Macht versus Ohnmacht

Jed McKenna bezeichnete die Polarität von Macht und Ohnmacht als „globale Identitätsstruktur“. Er ermutigte die Menschen, beide Seiten dieser Medaille zu durchfühlen – im Wissen, dass sich das, was man durchfühlt, schließlich auflöst, sobald man den Widerstand gegen dieses Durchfühlen aufgibt.

Wenn man von Macht versus Ohnmach spricht, sollte man natürlich zunächst verstehen, wovon man eigentlich redet.

Das Ego ist ein Zentrum der Macht – doch auch die Hingabe des Egos erzeugt Macht. Der Glaube an eine Lüge ist eine mächtige Kraft – doch auch das Erkennen der Wahrheit ist eine solche. Wollen und Fürchten sind mächtige Werkzeuge der Manifestation – aber auch Furchtlosigkeit und Wunschlosigkeit. Im Idealfall kannst du all diese Polaritäten aus eigener Erfahrung nachvollziehen – und bist offen dafür, jeden dieser Zustände zu durchfühlen.

Erkenntnis der Wahrheit ist kein Zustand. Sie ist auch keine Identität. Man könnte sie als einen „Nicht-Zustand“ bezeichnen. Doch als Nicht-Zustand ist sie zugleich die Summe aller Zustände und Stadien. Sie alle sind du, und doch bist du keines von ihnen. Alle weltlichen und spirituellen Kräfte sowie alle weltlichen und spirituellen Zustände von Ohnmacht entspringen hieraus. Ebenso alle Erscheinungen. Alle Wesen und Welten.

Die physische Ebene ist ein gewaltiger Erzeuger von Ohnmacht. Denn physische Formen sind dazu verdammt, krank zu werden und zu sterben. Selbst das mächtigste Tier der Welt kann durch einen winzigen Mückenstich getötet werden. Doch die physische Ebene ist lediglich die extremste Form von Ohnmacht, die auf weniger extremen Formen aufbaut. So ist beispielsweise der Windgott offensichtlich mächtiger als der Wind selbst – doch auch seine Macht ist begrenzt. Offenbar muss sich das Ganze in Formen aufteilen, um vielfältig zu werden. Und mit dieser Aufteilung geht eine Aufteilung der Macht einher. Schöpfung erzeugt zwangsläufig den Anschein von Begrenzung. Selbst Götter sind solche Erscheinungen.

Letztendlich bist du ein lebendiges Paradoxon. Zugleich vollkommen mächtig und vollkommen ohnmächtig. Du musst vollkommen mächtig sein, um Ohnmacht erfahren zu können. Und während du dich als mächtig erlebst, muss dieses Erleben auf vollkommener Ohnmacht beruhen. Und obwohl du beides bist, bist du keines von beidem. Dies lässt sich erkennen, und dieses Erkennen ist wahre spirituelle Kraft. Seine Folge ist
völlige Losgelöstheit von jeglichem Zustand und jeglicher Erfahrung. Diese Freiheit von jeder Form und
jedem Inhalt des Bewusstseins ist wahre spirituelle Kraft.