Spasti Mensch

Warum ich diesen ganzen Mist hier schreibe, ist mir ein absolutes Rätsel. Jedes gedachte, gesprochene und geschriebene Wort ist Symptom eines mikroskopischen epileptischen Anfalls. Verstand ist kontrahierter Geist. Und alle Sprache spastischer Natur. Darum kann sie auch keine Wahrheit enthüllen, sondern stets nur Wahrheit verhüllen. Wahrheit wird allein jenseits der Kontraktion offenbar.

Ähnlich verhält es sich mit der Inkarnation in einen physischen Körper. Es ist quasi ein langjähriger Zustand der Epilepsie, eine langjährige die Wahrheit verhüllende Kontraktion. Entsprechend sind auch die innerhalb dieser Kontraktion stattfindenden Beziehungen spastischer Natur. Das gilt für die Beziehung zu Mensch und Tier ebenso wie für die Beziehung zu ‘Gott’, dem eigenen wahren Selbst.

Und es gilt natürlich auch für die Beziehung zum physischen Tod. Der physische Tod ist die Auflösung der Kontraktion. Als solches müsste er eigentlich ein Leben lang ersehnt werden. Stattdessen wird er gefürchtet. Weil er aus dem kontrahierten Zustand heraus als Ende erscheint, ohne dass erkennbar wäre, dass allein die Kontraktion endet, das Ende also eine Öffnung ist, eine Entspannung hin zur wahren Natur.

Das Hauptcharakteristikum jedweden kontrahierten Zustands ist Mangel an Gewahrsein. Und Mangel an Gewahrsein hat leider stets zur Folge, dass wir uns selbst und einander verletzen. Inkarnation an sich ist schmerzhaft. Unser Mangel an Gewahrsein führt dazu, dass wir uns und anderen zuverlässig zusätzliche Schmerzen bereiten. Das ist der Preis jedweder Existenz.

Als Kinder haben wir uns immer gegenseitig als “Spasti” beschimpft. Ohne zu wissen, wie akkurat wir einander damit beschrieben. Es will niemand hören, aber als Menschen sind wir Spastis. Wir sind geistig behinderte Wesen. Dazu bestimmt, aus unserem epileptischen Zustands heraus unser wahres Selbst zu verraten und uns selbst und einander ein Leben lang zu verletzen. Das ist der Preis der Existenz.

Unsere Gedanken sind Ausdrucksformen unserer geistigen Behinderung. Gedanken sind akute energetische Kontraktionen, Spasmen quasi. Und Glaubenssätze sind die chronische Form dazu. Dabei spielt es im Grunde keine Rolle, ob es sich um als negativ oder als positiv interpretierte Glaubenssätze handelt. Gedanken wie “Das Leben ist gut”, “Gott ist gerecht” oder “Es wird schon alles” mögen sich zunächst gut anfühlen. Um so heftiger fällt die Reaktion aus, wenn sie mit der Wirklichkeit kollidieren. Wenn das Leben Schlechtes oder Ungerechtes beschert, wenn plötzlich alles den Bach runter geht, dann geht auch innerlich viel mehr den Bach runter, wenn entsprechende Glaubenssätze kollabieren.

Dasselbe gilt natürlich auch für jedwede Form der Identität, die sich der Mensch zurechtbastelt. Was hier wie dort als sicherer Hafen erscheint, kann jederzeit sein Fundament verlieren. Dann löst es sich vom Ufer und treibt hinaus ins offene Meer. Was als sicherer Hafen erschien, das ist die Simulation, die unwirkliche Blase, in der der Mensch lebt. Das haltlose Treiben auf offenem Meer, das ist die Wirklichkeit.

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