Schreibwettbewerb Verlust
Facetten der Trauer – die Komplexität des ultimativen Verlusts

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Facetten der Trauer – die Komplexität des ultimativen Verlusts
Hier geht es nicht um den Verlust der Gesundheit, oder der Arbeit, oder von Haus und Hof. Es geht auch nicht um den Verlust eines geliebten Tieres oder Menschen. Hier geht es um den ultimativen Verlust: den Verlust des Selbst und der Welt im Rahmen des Erwachens aus dem Traum des Daseins.
Das Erwachen des Menschen kann völlig spontan auftreten oder auch im Rahmen jahrelanger spiritueller Praxis vorbereitet gewesen sein, der Schock sitzt in beiden Fällen tief. Der ultimative Verlust ist gleichsam das ultimative Trauma: Es hat mich nie gegeben. Es ist nie etwas gewesen. Alles ist nichts.
Bei aller Erleichterung darüber, das Kreuz nicht mehr tragen, das Selbst nicht mehr schützen, das Leben nicht mehr ernstnehmen, den Tod nicht mehr fürchten zu müssen, ist immer auch Trauer im Spiel: Trauer eben um den Ernst und all das, was er an Erfahrungen ermöglicht hat. Man denke nur an seine erste große Liebe. Sein erstes größtes Erfolgserlebnis. Seine größten Zukunftsträume. Oder auch den ersten großen Liebeskummer. Das erste Erleben eigenen Scheiterns. Den ersten Höllenritt im Wahn eigener Schuld. Das erste existentielle Alleinsein, die erste existentielle Todesangst, die erste echte Sehnsucht nach dem Tod.
All diese Ich-Erfahrungen dünken nun als reines Theater. Was nicht heißt, dass man nicht auch um sie trauert, sie nicht manchmal von Herzen vermisst.
Auf dem Weg des Wissens kommt jeden Tag etwas hinzu. Auf dem Weg des Tao fällt jeden Tag etwas weg.
– Lao Tzu
Unendliche Spieler sterben. Da die Grenzen des Todes immer Teil des Spiels sind, stirbt der unendliche Spieler nicht am Ende des Spiels, sondern im Laufe des Spiels.
– James P Carse
Freiheit ist nur ein anderes Wort für nichts mehr zu verlieren haben.
– Janis Joplin
Image credit – Banksy’s Christ with Shopping Bags in streetutopia.com