt und dieses Uhrwerk zu seinem Werkzeug gebraucht und sein Werk darin eingeschlossen hat (zum „Uhrwerk“ bzw. „Zeit-Werk“). Das läuft frei vor sich hin und gebiert nach seinen Minuten, wie man es in etwa vergleichen könnte. Alle Dinge laufen darin ab, was in der Welt geschehen ist und noch geschehen soll. Das ist Gottes Bestimmung zur Kreatur und in der Kreatur, darin er alles mit diesem Regiment der Natur verwaltet.

5.22. Doch in Gott selbst, soweit er „Gott“ heißt und ist, ist keine Bestimmung zum Bösen oder zu Etwas, denn er ist das Einige Gute (die Gutheit) und hat keine andere Greifbarkeit in sich als nur sich selbst. Doch in seinem Wort, das er von sich aus dem Mysterium Magnum (dem großen Unbekannten) der ewigen Natur als den Welt-Geist ausgesprochen hat, darin hat er seine Bestimmung gefaßt und in das freie Uhrwerk eingeschlossen, nämlich in den Geist der Welt. Das gebiert nun und zerbricht alles wieder nach seinem Entstehen und Ablauf, und es bringt Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit.

5.23. Aber in seinem Wesen gießt Gott seine Liebe-Kraft da hinein. Das heißt: Er gießt sich selbst hinein, gleichwie die Sonne in die Erfahrung der Elemente und der Früchte. Das heißt: Die heilige göttliche Erfahrung gibt der natürlichen Erfahrung Kraft. Gott liebt alle seine Werke und kann sonst nichts tun als lieben, denn er ist die Einige Liebe selbst. Sein Zorn aber wird in der ewigen und zeitlichen Natur verstanden, nämlich in der ewigen Natur im Zentrum der Finsternis, im kalten und hitzigen Feuer-Qual-Quell. Und in der zeitlichen Natur wird er im Welt-Geist in der feurigen Erfahrung der Unterscheidung aller Eigenschaften verstanden.

5.24. Und wenn nun eine Stadt, Land oder Kreatur diesen Zorn in der feurigen Erfahrung im Welt-Geist in sich erweckt, das heißt, daß man die Abneigung in Grimm hineinführt, dann gleicht man einem Holz im Feuer, darin der Grimm qualifizierend (quellend und quälend) wird und um sich frißt und das Leben in der Erfahrung der Kreatur in grimmiges Leiden versetzt.

5.25. So spricht alsdann das zornige und feurige Wort in der erweckten Verwirrung durch den prophetischen Geist in die große Verwirrung: „Ich will dem Unglück über Stadt und Land zusprechen und meine Lust darin sehen, wie der Zorn die Abneigung auffrißt und wie er das böse Volk verzehrt.“ Denn das ist gerade die Freude und starke Macht des Grimms in der Natur, wenn man ihm solches Feuerholz wie das Gotteslästern und andere Sünden und Schanden zuführt. Denn das frißt und verzehrt er, denn es ist seine Speise, besonders dann, wenn sich die menschliche Erfahrung von der Gottesliebe abtrennt und mit dem Grimm der Natur hurt. Hier mästet er sich fett, bis sich das Uhrwerk in eine feurige Erfahrung führt, weil ja alle Wesen in der Prüfung stehen. Dann entzündet er sich darin, nachdem die Verwirrung im Rad des Uhrwerks entzündet wurde, so daß darin seine Eigenschaft offenbar wird. So kommt dann auch die Plage, und so wird sie ausgeschüttet über das Land, die Stadt und Kreatur, nämlich oft mit Gift und Pest, öfters mit Unfruchtbarkeit, und auch oft mit Verbitterung der Gemüter der Oberen, daraus dann der Krieg entsteht.

5.26. Aus diesem großen Uhrwerk, nämlich aus dem Oberen und Unteren, wenn alles ineinander spielt, ist auch der Mensch zum Bilde Gottes geschaffen worden. Denn Moses sagt, der Herr habe gesprochen: »Laßt uns Menschen machen, ein Bild nach uns, das da herrsche über alle Kreaturen auf Erden, über die Fische im Meer und die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das da auf Erden kriecht. (1.Moses 1.28)« Sollen nun die Menschen über diese alle herrschen, so müssen sie auch eben aus demselben Grund und dazu aus der besten Kraft desselben sein. Denn kein Ding herrscht tiefer als seine Mutter ist, daraus es kommt, es werde denn in ein Besseres verwandelt, so herrscht es auch in diesem Besseren, aber nicht weiter als dessen Grund ist.

5.27. Weiter sagt Moses: »Gott machte den Menschen aus dem Erdenklos und blies ihm den lebendigen Odem ein. Da ward der Mensch eine lebendige Seele. (1.Moses 2.7)« Hier sollten wir nicht denken, daß Gott auf persönliche kreatürliche Art gleich einem Menschen dastand und einen Klumpen Erde genommen und einen Leib daraus gemacht hat. Nein, das ist nicht gemeint. Sondern das Wort Gottes war das Aussprechen in allen Eigenschaften, nämlich im Geist der Welt und im Wesen der Erde aus dem Geist der Welt. Es wurde wirksam und sprach in alle Wesen ein Leben, nämlich das Schöpfungswort, welches die Begierde des Wortes in der Erfahrung ist. Das geschah in dem ewig gesehenen Modell des Menschen, welches in der Weisheit stand, und zog das Wesen aller Eigenschaften der Erde und was darin immer sein mag in eine (körperliche) Masse, die eine Quintessenz aus den vier Elementen war, in welcher die Tinktur aller Kräfte aus allen drei Prinzipien lag und dazu die Eigenschaft der ganzen Schöpfung aller Kreaturen als das Wesen aller Wesen, daraus alle Geschöpfe entstehen.

5.28. Denn versteht es recht: Die irdischen Kreaturen der Zeit bestehen mit dem Körper aus den vier Elementen, aber der Leib des Menschen kommt aus der Ausgeglichenheit, in der alle vier Elemente ineinander in einem Wesen liegen, daraus Erde, Steine und Metalle samt allen irdischen Kreaturen ihren Ursprung haben. Wohl aus dem Stoff der Erde, aber nicht aus der Grobheit des eingefaßten Wesens der Zertrennung in den Eigenschaften, in der sich eine jede Eigenschaft in ein besonderes Wesen der Erde, Steine und Metalle gefaßt hat, sondern aus der Quintessenz, darin die vier Elemente in der ganzheitlichen Ausgewogenheit liegen, in der weder Hitze noch Kälte offenbar war, denn sie waren alle im Gleichgewicht.

5.29. Denn sollte der Mensch über alle Kreaturen herrschen, so müßte er ja eine höhere Macht als das höchste Wesen der Kreatur in sich haben, so daß die Kreaturen einen Grad äußerlicher oder niedriger oder wenn man will, auch geringer waren, damit das Mächtigere über das weniger Mächtige herrsche, gleichwie Gott in der Natur, die auch geringer als Er ist. Deshalb sollte man nicht denken, daß im Menschen die tierischen Eigenschaften kreatürlich oder offenbar sein sollten, sondern das Wesen aller Kreaturen lag im menschlichen Wesen in der Ausgeglichenheit. Der Mensch ist ein Bild der ganzen Schöpfung aller drei Prinzipien, nicht allein im Wesen der äußeren Natur der Sterne und vier Elemente in Form der geschaffenen Welt, sondern auch aus dem Wesen der inneren geistigen Welt göttlicher Wesenheit. Denn das heilige Wort faßt sich mit in das ausgesprochene Wort des Wesens, wie sich auch der Himmel mit in das Wesen der äußeren Welt faßte oder auch das Grünen in das Wesen der inneren Welt als das Paradies. So war das heilige Element überall in dem wallenden Regiment (der Natur anwesend).

5.30. In Summa: Der menschliche Körper ist ein Stoff aus dem Wesen aller Wesen, sonst könnte er nicht ein Gleichnis Gottes oder ein Bild Gottes genannt werden. Der unsichtbare Gott, der sich seit Ewigkeit in (verschiedenste) Wesen hineingeführt hat und so auch mit dieser Welt in eine Zeit, der hat sich mit dem Menschenbild aus allen Wesen in ein kreatürliches Bild gemodelt (geformt), nämlich in eine Gestaltung des unsichtbaren Wesens. Hierzu hat er ihm nicht das kreatürliche tierische Leben aus der Erfahrung der Kreatur gegeben, denn dieses Leben mußte nicht in der Ausgeglichenheit entschieden werden, sondern er blies ihm den lebendigen Odem als das wahre vernünftige Leben im Wort der göttlichen Kraft ein, das heißt, er blies ihm die wahre Seele aller drei (folgenden) Prinzipien in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit ein.

5.31. (1.) Von innen die magische Feuer-Welt als das Zentrum der Natur, wie schon oben erklärt, welche die wirklich kreatürliche Feuer-Seele ist, dadurch sich Gott einen starken eifrigen Gott und ein verzehrendes Feuer nennt, als die ewige Natur.

5.32. (2.) Und hiermit auch zugleich die Licht-Welt als das Reich der Kraft Gottes. Denn wie Feuer und Licht zusammengehören, so ist es auch hier zu verstehen.

5.33. (3.) Und von außen blies er ihm auch zugleich den Welt-Geist mit der Luft-Seele ein. So blies sich das ganze aussprechende Wort in aller Natur nach Zeit und Ewigkeit ein, denn der Mensch war (ursprünglich) ein Bild Gottes, in dem der unsichtbare Gott offenbar war, ein wahrer Tempel des Geistes Gottes, wie auch (in Joh. 1.4) steht: »Das Leben der Menschen sei im Wort gewesen und dem geschaffenen Bild eingeblasen worden.« Als ihm der Geist Gottes das Leben der Natur in der Ausgeglichenheit als den Geist göttlicher Offenbarung einblies, da führte sich die göttliche Erfahrung in ein natürliches Leben hinein. Dieses göttliche natürliche Leben ist der Mensch, gleich den Engeln Gottes nach der Seele als der geistigen Welt. Wie auch (in Matth. 22.30) geschrieben steht: »In der Auferstehung sind sie den Engeln Gottes gleich.« Nur so kommen wir doch wieder in das erste geschaffene göttliche Bild und nicht in eine andere Kreatur.

5.34. Also können wir den Menschen recht erkennen: Zuerst, was er in der Unschuld gewesen war, und zum anderen was er danach geworden sei. Er war im Paradies, und dies ist die ganzheitliche Ausgeglichenheit. Er wurde an einen gewissen Ort gesetzt, wo die heilige Welt durch die Erde ausgrünte und Paradiesfrüchte trug, welche in ihrem Wesen auch in der Ausgeglichenheit standen. Sie waren gut und lieblich anzusehen, und auch gut auf himmlische Art zu essen, nicht in einen Madensack (verweslichen Körper) wie jetzt in der aufgewachten tierischen Eigenschaft, sondern auf magische (geistige) Art. Wohl auch im Mund, aber im Mund waren die Zentren der Scheidung, als ein jedes Prinzip in das seine, in einer Art und Weise, wie das in der Ewigkeit sein mag. Gleichwie der Welt-Geist durch die drei Grundqualitäten von Salz, Schwefel und Quecksilber das Wasser gebiert und von sich gibt, wie in der Scheidung von Salpeter, und auch wieder in sich zieht, wie aus der Erde, und doch dessen nicht voll wird, so ist es auch am Menschen zu verstehen.

5.35. Adam war nackt und doch mit der größten Herrlichkeit bekleidet, nämlich mit dem Paradies, ein vollkommen schönes, helles und kristallinisches (durchscheinendes) Bild, kein Mann, kein Weib, sondern beides als eine männliche Jungfrau, mit beiden Tinkturen (von Geist und Natur im Ur-Meer) in der Ausgeglichenheit als die himmlische Matrix (den göttlichen Mutterleib) im gebärenden Liebe-Feuer, aber auch der Stoff aus der Natur des wesentlichen Feuers. In diesen beiden wird das erste und zweite Prinzip der heiligen göttlichen Natur verstanden. Nämlich die (natürlich-werdende) Veneris-Tinktur als das Gebären und Geben aus der Eigenschaft des Sohnes, darunter das Weib als Mutter und Gebärerin verstanden wird. Und die feurige Eigenschaft aus der Eigenschaft des Vaters als die (geistige) Erfahrung, darunter der Mann verstanden wird. Und diese beiden Eigenschaften haben sich danach in Mann und Weib geschieden.

5.36. Denn wenn Adam hätte bestehen können, dann wäre die Geburt und Vermehrung der Menschen magisch (geistig) gewesen, nämlich einer aus dem anderen, gleichwie die Sonne das Glas durchdringt und es doch nicht zerbricht. Weil es aber Gott wohl erkannte, daß Adam nicht bestehen würde, so hat er ihm den Heiland und Wiedergebärer aus dem Grund der Welt zugeordnet, obwohl er ihn anfänglich in das wahre rechte Bild geschaffen und ins Paradies gestellt hatte, darin er ewig sein soll. Dort hat er die Prüfung über ihn kommen lassen, ob er in paradiesische Erfahrung fiele und das heilige Wort nicht in tierische Erfahrung eingehen muß, um zur neuen Wiedergeburt zu kommen, also wieder in das, das allda (in Adam durch den Sündenfall) verbleichen würde, nämlich in das wahre (überbildliche) Bild Gottes, wie im Folgenden erklärt werden soll.

Sieben Quellgeister - Jacob Böhme
(Eine mögliche Deutung der sieben Qualitäten der Natur im Meer der Tinktur)

6. Kapitel – Vom Sündenfall des Menschen

Vom Fall des Menschen und seinem Weib.

6.1. Hier wollen wir nun den Liebhaber der Wahrheit bitten, unseren Sinn recht zu erfassen, denn wir wollen es ihm zur Genüge erklären. Möge er uns glauben, woraus der göttliche Wille zu Gutem und Bösem entsteht, denn die Schrift sagt: »Er verstockt ihre Herzen, so daß sie nicht glauben und selig werden. (Joh. 12.40)« Aber auch: »Gott will nicht den Tod des Sünders. (Hesekiel 33.11)« Möge er nicht mehr dem Wahn verfallen, als hätte ihm Gott eine Vorherbestimmung gemacht, um den einen Teil der Menschen zu verdammen und den anderen in seinem Vorsatz aus Gnade selig zu machen. Möge er lernen, es recht gründlich zu verstehen, wie es die Schrift wirklich meint, die so spricht.

6.2. So betrachtet nun das Bild Gottes in Adam, das vor seiner Eva noch in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit im Paradies stand, denn Moses sagt: »Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war alles sehr gut.« Aber danach sprach er: »Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei.« Auch verfluchte er dann die Erde um des Menschen willen.

6.3. Lieber Mensch, sage mir: Warum machte Gott nicht gleich im Anfang Mann und Weib wie bei den anderen Kreaturen? Was war die Ursache, daß er sie nicht zugleich aus einer Masse erschuf? Darauf antworten wir: Die Ursache war, daß das Leben beider Tinkturen (von Geist und Natur im Urmeer) nur ein Einiger Mensch im Bilde Gottes ist und in der Ewigkeit nicht in zweierlei Leben als männlich und weiblich stehen kann, ähnlich wie die Eigenschaft von Vater und Sohn, welche ineinander nur ein Gott sind und nicht getrennt.

6.4. So schuf er auch sein Bild und Gleichnis in ein Einiges Bild. Doch in einer Tinktur entsteht nicht die vollkommene Liebe, aber in beiden (Geist und Natur) entsteht sie. Denn wenn eines in das andere eingeht, dann entsteht die große feurige Begierde der Liebe, wie das Feuer das Licht gibt, und das Licht gibt dem Feuer Kraft, Schein und Wesen zu seinem Leben. So bilden diese beiden nur eine Geist-Natur wie die Luft (bzw. der Raum, der alles enthält), und der Geist gibt das Wesen wie das Wasser (das lebendig macht). Doch weil und solange sich diese vier als Feuer, Licht, Luft und Wasser voneinander scheiden, ist kein Ewiges da. Wenn sie aber einander in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit gebären und nicht voneinander fliehen, dann ist es ein Ewiges.

6.5. Also ist es auch mit Adam zu verstehen: Weil die Tinktur von Licht und Wasser in Mann und Weib geschieden wurde, so konnte er in diesem Bild, das er danach wurde, nicht ewig bestehen. Denn sein innerlicher Paradies-Rosengarten war ihm genommen, darin er sich selbst liebte.

6.6. So spricht nun der Verstand: „Warum tat es Gott, daß er Adam zertrennte und in zwei Bilder brachte? Es muß ja sein Vorsatz solcherart gewesen sein, sonst hätte er es nicht getan. Dazu hat er es vor der Welt Grund gesehen, daß er es tun werde und wolle.“ Und hier liegt der Verstand nun tot und kann ohne Gottes Erkenntnis im Heiligen Geist nicht weiter, und daher kommt aller Disput und Streit.

6.7. Gottes Vorsatz und Verordnung und Gottes Vorhersehen und Allwissen sind nicht das Gleiche. Alle Dinge sind im ausgehenden Geist durch die Erfahrung von Feuer und Licht in der Weisheit Gottes seit Ewigkeit gesehen worden, was alles werden möchte, wenn sich Gottes Wesen als gebärende Mutter der Natur bewegt.

6.8. So ist es in der Eigenschaft der feurigen Erfahrung nach der Finsternis auch wohl gesehen worden, was ein Teufel sein würde. Also auch in der Erfahrung des Licht-Feuers, was ein Engel sein würde, wenn sich die feurige Erfahrung vom Licht scheidet. Aber Gott erschuf keinen Teufel. Wäre jemals ein göttlicher Vorsatz gewesen, so wäre ein Teufel in diesem Vorsatz geschaffen worden. Der Einige Wille Gottes gab sich allein in die (ganzheitliche) Gestaltung der Engel. Aber die feurige Erfahrung nach der finsteren Welt Eigenschaft drang hervor und faßte sich in einen Vorsatz und wollte auch kreatürlich (schöpferisch) sein.

6.9. Weil nun das Licht und das scheinende Feuer kreatürlich wurden, so drang auch das finstere, kalte, leidvolle Feuer mit der Bildung der Phantasie hervor und eignete sich die feurige Erfahrung an, welche die feurige Erfahrung in sich wie einen Freudenaffen erfaßte und aus der Ausgeglichenheit heraus drang. Also war der neue Wille gegen die Ausgeglichenheit geboren, welcher aus Gott heraus verstoßen wurde.

6.10. Dazu muß man verstehen, daß der Anfang der Unterschiedlichkeit nicht Gott ist, so daß sich Gott in einen Willen zum Teufel gefaßt hätte, sondern die feurige Erfahrung in der ewigen Natur im Aussprechen des Wortes nach Feuer und Licht (ist der Anfang bzw. die Ursache). Und dies geschah durch die drei Grundqualitäten, so daß sich in der feurigen Erfahrung ein fürstlicher Thron für die Herrschaft im Reich der Phantasie abgeschieden hat.

6.11. Das Reich der Phantasie nach der Finsternis ist seit Ewigkeit gewesen und ist auch nun wieder eine Ursache für den Fall des Teufels, obwohl die feurige Erfahrung Luzifers in eigenem Willen stand und sich ohne Zwang und Drang da hinein begab.

6.12. Der Mensch aber wurde vom Teufel betrogen, so daß er fiel. Denn als Fürst Luzifer noch vor der Gründung dieser Welt in der ersten Bewegung oder Einfassung der Natur fiel und von seiner königlichen Stätte verstoßen wurde, da wurde Adam an seiner Statt geschaffen. Und weil Luzifer nicht bestanden hatte, so schuf Gott den Adam nach dem Leibe in ein materielles Wesen wie in einen Wasserquell, damit es ihm helfen möge.

6.13. Und hier hat sich auch der heilige Name „Jesus“ sogleich in den Menschen zu einem Wiedergebärer mit einverleibt. Denn der Christus in Adam sollte den königlichen Stuhl Luzifers besitzen, weil dieser sich von Gott abgewandt hatte. Und daher kommt auch der große Neid, so daß der Teufel dem Menschen gram ist. Auch entstand an dieser Stelle die Versuchung Christi in der Wüste, weil er dem Teufel seinen Stuhl nehmen und seine Gewalt in der Schöpfung brechen sollte und sein Richter werden, der ihn ewig verstieße.

6.14. Die Seele des Menschen und die Teufel sowohl alle heiligen Engel kommen alle aus dem einen Grund, nur daß der Mensch auch den Anteil der äußeren Welt an sich hat, die doch auch der Teufel hat, aber in einem anderen Prinzip, nämlich in der Phantasie oder falschen Magie. Deswegen konnte der Teufel den Adam betrügen, denn er sprach Adam die feurige Erfahrung in die Seele ein, lobte ihm die Ungleichheit der Eigenschaften und führte seine falsche Begierde in Adam. Davon wurde der freie Wille Adams mit der feurigen Erfahrung infiziert, als wäre ein Gift in den Leib gekommen, das zu qualifizieren (zu quellen und zu quälen) beginnt, daraus ein wachsender Wille zur eigenen Lust entstand. Da war es nun um die ganzheitliche Ausgeglichenheit geschehen, denn die Eigenschaften der Schöpfung, welche in Adam alle in der Ausgeglichenheit lagen, wachten in ihrer jeweiligen Eigenheit auf, zogen den freien Willen in sich und wollten offenbar sein.

6.15. Auch zog der Welt-Geist die äußere Welt aus der Ausgeglichenheit Adams heraus, nämlich den Anteil der äußeren Welt, der in Adam verinnerlicht war, und wollte in Adam herrschen. Auch griff nun das Reich der Phantasie nach Adam und wollte im Bild Gottes offenbar sein, wie auch der Grimm der Natur als Gottes Zorn in des Teufels Neid. All das zog an Adam.

6.16. Hier stand er nun in der Prüfung, ob er wohl bestehen könnte. Denn die Erfahrung aus der Unterscheidung des magischen Feuers im Wort der Kräfte, aus des Vaters Eigenschaft und aus dem Willen des Ungrundes war frei. Sie stand in drei Prinzipien in der Ausgeglichenheit, und sie konnte sich in eines wenden, wohin sie wollte. Nicht daß sie (noch) in der Kreatur frei gewesen wäre, denn der wurde das Gebot gegeben, sich nicht von Gott in die Lust des Bösen und Guten abzuwenden. Aber der Grund der Kreatur als die feurige Erfahrung und Wurzel der Seele stand in dem unergründlichen Willen des Anfangs aller Wesen und war ein Teil des ewigen Willens, der sich im feurigen Wort der Unterscheidung der Natur in unterschiedliche Erfahrung geschieden hatte. So war die Seele ein Teil der Unterschiedlichkeit, und diese Unterschiedlichkeit im Wort der natürlichen Kräfte – nämlich in den drei Grundqualitäten und sieben Qualitäten der natürlichen Gestaltung und ihrer Ausbreitung – wurde in den Geschöpfen der Engel und der hohen ewigen Geister gestaltet, darin man auch die feurige eingeblasene Seele versteht.

6.17. Aber das ganze, heilige und sprechende Wort Gottes nach der Liebe, nämlich nach der Dreiheit der unergründlichen Gottheit, gab der feurigen Erfahrung der Seele ein Gebot und sprach: »Iß nicht vom Gewächs der Erkenntnis des Guten und Bösen, denn wenn du das tust, dann wirst du desselben Tages des Bildes Gottes absterben. (1.Moses 2.17)« Das heißt: Die feurige Seele wird das Licht verlieren. Und so wird die göttliche Kraft im heiligen Wesen aus dem zweiten Prinzip zusammen mit der Wirkung des Heiligen Geistes verlöschen.

6.18. Denn der Geist Gottes offenbart sich in keiner tierischen Eigenschaft, viel weniger im Reich der Phantasie. Darum sagte ihm Gott, er sollte nicht aus der ganzheitlichen Ausgeglichenheit in die Lust der Eigenschaften eingehen, noch dieselben in den Unterschiedlichkeiten ihres Geschmacks probieren. Es würde sich sonst die Sterblichkeit hervorwinden und sich in ihm offenbaren, nämlich als Eigenschaft der finsteren Welt aus dem Zentrum der drei Grundqualitäten, und sie würde das Reich Gottes in ihm verschlingen, wie dann auch geschah.

6.19. Hier fragt nun der Verstand: „Warum verwehrte ihm das Gott nicht in seiner heiligen Kraft? Ist er nicht allmächtig, so daß er die feurige Erfahrung, aus welcher der Wille zur Lust entstand, zerbrechen (bzw. verhindern) konnte?“

6.20. So höre, lieber Verstand: Die feurige Erfahrung kommt aus dem Willen des Ungrundes, und dieser Wille heißt ein Vater aller Wesen, in dem Gott geboren wird, wie der Sohn vom Vater. Und dieser Wille führt sich in die Kräfte zum Wort hinein, nämlich zum Aussprechen.

6.21. So wisse nun, daß ein Teil der höchsten Allmacht, des Wesens aller Wesen, in der Seele verstanden wird, nämlich in der Erfahrung, die seit Ewigkeit gewesen ist, die ewige Erfahrung, die sich durch Bewegung des Wortes aller Kräfte durch die drei Grundqualitäten in ein Bild faßte. So ist nun diese Erfahrung eine Eigenheit aus dem Willen des Ungrundes, denn nichts ist vor ihr, das sie zertrennen könnte. Die Kreatur ist wohl nach ihr, aber die Erfahrung zur Kreatur ist von Ewigkeit, und diese hat sich mit der Kreatur durch die drei Grundqualitäten gegen die ganzheitliche Ausgeglichenheit in die Lust der Natur hineingeführt. Es wurde ihr aber das Gebot gegeben, sie sollte die Kreatur in der Ausgeglichenheit bewahren. Das heißt, sie sollte die Eigenschaften der Natur in der Gleichheit bewahren, denn sie war die Macht, die es tun konnte als ein Funke der Allmächtigkeit. Dazu hatte sie das Reich der heiligen Kraft im Licht Gottes in sich. Was sollte ihr Gott mehr geben, sie zu bändigen? Er hatte sich ihr selbst gegeben, wie in gleicher Weise auch dem König Luzifer.

6.22. Die Erfahrung trennte sich aber von Gottes Kraft und Licht ab und wollte ein Eigenes sein. Sie wollte ein eigener wirkender Gott nach den Eigenschaften der Natur sein und in Böse und Gut wirken, und solches Gewirkte im Reich der heiligen Kraft offenbaren. Dieses war ein Widerwille zu göttlicher Kraft und Eigenschaft. Und wegen dieses Widerwillens wurde König Luzifer und auch Adam aus dem Reich der heiligen Kraft ausgestoßen, nämlich Luzifer ins Reich der Phantasie in die Finsternis, und Adam in die Ungleichheit (Gegensätzlichkeit) der Schöpfung in die tierische Eigenschaft und in den Geist der Welt (Spiritus Mundi). Daraufhin erwachten in ihm die Eigenschaften von Böse und Gut aller Kreaturen, dazu Gott das endliche Gericht gesetzt hat, um im Geist der Welt das Böse und Gute zu entscheiden und alle Dinge einzuernten, ein jedes in sein Prinzip.

6.23. Darin sollen dann alle Dinge, die das große Uhrwerk im Mysterium Magnum aus der inneren geistigen Welt geboren hat, in die Prüfung des Feuers gesetzt werden. Das heißt, sie sollen durch das Feuer der ewigen Natur geprüft werden, weshalb sich Gott auch ein verzehrendes Feuer nennt. Denn wie sonst wollte Gott die Kreatur richten, wenn sie eben nur das täte, was sie unvermeidlich tun müßte und keinen freien Willen gehabt hätte?

6.24. Das Jüngste Gericht ist nichts anderes als eine Einernte des Vaters aller Wesen und alles dessen, was er durch sein Wort geboren und worin sich ein jedes Ding im freien Willen geschieden hat, dahinein wird es auch gehen. Denn in diesem ewigen Behälter nach der Eigenschaft desselben Prinzips ist es gut.

6.25. Gott hat sich nichts zuwider geboren. In ihm ist alles gut, sofern ein jedes Ding in seiner Mutter ist. Solange es aber in einer fremden Mutter läuft, so ist es im Widerwillen. Dessen geben wir ein Gleichnis: Seht an die Hitze und Kälte, auch Feuer und Wasser. Diese kommen aus einem Ursprung, teilen sich auseinander, und jedes geht in einen eigenen Willen wie zu einem eigenen Quell der Qual. Wenn sie nun wieder ineinander gehen sollen (wenn sie als Gegensätze aufeinander treffen), dann wird es eine Feindschaft, so daß eines das andere tötet. Das macht der eigene Wille einer jeden Eigenschaft. Wenn sie in der Ausgeglichenheit beieinander (vereint) liegen, dann haben sie großen Frieden. Sobald sie aber auseinandergehen, so will ein jedes ein Eigenes sein und über das andere herrschen. Daher kommt auch der Streit im Geist der Welt zwischen den vier Elementen wie zwischen Hitze und Kälte. Ein jedes will herrschen, und manchmal siegt das eine, und manchmal das andere. Bald regnet es, bald wird es kalt, bald heiß, bald stürmt die Luft, heute so, morgen anders, alles nach der Gewalt der sieben Eigenschaften der Natur und ihren Ursprüngen in den drei Grundqualitäten, daraus alles geschöpft wird, was sich regt.

6.26. So spricht nun der Verstand: „Gott regiert dies alles, daß es so geht!“ Darauf antworten wir: Ja, das ist wahr, aber der Verstand ist blind und sieht nicht, womit Gott regiert und wie das zugeht. Er versteht nicht das entschiedene Wort in den Eigenschaften, darin dieses Regiment steht.

6.27. Denn im Geist der Welt kommt viel bösartige Wirkung hervor, welche gegen Gott zu sein scheint, so daß eine Kreatur die andere erwürgt und beleidigt, oder daß Krieg, Pestilenz, Donner und Hagel kommen. Dies alles liegt im Geist der Welt und entsteht aus den drei Grundqualitäten von Salz, Schwefel und Quecksilber, darin sich die Eigenschaften in ihrem Widerwillen (im Spiel der Gegensätze) schöpfen.

6.28. Denn Gott kann nichts als Gutes geben. Denn er ist allein das Einige Gut und wandelt sich nimmermehr in ein Böses. Er kann auch nicht, sonst wäre er nicht mehr Gott. Aber im Wort seiner Offenbarung, aus dem die Gestaltungen entstehen, nämlich die Natur und Kreatur, allda entsteht die Wirkung im Bösen und Guten.

6.29. Dieses Wort hat sich wie in ein Uhrwerk der Zeit gefaßt. Und darin steht nun das Machen des Bösen und Guten nach der Unterschiedlichkeit der Kräfte im Wort, wie sich auch die Kräfte göttlicher Offenbarung im Anfang in unterschiedliche Prinzipien geschieden haben, nämlich in Leid und Freude, in Finsternis und Licht, in ein Liebe-Feuer des Lichtes und in ein Leid-Feuer der Natur, wie schon oben erklärt wurde. Darin wird nun der ganze Grund des göttlichen Willens in den Unterschiedlichkeiten verstanden.

6.30. Es sollte keine Kreatur behaupten, daß ihr ein Wille von außen gegeben werde, sondern der Wille zum Bösen und Guten entsteht in der Kreatur. Aber durch äußerliche Zufälle von Bösem und Gutem wird die Kreatur infiziert, als würde eine äußere giftige Luft den Leib anstecken und vergiften. So können die äußerlichen Dinge den eigenen Willen der Kreatur verderben, so daß sich der eigene Wille im Bösen und Guten faßt.

6.31. Und darum hat Gott dem Menschen Lehre und Gesetze gegeben, so daß er das Gebot als Ursache nehme, um die bösartigen Einflüsse zu verwerfen und nicht zu sagen: „Tue ich etwas Böses, so muß ich es tun, denn ich bin in der bösen Neigung.“ Nein, er sollte wissen, daß die Erfahrung der Seele, die sich in das Böse fassen konnte, sich ebenso auch in das Gute hätte fassen können, und daß Gott keine Ursache für des Menschen noch des Teufels Fall ist. Er hat ihn auch nicht dahinein gezogen, soweit er „Gott“ heißt.

6.32. Sondern die Unterschiedlichkeit des geoffenbarten Wortes der Kräfte, nachdem sie sich in Eigenschaften eingeführt haben, diese haben ihn gezogen. Er stand ursprünglich in der Ausgeglichenheit, aber die äußeren Einflüsse vom Teufel und der finsteren Welt wie auch vom Geist der Welt in der Schöpfung, diese haben sich ihm, der ein Bild Gottes in der Ausgeglichenheit war, eingehaucht und die Unterschiedlichkeit in ihm erweckt, so daß sich die ewige Erfahrung der Seele in eine Lust zur Offenbarung der Eigenschaften begeben hat.

6.33. Das versteht so: Diese seelische Erfahrung vergaffte sich an der Schöpfung des geformten Wortes in ihre Unterschiedlichkeit, und erkannte in sich eben auch diese Begierde zur Unterschiedlichkeit, und erhob sich in die Lust zur Unterscheidung. Alsbald wurde dann auch die Unterschiedlichkeit in der Kreatur nach Seele und Leib offenbar. Aber die größte Ursache dafür war der Teufel.

6.34. Denn weil er als feuriger Geist aus der Ausgeglichenheit des ganzheitlichen Bildes Gottes ausgegangen war, so führte er dann auch seine Begierde in die seelische Erfahrung des Menschen, um dieselbe in eine Lust hineinzuführen. Denn er merkte wohl, was Adam war, nämlich ein Thron-Fürst in seinem einst besessenen Stuhl im Reich Gottes. Aber den Namen Jesu wußte (bzw. kannte) er nicht, und daß sich dieser in der Zeit im Menschen offenbaren würde, denn sein Wissen in Gottes Liebe, darin der Name Jesu die höchste Süßigkeit der Gottheit ist, war in seinem Abfall (vom ganzheitlichen Gott) gestorben. Das heißt, es hatte sich in Bosheit verwandelt. Darum wußte er ab jetzt nur noch Boshaftes (Feindliches bzw. Gegensätzliches).

6.35. Also versteht man nun den Grund und Anfang des Teufels und des Menschen Fall. Nicht daß man sagen kann, Gott habe diesen gewollt, soweit er Gott ist, sondern die Unterscheidung aus der Natur in die Kreatur, die hat ihn gewollt, aber die heißt nicht „Gott“.

6.36. Gott führt seinen Einigen Willen in die Formung und Fassung seines Wortes zur Unterschiedlichkeit, und zwar zur Offenbarung Gottes. Hierin steht die Unterscheidung im freien Willen. Denn die Unterscheidung ist die Natur und auch die Schöpfung. Und in dieser Unterscheidung will Gott Böses und Gutes, nämlich in dem, das sich wie die heiligen Engel zum Guten entschieden hat, da will er innerlich Gutes, und in dem, das sich wie die (egoistischen) Teufel zum Bösen entschieden hat, da will er innerlich Böses, wie auch die Schrift sagt: »Was für ein Volk es ist, einen solchen Gott hat es auch. In den Heiligen bist du heilig, und in den Verkehrten verkehrt. (Psalm 18.26)«

6.37. So spricht nun der Verstand: „Wenn Gott in seinem ausgeflossenen und geformten Wort selber alles ist, wie Böses und Gutes, Leben und Tod, worin besteht dann der menschliche Kampf, so daß man um Gottes Willen kämpft, wenn doch Gott in seinem geformten Wort alles ist und auch alles will, sei es böse oder gut, ein jedes in seiner Eigenschaft, daraus es ursprünglich hergekommen ist?“

6.38. Siehe, darin besteht der Kampf, weil der Verstand in seinem Eigendünkel ohne göttliches Licht ein Narr vor Gott ist und nicht weiß, was Gott ist. Er bildet sich immer etwas Fremdes und Fernes ein, wenn er von Gott reden will, und sieht im Ewigen und Unwandelbaren der Gottheit einen anfänglichen Willen und Vorsatz in ihrer ewigen Dreiheit, und erkennt nicht, wie alle Anfänge und Vorsätze im geformten Wort durch die Natur entstehen, in der sich das Wort natürlich faßt und formt. Er erkennt auch nicht, daß die Anfänge alle in der Formung des Wortes liegen, nämlich in der Schöpfung oder Kreation als im großen Mysterium der Unterschiedlichkeit, darin die Kreaturen entstehen. Er erkennt auch nicht, daß alles Übel aus der Natur und Kreatur herkommt und daß die Verstockung in der Natur und Kreatur in der Erfahrung der kreatürlichen Ichheit entsteht, und daß er (der gedankliche Verstand) darin ergriffen und verstockt wird, wenn er sich in den Grimm der Natur hineinwendet, so daß er das Aussprechen (der gegensätzlichen Natur) mit Zorn erfaßt und entsprechend in sich hält. All das erkennt er nicht, wie auch geschrieben steht: »Er verstockt ihre Herzen, so daß sie nicht glauben und selig werden.« Und so erkennt er auch nicht, daß alles im geformten Wort der ewigen und zeitlichen Natur geschieht.

6.39. Denn daraus spricht auch Gott, wenn er im Psalm Davids sagt: »Du wirst sehen und deine Lust daran haben, wie es den Gottlosen vergolten wird. (Psalm 91.8)« Oder auch: »Du wirst dich freuen, wenn der Gottlose gestürzt wird.« Das bedeutet, wenn der Gottlose im Grimm verschlungen wird, der dem Heiligen ein Gegensatz und stetige Vergiftung gewesen ist. Und wenn dieses Gift von der heiligen Seele weggenommen wird, dann freut sie sich, daß sie aus der Not erlöst ist. Und darum steht auch das Wort im Leid der Natur, auf daß die Freude offenbar werde. Doch die Unterschiedlichkeit aus dem Wort kommt ohne Zwang in freiem Willen, eine jede Eigenschaft in sein Eigenes. Denn im heiligen Wort ist alles gut, doch in der Einführung des eigenen Willens wird es bösartig.

6.40. Das geschieht nun in der Natur und Kreatur, aber nicht in Gott, sonst müßte im Wort Gottes auch des Teufels Wille sein, wenn Gott in seinem Wort alle Dinge in eine (vorherbestimmte) Unvermeidlichkeit triebe. Aber des Teufels Wille entstand, wie auch Adams sündiger Wille, in eigener Erfahrung in der Kreatur und nicht in Gott. Sondern im Zentrum der Natur faßte sich die eigene Erfahrung in einen Willen des eigensinnigen Stolzes, der dem sprechenden Wort der göttlichen Dreiheit gleich und sogar noch mehr sein wollte. Die Demut wurde verachtet und verlassen, und so wurde an ihrer Statt die Macht des Feuers angenommen.

6.41. Das ist nun das Abfallen, so daß Adam und Luzifer die Phantasie an Gottes Stätte setzten, und da wich der Heilige Geist aus ihrer Natur. Nun sind sie ein Geist in eigenem Willen und in der Phantasie gefangen, wie wir das in Adam erkennen können. Als sich die Erfahrung der Seele durch des Teufels Einsprechen oder Infizieren erhob, da wich der Heilige Geist in sein Prinzip (des Lichtes). Da wurde Adam im Bild Gottes matt (dunkel) und schwach, nämlich in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit, und konnte nicht mehr in der Gleichheit auf magische (geistige) Weise Seinesgleichen aus sich hervorbringen. Seine Allmacht, die er in der Ausgeglichenheit hatte, war ihm zerstört, denn die tierischen Eigenschaften der Schöpfung wurden in ihm rege (und lebendig).

6.42. So spricht nun Moses: »Gott ließ ihn in einen tiefen Schlaf fallen, und er entschlief. (1.Moses 2.21)« Hier ist er nun in der Ausgeglichenheit eingeschlafen, das heißt, in der göttlichen Welt. Aus diesem Schlaf muß ihn nun Christus wieder aufwecken, oder er kann Gott in der Kreatur nicht mehr sehen, denn das Einschlafen war nichts anderes, als das Licht Gottes in der Liebe zu verlieren, nämlich das Liebe-Feuer. Dieses verlosch im Sein vom Wesen der himmlischen Welt, und so war er schon halb tot.

6.43. Die Zeit, solange Adam im wahren Bild Gottes stand, wird dir in den Figuren von Moses und Christi vorgestellt, wie auch die Zeit des Schlafes. Bist du sehend, dann stelle Moses in Christi Figur, und Christus in Adams Figur, als Adam noch in der Unschuld stand.

6.44. Vierzig Tage war Moses auf dem Berg, als Israel geprüft wurde. Vierzig Jahre war Israel in der Wüste, und vierzig Tage stand Christus in Adams Prüfung während der Versuchung in der Wüste. Und vierzig Tage wandelte er nach seiner Auferstehung in der wahren vollkommenen Prüfung, in der Adam während seiner Unschuld vor der Bestätigung zur magischen (geistigen) Geburt wandeln sollte. Weil es aber nicht sein wollte, was zwar in Gott wohlbekannt war, so fiel Adam in den Schlaf. Und so mußte dann Christus in Adams Schlaf vierzig Stunden ruhen, um ihn in sich selbst im Reich Gottes wieder aufzuwecken. Darüber denke nach, dann wirst du allen Grund im Prozeß Christi verstehen lernen. Stelle nun Christus an die Stelle von Adam, dann findest du allen Grund des Alten und Neuen Testaments. Stelle Adam in das geformte Wort der Schöpfung und laß ihn das Bild der äußeren und inneren ewigen Natur aller drei Prinzipien sein. Und stelle Christus in das ewigsprechende Wort nach der wahren göttlichen Eigenschaft, darin kein Böses entstehen kann, sondern nur die Liebe-Geburt göttlicher Offenbarung nach dem Reich der Herrlichkeit. Und führe Christus in Adam hinein, so daß Christus den Adam in sich neu gebäre und ganz mit der Liebe erfülle, damit er aus dem tiefen Schlaf erwache. Dann hast du den ganzen Prozeß (der Entwicklung) von Adam und Christus.

6.45. Denn Adam ist das ausgesprochene, geformte, kreatürliche Wort; und Christus ist das heilige, ewigsprechende Wort. Also wirst du die Zeit in die Ewigkeit hineinführen und wirst mehr sehen als du in allen Büchern der Menschen lernen kannst.

6.46. Denn als Eva in Adams Schlaf aus Adam gemacht wurde, so geschah das im Schöpfungswort des Welt-Geistes. Hier wurden sie zu Kreaturen der äußeren Welt, nämlich im äußeren natürlichen Leben der Sterblichkeit in das tierische Leben gebildet, mit tierischen Gliedern in der Form und auch mit einem Madensack (vergänglichen Körper) für irdische Speise. Denn nachdem das Weib aus Adam kam, war schon das ganzheitliche Bild Gottes in der Ausgeglichenheit zerbrochen, und so konnte das Paradies in ihm nicht mehr bestehen. Denn das Reich Gottes besteht nicht in Essen und Trinken, sagt die Schrift, sondern in Friede und Freude im Heiligen Geist (Röm. 14.17). Das konnte in Adam und Eva nicht mehr sein, denn sie hatten schon das Merkmal zu tierischer Art. Obwohl die tierische Art noch nicht ganz aufgewacht war, so war sie doch in der Lust schon erwacht.

6.47. Der Versuchungsbaum der Erkenntnis des Guten und Bösen war eben die Prüfung, wohin sich die menschliche und seelische Erfahrung aus dem Willen des Ungrundes hinwenden würde, ob sie auch in der Kreatur in der Ausgeglichenheit bestehenbleiben wollte, oder ob sie sich im Welt-Geist in die unterschiedlichen Eigenschaften hineinwenden wollte.

6.48. Da fragt nun der Verstand: „Warum ließ Gott diesen Baum wachsen?“ Darauf antworten wir: Höre lieber Verstand, die Prüfung dieser Welt ist besser als das Zentrum im Feuer nach dem Recht (bzw. der Wahrhaftigkeit) in der Ewigkeit zu prüfen, wie Luzifer geprüft wurde. Auch erkannte Gott wohl den Fall des Menschen im Geist der Welt, denn was die Seele an Erfahrung begehrte, das mußte die Erde geben. Denn ihre Lust ging in die Eigenschaft der Erde. Also mußte die Erde der Lust vorstellen, was sie haben wollte. Denn die Erfahrung der Seele ist nach ihrer Allmacht von göttlicher Eigenschaft, und hierin liegt der Grund aller Verborgenheit. Und dieser Fall beruht ein wie das andere Mal auf dem eigenen Willen des Menschen und auf der Illusion des Teufels.

6.49. Der wirkliche Fall des Menschen ist dies: Als Eva aus Adam gemacht wurde, da erschien der Teufel in der Schlange und legte sich an den Versuchungsbaum und überredete Eva, sie sollte davon essen, dann würden ihre Augen aufgetan und sie werde wie Gott sein. Dann würde sie wissen, was in allen Eigenschaften wäre, was darin für ein Wesen und Geschmack sei, wie alle Kräfte in ihren Eigenschaften schmeckten, und was alle Tiere in ihren Eigenschaften wären. Welches wohl alles wahr war, aber daß dann Hitze und Kälte in ihre nackte Gestalt dringen würden, das sagte ihr der Teufel nicht. Auch kam er nicht in eigener Form, sondern in der Form des listigsten Tieres. Auch begehrte der Teufel, daß er Eva als Mutterleib der weiblichen Tinktur tierisch machen könne, so daß sie sich in die List (bzw. Klugheit) der Schlange vergaffte, daraus ihr die Lust entstand, Böses und Gutes zu wissen. So daß es dann an der List der Schlangen lag, daß sich die Erfahrung der Natur mit der Phantasie in eine solche List hineingeführt hatte. Also nicht wie der Verstand meint, daß Gott der Schlange die Zunge gewappnet habe, so daß sie das unbedingt tun mußte. Man sollte besser sagen, der Teufel habe sie ihr aus dem Reich der Phantasie gewappnet, so daß sie es tun konnte. Aber von Gott sollte man das nicht behaupten.

6.50. Die Schlange ist ein Wesen in den drei Grundqualitäten, nämlich in Salz, Schwefel und Quecksilber, in der natürlichen Erfahrung, wenn sich Feuer und Licht scheiden, in denen noch die (ganzheitliche) Vernunft in feuriger Schärfe liegt. Denn der Geist der Vernunft wurde noch nicht aus dem Zentrum der drei Grundqualitäten geschieden, sondern ist noch mit dem Leiden und der Wurzel der Gift-Qual verbunden. Darum liegt in ihr die höchste Ursache zum Gift und dem falschen listigen Willen. Aber in ihr liegt auch der höchste Schutz gegen das Gift, wenn durch sie das Gift abgeschieden wird, das man sich in Form von Luzifer und seinem Gefolge denken kann.

6.51. Der Satan war auch einer mit der höchsten feurigen Erfahrung im Reich der Natur und einer der Schönsten im Himmel, weil ihm die feurige Erfahrung der Natur eine Ursache zu seiner glänzenden Herrlichkeit war. Er hatte das Böseste und auch das Beste an sich genommen. Das bedeutet, die ewige Erfahrung hatte die feurige Natur nach der höchsten Beweglichkeit, daraus die Stärke und Macht besteht oder entsteht, an sich genommen, darin sich dann auch die Erfahrung des Ungrundes in eigenem Willen nach der Art der Listigkeit (bzw. Klugheit) geschöpft und sich von der Demut abschieden hatte, um im Licht Gottes und seinem Glanz in allen Kräften herrschen zu wollen. Das tat er dann auch in seinem Anfang, so daß er das Wesen in der Erfahrung der Natur mit solcher Eigenschaft vergiftete, daß aus diesem vergifteten Wesen auch die Schlange ihren Ursprung in der Schöpfung genommen hat. Und wegen dieser Vergiftung hat auch Gott die Erde verflucht, nachdem sie der Mensch durch seine hineingeführte falsche Lust mit des Teufels Gift und List noch mehr vergiftet hatte, so daß er auch die Erfahrung im Wesen, aus dem er herausgezogen worden war, vergiftete und ihm das Paradies entzogen wurde.

6.52. Also stellte nun auch der Teufel sein vergiftetes Wesen in Form der Schlange an den Baum, in der er seine Ausgeburt an listigen Willen vor Zeiten der irdischen Schöpfung in die Erfahrung der Natur und ihr geistiges Wesen hineingeführt hat, dieses Wesen in der Erfahrung der Natur, das im Anfang der Schöpfung auch in die Kreatur mit einging, wie auch an allen giftigen Schlangen und dergleichen zu bedenken ist. Nicht daß sie der Teufel geschaffen habe. Nein, sondern er ist nur ein Vergifter der Natur gewesen, in gleicher Weise, wie er seine eigene Natur sowohl die menschliche Natur vergiftet hat. Das Schöpfungswort hat sie dann geschaffen, eine jede Eigenschaft der zerteilten Erfahrung in ihre entsprechende Form. Wie der Wille in der Erfahrung in der wirkenden Figur (bzw. Gestaltung) war, so wurde dann auch die Kreatur.

6.53. Denn das sprechende Wort in jeder Eigenschaft der Erfahrung führte sich in ein Bild. Also war auch die Schlange dem Teufel in der Erfahrung der Natur nahe, denn er hatte ihr seinen giftigen Willen eingeflößt, als sie noch keine Schlange war. Hier sollte man den Unterschied zwischen den irdischen Kreaturen und den ewigen nicht vergessen. Denn der Teufel gehört der ewigen Erfahrung in der ewigen Natur, und die Schlange gehört der Zeit, die aus der Ewigkeit ausgesprochen wurde, und darum sind sie voneinander geschieden.

6.54. Dieses giftige und listige Getier als Ausgeburt des Teufels stellte er Eva an diesem Baum vor Augen, damit sie sich in dessen List vergaffen und tierisch machen sollte, wie dann auch geschah. Als Eva nach der listigen Klugheit lüsterte, da schlüpfte der Teufel mit seiner Begierde durch das tierische Schlangenwesen in Evas Erfahrung von Seele und Leib. Denn Eva wurde nach der List und entsprechenden Klugheit begehrend, so daß sich ihre Augen öffnen wollten, um Böses und Gutes zu erkennen. Also führte er das magische Schlangenwesen in sie hinein, auf Art und Weise, wie die falsche Magie mit Beschwörung arbeitet und dem Menschen ein böses Gift in die Erfahrung seines Lebens einflößt. Und davon bekam Eva den Willen, Gott ungehorsam zu sein, und wagte es und aß vom Baum der Irdischkeit, so daß Böses und Gutes offenbar wurde, so daß wir nach diesem Fall auch heutzutage nur noch solche Früchte essen. Und als sie aß und nicht bald niederfiel und starb, da gab sie auch Adam davon, und er aß, denn Adam neigte sich schon dazu, als er im Bild Gottes stand, aber bis jetzt hatte er noch nicht körperlich davon gegessen.

7. Kapitel – Wie das Tier im Menschen erwachte

Von der tierischen Offenbarung im Menschen, wie Adam und Eva ihre Augen aufgetan wurden und wie das im Grunde zu verstehen sei.

