Zensiert

“Wenn mehr Menschen ihr wahres Wesen erkennen, wird ihr Einfluss, so subtil er auch sein mag, die Oberhand gewinnen und die emotionale Atmosphäre der Welt wird sich verbessern. Die Menschen folgen ihren Führern, und wenn unter ihnen einige mit großem Herzen und Verstand und völlig frei von Selbstsucht erscheinen, wird ihr Einfluss ausreichen, um die Brutalität und die Verbrechen der Gegenwart zunichte zu machen. Ein neues goldenes Zeitalter könnte kommen und eine Zeit lang andauern und dann seiner eigenen Perfektion erliegen. Denn die Ebbe beginnt, wenn die Flut ihren Höhepunkt erreicht hat.”

Nisargadatta

Unsere als Nachrichten-Portal verkleidete Satire mag mitunter den Eindruck erwecken, dass es gegen konkrete Personen oder Fraktionen geht. Der Eindruck ist aber nur der gegenwärtigen Konstellation der Kräfte geschuldet. Die Welt wird kein besserer Ort, wenn Person oder Fraktion X durch Person oder Fraktion Y ersetzt wird. Islamischer Exzeptionalismus ist nicht weniger wahnsinnig als jüdischer oder US-amerikanischer, diese Partei oder Nation oder Glaubensgemeinschaft so wenig integer wie die nächste. Uns geht es um die Kraft, die dem ganzen grausamen Theater zugrunde liegt: das Wahngebilde namens menschliches Ich.  

Da kann es noch so auf der Kanzel stehen und von Liebe und Frieden faseln, das menschliche Ich ist von Natur aus grausam. Der nächste Krieg ist nie fern. Denn die innere Wirklichkeit ist kontinuierlicher Konflikt, ist ständiges Kreisen um Wunsch und Angst, um Widerstand und Akzeptanz. Ein Exzeptionalist beispielsweise wird ein Leben lang von der quälenden Angst angetrieben, nicht besonders, ja nicht einmal wichtig zu sein. Dabei scheint es ihm immer nur, als sei die Qual zu erlösen, der Kampf zu gewinnen. Ist er aber nicht. Weil er die Natur des Ichs ist. Das aufzuzeigen, darum geht es hier.

Die kriegerische Natur des Ichs lässt sich leicht überprüfen. Verwickle einen Menschen, den du gut kennst, in ein Gespräch, und dann stelle sein Selbst- und Weltbild in Frage. Äußere Zweifel, ob er wirklich ist, wer er zu sein glaubt, stelle den Kern seiner Identität in Frage. Mitsamt der Glaubenssätze, die sein Weltbild ausmachen und sein Leben prägen. Während du das tust, achte auf seine Körpersprache. Die Ungläubigkeit zunächst, die Nervosität. Dann den Schrecken in seinen Augen. Schließlich die unwillkürliche Reaktion auf den vermeintlichen Angriff in Form von Kampf, Flucht oder Erstarrung.  

Tu es lieber nicht, denn danach wird deine Beziehung zu diesem Menschen nie mehr sein, was sie einmal war. Die existentielle Bedrohung, die du in jenem Moment dargestellt hast, bleibt unvergessen. Und unverziehen. So freundlich jenes Ich zu dir war, als es dich noch als Verbündeten sah, so hartherzig wird es jetzt, da es den Feind in dir wittert. Das ist alles. Das ist die Natur des Ichs. Deshalb ist der nächste Krieg nie fern.