von Bozo

Ubud am Morgen, zartblauer Himmel, noch verdeckt keine Wolke den Blick auf die Vulkane ringsum, ansonsten grün, grün, grün, soweit das Auge reicht, nur hier und da ragt ein Spitzdach heraus, umringt von Kokospalmen. Alles lebt, alles singt und begrüßt den Tag. Gesehen, aber nicht empfunden. Schnell noch einen Keks reingestopft. Gleich wieder das Unbehagen. Bali, die Insel der Götter. Der Boy bringt das Frühstück. Viele Vögel unterwegs. Mein Blick sucht den großen blauen Papageien, den ich gestern im Garten des Luxushotels aus einem viel zu kleinen Käfig befreit habe, findet ihn aber nicht. Ob Überwachungskameras mich gefilmt haben, ob nach mir gefahndet wird?
Ein Bauer auf dem Reisfeld. “Ricefield View”, das kostet im Übrigen extra. Die Keksreste mit der Zunge aus den Zahntaschen puhlen, mit schwarzem Kaffee runterspülen. Den Tag vorausplanen, die Möglichkeiten sondieren. Hier und da Rohbauten, zwei- und dreistöckig, längst verrußter Beton, alles gewagt und verloren. Noch ein Keks, auf die Zunge gelegt. Ananas und Melone, ich hab’s dem Boy schon gesagt, kann ich nicht essen, bekommt meinem Magen nicht. Draußen passiert weiter nichts. Eine erste Wolke am Vulkangipfel. Rückenschmerzen vom krummen Sitzen.
Gang zum zweiten Balkon. Hundegebell. Augen zusammenkneifen in der prallen Sonne. Um die Ecke lugen. Der Amerikaner sitzt da, schnell zurück ins Zimmer. Blick in den Spiegel – ich bin schon braun geworden. Stillleben auf dem Schreibtisch: eine fast leere Brandyflasche, verdammte Sauferei, aber ohne geht’s nicht, Aschenbecher, weiße Keramik, Sonnenbrille (Ray Ban – Imitat), ein Taschenbuch, ‘Frau Satoris’ von Elke Schmitter, die leere Kekspackung, das Kaffeeglas. Die Frau des Amerikaners auf dem Nebenbalkon. Wenn ich am Schreibtisch sitze, sieht sie mich nicht. Zigarette anzünden geht nicht geräuschlos, also lasse ich es. Plötzlich Grillenkonzert, aber keine zehn Sekunden. Leichte Brise, die Gardinenzipfel baumeln. Die verdammten Mopeds!
Ein weißer Vogel mit gelbem Schnabel fliegt zum zweiten Mal vorbei. Verwechslung möglich. Meine Fingernägel: in Ordnung, bis auf den schwarzen Rand unterm rechten Daumen. “So nice….” Mit wem redet sie bloß? Ah, der Sohn. Ein Schluck Kaffee, Glas geräuschlos wieder abgestellt. Heute ist Samstag. In 13 Tagen läuft das Visum ab. Wohin dann? Kein Popel in der Nase, leider. Kindergeschrei von der Schule her. Saftig grün alles. Gelbe Kokosnüsse. Reif oder unreif? der Reisarbeiter jetzt mit Strohhut. Die Melone ist gar keine Melone, sondern Papaya. Wozu die Heimlichtuerei? Egal, bleibe still sitzen, Rückenschmerzen hin oder her. Wieder die Grillen, wieder nur kurz. Ab jetzt offenbar nur noch Wiederholungen. Die Grillen, schon wieder, wie zum Beweis. Und wieder!
Immense Traurigkeit, zurück ins Bett. Urlaub. Woher stammt dieses Wort? Wieso Ur? Wieso laub? Ich schlummere ein. Eine Stimme aus der Zwischenwelt flüstert mir zu: “Please don’t free any birds, they die out there.”