7.1. Wenn wir das Ebenbildnis (Gottes) in seinem magischen Grund recht betrachten, und wie es geschieht, daß sich im Geist der Welt (Spiritus Mundi) zu allen Dingen ein Gegenbildnis formiert, wie wir das in einem Spiegel, im Wasser oder am Schatten sehen, so kommen wir bald und nahe auf den Grund, wie alle Wesen aus einem Einigen entstanden und wie alle Kreaturen im Geist der Welt als im ausgesprochenen Wort Gottes liegen. Darum können wir wohl mit Grund sagen, daß alle Kreaturen auch in Adam gelegen sind, nicht daß sie aus Adam ausgegangen und in das Geschöpf eingetreten sind, sondern in der ewigen Erfahrung der Seele, in der sich das Wort Gottes in einen natürlichen und kreatürlichen Grund formiert und bildet. Darin werden alle Eigenschaften verstanden, wie es auch Moses bezeugt, daß der Mensch über alle Kreaturen herrschen sollte. Aber nun, nach dem (Sünden-) Fall, herrschen sie über ihn.

7.2. Denn als die Seele in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit stand, da drang der geistige Wille der Seele durch alle Kreaturen und wurde von keiner verletzt, denn keine konnte ihn ergreifen. Gleichwie keine Kreatur mit ihrem Willen der Sonne Wärme und Schein ergreifen kann, sondern es hinnehmen muß, daß sie davon durchdrungen wird, so war auch der geistige Wille des Menschen. Als er aber durch das Gift der Schlange im Willen des Teufels gefangen wurde, da wurde er allen Kreaturen ein Feind und verlor diese Macht.

7.3. Auch bekamen die Kreaturen Gewalt in ihm und erhoben sich in ihm, wie es uns nun vor Augen steht, wenn mancher in der Eigenschaft einer listigen Schlange voll arger List und giftiger Bosheit ist, oder ein anderer die Eigenschaft einer Kröte in sich hat, oder die eines Hundes, einer Katze, eines Basilisken, Löwen, Bären, Wolfes und so fort durch alle Eigenschaften der Tiere und Würmer.

7.4. Sie haben wohl von außen das ursprünglich gestaltete Bild an sich, aber in ihrer Eigenschaft sitzt ein bösartiges Tier. Dergleichen ist auch von den guten und zahmen Tieren zu verstehen, so daß mancher auch in der Eigenschaft eines guten Tieres steht. Und so ist wohl kein Mensch aus Adams Samen gezeugt, der ohne die Eigenschaft irgendeines Tieres im irdischen Leib wäre, mancher mehr im Bösartigen und mancher im Gutartigen.

7.5. Dieses wird nun unter dem Fall (aus dem ganzheitlichen Paradies) verstanden, daß sich alle Eigenschaften im Welt-Geist im Menschen offenbart haben, alle feurigen Erfahrungen wie Hitze und Kälte, und auch alle anderen besonderen Qualitäten, so daß in ihm die Eigenschaften der ganzen Natur nach Bösem und Guten offenbart (und wirksam) wurden. Denn sobald sie von der irdischen Frucht im Körper aßen, ging die ganzheitliche Ausgeglichenheit auseinander und der Körper wurde nach allen Eigenschaften im Geist der Welt offenbar. Da fielen Hitze und Kälte auf ihn und drangen in ihn ein. Alle Eigenschaften der Natur, darin der kreatürliche Grund liegt, drängten sich in ihm in einen Widerwillen, dadurch ihm Krankheit und Tod durch Vergänglichkeit entstanden.

7.6. Und mit diesem Bissen (mit dieser gegensätzlichen Nahrung) starb er an Gottes Reich und wachte im Reich der Natur auf, und wurde aus der Leidlosigkeit in die Leiderfahrung gesetzt, und wurde nach dem äußeren Leib ein Tier aller Tiere als das tierische Bild Gottes, weil sich das Wort Gottes in irdischem Bildnis offenbart hat. Also wurde der Mensch nach dem äußeren Leib ein Meister und Fürst aller Tiere, und war doch selber nur ein Tier, zwar mit einer edleren Erfahrung als ein Tier, aber trotzdem hatte er ein Tier in seiner Eigenschaft.

7.7. Und zu dieser Stunde wurde im Menschen eine Pforte der finsteren Welt in Gottes Zorn geöffnet, nämlich die Hölle oder der Schlund des Teufels, wie auch das Reich der Phantasie in ihm offenbar wurde. Der zornige Gott (nach dem Reich der Finsternis so genannt) wurde in ihm offenbar und fing ihn nach der seelischen Erfahrung in der Kreatur. Nicht der Grund der seelischen Erfahrung konnte zertrennt werden, sondern die Kreatur aus den drei Grundqualitäten von Salz, Schwefel und Quecksilbertrennte sich in eine ewige Natur und in eine zeitliche Natur im Geist der Welt. Die zeitliche Natur wurde in die irdische Eigenschaft gesetzt, und die ewige Natur in den Grimm der finsteren Welt, dem Teufel zum Nachbarn.

7.8. Als nun diese Gefängnisse im Tod Christi in beiden Naturen zerbrochen werden sollten, da erzitterte die Erde darüber und die Sonne verlor ihren Schein, um anzudeuten, daß das ewige Licht nun wiedergeboren worden sei und das zeitliche nun aufhören müsse.

7.9. Um es nun recht zu betrachten, was am Menschen im Fall (aus der Ganzheit) gestorben sei, müssen wir nicht nur allein den zeitlichen Tod anschauen, wie der Mensch stirbt und verwest. Denn das ist nur der tierische Tod und nicht der ewige Tod. Auch müssen wir nicht so blind sein und sagen: „Die Seele sei in ihrer Kreatur (bzw. Verkörperung) gestorben.“ Nein, das konnte nicht sein, denn was aus dem Ewigen ist, das nimmt keinen Tod an. Aber das Ebenbild Gottes, das sich in die kreatürliche Seele als das göttliche Wesen hineingebildet hat, dieses verblich als der Feuer-Grimm erwachte. Denn in Gott ist kein Sterben, sondern nur eine Scheidung der Prinzipien, was man so ähnlich verstehen kann, wie wir auch sehen, daß die Nacht den Tag und der Tag die Nacht in sich verschlingt. Also ist eines im anderen wie tot, denn es kann sich nicht mehr zeigen.

7.10. Dies kann man im Gleichnis verstehen, als wenn die Sonne verginge, dann würde der Welt-Geist nur noch eine grobe Feindlichkeit und eine immerwährende Nacht sein. Dann könnten die vier Elemente in jetziger Eigenschaft nicht qualifizieren (hervorquellen), und es wüchse keine Frucht, auch könnte keine Kreatur in den vier Elementen leben. So ähnlich starben Adam und seine Eva im Reich der göttlichen Sonnen-Kraft als des göttlichen Wesens und Willens und wachten in der grimmigen Natur auf, innerlich nach der Seele und äußerlich in der tierischen Eigenschaft.

7.11. Doch die Erfahrung der Seele aus dem unergründlichen Willen, darin Gott gebiert, die ist nicht gestorben. Denn nichts kann sie zerbrechen, sondern sie bleibt ewig ein freier Wille. Aber ihre Form der Kreatur als Seele, die vom Geist Gottes in ein Bild formiert (bzw. „informiert“) wurde – dieses Bild aus der ewigen Natur – das verlor das heilige Wesen, darin Gottes Licht und das Liebe-Feuer brannte. Nicht, daß dieses Wesen ein Nichts geworden wäre. Nur der kreatürlichen Seele wurde es ein Nichts, nämlich unempfindlich (bzw. unbewußt), weil sich die heilige Kraft als der Geist Gottes, der das wirkende Leben darin war, verborgen hatte. Nicht aus Vorsatz seiner selbst, sondern die ewige Erfahrung als der unergründliche Wille zur seelischen Kreatur ging vom Liebe-Willen ab und in sein stachliges Eigentum der seelischen Natur ein.

7.12. Gott entzog sich nicht der Seele, sondern die Erfahrung des freien Willens entzog sich Gott, gleichwie sich die Sonne der Distel nicht entzieht, aber die Distel zieht sich aus der Sonne ihre stachlige Erfahrung und führt sie in ein stachliges Wesen. Je mehr nun die Sonne darauf scheint, je stachliger und stärker wird die Erfahrung des wirkenden Willens. So ist es auch bezüglich der Seele zu verstehen.

7.13. Gott wohnt durch alles, auch durch die Finsternis und durch die Teufel. Aber die Finsternis begreift ihn nicht, und so auch der Teufel und die gottlose Seele nicht. Fragst du: „Warum das?“ Weil der kreatürliche Wille zur wahren gelassenen Demut tot ist, nämlich sich unter Gottes Gehorsam zu begeben, und er ist nur noch ein Distel- und Dornenwille im Leben der Kreatur. Also hält der Dornenwille die edle Erfahrung des unergründlichen ewigen Willens des Ungrundes in sich gefangen oder verdeckt, und sie sind ineinander wie Tag und Nacht.

7.14. Die kreatürliche Seele wurde zur Nacht, und der Welt-Geist (Spiritus Mundi), der im Anfang in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit im Leib stand, der stand nun im Bösen und Guten, wie alle zeitlichen (vergänglichen) Dinge stehen. Denn des Teufels Distel-Samen war da hineingekommen, darin der zeitliche Tod lag, und darunter war nichts anderes zu verstehen, als ein Tier aller Tiere. Die (ganzheitliche) Gleichheit des geformten, ausgesprochenen Wortes stand nun in der Feindschaft und im Widerwillen (der weltlichen Gegensätze). Das ganzheitliche Bild der Engel war zerstört, sowohl im Gemüt als auch für die Sinne, wie wir heute noch sehen, daß sich die Sinne immerdar im tierischen Willen zur eigenen Liebe fassen und gar schwerlich dahin kommen, daß sie Gott und die Gleichheit lieben. Sie wollen sich immer nur emporschwingen und alles allein im Besitz haben, und wollen gern das schönste Kind im Haus sein, davon der überhebliche Stolz, Geiz, Neid und Haß entstehen. Das alles ist der Schlange Wesen mit der eingeführten Eigenschaft des Teufels, die das Reich Gottes nicht erben kann.

7.15. Diesem kam nun das lebendige und ewigsprechende Wort mit der Eigenschaft der höchsten Liebe aus lauter Gnade zu Hilfe und sprach sich in das verblichene Wesen der himmlischen Welt wieder zu einem wirkenden Leben ein. Wie sich das Wort des Teufels in die Seele eingesprochen hatte, so kam nun das Wort der Liebe Gottes und sprach sich wieder in das verblichene Wesen ein, um anzudeuten, daß es ein Ziel eines ewigen Gnaden-Bundes sei, darin Gottes Liebe im Namen Jesu die Werke des Teufels zerstören wollte, und das lebendige heilige Wesen im Namen Jesu in dieses Einsprechen oder eingesprochene Wort wieder einführen wollte, welches in Christi Menschwerdung geschah.

7.16. Hier können wir nun die Vorsehung verstehen, daß der Geist Gottes diesen Fall ins Feuer und die grimmige Eigenschaft der Natur bereits vor der Gründung der Welt gesehen habe und darin den heiligen Namen Jesu mit dem höchsten Wesen der Liebe als einen Wiedergebärer vorgesehen hatte. Denn die Einige Wurzel aller Dinge aus göttlicher Liebe, nämlich das himmlische Welt-Wesen, verblich in Adam als das wahre Ebenbild Gottes nach der Eigenschaft göttlicher Heiligkeit. Und dieses Einige Bild, das in Adam in Gott verblich, hatte Gott als Ziel seines ewigen heiligen Willens in Christus einverleibt. Darin sprach das heilige Wort Gottes, weil nun die arme kreatürliche Seele an Gott blind geworden war: »Des Weibes Samen soll der Schlange den Kopf zertreten.« Und in dieser eingesprochenen Stimme bekam die arme Seele wieder göttlichen Odem und Leben. Und dieselbe eingesprochene Stimme wurde nun im menschlichen Leben als eine Figur des wahren Ebenbildes in diesem Ziel des göttlichen Bundes, den Er im göttlichen Wesen vor der Welt Grund vorgesehen hatte, von Mensch zu Mensch als ein Gnadenbündnis gepflanzt.

7.17. Denn das Einsprechen des Teufels, daraus ein böser Wille entstand, das geschah zuerst in Adam, als er weder Mann noch Weib, sondern ein Bild Gottes war. Und dies drang von Adam in Eva, die dann die Sünde begann. Also kam auch nun das Einsprechen Gottes und drang in Eva als in die Mutter aller Menschen und setzte sich durch Eva dem angefangenen Sündenquell der Qual in Adam entgegen. Denn in Eva lag die Tinktur vom Licht und geistigen Wasser. Und in diese verleibte sich die heilige Tinktur des Wortes im Namen Jesu ein, auf daß sie den tierischen Mutterleib zerbrechen und in einen heiligen verwandeln wollte.

7.18. Denn nicht durch Adams Feuer-Tinktur sollte es geschehen, sondern durch und in dem Teil der Licht-Tinktur von Adam, darin die Liebe brannte, welche in das Weib geschieden wurde als in die Gebärerin aller Menschen. Darin verhieß Gottes Stimme wieder das lebendige heilige Wesen vom Himmel hineinzuführen und das verblichene Bild Gottes, das darin stand, in göttlicher Kraft neu zu gebären.

7.19. Im Johannes-Evangelium spricht Christus in Kapitel 3 Vers 13, er sei vom Himmel gekommen. Darin versteht man (ein körperliches) Wesen, denn das Wort bedarf keines Kommens. Es ist zuvor schon da und darf sich nur bewegen. Nun lagen alle Menschen nach der verdorbenen seelischen (geistigen) Eigenschaft im Samen Adams, und so lagen hinwieder alle Menschen im weiblichen (körperlichen) Mutterleib (Veneris Matrice) als in der weiblichen Eigenschaft von Eva. Und in Eva als im Mutterleib der Liebe vom Wesen der himmlischen Welt, das in Adam und Eva als ihr Anteil vom Reich Gottes verblich, setzte Gott seinen Bund und führte sein Wort dahinein, so daß der Samen des Weibes – nämlich der himmlische Samen, den das Wort wieder hineinführen wollte, darin Gott und Mensch wieder eine Person sein kann – der Schlange Ausgeburt und des Teufels Willen den Kopf seiner Macht zertreten und des Teufels Werke zerstören sollte, die er in Seele und Leib wirken will.

7.20. Versteht es recht: Der erste Anteil war der in Adam geschaffene Mensch als der Anteil am Wesen der himmlischen Welt. Der zweite Anteil war das, was im Wort Gottes hineingeführt werden sollte. Und drittens sollte mit dem Menschlichen ein Wesen werden, der es tun sollte, nämlich als Gott-Mensch und Mensch-Gott. Und das ist nicht irgendein ganz fremder Christus, sondern dasselbe Wort, das aus sich selbst den Menschen in ein Bild Gottes gemacht hatte. So sollte es nun auch das machende Wort und das gemachte Wort in der Kraft des Heiligen Geistes tun. Das himmlische Wesen im Wort als der Tempel des Heiligen Geistes sollte im Samen des Weibes einen seelischen (geistigen) Samen annehmen und auch einen leiblichen (körperlichen) von Adams Wesen aus dem Stoff der Erde, in gleicher Art, wie Gott die Welt angenommen (bzw. verkörpert) hat, aber doch im Himmel im heiligen Wesen wohnt.

7.21. Also nahm das Wort von innen her das verblichene heilige Wesen als sein lebendiges Wesen an und machte das Verblichene in seiner Kraft lebendig. Und die seelische und leibliche (bzw. geistige und körperliche) Natur von der inneren Welt hing an diesem Wesen, wie die Natur an Gott hängt, durch die er sich offenbart. So wollte sich auch hier das heilige Wort mit dem heiligen Wesen durch die seelische und leibliche Natur offenbaren und die Seele mit der höchsten Tinktur wieder tingieren (vereinen) und darin dem Teufel seine gemachte Räuberburg im Grimm der ewigen Natur zerbrechen, welches alles im (Entwicklungs-) Prozeß Christi erfüllt worden ist.

7.22. Nun möge mir jetzt der Verstand sagen, wo der vorsätzliche Wille Gottes zur Verstockung des Menschen entstehen würde? Wo ist der Vorsatz, so daß er in seinem Vorsatz eine Menge (Menschen) zur Verdammnis und die andere zum ewigen Leben bestimmt hat? Denn in Eva fing die Sünde an, und in Eva fing auch die Gnade an, ehe sie von einem Kind schwanger wurde. Sie alle lagen in Eva in gleichem Tod, und sie lagen auch alle zum Einigen Gnadenbund im Leben, wie denn der Apostel sagt: »Gleichwie die Sünde von einem kam und auf alle drang, so kam auch die Gnade von einem und drang auf alle. (Röm. 5.18)« Denn der Bund ging nicht nur auf einen Teil, wie auf ein Stück von Eva, sondern auf die ganze Eva, und zwar ohne des Teufels Werke, die er in sie geflößt hatte. Denn diese sollte Christus zerbrechen.

7.23. Es sollte und konnte keine Seele aus dem Wesen, das vom Teufel eingeführt wurde, geboren werden, denn das Wort Gottes mit dem Bund stand dazwischen. So drang der Bund aus Evas Seele in Adam, nämlich aus der Tinktur des Lichtes in die feurige Tinktur von Adam. Denn Adam und Eva waren im Wort nur ein Mensch. Also drang auch die Gnade auf diesen Einigen Menschen von Adam und Eva.

7.24. Wo ist nun der göttliche ewige Vorsatz (der Vorherbestimmung), von dem der Verstand spricht? Er will ihn mit der Heiligen Schrift beweisen und versteht diese nicht. Denn die Worte der Schrift sind wahr, aber es gehört eine (ganzheitliche) Vernunft dazu, nicht ein äußerlicher Wahn, so daß man von einem fremden Gott spricht, der weit und hoch in einem Himmel allein wohnen würde.

7.25. Brüderlich wollen wir dem (gedanklichen) Verstand andeuten, wie die Schrift zu verstehen sei, wenn sie vom Vorsatz und von Gottes Wahl spricht, und ihm die wahre Vernunft geben, wie die Wahl entsteht und was der Vorsatz sei. Und darin oder damit wollen wir niemanden in seiner gefaßten Meinung verachten, sondern zu mehr Erkenntnis und christlicher Einigung in der Vernunft wollen wir die Schrift erklären, zu welchem Zweck auch dies Büchlein geschrieben ist.

7.26. Um dies nun zu verstehen, wollen wir das erste und zweite Prinzip – als das Reich der Natur zur göttlichen Offenbarung, darin Gottes Zorn und Verstockung verstanden werden, und dann auch das Reich der Gnade als das wahre göttliche Wesen – gegenüberstellen und betrachten, wie der Grund der Verstockung entsteht. Und damit wollen wir auch die Sprüche der Heiligen Schrift prüfen, die widersprüchlich erscheinen, so daß ein jeder die Grundlage seiner Meinung erkennen möge. Dabei wollen wir uns an keine Meinung binden, um irgend jemandem zu gefallen, sondern den Grund dartun, und zwar in Liebe für alle Meinungs-Parteien zu brüderlicher Einigung.

7.27. Als Adam und Eva gefallen waren, da wurden sie am Reich Gottes blind und wie tot, und es gab keine Möglichkeit mehr in ihnen, etwas (vollkommen) Gutes zu tun, das heißt, nach der seelisch-leiblichen (bzw. geistig-körperlichen) Kreatur. Aber die Erfahrung des Ungrundes aus des Vaters Eigenschaft, in der die Seele im feurigen Wort formiert (bzw. informiert) wurde, die ist ungebunden, weder böse noch gut, denn sie ist der Einige Wille. In diesem ewigen Willen gebiert Gott der Vater seinen Sohn, und dieser Wille heißt abgesehen von der Gebärung als göttliche Kraft weder „Vater“ noch „Gott“, sondern „der ewige unergründliche Wille zu Etwas“. In diesem Willen sollte die Geburt der Heiligen Dreiheit wie auch der Ursprung der Natur und aller Wesen Anfang verstanden werden.

7.28. Dieser Wille ist der ewige Anfang zu göttlicher Weisheit, nämlich zur Beschaulichkeit (bzw. Bewußtheit) des Ungrundes. Er ist auch der Anfang zum Wort als zum Aussprechen des Feuers und Lichtes. Das Sprechen aber geschieht nicht im Willen des Ungrundes, sondern in der Fassung der Erfahrung, wenn sich dieser Wille in die Stätte Gottes als in die Dreiheit der Gebärung einfaßt. Hier spricht sich das Wort als Kraft in der Unterschiedlichkeit aus. Und in dieser Unterschiedlichkeit der aussprechenden Erfahrung ist das Bild Gottes als Mensch in göttlicher Kraft und Weisheit und in magischer (geistiger) Form ohne Kreatur in der Ewigkeit gesehen worden. Und in diesem gesehenen Bild hat sich Gottes Geist in der höchsten Liebe, die der Name „Jesus“ ist, selbst geliebt, denn es ist eine Figur Seiner Gleichheit nach Kraft und Geburt gewesen.

7.29. Weil aber Gottes Liebe ohne die ewige Natur nicht offenbar gewesen wäre, das heißt, das Liebe-Feuer wäre nicht ohne das Zorn-Feuer offenbar, so ist die Wurzel der Erfahrung in Seinem Grund der Natur das Zorn-Feuer gewesen. Und die Offenbarung des Zorn-Feuers ist das Liebe-Feuer, in gleicher Art, wie das Licht aus dem Feuer kommt. Und so verstehen wir den Grund.

7.30. Als das Licht in der kreatürlichen, ewigen und natürlichen Seele verlosch, da war die kreatürliche Seele nur noch ein Quall (ein Quell der Qual) von Gottes Zorn als eine feurige Natur. Nun aber hatte sich Gottes Liebe als der Heilige Name „Jesus“, der das Eine und Erste ist, wie man ihm nachsinnen möchte, im ewig gesehenen Bild in die Erfahrung des Aussprechens einverleibt, das heißt, in das menschliche ewige Bild, in das die kreatürliche Seele geschaffen war. Und in dieser Einverleibung ist der Mensch in Jesus Christus noch vor der Gründung der Welt vorhergesehen worden. Als aber die kreatürliche natürliche Seele fiel und das (wahre göttliche) Licht verlor, da sprach sich das Wort der Kraft, das die Seele in der feurigen Erfahrung geformt hatte, in den Willen des Ungrundes zur Kreatur (bzw. Schöpfung) hinein.

7.31. Seit Ewigkeit hat der Name „Jesus“ in einer unbeweglichen (unveränderbaren) Liebe im Menschen gestanden, nämlich im Gleichnis Gottes. Denn wäre sie beweglich gewesen, dann hätte das Bild ein wirkliches Leben gehabt. Nun aber war das wirkliche Leben allein im Wort der Kräfte. Als aber die Seele das Licht verlor, da sprach das Wort den Namen „Jesus“ in der Beweglichkeit wieder in das verblichene Sein des Wesens der himmlischen Welt hinein.

7.32. Adam besaß das göttliche Licht vor seinem Fall aus Jehova, nämlich dem Einigen Gott, in dem der hohe Name „Jesus“ verborgen lag. Nicht in Gott lag er verborgen, sondern in der Kreatur, das heißt, in der Erfahrung zur Kreatur lag er verborgen. Aber in dieser Not, als die Seele fiel, da offenbarte Gott den Reichtum seiner Herrlichkeit und Heiligkeit im unergründlichen Willen der Seele als in dem ewiggesehenen Bild, und verkörperte sich mit der lebendigen Stimme des Wortes aus dem göttlichen Liebe-Feuer in das ewige Bildnis zu einem (führenden) Banner der Seele, dahin sie dringen sollte. Und obwohl sie nicht eindringen konnte, denn sie war an Gott wie tot, so drang doch der göttliche Odem in sie und ermahnte sie zum Stillstand der boshaften Wirkung, damit Seine Stimme in der Seele wieder zu wirken beginnen könne.

7.33. Und das bedeutet es, wenn sich Gottes Stimme bei Eva in des Weibes Samen einsprach. Denn das wahre Weib vom Wesen der himmlischen Welt, als es noch in Adam war, also nach der Licht-Natur, das war die Jungfrau Sophia (die „Weisheit“) als die ewige Jungfräulichkeit oder die Liebe des Mannes. Diese war in Jehova in Adam offenbar, und jetzt wurde sie in der Stimme des Einsprechens im Namen „Jesu“ offenbar, der sich aus Jehova mit solchem Bund entwickelt hatte, daß der Name „Jesus“ in Erfüllung der Zeit das heilige Wesen der Sophia, nämlich das himmlische heilige Wesen aus der Liebe, mit dem die Liebe umschlossen ist (oder in der die feurige Liebe ein (ganzheitliches) Wesen ist), in das verblichene Wesen aus Jehova hineinführen wollte.

7.34. Wenn ich nun sage „das Wesen aus Jehova sei im Fall verblichen“, dann ist das wahr. Es ist eben der Tod, darin Adam und Eva starben. Denn sie verloren das wahre Feuer, und so wachte in ihnen das hitzig-kalte Feuer der Feindschaft (weltlicher Gegensätze) auf, in dem Sophia (die ganzheitliche Weisheit) nicht mehr offenbar ist. Denn es ist nicht das göttliche Feuer-Leben, sondern das natürliche. Und in diesem natürlichen Feuer-Leben der Seele liegt nun der Unterschied zwischen Gottes Liebe und Zorn.

7.35. Das natürliche Feuer-Leben ohne das Licht ist Gottes Zorn, und Er will nur seinesgleichen haben. Alles andere verstockt die Seele und führt sie in eigenen fremden Willen im Gegensatz zur Eigenschaft des Liebe-Feuers. Nun aber fährt nicht etwa ein freier Wille eines Zorn-Feuers in die natürliche Seele, das die Seele einnähme, sondern das eigene Feuer, und daraus wird die Seele ein Wesen.

7.36. Der Grimm eigener Natur verstockt sich mit dem Ergreifen des Ekels (bzw. persönlicher Abneigung) in den drei Grundqualitäten der Natur von Salz, Schwefel und Quecksilber, nämlich in der Eigenschaft der finsteren Welt, die in der falschen (illusorischen) Begierde offenbar wird. Das geschieht aber auch durch äußere Zufälle, welche die falsche Lust aus der feurigen Begierde innerlich ergreift, so wie sich auch Adam und Eva mit der eingeflößten Schlangensucht verstockten und vergifteten, so daß dann dieses eingeflößte Gift auch bald begann, nach solcher Eigenschaft wie es selbst war zu hungern. Und so gebar dann ein Ekel den anderen, wie der Apostel Paulus davon sagt, »daß nicht er im Geiste Christi die Sünde wolle und wirke, sondern die Sünde im Fleisch. (Röm. 7.17)« Und das ist die Sünde, die in der Natur ist, nämlich der offenbare Grimm der ewigen und zeitlichen Natur. Und dasjenige, was die tierische Lust in das Fleisch hineinführt, das tut es.

7.37. So versteht mich nun recht: Der erste und allerinwendigste Grund im Menschen ist Christus, nicht nach der Natur des Menschen, sondern nach göttlicher Eigenschaft im himmlischen Wesen, das Er neugeboren hat. Und der zweite Grund der Natur ist die Seele, das heißt, die ewige Natur, darin sich Christus offenbarte und sie annahm. Und der dritte Grund ist der geschaffene Mensch aus dem Stoff der Erde mit den Sternen und vier Elementen.

7.38. Im ersten Grund, welcher Christus ist, liegt das wirkende Leben in göttlicher Liebe. Und im zweiten Grund ist das natürliche Feuer-Leben der kreatürlichen Seele, darin sich Gott einen „eifrigen Gott“ nennt. Und im dritten Grund liegt die Kreation (bzw. Schöpfung) aller Eigenschaften, welche in Adam in ganzheitlicher Ausgeglichenheit stand und im (Sünden-) Fall auseinanderging.

7.39. Im ersten Grund ist Gott Jehova, und Er hat die Menschen, die im Anfang sein waren, dem Namen und der offenbaren Kraft Jesu übergeben, wie Christus sagt: »Vater, die Menschen waren dein, und du hast sie mir gegeben, und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Joh. 17.6)« Zuerst standen sie in Jehova in der Eigenschaft des Vaters. Nun stehen sie in der Eigenschaft des Sohnes nach dem innerlichen Grund des Himmelreichs. Denn der innerliche Grund ist der innere Himmel. Er ist der Sabbath als Christus, welchen wir heiligen sollen, das heißt, von unserem eigenen Willen und eigenen Werken ruhen, auf daß der Sabbath Christus in uns wirke.

7.40. Der zweite Grund ist nun das Reich der ewigen Natur nach der Eigenschaft des Vaters. Darin wird der Zorn Gottes und die finstere Welt verstanden, darüber Gott seinen Sohn zum Richter gesetzt hat. Denn Christus spricht: »Mir ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden von meinem Vater gegeben worden. (Matth. 28.18)« Und in diesen Worten ist auch das Gericht aller Dinge begriffen (bzw. erklärt).

Weitere Fragen und deren Beantwortung zum Verstand der Sprüche von der Gnadenwahl und der Menschen Verstockung

7.41. Dieser Jesus spricht nun: »Kommt alle zu mir her, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. (Matth. 11.28)«

7.42. Nun ist die Frage: Warum sie nicht alle mühselig und beladen sind und zu der Erquickung als zur neuen Geburt kommen. — Antwort: Dazu spricht Christus: »Niemand kommt zu mir, es ziehe ihn denn mein himmlischer Vater. (Joh. 6.44)«

7.43. Steht nun die Frage: Welche zieht der Vater zu Christo? — Antwort: Die Schrift antwortet: »Die nicht vom Fleisch noch Geblüt noch vom Willen eines Mannes, sondern von Gott geboren sind. (Joh. 1.13)«

7.43. Frage: Wer sind nun diese? — Antwort: Es sind diese, die aus der Gnade geboren werden, die erwählt Er sich.

7.44. Frage: Was ist die Gnade? — Antwort: Es ist der inwendige Grund als Christus, der sich als eine Gnade wieder in den verblichenen inneren Grund hineingab. Die nun aus diesem inneren Grund, nämlich aus Sophia (der „Weisheit“) als der himmlischen Jungfräulichkeit neugeboren werden, die sind Glieder an Christi Leib und ein Tempel Gottes. Diese werden zu Kindern erwählt, und die anderen sind verstockt, wie die Schrift durchaus sagt.

7.46. Frage: Wie kommt es, daß sie verstockt sind? — Antwort: Sie sind in Adam gestorben und können ohne die Gnade in Christo nicht das göttliche Leben haben oder erlangen.

7.47. Frage: Kann ihr denn die kreatürliche Seele im eigenen Vermögen und Willen ihrer Ichheit nichts von der Gnade geben? — Antwort: Nein, sie kann nicht, denn es liegt nicht am ichhaften Wollen, Laufen oder Rennen von jemandem, sondern an Gottes Erbarmen (Röm. 9.16), das einzig in Christo in der Gnade ist.

7.48. Nun fragt man weiter: Wie kommt denn das Erbarmen in die Seele, so daß sie unter die Wahl kommt? — Antwort: Wie oben gesagt, die nicht vom Fleisch noch vom Blut oder vom Willen des Mannes geboren werden, sondern vom gebenedeiten (heiligen göttlichen) Samen des Weibes, nämlich aus dem innersten Grund, wo die Seele Christus in sich zieht. Also nicht von einer angenommenen äußerlichen Gnade, wie der Verstand meint, daß Gott den sündigen Menschen in Christo, der in Sünde tot liegt, durch die vorbestimmte Gnadenwahl annehme, auf daß er den Reichtum seiner Gnade kundtue (Röm. 9.23)« Nein, das gilt nicht, denn die Schrift sagt: »Es sei denn, daß ihr umkehret und werdet wie die Kinder (Matth. 18.3), und werdet durch Wasser und Geist neugeboren, sonst könnt ihr Gottes Reich nicht schauen (Joh. 3.5).« Denn allein die inwendige und eingeborene Gnade der Kindschaft gilt, denn Christus spricht: »Was vom Geist geboren ist, das ist Geist, und was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch. (Joh. 3.6)« Und weiter: »Fleisch und Blut sollen Gottes Reich nicht erben. (1.Kor. 15.50)«

7.49. Frage: Nun fragt man sich, wie geschieht denn die eingeborene kindliche Geburt, zumal sie in Adam alle tot sind? So können ja nur einige durch Seine Vorherbestimmung zu Gottes Kindern geboren und erwählt werden, und die anderen müssen durch Gottes Vorsatz verstockt bleiben. Was kann das Kind tun, wenn es Gott nicht haben will? — Antwort: Hier liegt die Nuß, die es zu knacken gilt. Das ist der Kampf.

7.50. Christus spricht: »Ein fauler Baum kann keine guten Früchte tragen, und ein guter Baum kann keine argen (schlechten) Früchte tragen. (Matth. 7.18)« Wenn wir dieses nun ergründen wollen, dann müssen wir diesen Baum des Wissens ergründen, der da böse und gut ist, und sehen, was er für Früchte trage und aus welchem Wesen eine jede Frucht wachse. So kommen wir dann zum Ziel, wenn wir erkennen, wie sich eine jegliche Kraft in Wesen und Willen hineinzieht.

7.51. Die Schrift sagt: »Gott hat alle Dinge in Zahl, Maß und Gewicht eingeschlossen (und angeordnet), wie es gehen soll. (Weis. 11.21)« Nun können wir aber vom Menschen nicht sagen, daß er bereits ursprünglich in die Zeit eingeschlossen wurde, denn im Paradies war er in die Ewigkeit eingeschlossen. Gott hatte ihn in sein (ganzheitliches) Bild geschaffen. Als er aber fiel, so ergriff ihn dieser Beschluß der Zeit, in dem alle Dinge in Zahl, Maß und Gewicht stehen. Und dieses Uhrwerk (bzw. „Zeit-Werk“) ist das ausgesprochene und geformte Wort Gottes nach Liebe und Zorn, darin die ganze Schöpfung samt den Menschen nach der Natur und Kreatur liegt.

7.52. Nun hat sich in diesem ausgesprochenen Wort der Eigenschaft des Vaters der Name „Jesus“ offenbart, in dem ihm alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben wurde. Also ist alles sein, das Böse und das Gute, nicht in der Habhaftigkeit (im Besitz) seiner Ich-Eigenschaft, sondern dem Guten zum Heil und dem Bösen zum Richter. Und so wurde alles gegeneinander gesetzt, die Liebe gegen den Zorn, und der Zorn gegen die Liebe, auf daß eines im anderen zum Entscheidungstag des Richters offenbar werde, wenn Er alle Dinge entscheiden soll. Denn wenn Er nicht auch ein Herr über alles Bösartige wäre, so könnte er kein Richter der Teufel und Gottlosen sein.

7.53. Dieser Baum des Wissens steht nun in der Geburt in höchster Ängstlichkeit. An einem Teil ist er Christus, und am anderen Teil ist er das Reich der Natur im Grimm Gottes des Vaters nach der Eigenschaft der finsteren und Feuer-Welt. Die feurige Welt gibt das Wesen zum Geistleben, und Christus gibt in der Liebe das Wesen zum Wesen der Frucht und tingiert (verbindet damit) den Grimm, damit Er ein Freudenreich im Wesen aller Wesen werde.

7.54. Hierin besteht nun der Kampf, denn in was für ein Wesen sich das Zentrum der Natur als der Wille des Ungrundes in des ewigen Vaters Eigenschaft hineinführt und bildet, entweder in die Gnade Christi zur Sophia (der Weisheit) oder in die Macht des grimmigen Feuers zur Phantasie, ein solches Bild steht nach der Seele da, denn hier übergibt der Vater die Seele seinem Sohn Christus. Denn in der Eigenschaft des Vaters geschieht die Bildung der Seele, und in der Eigenschaft des Sohnes geschieht die edle Bildung der Sophia als der ewigen Jungfräulichkeit in Christus. Nun liegt es hier am Willen des Ungrundes jenseits der Natur zur seligen Kreatur, wohin diese sich entscheide, entweder in die Ichheit, wie Luzifer es tat, oder in die (geistig-göttliche) Geburt zur Heiligen Dreiheit der Gottheit, so daß er sich entweder in Gott einlasse (und in ihm verschmelze) oder selber wolle, laufe und renne.

7.55. Hierin besteht nun die Wahl, wie auch St. Paulus sagt: »Wem ihr euch zu Knechten in Gehorsam begebt, dessen Knecht seid ihr, entweder der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam Gottes zur Gerechtigkeit. (Röm. 6.16)«

7.56. Da fragt nun der Verstand: Was kann ein Kind dafür, daß es zu einer Distel wird, ehe es sein Leben und seine Vernunft hat? — Antwort: Höre, was kann die Liebe Gottes in Christus dafür, daß Adam aus der ganzheitlichen Ausgeglichenheit in das Wissen vom Baum des Guten und Bösen einging, nämlich in den Streit der Gegensätze? Er hatte doch freien Willen. Warum zertrennte er diesen in sich selbst gegen Gottes Willen. Warum wurde er Gott ungehorsam?

7.57. Nun fragt der Verstand weiter: Kommen denn alle Menschen in solchem Begriff (unter solchen Bedingungen) zur Welt? — Antwort: Nein, keineswegs aus Gottes Vorsatz, sondern aus dem Quall (dem Quell der Qual) der wirklichen Sünden der Eltern und Voreltern. Denn Gott spricht im Buch Moses: »Ich will heimsuchen und strafen die Sünde der Eltern an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied. Aber denen, die mich lieben, tue ich wohl bis ins tausendste Glied. (2.Mose 20.5)«

7.58. Hierin liegt nun der wahre Grund der Distel-Kinder und ihrer Verstockung, daß nämlich die Eltern in Fleisch und Blut des Teufels Bosheit in das Mysterium des göttlich geformten und ausgesprochenen Wortes einladen, nämlich als Falschheit, Lüge, Hoffart (überheblichen Stolz), Geiz, Neid, Bosheit und oft auch durch starke Flüche, die ihnen durch verschiedenste Ursachen von anderen in Leib und Seele hineingewünscht werden. Und wenn sie dieser Mensch verursacht hat, dann bleiben sie ihm im Baum seines Lebens, und dann werden solche Zweige daraus geboren, die das Wesen von Christi nicht erreichen können. Denn sie werden vom Fleisch und Blut der Eltern nur im Willen des Mannes und Weibes geboren, so daß sich das seelische Wesen in eine Distel-Art hineinführt, oft mit der Eigenschaft wie Schlangen, Hunde oder andere greuliche Tiere.

7.59. Und über diese Distel-Kinder, die auf Erden nichts Gutes wollen noch tun, geht die Wahl. Wenn auch die Eltern öfters noch einen Funken göttlichen Wesens in sich haben oder behalten und schließlich in die Buße zur neuen Geburt eintreten, so werden doch bis dahin solche Distel-Kinder gezeugt.

7.60. Auch gibt es wohl sehr große Unterschiede zwischen denen, die der göttliche Ruf im wirkenden Baum des Lebens ergreift. Denn Christus sagt: »Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt. (Matth. 20.16)« Dieser Ruf ist nun so zu verstehen: Christus ist der Ruf, und er ruft ohne Unterlaß im Wesen des Baumes: »Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid.« Er streckt seine Hand den ganzen Tag zu einem ungehorsamen Volk aus, das sich nicht ziehen lassen will und sich seinen Geist nicht strafen lassen will, wie die Schrift durchaus klagt.

7.61. So geht nun der Ruf über alle Menschen. Er ruft sie alle, denn es steht geschrieben: »Gott will, daß allen Menschen geholfen werde. (1.Tim. 2.4.)« Oder auch: »Du bist nicht ein Gott, der das Böse will. (Psalm 5.5)« Gott will in seinem eigenen Willen nicht, daß irgendein Distel-Kind geboren werde. Aber sein Grimm im Wirken der Natur ergreift sie. Und doch geschieht es, daß der göttliche Ruf auch etwas haftet und sich mit einwurzelt, so daß in manchem ein Funke von Christi Wesen wirkt, nämlich vom göttlichen Gehör der Stimme Gottes. Diesen läßt nun Gott predigen und lehren, und Er offenbart ihnen seinen Willen. Denn sie sind diejenigen, welche mit Sünde hart beladen sind und halb tot zu Jericho liegen. Ihnen hat Christus die Taufe und das Nachtmahl verordnet, und ruft alle Zeit: »Kommt, kommt, und arbeitet in meinem Weinberg. Nehmt mein Joch auf euch… (Matth. 11.29)« Nämlich die verdorbene Natur des geformten ausgesprochenen Wortes, das für Christus zu einem Joch geworden ist, darin der Menschen Sünden liegen.

7.62. Von diesen sagt nun Christus: »Einem sei ein Pfund, dem andern zwei, dem dritten drei, dem vierten vier und dem fünften fünf gegeben worden. Damit sollen sie wuchern und viel erwerben. (Matth. 25.14)« Ein solcher nun, der nur ein Fünklein von Gottes Stimme in sich hat, der kann, wenn er selber will, darin wirken und es in einen großen Baum ziehen. Denn solchen hat er Macht gegeben, Gottes Kinder zu werden (Joh. 1.12), nicht in eigenem Willen oder Vermögen, sondern im Vermögen dieses Fünkleins. Denn die Seele ruht darin, und hier geschieht in der Seele der Zug des Vaters zu Christus. Denn sobald die Seele Gottes Gnade schmeckt, dann eilt des Vaters Wille in der unergründlichen Erfahrung zum Quellbrunnen Christo. Auch wenn das Reich Gottes zuerst klein wie ein Senfkorn ist, wenn es die Seele nur annimmt und mit ihrer feurigen Begierde darin wirkt, dann wächst es schließlich so groß wie ein Lorbeerbaum.

7.63. Die Seele aber, die sich dessen nicht annehmen will, sondern in die Fleischeslust geht und mit dem Teufel buhlt, von der sagt Christus: »Wer da hat, dem soll gegeben werden.« Das heißt, wer da im Wenigen wirkt, dem soll gegeben werden. »Wer aber nicht hat,« das heißt, wer da etwas hat und darin nicht wirken will, »von dem soll es genommen und dem gegeben werden, der da viel hat. (Matth. 25.29)« Und so heißt es auch: »Viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt. (Matth. 20.16)«

7.64. Denn viele haben das Pfand der Gnade, aber sie treten es mit Füßen und achten es nicht, zum einen Teil wegen der äußerlichen Zufälle und zum anderen Teil wegen der Grobheit ihrer tierischen Eigenschaft. Denn Christus sät seine Stimme in seinem Wort aus, wie ein Sämann seinen Samen. Es wird in allen Menschen gesät, den Gottlosen wie auch den Frommen. Nun liegt es aber an der Qualität des Ackers, in den der Same fällt. Fällt er auf einen harten Weg in tierische Eigenschaft, wenn in der Eigenschaft des Körpers ein grobes Tier sitzt, dann wird er von der Grobheit und Unachtsamkeit zertreten. Sitzt ein geiziges Tier wie ein Hund, Wolf oder dergleichen darin, dann liegen die Sorgen des Geizes im Weg und ersticken den Samen. Fällt er in ein hochmütiges Gemüt, das in der Welt Macht und Ehre sitzt, dann hat sich der überhebliche Stolz in den Weg gesetzt, und dieser Same ist wie auf einen Felsen gefallen und bringt keine Frucht. Fällt er aber in eine gute Vernunft, wenn in der Eigenschaft ein Mensch mit wahrer Demut ist, dann wird er gehalten, und ein solcher ist ein guter Acker. Denn Gottes Wesen ist Demut. So ist diese Eigenschaft eine Gleichheit mit Ihm, und allda geht er auf und trägt viele Früchte.

7.65. Darum soll man die Schrift recht betrachten, wenn sie sagt: »Viele sind berufen, aber wenige auserwählt.« Das heißt, sehr viele, ja, die Meisten sind vom göttlichen Ruf ergriffen und könnten zur Kindschaft kommen. Aber ihr gottloses Leben, in das sie sich begeben und in welchem sie durch äußerliche Zufälle verdorben werden, das verstockt sie. Darum ist öfters ein Kind seliger als ein Alter, und auch Christus sagt: »Laßt die Kindlein zu mir kommen, denn ihnen ist das Reich Gottes.« Christus hat sie in seinen Ruf oder Bund hereingenommen. Wenn aber der Mensch in die Jahre kommt und aus dem göttlichen Ruf herausgeht und sich in den Willen des Teufels ergibt, dann tröstet er sich gleichsam mit einer von außen angenommenen Gnaden-Kindschaft, wie Babel das tut (durch himmelstrebende Gedankengebäude, die in begrifflicher Verwirrung enden), und sagt: „Ach, Christus hat es getan! Er hat bezahlt, und ich darf mich dessen nun trösten und es annehmen. Seine Gnade wird mir als ein Geschenk zugerechnet, und ich werde nach Gottes Vorherbestimmung selig sein, auch ohne alle Werke meines Willens. Ich bin nämlich in Sünde tot und kann ohne Ihn gar nichts Gutes tun, wenn Er mich nicht dahin zieht. Doch Er wird an mir seine Bestimmung offenbaren und mich durch sein äußeres Annehmen zum Gnadenkind machen und mir meine Sünde vergeben. Auch wenn ich bösartig lebe, so bin ich doch ein Gnadenkind in seiner Vorherbestimmung.“

7.66. Von diesen sagt die Schrift: »Mache ihren Weg zum Strick und zum Fall. (Psalm 69.23)« Oder auch: »Er läßt ihr Licht mitten in der Finsternis verlöschen und verstockt sie in ihrem eigenen Wahn, denn ihre Wege sind schädlich.« Über diese kommt die Wahl (als Gericht), denn sie sind anfänglich berufen und werden auch immer noch gerufen, aber sie wollen nicht kommen.

7.67. So spricht nun Christus: »Wir haben euch gepfiffen, und ihr habt nicht getanzt. (Matth. 11.17)« Oder auch: »Oh Jerusalem, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Gluckhenne ihre Küchlein unter ihre Flügel, aber du selber hast nicht gewollt (Matth. 23.37)« Du bist im Ruf Gottes ergriffen worden, aber hast dich in eigenem Willen selber davon abgewandt.

7.68. Da spricht nun der Verstand: Sie haben es nicht gekonnt! — Antwort: Warum haben sie es nicht gekonnt, obwohl sie doch berufen waren? Nur der kann nicht, der nicht berufen ist. Aber wer kann sagen, wer das sei? Es ist der Teufel in ihnen, der nicht will. Er reißt das Wort von ihren Herzen, so daß sie nicht glauben noch selig werden, wie Christus sagt. Darum werden sie in der Wahl verworfen. Denn die Wahl (als Gericht) ergeht über sie zur Erntezeit, wenn das Kraut reif ist und die Missetaten im Maß voll sind. Und wenn man dann worfelt, dann wird die Spreu, die im Gewicht zu leicht ist, verworfen.

7.69. Es geschieht wie Christus sagt: »Das Himmelreich ist gleich einem Sämann, der guten Weizen aussät. Dann kommt der Feind und sät das Unkraut dahinein. (Matth. 13.25)« Und wenn das Unkraut aufgeht, dann verdammt es den Weizen, so daß er nicht wachsen und Früchte tragen kann. Also geht es auch mit dem Menschen. Manche Seele ist ein gutes Körnlein, aber des Teufels Unkraut verdirbt es.

7.70. Sprichst du nun: Das kann nicht sein, weil Christus sagt: »Meine Schäflein sind in meinen Händen, niemand kann sie mir herausreißen. (Joh. 10.28)« — Antwort: Dies ist alles wahr, doch erkenne: Solange der Wille der Seele in Gott bleibt, kann sie der Teufel nicht herausreißen. Aber wenn sich die Seele vom Willen Gottes abtrennt, dann wird die Erfahrung des unergründlichen Willens verdunkelt, in dem Christus wohnt, und Christus wird in seinen Gliedern gekreuzigt und getötet, und aus dem Tempel des Heiligen Geistes wird ein Hurentempel gemacht, was bezüglich der Seele zu verstehen ist. Nicht daß Christus getötet werde, sondern sein Tempel als sein Körper. Denn hierin liegt die Entscheidung in der Wahl.

7.71. Die Wahl ist der Geist Christi, der dann für eine solche Seele vergeht, denn Seine Stimme ist nicht mehr in der Seele. Sie hat kein göttliches Gehör mehr, denn sie ist von Gott getrennt. Darum spricht Christus: »Wer von Gott ist, der hört Gottes Wort. Darum hört ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott. (Joh. 8.47)« Sie haben die göttliche Stimme in sich verloren und haben des Teufels Stimme in ihrer Verwirrung angenommen.

8. Kapitel – Verständnis der Heiligen Schrift

Von den Sprüchen der Heiligen Schrift, wie diese gegeneinanderstehen und wie man sie verstehen soll, und vom Baum des Lebens und der Erkenntnis des Guten und Bösen.

8.1. Wir wollen nun die hohen Geheimnisse für die Schwachen in einem (symbolischen) Bild vorstellen, um nachzusinnen, wie die Kinder Gottes und auch die Kinder der Verderbnis aus ihrem Ursprung geboren werden und die Zeit ihres Lebens auf Erden verbringen.

8.2. Betrachtet einen Baum, der aus seinem Wesen und Samen wächst. In diesem Samen liegt die Tinktur des Wachstums samt dem Wesen des Körpers als das Holz, in dem alle vier Elemente samt dem Gestirn (des Geistes Kraft) als auch der Sonne Kraft verkörpert sind.

8.3. Der Same fällt in die Erde, und die nimmt ihn an, denn sie ist auch ein Wesen des Gestirns und der Elemente. Und das Gestirn und die Elemente sind ein Wesen des Welt-Geistes (Spiritus Mundi). Und der Welt-Geist ist aus dem Mysterium Magnum (dem großen Unbekannten bzw. Ungeformten), und ist das geformte ausgesprochene Wort Gottes aus dem ewigen Sprechen. Und im ewigen Sprechen wird die Unterschiedlichkeit bezüglich Liebe und Zorn wie auch von Licht und Feuer verstanden.

8.4. Das Unterschiedliche aus dem Sprechen ist die ewige Natur. Und das Sprechen in sich selbst ist Gottes Wort, und das entsteht aus der Kraft der Weisheit. Und die Weisheit ist das Ausgehauchte der Dreiheit als Gottes Findlichkeit (Bewußtheit), darin sich der Ungrund im Grund findet. Und die Findlichkeit ist der Einige ewige Wille. Der führt sich in sich selbst in eine Erfahrung (Scienz) zur Gebärung der Gottheit, welche er selbst ist. Also erkennen wir, wie sich das Innerliche in ein Äußerliches ausgegossen hat. Und wie nun das Innerliche seine Gebärung und Wirkung hat, so hat es auch das Äußerliche.

