Maya/Ego VIII

Die Verschwörung

Das Ego, der physische Körper und Maya sind die Protagonisten einer klassischen Verschwörung, und die erträumten physischen Wesen sind die Opfer dieser Verschwörung. Scheinbar. Denn in Wirklichkeit sind sie Schöpfer der Verschwörung. Sie sind die Wirklichkeit, aus der heraus die Täuschung entsteht, sie sind die Wahrheit, die sämtliche Märchen erzählt. 

Die Kooperation der Verschwörer sorgt dafür, dass  die Halluzination als stabil und solide daherkommt. Sie ermöglicht dem erträumten Wesen, sich selbst als ein solides Ich zu erfahren, das in einem physischen Körper wohnt und mittels seines sinnlich informierten Verstandeskörpers eine äußere Welt navigiert. 

Das halluzinierte Ich bildet sich, indem der Verstandeskörper sich einbildet, in den sinnlichen Informationen alle möglichen Arten von Mustern zu erkennen, und diese Einbildungen für bare Münze nimmt. Der Verstand halluziniert Ordnung, das Ich halluziniert daraus Orientierung, die ihrerseits Sicherheit vortäuscht. In Wirklichkeit existiert nicht einmal die vermeintliche Ordnung:

“Die wirkliche Sache besteht aus sich ständig verändernden Energiemustern, die im Weltraum wirbeln. Das ist zumindest näher an der Realität. Der Rest ist Massenhalluzination.”

— Zara Songüll

Entsprechend ist auch der eigene phyische Körper nur eine Idee, eine Halluzination:

“Bringe nicht die Idee eines Körpers ins Bild. Es gibt nur einen Strom von Empfindungen, Wahrnehmungen, Erinnerungen und Ideen. Der Körper ist eine Abstraktion, die durch unsere Tendenz geschaffen wurde, Einheit in der Vielfalt zu suchen.”

— Nisargadatta

Ohne diesen mentalen Versuch der Vereinheitlichung existierte der Körper nicht einmal als Idee:

Du erkennst es nicht, aber es ist dein Denken, das deinen eigenen Körper schafft. Ohne diesen Gedankenprozess gibt es kein Körperbewusstsein.

— U.G. Krishnamurti

Jenseits dieser Idee, die sich als Wissen tarnt, existiert nichts als die wirkliche Sache, Energiemuster in ständiger Veränderung, die im Weltraum wirbeln:

Wenn wir unseren Körper ohne den Filter des gewöhnlichen Wissens erleben, werden wir keinen physischen Körper erleben, wir werden eine flüssige Musterung der Leuchtkraft erfahren.

— A.H. Almaas

Sich in einem physischen Körper zu wähnen, ja überhaupt einen Körper zu erleben, ist also eine kraft des Filters des gewöhnlichen Wissens geborene mentale Halluzination. Das gewöhnliche Wissen beruht auf Denken. Denken wiederum bedeutet, dass das Gehirn Muster im Lärm halluziniert, du also etwas wahrnimmst, das es gar nicht gibt. 

Bewusstseinsevolution – das Erwachen aus dem Traum – gründet darauf, sich die beteiligten Verschwörer einzeln vorzuknüpfen. Die Märchen und Lügen und unbewussten Glaubenssätze und Überzeugungen, auf denen die duale Gesamthalluzination gründet, einzeln offenzulegen und damit zu der Wirklichkeit jenseits der Fata Morgana vorzudringen.  

Die Befreiung aus den Fängen der selbstgeschöpften Verschwörer ist die eigentliche Essenz aller Spiritualität. Aber eben weil die Verschwörung selbstgeschöpft ist und die Wahrheit, die du bist, von der ganzen Sache unberührt bleibt, ist auch die Befreiung bloß Spiel. Nötig ist Erwachen nie. 

Indes liefert es das Feld für ein neues Spiel. Ein Spiel, in dem die alten Verschwörer als Spielzeuge Verwendung finden. Weil klar ist, dass, was immer geschieht, nur zu geschehen scheint – und zwar in dir. 

Es regnet immer auf dem Blechdach des Geistes. Du kannst Stimmen im Lärm halluzinieren. Oder du kannst lernen, es als das zu hören, was es ist: ein Geräusch wie die Brandung bei Flut, das sanfte Üppen der Elektrizität, das durch die Kanäle des Geistes pulsiert.

— Zara Songüll

Erfahrung ist wie ein nahtloses Stück Stoff ohne separate Teile, Entitäten, Orte, Zeiten, Objekte oder Selbste, die irgendwo zu finden sind

– Rupert Spira

Basu Winter