Schreibwettbewerb “Verbrecher”
Welche(s) Verbrechen würdest du begehen, wenn du wüsstest, dass es/sie garantiert straffrei blieben?

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Ein Verbrechen: Was ist das eigentlich?
In Dostojewskis ‘Schuld und Sühne’ ermordet der bitterarme Jura-Student Raskolnikow eine herzlose Wucherin. Er bleibt unentdeckt und würde vermutlich straffrei davonkommen. Doch treiben ihn seine Gewissensbisse in den Wahnsinn. Der Wahnsinn endet erst, als er sich stellt.
Der Investmentbanker Bateman in ‘American Psycho’ von Bret Ellis hat diese innere Instanz nicht. Bar jeder Menschlichkeit und Nächstenliebe lebt er ohne Mitgefühl und Gewissen. Ja mehr noch, er genießt es, zu vergewaltigen, zu quälen und zu töten.
Irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Polen steht der Staat. So propagiert er stets das Gute, bewirkt aber häufig Schlechtes und misst währenddessen stets mit zweierlei Maß. Seine Soldaten nennt er nicht Mörder, seine Steuern nicht Raub und seinen unterwürfigen Dienst für die Reichen und Mächtigen nicht Hochverrat am eigenen Volk.
Ist Schulzwang kein Verbrechen? Wie sieht es mit psychiatrischer Zwangsbehandlung aus? Impfzwang? Und wie steht es mit dem Strafvollzug, mit Gefängnissen? Handelt es sich um echte Lösungen oder um Teile des Problems?
Der Durchschnittsbürger passt sich der zutiefst widersprüchlichen Simulation, die seine Gesellschaft ihm als Wirklichkeit anbietet, widerspruchslos an. Mit verheerenden Folgen. Ein Beispiel: Wo äußere Gesetze das innere Gewissen ersetzt haben, da ist der Mensch auf eine Art bereits entmenschlicht. Und daher zu allem fähig. Hanna Arendts Banalität des Bösen kommt in den Sinn. Aktien von Rüstungsunternehmen zu kaufen, Fleisch aus der Massentierhaltung zu essen und Menschen zu töten, sobald der Staat den Krieg ausruft, das sind für den Michel keine Verbrechen, bloß weil es nicht verboten ist.
Wenn einer alle Munition aus den Waffenlagern stähle, wäre das ein Verbrechen? Wenn einer in alle Zoos dieser Welt einbräche und die Tiere aus ihren Käfigen befreite, wäre das ein Verbrechen? Wenn einer weltweit MDMA ins Trinkwasser mischte in der Hoffnung, damit die Herzen der Menschen zu öffnen, oder LSD, um den Horizont der Menschen zu erweitern, wären das Verbrechen?
Wäre es ein moralisches Verbrechen, jemandem die Wahrheit ins Gesicht zu knallen, obwohl er sie nicht hören will – oder ist es ein moralisches Verbrechen, ihm die Wahrheit zu verwehren und weiter lächelnd heile Welt zu spielen?
Ist es wichtig und richtig, die Grenzen, die die Gesellschaft setzt, nicht zu überschreiten, und die Gesetze, die der Staat schreibt, nicht zu brechen? Inwieweit vergeht sich der Mensch an sich selbst, indem er sie fraglos akzeptiert?
Und wie sieht es mit den Grenzen aus, die der Mensch sich selber setzt und als gegeben hinnimmt? Inwieweit ist sein Leben ein Vergehen an sich selbst? Was würde die äußere, was die innere Freiheit kosten?
Und nicht zuletzt: Welche Rolle spielt der Grad der Bewusstheit des Menschen hinsichtlich der Herangehensweise an die Frage, und inwiefern sind je nach Umfang des Gewahrseins unterschiedlche Antworten zu erwarten?
Hier noch ein paar weitere Denkanstöße zum Thema in Form von Zitaten:
„Mir ist es immer seltsam vorgekommen … die Eigenschaften, die wir an Menschen bewundern – Güte und Großzügigkeit, Offenheit, Ehrlichkeit, Verständnis und Mitgefühl –, sind in unserem System Begleiterscheinungen des Scheiterns. Und jene Eigenschaften, die wir verabscheuen – Schärfe, Gier, Besitzgier, Geiz, Egoismus und Eigennutz –, sind die Merkmale des Erfolgs. Und während die Menschen die erste Eigenschaft bewundern, lieben sie die Früchte der zweiten.“
John Steinbeck
“Am Ende weißt du, dass es keine Sünde, keine Schuld, keine Vergeltung gibt, nur das Leben in seinen unendlichen Wandlungen. Mit der Auflösung des persönlichen „Ich“ verschwindet auch das persönliche Leid.”