8.5. Es werden vor allem drei Prinzipien in dieser allwesenden (allgegenwärtigen) Gebärung verstanden, darin auch dreierlei Leben sind, die doch ineinander wie Eins sind. Nur daß ein jedes in seiner Eigenschaft allein sich selbst offenbar ist und den anderen nicht. Wenn aber diese dreierlei Leben zugleich in Einem ineinander offenbar sind, so daß eines das andere in sich sieht und begreift, dann ist es göttlich, denn es steht in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit.

8.6. Das erste Leben ist das feurige als das natürliche Leben. Das zweite ist das lichtvolle als das gebende (erkennende) Leben, und das dritte ist das schallende als das fühlende und wirkende Leben. Das feurige gibt die Unterschiedlichkeit, das lichtvolle gibt Sein und Wesenheit, und das schallende gibt Kraft und Willen, nämlich im Wesen ein Wachstum und im Leben des Feuers und Lichtes einen Verstand der Sinnlichkeit.

8.7. Das erste Prinzip ist das feurige Leben und die erste Offenbarung Gottes, darin die Natur verstanden wird. Das zweite Prinzip ist das Licht, darin das heilige Leben der Vernunft samt dem Ursprung des Wesens verstanden und „Gottes Reich“ genannt wird. Das dritte Prinzip kommt aus der Kraft des Wesens und hat seinen Anfang in der Kraft des Feuers und Lichtes, nämlich aus dem feurigen Aushauchen von Feuer und Licht in eine Form. Das ist das Mysterium Magnum, darin alles liegt, und diese Form ist doch kein Bild sondern ein Wesen (Ens). Das ist auch der Welt-Geist (Spiritus Mundi), den das feurige Leben in der hungrigen Erfahrung faßt und in die Unterschiedlichkeit der wirkenden Kräfte hineinführt und sich darin in eine Form führt. Das heißt, das Feuer-Leben faßt das gegebene Wesen des Lichtes und zieht sich darin in eine Form auf, wie man das in einem Samen sieht und auch in den vier Elementen, die alle nur ein Körper des Welt-Geistes aus dem Mysterium Magnum sind.

8.8. So können wir nun gut verstehen, wie das Mysterium Magnum (das große Unbekannte bzw. Ungestaltete) zum Bösen und Guten in jedem Ding liegt, das als Mysterium in sich selbst gut ist und kein Bösartiges darin gespürt wird. Aber in seiner Auswicklung, indem es sich in Unterschiedlichkeit hineinführt, da wird es eine Gegensätzlichkeit der Eigenschaften, weil eine die andere überwältigt und aus der Gemeinschaft (bzw. Ganzheit) herausdrängt. Darin können wir die großen Geheimnisse Gottes verstehen, wie es die ganze Schöpfung betrifft.

8.9. So betrachtet auch einen Samen für einen Baum, wie oben angedeutet. Darin liegt das Mysterium Magnum nach des Samens Eigenschaft, denn es liegt der ganze Baum samt Wurzel und Frucht darin, und es ist doch keines davon offenbar, solange es nur ein Same ist. Sobald er aber in seine Mutter in die Erde eingesät wird, so wird er offenbar und beginnt, in der feurigen Erfahrung auszutreiben. Nun könnte die Erde das Wesen im Kern des Samens nicht entzünden, darin sich die drei Grundqualitäten (Salz, Schwefel und Quecksilber) offenbaren, wenn die Sonne mit dem Licht sie nicht zuvor entzünden würde. Denn diese drei Grundqualitäten liegen in der Erde im kalten Feuer verschlossen. Wenn aber die Sonne sie entzündet, dann wickelt sich das hitzige Feuer aus, daraus das Licht der Natur entsteht. Das heißt, es wickelt sich auch darin aus, und in diese Auswicklung wird der Samen eingenommen. Die Kraft der Erde empfängt sozusagen im Samen ihren lieben Sohn, der durch sie geboren wird, und nimmt ihn mit Freude an, denn er ist nach dem Wesen sogar edler als seine Mutter.

8.10. So können wir nun den Grund der Erde betrachten: Wenn die drei Grundqualitäten an einem Ort, wohin der Same gesät wird, in ihrem wirkenden Wesen dem Samen in seiner Qualität ähnlich sind, dann nehmen sie den Samen wie einen lieben Sohn mit Freude an. So gibt sich wiederum auch das Wesen des Samens mit großer Begierde in seine Mutter Erde, denn es findet seine rechte Mutter, aus deren Eigenschaft es geboren worden ist. Also findet auch das Wesen der Erde einen recht lieben Sohn am Wesen des Samens, und so erfreut sich eines des anderen und das Wachstum beginnt.

8.11. Ist aber das Wesen der Erde an diesem Ort dem Wesen des Samens nicht gleich, dann nimmt ihn die Erde wohl an, aber nur wie einen Stiefsohn. Sie führt ihre Freude und Begierde nicht hinein, sondern läßt den Stiefsohn stehen. Er versucht sich zwar das Wesen seiner rechten Mutter herauszusaugen, das an diesem Orte sehr tief verborgen (bzw. verdeckt) ist, doch wegen diese Verborgenheit verwest mancher Samen, ehe er die rechte Mutter seiner Eigenschaft erreichen kann. Und wenn er versucht, das ungleiche Wesen anzunehmen, dann steht er doch in großer Gefahr, ehe er sich in das fremde Wesen mit seinem Wesen hineinverwandeln kann, und wird nie so ein guter starker Baum, als wenn er in seine rechte Mutter eingesät worden wäre. Denn das widerwärtige Wesen ist ihm doch immerdar zuwider, und so stehen die Wesen im Streit, davon der Baum oft bucklig und krumm wird und auch nur wenige und meist schlechte Früchte trägt. Und wenn ihn noch äußerlich eine bösartige Konstellation trifft, dann kann er schnell verdorren und sterben. Denn wenn sich das Wesen der Erde mit dieser widerwärtigen (gegensätzlichen) Konstellation verbindet und sie annimmt, dann erfreut sich die Erde an der Eigenschaft dieser Konstellation, weil sie in dieser Eigenschaft gleichen Willens sind und nach ihrer Konjunktion einen eigenen Sohn gebären wollen. So wird der Baum alsbald vom Wesen der Erde verlassen und verdirbt oder bringt schlechte, wenige oder gar keine Früchte.

8.12. Wenn wir nun das Wachstum dieses Baumes betrachten, dann finden wir endlich den verborgenen Grund aller Heimlichkeit. Denn zuerst nimmt er das Wesen der Stiefmutter an und gibt sein Wesen der Stiefmutter, die zwar das Wesen des Samens auch annimmt, aber nicht in solcher Freude, als wenn es ein gleiches Wesen wäre. Sie zieht wohl das Wesen des Samens an sich, darin die Wurzel entsteht, aber bald erscheint Widerwillen in den drei Grundqualitäten der Mutter, so daß die Wurzel knorplig und bucklig wird.

8.13. In diesem Streit entzündet sich nun das Feuer im Wesen des Samens durch der Sonne Gewalt, und in diesem Entzünden wird das Mysterium Magnum (das große Unbekannte bzw. Ungestaltete) im Geist der Welt offenbar. Diesen ergreift das Wesen der Sonne und erfreut sich in ihm, denn der Sonne Kraft wird darin wesentlich und zieht das Wesen des Samens aus der Wurzel zu sich in die Höhe, damit sich darin eine Frucht gebären kann.

8.14. Die Sonne gibt sich mit ihrer Kraft ohne Unterschied dahinein. Denn sie liebt eine jede Frucht und alle Gewächse und entzieht sich Keinem. Sie will nichts anderes, als in einem jeden Kraut, oder was es auch sei, eine gute Frucht aufzuziehen. Sie nimmt alle an, bösartig oder gut, und gibt ihnen ihren Liebes-Willen. Anders kann sie nicht wirken, denn sie ist kein anderes Wesen, als was sie in sich selbst ist.

8.15. Aber wir müssen es auch recht betrachten, wie sie dem Bösartigen ein Gift und dem Gutartigen ein Gutes ist, denn in ihrer Kraft entsteht die wachsende Seele, und in ihrer Gewalt verdirbt sie auch. Das versteht so: Sind die Gestaltungen der Natur in den drei Grundqualitäten in der Wurzel des Baumes mit der Mutter Erde in gleichem Willen, dann gibt die Erde der Wurzel mit großer Begierde ihre Kraft und ihren Saft. Da erfreut sich die Kraft der Sonne darin und eilt zum Wachstum. Sind aber Erde und Wurzel einander widerwärtig, dann wird der Erde Kraft und Saft der Wurzel vorenthalten. Wenn dann die Sonne mit ihren Lichtstrahlen die Wurzel und den Baum entzünden will, dann entzünden sich darin die drei Grundqualitäten von Salz, Schwefel und Quecksilber in ihrer Bosheit (Widerwärtigkeit bzw. Feindlichkeit) und verbrennen das (fruchtbare) Wesen der Sonne und vertrocknen das Wasser (den Lebenssaft), und so verdorren der Stamm oder die Äste. Wenn aber die drei Grundqualitäten den Saft der Erde haben können, dann bleiben sie in der Ausgeglichenheit und erwecken sich nicht im Streit, sondern harmonieren mit den Lichtstrahlen der Sonne. Ähnliches (Ungleichgewicht) können wir auch im Mysterium des Welt-Geistes (Spiritus Mundi) sehen, wenn sich die feurige Eigenschaft emporwindet, so daß sie die Sonne entzünden kann und eine dörrende Hitze entsteht, die Kraut und Gras niederdrückt.

8.16. Mehr noch sehen wir in dieser Symbolik, wie es im Wachstum der Äste zugeht. Wenn der Stamm aufgeht, dann geht der Streit in der Natur mit auf, denn wenn die Natur in ihrer Ausgeglichenheit angezündet (entfacht) wird, dann steht sie ohne Unterlaß in der Unterschiedlichkeit der Sonnenkraft und will immer die Bosheit (Widerwärtigkeit bzw. Feindlichkeit) der drei Grundqualitäten von sich werfen (bzw. überwinden), und sie eilen auch selber in eigenem Willen. Durch dieses Trennen und Voneinandergehen treiben nun die Zweige aus dem Stamm. Im Winter schließt sie die Kälte in ihrem Streit ein, und wenn der Frühling kommt, so daß sie nun die Hitze erreichen können, dann treten sie wieder in den Streit. Daraufhin treibt sich der Streit wieder in den Ästen und Zweigen aus, wie man dann an jedem Baum sein jährliches Wachstum sieht.

8.17. So wollen wir nun auch den inneren Grund am Austreiben der Äste betrachten. Denn wir sehen, daß ein Ast groß wächst und Frucht trägt, und ein anderer verdorrt. Das verstehen wir nun in der Unterschiedlichkeit der Natur durch den Welt-Geist, wenn sich die jeweiligen Eigenschaften in eine Eigenheit im Wesen des Baumes fassen und die Gleichheit (bzw. Ausgeglichenheit) verlassen wollen. Welche Eigenheit nun in ihrem Stolz über andere in der Macht des Feuers aus der Gleichheit austreibt und nicht im Willen der Sonne in der Ausgeglichenheit stehenbleiben will, wie sie diese in sich aufzieht, diese (Eigenheit) erstickt, wenn sie aus dem Stamm ausgetrieben ist. Denn diese Erfahrung in dieser Eigenschaft hat sich in eigenen Willen hineingeführt und will in überheblichem Stolz eher austreiben als die anderen in der Gleichheit, und hat doch nicht genug Kraft dazu. Wenn dann von außen eine starke Konstellation des Gestirns in diese überstolzen Zweige eindringt und sie angreift und prüft, ob sie aus der Gleichheit sind, dann werden sie vergiftet und verdorren, denn sie sind abtrünnige Zweige. Und so dorrt sie auch die Hitze der Sonne im Geist der Welt aus.

8.18. Die anderen Äste aber kommen aus der Ausgeglichenheit und aus der gewaltigen Ausziehung der Sonne, wenn sich die Sonne in den Eigenschaften erfreut und die Eigenschaften ausgleicht und sich in ihnen auszieht (zum Wachstum). Diese Äste zieht die Sonne in ihrer Kraft groß, denn die Eigenschaften stehen in ihrem Willen. Mehr noch sehen wir, wie sich die Eigenschaften der Natur in den Ästen, wenn sie auswachsen, von den äußerlichen Zufällen verderben, wie vom Gestirn oder von unreiner Luft, falls es die Sonne mit ihren Strahlen nicht verhindern kann, so daß sie höckerig, krumm und bucklig werden, und auch mancher Ast dadurch vertrocknet und verdorrt abgeworfen wird.

8.19. Und wie es nun mit der Entstehung und dem Wachstum des Baumes zugeht, so geht es auch mit der Entstehung und dem Wachstum des Menschen zu. Auch wenn der Mensch in der Eigenschaft der Natur und des Lichtes höher als die Gewächse der Erde ist, so steht es doch alles in einer Ordnung, denn es kommt aus einem Grund, nämlich durch das ausgesprochene Wort Gottes, darin das göttliche Sprechen im Mysterium Magnum mitwirkt. Nur daß der Mensch in seinem körperlichen Wesen einen Grad höher als die Erde und ihre Frucht ist, und mit der Seele noch höher als der Welt-Geist (Spiritus Mundi) ist. Aber sonst entspringt alles aus einem Grund und unterscheidet sich dann voneinander und faßt sich in besondere Anfänge in der Schöpfung.

8.20. Gottes einziger Vorsatz ist sein ewigsprechendes Wort, daß er durch die Weisheit aus seiner Kraft in der Erfahrung der Unterschiedlichkeit zu seiner Offenbarung ausspricht. Er hat keinen anderen Vorsatz in sich, und es kann auch nicht sein, daß er noch mehr Vorsätze habe. Denn wenn das so wäre, dann müßte etwas vor ihm sein, an dem er Ursache zu einem Vorsatz (einer Vorherbestimmung) nähme.

8.21. So ist nun das Sprechen seiner Kraft zu seiner Selbst-Offenbarung der einzige göttliche Vorsatz, aber kein anfänglicher (verursachender), sondern ein gebärender (auswirkender) Vorsatz. Und des Wortes Vorsatz ist die Erfahrung der Unterschiedlichkeit und Förmlichkeit der Einigen göttlichen Kraft. Diese Unterschiedlichkeit und Förmlichkeit hat der Einige Gott in seiner Dreiheit von Ewigkeit in einen Anfang (bzw. in ein Werden) durch das Wort ausgesprochen, nämlich in ein Wesen aller Eigenschaften der Unterschiedlichkeit, in dem alle Unterschiede miteinander verbunden liegen. Und dieses Ausgesprochene ist das Mysterium Magnum (das große Unbekannte) und der wahrlich einzige Vorsatz des Wortes.

8.22. Das Wort begehrt nichts mehr als nur Seine heilige Kraft durch die Unterschiedlichkeit zu offenbaren, denn im Wort wird die Gottheit in der Unterschiedlichkeit durch das Feuer und Licht offenbar. Also sind diese zwei, nämlich das Wort und das Mysterium Magnum, ineinander wie Leib und Seele. Denn das Mysterium Magnum ist die Wesenheit des Wortes, darin und damit der unsichtbare Gott in seiner Dreiheit offenbar ist und von Ewigkeit in Ewigkeit offenbar wird. Denn wessen das Wort in Kraft und Schall ist, dessen ist das Mysterium Magnum ein Wesen, nämlich das ewige wesentliche Wort Gottes.

8.23. So versteht uns nun recht: Das geistig schallende Wort ist die göttliche Vernunft (oder universale Intelligenz), die sich durch das Mysterium Magnum als durch das ewige Wesen des Wortes in eine Förmlichkeit als in einen Anfang, eine Zeit und Unterschiedlichkeit ausgesprochen hat. Was im Mysterium Magnum in einem wirkenden (bzw. ursächlichen) Wesen liegt, das hat der ewigsprechende Geist offenbar gemacht, damit es ein wallendes, fassendes und gebärendes Leben sei. Und das ist nun der Geist der äußeren Welt, und sein Weben ist das kreatürliche Leben, sein Wesen sind die vier Elemente, und die Erfahrung der Unterschiedlichkeit im Welt-Geist ist das Gestirn (oder auch die Welt der unterscheidenden Gedanken), darin das wachsende Leben steht.

8.24. Dieses ewige Mysterium Magnum hat sich im Anfang seiner Unterschiedlichkeit durch das Aussprechen des Wortes der Gottheit als das subtile (geistige und gedankliche) Wesen vom groben und geronnenen (materiellen) Wesen unterschieden. Das subtile Wesen ist das Gestirn als eine Quintessenz, und das grobe und geronnene Wesen ist die Verkörperung, wie Erde, Steine und Metalle. Die Verkörperung ist geschehen, damit im Geist der Welt eine Lauterkeit als ein scheinbares sinnliches Leben sein könne. So hat die Verkörperung auch zweierlei Eigenschaften, nämlich eine subtile aus der Kraft des Lichtes im Wort, und eine grobe nach der Erfassung der Finsternis im Ursprung zum Feuer. Unter der groben Eigenschaft wird die Erde verstanden, und unter der subtilen die Kraft im Wesen der Erde, aus der durch Unterscheidung die Kräuter, Bäume und Metalle wachsen. Auch kommt alles Fleisch aus dem subtilen Wesen der Erde. Denn alles, was allein aus der Zeit entstanden ist und im Leben des Welt-Geistes steht, hat seinen Körper aus dem Wesen der subtilen Erde.

8.25. Dieser Welt-Geist mit dem Gestirn seiner Erfahrung und mit dem subtilen Körper des Feuers, des Wassers und der Luft samt seiner Verfestigung der Erde und was alles darin ist, der ist nun das ausgesprochene Leben und Wesen aus dem inneren ewigen Mysterium als aus dem inneren wesentlichen Wort Gottes. Und dieses ewige Wort Gottes wirkt und wohnt in heiliger Kraft im inneren Grund und hat sich im Anfang dieser Welt durch das innere (ursächliche) Mysterium in ein äußeres (wirkliches) Mysterium ausgesprochen. Und aus diesem äußeren Mysterium ist die ganze Schöpfung der äußeren Welt entstanden, und ist darin beschlossen wie im Leib einer Mutter, darin sich das ewige Wort mit der Erfahrung der Unterschiedlichkeit aus den Kräften in ein gestaltetes Leben hineingeführt hat.

Mysterium Magnum - Jacob Böhme
(Eine mögliche symbolische Deutung der sieben natürlichen Eigenschaften)

8.26. So ist nun dieses äußere Mysterium des geformten Wortes mit seinem gebärenden Leben in ein Rad gleich einem Uhrwerk eingeschlossen, in dem die Eigenschaften um ihre jeweilige Vorherrschaft ringen. Manchmal ist die erste oben, manchmal die zweite, dritte, vierte, fünfte, sechste oder siebente, wie es dann auch mit den sieben (natürlichen Grund-) Eigenschaften und ihren Wirkungen zu verstehen ist. Denn manchmal siegt der Geist im Feuer, davon die Hitze entsteht, manchmal im Wasser, davon es regnet, manchmal in der Luft, davon es stürmt, manchmal in der Irdischkeit, daraus die Kälte entsteht. Was eine Eigenschaft aufbaut, das zerbricht die andere. Eine Eigenschaft gibt, die andere behindert das Geben, so daß es verdirbt. Die eine gibt gutes Wesen und Willen, die andere gibt Bösartiges hinein und behindert das Gute, damit eines im anderen offenbar werde.

8.27. In dieses äußerliche Mysterium der Eigenschaften, in dem die Unterschiedlichkeit des ausgesprochenen Wortes verstanden wird, hat nun Gott das Licht der Natur aus dem Mysterium Magnum durch und aus Kraft des ewigen Lichtes eingesprochen, so daß auch im bösartigen Wesen ein guter Grund liegt, nämlich eine gute Kraft aus dem heiligen Wort, und daß es also kein Böses ohne ein Gutes gibt.

8.28. Darüber hinaus hat Gott auch die Sonne zu einem wirkenden Leben in die Eigenschaften der äußeren Welt hineingegeben, damit sich alle Dinge darin fassen und in einen Ausgleich der Gegensätze führen, darin sie wachsen und Frucht tragen können. Doch obwohl nun das Licht der Natur aus göttlicher Kraft in allen Dingen mitwirkt und auch die Sonne von außen in alle lebendigen und wachsenden Dinge scheint und drängt, ist trotzdem die feurige Eigenschaft im Grimm so stark, daß sich die Eigenschaften aus der Gewalt der Finsternis hartnäckig einprägen, so daß viele Geschöpfe und Gewächse in der Bosheit leben müssen. Denn der Hunger in der finsteren (unerleuchteten bzw. unwissenden) Einprägung ist so stark, daß er alle Kreaturen in seiner Gewalt hält.

8.29. Dieses wirkende Wesen in den Eigenschaften mit Licht und Finsternis, darin wir die ganze Schöpfung verstehen können, ist nun der einzige Vorsatz Gottes im Wort, damit Er nämlich Leben und Kreaturen gebäre und das ausgesprochene Wort in Bildlichkeit hineinführe, so daß jede Kraft in der Erfahrung der Unterschiedlichkeit in einem Leben und Bild stehe, beides nach der Eigenschaft der Licht-Kraft des heiligen Wortes und nach den Eigenschaften der Feuer-Kraft. Das Licht aber ist allen Dingen zu einer Ausgeglichenheit gegeben. Nicht daß das Licht allein das Wesen von außen bescheine, sondern es ist für alle Wesen mitwirkend, in allem, was da lebt und wächst.

8.30. Darum sollte keine Kreatur über ihren Schöpfer klagen, daß er sie zum Bösen erschaffen habe. Alleine der Grimm in der Natur verstockt ein Geschöpf und verhindert des Lichtes Kraft. Zum anderen verhindert es der Fluch, so daß die heilige Tinktur des heiligen Grundes des sprechenden Wortes im ewigen Licht wegen der Eitelkeit des Teufels, der Menschen und anderer Kreaturen in sich wieder vergangen ist und sich nur allein dem gibt, der sich in ein Bild der Licht-Kraft hineinführt und nicht mit der Erfahrung wirken will, die sich im Grimm der Finsternis ergibt. Denn das Problem ist, daß sonst die Finsternis die heilige Kraft ergreift und in ihre Bosheit führt. So heißt es auch nach der Schrift: »Bei den Verkehrten bist du verkehrt, und bei den Heiligen bist du heilig. (Psalm 18.26)« Wie es die Sonne erleiden muß, daß die Distel ihr gutes Wesen in ihre stachlige Eigenheit verschlingt und zu ihren Stacheln gebraucht, so will sich (aber) die höchste Tinktur in das Falsche (Illusorische) der Erfahrung nicht hineingeben, weil sich der ewige unergründliche Wille in ein Bild der finsteren Welt Eigenschaft verwandelt.

8.31. Der zweite Vorsatz Gottes im aussprechenden Wort Gottes, mit dem sich Gott durch das Mysterium Magnum offenbaren will, ist der hochteure heilige Name „Jesus“. Nachdem sich der Mensch von Gott in die Kreatur gewandt hatte, da hatte er Gottes Stimme verloren. Und diese sprach ihm Gott voller Gnade in des Weibes Samen mit dem verinnerlichten Namen „Jesus“ wieder ein, nämlich mit dem zweiten Vorsatz aus dem göttlichen Grund.

8.32. Der erste Vorsatz mit der Natur und Kreatur kommt aus der Eigenschaft des Vaters. Der zweite Vorsatz, die Natur und Kreatur vom Fluch und der Leiderfahrung zu erlösen, ist der Name „Jesus“ als die höchste Tinktur der göttlichen Kraft, um diese durch das geformte und ausgesprochene Wort in der Eigenschaft des Guten zu offenbaren, das im Bösen gefangengehalten wird.

8.33. Diesen Namen „Jesus“ hat Gott als Vorsatz seiner Liebe in die Mutter aller Menschen eingesprochen und als lebendige Kraft in einen ewigen Bund einverleibt und diesen Bund mit der Einführung des göttlichen Wesens in der menschlichen Eigenschaft erfüllt. Wie sie nun alle den Fluch und die Verderbnis (der Sünde) mit zur Welt bringen, darin sie alle Kinder des Zorns Gottes und unter dem Fluch beschlossen sind, so bringen sie auch alle den Gnadenbund im einverleibten Jesus mit zur Welt. Diesen Bund hat Gott in Christo mit dem Siegel der Kindertaufe bestätigt, und bei den Alten mit der Beschneidung der Vorhaut.

8.34. So wisset nun, daß Gott durch sein Wort keinen anderen Vorsatz als Grund der Schöpfung offenbart hat, als die Natur der Unterschiedlichkeit, darin die Vorsätze zur Bosheit entstehen, weil sich die Erfahrung des ursächlichen Willens in der feurigen Unterschiedlichkeit im ersten Teil in die Licht-Kraft hineinführt, im zweiten Teil in die feurige Eigenschaft der Leiderfahrung und im dritten Teil in die Phantasie nach Feuer, Licht und Finsternis als in die Eigenheit des Stolzes, wie es Luzifer und Adam getan haben. Was aber in der Kraft des Lichtes entschieden wird, das ist gut, und was in ganzheitlicher Ausgeglichenheit in feuriger Entscheidung stehenbleibt, mit dem vereinigt sich die höchste Tinktur der Kräfte. Den anderen aber in der Unterschiedlichkeit, mit denen vereinigt sich die Tinktur der Sonne und des Welt-Geistes.

8.35. Auf diesem Grund wollen wir euch das (oben erwähnte) Gleichnis mit dem Baum im Menschen und von seiner Pflanzung zum Guten und Bösen vorstellen und erklären, was der Vorsatz Gottes, sowie der Zug des Vaters im Guten und Bösen und auch die Wahl über die Menschen sei, und es danach mit den Sprüchen der Schrift vergleichen.

8.36. Der Mensch ist durch den Vorsatz des ewigen und zeitlichen Wesens Anfang aus dem sprechenden und ausgesprochenen Wort in ein Bild hineingeführt worden, in dem das sprechende Wort der Unterschiedlichkeit selbst verinnerlicht liegt. Denn er ist nach dem äußeren Leib ein Wesen der vier Elemente, und nach dem äußeren Leben ein Wesen des Welt-Geistes (Spiritus Mundi). Nach dem inneren Leib ist er ein Wesen des ewigen Wortes von Gott als des höchsten Mysteriums der wesentlichen Kräfte Gottes. Nach dem inneren Geist besteht er aber in zwei Eigenschaften. Zuerst besteht die kreatürliche Seele aus der Natur des Vaters als aus der ewigen Unterscheidung des göttlichen Wortes im Licht und der Finsternis. Diese Eigenschaft bekommt die kreatürliche Seele aus dem Grund des ewigen Willens. Die zweite Eigenschaft ist die wahre göttliche in der Kraft des Lichtes, und das ist Christus, in dem der Name „Jesus“ offenbar geworden ist. Und diese ist der wahre ewige Vorsatz Gottes vor der Welt Grund, in dem die Seele noch keine Kreatur, sondern nur ein Wesen im Mysterium Magnum (dem großen Ungestalteten) war.

8.37. Diese zweite Eigenschaft war dem Menschen im Anfang vor der Sünde in Jehova offenbar. Als sich aber die Seele davon abtrennte und in die Schöpfung hineinwandte, da verstummte die kreatürliche Seele an Gott. Hier tat sich nun der Vorsatz im heiligen Jesus als ein Gnadengeschenk hervor und trat in das Licht des Lebens. Dieses Gnadengeschenk ist nun nicht der kreatürlichen Seele Eigenheit. Sie hat es nicht als Naturrecht und bekommt es auch ewiglich nicht als Naturrecht, sondern es steht in der Seele in einem eigenen Zentrum und ruft die Seele und bietet sich ihr an, sich in ihr zu offenbaren.

8.38. Die Seele soll von der Bildlichkeit der irdischen Kreaturen stillstehen und kein irdisches Wesen in ihr Feuer-Leben hineinführen, daraus ein falsches (illusorisches) Licht entsteht. So will sich dieser göttliche Vorsatz in der höchsten Tinktur aus dem heiligen Liebe-Feuer mit dem heiligen Licht offenbaren, ähnlich wie ein Feuer das Eisen durchglüht, so daß das Eisen lauter Feuer zu sein scheint. So wandelt auch das Liebe-Feuer dieses Vorsatzes des Gnadengeschenks die Seele in seine Eigenschaft. Und doch behält die Seele ihre Natur, gleichwie das Eisen im Feuer seine Natur behält.

8.39. Ein jedes Kind, das aus Mannes- und Weibessamen geboren wurde, hat dieses Gnadengeschenk in seinem inneren Grund im Licht des Lebens entgegenstehen. Es bietet sich einer jeden Seele an und streckt seine Begierde während des ganzen Menschenlebens gegen die Seele aus und ruft zu ihr: „Komm her zu mir und gehe von der irdischen Bildlichkeit im Grimm und von der Phantasie ab!“

8.40. Dagegen steht aber auch zum Zweiten in einer jeden Seele, sobald ihr Leben beginnt, der grimmig erweckte Zorn Gottes im Wesen der Unterschiedlichkeit (bzw. Gegensätzlichkeit), in der auch das hineingeführte Schlangengift mit der Begierde des Teufels liegt.

8.41. Zum Dritten steht ein jeder Same des Leibes nach der äußeren Welt in der Gewalt des Welt-Geistes in der (gegebenen) Konstellation, weil während dieser Zeit das große Uhrwerk in der Gestaltung steht (und wirkt). Eine solche Gestaltung gibt ihm auch der Welt-Geist in die Eigenschaft des äußeren Lebens, und ein solches Tierwesen formt es ihm in die äußere Lebenseigenschaft ein. Denn der Geist der äußeren Welt aus den Elementen kann nichts anderes geben als ein Tierwesen. Und dieses Tierwesen entsteht, weil im Menschen die ganze Schöpfung liegt und er sich im (Sünden-) Fall aus der ganzheitlichen Ausgeglichenheit in irdische Begierde und Bildlichkeit hineingeführt hat, so daß in ihm der Welt-Geist mit seiner Unterschiedlichkeit (bzw. Gegensätzlichkeit) offenbar geworden ist.

8.42. Und so unterscheidet er sich nun noch immer in jedem Lebensanfang eines Kindes in eine solche Gestaltung. Wie das Gestirn in seinem Rad (bzw. Uhrwerk) gerade steht, ein solches Bild formt er aus dem Stoff der Erde mit den vier Elementen in die Eigenschaft, davon mancher Mensch aus dem Mutterleib nach dem äußeren Menschen das Wesen bösartig giftiger Schlangen, der Wölfe, Hunde, Kröten, schlimmen Füchse, stolzen Löwen, unflätigen Säuen oder stolzen Pfauen, aber auch der mutigen Rossen oder anderer guter und zahmer Tiere hat, je nachdem, wie die Gestaltung im Welt-Geist ist. Also gibt diese Konstellation aus dem äußeren Vorsatz des geformten Wortes auch manchem guten Verstand und gute Sinne, dazu Ehre und weltliches Glück, und manchem Elend, Unglück, Torheit, Bosheit, Schalkheit, bösen Willen und dazu Laster, so daß auch mancher Mensch, wenn er nicht das irdische eingepflanzte Tierwesen immerdar tötet und den bösartigen Willen mit dem göttlichen Gnadengeschenk bricht, dem Henker in die Hände kommt.

8.43. Nun siehe, Mensch, das bringt dir der äußere Vorsatz des geformten und ausgesprochenen Wortes, in dem Böses und Gutes liegt, weil sich die Erfahrung des Samens zum Anfang des Lebens in die Eigenschaft abscheidet. Und hierin liegt nun der Zug aus des Vaters Eigenschaft zum Bösen oder Guten. Und in was für ein Wesen das Leben sich konstelliert hat, entsprechend zieht sich die Konstellation in Seinesgleichen. Es will immerdar gleiches bei und in gleichem wohnen, wie ein frommer Mann gern bei Frommen wohnt und ein Spötter bei Spöttern, ein Dieb bei Dieben, und ein Fresser, Säufer, Spieler, Hurer und dergleichen auch bei seinesgleichen. Dahin zieht ihn seine Natur durch die Eigenschaft des göttlichen Zorns. So kommen auch die wirklichen Sünden der Eltern mit in die Eigenschaft, denn ein jedes Kind wird aus dem Samen der Eltern geboren. Wie nun die Eltern sind, so ist auch das Kind. Jedoch wird es oft durch die Konstellation gewaltsam gewandelt und in ihre Macht gezwungen, wenn sie stark genug ist.

8.44. Nun siehe: Das ist der Zug des äußeren Lebens, dazu Gott spricht: »Wen ich verstocke, den verstocke ich.« Also wird der äußere Mensch verstockt, und auch fromm oder sinnlich zur Demut oder zum Stolz gezogen. Das ist nun Gottes Vorsatz nach seinem Zorn, den der Mensch in sich erweckt hat. Denn er ist das äußere gebärende Wort Gottes, dadurch Gott mit der äußeren Kreatur wirkt, wie er sie in seinem Uhrwerk ergreift, in diesem Uhrwerk, mit dem er auch seine Herrlichkeit offenbart, beides nach Feuer und Licht, nach Verstand und Torheit, auf daß eines im anderen offenbar und erkannt werde, was gut sei.

8.45. Nun ist aber dieses Uhrwerk des ausgesprochenen Wortes nicht Gott selber. Es ist nur ein Bildnis nach ihm, nämlich das äußere wesentliche Wort, darin er die Schöpfung beschlossen und daraus geschaffen hat. Denn aus rein göttlicher Eigenschaft kann keine Kreatur kommen, weil sie keinen Grund noch Anfang hat. So kann sie sich in keinem anderen Anfang formen als durch das Wort der Kräfte, durch die Unterschiedlichkeit und aus der Unterschiedlichkeit des Sprechens, und dafür muß sich das Sprechen in die Natur hineinführen, sonst würde das Wort nicht offenbar.

8.46. Die innere Eigenschaft der Seele liegt nun in der ersten geschaffenen Konstellation, im ewigen anfänglichen Grund. Diese wird nicht in die äußere tierische Konstellation mitgebildet. Denn diese seelische Erfahrung hat einerlei Form wie ein magischer Feuer-Quell und scheidet sich erst im Leben von selbst in die Gestaltung des Leibes. Darin liegt nun der Grund der ewigen Natur und ist zum Guten und Bösen fähig, denn es ist die Ursache zum Feuer und Licht. Aber er liegt hart und schwer in den Sünden gefangen, denn hier liegen die Erbsünden im Zentrum der Natur, und da hat der Teufel seinen Sitz bekommen. Oder anders gesagt, hier liegen nun die vererbten Sünden von Eltern und Großeltern wie ein böses Gift, davon Gott spricht, »er wollte sie an den Kindern strafen bis ins dritte und vierte Glied. (2.Mose 20.5)« Doch hierin liegen auch der Eltern Wohltaten und Gottes Segen, die so auf die Kinder übergehen. Diese Eigenschaften konstellieren sich nun auch in eine Gestaltung nach ihrer Art, und damit gestaltet sich die Seele entweder in ein Bild der Engel oder der Teufel.

8.47. Und hier liegt nun der schwere Grund, wo die Wahl Gottes sieht, was da für ein Engel werden wird. Jedoch ist kein Beschluß darüber gemacht, denn das Gnadengeschenk steht im inneren Grund und gehört der inneren Erfahrung des Ungrundes der Seele als dem Willen des ewigen Vaters. Hier bittet Christus für die arme gefangene Seele, wie die Schrift sagt. Denn die Seele liegt an den Banden von Gottes Zorn und ist in ihren Sünden verstockt. Hier zieht sich das Leben durch den Tod und prüft, ob irgendein gutes Fünklein darin sei, das der göttlichen Kraft fähig ist, und so wird es gezogen. Denn Christus will offenbar sein, und so will auch der Grimm der Natur offenbar sein. So stehen nun diese beiden Vorsätze im geformten Wort im Streit um den Menschen als um das Bild Gottes. Das Reich der Gnade im Licht will dieses (Bild) besitzen und sich in ihm offenbaren. Und so will es auch das Reich der Natur im Grimm des Feuers in der natürlichen Unterschiedlichkeit haben und sich in ihm offenbaren. Und diese Beiden liegen im geformten Wort als die Eigenschaft des Vaters im Grimm und die Eigenschaft der Liebe des Sohnes im Licht.

8.48. So erinnert euch nun an das angedeutete Gleichnis vom Baum: Das Weib ist der Acker, und der Mann ist der Samen zum menschlichen Baum, der gesät wird. — Da spricht nun der Verstand: Gott fügt sie zusammen, wie er sie haben will. — Antwort: Ja, richtig, aber durch seinen Vorsatz, den er im Wort durch das große Uhrwerk der Natur in ein Regiment gefaßt hat. Die Konstellationen im Uhrwerk ziehen sie zusammen, aber die meisten werden durch eigenen Willen zusammengezogen, weil sich der menschliche Wille, der aus dem ewigen Grund ist, selbst konstelliert, so daß dann die äußere Konstellation gebrochen wird.

8.49. Das sehen wir daran, wie sich die Reichen mit den Reichen konstellieren, oder die Adligen mit den Adligen. Wenn die Konstellation des Welt-Geistes nicht gebrochen werden könnte, dann würde manche arme Dienstmagd mit einem Edelmann verheiratet, die äußerlich im Welt-Geist miteinander konstellieren. Aber die selbstgemachte menschlich-seelische Konstellation aus dem hohen Grund ist mächtiger als die Konstellation im Welt-Geist. Deshalb geht es oft und meistens nach der (inneren) Konstellation der Seele, welche die äußere Welt in der Macht und Hoheit übertrifft. Gleichwie es am Sämann liegt, wohin er seinen Samen sät, auch wenn ein anderer Acker besser und fähiger wäre.

8.50. Wenn aber die Seele ihren Willen Gott ergibt und sich nicht selber in diesen Orden (bzw. diese Ordnung) konstelliert, sondern sich dem Vorsatz Gottes anbefiehlt, dann wird die männliche und weibliche Tinktur ins Wort eingefaßt und in der rechten göttlichen Ordnung nach der Seele im Mysterium Magnum und nach dem Leib im Welt-Geist (Spiritus Mundi) konstelliert. Damit wird eine Liebe nach der wahren Gleichheit seiner Eigenschaft in ihm erweckt. Und wenn dann der Mensch derselben folgt und nicht mehr nach Reichtum, Adel, Schönheit und wohlgefälliger Geschicklichkeit schaut, dann bekommt seine eigene Konstellation, die er von Natur aus hat, die rechte wahre Gleichheit, und wird ein Acker, der dem Samen gleich und angenehm ist. Dann erhebt sich nicht so leicht und bald ein Streit in der Frucht, denn sie stehen miteinander in der Gleichheit. Und hier kann sich die innere und äußere Sonne besser in der Frucht mit konstellieren.

8.51. Aber wie es in der Welt geht, das sieht man daran, was die Natur zusammenführt und bindet, wenn sich oft zwei junge Leute in höchster Liebe konstellieren, welches aus dem großen Vorsatz der wahren Konstellation im Welt-Geist im geformten Wort geschieht. Doch das brechen dann die Eltern und Freunde wegen der Armut oder auch der Hoheit. So spricht auch Gott zu Noah: »Die Menschen wollen sich durch meinen Geist nicht ziehen lassen und nehmen zur Ehe und beschlafen die Töchter der Menschen, je nachdem, wie schön sie sind (1.Mose 6.2)«, reich und edel, welches alles doch Menschenwerk ist. Daher kommen dann aus ihnen Mächtige und Tyrannen, denen Gott die Sintflut seines Zorns in ihre gemachte Konstellation entgegensetzt und ihren eigenen Willen verstockt. Und so werden auch manche Leute wegen Hoheit oder Reichtum zusammengezwungen und gekuppelt, die danach einander feindlich werden und ihr Leben lang im Gemüt den Tod und die Trennung wünschen.

8.52. Diese sollen nun ihre Tinkturen im Samen in eine Konjunktion zum menschlichen Leben eines Kindes ineinander führen. Das Weib ist dann der Acker und der Mann sät den Samen. Wenn nun die zwei Tinkturen ineinander eingehen und sich in eine wandeln sollen als in den weiblich-männlichen Samen, mit dem sich das Wesen in eine freudenreiche Gleichheit hineinführen soll, dann sind sie (doch oft) einander ungleich im Willen, und der Acker empfängt mit dem Samen einen Stiefsohn. Er muß ja den Samen annehmen, denn er drängt sich herein und zieht das Wesen aus dem Acker in sich. Aber der Acker gibt ihm nicht seinen guten Willen, und so muß das Wesen des Samens seine Gleichheit erst im weiblichen Samen suchen. Diese liegt ihm aber in der Konstellation zu tief verschlossen und er kann sie schwerlich erreichen, daraus dann Unfruchtbarkeit und der Natur Abneigung entstehen. Und wenn es nun auch geschieht, daß der Samen in die weibliche Tinktur des Ackers eingewurzelt wird, so ist ihm doch die äußere Konstellation im Welt-Geist in der wahren Ordnung des geformten ausgesprochenen Wortes gram. Denn es steht nicht in der Gestaltung des Freudenreichs im großen Uhrwerk der Natur, sondern führt alsbald seine Feindstrahlen aus der Turba Magna (der großen Verwirrung) mit in die Gestaltung der Kreatur, dadurch manche Frucht verdirbt, ehe sie das Leben bekommt.

8.53. Was nun hier für eine Wirkung im Zentrum der Natur zum Leben sein solle, gebe ich dem Verstand zum Nachsinnen, und auch wie sich die Natur in ihrer Widerwärtigkeit verstockt. Was für ein seelisches Feuer sie in sich erwecke und gebäre, ist wohl zu ersinnen, davon die Schrift sagt, Gottes Zorn verstocke sie, daß sie nicht zum wahren heiligen Licht kommen. Denn wie die Eigenschaft des seelischen Feuers ist, ein solches Licht entsteht auch daraus, und in diesem seelischen Licht steht nun das Leben. Darum sagt die Schrift: »Bei den Heiligen bist du heilig, und bei den Verkehrten bist du verkehrt. (Psalm 18.26)« Wie das Volk ist, einen solchen Gott hat es auch.

8.54. Das Licht der Natur, darin sich die Stimme Gottes im Paradies in des Weibes Samen wieder einverleibt hat, in welchem Christus empfangen und geboren ist, das steht nun in dem innerlichen Grund und soll sich durch das entfachte Seelenfeuer offenbaren und mit in die Kreatur eingehen und wirken. Die Seele soll nun dem Geist Christi stillstehen, so daß er in ihr wirken könne. Aber sie, die seelische Eigenschaft, darin das Seelenfeuer brennt und lebend wird, ist im Grimm des Streits (der weltlichen Gegensätze).

8.55. Hier ist nun der Zug im Zorn, wie auch der Zug Christi durch das Licht der Natur. Und so heißt es zu Recht: Wo sich die Erfahrung des unergründlichen Willens aus dem Grund der ewigen Natur in der seelischen Eigenschaft hinwendet und zum Knecht in Gehorsam gibt, dessen Knecht ist sie, entweder dem Zorn Gottes im Grimm der ewigen Natur oder dem Leben Christi in der Gnade, wie auch St. Paulus sagt (in Röm. 6.16).

8.56. Da spricht nun der Verstand: Das Wesen der Seele kann nicht anders, denn sie muß erleiden, was Gott mit ihr tut. Dazu ist sie noch verdorben und zum Grimm geneigt. — Antwort: Ja, sie kann in ihrer Eigenheit nicht anders. Aber Christus, als er die seelische Eigenschaft annahm, hat den Grimm und die Verwirrung des falschen Willens mit der Liebe zersprengt und seine Liebe in das kreatürliche Wort hineingeführt und dem seelischen Wesen zur Gehilfin gegeben. Es liegt nun bloß an dem, welche Eigenschaft die andere übertrifft, entweder die lichtfeurige oder die zornfeurige, Gottes Liebe oder sein Zorn. Denn das Wesen zur Seele hat noch keine (wahrhafte) Vernunft, aber aus dem unergründlichen ewigen Willen hat es den Grund des Willens zur Gebärung der Stätte Gottes, wo der unergründliche Wille des Vaters den Sohn als die Kraft (zur ganzheitlichen Vernunft) gebiert.

8.57. In diesem unergründlichen Willen steht das Wesen der Seele und will von ihm Gott haben. Es soll göttliche Kraft gebären, doch weil es das nach seinem (Sünden-) Fall nicht in eigenem Vermögen tun kann, so hat er ihm das Reich seiner Gnade einverleibt und im Namen „Jesu“ offenbart. Wenn sich nun der seelische unergründliche Wille dem Geist Christi im innerlichen Grund vereint, dann ergreift ihn Christus und zieht ihn zu sich. Allda entsteht das Können, denn das Wesen des Zorns ist mit der einverleibten Stimme göttlicher Liebe zerbrochen, und der Geist Christi durchdringt nun das Licht der Natur in der seelischen Eigenschaft und wirkt in ihr, wie das Licht der Natur in der Erde im Samen zum Baum wirkt und sich hineindrängt, so daß der Same einwurzeln kann.

8.58. Und dieses Eindringen des Geistes Christi in das Wesen der Seele ist die göttliche Berufung, davon die Schrift sagt: »Viele sind berufen usw.« Denn so werden sie im seelischen Grund berufen, ehe die Seele das Leben hat.

8.59. Frage: Warum sagt aber die Schrift »viele« und nicht »alle«? — Antwort: Christus steht allen bereit und ruft sie alle, denn die Schrift sag: »Gott will, daß allen Menschen geholfen werde. (1.Tim. 2.4)« Aber sie sind nicht alle des Rufs fähig, denn manches Wesen ist mehr teuflisch als menschlich, weil es der Zorn überwältigt und verstockt hat.

8.60. Hier scheint nun das Licht in sich selbst in der Finsternis, aber das finstere Wesen der Seele hat es nicht begriffen. An diesem seelischen Wesen geht nun der Ruf vorüber, denn die seelische Eigenschaft ist in der Finsternis ergriffen. Das Licht durchdringt sie wohl, es findet aber kein Wesen der Liebe darin, in dem es sich entzünden könnte. Darum bleibt das Wesen der kreatürlichen Seele getrennt von Gott in sich selbst wohnend, und auch Christus bleibt in sich selbst wohnend, und sie sind doch einander so nahe. Aber ein Prinzip scheidet sie, wie die große Kluft zwischen dem reichen Mann und dem armen Lazarus (Luk. 16.20), denn sie stehen gegeneinander wie Leben und Tod.

8.61. An diesen wird nun verstanden, daß Gott seinen Zorn kundtue und sie verstocke, aber nicht aus einem fremden oder göttlichen Willen oder Vorsatz, sondern deshalb, weil er sein Wort in die Natur und Unterschiedlichkeit hineingeführt hat. Nicht der heilige Wille Gottes entzieht sich ihnen, so daß sie verstockt bleiben müssen, wie der Verstand hier irrt. Denn er ist in ihnen und wollte sie gern haben und sich in ihnen offenbaren als im Bild Gottes. Aber der Grimm im Zentrum der Natur, wo sich der Wille des Ungrundes in die Finsternis scheidet, hat sie ergriffen und die aufgetane Pforte der göttlichen Liebe mit den Greueltaten der angeerbten Sünden verschüttet.

8.62. Wozu die gegensätzliche Konstellation der Ungleichheit hilft, weil Mann und Weib (bzw. Geist und Natur) in ihrer beider Willen gegeneinander nur Haß, Fluch und Todesangst zueinander säen. Sie fassen ihre Lebenstinktur in feindlichen Willen und kommen nur in Vermischung ihres Samens in tierischer Lust zusammen. Kein Wille ist dem anderen treu, sie denken nur an Gift und Tod, fluchen einander alle Stunden und leben beieinander wie Hunde und Katzen. Wie nun ihr Leben und steter Wille ist, so ist auch ihre seelische Tinktur im Samen. Darum sagt Christus: »Ein schlechter Baum kann keine guten Früchte tragen. (Matth. 7.18)« Denn in ihrer Tinktur des Samens ist schon die Verstockung. Was kann nun Gott dafür, daß sie eine Distel pflanzen?

8.63. Sprichst du nun: Was kann aber das Kind dafür? — Antwort: Das Kind und die Eltern sind ein Baum, und das Kind ist ein Ast am selben Baum. Darum höre, Verstand: Wann verändert die Sonne einen Ast am sauren Baum, so daß er süß wird? Soll denn Gott wegen einer Distel gegen den Vorsatz seines ausgesprochenen Wortes und Willens handeln? Bedarf doch auch das Reich der Finsternis der Kreaturen, und sie alle sind Gott nütze. »Der Gottlose ist Gott ein guter Geruch zum Tode, und der Heilige ein guter Geruch zum Leben. (2.Kor. 2.15)«

8.64. Darum entsteht der Wille zum Verderben im kreatürlichen Wesen, und der Wille zum heiligen Leben entsteht aus Gott in Christus. Und diese beiden sind ineinander wie ein Wesen, aber werden in zwei Prinzipien verstanden. Weil sie beide in den Kreaturen wirken, so werden die Kreaturen auch von beiden gezogen. Wenn aber Christus keine Stätte seiner Ruhe finden kann, dann besitzt der Teufel die Stätte, wo Christus wirken sollte.

8.65. Und hier sagt nun Christus: »Wenige sind auserwählt… (Matth. 20.16)« Warum? Viele haben noch ein Fünklein des guten Wesens in sich, darin Christus wirkt und sie ohne Unterlaß warnt und ruft. Aber das falsche (illusorische) Wesen ist so groß und stark, zieht eine Menge bösartiger Einfälle von außen an sich, verdunkelt das Bild Gottes, tötet das gute Wesen und den guten Willen und kreuzigt das Bild Christi, das Christus in seinem Durchbrechen mit seinem Blut besprengt und mit seinem Tod erlöst hat. Das kreuzigt er in sich mit der Sünde, und tötet Christus in seinem Glied (denn alle Menschen sind Glieder von Christus).

8.66. Und wenn dann der Hausvater kommt, um zur Hochzeit des Lammes seine eingeladenen Gäste zu besehen, dann sieht er, daß dieses erlöste Bild Christi, das zur Hochzeit eingeladen ist, kein hochzeitliches Kleid trägt. So befiehlt er seinem Zornknecht, diesen Gast an Christi Stätte die Hände und Füße im Wesen des (weltlichen) Lebens zu binden und ihn in die Finsternis hinauszuwerfen, wo Heulen und Zähneklappern ist, wie Christus im Evangelium sagt (in Matth. 22.12).

8.67. Dieser bösartige Hochzeitsgast, auch wenn er sich Christis Namens rühmt (und „Christ“ nennt), wird nicht zum ewigen Abendmahl des Lammes auserwählt, sondern nur diejenigen, deren Seele Christus anziehen und den Willen der Sünde im Fleisch kreuzigen und immerdar töten.