Nisargadatta
“In den meisten von uns steckt ein Element der Gewalt, das nie gelöst, nie ausgelöscht wurde, sodass wir völlig ohne Gewalt leben können. Da wir nicht frei von Gewalt sein können, haben wir die Idee ihres Gegenteils, der Gewaltlosigkeit, geschaffen. Gewaltlosigkeit ist eine Tatsache. Gewalt ist eine Tatsache. Gewaltlosigkeit existiert nur als Idee. Was existiert, „was ist“, ist Gewalt. Es ist wie bei den Menschen in Indien, die sagen, sie verehren die Idee der Gewaltlosigkeit, sie predigen darüber, reden darüber, kopieren sie – sie beschäftigen sich mit einer Nicht-Tatsache, einer Nicht-Realität, mit einer Illusion. Was eine Tatsache ist, ist Gewalt, ob groß oder klein, aber Gewalt. Wer Gewaltlosigkeit anstrebt, die eine Illusion ist, die keine Realität ist, kultiviert die Zeit. Das heißt: „Ich bin gewalttätig, aber ich werde gewaltlos sein.“ Dieses „Ich werde sein“ ist Zeit, die Zukunft ist, eine Zukunft ohne Realität; sie wird vom Denken als Gegenteil von Gewalt erfunden. Es ist das Aufschieben von Gewalt, das Zeit schafft. Wenn Verständnis und damit ein Ende der Gewalt erreicht werden, gibt es keine psychologische Zeit.”
Jiddu Krishnamurti
“Meine Prämisse ist, dass du für nichts verantwortlich bist, was du getan hast oder jemals tun wirst. Es ist niemandes Schuld. Weiter gefasst: Nichts ist irgendjemandes Schuld.
Ich weiß, das widerspricht vielem, was uns beigebracht wird, aber… du weißt ja, was ich von dem halte, was uns beigebracht wird und wer es lehrt. Denk mal kurz darüber nach: Wenn du nicht weißt, was dein nächster Gedanke sein wird, weißt du auch nicht, was der dann folgende Gedanke sein wird. Vielleicht wusstest du noch nie, welcher Gedanke auftauchen und welche Handlung darauf folgen würde – in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Würde dieses Unschulds-Bewusstsein nicht dazu führen, dass die Last der Schuld und der Reue von dir genommen wird, nicht nur von einigen, sondern von allen?Und wenn du dir der Unmöglichkeit persönlicher Schuld bewusst geworden bist, was kommt dann? Alle anderen? Meiner Erfahrung nach war niemals jemand schuldig und wird auch niemand jemals schuldig sein. Es ist niemandes Schuld. Es gibt nicht einmal ein „Du“, das schuldig sein könnte. Beobachte, wie Maya/Ego sich hier meldet und sagt: „Meinst du, ich kann machen, was ich will?“ Nichts hindert dich daran, aber du hast genetische und gesellschaftliche Veranlagungen. Wenn du dazu veranlagt bist, ein „Böser“ zu sein, dann wirst du es sein. Wenn du ein „Guter“ bist, wirst du es sein. Unabhängig davon, was du tust, ist es meiner Erfahrung nach trotzdem niemandes Schuld.
Maya/ Ego liebt es, Schuldgefühle auf irgendjemanden abzuwälzen, oft ist es egal, wen man nimmt. Man macht sie einfach schuldig und kann die Illusion verstärken, dass jemand schuld ist. Sobald wir festgestellt haben, wer schuldig ist, können wir ihn bestrafen. Gerechtigkeit wird geschehen. Vergeltung folgt als nächster Schritt, als ob das irgendetwas bringen würde. Letztendlich kannst du dich genauso gut zurücklehnen und die Show genießen. Denk darüber nach: Wenn „Du“ keine Schuld trägst und „sie“ keine Schuld tragen, dann warst du nie schuldig und niemand sonst war jemals schuldig. Das ganze Konzept von Schuld und Verantwortung ist eine reine Erfindung von Maya/ Ego. Es existiert nicht, aber es sorgt für eine verdammt selbstgerechte Geschichte und Gesellschaft. Was würden die Anwälte – um nur eine Gruppe zu nennen – ohne dieses Konzept tun?
Jed McKenna