8.68. Darum sagt Christus: »Wenige sind auserwählt.« Denn nur diese werden zu Kindern Gottes in Christo erwählt, welche der Stimme Christi in sich gehorchen und in ihrem guten Fünklein auf die Stimme des Bräutigams hören, wenn Christus in ihnen spricht: »Kehre um, tue Buße, tritt in den Weinberg Christi!« Und wenn sie das annehmen, hören und tun, und nicht darauf warten, bis Gott den falschen Willen überfällt und mit Gewalt zerbricht und selig macht, wie der Verstand die Sprüche von der Gnadenwahl so irrig annimmt, allen Gleichnissen in den Worten Christi zuwider.

8.69. Denn Christus sprach zu seinen Jüngern, als er ihnen seinen Leib zur Speise darbot: »Nehmt und eßt, nehmt und trinkt, denn das ist mein Fleisch und Blut. (Matth. 26.26)« Er hieß die Seele zugreifen und nehmen. So geschieht es auch im inneren Grund, wenn er sich der Seele im Lebenslicht anbietet und spricht: »Komm zu mir, ich will dich erquicken. Nimm mich an, öffne nur deine Begierde für mich und tue die Tür deines Willens auf, dann will ich bei dir einziehen.«

8.70. Er steht vor der Tür des Seelen-Wesens und klopft an, und welche Seele ihm auftut, bei der zieht er ein und hält das Abendmahl mit ihr (Offb. 3.20). Sein Rufen und Anklopfen ist sein Ziehen und Wollen. Doch die Seele hat auch ein ewiges Wollen und einen unergründlichen Willen.

8.71. Zusammengefaßt: Die Seele ist des ewigen Vaters natürlicher Feuer-Wille, und Christus ist des ewigen Lichtes Liebe-Wille, und diese stehen ineinander. Christus begehrt, sich in diese seelische Kreatur zu bilden, und dagegen begehrt der Feuer-Wille, sich in seiner Eigenheit (Ichheit) zu bilden. Welcher nun siegt, darin steht die Bildung. Dieser Streit der Bildung beginnt dann im Samen mit der Bildung der Kreaturen in der Ungleichheit von Samen und Acker, wo mancher Zweig in der Widerwärtigkeit und Feindlichkeit der Tinkturen alsbald zu einer wilden Distel wird. Doch auch diesem Distelkind entzieht sich das Licht der Natur nicht, darin Christus im inneren Grund wohnt, bis sich der Wille der Seele in seinem Naturlicht mit dem Gift des Zorns selbst verdunkelt.

8.72. Gleichwie sich der Streit in der Wurzel des Baumes in einem widerwärtigen Acker von selbst entzündet, davon der Trieb aus der Wurzel verderben kann, noch ehe er aufwächst; und wie nun die Sonne dem Trieb des Baumes mit ihrem Licht und ihrer Kraft zu Hilfe kommt, sobald er aus der Wurzel aussprießt, so kommt auch Christus der Seele, sobald sie in den Mutterleib kommt, wegen der bösen Zufälle von außen zu Hilfe und hat ein Bad der Wiedergeburt mit der Taufe in seinen Bund gesetzt. Darin strahlt er die kleinen Kinder mit der ewigen Sonne an und wirkt dadurch in sie und gießt sich ihnen in seinem Bund ein, soweit das seelische Wesen zu dieser angebotenen Gnade fähig ist.

8.73. Wenn dann später der Verstand in der Seele erwacht, dann zieht und ruft er sie durch sein offenbartes und gelehrtes Wort aus dem Mund der Kinder Gottes, und bietet sich der Seele während des ganzen äußeren Lebens an, und schallt alle Tage und Stunden mit seinem Wort und Kraft in sie, ob sie ihm von der tierischen Bildung stillstehen wolle, damit er sie neu gebären könne.

8.74. Gleichwie sich die Kraft der Sonne im Wesen des Holzes im Baum mit aufzieht (und aufwächst) und die Eigenschaften der gegensätzlichen Natur ausgleicht, so wendet sich auch Christus mit seiner Kraft aus dem inneren Grund ohne Unterlaß in die Seele und gleicht die Lebensgestaltungen aus, damit sie sich nicht in Widerwillen und Feindschaft trennen und von der Gleichheit (der Ausgeglichenheit) in falsche (illusorische) Lust ausgehen, durch welche die Eigenschaft der Seele den Giftquall (Quell der Qual) in sich hineinführt.

8.75. Und wie der Stamm mit seinen Ästen am Baum durch den innerlichen Streit der Natur und die äußerlichen Einfälle der Konstellationen bucklig und krumm wird, so führt sie auch die Seele durch die innerliche Widerwärtigkeit der Ungleichheit der Naturen von Vater und Mutter und dann durch die äußeren Einfälle von der Welt Bosheit in eine unförmige (mißgestaltete) Figur vor Gott.

8.76. Weil dann das Hochzeitskleid der Taufe in eine tierische Larve (Maske) verwandelt wird, geht auch die Wahl (zur geistigen Hochzeit an ihr) vorüber, solange die Seele dieses bucklige Larvenbildnis an sich hat.

8.77. Diese Larve (persönliche Maske) behindert das Wesen Christi, so daß es keine Frucht zum Lob Gottes wirken kann. Denn der Teufel sät stets seine Begierde in diese Larve, so daß falsche junge Zweige mit falschem und abtrünnigem Willen daraus wachsen, welche sich mit egoistischem Stolz in des Teufels Willen hineinführen und von der Demut abtrennen, wie die jungen Zweige aus der Ganzheit des Baumes ausbrechen und eigene Bäume sein wollen. Und wenn sie dann ausgebrochen sind, dann stehen sie als Teile des Baumes in der Konstellation der Welt. Und dann prüft sie die Konstellation des Gestirns mit spitzfindigen Menschen und führt sie aus einem Vorwitz in den andern. Dadurch dringt der überhebliche Stolz ein, und damit auch Geiz, Neid, Zorn, Lüge, Trug und alles, was in der Welt regiert. So will der junge stolze Zweig in Künsten aufsteigen und verbrennt sich in allen Dingen. Obwohl die göttliche Sonne darin scheint und dem abtrünnigen Zweig zu Hilfe kommen will, doch wenn das feurige Leben solches empfindet, dann schwingt es sich in die Höhe wie Luzifer, maßt sich selber Klugheit und Vernunft an und verachtet alles Geringe. Daher kommen dann die verstandesweisen (gedanklich-klugen) Leute, die voller Stolz und selbstgefälliger Lust stecken, doch verbrennen sich nur im Licht, das in ihnen aus Gnade scheint, und gebrauchen es zur Fleischeslust. Dann muß Christus die Decke ihrer Schalkheit sein (um ihre Sünden zu vertuschen).

8.78. Dies sind alles falsche Zweige, über welche die Wahl zur Erntezeit vorübergeht, obwohl sie in Christi Geist berufen waren. Er hat sich ihnen eingegeben, mit ihnen gewirkt und ihren Verstand erleuchtet. Aber sie sind nicht aus Christi Geist geboren worden, sondern in der Welt Wollust. Sie haben Christus nur mit Füßen getreten und ihm nie gedient. Christus ist ihnen hungrig, durstig, krank, gefangen, nackt und elend gewesen, und sie haben ihm nie gedient (Matth. 25.35). Sein Name hat zwar in ihrem Munde geschwebt, aber ihre Seele hat sich stets in eigene Lust der Welt und des Teufels hineingewandt, und sie haben Christus stehenlassen und das Licht zu ihrer Bosheit gehalten (und verwendet).

8.79. Diese haben sich aus dem Stamm der ganzheitlichen Ausgeglichenheit herausgewandt, und sind nicht in der wahren Sonne Christi aufgewachsen und aus Gott geboren worden, sondern im eigenen Willen ihrer Natur. Darum sind ihre Früchte auch nur Menschen-Tand (hübsche und nutzlose Dinge). Auch wenn sie in der Welt hohe Leute werden, viele Künste und Sprachen lernen, so ist doch alles aus der Eitelkeit der Natur geboren, und alle ihre Werke sind vor Gott wie ein beflecktes und besudeltes Tuch.

8.80. Die Seele aber, die in einem guten Acker ihren Ursprung nimmt, wo die Eltern ihren Willen in Gott setzen und in rechtem Liebesbund stehen, nämlich in ihrer wahren Konstellation, und ihre Hoffnung in Gott setzen, weil Christus in ihnen wirkt, lebt und ist, aus der entspringen Ströme lebendigen Wassers, wie Christus sagt. Und obgleich nun die Verderbnis durch Adam in ihrem Körper ist und auch öfters eine böse Konstellation den Körper befällt, wie aus einem Sündenquell der Qual, so bleibt doch Christus im innerlichen Grund der Seele in ihnen.

8.81. So wird nun die Seele von der Seele geboren und der Körper vom Samen des Körpers. Wenn nun auch der äußerliche Same irdisch und bösartig ist und in einer solchen Konstellation vergiftet wird, so besitzt doch Christus den seelischen Grund im innerlichen Zentrum, und das Wesen Christi ist und bleibt im Wesen der Seele, und die Seele wird im Wesen Christi empfangen und geboren.

8.82. Hier sagt nun Christus: »Wer aus Gott geboren ist, der hört Gottes Wort. (Joh. 8.47)« Und zu den stolzen Pharisäern sagte er: »Darum hört ihr nicht, denn ihr seid nicht aus Gott.« Das heißt, auch wenn sie sein Wort und Gesetz im Mund führten, so war doch ihre Seele nicht im göttlichen Wesen geboren. Auch wenn sie das Licht der Natur hatten, so schien es doch aus einem fremden Feuer, in dem Christus wohl hindurchschien, aber sie waren seiner nicht (zur Erkenntnis und Verwirklichung) fähig, denn ihr Grund war falsch (illusorisch).

8.83. So wird ein guter Same auch wohl bisweilen in einen bösartigen Acker gesät, doch noch ist der Grund des Samens gut. Wenn aber ein falscher Samen in einen bösartigen Acker gesät wird, dann wächst daraus die Gleichheit ihres Wesens. Doch wie nun ein guter Same öfters in einem bösartigen Acker stehen muß und doch Frucht trägt, wenn er von den äußeren Einfällen nicht verdorben wurde, so wird öfters ein Glaubenssame von der einen Tinktur entweder zum Mann oder zum Weib gesät. Und das jeweils andere (Geschlecht) sät sein Gift (der sinnlichen Begierde) hinein, dadurch der äußere Mensch wild und zum Argen geneigt wird. Aber der inwendige Grund ist immer noch gut. Und wenn er dann etwas Böses tut, dann bereut er es bald und begibt sich in Buße und Entsagung.

8.84. Mancher wird aber auch so vom Anteil des Sündenquells vergiftet, daß er eine bösartige Neigung zum Stehlen, Rauben und Morden in sich hat, oder auch zur Unzucht, Verleumdung usw. Aber der andere Anteil von Christis Wesen zieht ihn immerdar davon ab. Und wenn er auch in seiner Schwachheit durch des Teufels Eingriffe fehlgeht, so kommt ihm, wenn er nicht in Sünde und Tod liegenbleibt, immer noch das göttliche Wesen zur Hilfe, wie den Übeltätern am Kreuz, Maria Magdalena und anderen großen Sündern oft widerfahren ist.

8.85. Denn es gibt wohl auch keinen Menschen, der im Körper keinen Sündenquell aus der Begierde seines tierischen Fleisches hätte. Und wie nun ein Baum im Streit und Widerwillen aufwachsen muß, weil öfters Unwillen auf ihn fällt, bald Hitze, bald Kälte, bald drückt ihn der Wind zum Bruch und bald fällt ein Gift vom Gestirn auf ihn. Dennoch wächst er in der Sonne Kraft und in seinem innerlichen Licht-Wesen der Natur und trägt gute Früchte, die nicht den Geschmack der Erde haben, sondern die edle Tinktur hat sich in wohlschmeckender Art verkörpert. So ist es auch mit dem Menschen zu verstehen.

8.86. Denn das göttliche Wesen, das geistig ist, kann nicht anders offenbar werden, als durch den Streit der Natur. Es sät sich mit in das seelische Wesen der ewigen Natur und gibt sich in den Streit der Unterschiedlichkeit des Feuers, wo es dann sein Licht empfängt und sich aus dem Feuer in Kraft und Eigenschaften der Liebe-Begierde herausführt. Im Feuer der Seele empfängt es Eigenschaften und Willen. Denn in Gott ist es Einig und nur ein Einiger Wille, der zwar die ewige Gutheit ist, aber so ist er sich nicht selbst offenbar. Aber in der feurigen Unterschiedlichkeit der Seele wird er sich offenbar, so daß die eine Kraft in vielen Kräften der wirkenden Tugenden in Form und Bildung hervorgehen, gleichwie der Baum im Streit mit seinen Ästen und Früchten offenbar wird, so daß man sieht, was im Mysterium (dem Ungestalteten) des Samens zum Baum angelegt ist.

8.87. Und darum besteht die göttliche Kraft der Seele im Menschen, daß sie darin mit aufwachse und ihre Tugend in der feurigen Unterschiedlichkeit offenbaren kann, wo Böses und Gutes untereinander (wechsel-) wirkt. Also treibt der Geist Gottes in Christo im Guten aus und wirkt zur Frucht als zur göttlichen Förmlichkeit (bzw. Ganzheitlichkeit). Dieses soll oder kann nun nicht geschehen, wenn sich das seelische Feuer nicht vom göttlichen Wesen ernährt, und aus dieser Feuer-Nahrung eine wahre Kraft im Licht der Natur ausgeht.

8.88. Das Feuer der Seele muß ein gutes Holz haben, soll es ein gar kräftiges Licht geben, denn aus dem Seelenfeuer wird Gottes Geist in seiner Kraft in der Natur der Seele schiedlich und offenbar (erkennbar), gleichwie das Licht aus dem Feuer und die Luft (bzw. der Wind) aus dem Feuer und Licht offenbar werden und aus der Luft ein subtiles Wässerlein ausgeht, das nach seinem Ausgehen wesentlich (fruchtbar) wird, davon das Licht die Kraft zu seiner Speise wieder in sich zieht. Darum sagte Christus: »Wer nicht ißt das Fleisch des Menschensohns und trinkt sein Blut, der hat kein Leben in sich. (Joh. 6.53)«

8.89. Gleichwie der Baum weder wachsen noch Frucht tragen könnte ohne das Licht der Natur, das die hereindringende Sonne lebendig macht, und wie das Licht der Natur und auch die Kraft der Sonne im Baum nicht offenbar und wirkend werden können ohne die feurige Erfahrung, nämlich den feurigen Grund der Natur, der die Seele des Baumes ist.

8.90. In gleicher Weise kann auch Christus im Menschen nicht offenbar werden, auch wenn er in ihm ist und ihn zieht und ruft und in die Seele dringt, solange sich die Seele in ihrer feurigen Eigenschaft nicht vom göttlichen Wesen ernährt. Doch das fällt dem Feuer des überheblichen Stolzes überaus schwer, daß es vom Wasserquell des Liebe-Lebens und der Sanftmut essen soll. Es äße lieber vom Schwefel und Quecksilber als von seiner Gleichheit. Wenn es aber davon ißt, dann wird der Geist der Liebe und Demut als das göttliche Wesen feurig, und greift die Feuerwurzel aus den drei Grundqualitäten von Salz, Schwefel und Quecksilber an, und wandelt sie in sich, gleichwie eine Tinktur auf ein glühendes Eisen fällt und das Eisen in Gold verwandelt. So wird auch hier das seelische Zentrum aus des Vaters Feuernatur in ein Liebe-Feuer gewandelt, und in diesem Liebe-Feuer wird Christus offenbar und in der Seele geboren. Dann geht aus dem Seelenfeuer der wahre göttliche Luft-Geist aus Feuer und Licht hervor und führt von selbst sein geistiges Wasser aus dem Licht heraus, das nun wesentlich wird, davon sich die Kraft des Lichtes ernährt und in der Liebe-Begierde in ein heiliges Wesen hineinführt, nämlich in eine geistige Körperlichkeit, darin die Heilige Dreifaltigkeit wohnt, und die als Wesen der wahre Tempel des Heiligen Geistes ist, ja Gott in seiner Offenbarung selbst.

8.91. Und das ist es, davon Christus sprach, »er wollte uns vom Wasser des ewigen Lebens geben, das uns in einen Quellbrunnen des ewigen Lebens quellen werde. (Joh. 4.14)« Und das geschieht nun, wenn die Seele sein Wort annimmt, das Er selbst ist. Dann gießt Er seine wesentliche Kraft, die Er in unserer Menschheit offenbar gemacht hat, in sie ein. Das ist ihre Tinktur, die ihre Feindlichkeit der feurigen Eigenschaft in ein Liebe-Feuer wandelt. Denn hier steht Christus in der abgestorbenen seelischen Eigenschaft (der Ichheit) vom Tode auf, und hier wird die Seele ein Glied an Christi Leib und zieht Christus an sich, ja sie wird nach der Liebe Eigenschaft ganz in Christus gepflanzt. Darum sagt Christus: »Wer mein Fleisch ißt und trinkt mein Blut, der bleibt in mir und ich in ihm. (Joh. 6.56)« So geschieht das. Und er sagt auch: »Wir wollen zu euch kommen und Wohnung in euch machen. (Joh. 14.23)« Das heißt, der ganzheitliche Gott wird in dieser neuen Geburt in Christo in der Seele offenbar und wirkt gute göttliche Früchte.

8.92. Gleichwie die Kraft der Sonne im Baum offenbar wird und im Wesen des Schwefel-Geistes im Quecksilber das Licht anzündet, wie in der Eigenschaft des Baum-Harzes, darin der Baum wächst und Frucht trägt, so wird auch Gott in seinem geformten ausgesprochenen Wort (nämlich im Menschen, in den er seine höchste Liebe-Tinktur im Namen „Jesu“ hineingeführt hat) offenbar und tingiert (vereint) die feurige Seele als den geistigen Schwefel und Quecksilber, so daß darin das Licht der ewigen Natur offenbar und scheinend (bzw. erkennbar) wird. Darin (in dieser Erkenntnis) wird nun Christus in seinem geformten Wort wie ein herrlich göttlicher Baum geboren, der dann in das Bild Gottes wächst und viele gute göttliche Früchte trägt.

8.93. Dann spricht dieser Mensch aus Gott Gottes Wort. Das sind dann die göttlichen Früchte, wenn Gottes geformtes Wort, nämlich die kreatürliche Seele, den Quellbrunnen göttlichen Sprechens aus sich ausspricht, und das Wort Gottes aus sich ausspricht und in seinem Aussprechen gebiert, gleichwie der Einige Gott sein Wort aus sich ausspricht und immerdar gebiert, und das Sprechen doch in ihm bleibt, weil das Sprechen und das Ausgesprochene identisch ist.

8.94. Wenn auch diesem Menschen die verdorbene (sündhafte) Art im Fleisch der irdischen tierischen Eigenschaft anhängt und ihn feindlich in der Seele angreift, das schadet ihm nicht. Denn die Seele hat nun in Christo die grimmige, verdorbene und feurige Eigenschaft überwunden, und Christus zertritt in der Seele der giftigen Schlange im irdischen Fleisch stets den Kopf, und wirkt durch das Fleisch und zieht sich im Fleisch in einen neuen Leib, in ähnlicher Art, wie im groben Stein das kostbare Gold liegt und wächst und die Grobheit dazu wirksam helfen muß, auch wenn sie dem Gold nicht gleicht. So muß auch der irdische Leib helfen, in sich Christus zu gebären, auch wenn er nicht Christus ist, in Ewigkeit nicht Christus werden kann und im Reich Gottes nutzlos ist. Dennoch muß er ein hilfreiches Werkzeug sein, auch wenn er anderen falschen Willen und Begierde hat und eine Räuberburg des Teufels ist, und auch Gott ihn nicht zu seinem Werkzeug benötigt. Davon sagte Christus, »er wäre sein Joch«, nämlich unser irdischer Leib, den er uns tragen hilft, der ist sein Joch in uns. Das soll die heilige Seele in Geduld auf sich nehmen und alles äußerliche Unglück, auch des Fleisches Anfechtung vom Teufel und der Welt Bosheit, über sich ergehen lassen, und sich unter die Kreuz-Geburt Christi unter sein Joch beugen und in Geduld fassen. So soll er in Trübsal mit dem edlen Perlen-Bäumlein Christi unter allen bösen Wesen aufwachsen und nach dem wahren Gewächs nur gute, heilige und himmlische Früchte wirken und gebären, welche nicht aus dieser Welt von den vier Elementen nach dem Welt-Geist von außen kommen, sondern wie Paulus sagt: »Unser Wandel ist im Himmel. (Phil. 3.20)« Oder auch: »Ich habe euch von der Welt berufen, daß ihr seid, wo ich bin, und darum haßt euch die Welt, weil sie weder mich noch euch oder meinen Vater erkennt. Aber seid getrost, in mir habt ihr Frieden, aber in der Welt habt ihr Angst. (Joh. 16.33)« Das heißt, in mir, im innerlichen Grund der neuen Geburt, habt ihr Frieden in Gott. Aber im äußeren Fleisch, in der Welt, habt ihr Angst. »Doch ich will wieder zu euch kommen und euch zu mir nehmen, wo ich bin«, sagt Christus. Das heißt, er will wiederkommen zu dem Menschen, der aus dem Stoff der Erde geschaffen wurde, und will ihn wieder an sich selbst als an den neuen geistigen Menschen annehmen und ewig bewahren. Aber er soll zuvor die Vergänglichkeit der Erde und der Schlange Wesen samt dem eingebildeten Tier und alle bewirkte Falschheit (bzw. Illusion) ablegen. Dann will er wieder zu ihm kommen und den Leib Adams vom Tode auferwecken und an sich nehmen und ihm alle seine Tränen abwischen und in Freude verwandeln. (Joh. 14.3)

8.95. Dieses ist, mein lieber Leser, der wahre Grund der neuen Wiedergeburt, und nicht auf dem anderen Weg, wie der Verstand meint, daß wir nämlich von außen angenommene Gnadenkinder sind, oder daß wir durch einen göttlichen Vorsatz von der Sünde freigesprochen werden. Nein, es muß neugeboren sein aus diesem obengenannten Wasser und dem Heiligen Geist.

8.96. Die Seele muß aus ihrem eigenen Willen im Zuge Christi umkehren und ihren begehrenden Willen in die Begierde Christi führen, die mächtig für ihn und in ihm mit der Begierde in ihn eindringt, und den feurigen Rachen aufsperren (bzw. weit öffnen), nämlich vom geistigen Schwefel-Wurm im Quecksilber des Geist-Lebens. Dann dringt Christi Geist in das Wesen der Seele ein, und das heißt Glauben und Annehmen (bzw. Verwirklichung), nicht nur Wissen, Trösten, Kitzeln und Christis Mantel äußerlich um sich hängen und immer nur von Gnade reden und in der Bosheit des Teufels Gnadenkinder sein wollen. Sondern man muß im Geist Christi wie ein Kind an seiner Mutter Brust werden, das nur der Mutter Brüste zu saugen begehrt und nichts mehr, denn allein in Christi Wesen wächst der wahre neue Mensch.

8.97. Wenn aber der Verstand sagt „Wir werden erst in der Auferstehung neugeboren und im Fleisch Christus anziehen.“, dann ist das Babel (Gedankenkonstruktion) und kein Verstand der Worte Christi.

8.98. Der Leib aus der Erde soll Christus erst in der Auferstehung wesenhaft anziehen. Dann muß die Seele Christus in seinem himmlischen Fleisch anziehen. Und dieser neue Leib muß der Seele in Christus gegeben werden, nicht von Mannesblut noch vom Fleisch, sondern aus dem Wort und göttlichem Wesen in das Verblichene vom göttlichen Wesen, das in Adam verdorben und an Gottes Wirkung stumm und unfühlbar (bzw. unerkennbar) wurde. Darin muß Christus neu geboren und ein Gott-Mensch, und der Mensch ein Mensch-Gott werden.

8.99. Also, liebe Brüder, versteht es nun recht, wenn Christus nur zu einem Teil der göttliche Vorsatz und Gnadenwille ist. Wer aus diesem geboren wird und ihn anzieht, der ist in Christo vorgesehen und ein Gnadenkind. Im anderen Teil ist der Vorsatz Gottes der feurige Wille der Seele aus dem Zentrum der ewigen Natur, wo sich Licht und Finsternis scheiden. Hier geht ein Teil ins Zentrum der Finsternis, nämlich als der grobe und phantasierende Schwefel, aber der subtile und reine geht ins Licht. Wohin sich nun die Erfahrung des unergründlichen Willens zur Natur scheidet, darin wird er eine Kreatur, entweder im Licht oder in der Finsternis.

8.100. Der Vorsatz Gottes kommt durchaus aus dem seelischen Grund. Denn der innere Grund der Seele ist die göttliche Natur zum ewigsprechenden Wort, und diese ist weder gut noch böse. Aber in der Unterschiedlichkeit des Feuers als im entzündeten Leben der Seele, da scheidet sich dieser Wille entweder in Gottes Zorn- oder in Gottes Liebe-Feuer. Und das geschieht nicht anders als durch die Eigenschaft, die das seelische Wesen in sich selber ist. Sie ist selber ihr Grund zum Bösen oder Guten, denn sie ist das Zentrum Gottes, wo Gottes Liebe und Zorn in einem Grund unausgewickelt (unentfaltet) liegen.

8.101. Also ist das der Vorsatz Gottes, daß er sich durch das ausgesprochene geformte Wort, dessen die Seele im Sprechen der Unterschiedlichkeit ein Wesen ist, offenbaren will. Hierin verstockt sich die Grobheit in den angeerbten und auch in den wirklich eingefaßten Greueltaten selber.

8.102. Denn es ist sonst kein anderer Wille Gottes im Wesen dieser Welt als nur der, der aus dem ewigen Grund in Feuer und Licht wie auch in der Finsternis offenbar wird. Die Seele wird in sich selbst zum Gnadenkind erwählt, wenn sie aus Christo geboren wird, aus dem göttlichen Wesen, das der Einige Vorsatz göttlicher Gnade ist, aus dem Gottes Gnade in der Seele offenbar wird. Und sie wird auch in sich selbst zur Verdammnis erwählt aus dem Grund ihres Eigenwesens, das ein falsches (illusorisches) Wesen ist, in dem kein (wahres) Licht geboren werden kann.

8.103. Gottes Vorsatz zur Verstockung ist in ihrem, der Seele, eigenem Wesen als der unergründliche Wille zur Natur. Er offenbart sich in jedem Wesen, je nachdem, wie die Eigenschaft des Wesens ist, so daß wir dann denken, daß er sich mit seiner Einfassung der Grobheit in die finstere Welt oder Hölle gefaßt und geschieden hat. Denn der Wille, der in der Hölle ist, und der Wille, der im Himmel offenbar ist, ist jenseits der Offenbarung im innerlichen Grund nur ein Wille. Denn erst im Aussprechen des Wortes geschieht die Unterscheidung. So sind doch Himmel und Hölle ineinander wie Tag und Nacht. Und die Hölle ist ein Grund des Himmels, denn Gottes Zorn-Feuer ist ein Grund seiner Liebe, nämlich des Lichtes.

8.104. Darum, liebe Brüder, werdet doch sehend! Zankt nicht mehr um den Willen Gottes! Wir selber sind Gottes Wille zum Bösen und Guten. Was in uns offenbar wird, das sind wir, entweder Himmel oder Hölle. Und unsere eigene Hölle in uns verstockt uns, nämlich die entsprechende Eigenschaft. Und unser eigener Himmel in uns macht uns auch selig, wenn er offenbar werden kann. Es ist alles ein Tand (interessantes, aber nutzloses Zeug), worüber man bisher so lange Zeit gezankt hat. Christus ist gefunden worden! Dafür sei ihm ewig Lob und Dank, auch Macht, Ehre und Reichtum samt aller Gewalt im Himmel und auf Erden! (Matth. 28.18)

9. Kapitel – Gegensätze in der Heiligen Schrift

Vom Gegensatz der Sprüche in der Schrift, und vom rechten Verstand der Schrift.

9.1. »Hat nicht ein Töpfer die Macht, (sich) aus einem Klumpen Ton ein Gefäß zu Ehren und das andere zu Unehren zu machen? (Röm. 9.21)« — Antwort: Der Klumpen Ton deutet das Mysterium Magnum an (das große Unbekannte bzw. Ungestaltete), aus dem sich der ewige Gott durch das Wort ausgesprochen hat, so daß aus einem Wesen zwei (unterschiedliche) Wesen hervorgehen, nämlich in der feurigen Unterscheidung geht eines in die Finsternis nach der Grobheit der Prägung und das andere im Licht nach dem Wesen der göttlichen Eigenschaft. Wie nun diese beiden aus einem Grund kommen, so kommen in gleicher Weise die falsche Seele und die heilige Seele beide aus Adams Seele wie aus einem Klumpen des Grundes, weil man doch im Mysterium Magnum nur einen Geist erkennen soll. Aber doch scheidet sich eine Seele ins Licht und die andere in die Finsternis.

9.2. Dieser Töpfer macht aus jeder Unterscheidung ein Gefäß, wozu die abgeschiedene Materie nützlich ist. Er nimmt kein heiliges Wesen und macht selber einen Teufel daraus, sondern wie das Wesen der Seele ist, so ist auch der Wille zum Machen. Gott sitzt nicht über dem Willen und macht ihn wie der Töpfer den Ton, sondern er gebiert ihn (den Willen) aus seiner Eigenschaft. Warum wollte nun der Gottlose sagen: „Warum machst du mich so, daß ich böse bin?“

9.3. Gott wirkt ein Leben aus allen Dingen, aus bösem Wesen ein böses Leben und aus gutem Wesen ein gutes, wie geschrieben steht: »Bei den Heiligen bist du heilig, und bei den Verkehrten bist du verkehrt (Psalm 18.27)« Darum kann niemand Gott beschuldigen, daß er ihm ein böses Leben gewirkt habe. Wäre der Ton besser gewesen, dann hätte er sich ein Gefäß zu Ehren daraus gemacht. Wenn er ihm aber zu Unehren dient, dann macht er sich ein Gefäß seines Zorns daraus.

9.4. Denn Gottes Wort ist Leben, Wesen und Anfang aller Dinge. Weil aber auch der Zorn-Eifer darin ist, so führt auch er sich in ein Leben, denn wer will Ihm das verwehren? Dem Menschen aber ist Christus zum Gehilfen aus dem ewigen Wort gekommen, und er spricht: »So wahr ich lebe, ich will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe. (Hes. 33.11)« Wenn aber das Wesen der Seele so bösartig und untüchtig ist und des göttlichen Wesens unfähig, was vermag hier Christus? Gottes Zorn macht keinen Willen außer in der Kreatur selbst, denn Christus sprach: »Mir ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben. (Matth. 28.18)« So hat Christus nun allein alle Gewalt in allen Dingen. Und so spricht er auch: »Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß er die Welt richte, sondern daß die Welt durch ihn selig werde. (Joh. 3.16)« Wenn er nun alle Gewalt hat, dann ist kein anderer Macher zur Unehre vorhanden als der, der im Wesen der Seele aus ihrem Zentrum entsteht. Und so ist es eben der zornige Gott selbst, der ihm ein Bildnis aus seinem Wesen macht, das seinesgleichen ist. Darum sagt Paulus: »Hat der Töpfer nicht Macht zu machen, was er will?« Dieser Töpfer ist Gott im Sprechen seiner Unterschiedlichkeit, dadurch er seine Herrlichkeit offenbart, wie bereits hinreichend erklärt wurde.

9.5. Denn weil Christus allein alle Gewalt hat, so kann außer ihm kein anderer Wille zum Machen sein. Darum darf der Gottlose nicht sagen: „Gott macht mich böse!“ Sondern der Gott in ihm, in dessen Grund er steht, der macht ihn, wozu er nach seiner Möglichkeit sein kann. Der Grund seines Wesens, dessen er selber ist, ist der Anfang. Sobald das Leben daraus geboren wird, entsteht der Macher im Leben, nämlich der zornige Gott, der ihm allda offenbar wird, und der macht ihn.

9.6. Gleichwie Christus seinen Willen in seine Kinder hineinführt, die in ihm geboren werden, so wirkt auch Gottes Zorn in seinen Kindern, die aus ihm (dem Zorn) geboren werden. Denn in der Seele ist Gott offenbar, entweder in der Liebe oder im Zorn. Die Natur ist die Seele, und das wirkende Leben ist Gott selbst, und das versteht nach dem Wort der Unterscheidung.

9.7. Denn der reine lautere Gott ohne Natur ist kein Macher der (unterschiedlichen) Willen, denn er ist nur Eines. Aber in seinem Wort, wenn es sich in die Unterschiedlichkeit hineinführt, da entstehen die Willen zum Bösen und zum Guten. Aus jeder Unterscheidung der Gegensätze entsteht ein Wille nach der jeweiligen Eigenschaft. In welche Qual (bzw. Qualität) sich der unergründliche Wille in der Unterschiedlichkeit auch hineingeführt hat, ein solcher Wille entsteht.

9.8. Adam aber hat sich in sich selber aus der ganzheitlichen Ausgeglichenheit in die Unterschiedlichkeit geführt. Nun stehen seine Zweige (Nachkommen) in der Unterschiedlichkeit, und von denen kommt ein neumachender Wille (der immer wieder neue Gegensätze macht und durch persönliche Erfahrung ansammelt). Ein jedes Wesen bekommt dann einen Willen nach seinem Wesen, aber der Vorsatz führt das Regiment, nämlich das feurige Wort der Natur und das Liebe-Wort der Gnade. Diese beiden sind die Macher zu Ehre und Unehre des (körperlichen bzw. persönlichen) Gefäßes, und diese beiden sind (und wirken) im Menschen.

Die höchste Pforte von Kain und Abel, oder auch von Ismael und Isaak, oder von Esau und Jacob

9.9. Das Reich der (ewigen) Natur ist der Grund des sprechenden Wortes, denn soll eine Kreatur werden, so muß zuvor Natur sein. So ist nun das Wort Gottes der Grund aller Wesen und der Anfang aller Eigenschaften. Das Wort ist das Sprechen Gottes und bleibt in Gott. Aber das Aussprechen als der Ausgang vom Wort, wenn sich der unergründliche Wille durch das Aussprechen in Unterschiedlichkeit hineinführt, das ist Natur und Eigenschaft, aber auch ein eigener Wille. Denn der unergründliche Wille scheidet sich im Sprechen und faßt sich durch ein Selbst-Eigen-Sprechen (zur „Eigenschaft“) in die Unterschiedlichkeit, nämlich in einen anfänglichen Willen. So sind aus dem Einigen, ewigen und ganzheitlichen Willen die Eigenschaften entstanden, und aus den Eigenschaften entstand die Schöpfung mit allen Geschöpfen.

9.10. Dies ist nun der erste „Vorsatz“ Gottes, in dem sich das Wort der Kraft aus sich heraus „vor sich gesetzt“ hat, nämlich das unergründliche und unfaßbare Wort des Lebens in eine Faßlichkeit (Bewußtheit bzw. Wahrnehmbarkeit), darin es leben kann. Diese Faßlichkeit ist die Natur, und das unfaßbare Leben in der Natur ist Gottes ewigsprechendes Wort, das in Gott bleibt und Gott selbst ist.

9.11. Der zweite Vorsatz des Wortes besteht dann darin, daß die Faßlichkeit, als der eigene gefaßte Wille, den unfaßbaren Einigen Willen Gottes in sich (erkennen und) wohnen lassen soll. Denn dafür hat sich das Einige Leben in die Faßlichkeit gesetzt und will in der Faßlichkeit offenbar werden. Die Faßlichkeit soll das unfaßbare Leben in sich fassen und faßbar machen, wie man dafür ein Beispiel im Feuer und Licht hat. Denn das Feuer ist die Natur als das faßbare Leben, und das faßt das unnatürliche (geistige) Leben in sich, nämlich das Licht (des Bewußtseins). Denn in diesem Licht werden die Kräfte des unnatürlichen Lebens durch das Feuer offenbar (und erkennbar). So wohnt nun auch das Licht im Feuer, und hier wird das unnatürliche (geistige) Leben des Lichtes in eine (natürliche) Kraft hineingeführt, nämlich in die Tinktur von Luft und Wasser.

9.12. So versteht nun auch, daß Gottes heiliges Leben ohne Natur nicht offenbar würde, als nur in einer ewigen Stille, wo ohne das Aussprechen und die Faßlichkeit nichts darin sein könnte. Gottes Heiligkeit und Liebe würde dann nicht offenbar. Soll sie aber offenbar sein oder werden, dann muß etwas sein, das die Liebe und Gnade benötigt und das der Liebe und Gnade nicht gleich ist. Das ist nun der Wille der Natur, der in der Widerwärtigkeit (der natürlichen Gegensätze) in seinem Leben steht. Diesem sind Liebe und Gnade nötig, damit seine Leiden in Freude gewandelt werden können.

9.13. Und in dieser Wandlung wird das heilige unfaßbare Leben im Wort offenbar, nämlich als ein mitwirkendes Leben in der Natur. Denn die Leiderfahrungen verursachen, daß sich der Wille des Ungrundes, der sich im Aussprechen in Eigenheit geschieden hat, wieder mit dem heiligen unergründlichen Leben vereinigt, so daß er besänftigt wird. Und in der Besänftigung wird er im Leben Gottes offenbar. Denn dieses faßt er in sich selbst in seine Begierde, und so wird auch das heilige Leben des Ungrundes in ihm offenbar.

9.14. Und in dieser Offenbarung des heiligen Lebens in der Natur heißt das heilige Leben „Kraft“, und die Faßlichkeit der Natur, die das begreift, heißt „Tinktur“. Denn es ist die Kraft vom Glanz des Feuers und des Lichtes, und wenn dieses nicht wäre, dann könnte kein Feuer scheinen, denn der eigene Wille der Natur ist nicht scheinend, weil die Faßlichkeit eine Einschließung (bzw. Verhüllung) und der Grund der Finsternis ist.

9.15. Also führen wir unseren tiefen Grund auf Adam und ferner auf Kain und Abel. In Adam stand das Reich der Gnade als das göttliche Leben offenbar, denn er stand in der Ausgeglichenheit der Eigenschaften. Er wußte es aber nicht, daß Gott in ihm offenbar wäre, denn er hatte kein Böses erkannt, und so wußte der eigene Wille auch nicht, was die Gutheit ist. Denn wie könnte eine Freude sein, wenn kein Wissen von Leid oder Traurigkeit wäre?

9.16. Denn das ist Freude, wenn die Natur als ein eigener Wille von seinem Leid erlöst wird. Dann freut er sich des Guten, wenn es ihm widerfährt. Wenn er aber dieses Gute in eigener Macht ergreifen könnte, dann wäre es keine Freude, denn der eigene Wille lebte wie er wollte und hätte keine Hoffnung, wenn er alles selber machen könnte. Wenn er es aber selber nicht vermag, dann freut er sich dessen, was ihm aus Gnade widerfährt oder dessen, was er erhofft, das ihm widerfahren soll. Alle (wahrhafte) Freude steht in der Hoffnung der Gnade, die ihm immerdar ohne die Macht seines Könnens und Nehmens widerfährt.

9.17. Und darum steht die Natur so in Leid und Streit, damit das Gnadenreich der Liebe in ihr offenbar werde, und sie zu einem Freudenreich werde, aus dem, das ihr immerdar (in den Gegensätzen) widerfährt, indem Gottes Leben in ihr offenbar wird und sie dadurch eine heilige Tinktur erlangt, welche das Leiden tingiert (verwässert, auflöst und im Ganzen vereint) und in (reine) Freude als in ein Bild des heiligen Lebens wandelt.

9.18. Als Adam in der Gleichheit stand, da wußte er es nicht. Er wußte nicht, was das Böse in der Natur wäre, und so wußte er auch nichts vom Reich der Gnade, denn sie beide standen in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit. Als sich aber der freie Wille in die Unterschiedlichkeit des Wortes der Kräfte hineinführte, da wurde das Leiden im Reich der Natur in ihm offenbar. Hier war es nun nötig, daß sich auch die Kraft der Gnade in ihm bewegte, die das Reich der Natur nicht geben konnte. Denn es ist keine Möglichkeit in ihrem eigenen Willen, denn er ist erfassend, aber das Reich der Gnade ist unfaßbar. Darum konnte ihr die Seele als der erfassende Wille vom unfaßbaren Leben nichts entnehmen. Aber so wäre auch Gott in diesem Bild verborgen geblieben und selbst nicht offenbar geworden.

9.19. Darum sprach sich das unfaßbare heilige Leben in seiner Liebe in das seelisch erfaßbare, auf daß es etwas hätte, das es lieben könnte. Und so formte es sich mit in die Eigenschaften der seelischen Natur zu einem Gehilfen.

9.20. Und das war der Schlangentreter, welcher der Schlange des eingeführten Giftes und dem leidenschaftlichen Willen mit der Liebe-Begierde den Kopf zertreten wollte. Diese Unfaßbarkeit kam dem Reich der Natur zu Hilfe und stellte sich mit in die Gestaltung. Und die Natur, die jetzt nach der Gnade hungrig war, ließ sich mit in ein Bildnis der natürlichen Seele und des Leibes einfassen.

9.21. Und in diesem Bildnis war auch Abel eine Gestaltung im Bild Christi, bis sich in Erfüllung der Zeit diese unfaßbare Liebe noch einmal bewegte (bzw. verwirklichte) und sich in ein Wesen der Wesen in menschlicher Eigenschaft einfaßte, als wäre die Gottheit selbst ein Wesen im menschlichen Wesen geworden. Doch dieses Wesen lag schon zuvor in Adam, aber er wußte es nicht. Und da er sich mit dem eigenen Willen der Natur von diesem Wesen trennte, so wurde die Seele an Gott blind und lebte nur noch in sich selber.

9.22. Wenn wir nun sehen wollen und uns nicht selber blind machen, dann erkennen wir Kain und Abel. Kain muß der Erste sein, denn er ist Adams Bild nach dem (Sünden-) Fall, denn Adam war in das Reich Gottes geschaffen worden.

9.23. Kain ist das Reich der Natur als ein wirkliches Bild, das Adam in sich selber außerhalb der Gnade war. Und Abel ist das Bild, das Adam in der wiedereingesprochenen Gnade war. Das deutet auf Christus hin, der sich in eine menschliche Natur hineingeben und die Gnade in die verdorbene Natur von Kains Bild einsprechen wollte.

9.24. Darum sagte Christus, ihm wäre alle Gewalt von seinem Vater gegeben worden, auf daß er Macht hätte, die Gnade in den Willen der Natur einzusprechen.

9.25. So stellte nun Gott in den figürlichen Gleichnissen von Kain und Abel, auch von Ismael und Isaak oder Esau und Jakob dar, wie er Christus in das Fleisch senden wollte, den er hier wie in Adam und Eva in der Stimme seines Wortes in die Kraft als einen Quell zum Leben eingesprochen hatte.

9.26. Diese Kraft wollte er mit menschlichem Wesen erfüllen, welches in Christo geschah, dem als Mensch in dieser Kraft und Stimme die Macht gegeben wurde, die Sünde durch seine eigene Stimme zu tilgen und in sich die Natur wieder zu einem göttlichen Leben lebendig zu machen.

9.27. Damit dies aber geschehen konnte, mußte die Gnade in der Kraft der Liebe in die Widerwärtigkeit (bzw. Gegensätzlichkeit) der leidvollen Natur eingehen und sich in ihren Eigenwillen hineinbegeben, so daß sie die Natur erfaßt. Und in diesem Erfassen durch die hohe Liebe wurde die Natur in den göttlichen Liebe-Willen transmutiert (verwandelt) und erstarb des eigenen gefaßten Willens (der Ichheit), nicht als ein Sterben des Todes, sondern als ein Verlieren des Eigenwillens, welches in Christus in unserer Menschheit geschah.

9.28. Wenn nun der Eigenwille sein Recht verliert, dann wird das eingesprochene Wort wesentlich, was nicht eher sein kann, bis der Eigenwille der Erfahrung des Ungrundes sein Recht abgibt. Sonst zieht er das göttliche Wesen in die Eigenheit (der Ichheit) und wandelt es in seine Bosheit, wie Luzifer und sein Anhang taten, welche Engel waren und das göttliche Wesen in sich hatten, darin ihr Licht ein Schein war. Aber der eigene Wille aus der Erfahrung des Ungrundes verdarb dies.

9.29. Wer will uns nun mit Grund sagen, daß in Kain nicht die göttliche Stimme der Gnade gegeben war, die sich in des Weibes Samen einsprach? Welche Schrift sagt das? — Antwort: Wohl keine. Denn als Gott das Opfer von Kain ungnädig ansah, da ergrimmte Kain innerlich über (seinen Bruder) Abel als ein Bild (bzw. Vorbild) von Christus, das sich von ihm aus Adams Wesen geschieden hatte. Darin sprach ja die einverleibte Gnadenstimme in Kain: »Herrsche über die Sünde und überlaß ihr nicht die Gewalt!« Denn dies kann Gottes Vorsatz im Zorn nicht sagen, der in ihm war, sondern nur die einverleibte Gnadenstimme.

9.30. Wie kam es aber, daß Kain über die Sünde nicht herrschte? Konnte er denn nicht? — Antwort: Nein, er konnte nicht. — Warum konnte er nicht? Hatte ihn Gott verstockt, so daß er nicht konnte? — Antwort: Gott hatte ihn nicht verstockt, sondern der Eigenwille aus der Erfahrung des Ungrundes hatte sich in Adam mit der Einbildung in tierische Eitelkeit hineingeführt, nämlich durch die Ich-Bildung in Böses und Gutes, in die der Teufel das giftige Wesen der Schlange eingeflößt hatte, das dann Eva einnahm.

9.31. Das war die Verstockung im eigenen Willen. Denn der Vorsatz Gottes nach der grimmigen Natur hatte sich darin in Kain gefaßt und ihn so taub gemacht, daß er die einverleibte Gnadenstimme nicht hören konnte. Auch wenn er sie von außen hörte, so hörte er sie doch nicht im Wesen der Seele, sonst hätte sich die Gnade bewegt, so daß die Seele über das Gift der Schlange geherrscht hätte. Aber er meinte, er wollte und sollte von außen über die Sünde herrschen, und darum erhob er sich über Abel.

9.32. Gleichwie der jetzige Verstand meint, die (göttliche) Kindschaft von außen in einer angenommenen Weise zu erlangen, nämlich mit äußerlichen Werken durch eine Gnadendecke aus Christi Leiden und Tod, wie eine äußerliche Genugtuung für die Sünde, derer man sich nun äußerlich trösten und annehmen dürfte, auch wenn der eigene Wille im Gift der Schlange zur Herberge bleibt. Doch dieses gilt soviel wie bei Kain, wenn nicht der innerliche Grund angeregt wird, so daß die Gnade in der Seele beweglich (wirksam bzw. lebendig) werde, nämlich die einverleibte Stimme Gottes im Samen des Weibes, die Christus in uns ist, so daß die Seele in ihrem Inneren die Stimme Gottes beweglich (wirksam bzw. lebendig) hört.

9.33. Da fragt nun der Verstand: Wenn die Gnadenstimme in Kain unter der Sündendecke lag, warum wurde sie dann nicht durch Gottes Einsprechen bewegt, als er sprach: »Herrsche über die Sünde und überlaß ihr nicht die Gewalt!« Denn wenn Er den innerlichen Grund der Seele mit der einverleibten Gnadenstimme bewegt hätte, dann hätte er Ihn innerlich in der Seele gehört, welche ein Herr des Leibes ist. Und dann hätte sich der äußerliche Grund nicht (egoistisch über Abel) erheben können.

9.34. Antwort: Die Stimme, die zu Kain sprach »Herrsche über die Sünde und überlaß ihr nicht die Gewalt!«, war Gottes Gerechtigkeit in seinem Vorsatz, nämlich im sprechenden Wort, darin die göttliche Stimme will, daß sich der Eigenwille der Erfahrung des unergründlichen ewigen Willens in eine göttliche Geburt zum Guten hineinführen soll. Dieses Wort fordert Gottes Gerechtigkeit, so daß er nicht das Böse will, und es ist der wahre Grund des Gesetzes im Alten Testament. Aber er (Kain) erreicht die Gnade nicht, denn er fordert das eigene Vermögen und ergibt sich auch nicht der Gnade. Gott selbst bedarf keiner Gnade. Die Gnade muß sich in ihn hinein ergeben, nämlich in Gottes Gerechtigkeit. Wie sich dann auch die Gnade, welche in Christo offenbart wurde, als in der einverleibten Gnadenstimme, in Gottes Gerechtigkeit hinein ergeben mußte. Diese Gerechtigkeit entspricht dem ewigen Einigen Vorsatz zur Offenbarung der Herrlichkeit Gottes in seinem sprechenden Wort, nämlich in der Erkenntnis des Vaters. Und sie mußte den Willen des Menschen, der vom Vorsatz der Gerechtigkeit abgewichen war, in das Zornfeuer Gottes und in seine Gerechtigkeit hineinführen, nämlich in der (körperlichen) Entstehung der Seele, und mußte den Willen der Seele, der aus der Gerechtigkeit abgewichen war, in seinem (Christis) Blut aus dem göttlichen heiligen Wesen der Liebe ersäufen, auf daß die Seele in der Gnade mit diesem Liebes-Blut im Vorsatz der Gerechtigkeit offenbar würde.

9.35. Und darum mußte Christus in der Gerechtigkeit Gottes in unserer Menschheit in uns leiden und sterben, auf daß die Gnade in der Gerechtigkeit offenbar würde. Denn in Kain war sie nicht in der Gerechtigkeit Gottes offenbar, denn sie hatte noch keine Seele in sich genommen, bis die Gnade in Christus die Seele annahm.

9.36. So lag nun die Gerechtigkeit Gottes in der Seele, denn sie war Gottes Bild. Und so forderte Gott seine Gerechtigkeit von der Seele, daß sie über das Böse herrschen sollte, gleichwie Gott über den abtrünnigen Willen der Teufel herrschte und sie von der guten Ordnung der Gerechtigkeit ausstieß, als sie abtrünnig wurden. Und so sollte hier auch Kain den Sündenquell der Qual aus sich ausstoßen. Aber es war ihm nicht möglich, denn die Sünde hatte seinen freien Willen besessen, das menschliche Können war verloren und lag nun im anderen (zweiten) Vorsatz der eingesprochenen Gerechtigkeit durch die Gnade, daß ihr die Seele ihren Willen übergebe und dem eigenen (ichhaften) Einsprechen stillstünde. Denn im Sprechen der Gerechtigkeit Gottes waren nun in der Seele nur noch Not und Widerwillen. Denn die Gerechtigkeit forderte die Ausgeglichenheit, nämlich Gott als sein Werkzeug stillzustehen, damit er darin seine Stimme offenbaren kann. Aber das Werkzeug war zerbrochen und aus der göttlichen Harmonie herausgegangen. Darum lag es jetzt nicht mehr an Kains Wollen, Laufen oder Rennen, sondern an der Gnade als am Erbarmen.

9.37. So spricht nun St. Paulus: »Er erbarmt sich, wem er will, und verstockt, wen er will. (Röm. 9.18)« Darin liegt nun der ganze Grund der Irrung im Verstand. Er versteht nicht, wie das Gnaden-Wollen geschieht, denn was die Gnade will, das ist auch ein Wollen mit der Gnade.

9.38. Denn die Gnade hat kein Wollen im Teufel oder in der Hölle, sondern in dem, was aus Gott geboren ist. Das Gnaden-Wollen ist nicht im Willen des Fleisches und Blutes noch im Willen des eigenen Samens eines Mannes (Joh. 1.13), sondern im göttlichen Wesen. Nicht in Kains eingeführten Schlangen-Samen wollte die Gnade sich einsprechen, sondern viel mehr demselben den Kopf zertreten. Denn sie war ja auch aus Adams Seele entsprossen, wie auch aus dem Schlangen-Samen in der Seele von Kain, aber das Gift der Schlange hatte die Seele in sich so verstockt und eingenommen, daß die Seele in sich verwegen (überheblich) wurde und sich (zwangsweise) unter den Zorn der Gerechtigkeit stellte, damit dieser sie annahm und zum Werkzeug gebrauchte, weil die Gerechtigkeit in der Gnade den (verdorbenen) Menschen in Christus tötete, wie in seinem Vorbild in Abel.

9.39. Denn durch menschliche Werke war die Sünde in die Seele gekommen. Also mußte sie auch durch menschliche Werke in der Gnade in Gottes Gerechtigkeit getötet werden, wie es dann in der Menschheit Christi durch das Menschen-Töten durch die Pharisäer geschah, die das Gesetz Gottes der Gerechtigkeit führten und hatten.

9.40. Darum mußte Abel als Christi Vorbild und auch Christus selbst durch die Menschenwerke des eigenen adamischen Willens in Gottes Gerechtigkeit sterben. Und darum mußten auch diejenigen, die von Gottes Gerechtigkeit im Grimm seines Vorsatzes ergriffen wurden, ein Werkzeug dazu sein, damit die Gnade Gottes in der Gerechtigkeit des Vorsatzes im Zorn offenbar würde. Es steht zwar geschrieben: »Wehe dem Menschen der Ärgernisse halben! (Matth. 18.7)« Jedoch müssen Ärgernisse sein, damit Gerechtigkeit und Wahrheit inmitten der Unwahrheit offenbar werde.

9.41. Denn die Gnade wäre sonst nicht offenbar, wenn nicht das Falsche (Illusorische) ein Gegensatz der Wahrheit wäre. Gleichwie der freie Wille in der Gnade nicht offenbar werden könnte, wenn die Gerechtigkeit denselben nicht zuvor abgetötet hätte, welchen dann die Gnade, nachdem er den selbsterwählten (egoistischen) Willen verlor, in sich wieder lebendig macht, auf daß er nicht mehr sich selber wolle und lebe, sondern der Gnade lebe und wolle, die in Christo offenbar wurde.

9.42. Darum sind wir im Gnaden-Leben in Christo alle nur Einer, denn wir haben das natürliche (gegensätzliche) Leben der Gerechtigkeit Gottes in seinem ewigen Vorsatz verloren und bekommen die Kindschaft in der Gnade.

9.43. Darum sagt die Schrift: »Gott will, daß allen Menschen geholfen werde (und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen). (1.Tim. 2.4)« Nämlich die Gnade will solches, denn sie kann nichts anderes wollen als Erbarmen, denn sie ist sonst nichts in ihrem eigenen Wesen.

9.44. Aber die natürliche Gerechtigkeit im Vorsatz Gottes fordert die Seele in den Gehorsam göttlicher Ordnung ohne Gnade, denn sie wurde nicht in die Gnade geschaffen, sondern in die Ordnung. Worin sie nun dieselbe nicht findet, dort ergreift sie diese in ihre Eigenschaft der Unterschiedlichkeit des Wortes, derer die Seele ein Wesen wird. Also wird sie ein falsches (illusorisches) Wesen und nimmt die entsprechende Gleichheit an, wie es auch in Kain zu verstehen ist, in dem sich der abgewichene Wille von Adam in eine kreatürliche Eigenheit hineingeführt hatte. Und die Hineinführung dieses Seelen-Wesens in das Schlangengift wird zu einer Distel, die der Gnade nicht mehr fähig ist. Denn obwohl die eingesprochene Gnadenstimme im inneren Grund darin liegt, so wächst doch dieses Wesen in eine Distel und kreuzigt Christus in sich und wird an seinem Tod schuldig.

9.45. Gleichwie sich das Wesen der Sonne in der Distel stechen lassen muß, so daß sich ihr der gute Wille der Sonne entzieht, nämlich das heilige Leben, das sie sonst in einem guten Kraut offenbart, aber sie läßt die Distel aus ihrem Wesen machen, was sie will. In gleicher Weise geht es auch dem gottlosen Distel-Wesen der Menschen, wie die Schrift sagt »Er läßt ihr Licht mitten in der Finsternis verlöschen (Spr. 20.20)«, nämlich das heilige Leben in der einverleibten Gnadenstimme.

9.46. Fragst du: Warum das? Denn wenn Er das heilige Leben in ihnen offenbarte, dann würde die Seele heilig. — Antwort: Nein, ein Beispiel haben wir am Teufel, in dem das heilige Leben offenbar war. Aber das Wesen seines Willens war eine Distel. Also gebraucht auch ein Distel-Kind die Gnade nur zum überheblichen Stolz wie Luzifer. Denn Gott erkennt an der Erfahrung des Ungrundes, wie sie sich in Grund geformt oder offenbart hat, ob sie eine Wurzel aus der Finsternis als aus dem finsteren Feuer-Leben sei oder eine Wurzel aus dem lichtvollen Feuer-Leben.

9.47. Da sagst du: So ist Kain eine Wurzel aus dem finsteren Feuer, darum kann er die Gnade nicht erreichen. — Antwort: Nein, denn er kam aus Adams Seele. Aber das finstere Feuer aus dem Zorn oder die Eigenschaft der finsteren Welt hatte sich in die wahre Seele hineingedrängt, nicht von außen, sondern aus dem Inneren hatte es sich emporgeschwungen. Und dies geschah bereits im (Sünden-) Fall von Adam, aus welcher Wurzel Kain herkam. Darum mußte er ein Knecht der Gerechtigkeit Gottes sein, damit die Gerechtigkeit den freien Willen von Abel in der Gerechtigkeit tötete.

9.48. Denn in Adams Samen schieden sich die Eigenschaften, nämlich der wahre seelische (Samen), das heißt, der wahre seelische Wille, der im Anfang des göttlichen Bildes im Vorsatz Gottes in der Einigen Seele offenbar war, welcher ein freier Wille war, aber vergiftet wurde, so daß er an Gott erblindete. Dieser Wille schied sich (bzgl. Abel) in den Tod seiner Ichheit, denn Gott sagte: »Du wirst sterben, wenn du von Gut und Böse ißt.« So trat er ins Sterben, und in das Sterben sprach Gott seine Stimme ein, auf daß der erste (ursprünglich ganzheitliche) Wille in der Gnade wieder lebendig würde, und aus diesem kam Abel.

9.49. Der andere, in der Sünde neugeborene Wille, der im Anfang nicht gewesen war, sondern erst im (Sünden-) Fall entstand, der schied sich in das Naturleben, und der war Kain. Darum war dieser Wille ein Distel-Kind, das Gott nicht geschaffen hatte, sondern es war aus dem Zentrum der Seele herausgegangen.

9.50. Nachdem die Einige Seele aus der ganzheitlichen Ausgeglichenheit ausging, so daß sich der finstere Grund in Kain offenbarte, kam die Finsternis in ein Wollen der Seele, das im Anfang nicht war. Nach dem Wesen der Seele kamen sie beide, Abel und Kain, aus einem Wesen, aber nach dem Willen unterschieden sie sich. Nicht daß Abel rein und ohne Sünde geboren war, denn die Sünde hing ihm durch den Willen des Todes an, obwohl es doch kein wahrer Tod war, sondern die Stimme der Gerechtigkeit in der Gnade tötete ihn, auf daß sie ihn in sich lebendig mache. Aber im Fleisch war der Wille der Sünde offenbar. Darum tötete ihn die Gerechtigkeit Gottes durch Kain, denn er war nach dem Fleisch auch dem Gesetz der Sünde untertan. Aber den (eigenen) Willen der Seele hatte die Gnadenstimme in ihm getötet und in sich lebendig gemacht. Darum war er auch ein Vorbild Christi und im Bild Christi stehend.

9.51. Darum ist das der wahre Grund von Kains Verstockung, und nicht Gott hat ihn aus seinem göttlichen Willen verstockt, denn Gott macht das nicht, weil er reine Gutheit ist. Nur der neuentstandene Wille aus dem Zentrum (bzw. der Egozentrik) der Seele verstockte sich in eigener Begierde. Denn als die Begierde im Grimm der Natur in Seinesgleichen einging, da fand er im Vorsatz der Natur Seinesgleichen, nämlich in der Unterscheidung von Finsternis und Licht. Diese (Trennung) nahm ihn ein und besaß ihn, das heißt, den neuentstandenen falschen Willen, der ein Mörder und Knecht von Gottes Zorn war. Aber die wahre geschaffene und gebildete Seele aus Adams Wesen, darin die einverleibte Stimme Gottes lag, die war noch nicht gerichtet oder zur Verdammnis bestimmt, wie der Verstand so irrt. Denn dieses Gericht steht keinem Menschen zu, sondern der Gerechtigkeit Gottes.

9.52. Und es ist gar nicht so, wie etliche meinen, daß Kain aus dem Willen des Teufels und dem Samen der Schlange geboren worden sei, sondern aus Adams Seele und Leib. Aber Adams angenommener natürlicher Wille regierte ihn. Er war ein Bildnis des gefallenen und nicht wiedergeborenen Adams, in dem die Verheißung und die eingesprochene göttliche Stimme ohne ein wirkliches Leben lag, also ohne eine reale Möglichkeit zur neuen Geburt. Denn diese Möglichkeit stand nicht in Kains Gewalt mit seinem falschen (illusorischen) Willen, sondern lag im Grund der Seele und wartete auf Christis Stimme, der sich in dieser Möglichkeit im teuren Namen „Jesus“ erweckte und die armen Sünder in Gnade annahm und mit seiner Stimme in die verschlossenen Sünder hineinrief und den stillstehenden Grund der ersten Einsprechung erweckte, wie solches dem Übeltäter am Kreuz und vielen mehr geschehen ist.

9.53. Denn wenn das wahr wäre, daß Gott in seinem vorbestimmten Willen Kain verstockt hätte, dann könnte kein Gericht durch die Gerechtigkeit Gottes über Kain ergehen. Auch hätte kein Fluch in ihn eingehen können, denn was Gottes Vorsatz gemacht hat, das verflucht Gottes Gerechtigkeit nicht, wie aber Kain geschah.

9.54. Denn die Gerechtigkeit ist die Ordnung des anfänglich ausgesprochenen Wortes, so daß alle Dinge in der Ordnung bestehenbleiben, wie sie das Sprechen in ein Leben hineingeführt hat. Und es fällt nichts ins Gericht, was in seiner Ordnung stehenbleibt, in der es geschaffen wurde.

9.55. Wenn nun ein Wille aus Gottes Vorsatz, das heißt, aus göttlichem Vorsatz, Adam und Kain verstockt hätte, dann hätte die Gerechtigkeit keinen Einspruch (und nichts zu verurteilen), denn dieser Wille der Verstockung würde in göttlicher Ordnung stehen.

9.56. Deshalb ist der Wille zur Verstockung in Adam und Kain im Abfall (von Gott bzw. der Ganzheit) entstanden, in der Ungleichheit der zerteilten Eigenschaften, weil sich diese Eigenschaften im Wesen faßten und das (überbildliche) Bild Gottes im Licht verdunkelten und töteten.

9.57. Gottes Vorsatz ist das Zentrum des menschlichen Grundes, welches das ausgesprochene und wiedersprechende Wort Gottes ist. Und so ist dieser gefaßte menschliche Wille in Wahrheit auch in diesem Vorsatz Gottes verstockt worden, wie die Schrift sagt. Aber niemand will den Grund (wahrhaft) verstehen, sondern man sagt nur, Gottes Vorsatz tut es, und niemand will des Vorsatzes Grund erforschen (und erkennen), daß er im Menschen selbst liege und nicht in Gott.

9.58. Wenn Gott einen Vorsatz zum Teufel gehabt hätte, dann wäre dieser Vorsatz ein Wille des Teufels (und der Wille des Teufels wäre göttlicher Wille). Aber erst in der Unterscheidung des Sprechens ist der Vorsatz zur Bosheit in ein Prinzip getreten, und ist in sich selber in der gefaßten Unterscheidung aus dem Mysterium Magnum offenbar geworden, nach der sich Gott einen zornigen Gott nennt. Und es ist doch nicht Gott, sondern das Zentrum der Natur als die Ursache göttlicher Offenbarung zum Freudenreich. Denn in Gott ist kein Zorn offenbar, sondern nur eine brennende Liebe.

9.59. Wenn in Gott ein Wille zur Verstockung wäre, dann wären alle diese Sprüche nicht wahr, die da sagen: »Du bist nicht ein Gott, dem gottloses Wesen gefällt. (Psalm 5.5)« Oder auch: »So wahr ich lebe, ich will nicht den Tod des Sünders. (Hes. 18.23 und Hes. 33.11)« Oder auch die zehn Gebote, die das Bösartige verbieten.

9.60. Wenn Gott gewollt hätte, daß Kain den Abel töte, dann wäre das fünfte Gebot nicht wahr („Du sollst nicht töten!“). Auch setzte Gott für Kain (nicht umsonst) eine schwere Strafe fest: »Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll wieder vergossen werden durch Menschen. (1.Mose 9.6)« Wenn er es aber haben will, dann müßte niemand seine Gebote einhalten. Wo bliebe dann seine Gerechtigkeit und das Gericht in der Wahrheit? Denn die Schrift sagt: »Israel, dein Unheil kommt aus dir selber. (Hos. 13.9)«

9.61. So sollten wir nun niemanden verdammen als nur die Laster und Sünden, die am Gottlosen offenbar erscheinen. Denn diese kommen durch den in Adam und Kain entstandenen eigenen Willen aus dem Zentrum der finsteren Welt. Und diesen Eigenwillen hat Gott im Menschen ursprünglich nicht offenbart oder geboren, sondern der Teufel ist schuld daran.

9.62. Diesen falschen (illusorischen) Willen in seinem Wesen und Tun sollten wir verdammen und nicht die arme Seele, die in diesem schweren Gefängnis der eingesprochenen Gnadenstimme verborgen liegt. Diese Gnadenstimme der ersten Verkörperung im Paradies nach dem (Sünden-) Fall kann wohl durch Christi Stimme in seinen Kindern erweckt werden, in denen der Geist Christi wohnt, wie im Übeltäter am Kreuz, im Zöllner, auch in Maria Magdalena und vielen hunderttausend armen gefangenen Seelen geschehen ist. Denn die Schrift sagt: »Es ist ein teures und wertvolles Wort, daß Jesus Christus in die Welt gekommen ist, um alle armen Sünder selig zu machen. (1.Tim. 1.15)« Oder auch: »Er steht vor der Tür und klopft an, nämlich an der Tür der armen gefangenen Seele. (Offb. 3.20)« Und: »Kommt zu mir, alle Mühseligen und Beladenen, ich will euch erquicken. (Matth. 11.28)«

9.63. Er steht in dem innerlichen, in Adam eingesprochenen Grund der Gnade im Zentrum der Seele und ruft sie, solange die Seele den Leib auf Erden trägt, ob sich die arme Seele zu ihm wenden wolle. Und wenn es geschieht, daß sie sich zu ihm wendet, dann spricht er: »Klopfe an, dann wird dir aufgetan!« Klopfe an die einverleibte erste Gnadenstimme, dann wird sie sich bewegen (und lebendig werden). Oder auch: »Bittet, dann werdet ihr empfangen.« Oder: »Mein Vater will den Heiligen Geist denen geben, die ihn darum bitten. (Luk. 11.9-13)«

9.64. So liegt es nun nicht am Selber-Können und -Nehmen, sondern am Bitten und Anklopfen, denn die Gnadenverheißung hat sich in Jesus Christus in das Bitten eingesprochen, so daß sie sich dem Bitten hingeben will. Denn es steht geschrieben: »Christus ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Matth. 18.11)«

9.65. Frage: Wer sind nun die Verlorenen? — Antwort: Kain, Ismael, Esau und alle in der Sünde gefangenen und verstockten Menschen. Diese ist Christus gekommen, zu suchen und selig zu machen, und er will, daß sie nicht verloren werden. Aber den ich-geborenen falschen Mörder in Kain will er nicht, auch nicht den Spötter in Ismael oder den Jäger in Esau, die will er nicht, sondern den wahren Grund der erstgeborenen Seele, in dem die Gnadenstimme liegt.

9.66. Weil er den Spötter Ismael nicht will, so stieß er ihn mit seiner Mutter aus dem Haus, das heißt, den Spötter in Ismael als den selbstgefaßten und in Adam entstandenen bösartigen Willen, samt der Hagar (die Mutter Ismaels) als die gegensätzliche Natur, das heißt, die zertrennte Eigenschaft der Natur.

9.67. Zuerst floh Hagar vor Sara und wollte sich nicht züchtigen lassen, denn Hagar wollte mit dem Spötter (ihrem Sohn Ismael) in Abrahams Gütern herrschen. »Als sie dann aber in die Wüste kam, sprach der Engel Gottes zu ihr: „Wo kommst du her, Magd der Sara?“ Und sie sprach: „Ich bin von meiner Herrin Sara geflohen.“ Und er hieß sie wieder umkehren und sich vor der Herrin demütigen, und sprach weiter zu ihr: „Ich will deinen Samen so vermehren, daß er vor großer Menge nicht mehr gezählt werden kann. Du bist schwanger und wirst einen Sohn gebären, den sollst du Ismael („Gott hört“) nennen, weil der Herr dein Elend erhört hat. Er wird ein wilder Mensch sein, seine Hand gegen jedermann und jedermanns Hand gegen ihn, und er wird gegen alle seine Brüder wohnen.“ (1.Mose 16.8)«

9.68. Dieses Gleichnis verdeutlicht uns den wahren Grund, wie Adam mit dem Reich der Natur (Hagar) von Gott in die Wüste der tierischen Eigenschaften hinausgelaufen war, nämlich von der Freien (Sara), welche die Ausgeglichenheit ist (bzw. symbolisiert), und in der eigenen Begierde als im eigenen entstandenen Willen mit dem Spötter schwanger geworden war. Das Reich der Natur hatte sich dadurch in den Eigenschaften getrennt, so daß je eine gegen die andere ging, wie hier von Ismael gesagt wird: »seine Hand gegen jedermann, und jedermanns Hand gegen ihn.« Aber die Eigenschaften der Natur waren darum nicht von Gott abgetrennt, wie hier auch bei Hagar zu sehen ist, denn der Engel sprach zu ihr: »Er wollte ihren Samen so vermehren, daß er vor großer Menge nicht mehr gezählt werden kann. Aber sie sollte wieder zur Freien umkehren und sich unter ihre Hand demütigen.« Das deutet die Buße und Umkehrung des armen Sünders an, wenn ihm Christus mit seiner Stimme innerlich in seiner Wüste der Welt begegnet und ihn tröstet, und ihm ins Gemüt spricht: »Ich habe dein Elend erhört, du arme gefangene Seele, in dieser Wüstenei. Kehre wieder um, du bist ja mit dem Spötter schwanger aus dem Reich der Natur deiner Konstellation, und wirst ihn gebären. Aber ich will dich segnen, und du sollst aus dem Reich der Natur zwölf Fürsten gebären, die in meinem Segen kommen sollen und deren Nachkommen vor großer Menge nicht gezählt werden können.« Und so kommt der arme Sünder, wenn er nur in diesem Ruf des Engels wieder umkehrt, in diese zwölffache apostolische Gnade. Doch er muß mit dem Willen der Seele wieder zur Freien gehen. Der Spötter aber wird in seiner Konstellation mit einem eigenen Willen geboren, ein Wille, der Gottes Reich nicht erben soll.

9.69. Denn Abraham mußte den Spötter (den Sohn der Magd Hagar) aus der Erbschaft der Güter hinausstoßen, aber nicht ohne Geschenk. Denn dies wollte die Freie als die Ausgeglichenheit im Reich Christi so haben, daß der spöttische eigene Wille verstoßen würde. Diese Freie wird von Sara angedeutet, die Gott dem Abraham als Christis Wesen bestimmte. Das Geschenk aber, das Abraham der Hagar und Ismael mitgab, das deutet nun auf das wahre Geschenk im Paradies hin.

9.70. Als Adam ausgestoßen wurde, gab ihm Gott zuvor das Geschenk als das eingesprochene Gnadenwort, und in diesem Geschenk stand der Segen. Aber das Reich der Natur mußte die zwölf Fürsten geben. Das deutet an, daß die Seele aus der ewigen Natur gekommen sei, und diese Ordnung bleiben müsse, denn es könne keine neue Kreatur im Menschen hervorkommen. Auch wenn sie gleichsam in den zerteilten Lebensgestaltungen einen Spötter abgeben (bzw. hervorbringen), so sei doch der innerliche Grund das Wort Gottes.

9.71. Darum soll die Natur nicht vergehen, sondern nur der falsche (illusorische) selbst-entstandene Wille aus der Ungleichheit soll ausgestoßen werden und sterben. Dazu haben wir hier das symbolische Gleichnis. Denn als Hagar mit Ismael weggelaufen war und sie doch noch mit Ismael schwanger war, so daß sie der Engel tröstete, da nannte sie den Namen des Herrn, der mit ihr redete: „Du Gott siehst mich!“ Das heißt, du siehst meinen innerlichen Grund der Seele, darin das Geschenk an Adam liegt. Denn sie sprach: »Hier habe ich gewiß den gesehen, der mich danach angesehen hat.« Das heißt, die arme Seele sprach: »Ich war von der Freien, nämlich der ganzheitlichen Ausgeglichenheit von Gottes Reich, weggelaufen und an Gott blind worden. Nun habe ich aber den gesehen, der mich in meiner Verblendung mit seinem Einsehen der Gnade angesehen hat.« Das heißt, danach sah er mich, als ich schon blind im Sehen Gottes war, also danach, als das Reich der Natur mit dem neuen (eigensinnigen) Willen schon ein Spötter geworden war. Darum nannte sie diesen Brunnen, der zwischen Kades und Bared liegt (und wo der Engel zu ihr gesprochen hatte), „einen Brunnen des Lebendigen, der mich angesehen hat“.

9.72. Dieser Brunnen ist Christus im eingesprochenen Gnadenwort. In diesem Gnadenwort des Schlangen-Zertreters liegt der Brunnquell der süßen Liebe Gottes im Namen „Jesu“ aus Jehova. Er ist der Brunnen des Lebendigen, der die arme Seele nach dem Fall ansah und der auch Hagar und Ismael in ihrem Mutterleib ansah. Denn der Spötter aus den zerteilten Eigenschaften der Natur, nämlich dieser spöttische Wille, war ihr angedeutet, daß er aus dem Reich der Natur entstehen würde, und die arme Seele in ihrem Gefängnis und ihrer Blindheit müsse ihn ertragen. Aber Gott habe ihr und des Knaben Elend aus dem Brunnen des Lebendigen gesehen, nämlich im Zentrum der Seele in ihrem innerlichen Grund. Denn der äußerliche Grund werde zwar ein Spötter sein, aber Gott wollte ihm aus dem innerlichen Grund, wo sich die Gnade einverleibt hatte, zwölf Fürsten hervorbringen, deren Nachkommen unzählig sein würden. Doch äußerlich würde die Natur in zwölf Fürsten der verdorbenen Natur im Regiment stehen, so daß dann auch zwölf Fürsten äußerlich aus ihm entstanden. Also deutet der Geist Gottes in Mose auf den inneren Grund, und das sehen wir klar vor Augen.

9.73. Denn als Ismael geboren wurde, war der äußerliche Grund nach dem verdorbenen Reich der Natur ein Spötter, und diesen hieß Gott ausstoßen. Als er aber ausgestoßen wurde und auch Hagar den Knaben verlassen hatte, weil sie nicht zusehen wollte, wie er in der Wüste stürbe, da lag der Knabe Ismael und weinte. »Da erhörte Gott die Stimme des Knaben, und der Engel Gottes rief vom Himmel der Hagar zu und sprach: „Was ist, Hagar? Fürchte dich nicht, stehe auf, nimm den Knaben und führe ihn bei der Hand, denn ich will ihn zum großen Volk machen. Und Gott tat ihr die Augen auf, daß sie einen Wasserbrunnen sah. Da ging sie hin und füllte die Flasche mit Wasser und tränkte den Knaben. Und Gott war mit dem Knaben. (1.Mose 21.17)« Und sie wohnten in der Wüste Bersaba bei dem Brunnen des Lebendigen und Sehenden.

9.74. Dieses Gleichnis ist also sonnenklar und offenbar gegen die irrigen Meinungen, die da Ismael richten und verdammen, daß es nicht klarer sein könnte, wenn sie nur ihre irrige Meinung erkennen könnten. Denn der Spötter Ismael im äußeren Reich der Natur war bösartig und aus der Kindschaft verstoßen. Aber als er lag und weinte, was die Buße andeutet, da öffnete Gott der Hagar, als dem Reich der inneren Natur nach der Seele, die Augen im einverleibten Gnadenbrunnen, so daß sie den Brunnquell Christi sah und den Knaben als die arme Seele aus dem Brunnen zu Bersaba tränkte, nämlich in den zerteilten Lebenseigenschaften.

9.75. Dieses Tränken deutet die Taufe samt der Beschneidung an, weil auch Christus aus seinem Brunnen die zerteilten Lebensgestalten in ihrem Durst tränken wollte. Aber Ismael, der Spötter nach der äußeren Natur, sollte zuvor durch die Beschneidung abgeschnitten werden, welches durch Buße und Abwerfen des spöttischen Willens geschieht. Dann tauft Christus aus dem Brunnen des Lebendigen und Sehenden mit dem Heiligen Geist, und dann wohnt die Seele bei diesem Brunnen, und Gott ist mit ihr wie mit Ismael.

9.76. Denn nicht der spöttische Wille ist der Same, den Gott segnete, sondern der innere Grund im Gnadengeschenk. Denn Gott sprach zu Abraham: »In Isaak soll dir der Same gesegnet sein!« Und in Christo soll (dann auch) Ismael den Segen haben. Denn nicht der verdorbene Naturwille soll der Erbe in Gottes Reich sein, sondern er soll allezeit verstoßen werden. Doch die Natur in ihrem Grund und Ursprung, die Gottes Wort als das ausgesprochene Wort in seiner Unterschiedlichkeit ist, darin der Brunnquell des Lebens aus Jehova entspringt, nämlich der Quell der Liebe im Namen „Jesu“, der (bzw. diese Natur) soll es erben.

9.77. Diese innerliche Natur wird auch in Japhet angedeutet (in 1.Mose 9.27), dem der Geist Noahs sagte, er sollte in Sems Hütte wohnen wie auch Isaak, das heißt, in Christi Brunnen. Die Hütte Sems deutet die neue Geburt aus Christus an, in die Japhet und Ismael kommen sollten. Denn der Text sagt: »Und Gott war mit dem Knaben Ismael«, nicht aber mit dem Spötter, sondern im innerlichen Grund, der in Christo offenbar werden sollte. Wenn nun Gott mit ihm gewesen war und er mit seiner Mutter bei dem Brunnen des Lebendigen gewohnt hat, nämlich bei Christo in seinem Gnadengeschenk, wer will ihn dann verdammen, wie die irrige Welt es tut? Zu Recht wird der äußerliche Ismael als der Wille der Spötterei verdammt, aber nicht Abrahams angeerbte wahrhafte Natur aus dem Segen, sondern Abrahams irdischer Wille aus dem Samen der Schlange.

9.78. Denn Ismael ist ein Bild des Reichs der Natur nach dem armen verdorbenen Adam, der in uns sterben und verwesen und dann nach dem erstgeschaffenen Bild in Christo wieder auferstehen und den Spötter Ismael in der Erde lassen muß. Und Isaak ist ein Bild des neuen Menschen in der Menschheit Christi, in dem Adams Natur und Christus ineinander vereint sind und in Christo der falsche Wille tot ist. Obwohl Adams Natur noch da ist, so lebt sie aber im Geist Christi (Gal. 2.20).

9.79. Darum nahm Jesus Adams Natur an sich, aber nicht Adams ich-geborenen falschen Willen, sondern die arme zertrennte Lebensgestalt in der Natur in Gottes Gerechtigkeit und Vorsatz, damit der erste (ursprüngliche) Adam in Christo in seiner Gerechtigkeit bestünde.

9.80. Also war Ismael aus dem Bild der Gerechtigkeit Gottes, das er in Adam schuf, und Isaak war im Bild der Gnade, das sich in Christo in Gottes Gerechtigkeit hineingab und sie mit Liebe erfüllte und den Zorn stillte. Denn Christus sollte den Spötter in Ismael, der in Gottes Gerechtigkeit offenbar geworden war, mit der Liebe-Tinktur seines Blutes verwandeln, so daß er in Christo wieder zur Kindschaft kommen könnte, aus der ihn die Gerechtigkeit ausgestoßen hatte wie aus den Gütern von Abraham, nämlich vom Erbe der Natur des geformten und ausgesprochenen Wortes Gottes.

9.81. Das figürliche Gleichnis von Jakob und Esau ist nun das Gegenspiel, wie Christus aus dem Reich der Natur ihres ich-geborenen falschen Willens ausgestoßen wird. Denn als er unsere Sünde in der Natur Adams – das heißt, den Quell, daraus die Sünde quillt, nämlich die zerteilten Lebensgestalten in menschlicher Natur – auf und an sich genommen hatte, da sprach er entsprechend: »Mein Reich ist nicht von dieser Welt. (Joh. 18.36)« Also nicht in den zerteilten vier Elementen, sondern in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit.

9.82. Weil aber Christus die Menschheit in den zerteilten Eigenschaften angenommen hatte, so wollte ihn die Gerechtigkeit der äußeren Ordnung in sich auch nicht dulden, denn er war aus einer anderen, nämlich aus der himmlischen Gerechtigkeit entsprungen und kam in unsere arme Menschheit, nämlich in der Eigenschaft dieser Welt, um uns zu helfen.

9.83. Darum sagt er: »Des Menschen Sohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. (Matth. 8.20)« Aber er sagte auch: »Ihm sei alle Gewalt im Himmel und auf Erden von seinem Vater gegeben. (Matth. 28.18)« Da meinte er den inneren Grund aller Wesen, nämlich die Ewigkeit, welche in dieser Welt verborgen liegt und in Christus offenbar geworden war. Doch diese Offenbarung war nicht in dieser Welt daheim und besaß auch nichts vom Wesen dieser Welt zum Besitz und Eigentum.

9.84. Das figürliche Gleichnis, wie Christus von dieser Welt ausgestoßen und vertrieben werden sollte, das war Jakob, den sein Bruder Esau als das Reich der äußern Naturgerechtigkeit immerdar töten wollte, so daß Jakob vor Esau fliehen mußte, wie auch Christus vor der pharisäischen Gerechtigkeit im Reich der Natur, und zwar solange, bis Jakob mit seinem Geschenk von Laban kam und zu Esau ging und sich ihm ergab, ob er ihn nun tötete oder lebendig ließe. Aber Jakob war noch nicht der rechte, den die Gerechtigkeit der Natur in Gottes Vorsatz fassen und töten sollte, sondern Christus war es.

9.85. So sehen wir nun hier abermals ein Gleichnis in den Figuren von Christus und Adam, denn als Jakob zu Esau ging und ihm das Geschenk darbrachte, da wurde Esaus Zorn zerschellt und in großes Erbarmen gebracht, so daß er Jakob um den Hals fiel und weinte (1.Mose 33.4) und ihm nichts tat, sondern in Liebe annahm. Also ist auch die Figur von Christo in unserer Menschheit.

9.86. In unserer Menschheit lag der Zorn des Vaters als der zornige Esau, der im Zorn der Gerechtigkeit erweckt wurde, wie Esau gegen Jakob. Aber Christus schickte sein Gnadengeschenk als die Liebe in seinem Blut vom Wesen der himmlischen Welt dem Zorn des Vaters in unsere Natur in Gottes Gerechtigkeit, nämlich in die ursprüngliche Geburt Adams, der (illusorischen) Natur entgegen. Und als sie diese (göttliche Liebe) in sich sah und fühlte, da wurde Gottes Zorn in seiner Gerechtigkeit der Natur in großes Erbarmen gebracht, darin der Zorn all sein Recht verlor und zerschellte, die Sonne ihren (illusorischen zw. weltlichen) Schein in Gottes Gerechtigkeit verlor und die Erde in diesem Zerschellen erbebte, die Felsen zerbrachen und die Toten, die Gottes Gerechtigkeit im Tode verschlungen hatte, in diesem Erbarmen auferstanden.

9.87. Denn Esau ging es um die Gerechtigkeit der Erstgeburt, die er an Jakob verkauft hatte, und doch nicht wußte, wie es Gott so geschickt (schicksalhaft vorbestimmt) hatte, daß Er die Figur von Christus und Adam auf diese Weise vorzeichnete. Und darum feindete er Jakob an, weil Jakob den Segen Abrahams hatte. Denn die Gerechtigkeit des eigenen (egoistischen) Naturwillens wollte diese Segen in Esau haben, nämlich in Adams verdorbener Natur. Aber die Natur des eigenen Willens hatte das Erbe Gottes verloren, und das brachte der andere, neue Adam in Christo wieder in die Natur. Also mußte nun das erste Recht als das erste natürliche Leben sterben und in Christo wieder lebendig werden. Und so konnte Esau in seinem Jägerwesen das Reich Gottes in der Gerechtigkeit nicht erben, sondern wurde ausgestoßen, sogar noch im Mutterleib, wo die Kinder weder Böses noch Gutes getan hatten, auf daß der Gerechtigkeit Gottes in seinem Vorsatz zur Schöpfung der Kreaturen Genüge geschehe.

9.88. Doch in Christo nahm er Esau nach dem Gnadengeschenk im inneren Grund des wahren adamischen Menschen wieder an. Nicht nach dem Recht seiner (ichhaften) Lebensnatur, darin er Esau hieß oder genannt war. Denn des „E“ ist der innere Grund, wo das paradiesische Geschenk verinnerlicht lag. Aber die „sau“ war das verworfene Tierwesen im Reich des eigenen Willens nach der Irdischkeit, von dem die Schrift sagt: »Esau habe ich gehaßt (Röm. 9.13)«, da er noch im Mutterleib war, auf daß die Wahl Gottes bestünde, so daß Esau in seinem falschen eigenen Naturleben kein Kind Gottes sein sollte, sondern Christus in der wahren adamischen Natur (ursprünglichen Natur Adams) in Esau.

9.89. Die adamische Natur sollte ihr Recht in „sau“ nach ihrem Willen und Leben ganz verlieren. Aber das Wesen der adamischen Natur, welches das geformte ausgesprochene Wort Gottes war, sollte in Christus bleiben und mit dem Geschenk Christi im Zorn versöhnt werden. Welches ein Gleichnis war, als Jakob dem Esau das Geschenk darbrachte und ihn seinen Herrn nannte. Da wurde der Zorn in Esau wegen des Naturrechts versöhnt und begann, sich in größtes Erbarmen zu stellen, und er fiel Jakob um den Hals und küßte ihn und ergab seinen Willen in die Erstgeburt Jakobs (1.Mose 33.4)«

9.90. Denn Christus mußte sich ganz in den Tod hineingeben und das menschliche Naturrecht seinem Vater als der Gerechtigkeit untergeben (bzw. unterordnen). Darin starb „Esau“ ab. Und so erweckte Gott den ersten Adam als den rechten (wahren) Menschen, der in Gottes Vorsatz geschaffen worden war, in der Gnade der Liebe, die vor Gott die Gerechtigkeit erfüllt hatte. Und dann war es nicht mehr „Esau“, sondern ein Glied Christi.

9.91. Daß die Schrift aber so auf die Prädestination (Vorherbestimmung) eingeht, das ist im Grunde richtig. Denn Esau ist das Bild von Gottes Zorn, das in Adam entstand. Und das ist verdammt, auf daß der Gerechtigkeit Gottes Genüge geschehe und der Reichtum seiner Gnade in Jakob als in Christo in Gottes Gerechtigkeit offenbar werde. Denn das Leben im Naturwillen, das „Esau“ hieß, war Adams neues (eigenwilliges) Leben nach den erwachten Eigenschaften der finstern Welt, wie auch bei Kain und Ismael. Dieses Leben hatte Gottes Gerechtigkeit im Zorn ergriffen und sich darin offenbart. Und das war verdammt, aber nicht der seelische Grund als das ganze Zentrum der Natur, nämlich das geformte Wort nach der Seele, das war nicht von Gott verstoßen. Nein, nein, sie waren aus den Kindern der Heiligen entsprossen, nicht von der „Sau“, wie jetzt in vielen geschieht, weil der innere Grund voll Teufel ist.

9.92. Das Gnadengeschenk der einverleibten Stimme lag im inneren Grund, aber nicht im Wesen des Lebens wie in Jakob, Isaak und Abel, deren Wesen Christus war, der sich mit seiner Stimme in dieses eingesprochene Wort im inneren Grund der armen Seelen einsprechen wollte, die im Zorn Gottes gefangen war, wie auch geschrieben steht: »Ich bin gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.« Nämlich den Ismael, Esau und ihresgleichen, die in Gottes Haß ergriffen und verloren waren. So sagte Christus nun, er wäre gekommen, den armen Sünder zu suchen, der verloren wäre, und nicht den Gerechten. (Matth. 9.13)

9.93. Denn Jakob, Isaak und Abel waren die Gerechten, denn die Gnade hatte sich in ihnen offenbart und den eigenen Willen der Sünde im Seelenleben abgetötet und sich dem wahren erstgehabten Lebensgrund zu einem neuen Leben eingegeben. Also waren sie nun in diesem neuen Leben gerecht und hatten Frieden mit Gottes Gerechtigkeit, das heißt, nach der Seele. Aber nach dem äußerlichen Leben waren sie noch unter dem Fluch. Darum mußte ihr äußerer Leib sterben. Denn nicht sie selber waren von Natur die Gerechten, sondern die Gnade machte sie gerecht. Diese Gnade ergab sich in ihnen in ein Sein des Lebens, darin das Leben brannte, und dieses neue göttliche Feuer wandelte den Haß gegen Gottes Zorn in Liebe, darin sie gerecht waren.

9.94. Da fragst du: Warum nicht auch in Kain, Ismael und Esau? — Antwort: Nein, der Vorsatz Gottes muß bestehen, nämlich die Ordnung seines ausgesprochenen Wortes, das er nicht wieder zurückzieht. Sein Zorn mußte nicht getötet und zerbrochen werden, denn er ist eine Ursache, daß die Gnade offenbar werden kann. Darüber hinaus ist er die Ursache, daß die Gnade in ein Freudenreich verwandelt wird. Auch ist er die Ursache, daß die Gnade eine feurige Liebe wird. Christus aber ist der andere (zweite) Vorsatz, den er in Abel, Isaak und Jakob offenbarte, und die Figuren im Gleichnis zeigen, wie das geschehen sollte.

9.95. Denn Christus sollte in der Gerechtigkeit durch Gottes Zorn offenbar werden, so daß erkannt würde, was Gnade wäre. Adam stand in Gottes Gnade und in seinem Zorn. Aber in der Ausgeglichenheit war keines davon in seinem Leben offenbar, denn sie standen im Gleichgewicht. Sollte nun die Gnade offenbar werden, so mußte zuvor oder zuerst der Zorn offenbar werden, auf daß die Gnade verursacht würde, sich im Zorn zu bewegen, und sich dem Zorn zu ergeben und ihn zu tilgen. Dieses Einergeben und Tilgen ist die Ursache des göttlichen Freudenreichs und der feurigen Liebe im Leben des Menschen, daraus Gottes Erbarmen und auch Glauben, Liebe und Hoffnung als das Vertrauen in Gott ihren Ursprung im Menschen genommen haben, was in der Ausgeglichenheit nicht geschehen konnte.

9.96. Denn was in vollkommenem Gleichgewicht steht, das hat kein Bewegen oder Begehren zu etwas. Es ist Eines und ist sein Selbst. Nur wenn es aus der Ausgeglichenheit ausgeht, dann wird es vielfach, dazu zerbrechlich (und vergänglich) und verliert die Selbstheit (bzw. Einheit). Dem tut nun Hilfe not, nämlich Gnade und Erbarmen. Wenn das aber nicht bald geschieht, daß ihm geholfen wird, dann geht es doch in die Hoffnung. Und wenn der Hoffnung versprochen wird, daß ihr Hilfe geschehen soll, dann geht es in den Glauben. Und der Glaube verursacht die Begierde in der Hoffnung. Und die Begierde nimmt die Zusage in sich herein und faßt sie in sich, so daß sie wesentlich wird. Und in diesem Wesen ist nun die Gnade und das Erbarmen. Denn dieses Wesen wird in der Zusage genommen und in ein Wesen gefaßt. Und dieses Wesen muß sich dem ersten Recht, das Alles in sich gemacht hat, hineinergeben. Und wenn das geschieht, dann findet das erste Machende ein neues Leben in sich, das aus der Hoffnung, dem Glauben und der Begierde mit dem „Insichfassen“ entstanden ist. Und es findet, daß es mehr geistig ist, als das erste (Machende bzw. Wirkende), aus dem Alles entstanden ist. Darum kann es ihm kein Widerstand (bzw. Gegensatz mehr) sein, sondern muß das geistige Leben in sich wohnen lassen.

9.97. Und allda entsteht die Wiederbringung des ersten Wesens, das sich zerbrochen hatte, und daß der letzte Leib besser ist als der erste, denn er ist ganz geistig aus Glauben, Hoffnung und Liebe geboren. Denselben entzündet das erste Feuer mit seiner Begierde, davon die feurige Liebe entsteht.

9.98. Also versteht uns nun recht: Adam war das ganzheitliche Bild Gottes in Liebe und Zorn. Aber er stand in der Gleichheit der Eigenschaften, und so war keines vor dem anderen offenbar. Als er sich aber durch des Teufels Trug und Lust verführen ließ, da zerbrach dieses ganzheitliche Bild und die Eigenschaften unterschieden sich aus der Ausgeglichenheit. Nun tat ihm Hilfe not, und so sprach ihm Gott das Wort ein. Das nahm die hungrige Begierde nach der Hilfe an und faßte es und setzte seinen Willen hinein, nämlich in eine Hoffnung, daß ihm (zum Heilsamen) geraten werden würde. Und die Begierde faßte die Hoffnung in ein Dasein des Wesens. Jetzt wurde das eingesprochene Wort wesentlich und hieß Glaube, als ein Einnehmen, das die Erfahrung des ewigen Willens in sich nahm und sich hineinergab. Denn dieses Wesen war edler als das erste aus dem Vorsatz des gesprochenen Wortes. Also fing die feurige Liebe aus dem Zornfeuer im Vorsatz der ewigen Natur an. Denn dieses Wesen des Glaubens war unzerbrechlich und bestand im Zornfeuer. Und in diesem Einnehmen des Zornfeuers wurde das Feuer des Grimmes in die freudenreiche Liebe gewandelt.

9.99. Und dieses ist nun der Grund Christi aus dem eingesprochenen Wort, der sich in Adam in eine eigene Figur im Wesen der Natur unterschied. Daraus kam Abel, und aus der zerbrochenen (abgetrennten) Figur kam Kain. Nun hatte aber Abel auch Kains Natur im Wesen des Glaubens, darin die Seele stand. Aber der zerbrochene Wille war in einen ganzheitlichen verwandelt, denn das Zerbrechen kam im Wesen des Glaubens zur Ruhe, und das war die Figur von Christus. Nun war aber der Seele Adams zugesagt, nämlich der zerbrochenen Natur der seelischen und körperlichen Eigenschaft, daß des Weibes Same der hineingeführten Schlangen-Eigenschaft den Kopf zertreten und Adam helfen sollte. Also mußte dieser Schlangentreter ein anderer als Adam sein, in dem Gott offenbar wäre, der das tun könnte und der in Adam das eingesprochene Wort erweckte, das heißt, der auch die Macht und Kraft des Einsprechens hätte.

9.100. Denn obwohl das Einsprechen in Adam lebendig und offenbar war, so ging es aber auch um seine Kinder, deren eingesprochener Grund mit der Sünde bedeckt und noch nicht entschieden war, wie bei Kain und Abel, und auch darum, daß das menschliche Wesen im Sünder, das von Gottes Gerechtigkeit im Zorn ergriffen wurde, eine Gnadenstimme hätte, die in ihm sprach und den inneren ersten eingesprochenen Grund des Wortes göttlicher Kraft erweckte.

9.101. Denn Gott Jehova sprach den Namen „Jesus“ in Adam nach dem Fall in ein wirkliches Leben, das heißt, er offenbarte ihn im himmlischen Wesen, das verblichen war. Dieser Name „Jesus“ wurde in der Seele ein Leben, indem ihn Gott in die Seele einsprach. Denn durch dieses Einsprechen der Seele Adams wurde wieder eine göttliche Begierde aus dem Sterben erweckt. Es faßte die in der Seele erweckte Begierde in sich, und diese erweckte Begierde wurde der Anfang des Glaubens. Diese unterschied sich von der Eigenschaft der falschen Begierde in ein Bild als in ein Wesen, und aus diesem Wesen kam Abel, und aus der Eigenheit der adamischen Seele nach der irdischen Lust kam Kain.

9.102. Nun lag aber im Grunde der Eigenheit der Seele im Wesen von Kain auch der Schall des Wortes, das Gott einsprach. Aber dieses Wesen war des göttlichen Lebens im Einsprechen des Wortes nicht fähig, denn der erwachte Grimm Gottes in seinem Vorsatz des Aussprechens zur Natur in der Unterschiedlichkeit war darin offenbar geworden. So bedurfte jetzt dieses seelische Wesen eines anderen und noch mehr vom Einsprechen in das ausgesprochene Wort, damit es auch im Seelen-Wesen lebendig wurde.

9.103. Dies konnte nun nicht geschehen, wenn es nicht aus einem göttlichen Hall oder Einsprechen käme – weil das Sprechen zugleich aus göttlichem Leben und auch aus seelischem Lebensgrund kam – wo eine göttliche heilige Seele wäre, die sich der verdorbenen und an Gott blinden Seele in seelischer und göttlicher Kraft hineinspräche, so daß die seelische Kraft in das Seelische und die göttliche Kraft in das Göttliche einginge und sich eines im anderen erweckte.

9.104. Denn darum ging es Gott, daß er die arme verdorbene Seele von Adam nicht verlassen wollte. Dazu stellte er sie in Kains Bild dar, und stellte den Namen „Jesus“ in der anderen Linie gegen ihn, darin auch der seelische Grund war, so daß sich der Name „Jesus“ mit dem neuen Leben des seelischen Grundes in Kains Seele einsprechen sollte. Und dieses Bild war Abel, aus dessen Linie Christus in unsere Menschheit kam. Und Er war gekommen, den armen, im Zorn Gottes gefangenen Sünder zur Buße zu rufen. Er hatte eine menschliche, in Gott neugeborene Seele, und konnte in die Seele und auch in das eingesprochene Wort Gottes einsprechen, wie es im Paradies geschehen war, und konnte die Seele in einem neuen göttlichen Hunger in sich erwecken, so daß sie dieses eingesprochene angeerbte Wort in sich einnahm, davon ihr auch ein neues Leben entstand.

9.105. Darum versteht uns recht, denn wir reden treu, wie wir es wohl in Gottes Gnade erkennen. Das Bild von Kain, Ismael, Esau und ihresgleichen betrifft alle Menschen, die noch nicht (geistig-göttlich) wiedergeboren wurden, und sie sind der eigentliche Adam nach dem (Sünden-) Fall. Diese ruft Gott mit seinem einsprechenden Wort, das er uns in Christo gelehrt hat und das er noch heute in den neugeborenen Kindern in diese verdorbenen adamischen Kinder einspricht und sie damit ruft: »Kommt alle zu mir!« Nicht nur einige, sondern alle.

9.106. Und das Bild Abels, Isaaks und Jakobs betrifft alle Menschen, die sich durch das Einsprechen erwecken lassen und in denen das göttliche Einsprechen wirkt. Diese bekommen in der Seele ein neues Leben und einen neuen Willen, wie einen göttlichen Hunger, der in ihnen das erste paradiesische einverleibte Wort im Namen Jesus wirksam erfaßt und wesentlich macht. Weil dann Christus in ihnen geboren ist, sind sie nach diesem neugeborenen Grund nicht mehr in dieser Welt, sondern im Himmel. Denn sie sind selbst der heilige Himmel als der wahre Tempel Gottes, wo Gott-Mensch und Gott verinnerlicht ist, wo das Wort Fleisch wird, das heißt, himmlisches geistiges Fleisch, wenn das heilige Seelenfeuer von Christi Fleisch ißt und sein Leben davon hat.

9.107. So bringen wir euch nun das Verständnis von Esau nahe, wenn die Schrift sagt, Er habe Esau gehaßt und Jakob geliebt, obwohl die Kinder weder Böses noch Gutes getan hatten, so daß darin ein Vorsatz Gottes bestünde (Röm. 9.11). Esau war Adams verdorbenes Bild, und Jakob war das Bild Christi. Das zeigt Gott hier im Gleichnis, wie der Haß im Vorsatz des ausgesprochenen Wortes in Adam offenbar geworden sei, darin er im Tod und Gottes Zorn lag und zum reinen Haß Gottes wurde. Denn das heilige Leben war tot, und dessen Bild war Esau. Er wurde bereits in Gottes Haß im Mutterleib empfangen. Denn das Bild Christi hatte sich von ihm in Jakob geschieden. Das stand nun in heiliger Seele gegen Esau und sollte in Esau einsprechen und die arme, kranke und gefangene Seele mit seinem innewohnenden göttlichen Hall bewegen, so daß die verdorbene adamische Seele im Einsprechen des Namens „Jesus“ (zur Heilung) erweckt würde.

9.108. Aber das Einsprechen sollte nicht vorübergehen, sondern in Gottes Gerechtigkeit als in den Haß und Zorn sich hineinergeben, gleichwie sich Christus in Gottes Haß in die Gerechtigkeit hineinergeben mußte und das Erbarmen mit seiner Liebe im Namen „Jesu“ erwecken und das Zornfeuer mit seinem Hineinergeben in ein Liebefeuer als in ein großes sehnendes Erbarmen der liebevollen Kindschaft verwandeln. Gleichwie Jakob den Zorn seines Bruders Esau in großes Erbarmen verwandelte, als er ihm zuvor sein Geschenk darbrachte und ihm sagen hieß, er ergebe sich in seine Gnade als in seinen gerechten Zorn. Weil er ihm die erste Geburt weggenommen hatte und daß er durch dieses Geschenk Gnade bei ihm erlangen könne, so wollte er sich mit allem, was er hatte, dem Esau, seinem Bruder, zum Eigentum ergeben, welches in Christus erfüllt wurde. Denn Er hatte unsere Seele in sich genommen. Aber er hatte das heilige Kleinod Gottes, das in Adam verborgen lag, mit aus Adam in sich genommen, darum der Haß entstanden war, nämlich um die erste Geburt als um die Gerechtigkeit Gottes. Denn das Kleinod gebührte dem ersten adamischen Bild in Gottes Gleichnis, und das nahm Gott mit Abel in eine neue Figur aus Adam.

9.109. Und hier war nun der Haß im Bild wegen Gottes Gerechtigkeit um das Kleinod entstanden, weil Esau mit seinem Bruder Jakob in Christi Bild zürnte. Darum mußte sich Jakob dem Esau mitsamt dem Kleinod und allem, was er hatte, ergeben. So mußte sich auch Christus mit diesem Kleinod des Namens „Jesu“ der Gerechtigkeit des Vorsatzes Gottes ganz ergeben und das Kleinod in den Haß des Vorsatzes wieder hineinergeben.

9.110. Fragst du nun: Warum führte Gott solch einen Prozeß? Konnte er das Kleinod dem Adam nicht lassen, der es als Erstgeborner mit Naturrecht im Wort des Vorsatzes Gottes in göttlicher Bildung hatte? — Antwort: Nein, und zwar darum, weil dann das Kleinod in der höchsten Liebe Gottes im Menschen als im Bild Gottes verborgen geblieben wäre. Also mußte es durch einen solchen (Entwicklungs-) Prozeß in der Wiedergeburt offenbar werden, auf daß die Liebe und Gnade Gottes erkannt und im Menschen offenbar würde, und daß der Mensch Ursache hätte, Gott zu lieben und sein Lob in die Gnade zu erheben. Dieses Erheben ist eine lautere göttliche Formung und Gebärung in der Weisheit Gottes, weil dadurch auch das Wort Gottes im Menschen geboren wird und der Mensch Gott gebiert, daß er also ein wesentlicher Gott sei und wie eine Harmonie im göttlichen Freudenreich.

9.111. Denn als Christus das Kleinod der Gerechtigkeit Gottes in den Haß hineinergab, da wandelte sich der Zorn in ein höchst triumphierendes Freudenreich und das Lob Gottes wurde offenbar, welches in Adam nicht sein konnte, als er in der ganzheitlichen Ausgeglichenheit stand. Denn der Grimm freute sich nun, daß er aus der Feindschaft in ein Feuer der Liebe verwandelt worden war.

9.112. Und dies ist nun die Auferstehung Christi und seiner Kinder, die er durch seinen (Entwicklungs-) Prozeß in ein Liebe-Feuer verwandelt. Wenn sich die Seele ziehen läßt, wenn in ihr Christus nach ihr ruft, dann muß sie sich in Ihn ergeben. Dann steht Christus im Zorn-Feuer auf und verwandelt es im göttlichen Freudenreich in das Lob Gottes.

9.113. So vernehmt es doch, liebe Brüder, in welcher Art Gott den Esau gehaßt hat, wiewohl nicht Gott, sondern der Vorsatz Gottes als die Gerechtigkeit in der unterscheidenden Erfahrung. Diese haßte das Bild, weil es nicht das erste wahrhafte (überbildliche) Bild war, das in der Gerechtigkeit geschaffen wurde. Denn das Kleinod als das Wesen göttlicher Liebe war darin verloschen, und Jakob hatte dieses. So haßte nun der Vorsatz Gottes dieses Bild von Esau, weil es nicht Gottes erstes Bild in der Liebe war, sondern im Zorn.

9.114. Esau war das Bild des Hasses selbst. Doch nicht Gott konnte ihn hassen, sondern der Vorsatz als die feurige Natur in der Unterschiedlichkeit seines Sprechens, darin sich das Feuer entzündet und in ein Prinzip zur Offenbarung Gottes einfaßt, in dem das kreatürliche Leben steht.

9.115. So versteht es doch, daß das kreatürliche Leben ohne die Offenbarung des Lichtes nur Feuer, Haß, Zorn und Neid ist. Und das war Adam nach dem Fall, ohne das Wieder-Gnade-Einsprechen, und auch Kain, Ismael, Esau und alle Menschen, ohne dem Gnaden-Wesen der Liebe, daraus das Licht entsteht.

9.116. So steht nun die Frage, ob Gottes Gerechtigkeit im Vorsatz Esau zum ewigen Verderben gehaßt habe. — Antwort: Ja, in eigener Macht konnte nichts anderes mehr sein. — Dann fragt es sich: War das des reinen und wahren Gottes Wille, daß Esau, Kain und viele tausend andere ewig verderben sollten? — Antwort: Nein, sondern Christus war Gottes Vorsatz, soweit Gott ein „Gott“ heißt.

9.117. In Christus will Gott, daß allen Menschen geholfen werde (1.Tim. 2.4). Doch sein Zorn will alle (Egos) verschlingen, in denen er offenbar ist. Aber die Schrift sagt: »Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt als in die Menschheit gesandt, daß er sie richte, verstocke und verderbe, sondern daß er sie selig mache. (Joh. 3.17)« — Da sprichst du: Ja, welche er will. — Antwort: Ja, er ruft sie alle zu sich, und sie sollen alle kommen. Doch warum kommen sie nicht alle? — Da sprichst du: Er zieht sie nicht in sich zu sich. — Antwort: Das ist nicht wahr, er zieht sie alle, er lehrt alle in sich, denn sie wissen im Licht der Natur, darin er dem Gottlosen in seiner Vernunft begegnet und ihm das Recht weist, was recht ist, welches sie auch selbst lehren und bekennen, daß es recht sei, aber nicht tun. — Frage: Warum aber das? — Antwort: Christus spricht: »Vater, ich will, daß alle, die du mir gegeben hast, seien, wo ich bin. (Joh. 17.24)« Oder auch: »Es kommt niemand zu mir, es ziehe ihn denn mein Vater zu mir. (Joh. 6.44)« — Frage: Wie geht das zu, daß er sie nicht alle zieht? — Antwort: Hier liegt der Grund, liebes besudeltes Hölzlein. Rieche nur in deinem Busen! Wonach riechst du? Bist du nur im Vorsatz des Grimms in seiner Konstellation ergriffen wie Esau, Ismael und dergleichen, so gibt es wohl Rat. Bist du aber eine Distel aus der angeerbten wirkenden Sünde, so daß sich Gottes Vorsatz im Zorn in eine Gestaltung des Lebens eingebildet hat, davon Gott in seiner Gerechtigkeit des Vorsatzes sagte, er wolle die Sünde der Eltern an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied strafen, dann ist es gefährlich. Denn dieser lebendige Vorsatz im Zorn Gottes hat bereits eine Gestaltung in der Erfahrung des sprechenden Wortes und ist aufs neue vom einverleibten Grund der Gnade geschieden, nicht aus Gottes Vorsatz, sondern durch den Quell der Sünde. Dieser Quell hat sich mit dem Zorn im Vorsatz eng verbunden und in ein Leben der Finsternis hineingeführt. Hier liegt die einverleibte Gnade fern (tief vergraben), und hier ist Christus gestorben und ruht im Grab. Und bis er aufersteht ist dieser bösartige Geist in den Abgrund gefahren. Diese (Gefallenen) hält nun der Vorsatz Gottes und gibt sie nicht der Gnade Christi, denn sie sind Distel-Kinder, und ihr Wille ist ein lebendiger Teufel in Engelsgestalt unter anderen Menschen.

9.118. Der Vorsatz Gottes kennt ein jedes Wesen, solange es noch ein Same in Mann und Weib ist, und weiß, wozu dieses Holz nütze ist, wenn es zum Baum werden wird. Denn die Distel kommt nicht allein aus dem ersten Grund vom Mutterleib, sondern auch durch äußerliche Einfälle der Zeit, an denen die meisten verderben.

9.119. Diese alle ruft Christus, und viele von ihnen haben auch noch ein Fünklein göttlichen Zugs in sich, das ihnen der Vorsatz Christo in seiner Stimme gibt, so daß sie manchmal Christus in sich lehren hören. Und diese sind nun gerufen und berufen. Aber die äußeren Einfälle verderben es wieder und kreuzigen Christi Stimme und Einrufen, ehe er in ihnen als Mensch geboren wird, und sie führen an Christi Stätte das Schlangen-Wesen ein. Und wenn es dann in der Erntezeit zur Wahl kommt, da man das Korn ausdrischt und worfelt, dann ist dies nur eine Spreu des Korns und hat kein göttliches Gewicht in sich. So bleibt es dann zurück im Zentrum der Finsternis und im Zorn von Gottes Gerechtigkeit. Deshalb heißt es: »Wenige sind auserwählt…« Denn der Vater wählt sich nur die gute Frucht zu seiner Speise, und das andere gibt er dem Vieh. Also auch hier: Was nicht im göttlichen Wesen aufwächst und aus Gott geboren wird, das kann Gott nicht schauen.

9.120. Fragst du nun: Ist dann Esau aus Gottes Haß schließlich neugeboren und selig geworden? — Antwort: Das sollen wir nicht richten, denn Gott spricht: »Die Rache ist mein, ich will in meiner Gerechtigkeit vergelten. (Röm. 12.19)« Wir sagen mit Grund, daß Esau in Adams Sünde wie ein entsprechendes Bild Adams nach dem Fall geboren wurde und schon im Mutterleib im Vorsatz von Gottes Zorn ergriffen gewesen war, wie alle armen Sünder, und daß Jakob im Bild Christi in der neugeborenen Liebe wie ein Vorbild Christi war, zu dem Christus kam, den armen Sünder zu rufen und ihn selig zu machen, so fern ihn die Gerechtigkeit Gottes im Zorn folgen läßt wegen der angeerbten und in die ewige Erfahrung eingefaßten Greuel und auch der gewirkten Greuel, welche das Festhalten sind (bzgl. der Bindung an die Sünde).

9.121. Weil aber Esau von heiligen Eltern gezeugt und geboren wurde und nur in der Unterschiedlichkeit wie ein Bildnis der verdorbenen Natur dastand, und weil Gott auch das Bild Christi aus demselben Samen seiner Eltern als seinen Bruder Jakob geschieden und gegen ihn gestellt hatte – welcher Jakob ihn auch letztlich durch sein Geschenk und seine Demut in das größte Erbarmen brachte, was das Geschenk Christi in Esau andeutet, das ihn entsprechend umkehren wollte und aus dem zornig ergriffenen Vorsatz der Gerechtigkeit Gottes herausziehen, so daß er in Reue seines bösen Willens also weinen und Buße tun sollte, wie er es auch tat, als er Jakob umarmte und an seinem Hals weinte und den Mordgeist gegen Jakob fallenließ – so sollen wir ihn niemals verdammen. Wir verdammen ihn nur nach der Schrift, die ihn in Adams Bosheit verdammt, als er noch nicht neugeboren war. In diesem Verständnis geschieht Gottes Gerechtigkeit Genüge, und in der Buße wird auch die Gnade offenbar.

9.122. Wir wissen nicht, ob ihn Gott nicht bekehrt habe, welches das Gleichnis, als Jakob von Laban zu ihm kam, wohl andeutet. Denn in Adam war er tot, aber in Christus konnte er lebendig werden, denn die Gnadenpforte stand für ihn wie auch für seine Eltern offen, welche in Christis Linie waren. Daß sie aber auch Adams Gift und Tod im Fleisch hatten und den Quell der Sünde von Adam, das zeigt sich an Esau, Ismael und Kain.

9.123. Aber dem Verstand sollten wir hier nicht glauben, der da sagt, Gott habe Esau verstockt und zur ewigen Verdammnis verurteilt. Es ist in der Heiligen Schrift nicht zu beweisen, daß Gott den Esau verstockt habe und daß es der göttliche Wille sei. Sondern der Vorsatz in Gottes Gerechtigkeit, der hat es getan, nicht durch den Eingriff eines gefaßten göttlichen Willens, sondern aus der verdorbenen Natur aus Adams Eigenschaft im Wesen von Esau selbst. Also war es kein fremder Zufall oder Eingriff, wie der Verstand richtet, der von Gott nicht weiß, was er ist, und den Menschen immerdar weit von Gott getrennt malt (und sich vorstellt), obwohl doch Gott in allen Menschen offenbar ist, in jedem Menschen nach der Eigenschaft seines Lebens. Diesen Grund haben wir nun dem Leser weitläufig erklärt, auf daß er auch unseren Sinn in den nachfolgenden kurzgefaßten Schlußfolgerungen verstehe.

10. Kapitel – Kurze Zusammenfassung der Schrift

Kurze Zusammenfassung der Schriftstellen, die den Verstand irritieren, und wie sie zu verstehen sind.

10.1. Die Epistel an die Römer, vor allem das 9. und 11. Kapitel, irritieren den Verstand und sind den Gottlosen ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses, aber den Heiligen ein Licht des Lebens. Denn hier steht: »Sie sind nicht alle Israeliten, die von Israel sind, auch nicht alle, die von Abrahams Samen sind, sind darum auch Kinder Gottes. Sondern „in Isaak soll dir der Same genannt sein“. Denn das sind keine Kinder Gottes, die nach dem Fleisch Kinder sind, sondern die Kinder der Verheißung werden als Samen gerechnet. Und das ist ein Wort der Verheißung, wenn er spricht: „Um diese Zeit will ich kommen, und Sara soll einen Sohn haben.“ (Röm. 9.6)«

10.2. Erklärung: Der Verstand versteht es so, als würde die Verheißung in diesem Samen von Abraham beginnen. Wir aber sehen, daß die Verheißung im Paradies begonnen hat und sich hier bei Abraham in eine Figur nach dem Reich der Natur in Ismael und nach dem Reich der Gnade in Isaak formte, als in ein Bild des Zukünftigen, wie auch bei Kain und Abel.

10.3. Das Reich der Natur war im Menschen im ursprünglichen Vorsatz zum Menschenbild im Zorn ergriffen worden. Und das konnte nicht mehr Gottes Kinder und wahren Samen Gottes gebären, sondern Kinder des Zorns und des verdorbenen Fleisches. Darum sagte Paulus, daß nicht alle Kinder und Samen von Abraham Kinder Gottes werden, sondern nur jene, die aus der Verheißung neugeboren werden, nämlich aus dem im Paradies einverleibten Wort, das Gott in Abraham erneuerte, als er sein Bildnis aus der Verheißung darstellen wollte.

10.4. Denn ein jeder Mensch, der da selig werden soll, in dem muß das Wort der Verheißung von der Gnade ein Sein und Wesen werden, was nicht allen im Mutterleib geschieht wie bei Isaak, sondern in der Buße und Bekehrung, wie Gott durch Jesaja sagt: »Wenn eure Sünden auch blutrot wären, wenn ihr euch bekehrt, sollen sie schneeweiß wie Wolle werden. (Jes. 1.18)« Das geschieht, wenn sich im Reich der Natur das Reich der Gnade offenbart. Das heißt, recht wie zu Abraham gesagt wurde: »Das ist der Bund: Um diese Zeit will ich kommen, und so soll Sara einen Sohn haben… (1.Mose 18.10 / Röm. 9.9)«

10.5. Das bedeutet, wenn der arme Sünder nun Buße tut, dann kommt Gott in Christi Geist und gebiert einen neuen Sohn aus Christi Fleisch und Blut in ihm. Und das heißt, die Seele ergreift in sich Christus im Glauben und in der Hoffnung und prägt die Hoffnung in ein Wesen ein, in dem das verheißene Wort lebendig wird. Hier beginnt die Schwängerung der neuen Menschheit durch Christus. Das ist dann ein wahrer Glaubens-Same, aus dem Gottes Kinder geboren werden, wie der Tau aus der Morgenröte. Dann hängt ihnen der alte Adam nur noch äußerlich an, wie dem Abraham, Isaak und Jakob, welche nach dem äußeren Menschen auch sterblich und sündig waren, aber in ihnen war der Tempel Gottes des innerlichen Menschen geheiligt, wie auch in uns.

10.6. Ferner: »Aber nicht nur bei ihr, sondern auch bei Rebekka war es so, als sie von unserem Stammvater Isaak schwanger war. Denn als die beiden Kinder noch nicht geboren waren und noch nichts Gutes oder Böses getan hatten – damit sollte der Vorsatz Gottes bekräftigt werden, daß seine Wahl nicht vom Verdienst der Werke abhängig ist, sondern aus Gnade des Berufers – wurde zu ihr gesagt: „Der Größere (Ältere) soll dem Kleineren (Jüngeren) dienen!“, wie denn geschrieben steht: „Jakob habe ich geliebt, aber Esau habe ich gehaßt. (Röm. 9.10)« — Erklärung: Hier liegt nun der Verstand blind, und es ist eben wie zuvor ausführlich erklärt. Denn das war Gottes Vorsatz, den er Adam nach dem Fall schenkte. Der erste Vorsatz ist der natürliche erste Adam. Der war der Größere (Ältere) als das erste Bild Gottes im Vorsatz der göttlichen Erfahrung aus dem sprechenden Wort der Unterschiedlichkeit der Kräfte. Aber in ihm war die Gnade nicht offenbar, viel weniger die große Liebe und Demut in Jesu.

10.7. Darum kam Gott mit dem anderen (zweiten) Vorsatz, der in der Gnade verborgen lag, und gab ihn in das erste Bild hinein und offenbarte die Gnade durch das erste Bild, und tötete das erste Leben in der Gnade, und erhob das Leben der Gnade im ersten Vorsatz über den Vorsatz des größeren Bildes als des ersten natürlichen.

10.8. Darum sagt der Text in Mose zu Rebekka »Der Größere (Ältere) soll dem Kleineren (Jüngeren) dienen. (1.Mose 25.23)«, damit der Vorsatz in der Gnadenoffenbarung bestünde. »Denn Esau im größeren ersten Bild Adams habe ich gehaßt, weil er ein eigener Herr sein und in Böse und Gut leben und die Gnade nicht erkennen wollte. Aber Jakob in meinem rechten göttlichen Vorsatz, den ich aus meinem göttlichen Willen der Gnade von Ewigkeit geboren habe, den habe ich geliebt und ihn zum Herrn über die Natur gesetzt.« Darum sagte Christus, »ihm wäre alle Gewalt gegeben worden (Matth. 28.18)«, denn er war der Kleinere, nämlich aus Gottes Demut und Liebe, und die setzte Gott über das Reich seines Zorns, damit das Reich seines Zorns im Kleineren, nämlich in Gottes Gnade, Gott diene und offenbar werde.

10.9. Und darum wurde Ismael auch äußerlich das Erbe entzogen, um anzudeuten, daß Gott das Erbe dem Menschen gegeben hätte, der aus der Gnade geboren wäre. In diesem Hassen irrt nun der Verstand und versteht den Grund nicht, wie oben erklärt.

10.10. Ferner: »Was wollen wir denn hier sagen? Ist denn Gott ungerecht? Das sei fern! Denn er spricht zu Mose: „Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.“ So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. Denn die Schrift sagt zum Pharao: „Eben darum habe ich dich erweckt, daß ich an dir meine Macht erzeige, auf daß mein Name verkündigt werde in allen Landen.“ So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will. (Röm. 9.14)« — Erklärung: Auch hier liegt der Verstand gar tot und ohne göttliches Licht, wie geschrieben steht: »Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geheimnis Gottes. Es ist ihm eine Torheit… (1.Kor. 2.14)«

10.11. So verteidigt St. Paulus Gott und sagt, daß er recht tue oder richte, indem er sich erbarmt, wessen er will. Und das ist eben auch der Grund, denn er will keinen in seinem Erbarmen als nur diesen, der aus seinem Vorsatz der Gnade aus Christo geboren wird. Dieser armen gefangenen Seele erbarmt er sich. Das heißt, wenn die Seele das Wort der Verheißung ergreift und faßt wie Abraham, dann wird ihr diese Fassung des neuen Gnaden-Wesens zur Gerechtigkeit gerechnet, wie Abraham geschah, zu dem auch geschrieben steht: »Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. (Röm. 4.3)«

10.12. Denn Glauben heißt Nehmen und Einfassen, nämlich das Wort der Verheißung in sich fassen, so daß es wesentlich wird. Dann geht das Erbarmen darin auf, denn der Kleinere, welcher anfänglich nur ein Wort der Kraft ist, der wird dann so groß, daß er den Großen als die feurige Seele der ewigen Natur an Gottes ersten ewigen Vorsatz überwältigt.

10.13. Daß aber geschrieben steht »Er erbarmt sich, wessen er will, und verstockt, wen er will«, das versteht man in den zwei Vorsätzen: 1.) In Christo ist der Göttliche, und so erbarmt Er sich derer, denn Christus ist sein Wollen zum Erbarmen. Es ist sonst kein anderes Wollen in Gott zum Erbarmen, als nur das Einige, das er in Christo offenbart hat.

10.14. Denn das erste göttliche Wollen in Adams erstem Bildnis, als er in Unschuld war, ist im Menschen verblichen, wie ein Licht der Kerze erlischt. Dieses Wohl-Wollen ist verloren, nicht in Gott, sondern im Menschen. Und aus diesem Wohl-Wollen, welches Wollen der Name „Jehova“ ist, hat sich das Wollen der Liebe und Gnade im Namen „Jesu“ in Adam nach dem (Sünden-) Fall durch das Einsprechen vom Schlangentreter (Christus) eröffnet. Denn mit diesem neuen Wohl-Wollen im Namen „Jesu“ gab Gott das Wohl-Wollen im Menschen seinem Sohn Jesus, wie auch Christus sagte: »Vater (das heißt, du großer Gott oder Jehova im Feuer und Licht), die Menschen waren dein, und du hast sie mir gegeben, und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Joh. 17.6)«

10.15. 2.) Das andere (zweite) Wollen ist im Vorsatz des ersten Grundes des Gottes Jehova, weil der Anteil des Lichtes in Adam verblich. So wurde die feurige Eigenschaft in diesem Wollen als der zornige Gott offenbar. Dieser will nun nach seiner Eigenschaft alles verzehren und in die Finsternis setzen.

10.16. So redet nun hier der Geist in Mose vom Wollen Gottes nach Liebe und Zorn aus beiden Vorsätzen, nämlich aus der ersten Gerechtigkeit, darin Gott den Adam erschuf, und dann aus dem Vorsatz Christi aus der Gnade, nämlich: »Wessen ich mich erbarme in der Liebe und wen ich darin ergreife, dessen erbarme ich mich, und wen ich in meinem Zorn mit der Todsünde befleckt finde und im Sündenquell eines falschen Lebens mit dem Willen einer Distel und des Teufels, den verstocke ich in meinem Vorsatz des Eifers.« Denn Er kennt sie wohl, wozu ein jeder dient.

10.17. Deshalb soll man hier niemals behaupten, daß in Gottes Vorsatz, soweit er „Gott“ heißt, ein Wille zur Verstockung von außen in den Menschen fahre, sondern im eigenen Grund des Menschen ist im Vorsatz der Gerechtigkeit Gottes der Quell und Ursprung zur Verstockung. Denn es ist das Wollen des Zorns, darin er verstockt, wen er will. Denn die gesamte Kreatur des Menschen in Gottes Zorn ist dieses Wollen zur Verstockung, denn sie will nur die Eitelkeit und die verstockt sie auch.

10.18. So liegt es nun nicht am Wollen, wenn der Gottlose selig werden will, auch nicht am Werk seiner Hände, sondern an Gottes Erbarmen, daß er umkehre und aus dem falschen Willen als ein Kind und aus dem Erbarmen in der Gnade neugeboren werde. Wenn es am Wollen der eigenen Natur läge, dann könnte auch die in Adam verdorbene Natur zur Kindschaft kommen. Aber nein, sie muß des eigenen Willens absterben und aus dem Willen der Gnade neugeboren werden, so daß die Gnade Christi in Gottes Willen offenbar werde. Allein darin liegt das Erbarmen und Wohlwollen. Das bedeutet es nun: »Wen er in Liebe und Zorn will…« Den Gottlosen will er im Zorn, und den Heiligen in der Gnade, einen jeden aus und in seinem Grund.

10.19. Auch das versteht recht: »Zum Pharao wurde gesagt: „Darum habe ich dich erweckt und verstockt, daß ich meinen Namen allen Ländern kundmache.“ (Röm. 9.17)« Der Pharao war nicht aus der Gnade als aus dem Gnaden-Wollen geboren, sondern aus dem Zorn-Wollen. Und weil Gott seinen Namen kundmachen wollte, wie er ein Herr sei und wie seine Gnade über den Zorn herrsche, so erweckte er den Zorn im verstockten Pharao und ergriff ihn im Vorsatz seines Zorns in ihm, und hielt ihn, so daß er die Werke Gottes nicht sehen konnte, denn er war an Gott blind, bis Gott die Gestaltungen seines Grimms in der Turba Magna (der großen Verwirrung) sehen ließ.

10.20. Daß aber diesmal das Maß der Missetaten der Ägypter voll gewesen war, das deutet die Schrift an, wenn sie sagt, daß Israel den Ägyptern vierhundert Jahre dienen müssen, und danach wollte Gott dieses Volk richten, denn das Maß ihrer Missetaten zur Verstockung sei noch nicht voll. (1.Mose 15.13) Aber beim Pharao war es nun voll und die Verstockung bei ihm vorhanden, darum gebrauchte ihn der Vorsatz Gottes im Zorn zum Werkzeug. Denn die Ägypter hatten die Plagen erweckt, und so mußten sie auch zur herrlichen Offenbarung göttlicher Gnade über Gottes Kinder dienen, so daß Gott an den Gottlosen seinen Zorn und an seinen Kindern die Gnade sehen ließe.

10.21. Denn die Zeit Pharaos war die Zeit eines Zieles, weil alle Dinge in Ziel, Zeit, Maß und Gewicht liegen. (Weis. 11.21)

10.22. Der vermeintliche Vorsatz von außen (der Vorherbestimmung) wird allein schon im Text von St. Paulus gewaltig zu Boden geworfen, wenn der Verstand meint, Gott erwähle sich etwa ein besonderes Volk mit besonderem Namen, wie die Sekten in ihrem Streit solcherart wüten und in ihrem Namen selig und vor anderen Völkern berufene Kinder sein wollen.

10.23. Denn St. Paulus sagt: »Welche er berufen hat, nämlich uns, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Heiden. Wie er denn auch durch Hosea spricht: „Ich will das mein Volk nennen, das nicht mein Volk war, und meine Liebe, die nicht meine Liebe war. Und es soll geschehen: An dem Ort, wo zu ihnen gesagt wurde „Ihr seid nicht mein Volk“, sollen sie Kinder des lebendigen Gottes genannt werden.“ (Röm. 9.24)« — Erklärung: Hierin sehen wir eindrucksvoll die ursprüngliche Berufung im Paradies durch das eingesprochene Gnadenwort, das von Einem auf Alle dringt.

10.24. Denn die Heiden waren nicht aus Abrahams Samen, mit dem Gott einen Bund machte. Doch auch in ihnen lag der erste Bund des in Gnade eingesprochenen Wortes als ein Grund. Darum sagt St. Paulus, daß Gott nicht allein die Juden in ihrem Bund, sondern auch die Heiden im Bund Christi berufen und erwählt habe, und das Volk seine Liebe genannt hat, das ihn nicht kannte und äußerlich in Unkenntnis nicht sein Volk war. Aber der Vorsatz der Gnade, der sich im Paradies nach dem Fall durch das Einsprechen einverleibt hatte, der lag auch in ihnen. Und nach diesem nannte sie Gott seine Liebe, welches einverleibte Wort er in ihnen durch den Geist Christi erweckte, als diese Gnadenstimme eine Seele angenommen hatte, so daß ihre Seele, die in der Finsternis verschlossen lag, die einverleibte Gnadenstimme in der Stimme Christi hörte, nämlich durch ein Erwecken eines neuen Einsprechens, und die (reine) Liebe in der Seele entzündet wurde. So schaut Gott nicht nur auf das Wissen der Menschen und erwählt sich damit aus seinem Vorsatz ein Volk zur Kindschaft, das vor anderen Völkern von seinem Namen zu reden wisse, sondern Gott schaut nach seinem Vorsatz, den er im Paradies aufgerichtet und seit Ewigkeit im überbildlichen Bild des Menschen hatte, auf den ersten Grund zur Menschheit, wo der Mensch im Namen „Jesu“ in göttlicher Weisheit ohne Kreatur in magischer (geistiger) innerer Bildung gesehen wird. Diese innere Bildung nach dem inneren Grund ist auch in den Heiden gewesen, weil eine Bildung auf alle ging, ausgenommen die Kinder des Zorns, in denen sich diese innere Bildung im Zorn gebildet hat. Aber diese Einbildung des Zorns geht nicht über ganze Völker, sondern über die Distel-Kinder, die im Vorsatz des Zorns von ihren angeerbten und bewirkten Sünden ergriffen wurden.

10.25. Wie dann auch zu Elia gesprochen wurde, als er zu Gott sagte: »Israel ist ganz von dir abgewichen, und ich allein bin übriggeblieben, und nun trachten sie mir nach dem Leben.« Darauf antwortete Gott: »Ich habe mir noch weitere siebentausend übrigbleibenlassen, die ihre Knie vor dem Baal nicht gebeugt haben. (1.Kön. 19.18)« Das sind diejenigen, die zwar äußerlich mit den Heiden liefen und unter den falschen Juden wohnten, aber ihr Herz war doch auf den wahren Gott gerichtet, und sie eiferten in Blindheit und Unverstand wie Saulus, bis sich die Gnade in Saulus erweckte, so daß er sehend wurde.

10.26. Denn Saulus meinte, er täte dem wahren Gott einen Dienst damit, wenn er diejenigen vertilgte, die das göttliche Gesetz in einen anderen Schein wandeln wollten, den er nicht kannte. Er eiferte im Gesetz Gottes aus dem Grunde seines Herzens, um Gott damit zu gefallen. Das tat er aber nicht aus dem Vorsatz göttlichen Zorns, so daß dieser ihn ergriffen und in das Leben der Finsternis versetzt hätte, oder daß ihn Gott als einen ganz im Tode Verstockten aus einem besonderen Vorsatz durch besondere Wahl betrachtet habe. Nein, er war auch einer unter den Siebentausend, in denen der Bund der Gnade vom wahren Samen Abrahams und der Verheißung im Paradies verinnerlicht lag. Aber der Weg zu dieser Gnade war ihm noch nicht offenbar. Er eiferte im Gesetz der Gerechtigkeit und forderte das, was er selber nicht tun konnte. Aber die verborgene Gnade in ihm konnte es tun, die sich in seinem Eifer offenbarte und ihn zum Werkzeug des Zeugnisses von der Gnade gebrauchte.

10.27. Darum ist es eine Blindheit und Unwissenheit, wenn ein Volk sagt: „Wir haben Christi Lehre, Gott läßt bei uns Christus predigen und bei jenem Volke nicht. Darum hat uns Gott aus seinem Vorsatz (der Vorherbestimmung) zu Kindern der Gnade erwählt. Und wenn wir auch im Leben nicht besser sind als jene, so hat er uns doch in seinem Vorsatz erwählt und in Christus unsere bewirkten und angeerbten Sünden gebüßt, so daß wir uns dessen nun trösten dürfen und dies als ein Gnadengeschenk annehmen. Denn unsere Werke gelten nichts vor Gott, sondern nur die Wahl seines Vorsatzes, so daß er den Gottlosen in seinem Vorsatz gerecht macht, weil er mit dem Vorsatz seines Willens den Gottlosen aus der Hölle zieht und selig macht.“

10.28. Höre, du blinde (Hure) Babylon, von Christis Purpurmantel bedeckt wie eine Hure von einem (Ehren-) Kranz, die voll Lust der Hurerei steckt und sich doch Jungfrau nennt: Was ist die Wahl und die Gnade, derer du dich tröstest und diesen Mantel der Gnade über deine Hurerei und Laster aller Bosheit deckst? Wo steht das in der Schrift, daß eine Hure durch Herrenbriefe und Gnadengeschenke zur Jungfrau werde? Welcher Kaiser kann durch seine Gunst und sein Wohlwollen eine Geschändete zur Jungfrau machen? Und wenn das auch geschieht, wo bleibt die Jungfrau im Herzen und in der Keuschheit? Gott fordert die Tiefe des Herzens und sagt: »Es soll nicht ein einziger Punkt seines Gesetzes der Gerechtigkeit vergehen, bis alles erfüllt werde. (Matth. 5.18)« Womit willst du die Gerechtigkeit erfüllen, wenn du ohne göttliches Wesen in dir bist?

10.29. Sprichst du: Christus hat sie (die Gerechtigkeit) einmal für mich erfüllt und dem Gesetz Genüge getan. — Antwort: Das ist wohl wahr, aber was geht das dich an, wenn du nicht in Christus bist und wandelst? Bist du nicht in Christo in der wirklichen Gnade, dann hast du keinen Anteil an ihm, denn er sagte: »Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. (Luk. 11.23)«

10.30. Es gilt keine zugerechnete Gnade von außen, sondern eine eingeborene kindliche aus Christi Fleisch und Blut, die das Verdienst Christi in sich anzieht (bzw. verwirklicht). Nicht der Mensch, der von Mann und Weib aus der verdorbenen Natur geboren wurde, erlangt die Gnade der Kindschaft, so daß er sich trösten und sagen dürfte: „Christus hat es getan. Er spricht mich von der Sünde los, und ich darf es nun glauben, daß es geschehen sei.“ Nein, das weiß auch der Teufel und der Verdammte, der sich dieser zugerechneten Gerechtigkeit und Gnade tröstet. Aber was hilft ihm das, wenn er doch verdammt wird? »Denn nicht alle, die da sagen „Herr, Herr!“, sollen in das Himmelreich eingehen, sondern die den Willen meines Vaters im Himmel tun«, sagt Christus (in Matth. 7.21).

10.31. Was ist aber dieser Wille, den sie tun müssen, damit sie zur Kindschaft kommen? Dazu sagt Christus: »Die da umkehren und werden wie die Kinder (Matth. 18.3)«, und »werden aus Wasser und Geist in Gott geboren. (Joh. 3.5)« Diese sind es, denn Christus ist der Wille Gottes, und die denselben tun wollen, die müssen aus Christus geboren werden, aus seinem Fleisch und Blut und aus dem Wort, das Mensch ward, das den Tod und die Sünde in der Menschheit tilgte und in Liebe verwandelte. Diese sind es, die das Verdienst Christi in der Seele anziehen (bzw. verwirklichen) und nach dem inneren einverleibten Gnadengrund der lebendige Christus werden, als eine wahre Rebe an seinem Weinstock.

10.32. Nicht durch Trost mit einem angenommenen fremden Schein, sondern wahrhaft selbständige und wesentliche Kinder Christi, in denen der eingesprochene Gnadenbund mit Wesen erfüllt wird, wenn die Seele von Christi Fleisch und Blut ißt und lebt. Und dies nicht von außen, sondern in sich selbst, wo Christus immerdar zur feurigen Seele in Gottes Gerechtigkeit spricht: »Nimm und iß mein Fleisch und trinke mein Blut, so bleibst du in mir und ich in dir. (Joh. 6.56)«

10.33. Die feurige Erfahrung der Seele nach dem inneren ewigen Grund der wahren Gerechtigkeit Gottes in seinem Vorsatz zur Kreatur der Seele muß sich in Christi Fleisch und Blut in ein Wesen hineinführen, aber nicht durch fremden Schein, sondern durch den, den Gott in Adam nach dem Fall offenbarte und in Christus mit Menschheit erfüllte (bzw. verwirklichte), als Gott Mensch und Mensch Gott wurde. So soll es nun auch in seinen Gliedern geschehen, die aus derselben Wurzel entsprießen, in denen Christus im einverleibten Gnadenbund lebendig wird und die Seele und Menschheit an sich nimmt.

10.34. So liegt es nun nicht allein am äußerlichen (gedanklichen) Wissen, so daß ich weiß, daß ich einen gnädigen Gott in Christus habe, der die Sünde der Menschheit getilgt hat, sondern es liegt daran: 1.) Daß es auch in mir geschehe, daß Christus, der vom Tode auferstanden ist, auch in mir auferstehe und über die Sünde in mir herrsche. 2.) Daß er auch die Sünde als die Natur in ihrem bösartigen Willen in mir töte, so daß in Christo dieser Wille auch in mir gekreuzigt und getötet werde. 3.) Und daß ein neuer Wille aus der Natur in Christi Geist, Leben und Willen in mir auferstehe, welcher Gott wolle, in ihm lebe und gehorsam sei und das Gesetz erfülle, das heißt, der sich durch Gehorsam (dem Hören der göttlichen Stimme) ins Gesetz hineinergibt und dieses mit dem göttlichen Liebe-Willen erfüllt, so daß das Gesetz in seiner Gerechtigkeit der Liebe-Begierde untertan werde und sich auch in der Liebe mit erfreue.

10.35. Dann verschwindet der Zorn Gottes von der Seele, und sie wird im Liebe-Geist vom Leiden erlöst und lebt in Gott. Dazu gehört nun ernste Buße, in der die arme Seele ihren Rachen, nämlich den Feuermund, in Gottes Vorsatz des Zorns aufsperrt und sich in der einverleibten Gnade die Verheißung Christi erfaßt, die besagt, daß er den Heiligen Geist denen geben will, die ihn darum bitten (Luk. 11.13). Diese angebotene Gnade muß als ein lebendig sprechendes Wort im inneren Grund der ersten, in Adam eingesprochenen Gnadenstimme durch die Seele erfaßt werden, nämlich durch das Zentrum der Natur und durch die göttliche Erfahrung des Ungrundes, so daß es ein Vorsatz zur Buße und zur Umkehrung des Greuel-Willens werde. In diesem Vorsatz gebiert der Geist Christi im ersten Grunde der einverleibten Gnade, die vermöge der Heiligen Schrift von Einem auf Alle dringt, ein neues Leben. In diesem neuen Leben vergeht und stirbt der Wille zur Sünde, und ein wahrhafter Ast wächst aus dem Baum Christi, wo nun die Sünde nur noch im sterblichen (äußerlich vergänglichen) Fleisch herrscht. Denn dieser neue Zweig ist in Christo durch den Zorn Gottes im Vorsatz des Zorns durch den ewigen Tod zum Leben der Gnade hindurchgedrungen, wie auch Christus sagt: »Wer an mich glaubt, der wird nimmermehr sterben, sondern er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen. (Joh. 5.24)«

10.36. So ist nun der Glaube nicht etwas Äußerliches, so daß man behaupten dürfte: „Uns gehört die Gnadenwahl, weil Christus gelehrt und bekannt wird. Er hat uns vor anderen Völkern auserwählt, so daß wir seine Stimme hören. Auch wenn wir bösartig sind, so hat er uns doch unsere Sünde in seinem Vorsatz vergeben und in Christi Verdienst getötet. Wir dürfen uns nun dessen annehmen und trösten, denn es wird uns von außen zugerechnet und als eine Gnade geschenkt.“

10.37. Nein, nein, das gilt nicht. Christus selbst ist die zugerechnete Gnade und das Geschenk samt Verdienst. Wer Ihn in sich hat und wer in seinem inneren Grund Er selbst ist, der ist ein Christ und ist mit Christus gekreuzigt und gestorben und lebt in seiner Auferstehung. Dem ist die Gnade in Christi Geist und Leben zugerechnet, denn er darf sich nicht nur wie Er ans Kreuz hängenlassen, sondern zieht Christus in seinem ganzen Verdienst an. Er zieht den gekreuzigten und auferstandenen Christus in sich an und nimmt nun sein Joch auf sich. Aber das heißt nicht nur Wissen und Trösten, denn Christus wohnt nicht im Leib der Bosheit.

10.38. Soll Christus in dir auferstehen, dann muß der Wille des Todes und Teufels in dir sterben. Denn Christus hat den Tod zerbrochen, die Hölle zerstört und ist zum Herrn über Tod und Hölle geworden. Wo er in einem Menschen einzieht, da muß Tod und Hölle im inneren Grund der Seele allumfassend zerbrechen und weichen. Er zerstört das Reich des Teufels in der Seele und gebiert sie als Kind Gottes zu seinem Tempel, gibt ihr seinen Willen und tötet den Willen der verdorbenen Natur. Das heißt, er verwandelt ihn in das wahre (überbildliche) Bild Gottes, denn es steht geschrieben: »Christus ist uns zur Gerechtigkeit gemacht worden durch sein Blut. (1.Kor. 1.30)« Will nun ein Mensch diese Gerechtigkeit haben, so muß er Sein Blut trinken, so daß es ihn rechtfertige. Denn die Rechtfertigung geschieht im Blut Christi im Menschen, in der Seele selbst, und nicht durch äußerlichen, zugerechneten oder fremden Schein.

10.39. Nur das ist kein zugerechneter und fremder Schein, der uns, die wir an Sünde tot sind, im Blut Christi in der Gnade gegeben wird. Dann gibt uns Gott dieses Gnadengeschenk in uns selbst zu einem neuen Leben, das die Sünde und den Tod tötet und uns als Kinder der Gnade vor Gott stellt. Denn Christus erfüllt mit seinem Blut der Liebe in uns Gottes Gerechtigkeit im Zorn und wandelt den Zorn in göttliche Freude.

10.40. Wenn sich nun ein Mensch nicht in göttlichem Willen oder gar herzlicher Begierde zum Wollen befindet, so daß er gern Buße tun, Gott gehorsamen sein und Christus anziehen wollte, der behaupte nicht, daß er ein wahrer Christ sei. Solches Mundgeschwätz hilft alles nichts, wenn man mit der Zunge Christus als Gottes Sohn bekennt und sich seiner Gnade tröstet, aber die Schlange mit ihrem Giftwillen zu Stolz, Geiz, Neid und Bosheit im Herzen behält, um weitere Übel zu tun. Ein solcher Mensch kreuzigt nur Christus und spottet seiner Verdienste, denn mit der Zunge bekennt er ihn, aber mit dem Gift der Schlange im Herzen bewirft er ihn mit Kot und Steinen. Er tut nichts anderes als die Teufel, die Christus (erst) als die Kraft Gottes anerkannten, wenn er sie aus den Besessenen heraustrieb.

10.41. Denn nicht die, die Christus nur mit dem Mund bekennen, sind darum Kinder Gottes, sondern die den Willen seines Vaters tun, der im Himmel ist, und zwar in Christus selbst. Denn Christus ist der gute Wille des Vaters, den niemand tun kann, er sei denn in Christo und tue ihn in Christi Geist und Leben.

10.42. Denn nicht alle, die von Abraham kommen, sind Gottes Kinder, sondern nur die Kinder des verheißenen Samens, die aus diesem neugeboren wurden, die sind (wahre) Kinder, die aus dem Blut Christi neugeboren werden, des ersten Grundes im Blut Christi, die in der Gnade und Liebe Gottes ersterben und auferstehen als ein neuer Mensch, der in Gerechtigkeit und Reinheit vor Gott lebt, und denen nur die Sünde im tierischen sterblichen Fleisch mit einer Lust anhängt, über die der neue Mensch in Christo herrscht und diese zähmt und des Fleisches Willen verwirft. Wer aber nach dem Willen des Fleisches (bzw. Körpers) lebt und tut, der ist lebendig tot, und sein Mundbekennen hilft ihm nichts.

10.43. Denn das Mundbekennen ohne den inneren wesentlichen Grund Christi ist in Wirklichkeit der Antichrist, der da Christus bekennt, aber mit seiner Kraft verleugnet und sich selbst (eigenwillig) an Christi Stelle gesetzt hat. Das eine sagt er und ein anderes will und tut er. Darum spricht der Prophet Hosea, daß der Herr etwas seine Liebe nennt, was nicht seine Liebe war (Hos. 2.25), nämlich diese, welche Christus im Namen und Wesen nicht kennen und von seiner Offenbarung in der Menschheit nichts wissen, aber mit der Seele in ihren innerlichen Grund gehen, wo die Gnade im Paradies mit dem Einsprechen einverleibt wurde, und die Gnade in Gottes Erbarmen ergreifen. Das heißt, die das Evangelium weder hören noch haben, aber an den Einigen Gott glauben und sich in allen Kräften in ihn hineingeben und gern Gott erkennen und lieben wollen. Wüßten sie nur, was sie tun sollten, dann eiferten sie auch mit ganzem Herzen nach der Gerechtigkeit. Und diese sind äußerlich nicht Gottes Liebe, weil sie Christus in seiner geoffenbarten Stimme weder hören noch kennen. Aber nach dem innerlichen Grund sind sie in die Liebe der Gnade eingewurzelt, nämlich im paradiesischen Grund in das einverleibte Wort. Diese, so sagt Gott, wollte er zu seinem Abendmahl herbeiführen, denn sie waren seine Liebe. Und eben darum, weil sie in der Kraft das Werk des Gesetzes bezeugen und daß die Liebe der göttlichen Gnade in ihr Herz geschrieben sei, so sind sie sich selbst ein Gesetz (Röm. 2.14). Dieses Gesetz hat Christus in seiner Gnade einst durch sein Blut erfüllt und dringt nun von Einem auf Alle, nämlich auf alle, die aus der einverleibten Gnade im Willen-Geist geboren werden.

10.44. Denn obwohl der Text sagt »Wer nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes glaubt, der ist schon gerichtet. (Joh. 3.18)«, so kann man doch nicht behaupten, daß diese zuvor Genannten nicht an ihn glauben. Wenn auch ihr äußerlicher Mensch nicht an ihn glaubt noch ihn bekennt – denn sie wissen ja nicht, daß Gottes Sohn Mensch geworden ist – aber dieser, ihr innerer einverleibter Grund des eingesprochenen Wortes der Gnade, in welchem sie sich mit der Seele verkörpert haben, der glaubt in ihnen bis zum Tag der Offenbarung Jesu Christi, an dem er sein Reich offenbaren will.

10.45. Denn auch die Väter der Juden kannten Christus nicht im Fleisch (als Mensch verkörpert), sondern im Vorbild als in der einverleibten Gnade, welche sich in Gestalt des Bundes in ihrem Gesetz offenbarte, und sie zogen Christus nicht im Fleisch an, bis er sich im Fleisch offenbarte. Denn im ersten einverleibten Bund und Wort zogen sie ihn nur in der (geistigen) Kraft an. Als aber Christus diesen Bund mit der Menschheit erfüllte und das Gesetz des Zorns in der Sünde mit seinem Blut erfüllte und die Sünde in ihnen tötete, welche die Menschheit aufgehalten hatte, da zogen sie Christus auch im Fleisch an. Alle, die an ihn in seinem Bund geglaubt hatten, das heißt, welche den Bund in der Kraft als im Geiste angezogen hatten, in denen wurde der Bund mit himmlischem Wesen erfüllt. Und sogar in denen, die nach dem äußeren Leib schon lange verwest waren, aber deren Seele im Bund der Kraft lebte. Alle diese zogen Christus in seiner Auferstehung in sich an, und viele standen mit ihm nach seiner Auferstehung vom Tode in seinem Leib auf und ließen sich zu Jerusalem zu einem Zeugnis sehen, daß sie in Christo auferstanden waren und Christus im Fleisch angezogen hatten, der ihren Glauben in der Menschheit erfüllt hat.

10.46. Darum wird dir gesagt, du blinde Christenheit mit deinem Mundgeschwätz, daß du ohne Christus im Fleisch soweit und noch viel weiter von Christus entfernt bist, als die frommen Heiden, Türken und andere Völker, welche zwar Christus nicht kennen, aber auf den innerlichen ersten Grund zugehen.

10.47. Denn außer Christus hat der Mensch keinen Gott, denn Gott Jehova hat der Menschheit Christus gegeben, als den Namen und die Kraft Jesu, die sich aus Jehova offenbart. Wenn sich nun ein Fremdling Gott Jehova nähert und sich ihm hingibt, der empfängt Christus von Gott Jehova. Denn Christus sagte auch: »Vater – das ist Jehova – ich habe derer keinen verloren, die du mir gegeben hast.« Das heißt, Gott Jehova wird im bekehrten Sünder in der Seele offenbar. Und dieser Offenbarung gibt sich der einverleibte Gnadenbund zum Eigentum, der mit seiner Einnehmung der Seele offenbar werden soll, wenn Gott der Menschheit das Verborgene am Tag der Wiederkunft des Fleisches und der Auferstehung von den Toten offenbaren wird.

10.48. Darum wird dir, du Titel- und Maulchristenheit, im Eifer Gottes gesagt, daß du in deinem Mundgeschwätz ohne Christi Geist, Fleisch und Blut in dir ebenso heidnisch, türkisch und fremd vor Gott bist, als wie du von ihnen behauptest. Deine vermeintliche Wahl zur besonderen Annehmung der Kindschaft ohne der neuen (geistig-göttlichen) Geburt ist dein Strick und Fall. Der Zorn Gottes macht deinen falschen Weg, den du gehst, zum Fallstrick deiner Verwirrung und führt dich in deinem äußerlichen Schmuck in die Grube des Todes und der Hölle, so daß deine Kinder im Herzen nichts als Mörder, Geizige, Hurer, Diebe, Neidige, Bösartige, Meineidige, Treulose, Störrige, der Wahrheit Widerstrebende und überheblich Stolze sind, die im Sinn des Teufels nach Macht, Ehre und Gewalt stehen, um die Bedürftigen zu unterdrücken und zu treten. Äußerlich strahlen sie mit Heuchelei und decken die Gnade Christi über ihre Falschheit. Deine Wahl und dein Vorsatz, oh Gott, soll ihrer Schalkheit Decke sein, obwohl du dir doch nichts als Christus in den Gliedern, die aus ihm geboren sind, erwählt hast und nur Christus die Gnadenwahl selbst ist. Aber deine Gerechtigkeit in deinem Eifer, oh Gott, findet sie in deinem Grimm, und darum geht es so übel zu.

10.49. Oh tiefgründige Gnade Gottes, erwecke dich doch noch in uns armen, verwirrten und blinden Kindern und zerstöre den Thron des Antichrists und des Teufels, den er in Heuchelei aufgebaut hat, und laß uns doch einst dein Antlitz sehen. Oh Gott, die Zeit deiner Heimsuchung ist ja da, aber wer kennt deinen Arm vor der großen Eitelkeit des Antichrists in seinem aufgebauten Reich?! Zerstöre du ihn, oh Herr, und nimm ihm seine Macht, auf daß dein Kind Jesus allen Zungen und Völkern offenbar werde und wir von des Antichrists Macht, Stolz und Geiz erlöst werden. Halleluja! Von Aufgang bis Mitternacht zischt der Herr mit seiner Kraft und Macht, wer will das wehren? Halleluja! In alle Länder sieht sein Auge der Liebe, und seine Wahrheit bleibt ewiglich. Halleluja! Wir sind erlöst vom Joch des Treibers, und das soll niemand mehr aufbauen, denn der Herr hat es in seinen Wundern beschlossen. Halleluja!

Von der Gnadenwahl

(Text von Jacob Böhme, am 8. Februar 1623 vollendet, deutsche Überarbeitung 2021)

11. Kapitel – Weitere Erklärung der Wahl-Sprüche

Weitere Vergleiche und Erklärungen der Sprüche von der Wahl

11.1. St. Paulus spricht: »Die Gerechtigkeit aus dem Glauben sagt: „Sprich nicht in deinem Herzen: Wer könnte hinauf gen Himmel fahren?“ Das ist nichts anderes, als Christus herabzuholen. Oder: „Wer könnte hinab in die Tiefe fahren?“ Das ist nichts anderes, als Christus von den Toten heraufzuholen. Aber was sagt sie (die Gerechtigkeit aus dem Glauben)? „Das Wort ist dir nahe, nämlich in deinem Mund und deinem Herzen.“ Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen. (Röm. 10.6)« — Erklärung: Wer könnte uns von einer fremden angenommenen Gnade predigen, so daß das Wort nur allein vom Glauben ist, das in unserem Mund und Herzen in der Kraft schwebt?

11.2. Wie könnte der Gottlose durch den fremden Schein einer angenommenen Kindschaft bekehrt werden, wenn er das Wort, das er in seinem Munde führt, um Christus zu bekennen, nicht in sein Herz nimmt, so daß es die Seele in ihrem allerinnersten Grund erfasse? Was ist die angenommene Kindschaft, ohne daß das Wort im Herzen der Seele wurzelt und wohnt? Wo nimmt Gott die in Sünde toten Menschen an, in denen nur sein Zorn lebt, und zwingt sie durch eine absonderliche Wahl in den Vorsatz seiner Gnade? Er läßt das Wort im Mund des Gottlosen schweben, wie auch in seinen Ohren. Wenn es aber sein Herz in der Seele nicht erfaßt, dann läßt er das Licht im Wort in den Ohren und Herzen der Gottlosen verlöschen, und zwar darum, damit der Gottlose im Vorsatz seines Zorns ergriffen werde, weil die Seele das Leben der Finsternis mit ihrer angeerbten und eingeführten Eitelkeit erweckt und entzündet hat, so daß es ein Distel- und Schlangen-Leben ist, mit dem sich das Wort Gottes der Liebe nicht vereinigt.

11.3. Wenn uns nun das Wort, das in unserem Mund und Herzen schwebt, zu Kindern des Glaubens machen soll, dann kann keine fremde Annehmung durch einen besonderen, von außen erwählten Schein gelten, sondern das Eingeborene und wieder aus der selben Eingeburt aussprechende Wort, wenn Christus aus seinem Grund mit der Seele und durch die Seele spricht, das ist die Kindschaft der Annehmung. »Denn wenn du mit deinem Mund Jesus bekennst, daß er der Herr sei, und in deinem Herzen glaubst, daß ihn Gott von den Toten auferweckt hat, dann wirst du selig. (Röm. 10.9)« Aber nicht durch einen absonderlichen Wahn, sondern der Geist Christi muß in dir bekennen, daß Jesus Christus in dir von den Toten auferstanden sei. Dein Maulbekennen, ohne die Auferstehung Christi in dir, hilft dir nichts, denn Christus sprach: »Ohne mich könnt ihr nichts tun.« Oder auch: »Niemand kann Gott einen Herrn heißen, ohne Christus in ihm.« Denn er ergreift das Wort „Herr“ ohne Christus nicht in der Kraft, darum ist sein Herr-Heißen ohne Leben. »Denn es ist kein Unterschied unter Juden und Griechen, es ist allzumal ein Herr, reich über alle, die ihn anrufen. (Röm. 10.12)«

11.4. Und danach wird gesagt: »Denn wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll selig werden. (Röm. 10.13)« — Erklärung: Hier macht St. Paulus keinen Unterschied zwischen den Völkern, sondern wer Gott in seinem Herzen begehrt, dem gibt er die Seligkeit, die er in Christus anbietet.

11.5. Wo bleibt hier nun das auserwählte Volk, das sich rühmt, Gott habe es vor anderen Völkern auserwählt, so daß es von Christi Menschheit reden kann, wenn er sein Reich unter Juden und Griechen hat und daß nur der ein Jude und Christ sei, der es im Herzen der Seele ist? Wo ist denn die äußerlich zugerechnete Gnade ohne die Kindschaft der Seele? Wann hat Gott einen Teufel erwählt und zum Kind Gottes gemacht? Wohl niemals.

11.6. Also erkenne: Die Gnade kommt nicht aus dem Verdienst der Werke, sondern allein aus dem Lebensbrunnen Christi. Aber die Werke bezeugen, ob die Gnade in Christus in der Seele lebendig sei. Denn folgt das Werk nicht, dann ist Christus in dir noch nicht aus dem Tod auferstanden. Denn wer aus Gott geboren ist, der tut göttliche Werke, wer aber aus der Sünde ist, der dient der Sünde mit seinen Werken.

11.7. Es soll sich keiner als „Christ“ rühmen, er begehre denn göttliche Werke in der Liebe Christi zu wirken, ansonsten ist es nur ein fremder Schein ohne das Leben Christi.

11.8. Die Wahl zur Kindschaft geht allein über diese, die in der Gnade lebendig sind und in der Gnade gute (heilsame) Werke wirken. Die anderen aber, die sich der Kindschaft durch eine Gnade-Annehmung trösten, aber in ihren Herzen nur Greuel wirken, die verstockt der Vorsatz des göttlichen Zorns. Von ihnen, die nicht aus der Gnade geboren sind und durch ihre eigenen Werke und Verdienste dazu kommen wollen, die auswendig strahlen und inwendig tot sind und nur scheinbar so strahlen, sagt St. Paulus:

11.9. »Wie denn nun? Was Israel sucht, das erlangt es nicht. Die Wahl aber erlangt es, und die anderen sind verstockt, wie geschrieben steht: „Gott hat ihnen einen erbitterten Geist gegeben, Augen, die nicht sehen, und Ohren, die nicht hören, bis auf den heutigen Tag.“ Und David spricht: „Laß ihren Tisch zu einem Strick werden und zu einer Berückung und zum Ärgernis und ihnen zur Vergeltung. Verblende ihre Augen, daß sie nicht sehen, und beuge ihren Rücken allezeit. (Röm. 11.7-10)«

11.10. Erklärung: Welche von Israel meint hier der Geist von St. Paulus, die nicht unter der Wahl sind, so daß sie Gott in seinem Zorn solcherart verstocken wolle? — Antwort: Er meint jene, die das Wort, wenn sie es hören, nur in ihre Ohren nehmen und als Lehre des (gedanklichen) Verstandes auffassen, und es nicht in die Seele führen, so daß es in der Tiefe wurzelt. So erreicht es nicht die erste einverleibte Gnade, denn ihr Stolz und ihre Eigenheit liegen davor, wie auch die Sorge des Bauches. Der Geiz ist wie ein Riegel davor, und der überhebliche Stolz der Ichheit, die eigene Körperliebe, hat sich an Gottes Statt gesetzt.

11.11. Diese prahlen äußerlich mit der Gnade und erfassen diese mit dem Werk ihrer Hände und wollen die Gnade durch das eigene Werk verdienen, wie die falschen Juden es taten, die allein am Werk hingen und den Glauben nicht im Grund der Seele hatten. Von denen sagt St. Paulus: »Was Israel im Werk sucht, das erlangt es nicht. Die Wahl aber erlangt es…« Denn die Wahl ging nur auf jene Juden, die in der Tiefe der Seele Juden waren und aus dem Glaubenssamen geboren wurden, also aus dem verheißenen Samen, nämlich aus dem eingesprochenen Wort im Bund Abrahams und Adams, und welche durch das Wort in ihrem Herzen beschnitten wurden.

11.12. Denn nicht die Beschneidung der Vorhaut am Fleisch galt vor Gott, sondern die im Herzen. Die im Fleisch aber war das Siegel und Zeichen des innerlichen Grundes, wie die Gnade die Sünde von der Seele abschneide. Bei denen aber, die nur mit äußerem Werk umgingen, war es nicht so, denn sie waren unter Israel wie Unkraut unter dem Weizen, das sich über den Weizen ausbreitet und groß daher flattert und gesehen sein will, daß es ein großes Gewächs sei. Aber es trägt keine gute Frucht und ist auch sonst zu nichts nütze, so daß man es zur Erntezeit verbrennt, denn es sticht nur um sich und nimmt den Raum ein.

11.13. So setzt sich wohl auch der falsche Mensch in den Tempel Gottes und nennt sich einen Christen, aber treibt viele Scheinwerke, durch die er das Ansehen haben will, als sei er der beste Christ. Er lernt Kunst, studiert und weiß viel von Gott zu reden. Er lehrt andere, aber um seines Nutzens und Ehre willen, wie die Pharisäer es taten, die große Heiligkeit vorgaben und große Säume an den Pfaffenröcken trugen und lange Gebete zum Schein äußerlicher Frömmigkeit verwendeten.

11.14. Aber Christus sagte: »Sie fressen sich durch die Häuser der Witwen und ziehen durch Land und Wasser, um Judengenossen zu machen, und wenn sie einen gemacht haben, dann machen sie aus ihm ein Kind der Hölle, doppelt so viel, als sie selbst. (Matth. 23.15)« Das sind nun diejenigen, welche solchen großen Schein vorgeben und behaupten, sie sitzen an Christi Stätte und ihre Worte seien Gottes Wort. Diese breiten sich aus und ziehen sich selber groß und trachten im Herzen nur nach Ehren, Geiz und Stolz. Was sie sagen, soll man halten, als ob es Gottes Stimme vom Himmel sei. Und wenn sich auch die Stimme aus falschem Gemüt in das geschriebene Wort gesetzt hat und unter dem Buchstaben des Wortes wie Unkraut unter dem Weizen wütet, soll es doch Gottes Wort sein. Und wer dagegenredet und das falsche Kind andeutet, den schreit ihr überheblicher Stolz an: „Er ist ein Schwärmer und verachtet das Amt! Hütet euch vor ihm, denn er verführt euch! Kommt nur zu mir her, denn hier ist das rechte Amt, das von Gott eingesetzt ist!“ Und wenn sie auch nicht von Gott, sondern durch Menschengunst eingesetzt wurden, und auch Gott nicht dienen, sondern ihrem Bauch, ihrem Stolz und der Eigenliebe, so sind sie doch in ihrem Gemüt das schöne Kind der Gnade, das vermeint, so viel Gnade im Überfluß zu haben, daß sie diese aus der Gewalt vermeintlicher großer Heiligkeit an andere für Geld teuer verkaufen können. Doch wer das kauft, der kauft mit guten Samen eine Distel.

11.15. Der andere Teil der falschen Israeliten von Abrahams natürlichem Samen sind jene, welche durch die Macht der Natur zu Fürsten und Regenten in allen namhaften Ämtern vom größten bis zum kleinsten über Israel eingesetzt werden, so daß sie Beschützer der Gerechtigkeit sein sollen. Sie alle geben einen großen Schein unter der Wahrheit vor und ziehen sich unter den Ämtern so hoch in Eigendünkel, daß sie meinen, eigenmächtige Götter zu sein. Sie tun, was sie wollen, und so sei es recht. Ihr Amt habe die Gewalt, daß man alles recht heißen müsse, was sie tun. Doch sie suchen nicht die Gerechtigkeit Gottes in seinem Vorsatz der natürlichen Ordnung, viel weniger die Gerechtigkeit in der Liebe, die er durch die Gnade Christi offenbart hat, sondern setzen ihre eigene erdichtete Gerechtigkeit zu ihren eigenen Ehren der fleischlichen und wollüstigen Überheblichkeit an die Stelle göttlicher Gerechtigkeit und Wahrheit. Sie schweben nur im Munde mit dem Gesetz Gottes, das Herz aber hat sich in das Recht einer Distel gefaßt, die über das gute Kraut flattert, um sich sticht und sich weit ausbreitet, aber selber keinen guten Samen trägt.

11.16. Diese beiden Teile, ausgenommen die Kinder Gottes, soweit sie noch darunter sind, bilden nun die Hure und das Tier in der Offenbarung des Johannes, durch die der Teufel ein Fürst dieser Welt unter den Menschen ist, so daß der Engel in den Abgrund des Schwefelpfuhls stürzt. Sie sind keine wahren Israeliten, die aus dem Samen der Verheißung geboren wurden, und erreichen die Kindschaft nicht. Denn diese Kindschaft erreicht nur die Wahl, die allein die Kinder des Glaubens in der Gerechtigkeit der Gnade sucht und annimmt. Die Hure samt dem Tier aber sind in ihren Gelüsten von Bosheit, Stolz, Geiz, Neid, Zorn und Ungerechtigkeit verstockt, und sie sind wie der Antichrist als Titel- und Maulchrist ein Teufel in Engelsgestalt, wie Luzifer im Himmel war, der als falscher Samen hinausgeworfen wurde. So geschieht es auch ihnen.

11.17. Denn die Wahl des Hausvaters aller Wesen sucht nur guten Samen. Sie wählt keinen Distelsamen und macht Weizenkorn daraus, wie der Verstand meint, Gott nehme den falschen (illusorischen) Samen und mache ein Kind Gottes daraus, so daß er damit seinen Reichtum der Gnade eines besonderen Vorsatzes sehen ließe. Nein, das geschieht nicht. Der Gottlose, das heißt, wer aus einem wahren Samen entsprossen ist, aber durch seine angeerbte Konstellation die Neigung der Greuel in sich hineingeführt hat, der tue Buße und gehe in seinen innerlichen Grund und werde aus der Gnade geboren, dann kann es geschehen.

11.18. Denn Gott sagte zu Mose: »Ich will wohltun an denen, die mich lieben und meine Gebote halten, bis ins tausendste Glied (der Generationen). (2.Mose 20.6)« Dieses Wohltun ist nichts anderes als eine Pflanzung des Gnadenbundes mit ihrem Samen, wie Abraham, Isaak, Jakob und David verheißen wurde, so daß er ihren Samen nach der verheißenen und einverleibten Gnade so sehr segnen und mehren wollte, daß er nicht mehr gezählt werden könne.

11.19. Aber das Reich der Natur in Gottes Vorsatz der Gerechtigkeit stand auch mit in diesem Samen nach der seelischen Eigenschaft. Das sollte mitwirken, aber in vielen wandte sich der Wille der Seele vom Reich des Vorsatzes der Gnade ab, so daß diese Seelen nun im Reich der Natur im Zorn ergriffen wurden und in die Disteln wuchsen. Aber das war nun nicht die Schuld Gottes, sondern der Erfahrung des seelischen Grundes aus dem ewigen Grund zur Natur, nämlich des freien Willens des Ungrundes zum Naturgrund der Seele.

11.20. Hier liegt der erste Grund der Distelkinder, welche die einverleibte Gnade des eingesprochenen Wortes mit den Füßen ihrer falschen Lust treten und keine Kinder der Gnade sein wollen, dazu Christus als Pforte der Gnade selbst sagt: »Er wäre wie ein Weingärtner, der da nachliest. (Mich. 7.1)« Oder auch: »Er habe in Israel seine Kinder oft versammeln wollen wie eine Gluckhenne ihre Küchlein unter ihre Flügel, aber sie haben nicht gewollt. (Matth. 23.37)«

11.21. Da spricht der Verstand: Sie haben nicht gekonnt, ja sie können nicht. — Antwort: Warum? — Verstand: Sie sind Distelkinder. — Antwort: Warum? — Verstand: Das geschieht aus Gottes Vorsatz. — Antwort: Ja, aus dem Vorsatz göttlicher Gerechtigkeit nach der Ordnung der natürlichen Schöpfung, nämlich aus der Unterschiedlichkeit des Sprechens im Wort, wenn sich die Ichheit-Erfahrung des Ungrundes in ihren ersten Grund faßt. Das ist es. Denn daselbst faßt sich Gottes Grimm im Zentrum der Natur im Samen der Menschen aus ihren angeerbten Sünden wie auch nachfolgend bewirkter Greueltaten mit ein, weil Gottes Zorn öfters eine Wurzel aus den Sünden der Eltern macht, die sich in die Erfahrung des Ungrundes einfaßt. Daraus entsteht dann im Samen eine Distelwurzel, weil Gott die Sünde der Eltern an ihrem Samen bis ins dritte und vierte Glied straft, wie die Schrift berichtet.

11.22. Diese Distel-Kinder kommen dann auch von Israel, aber nicht aus der Gnade. Das heißt, die Gnade, wie sie im Paradies in ihnen einverleibt wurde, wächst ihnen innerlich zum Gericht, gleichwie sich das hitzige Wesen der Sonne auch in die Distel gibt, aber nicht nach der Liebe-Tinktur, sondern nach der Distelart. Denn die Distel kann sie nicht anderes einnehmen als in ihrem gleichen Wesen, wie eine giftige Kröte auch aus gutem Wesen nur das Gift saugt.

11.23. Und wie der Sonne Hitze die Distel schließlich ausdorrt und in ihrem Leben hinrichtet, so sitzt auch Christus mit seiner einverleibten Gnade im gottlosen Menschen auf seinem Richterstuhl. Es läßt ihn den heiligen Namen Gottes eine Zeitlang zum Schwur seiner Falschheit mit seinem Mund mißbrauchen und sich unter Christi Verdienst in seinem vermeintlichen Amt als ein wahrer Christ rühmen, in dem er meint, Gott zu dienen und die Gnade zu erwecken. Er läßt ihn heucheln und glänzen wie er will, läßt ihn auch in Christi Namen weissagen wie Kaiphas, welcher riet, es wäre besser, daß ein Mensch für das Volk stürbe, als daß es gar verderbe. Er läßt ihn auch in seinem pharisäischen Amt sich mästen und großziehen. Er gibt ihm auch die berufene Gnade in seinen Testamenten, gleichwie sich die Sonne mit ihrer guten Kraft der Distel gibt, und so läßt sich die Distel darin mästen und großziehen bis zur Erntezeit. Doch dann dörret sie diese aus und richtet sie zum Tod, denn sie hat falschen Samen in sich geboren. Darum jätet sie der Hausvater aus und wirft sie ins Feuer.

11.24. Davon spricht auch St. Paulus und zitiert den Propheten Jesaja ausKapitel 6.10 (»Verstocke das Herz dieses Volkes und laß ihre Ohren hart sein und blende ihre Augen…«) und den königlichen Propheten David ausPsalm 69.23: »Laß ihren Tisch zu einer Berückung werden…« Das heißt, sie essen in ihrem Mund von Gottes Wort, aber es wird ihnen von ihrem Herzen der Seele weggerückt, damit das Heilige nicht in die Distel hineingehe. Und der Satan, sagt Christus, reißt das Wort von ihren Herzen, daß sie nicht glauben und selig werden, denn der Satan sitzt in der Distel im Grunde der Seele. Und hier nennt ihn Christus einen Fürsten dieser Welt.

11.25. Und der Zorn Gottes hat ihnen einen verbitterten Geist gegeben, wie auch Augen, mit denen sie den Grund der Gnade nicht sehen, und Ohren, mit denen sie Christis lebendige Stimme nicht hören. Darum sagt Christus zu den Pharisäern: »Ihr seid von unten her, von dem Vater dieser Welt, dem Teufel… und hört meine Worte nicht, denn ihr seid nicht von Gott. Wer von Gott geboren ist, der hört Gottes Wort. Darum hört ihr nicht, denn ihr seid nicht von Gott. (Joh. 8.44)«

11.26. So sind auch die jetzigen Streiter, Zänker und Verächter der Kinder Gottes nicht von Gott, sondern nur aus dem Mundgeschwätze, aus der pharisäischen Wurzel, und hören Christus nicht in ihnen lehren. Sie wollen auch nicht, sondern stoßen ihn vorsätzlich von sich und setzen sich an seine Stelle. Sie sind keine Apostel Christis, noch ihre Nachfolger, sondern dienen ihrem Abgott Mausim (dem „Gott der Festungen“, siehe auch Dan. 11.38), der in ihrem Mund schwebt wie eine Distel über dem Weizen. Sie laufen, und niemand hat sie gesandt als nur ihres Herzens Dichtung zur Wollust menschlicher Ehren, und sie dienen dem Amt Mausim des Antichrists, den sie zu Christis Stellvertreter gemacht haben. Christus nennt sie reißende Wölfe (Joh. 10.12), welche die einfältige Herde mit ihrem Lästern fressen und mit ihrem Gift der Spötterei Christi töten und sich als Disteln unter dem Weizen emporschwingen und in menschliche Lehre setzen, und damit die Welt verwirren und verursachen, daß die Distelkinder Krieg und Verwüstung der Länder und Leute anrichten, dazu sie mit ihrem giftigen verbitterten Geist getreulich helfen, raten und dienen.

Darum sind sie jene, von denen St. Paulus in Röm. 11.8-10spricht und den Propheten David zitiert: »Laß ihren Tisch zu einem Strick werden und zu einer Berückung und zum Ärgernis und ihnen zur Vergeltung! Verblende ihre Augen, daß sie nicht sehen, und beuge ihren Rücken allezeit.« Das heißt, daß sie sich einander selber in ihrer Blindheit vergelten, indem sie in Christis Amt nur nach Macht und Wollust trachten, daß sie einander verfolgen, schmähen, verachten und in sich Christis Namen dem Teufel zuschreiben, und auf ihrem Lager nur danach trachten, wie sie einander mit List begegnen wollen und ihre Sache mit der Schrift beschönigen, als täten sie das aus göttlichem Eifer der Wahrheit, um Gott zu gefallen und ihren Brüdern damit zu dienen.

11.27. Diese laufen wie rasende Hunde, Wölfe und böse Wahnsinnige im Grimm des entzündeten Zorns Gottes und fressen den Namen Christi aus dem Mund der Laien, und füllen ihre Herzen und Münder mit der Lästerei von falschen Dichtungen ihrer Herzen, so daß wegen ihrer erdichteten Meinung ein Mensch den anderen um Christi Namen verachtet, lästert und verketzert und für unfähig hält. Doch sie fressen sich auf diese Weise nur selber auf, so daß eine Partei die andere ausrottet, und vergelten einander ihre Bosheit und Falschheit, wie hier David sagt (in Psalm 69.23: »Ihr Tisch werde vor ihnen zum Strick, zur Vergeltung und zu einer Falle…«).

11.28. Diese sind es nun, von denen Christus spricht, die in der Schule (bzw. Kirche) obenan sitzen und sich gern auf dem Markt (der Welt) grüßen lassen (Matth. 23.6), welche verständigen Schein vorgeben, aber ihre Herzen sind voll bitterer Galle. Und ihre Wege sind schädlich (unheilsam), Ottergift ist hinter ihren Lippen, und sie dienen mir vergeblich, sagt der Prophet. Diese alle sind nicht unter der Wahl der Kinder Gottes, sondern nur jene, über die Christus sagt: »Liebet einander! Daran wird man erkennen, daß ihr meine Jünger seid. (Joh. 13.35)« Oder auch: »Wenn ihr in meiner Rede bleibt, selig seid ihr, wenn ihr das tut. (Joh. 13.17)« Oder auch: »Wer nicht verläßt Häuser, Geld, Gut, Weib, Kinder und verleugnet sich selber und folgt mir nach, der ist nicht mein Diener. (Luk. 14.26)« Das Herz muß alles hingeben und nichts für sich behalten, sondern denken, daß er nur ein Diener Gottes und seiner Brüder sei, in seinem Stande und mit allem, was er zu verwalten hat. Daß man also handeln sollte, wie es Gott von einem fordert und haben will, und nicht den Mantel Christi mit seinem Verdienst über sich decken und darunter ein Geiziger, Stolzer, Neidiger und Zorniger bleiben.

11.29. Diese alle, so viele derer sind und so lange sie solche sind, gehören zu jenen, über die St. Paulus und David hier sagen, sie seien wohl berufen, aber nicht unter der Wahl der Gnade, es sei denn, sie kehren in Zeiten der Gnade um und verlassen in ihrem Herzen alles und folgen Christus nach.

11.30. Keine von außen zugerechnete Gnade nimmt sie an, wenn sie nicht innerlich Kinder der Gnade werden. Nur dann nimmt sie die zugerechnete Gnade in sich auf, die Christus ist. Ohne Christus gibt es nur Pharisäer und Heuchler, denn sie heucheln mit der zugerechneten Gnade, wie sie wollen, und so sind es Wölfe, vor denen uns Christus warnt. Auch wenn sie behaupten „Hier ist Christis Kirche!“, so ist das alles nichts, denn an ihren Werken sollt ihr sie erkennen, und folgen sie Christus nicht nach, dann sind sie Diebe und Mörder, sagt Christus. Auch wenn sie behaupten, daß das Amt Menschen zu hohen Priestern mache, welche Schwächen haben und sich damit decken wollen, so gilt das alles nichts. Das Herz muß in Christus sein und wandeln. Und obwohl St. Paulus sagte, »daß dem Fleisch die Lust anhängt und die Sünde im äußeren Fleisch wohnt (Röm. 7.17)«, so sieht man doch wohl, welche die Lust zu töten oder Christus nachzufolgen begehren. Denn wo innerlich Geiz und überheblicher Stolz sind, da ist ein Pharisäer zur Herberge. Entschuldige dich, wie du willst, du hast ihn doch am Halse.

11.31. Ferner heißt es: »Wenn der Juden Verlust (bzw. Verzicht) der Welt die Versöhnung sei, was wäre das anderes, als das Leben von den Toten nehmen?! Ist der Ansatz heilig, dann ist auch der ganze Teig heilig, und wenn die Wurzel heilig ist, dann sind auch die Zweige heilig. (Röm. 11.15)« — Erklärung: Allein dieser Text wirft alle Meinungen, daß Gott dem Gottlosen die Gnade zurechne, zu Boden und setzt es auf den Grund der Wurzel und deutet an, daß Gott nicht aus seinem Willen viele verstocke, so daß er durch dieselben beweisen wolle, was seine Gnade sei. Denn so sagt St. Paulus: »Was wäre das anderes, als das Leben von den Toten nehmen?!« Dann setzt er die Verstockung auf die Wurzel, nämlich daß ein bösartiger Baum bösartige Früchte trage und ein heiliger Baum heilige Zweige, und daß der Zorn Gottes die Kinder des Zorns gebäre, und zwar aus der Sünde und Eitelkeit der Menschen, welches doch (sogar) den Heiden zum Licht dienen muß. Wie er auch inRöm. 8.28sagt: »Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen, weil sie aus dem Vorsatz der Gnade berufen und geboren sind.«

11.32. Die Vergebung der Sünde – dazu die Schrift sagt, er vergibt ihnen die Sünde und rechnet ihnen die Gnade zur Rechtfertigung zu – geht allein über jene Menschen, in deren innerem Grund Christus lebt und denen die Sünde nur noch im Fleisch anhängt, wie David und anderen mehr, so daß sie oft noch fallen, aber ihnen hilft die Gnade in ihrem Inneren wieder auf und tilgt die Sünde und Übertretung.

11.33. Doch den Verstockten ohne Buße und ernsthafter Umkehr betrifft das nicht. Sie dürfen nicht deshalb sündigen und in ihrem Willen in Sünde totliegen, damit Gott wegen ihrer Verdammung seine Gnade an ihnen mit einem besonderen Ruf und Zwang zeige, um sie zu bekehren, als ob er durch besonderen Vorsatz aus einem Teufel einen Engel mache, sonst hätte das Luzifer mit den Seinen auch zu hoffen. Sondern er läßt ihnen seine Sonne den ganzen Tag ihres Lebens in ihren Mündern und Ohren scheinen, und ruft sie und sagt: »Verstockt eure Herzen nicht mit bewirkter Sünde, damit das Wort (Gottes) in eure Herzen schallen und wurzeln könne.«

11.34. Denn es ist wohl möglich, daß ein armer toter Sünder bekehrt werde, wenn er von den Bildern (der Welt) stillstehen und nur einen Augenblick hören will, was der Herr in ihm spricht. Aber der verstockte und verbitterte Geist will des Herrn Stimme in sich selbst nicht hören, sondern sagt nur: „Buchstabe, Buchstabe! Das geschriebene Wort sei es allein (die ganze Wahrheit).“ Das zieht ihn hin und her, und er rühmt sich dessen, aber das lebendige Wort, das den Buchstaben ausgesprochen hat, das will er in sich nicht dulden noch hören. Soll er aber zur (wahren) Erkenntnis kommen, dann muß er sich zuvor von den Buchstaben töten lassen. Erst danach macht ihn der Geist der Buchstaben wahrhaft lebendig. Das heißt, er muß allen Buchstaben absterben und sich selbst für so unwürdig halten, daß er des Buchstabenwortes nicht wert sei, wie der arme Zöllner im Tempel, und daß er keine Gerechtigkeit mehr im Buchstabenwort finde, als hätte er alles verloren und sei es nicht wert, die Augen zu Gott zu erheben und daß ihn die Erde trage und er unter die Zahl der Kinder Gottes gerechnet werden solle. Nur dann hat er alles verloren und in sich die Buchstaben getötet, denn er gibt sich so ganz in Gottes Gericht hinein. Hierbei muß er nur auf die reine Barmherzigkeit Gottes ohne alle seine Würdigkeit hoffen und in diese sich hineinversenken wie ein Toter, der kein Leben in sich hat, was auch immer sie mit ihm tue, und muß allen seinen Werken entsagen und sich nur mit der Hoffnung in die allerinnerste, lauterste Gnade Gottes versenken.

11.35. Das muß die Seele tun. Und wenn sie das tut und nur einen Augenblick darin verharren kann, dann ergreift sie der erste einverleibte Bund als die geschenkte Gnade und gibt sich der Seele hinein. Jetzt, sobald das geschieht, steht der Geist Christi als das innerlich sprechende lebendige Wort in der Seele auf und beginnt, Gottes Wort zu sprechen. Zur gleichen Zeit geht allda der Heilige Geist vom Vater und Sohn aus und vertritt die Seele in Gottes Gerechtigkeit mit unaussprechlichem Seufzen im Gebet, wie auch geschrieben steht (in Röm. 8.26).

11.36. Wir, das heißt, die (wahrhaft) arme Seele, weiß nicht, was sie beten soll, sondern der Geist Gottes vertritt sie mit unaussprechlichem Seufzen, wie es Gott gefällt. Und allda macht der Buchstabe, der sie im Gesetz der Gerechtigkeit Gottes getötet hat, wieder lebendig und setzt sie zum Lehrer seines Wortes ein, beides in der Kraft des lebendigen Wortes und dem Buchstabenwort. Denn erst danach gehen diese zur Tür in den Schafstall Christi ein, und die Schafe hören ihre Stimme, wie Christus sagt.

11.37. Die anderen aber, alle miteinander, wessen Namen sie auch sind, die nicht durch die Tür des lebendigen Wortes durch das Buchstabenwort eingehen, die steigen anderswo hinein und sind Diebe und Mörder (Joh. 10.1), wie Christus sagte, und die Schafe hören ihre Stimme nicht.

11.38. Denn Christus allein ist die Tür, das heißt, der lebendige Christus in seinem Leben und Sprechen in und aus der Seele. Der geht durch das Buchstabenwort in die Herzen der Menschen wie durch die Predigt von Petrus am Pfingsttag. Wer sich auf andere Weise zu einem Lehrer des Buchstabenwortes aufspielt, der ist nicht von Gott gesandt und kommt nur, weil er stehlen will, nämlich die Ehre von Christus will er stehlen und ihm nehmen.

11.39. Auf diese Weise kann der arme und in Gottes Zorn getötete Mensch wieder lebendig werden, auch wenn er gleichsam schon tot war. Denn Christus ist gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten. Und wenn ein solcher im Zorn Gottes verschlossener armer Sünder kommt, dann ist vor Gottes Engeln mehr Freude im Himmel als über neunundneunzig Gerechte (Luk. 15.7), die da ergriffen und Zweige der Heiligen sind und solchen Grundes gar nicht erst bedürfen, sondern der Grund liegt bereits in ihnen. Bei jenen aber wird der Grund in Gottes Zorn offenbar. Und hier beweist Gott an ihnen, wie das Leben aus dem Tod aufersteht und wie Christus das Reich des Teufels zerstöre und die Hölle zerbreche.

11.40. Darum ist das unser wahrer Schluß, daß über keinem Menschen ein vorsätzlicher Schluß zur Verdammnis gemacht sei, so daß es unmöglich wäre, ihn zu bekehren. Denn obwohl der Mensch sich selber nicht bekehren kann, so hat aber seine Seele von ihrem Ursprung aus der ewigen Erfahrung des Ungrundes her die Macht, sich in den Abgrund (die geistige Tiefe) zu schwingen, in den Grund, darin Gott sein Wort gebiert und spricht. In diesem Abgrund der Kreatur liegt das Gnadengeschenk in allen Menschen und neigt sich mehr zur Seele, als sich die Seele nach dieser tiefgründigen Gnade neigt. Hier kann die Seele in Gottes Gnade wohl ergriffen werden, so daß sie Christus in die Arme fällt, der ihr das Können und Vermögen viel lieber gibt als sie es begehrt.

11.41. Wenn nun einer sagen wollte, die Seele könne sich nicht in den Abgrund schwingen, der redet wie einer, der noch lange nichts vom Geheimnis Gottes versteht, was die Seele und was ein Engel ist, und den Zweig vom Baum abbrechen will, auf dem er sitzt.

11.42. Die Seele ist aus dem Abgrund in eine Kreatur gesprochen worden. Wer will nun der Ewigkeit ihr Recht brechen, daß der ewige Wille der Seele, der aus dem ewigen Einigen Willen in eine Kreatur gegangen ist, sich mit demselben Willen der Kreatur nicht wieder in seine Mutter einschwingen dürfte, aus der er gekommen ist?

11.43. In das Licht, das dem Willen erloschen ist, kann er sich in eigenem Vermögen nicht einschwingen. Aber in die Ursache zum Licht, in der weder Böses noch Gutes ist, kann er sich schwingen, denn er selbst ist dieser Grund. Wenn er sich nur aus seiner Bildlichkeit in sich selbst im Abgrund (der geistigen Tiefe) versenkt, dann ist er schon da. Und in diesem Abgrund liegt sein Perlein (des göttlichen Samens), und Christus steht hier vom Tode auf und sitzt zur Rechten in der Kraft Gottes im Himmel im Menschen. Mögen wir doch schließlich erkennen wollen, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt!

11.44. Oh ihr Menschen, seid doch nicht so blind! Wie tut euch Gott seine Gnadentür so weit auf, erkennt es doch mit Achtsamkeit. Betrachtet die Zeit, denn eure Heimsuchung ist geboren. Tretet doch das Gnadengeschenk göttlicher Gnadenoffenbarung nicht mit den Füßen eures trägen Verstandes.

11.45. Weil der Mensch lebt, so hat er eine offene Gnadenpforte für ihn. Es gibt über ihn keinen Beschluß aus göttlichem Willen zum Tode, denn der Vater hat den Beschluß seiner Gerechtigkeit in die Gnade Christi als seinen Sohn gegeben. Eure Verstockung kommt aus euch selber. Gottes Zorn verstockt euch in euren angeerbten und bewirkten Sünden, und kein fremder eindringender Wille.

12. Kapitel – Weitere Fragen zur Verstockung

Kurzer Bericht etlicher Fragen, die den Verstand verwirren, wenn er meint, Gott verstocke den Menschen aus einem besonderen vorbestimmten Willen, und wie dieselben zu verstehen sind.

12.1. In der Apostelgeschichte Kap. 13.48 steht: »Es wurden gläubig, soviel ihrer zum ewigen Leben vorgesehen waren.« Das ist dem Verstand ein Anstoß, doch er versteht es nicht.

12.2. Wann hat die Vorsehung angefangen? Sprichst du „seit Ewigkeit vor der Schöpfung“? Ja, davon spreche ich auch, aber in der Schöpfung und nicht seit Ewigkeit, denn da war sie noch nicht.

12.3. Gott sah in Liebe und Zorn, was werden würde, als er die ewige Natur in eine kreatürliche Schöpfung einfaßte. Denn er sah wohl von Ewigkeit her in sich, daß sich die ganzheitliche Ausgeglichenheit in eine Unterschiedlichkeit ausführen und sich die Unterschiedlichkeit in kreatürlichen Willen einfassen würde, und daß es eine Gegensätzlichkeit geben werde, und das ist eben auch der Grund göttlicher Offenbarung. Die Schrift sagt aber nicht, daß Gott von Ewigkeit die (unterschiedlichen) Willen in der Unterschiedlichkeit zum ewigen bösen Wollen und zum ewigen guten Wollen verordnet (bzw. vorgesehen) habe, so daß sie alles so wollen müssen, wozu Er es unvermeidlich bestimmt hat. Denn daß sie im Wollen frei waren, das beweist die Veränderung des Willens von Luzifer und Adam, so daß Adam im (Sünden-) Fall das Wohlwollen verlor.

12.4. So heißt es nun im angeführten Text (Apg. 13.48) nach dem Fall: »Die diesmal aus dem ewigen Wollen hierzu vorgesehen waren.« Denn der Text meint: »Und der Herr tat hinzu, soviel ihrer vorgesehen oder im Gnadenlicht gesehen waren, denen das göttliche Auge offen war. Diese waren diesmal aus- und in dem inwendigen Grund gesehen und vorgesehen.« Wie auch in Kapitel 2 noch klarer steht: »Der Herr tat hinzu täglich, die da selig wurden. (Apg. 2.47)« Nicht die da von Ewigkeit her selig waren, sondern die da selig wurden, sagt der Text. Die da aus der ewigen Wahl in Jesus Christus selig wurden, die tat er täglich zur Gemeinde.

12.5. Frage: Warum nicht alle auf einmal? — Antwort: Sie waren noch nicht selig geworden. Sie waren wohl in der Vorsehung oder Sehung Gottes, daß sie selig werden würden, aber die Verordnung kam erst mit dem Zutun zur Gemeinde, als sie selig wurden.

12.6. Warum bekehrten sich am Pfingsttage nur dreitausend Seelen, aber danach noch mehr? — Antwort: Sie waren in sich noch nicht vorgesehen, das heißt, an diesem Ort gesehen, wo sich die Gnade erhebt und durch das “vor” wie durch den Zorn bricht. Nur so geht das kreatürliche Vorsehen aus dem ewigen Gnadensehen oder Einsehen hervor. Denn wie kann etwas seit Ewigkeit verordnet (vorherbestimmt bzw. vorgesehen) werden, das nicht seit Ewigkeit gewesen ist?

12.7. Wie kann die Seele seit Ewigkeit, als sie noch ein Wesen und Spiel in göttlicher Weisheit war, verordnet worden sein, daß sie ein Teufel werden solle? Das wäre ein grausames Denken oder Reden und würde keine höhere Vernunft zulassen können. Denn wenn man von einer Ewigkeits-Verordnung ausgehen wollte, dann wäre doch alle Lehre (und alles Lernen) umsonst. Was könnte die Gnade denen predigen, die weder irren noch fallen können und die in einer unwiderruflichen Prädestination (unveränderlichen Vorherbestimmung) stehen?

12.8. Diese Vorsehung seit Ewigkeit versteht man nur in Christus, so daß die gläubig Gewordenen von Ewigkeit her in der Weisheit vorhergesehen waren. Daß nämlich, wenn sich Gott einst bewegen und die Natur in Unterschiedlichkeit zur kreatürlichen Offenbarung einführen würde, sich der Name Jesus als die höchste Liebe Gottes in die Erfahrung des feurigen Willens in der Unterschiedlichkeit hineingeben und sich durch die feurige Erfahrung in das Freudenreich hineinführen und den Grimm in ein Liebe-Feuer in der Seele des Menschen wandeln wollte, die aus der feurigen Erfahrung auferstehen mußte. Und (diese Vorsehung seit Ewigkeit versteht man) auch, weil sich die Gnade im Namen Jesu zu einem Banner in den seelischen Grund einvermählen wollte, wie dann auch im Paradies nach dem Fall geschehen war. Dieses Banner (für den Kampf) wurde in den Samen des Einigen Weibes gesteckt, in dem die Vorsehung verinnerlicht lag, aus der alle Menschen herkommen, denn die Unterschiedlichkeit in der feurigen Erfahrung wärt nur solange, wie Seelen geboren werden.

12.9. So gibt es keine bestimmte Verordnung von Ewigkeit her über jede Seele, die da geboren werden sollte, sondern nur eine allgemeine Gnadenvorsehung. Die Verordnung kommt mit der Zeit (im Wachstum) des Baumes hervor. Auch ist das Vorsehen noch im Samen, ehe er eine Kreatur wird. So kennt Gott den Grund, was werden wird, aber das Gericht gehört der Erntezeit, wie Christus in allen Gleichnissen erklärt.

Von der Purpurkrämerin Lydia

12.10. Von der Purpurkrämerin Lydia steht geschrieben: »Der Herr tat ihr das Herz auf, so daß sie vernahm, was Paulus sprach, und gläubig an den Namen Jesus wurde. (Apg. 16.14)« Wie mit Lydia, so ist es auch mit allen fremden Völkern, die den Namen Jesus nicht kennen, aber auf den inneren Grund jenseits aller Bildlichkeit zugehen und begehren, den Einigen Gott zu erkennen und sich ihm zu ergeben. Diese werden von der einverleibten Gnade des eingesprochenen Wortes ergriffen und ohne dem Verstandes-Wissen zu Kindern der Gnade erwählt und geboren, wie auch von dieser Lydia zu denken ist. Auch wenn sie anfangs Paulus für einen fremden Lehrer gehalten hatte, aber als sie hörte, daß er das Gesetz der Gerechtigkeit predigte und wie das Gesetz der Sünde, das den Menschen gefangenhält, in einer solchen Gnade erfüllt worden sei, da bewegte sich in ihrem Hunger nach der Rechtfertigung der innerste Grund in der einverleibten Gnade, und Christus wurde in ihr lebendig, so daß sie Christis Stimme in den Worten von Paulus vernahm, was Christus in ihr lehrte, denn Christus wurde in ihr hörend.

12.11. Den anderen Heiden aber geschah es nicht so, denn sie standen nur in der Bildlichkeit. Ihr Herz war nicht zum Einigen Gott gerichtet, um denselben zu erkennen. Denn sie hatten ihre heidnischen Abgötter, denen sie dienten, und wollten nur etwas Neues von Paulus hören. Nicht desto weniger ging das Wort in ihre Ohren hinein und drängte sich in jene, die einen guten Grund hatten, so daß sie sich später noch bekehrt haben, als sie mehr von Christus predigen hörten. So wurden am selben Orte noch viele Tausend von ihnen bekehrt, als sie das Wort noch mehr ergriff. Auf diese Weise sind auch später noch viele von denen bekehrt wurden, die Petrus am Pfingsttag hörten und an diesem Tag verspotteten. Denn als ihnen das Wort noch mehr (und tiefer) hineinschallte, kam die Stunde ihres innerlichen Hörens. Gleichwie Longino (der römische Hauptmann), der Christus in die Seite stach, auch erst die Stunde seiner Bekehrung fand, als er von vielen sagen hörte, daß Christus der Sohn Gottes wäre. Und so wurde er ein Märtyrer um Christi willen, wie die Historien berichten.

12.12. Deshalb sollte man hier nicht sagen, Lydia sei vor anderen seit Ewigkeit hierzu verordnet (und bestimmt) worden, so daß nur sie allein Paulus erhören konnte. Doch sie war diesmal in göttlicher Bereitung und wollte gern den wahren Grund von Gott erkennen. Ihr Herz sehnte sich danach, und darum tat ihr Gott das Herz auf. Die anderen aber waren diesmal noch nicht bereitet. Doch weil der Heilige Geist begann, an ihr Herz anzuklopfen, faßten sie es nur in die Ohren, bis sie ihm auftaten und darüber nachdachten und in der Schrift forschten, ob es sich auch so verhielte, wie Paulus sagte (Apg. 17.11). Wie auch von den Ephesern berichtet wird: Als sie das Wort mehr hörten, da hatten sie schon eine hungrige Tür des Herzens offen, so daß Christus mit seinem Wort Raum hatte.

12.13. So ging es mit all den Heiden und auch mit den Juden, welche Christus zuerst verspotteten, als er am Kreuz hing. Als sie aber sahen, was da geschah, schlugen viele von ihnen an ihre Herzen, kehrten sich um und sagten: »Wahrlich, dies ist ein frommer Mensch und Gottes Sohn gewesen. (Luk. 23.47)«

12.14. Dies geschah jenen Juden, deren innerlicher Grund diesmal offenstand. Ihnen tat Gott die einverleibte Gnade im Geist Christi auf. Wie man auch in den Historien viel findet, daß mancher Mensch in seiner eingebildeten heidnischen Bildlichkeit lange Zeit Christus verspottete und doch endlich bekehrt wurde, als er in den ernsten Grund seiner selbst gegangen war und verstehen konnte, was doch die vermeintlichen Fabeln von Christus in Wahrheit besagen.

12.15. Denn sobald das Herz von der Bildlichkeit stillsteht und sich in den Grund seiner selbst schwingt, da dringt die Stimme Christi im Wort hinein und klopft im innersten Wesen der Seele an.

12.16. Doch die Einbildung des irdischen Wesens behindert das Herz, so daß es Gott nicht stillstehen und in seinen innerlichen Grund kommen kann, wo Gott lehrt und hört. Denn Gott selbst ist doch an allen Orten und durch alles gegenwärtig, wie geschrieben steht: »Bin ich es nicht, der alles erfüllt? (Jer. 23.24)« Wozu müßte sich die Seele dann anderswohin schwingen, um Gott zu hören, als eben nur in ihren Abgrund (der geistigen Tiefe)? Da ist und wohnt Gott seit Ewigkeit in Ewigkeit. Doch nur in der Kreatur kann er offenbar werden. Dazu steht er im Geist Christi in diesem innerlichen Grund und klopft an die Seele an. Wenn sich nun die Seele zu ihm wendet, dann macht ihr Christus selbst die Gnadentür auf und zieht bei ihr ein und ißt das Abendmahl mit ihr und sie mit ihm (Offb. 3.20).

Erklärung des Spruchs von Matth. 13.11 und Luk. 8.10

12.17. An diesen Stellen steht: »Euch ist gegeben, das Reich Gottes zu erkennen, den anderen aber in Gleichnissen, so daß sie davon hören, aber es nicht erkennen.« Und auch: »Er legte ihnen das Gleichnis aus, und den anderen nicht.«

12.18. Hierin liegt nun der Verstand so tot, daß er ohne das göttliche Licht nichts sieht, und meint, Christus habe es den anderen nicht gönnen wollen und sie wären dessen nicht wert gewesen, auch wenn ihm das Volk nachzog und ihn mit hungriger Begierde lehren hörte. Aber hier ist die (ganzheitlich erkennende) Vernunft etwas anderes als das ABC (des Verstandeswissens). Denn Christus sagte zu seinen Jüngern: »Mein Vater will euch einen anderen Tröster senden, den Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht. Wenn er kommen wird, der wird euch an all dessen erinnern (zur inneren Erkenntnis), was ich euch gesagt habe, denn von dem Meinen wird er es nehmen und euch verkündigen. (Joh. 16.13)«

12.19. Es sollte also in Gottes Gerechtigkeit nicht des Vaters Stimme, die in Christus spricht, in die Herzen und Ohren der Laien und Zuhörer eingehen, ausgenommen einige, durch die der Vater Wunder wirken wollte, sondern jene Stimme sollte in sie eingehen, welche der Heilige Geist aus Christi Leiden, Tod und Auferstehung mitbrachte, nämlich die Stimme der offenen Gnadentür.

12.20. Denn vor dem Leiden von Christus war die Stimme des Heiligen Geistes in Christus noch in Gottes Gerechtigkeit als sein Gesetz. Aber in Christi Tod wurde das Gesetz der Gerechtigkeit Gottes erfüllt. Also ging durch die Erfüllung danach der Heilige Geist im größten Erbarmen durch Christi Wunden, Blut und Tod im Geist von Christus aus. Diese Stimme sollten die armen Sünder hören, die ihm mit Begierde nachzogen. Den Jüngern aber wurde des Vaters Stimme in Gottes Gerechtigkeit gegeben, so daß sie diese aus Christus hören sollten. Denn sie sollten vor allen mit dieser feurigen Gerechtigkeit angetan werden, in der des Vaters Allmacht stand, nämlich der seelische Grund. Danach wurde ihnen am Pfingsttag der Heilige Geist aus der Gnadenliebe durch Christis Erfüllung der Gerechtigkeit in die feurige Gerechtigkeit des Vaters gegeben.

12.21. Als das geschah, wurden in ihnen die Zungen durch des Vaters Gerechtigkeit zerteilt, und der Geist Christi ging durch die Zerteilung in Gottes Gerechtigkeit mit der Liebe Flamme aus. Und das geschah ihnen darum, damit sie im Geist des Gesetzes und Evangeliums von der Gnade im Geist gegründet würden, denn sie sollten Wunder tun. Denn so kommt die Kraft der Wunder aus des Vaters Allmacht und Eigenschaft, und nicht durch die Eigenschaft der Liebe und Demut, welche nur leiden soll und sich in Gottes Gesetz und der Gerechtigkeit des Zorns hineinergeben, um den Zorn mit Lieben und Leiden zu erfüllen und auch in der Liebe des Erbarmens zu wandeln, wie wir solches klar an Christis Person sehen.

12.22. Wenn Christus Wunder tun wollte, so betete er zuvor zu seinem Vater als in die feurige Allmacht und Gerechtigkeit. Als er aber des Vaters Gerechtigkeit mit seiner Liebe und Demut in seinem Blut der Liebe-Tinktur des Namens Jesu erfüllt hatte, da wurde des Vaters zornige Gerechtigkeit der Liebe Christi untertan. Und aus dieser Untertänigkeit sollten nach Christi Himmelfahrt nicht nur die Jünger, sondern auch die anderen Menschen den Heiligen Geist sprechen hören und die Gleichnisse Christi verstehen können, wie es dann auch so geschah, daß sie danach alle Geheimnisse wohl verstanden. Denn der Geist Christi öffnete ihnen durch seine Erfüllung und Auferstehung das (ganzheitliche) Verständnis, wie danach auch den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus und dem großen Volk, das nach seiner Auferstehung den Geist Christi aus dem Mund der Apostel durch den rechten Sender aus Christi Leiden und Tod sprechen hörte, so daß die Gleichnisse ohne äußere Worte im Geist Christi zu sprechen begannen.

12.23. Darum lehrte Christus, als er vor seinem Leiden auf Erden wandelte, nur in (äußerlichen) Gleichnissen, so daß sie den Geist Christis nicht anders sehen sollten, als in des Vaters Gerechtigkeit. Denn es war noch nicht der Grund, den er ihnen aus seiner Gnade schenken wollte, sondern der war es, der am Pfingsttag aus seinem Verdienst kam, als er die Sünde getilgt und in Gottes Gerechtigkeit versiegelt hatte (Matth. 13.34).

12.24. Die Menschen sollten nicht alle in Wundern und Taten umhergehen, wie die Jünger, welche dazu aus des Vaters Gaben bestimmt waren. Dazu sagte Christus (speziell über Judas): »Vater, ich habe keinen verloren, die du mir aus deiner Gerechtigkeit gegeben hast, als nur das verlorene Kind, das zuvor verloren war, so daß die Schrift erfüllt würde. (Joh. 17.12)« Damit meinte Christus diejenigen, die ihm sein Vater zur Ordnung und zum Amt des Einladens in sein Reich gegeben hatte. Aber die anderen sollten durch den Geist der Demut aus Christis Liebe und seinem Prozeß des Leidens und Todes geboren werden und ihm in diesem Prozeß unter der Kreuzfahne in Geduld nachfahren und sich aus Gottes Gerechtigkeit mit ihrer Demut im Geist Christi hineinergeben und aufopfern, aus dem auch das Morden der Juden und Heiden begann.

12.25. Denn durch das Blut der Christen wurde Gottes Gerechtigkeit im Zorn in das große Liebe-Erbarmen gebracht, so daß in Gottes Gerechtigkeit solche Wunder und Taten in der Demut Christi bei den Christen geschahen, was wohl jetzt eine Zeitlang gefehlt hat, seit man den Geist Christi im Menschen auf weiche Kissen und fette Bäuche in Macht, Pracht und Herrlichkeit setzen wollte, der doch nur darum erschienen und offenbar geworden ist, daß er leiden und Gottes Zorn in seiner Gerechtigkeit mit der Hingabe seines Leidens erfüllen will.

12.26. Darum beschaue dich, du sogenannte Christenheit, ob deine Gerechtigkeit wirklich in der Geduld des Leidens Christi steht? Und ob du auch etwas Höheres in deinem Christennamen suchst, nämlich daß Christus mit seiner Liebe in seinem Leiden und Tod in dir offenbar werde und du allein begehrst, seinem Vorbild ähnlich zu werden, mit dem er Gottes Gerechtigkeit erfüllt hat.

12.27. Beschaue dich doch nur! Suchst du nicht nur Ausflüchte und deckst das Leiden Christi über dein heidnisches und abgöttisches Bild? Was tust du, oh vermeintliche Christenheit?! Mit Disputieren und Forschen willst du ein Christ sein, und Fremdsprachen sollen dich zum Apostel machen. Streiten, Jammern und Zanken ist dein apostolisches Herz, dahinter nichts als deine eigene Ehre steckt, voller Sucht des schwarzen Teufels. Wo hast du das Leiden und die Geduld Christi in seinem Gehorsam hingetan? Oh du Bösartige, siehe, es kommt ein Bote aus Gottes Gerechtigkeit und fordert, dich Treulose mit deinem angehängten Christennamen durch Feuer und Schwert zu vertilgen, um seine wahren Kinder des Gehorsams in seiner Liebe zu offenbaren. Das wirst du bald erfahren. So reden wir, wie wir sollen. Amen.

Von den Worten Christi: »Vater, vergib ihnen!«

12.28. Es werden auch die Worte Christi am Kreuz mit eingeworfen, als er sagte: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. (Luk. 23.34)« — Erklärung: Wie bereits oben erklärt wurde, waren den Juden die Geheimnisse vom Reich Christi und der wahren Rechtfertigung des armen Sünders vor Gott nicht eher offenbar, bis die Rechtfertigung im Blut Christi geschehen war. Also sollten nun diejenigen, welche der Vater zum Werkzeug und Prozeß Christi auserkoren hatte, zuvor nicht wissen, was sie taten. Aber nachdem sie es getan hatten, tat ihnen Gott das Verständnis zur Bekehrung auf. Darum bat Christus des Vaters Gerechtigkeit, die diese Mörder und Blutrichter im Zorn verschlingen wollte, daß Gottes Gerechtigkeit ihnen in Christi Blut vergeben möge.

12.29. Niemand kannte den Weltheiland wahrhaft, auch die Apostel selber nicht, bis auf die Offenbarung nach seinem Tod. Und man soll nicht sagen, Gott habe diese Männer im Besonderen dazu verstockt, daß sie Christus nicht erkennen konnten. Nein, es kannte ihn wohl keiner wahrhaft und wußte, was sein Amt war, bis nach seiner Erfüllung dessen, darum er kommen war.

12.30. Diese Männer, welche Christus verurteilten und töteten, die saßen im Amt des Gesetzes der Gerechtigkeit Gottes. Das Gesetz als Gottes Gerechtigkeit tötete Christus. Sie aber meinten, sie taten Gott einen Dienst damit und eiferten im Gesetz von Gottes Gerechtigkeit, das sie auch zum Werkzeug der Erfüllung des Gesetzes in Christus als des Gesetzes Amtleute auserkoren hatte.

12.31. Wie auch Saulus, so daß er im Gesetz der Gerechtigkeit Gottes mit wahrem göttlichem Eifer eiferte, wie es das Gesetz erforderte, bis ihn die Erfüllung des Gesetzes im Eifer seines Vorhabens ergriff und ihm andeutete, daß dieser Eifer im Gesetz mit Blut erfüllt worden sei. Er sollte nun zukünftig nicht mehr im Gesetz der Gerechtigkeit des Vaters im Feuer eifern, sondern in der Erfüllung in der Liebe Christi.

12.32. Denn das sind nicht die größten Sünder, die Christus gekreuzigt haben, denn sie sollten es vermöge des Amtes im Gesetz tun, das sie trugen. Sondern das sind vielmehr die größten Sünder, die nach der Erfüllung des Gesetzes Christus spotten und in seinen Gliedern töten, und auch selber in Sünde totbleiben, nachdem ihnen in der Erfüllung des Gesetzes schon die Gnade in der geistigen Kraft mit Wundern und Taten angeboten wurde. Aber sie stopften ihre Ohren zu und lästerten nur dagegen. Und so lästerten sie dem Heiligen Geist im Verdienst Christi in seiner herrlichen Offenbarung und angebotenen Gnade.

12.33. Darum sollen wir die Schrift recht ansehen und nicht von einer besonderen Verstockung sprechen, wenn Christus sagte: »Sie wissen es (noch) nicht, was sie tun.« — Es wußte keiner, wer Christus war, bis zu seinem Tod, da erkannten sie ihn erst.

12.34. Wenn aber nun danach noch einer mit den Worten Christi sagen wollte: „Ich tue dies und das und weiß nicht, was ich tue. Gott hat mich so verstockt, daß ich es tun muß.“ Oder auch: „Ich muß stehlen und lügen, auch wuchern, geizen und zürnen und damit meinen Stolz treiben.“ Der betrachte sich achtsam selbst, was er ist und ob er nicht ein Kind des Teufels sei, der ihn mit solcher Einbildung verstockt habe. Wenn ihn Gott so verstockt hat, daß er solches tun muß, dann ist das Gesetz seiner Gerechtigkeit von ihm abgefallen und auch die Lehre des Evangeliums, denn er tut, was er tun soll und muß, und so kann es unvermeidlich nicht anders sein. Welches doch alles gegen das Gesetz der Gerechtigkeit des Vaters und gegen das Gesetz des Sohnes in seinem Evangelium läuft, und er keinen Beweis dafür hat, mit dem er sich entschuldigen kann, wenn ihn Gottes Wahrheit als einen Lügner in die Hölle wirft, deren Kind er im ergriffenen Zorn Gottes auch ist, nämlich aus dem Vater der Lügen geboren, wie Christus vom Satan sagte (Joh. 8.44).

12.35. Mehr noch wirft der Verstand ein: »Christus bat für Petrus, daß sein Glaube nicht aufhöre. (Luk. 22.32)« Warum auch nicht für die anderen, so daß deren Glaube nicht aufhöre? Also muß ja ein Vorsatz sein, sagt der Verstand.

12.36. Erklärung: Wie schon erklärt wurde, empfingen Petrus und die anderen Apostel den Grund des Glaubens aus Christis Stimme vor der Erfüllung des Gesetzes. Doch ihr Glaube ruhte noch im Gesetz des Vaters, nämlich im Geist der Gerechtigkeit Gottes. Darum versprach ihnen Christus, daß er ihnen einen anderen Tröster senden werde, nämlich den Geist der Wahrheit, der den Glauben aus Christi Erfüllung und Tod sowie seiner Auferstehung und Wiederbringung nehmen würde, und der würde bei ihnen bleiben und sie in alle Wahrheit führen, und es von dem Seinen nehmen und in ihnen verkündigen.

12.37. Der erste Glaube wurde ihnen vom Vater gegeben, als er sie zu seinen Jüngern machte, und darin lag noch Gottes Gerechtigkeit im Zorn. Diesen Glauben begehrte der Satan zu versuchen und zu durchdringen, ob es der sei, der ihm sein Reich im Menschen nehmen und die Hölle zerstören solle und wolle. Doch dieser Glaube im Zorn Gottes konnte den wahren Test der Feuerprobe noch nicht bestehen. Darum bat der Name Jesus für sie, daß doch dieser Grund in ihnen nicht aufhöre, darin sie danach im Glauben und der Liebe und Demut Wunder tun sollten. Sonst wären die Wunder nicht so feurig über Leben und Tod geschehen, nämlich über Gottes Gerechtigkeit, welche die Liebe im Blut Christi überwand.

12.38. Aber den anderen war dieser Glaube noch nicht gegeben, denn sie waren keine Apostel, sondern mußten auf die Verheißung warten. Dafür wurde ihnen der Gnadenglaube gegeben, und damit bittet Christus auch für sie, wie für Petrus, daß ihr Glaube nicht aufhöre, wie geschrieben steht: »Er sitzt zur Rechten Gottes und vertritt uns.« Und er bittet unaufhörlich die Gerechtigkeit Gottes mit unaussprechlichem Seufzen für uns in uns selbst, damit wir doch einmal lernen mögen, die Schrift wahrhaft zu erkennen und zu verstehen und vom unnützen Geschwätz ab und in den Grund der Wahrheit gehen!

12.39. So soll nun niemand sagen, Christus bitte nicht für alle Menschen, wie er für Petrus bat, so daß ihr Glaube nicht aufhöre, denn er ist das wirkliche Bitten als das Gebet in uns selbst. Was gaukeln wir denn lange mit solchen Einwürfen? Wir sollten sie auf Wunsch erklären und wahrhaft erkennen, denn als Christus sagte »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen (noch) nicht, was sie tun.«, da bat er für alle, die ihn noch nicht kannten, aber noch kennenlernen würden.

Die Bedeutung der Figur von Judas

12.40. Daß aber eingeworfen wird, Judas ließ er verzagen, dazu betrachte die Schrift, was sie von Judas sagt. Denn Christus spricht: »Ich habe derer keinen verloren, die du mir gegeben hast, außer das verlorene Kind, damit die Schrift erfüllt würde (Joh. 17.12)«, die da sagt: »Der mein Brot ißt, der tritt mich mit Füßen. (Psalm 41.10)« Siehst du nicht, daß Christus ihn ein verlorenes Kind nannte, der schon zuvor eine Distel war, die der Zorn in Gottes Gerechtigkeit in sich selbst zu seinem Leben geboren hatte?

12.41. Also mußte dieser Judas zu einer (gleichnishaften) Figur und zum Verräter Christi ein Apostel genannt werden, um anzudeuten, was für Leute zukünftig unter Christis Lehre sein würden, wie sie das Brot des Kelchs Christi unter dem Schein großer Heiligkeit essen werden, und doch nur Christus in seinen Gliedern verraten und zum Tode verurteilen helfen, wie solches lange Zeit die Diener der antichristlichen Kirchen in den Sekten getan haben und noch heute tun, welche die wahren Christen nur verraten und sie verleumden und Christus kreuzigen und töten helfen.

12.42. Also sagt Christus, daß dadurch die Schrift erfüllt werden müsse, die von Christus andeutet, daß er in seinen Gliedern stets so verraten und getötet werden sollte, damit auch stets Gottes Gerechtigkeit in den Gliedern Christis bis ans Ende der Welt erfüllt werde. Also müssen diese Judas-Brüder ein Werkzeug der Gerechtigkeit Gottes im Zorn dazu sein, und müssen mit unter die Apostel gezählt werden, so daß man ihnen glaubt, sie seien Apostel.

12.43. Sie müssen den apostolischen Beruf von Menschen haben und an Christi Stelle sitzen und das Brot Christi essen, auf daß ja Christus in seinem Prozeß in seinen Gliedern immerdar verraten werde und der Prozeß Christi nicht aufhöre, bis er wiederkomme und seine Braut heimhole. Denn diese Judas-Brüder dienen auch Gott in seiner strengen Gerechtigkeit, damit diese stets im Blut Christi in seinen Gliedern erfüllt werde. »Denn der Gottlose ist Gott ein guter Geruch zum Tode, und der Heilige zum Leben. (2.Kor. 2.15)«

12.44. Weil nun Gott ein zorniger und auch ein lieber Gott ist, so mußte und muß noch allezeit diese Figur in Christis Amt neben der anderen stehen, auf daß eine die andere treibe und sie ineinander offenbar werden, zum Lob der Herrlichkeit Gottes am Tag seiner Erscheinung.

12.45. Auch hier kann niemand mit Grund sagen, daß Gott Judas aus besonderem Willen und Vorsatz verstockt habe, so daß er sich nicht hätte bekehren können. Sondern die Gerechtigkeit Gottes im Zorn hatte ihn ergriffen und in eine Distel formiert (bzw. „informiert“) und geboren, noch ehe er ein Apostel war, sogar noch im Samen, bevor die Seele geboren wurde, nämlich aus angeerbter Sünde, weil Gott bis ins dritte und vierte Glied (der Generationen) straft.

12.46. Also stellt Gottes Gerechtigkeit mit Judas eine (gleichnishafte) Figur dar, wie der Mensch zur Verdammnis (bzw. Überwindung) des Todes Christus in Gottes Gerechtigkeit zum Tode offenbaren sollte, damit er in der Gerechtigkeit für das Volk der Sünde sterben und der Gerechtigkeit genugtun solle. So stellte der Zorn mit Judas seine eigene Figur neben Christus in sein Amt, so daß man erkennen sollte, es wäre Gottes Wille, daß sein Zorn im Menschen getilgt werden solle. Denn es bliebe sonst des Zorns eigener Wille in Gottes Gerechtigkeit (als ein Zentrum zur Offenbarung Gottes, wie bereits zuvor vom Zentrum erklärt wurde) nur in sich selber wohnend.

12.47. Wenn aber einer fragen wollte: Was kann ein Kind im Mutterleib dafür, daß es eine Distel wird? Dem sei gesagt, daß es der Wurzel Schuld sei, welche die Distel selbst ist, wie auch Christus sagte: »Ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen. (Matth. 7.18)« Der Zorn Gottes will auch kreatürlich sein, aber nicht aus Gottes Vorsatz, sondern aus dem Vorsatz des Grimms der ewigen Natur selbst, der aber nicht Gott, sondern Grimm und wie eine Ursache des Feuers ist, daraus das Licht offenbar wird. Siehst du allhier nichts, dann rate dir Gott!

12.48. Wenn man aber sagen wollte, Judas sei sein Verbrechen leid gewesen, das ist wohl wahr. Ist es doch dem Teufel auch leid, daß er kein guter Engel ist, sondern ein Teufel und nichts anderes sein kann. So verzagt er an der Gnade Gottes, und das ist seine ewige Hölle.

12.49. Also war es auch Judas leid, daß er von Gottes Gnade verstoßen war. Aber der Gnade begehrte er auch nicht, denn der Quell zum Gnade-Begehren war nicht in ihm. Er war nicht aus dem Glauben geboren, als aus dem verheißenen Samen. Und wenn er auch aus derselben Natur kam, in welcher der Glaube verinnerlicht liegt, und auch das einverleibte Wort im Abgrund der Seele hatte, so hatte aber seine Seele schon eine Gestalt der Finsternis, welche in der Gnade ganz tot und gar untüchtig zum Leben war. Denn wenn auch eine Distel mit Honig gepflanzt würde, so wüchse doch nur eine fette Distel daraus. Diesen gehört nicht die Gnade, denn Christus sagte seinen Jüngern: »Nehmt hin und trinkt! Das ist mein Blut, das für euch und für viele (andere) vergossen wird.« Im Blut war die Tinktur (aus dem Meer der Ursachen). Doch die Sonne gibt ihre heilige Tinktur nicht der Distel, die ein falsches Leben für diese Tinktur hat. Sie gibt ihr wohl Erfahrung und Wesen, aber des Kleinods (der Gnade) ist die Distel nicht fähig. Sie zieht aus der Sonne nur die Eigenschaft, die ihr gleicht und ihr dient. So ist es auch hier zu verstehen, wenn St. Paulus sagt: »Darum, daß ihr den Leib des Herrn nicht unterscheidet (bzw. erkennt), empfängt ihn der Gottlose zum Gericht (1.Kor. 11.29)«, wie die Distel die Sonne.

Das Gleichnis der Blindgeborenen

12.50. Ferner wirft der Verstand bezüglich des Blindgeborenen ein, als die Jünger Christi fragten »Wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern? (Joh. 9.2)«, daß Christus ihnen zur Antwort gab: »Es haben weder seine Eltern noch dieser gesündigt, sondern (es geschah,) damit die Werke Gottes offenbar würden.«

12.51. Erklärung: Gott hat das Reich dieser Welt in Zeit, Ziel, Maß und Gewicht eingeschlossen (Weis. 11.21), und so stehen die Werke Gottes in einer wirkenden Gestaltung. Doch wenn die Gestaltung offenbar werden soll, dann steht auch das Selbst da, darin und damit es offenbar werden soll.

12.52. Weil Christus in diesem gläubigen Blindgeborenen vor seinem Leiden und seiner Erfüllung des Gesetzes der Natur offenbar werden sollte, so mußte ihn das Gesetze mit den Augen der Natur zuvor töten, auf daß ihm Christus die Augen des Glaubens auftun konnte, damit danach diese Glaubens-Augen auch der Natur ihre Augen durch die Gnade auftun. Er war eine gleichnishafte Figur, wie wir in Adam an Gott blind geworden waren und wie wir in Christus wieder sehend würden. Denn diesem Blinden kam seine Blindheit nicht aus besonderer angeerbter Sünde, denn er war ein Glaubens-Samen, in dem Christus mit seiner Annehmung der Menschheit rege geworden war, darin er auch an ihn glaubte. Aber dieses innerliche Glaubens-Sehen aus Christus galt noch nicht. Er sollte erst durch dessen menschliche Stimme sehend werden.

12.53. Denn als Jesus Mensch wurde, da wurde das Menschliche in Gottes Sehen geboren. Aber das Gesetz Gottes hielt dieses Sehen (bzw. göttliches Bewußtsein) in den armen Sündern noch gefangen, bis unsere Augen aus des Gesetzes Erfüllung durch seinen Tod sehend wurden. Damit nun dieser aus dem Glaubens-Samen im Mutterleib durch Christi Eingehung und Offenbarung in der Menschheit sehend werden konnte, tötete die Natur sein (körperliches) Sehen, so daß er mit dem Glauben nicht durch das Licht der Natur sehen mußte, denn es war Gottes Gerechtigkeit im Gesetz der Natur noch nicht geschehen (und erfüllt).

12.54. Also mußte dieser blind geboren werden, auf daß das göttliche Auge im Glauben ihn sehend machte, nämlich durch das Einsprechen des heiligen Namens „Jesu“, damit die Herrlichkeit Gottes offenbar würde. Deshalb sollte man nicht sagen, daß dieser Blinde durch einen besonderen Vorsatz blind geboren worden sei, sondern er war einer aus der Wurzel des Glaubens-Samens, und diesen Glauben sollte der Name „Jesu“ als Gottes Licht in der Liebe sehend machen. Er war einer im Uhrwerk (bzw. „Zeit-Werk“) Christis, der zu seinem Prozeß von Gott dem Vater an Christus gegeben wurde, gleichwie auch die Pharisäer im Uhrwerk des Gesetzes der Gerechtigkeit Gottes mit zum Prozeß Christi kamen (und wirkten).

Die falschen Propheten

12.55. So wird auch oft der Spruch in den Verstand geworfen, um zu beweisen, Gott wolle, daß die Menschen verführt und verdammt würden, wenn Christus spricht: »Es werden falsche Christis und falsche Propheten aufstehen, so daß in Irrtum, soweit es möglich wäre, auch die Auserwählten verführt würden. (Matth. 24.24)«

12.56. Erklärung: Dieser Text sagt, sie werden »aufstehen«. Er sagt aber nicht, daß sie von Gott gesandt seien, viel weniger aus Christus, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben war.

12.57. So sollten diese falschen Propheten aus dem Vorsatz göttlichen Zorns wie aus dem Eifer der Gerechtigkeit entstehen und das Herz der falschen Maulchristen verführen, welche sich „Christen“ nennen. Diese sollten durch diesen verbitterten Geist göttlichen Zorns im (Entwicklungs-) Prozeß Christi versucht werden, ob sie den Geistern der Lügen glauben, dieweil sie sich „Christen“ nennen, aber Christus nicht in ihnen ist, weil sie Kinder des Zorns sind. So sollten sie ihre Bilder der Greuel und falschen Deutelei darstellen, damit ihnen die Kinder des falschen Namens „Christ“ mit Christi Purpurmantel bedeckt anhingen und sich die wahren Christen von ihnen absonderten, auf daß erkannt würde, wer Christus sei. Auch sollte im Prozeß Christi durch die falschen Propheten mit Beraten, Töten und Leiden offenbar werden, daß Christus von den Pharisäern und Heiden wegen ihres falschen Gottesdienstes immerdar getötet würde.

12.58. Denn Gottes Gerechtigkeit fordert die Kirche Christi im Blut und bildet immerdar eine Ursache für falsche Propheten und Christen. Und diese falschen Propheten töten mit den Heiden als Tyrannen ohne Unterlaß Christus in seinen Gliedern und opfern ihn der Gerechtigkeit Gottes, dadurch Gottes Zorn in den wahren Christen getötet wird.

12.59. Wenn man heute diese falschen Propheten erkennen will, wer sie sind, so sehe man nur jene an, die sich ihre Meinung aus den (toten) Buchstaben zusammengefaßt und stattliche Schriften voller Schmähung und Knüppeln des Zorns Gottes gesetzt haben, wie eine Sekte die andere in die Augen schlägt und als falsch verschreit. Doch leben diese Schreihälse einer wie der andere und schreiben nur zu ihren eigenen Ehren, damit sie als hochgelehrte Leute angesehen werden, auf die alle Welt sehen soll, daß sie Christus sind. Aber sie sind nur Titel- und Maul-Christen ohne die Gnade, leben auch ganz ohne Christis Prozeß nur in ihren Gelüsten des Fleisches und dichten täglich mehr, wie sie Ränke (Intrigen) eines neuen Ordens- und Gottesdienstes erdenken können, darunter sie einen strahlenden Schein bekommen und man sie desto mehr ehrt und mit Reichtum zur Bauchfülle ihres göttlichen Bauch-Körpers beschenkt.

12.60. Diese haben nicht Christi Geist in sich, sind auch keine Apostel Christis, sondern alle miteinander nur falsche Propheten, welche aus dem Buchstaben ohne Wissen (bzw. Weisheit) deuten. Denn was sie sagen, das wissen und glauben sie selber nicht, und sind eben die reißenden Wölfe, von denen Christus sagt, sie haben nicht Christis Wissen in sich und weissagen trotzdem.

12.61. Denn von denen, die in Christus sind, sagte er, sei es nicht möglich, daß sie verführt werden können. Das sind nun diese, in denen Christus Mensch geworden ist. Sie sind nach dem inneren Grund in Christus im Himmel und in Gott, und sie hören Christus in sich sprechen, denn sie hören nur Gottes Wort und nicht die falschen Propheten. Wenn man diese falschen Propheten jetzt in allen Sekten ausjäten wollte, dann würde die apostolische Schar klein werden, die sich Apostel nennen.

12.62. Darum sollte man niemals sagen, daß Gott diese falschen Propheten dazu bestimmt hat, daß er den Menschen, die sonst zur Seligkeit kommen könnten, die Seligkeit nicht gönnen wollte. Wie der Verstand auch irrtümlich meint, daß sich Gott einen Teil der Menschen zur Seligkeit und den anderen zur Verdammnis bestimmt habe, und das wolle Gott so haben, und darum sendet er ihnen kräftigen Irrtum, nur damit sie fallen müssen und er seinen Zorn an ihnen beweisen könne.

Aufruf zur Wahrhaftigkeit

12.63. Ihr lieben Brüder, die ihr mit solchem Wahn verwirrt seid, wir raten euch: Lehrt keinen Wahn, versichert euch dessen zuvor in Christi Geist aus dem inneren Grund, sonst werdet ihr in Gottes Gerechtigkeit unter die falschen Propheten gezählt und ergriffen. Habt ihr nicht die Tür Christi in eurer Seele offen, daß ihr im Geiste Christi aus- und eingeht und wahre gewissenhafte Weide für die Schafe findet, so daß ihr sie in Christi Gras weiden könnt, dann laßt es lieber bleiben.

12.64. Eure Schulkunst, wenn ihr einander mit Worten des Verstandes schlagt und überwindet und danach solche Verstandes-Errungenschaft als Christi Wahrheit schreibt und lehrt, das gilt euch nichts vor Gott. Denn Christus nannte diese Diebe und Mörder, welche ohne seinen Geist und sein Wissen zu einer anderen Tür einstiegen, nämlich durch (gedankliche) Verstandes-Schlüsse ohne Christi Wissen und Willen. Seid ihr nicht mit Christi Geist gewappnet, so zieht nicht in den Krieg gegen einen so mächtigen Feind wie den Teufel und Gottes Gerechtigkeit im Zorn. Ihr werdet hier mit euren Verstandes-Schlußfolgerungen ohne das Blut Christi in euch nichts gewinnen, sondern durch Gottes strenge Gerechtigkeit werdet ihr nur in euren Verstandes-Schlüssen gefangen und zu falschen Propheten im Zorn Gottes erwählt.

12.65. Denn keiner ist ein Prophet, der nicht im großen Uhrwerk der göttlichen Ordnung im ausgesprochenen Wort als ein Ziel der Zeit aus Gottes Gerechtigkeit geboren wurde, so daß durch dieses Ziel der Heilige Geist Gottes in göttlicher Ordnung spricht. Er muß ein Ziel im Uhrwerk im Mysterium Magnum sein, durch das der Geist Gottes auf ein anderes (höheres) Ziel der Offenbarung deutet. Wie auch die Propheten solche waren und noch heute sind, die im Ziel des großen Uhrwerks durch die Gnaden-Vorsehung in Jesus Christus stehen, weil uns Gott in Jesus Christus vor der Welt Grund (bzw. in der Gründung der Welt) vorgesehen und gesehen hat. Er muß in Gottes Gerechtigkeit mit seinem prophetischen Geist verinnerlicht stehen. Und eben in diesem Ziel, darin Gott den Namen seiner Liebe in die Gerechtigkeit hineinversehen hat, auf daß er aus dem Grund des Gesetzes der Gerechtigkeit des göttlichen Vorsatzes und dann auch aus dem Grund der vorgesetzten Gnade geboren sei, so daß er das Gesetz als Gottes Gerechtigkeit und auch das Evangelium als Gottes Liebe und des Gesetzes Erfüllung lehren kann.

12.66. Dieser ist ein wahrer Prophet und kein anderer, denn er ist das Ziel eines Reiches im Mysterium Magnum, dadurch und daraus die Ordnung der Reiche auf Erden entstanden. Er ist sozusagen der Mund dieses Reiches. Weil er aber lehren muß, wie Gottes Gerechtigkeit im Zorn mit der Gnade getötet werden soll und daß sich zuvor die Gnade dem Zorn zur Tötung der Gerechtigkeit ganz hineinergeben müsse, so wird er auch im Prozeß Christi von den falschen Propheten und Pharisäern derselben Gerechtigkeit Gottes mit geopfert. Denn das soll und muß so sein, damit sein Ziel auch im Blut Christi hindurch vom Zorn geführt werde und das Ziel der Gerechtigkeit in die Gnade gesetzt wird. Darum müssen die Propheten Christis Märtyrer werden.

12.67. Dieses mögen alle wohl erkennen, die lehren wollen und meinen, sie sind dazu berufen! Schaut eure Berufung in euch gut an, ob ihr auch von Gott in seinem Uhrwerk in Christus berufen seid. Ob euch Christus in euch mit seiner Stimme berufen hat, wenn nicht, so seid ihr nichts anderes als nur falsche Propheten, die da ungesendet laufen und nicht zur Tür Christi in den Schafstall eingehen.

12.68. Daß ihr euch auf Menschenruf stützt, das gilt wohl vor Menschen, und Gott läßt sich das auch gefallen, was Menschen tun, wenn es in seiner Ordnung geschieht, besonders, wenn ihr euch durch Menschenruf in Gottesruf hineinergebt und auch bedenkt, wie ihr in eurem Menschenruf des göttlichen Rufs fähig werden könntet. Wo das nicht ist und ihr nur im Menschenruf in eigenem Willen bleibt, da sitzt ihr auf dem Stuhl der Pestilenz und seid Pharisäer und falsche Propheten. Und wenn ihr auch viele Hunderttausend wärt, so macht euch doch das Amt nicht zu Propheten und Hirten Christis, es sein denn, ihr geht durch Christis lebendige Tür ein. Auch wenn dies dem Pharisäer nicht schmecken wird, so ist doch die Zeit geboren und das Ziel vorhanden, daß es offenbar werden soll, und davor hilft keine Menschenlist mehr. Weh dem Volk, das dieses verachtet! Es wird in Gottes Gerechtigkeit im Eifer gefressen werden.

Die Bedeutung des Propheten Jona

12.69. So führt nun der Verstand auch den Propheten Jona zu seinem Beweis an, daß Gott die Menschen vorsätzlich zum Bösen und Guten zwinge, wie er Jona zwang, daß er nach Ninive gehen mußte.

12.70. Erklärung: Höre, oh Verstand, irre dich nicht! Gottes Geist läßt sich nicht vom Verstand richten. Jona war ein Prophet, geboren aus dem Ziel des Bundes, und stand in Christis (gleichnishafter) Figur, nämlich wie Christus in den Zorn Gottes im Rachen des großen Walfisches göttlicher Gerechtigkeit hineingeworfen werden sollte, um diese zu erfüllen, wie er in das Meer des Todes eingehen sollte und wie ihn der Zorn Gottes, den er in diesem Walfisch des Todes überwand, wieder lebendig und ledig (befreit) aus sich ausgehen lassen sollte, wie Jona aus dem Bauch des Walfisches.

12.71. Es war eine Figur Christis und aus dem Ziel des großen Uhrwerks, aus dem Mysterium Magnum und aus den beiden Vorsätzen Gottes geboren, nämlich aus seiner Gnade und aus seiner Gerechtigkeit, und so wurde er als eine (gleichnishafte) Figur dargestellt, nämlich zu einem Spiel des göttlichen Geistes. Denn der Geist in dieser Figur sah und deutet auf Christus, wie sich die Menschheit Christi, nämlich unsere angenommene Menschheit, vor Ninive entsetzen würde, nämlich vor der Gefahr des Lebens, wie auch Christus sagte, als dann die Zeit da war, daß er nach Ninive als in den Zorn Gottes gehen sollte: »Vater, ist es möglich, dann nehme diesen Kelch von mir. (Luk. 22.42)« Und deshalb verbarg er sich auch öfters vor den Pharisäern als den Niniviten, wie Jona vor Ninive.

12.72. So deutet diese Figur auch auf uns (Propheten), wenn wir wie der arme Jonas dem Volk die Strafe und das Gericht Gottes verkünden sollen und unser Leben unter ihnen um der Wahrheit willen wagen müssen, und wie man dann Ausflüchte sucht und sich auf das Meer der Welt begibt, unter die fetten Tage, vor Gottes Befehl flieht und stillschweigt aus Furcht vor den Niniviten, und wie dann der Walfisch von Gottes Zorn kommt und die Propheten in seinen Rachen verschlingt.

12.73. Daß aber Jona mit Gewalt dazu getrieben wurde, deutet an, daß der Vorsatz des göttlichen Vaters in Christus bestehen sollte und mußte. Denn auch wenn sich Adam von Gottes Gehorsam in die Bildlichkeit dieser Welt abgewandt hatte, so daß der Mensch dem großen Walfisch, nämlich dem Tode übergeben war, sollte doch Gottes Vorsatz bestehen und Adam in Christus aus dem Bauch des Todes auferstehen.

12.74. Das ist die Figur (und Bedeutung) von Jona, ihr lieben Brüder, und nicht euer vermeintlicher Vorsatz und Zwang zum Bösen und Guten. Es ist eine Figur Christis, darum laßt von solchen Schlüssen ab und lästert nicht dem Heiligen Geist in seinen Wundern in der Figur Christis durch die Andeutung irriger Meinungen, oder ihr werdet mit euren Schlüssen in das Meer von Gottes Zorn geworfen. Davor sollen und wollen wir euch in Liebe brüderlich warnen.

13. Kapitel – Zusammenfassung

Summarischer Schluß all dieser Fragen

13.1. Schließlich führt der Verstand auch den Spruch Christi an, wenn er sagt: »Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir von der Welt gegeben hast. (Joh. 17.6)« Damit will er beweisen, daß Christus seinen Namen niemandem offenbare, den der Vater ihm nicht zuvor aus seinem Vorsatz gegeben habe, ob er wolle oder nicht.

13.2. Erklärung: Oh du gar jämmerlich verblendeter Verstand, wie bist du so blind! Weißt du nicht, was des Vaters Geben ist?! Es ist das Zentrum der Seele als des Vaters Willen in der Erfahrung der ewigen Gerechtigkeit, wo die Erfahrung entweder mit der Begierde des Greuels oder mit der Gnade göttlicher Liebe beladen wird, und dahin gibt (bzw. führt) sie das sprechende Wort in Gottes Gerechtigkeit, entweder in die Wurzel einer Distel oder in die Wurzel des Glaubens-Samens. Aus der Wurzel im Glaubens-Samen wird Christus offenbar, denn es ist Christis Wurzel, daraus ein Christ in Christus geboren wird. Denen oder diesen Christenmenschen hat Christus von der Welt her sich immerdar offenbart und ihnen Gottes Namen gegeben, denn er selbst ist Gottes Name.

13.3. Diesen Text sollte man nicht so verstehen, als wenn Gott vor dem Anfang der Welt einen Beschluß gemacht hätte und den Beschluß in eine gewisse Ordnung und Zwang gesetzt, wieviel (Menschen) er ihm (seinem Sohn Christus) geben wollte und welche. Und dieser Beschluß könnte niemals überschritten werden, wie es der gefangene Verstand so versteht. Nein, nein, der Baum Christi ist unermeßlich (ohne ein bestimmtes Maß bzw. Zahl), und auch Gottes Gnade und seine Gerechtigkeit im Feuer sind alle beide unermeßlich. Denn hätte Gott ein bestimmtes Ziel in Liebe und Zorn gesetzt, dann bestünde dieses in einer Meßbarkeit und einem Anfang, und deshalb müßte man auch denken, daß es ein Ende nehmen würde. Nein, nein, der Baum der Erkenntnis von Gutem und Bösem steht im ewigen Grund, in dem weder Zeit noch Ziel ist. Gottes Gnade in Christus ist unermeßlich und von Ewigkeit, also auch das Reich der Natur im Mysterium Magnum (dem großen Unbekannten bzw. Ungestalteten), aus dem sich die feurige Erfahrung aus dem Willen des Ungrundes offenbart hat. Wie Christus den Menschen als eine Wurzel des Glaubens-Samens im Anfang der Welt den Namen Gottes offenbart hat, so auch bis ans Ende der Welt, denn dies sagte er auch zu seinen Jüngern, als sie ihn über das Ende der Welt befragten: »Wie der Blitz aufgeht und bis zum Niedergang scheint, so sollte auch die Zukunft des Menschensohns sein. (Matth. 24.27)« Wie sich die Sonne den ganzen Tag allen Dingen hingibt und auf sie scheint und sich in alle Dinge hineindrängt, sei es gut oder böse, so ist auch die göttliche Sonne Christi als das wahre Licht der Welt.

13.4. Christus entzieht sich niemandem mit seinem Licht der Gnade. Er ruft sie alle und erscheint mit seiner Stimme in ihnen, gar keinen ausgenommen. Aber sie hören und sehen ihn nicht alle, denn sie sind nicht in Gott. Die Erfahrung des unergründlichen Willens des Vaters der seelischen Kreatur hat sich in fremde Bildlichkeit zu einer Distel der (eigenwilligen) Schlange hineingeführt. Diese sieht und hört nichts, wenn Gottes Gerechtigkeit in ihr spricht: „Tue recht, oder ich will dich töten, denn dies und das ist Sünde. Tue es nicht, oder du wirst von Gott verstoßen.“

13.5. Wenn dieses die Seele in sich hört, dann kommt der Teufel in seinem Schlangengebilde und spricht in die Erfahrung: „Harre noch im Fleisch in dieser und jener Lust, wie in Geiz, Stolz, Neid, Zorn, Hurerei, Völlerei und Spötterei! Es ist noch genug Zeit, um schließlich Buße zu tun. Sammle dir zuvor viele Reichtümer, damit du der Welt nicht mehr bedarfst, und dann tritt in ein frommes Leben ein. Dann kannst du einsam (unabhängig) leben, ohne den Spott der Welt, und bedarfst ihrer nicht.“

13.6. Auf diese Weise wird ein Tag und Jahr auf das andere gesetzt bis zur Stunde des Todes. Dann will man trotzdem ein Gnadenkind und selig sein, obwohl man doch die ganze Zeit in der Schlange gesteckt hat. Da soll dann der Priester mit Gottes Leichnam kommen und die neue Engelsgeburt mitbringen, obwohl sie mancher Priester selbst nicht hat und diesbezüglich auch nur zu Gast ist.

13.7. Weil sie in der Schlange stecken, sind diese nicht Christus gegeben, sondern dem Zorn Gottes. Der Zorn läßt sie nicht los, es sei denn, die Erfahrung der Seele wende sich innerlich zur Gnade. Und wenn das geschieht, dann ist es das Geben, denn die göttliche Sonne scheint alsbald in die stillstehende Erfahrung und zündet sie an. Und das Anzünden ist nun der Name Gottes, den Christus der Seele gibt, so daß sie beginnt, in Christus zu schöpfen und Buße der Vergebung zu wirken, nämlich wenn sie beginnt, von der Einbildung der Falschheit (bzw. Illusion) stillzustehen.

13.8. Wenn man spricht „Nicht mehr tun, ist die größte Buße.“ (ein altes Sprichwort), das geschieht, wenn der Grund der Seele beginnt, von der Einbildung still zu sein und in ihren Abgrund (der geistigen Tiefe) geht, zu dem sie die Macht hat, es sei denn, sie ist schon eine Distel und läuft und wächst so bis ans Ende ihrer Zeit. Jedoch gibt es kein Gericht von außen über sie, sondern nur ihr eigenes Gericht, weil sie bis zur Erntezeit im Leben dieser Welt ist. Aber schwer (und leidvoll) ist es, wenn der innere und auch der äußere Grund der äußerlichen Konstellation falsch (bzw. illusorisch) ist. So laufen sie dann gewöhnlich bis ans Ende. Und dann kommt nur noch Judas-Buße, und das Kitzeln mit dem Leiden Christi hilft ihnen wenig, wenn nicht das Wesen des Glaubens da ist.

13.9. Die (übliche) Pracht mit den herrlichen Begräbnissen eines toten Tieres ist nur des Teufels Spott, daß er sie damit verspottet, denn die zugerechnete Gnade gilt nicht von außen, so daß wir mit äußerlichen Gnadenworten losgesprochen werden, wie ein Herr oder Fürst einem Mörder das Leben aus Gnade schenkt. Nein, nein, es muß die zugerechnete Gnade Christi in uns im innerlichen Grund der Seele offenbar und unser Leben werden.

13.10. Man soll die Buße nicht bis zum Lebensende aufsparen, denn ein alter Baum wurzelt schlecht. Ist Christus nicht in der Seele (verwurzelt), dann gibt es keine Gnade oder Vergebung der Sünde. Denn Christus selbst ist die Vergebung der Sünde, der die angesammelte Greuel der Seele in Gottes Zorn mit seinem Blut in uns transmutiert und in das göttliche Feuer verwandelt. So sprach auch Christus vor den Pharisäern zu jenem gichtgeplagten Menschen: »Deine Sünden sind dir vergeben.« Das geschah, weil er Christis Stimme in seiner Seele fing, und da vergab ihm das lebendige Wort in ihm seine Sünde. Das heißt, er überwältigte die Sünde und trat der Schlange und ihrer hereingeführten Greuel mit dem Feuer der Liebe auf den Kopf ihres (Eigen-) Willens.

13.11. So kann nun niemand die Sünde vergeben als Christus im Menschen selbst. Und dazu sagte Christus: »Empfangt den Heiligen Geist! Welchen (Menschen) ihr die Sünden erlaßt, denen sind sie erlassen, und welchen ihr sie erhaltet, denen sind sie erhalten. (Joh. 20.23)« Das bezieht sich auf die wahren Apostel und ihre wahrhaften Nachfolger, die den Heiligen Geist aus Christus empfangen haben und selbst in Christus leben und sind und Christis Stimme in sich haben. Diese haben die Macht, das lebendige Wort Christi in die hungrige Seele hineinzusprechen, das in ihnen wohnt, und niemand anderes, wie immer sie auch heißen und erscheinen wollen. Auf diese Weise müssen sie Christis Apostel sein, wenn sie sein Amt verwalten wollen, ansonsten sind sie nur Pharisäer und Wölfe.

13.12. So muß die Seele ihren hungrigen Mund für das Einsprechen auftun, sonst geht das Wort in sie nicht ein. Wie es dann auch nicht in alle ging, als Christus selbst predigte und lehrte, sondern nur in die hungrigen und durstigen Seelen, von denen Christus sagte: »Selig sind, die da hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden. (Matth. 5.6)« Das heißt, sie sollen von der Fülle seines Wortes gesättigt werden.

13.13. Denn nicht bei den Menschen steht das Sünde-Vergeben, sondern in der Gewalt des Wortes Christi, wenn es im Menschen wohnt. Nicht des Menschen Sprechen vergibt die Sünde, sondern Gottes Sprechen im Menschenwort. Aber das geht nun nicht in die falsche Distel, sondern in die Seele, wo der Glaubens-Same im Schall der Bewegung liegt (und auf Erweckung wartet) und wo die Seele von der Einbildung der Schlangenbegierde stillsteht.

13.14. Darum verlaßt euch nicht auf Menschen! Sie können euch die Sünde nicht vergeben und die Gnade nicht geben, wenn ihr nicht selbst nach der (wahren) Gerechtigkeit hungert und dürstet. Die Buße bis ans Ende zu sparen, das ist eine Judas-Buße. Es gilt nicht nur, sich zu trösten, sondern das Neugeborenwerden.

13.15. Ihr lieben Brüder, so habe ich kurz auf die angeregten Punkte aus dem Grunde antworten wollen, und dies ist meine Meinung, daß die Sprüche der Schrift alle wahr sind, aber der eigenwillige Verstand irrt und diese ohne Christus nicht versteht. Der Apostel sagt: »Wir haben keinen knechtischen Geist empfangen, so daß wir uns abermals fürchten müssen, sondern einen kindlichen Geist, der da ruft: „Abba, lieber Vater!“ (Röm. 8.15)« Das heißt, nicht der Welt oder des Fleisches Sinn haben wir in der verheißenen Gnade empfangen, sondern den kindlichen Sinn Christi (als Sohn Gottes), der uns vom Gesetz der Sünde freigemacht hat. Darum soll ein jeder wie Jesus Christus gesinnt sein, der Einige Mensch in Gnade, wie auch der Apostel sagt (in Phil. 2.5). Und wer diesen Sinn nicht hat, der erkennt nicht, was der Geist Gottes ist. Es ist ihm eine Torheit, und er begreift es nicht (1.Kor. 2.14).

13.16. Auch wenn wir nun mit diesen sehr scharfsinnigen Ausführung manchem unverständlich sein werden und auch ein Anstoß oder Ärgernis, so daß man sagen wird, wir gebrauchten fremde und ungewöhnliche Reden in unserem Grund, darauf sagen wir mit Wahrheit vor Gottes Augen, daß wir es nicht anders geben können als es uns in Christi Sinn gegeben wurde. Und wer aus Christus ist, der wird es wohl verstehen. Den anderen Spöttern und Klüglingen, die nur ihren (gedanklich-oberflächlichen) Verstand zum Meister haben, denen haben wir nichts geschrieben.

13.17. Wir bitten aber unsere lieben Brüder in Christus, dieses Traktat mit Geduld durchzusehen und zu lesen, denn sein Name heißt „Je länger, je lieber“, je mehr gesucht, desto mehr gefunden. Weil Christus uns selber drängt, zu suchen, anzuklopfen und zu bitten und uns die Verheißung gegeben hat, daß wir empfangen und finden sollen, so sollen wir nicht in Sünde stillstehen wollen und darauf warten, bis uns die Gnade Gottes überfalle und zwinge. Wir sollten auch niemals denken, daß Gottes Geist aus Bösem ein Gutes machen wollte, auch wenn er freilich den armen Sünder, der noch nicht ganz eine Distel ist, manchmal in seinen Sünden überfällt und ihn davon abzieht. Wenn er sich nun ziehen läßt, dann ist es gut. Will er aber gar nicht, sondern tritt wieder in die Schlange und kreuzigt Christus, dann lästert er dem Heiligen Geist, und von ihm sagt die Schrift, er finde ewiglich keine Vergebung (Hebr. 6.6).

13.18. Kein Mensch sollte sagen, er sei nicht schon etliche Male gezogen worden, besonders in seinen Gedanken, sogar der Gottloseste. Christus erscheint allen Völkern, einem wie dem anderen, dem einen in seinem geoffenbarten Namen, dem anderen Volk aber in einem (anderen) Namen des Einigen Gottes. Er zieht sie alle, und wegen seines Zuges und seiner Weisheit, die in ihre Herzen geschrieben sind, so daß sie wissen, daß es einen Gott gibt, den sie ehren sollen, aber es nicht tun, werden sie dann entsprechend gerichtet.

13.19. Wieviel mehr aber werden wir gerichtet werden, wenn wir uns „Christen“ nennen und das wahre Wissen haben, aber die Wahrheit aufhalten und sie in Lügen verwandeln, um einer gefaßten Meinung willen, die wir uns einmal eingebildet und damit in der Welt bekannt gemacht haben. Und auch wenn wir danach ans Licht geführt werden, dann gönnen wir uns der eigenen Ehren mehr als Gott und wollen das Licht mit fremder Deutelei verbergen, beschmutzen und verdecken, auf daß der Menschenwahn wie ein Abgott an Christi Stelle sitze. So geschieht es viele Male und darin soll Babel (der Turmbau zu Babel mit wackligen Gedankenkonstrukten bis zum Himmel) ganz aufgerichtet werden, so daß mancher nicht nachläßt, seine einmal bekannte Meinung zu verteidigen, auch wenn er die ganze Schrift bei den Haaren herbeiziehen müßte.

13.20. Liebe Herrn und Brüder, laßt uns Christo die Ehre geben und uns untereinander freundlich mit züchtigen Worten und Unterweisung begegnen. So bringe einer dem anderen seine Gaben im brüderlichen Willen dar, denn es gibt mancherlei Erkenntnis und Auslegungen. Doch wenn sie nur aus dem Geist Christi kommen, dann stehen sie alle in einem Grund.

13.21. Wir sollten uns wegen der ungleichen Gaben nicht verfolgen, sondern vielmehr in Liebe untereinander erfreuen, daß Gottes Weisheit so unerschöpflich ist, und an das Künftige denken, wie uns so wohl geschehen soll, wenn all diese Weisheit aus Einer und in Einer Seele offenbar werden wird, so daß wir alle Gottes Gaben erkennen und unsere Freude aneinander haben werden, und sich jeder des anderen Gabe erfreut, wie sich die schönen Blumen in ihren unterschiedlichen Farben und Tugenden auf Erden nebeneinander in einer Mutter erfreuen. So ist auch unsere Auferstehung und Wiederkunft.

13.22. Was wollen wir denn hier um eine Weisheit streiten, die ein Gabe ist? Denn alle Schätze der Weisheit liegen in Christus. Wenn wir Ihn haben, so haben wir alles. Und wenn wir Ihn verlieren, dann haben wir alles verloren, auch uns selbst.

13.23. Der Einige Grund unserer Religion ist, daß wir Christus in uns lieben und uns untereinander lieben, wie uns Christus geliebt hat, so daß er sein Leben für uns in den Tod gegeben hatte. Doch diese Liebe wird in uns erst offenbar, wenn Christus in uns als Mensch geboren und offenbar wird. Dann gibt er uns seine Liebe, so daß wir uns in ihm lieben, wie er uns liebt. Denn er gibt unserer Seele sein Fleisch und Blut immerdar zu essen und zu trinken, und welche Seele dieses nicht ißt und trinkt, die hat kein göttliches Leben in sich (Joh. 6.54).

13.24. Darum bitte ich den liebhabenden Leser, wenn ihm in diesem Traktat etwas zu scharfsinnig ist, dann möge er Gott die Ehre geben, beten und dies recht lesen. Es liegt alles, was die Sonne bescheint und der Himmel begreift, wie auch die Hölle und alle Tiefen im Menschen. Er ist ein unerschöpflicher Quellbrunn. Und so kann er auch diesen hohen Grund, den Gott uns als einfältige Menschen gegeben hat, mit der Weile gänzlich und gar wohl begreifen und erkennen.

13.25. Allein vor dem Schmähen wollen wir ihn gewarnt haben, wenn ihm Seele und Ewigkeit lieb sind, denn er wird uns nicht anrühren, sondern den grimmigen Zorn Gottes in sich selber erwecken. Mich aber, der zu diesem Werk berufen war, kann er gern anrühren, denn ich stehe jenseits seiner Rührigkeit in Christi Banden. Ich will ihn aber in Liebe gebeten haben, sich als einen Bruder in Christus zu zeigen, und wenn er es mit göttlichen Gaben vermag, eine noch hellere (und klarere) Erklärung zu geben. Wenn ich sie dann sehen (und lesen) werde, dann will ich mich an seiner Gabe erfreuen und dem Höchsten danken, der uns untereinander so vielfältige Gaben reichlich gibt. Amen.

Vollendet am 8. Februar 1623 (deutsche Überarbeitung 2021).

Verwendete Quellen zur deutschen Überarbeitung

✍ Von der Genaden-Wahl oder dem Willen Gottes über die Menschen, Jacob Böhme, 1682
✍ De electione gratiae von der Gnaden-Wahl, Jacob Böhme, 1730
✍ Jakob Böhmes sämmliche Werke, Band 4, Johann Umbrosius Barth, 1842