Von Vampiren und Zombies

Gestern wurde ich gefragt, was man eigentlich konkret davon habe, aus dem Daseinstraum zu erwachen. DIe Antwort ist: gar nichts.

Wir Menschen sind von Natur aus Vampire. Ständig nach irgendetwas greifend, nimmersatt. Als aus dem Daseinstraum erwachter Vampir mutierst du zum Zombie. Du weißt jetzt, dass die Welt der Fülle essentiell leer ist. Schien das Ziel zuvor noch stets zum Greifen nah, so ist nun klar, dass es nie zu erreichen gewesen ist. Denn den heiligen Gral, dem nachzujagen unser Schicksal ist, den gibt es gar nicht. Wir sehen bloß Fata Morgana um Fata Morgana, derweil wir dürstend durch die Wüste wandern.

Der Zombie weiß: Fülle ist eine Erscheinungsform der Leere, und die eigene Existenz ist eine solche Erscheinungsform. Und alles Suchen und Finden, alles Greifen und Halten, alles Gebären und Werden und Sterben ist Teil dieser Erscheinunsform. Und zwar nur diesen einen flüchtigen Moment lang, den es gar nicht gibt. Einen Zombie-Moment lang scheint es, als lebten Zombie-Wesen ihr Zombie-Leben in einer Zombie-Welt. Und dieser Zombie-Zeitenraum, diese Fata Morgana der Schöpfung, entsteht allein aus Liebe. Und der Zombie weiß: Er ist diese Liebe.

Derweil bleibt er auch Vampir. Spirituelles Erwachen hat nichts mit dem vielzitierten Egotod zu tun. Das Ego stirbt nicht. Denn es hat nie gelebt. Das Ego ist eine vom Wahrnehmungs- und Verstandesapparat gebaute Simulation. Genau wie die Welt es ist, in der das Ego zu leben wähnt. Grob gefasst bilden folgende Grundpfeiler das Fundament dieser Simulation: die Illusion von Grenzen/Abgrenzbarkeit. Die Illusion von Beständigkeit/linearer Zeit. Die Illusion von Macht/Kontrolle. Und die Illusion von Sicherheit.

Aus diesen Illusionen wächst nicht nur die territoriale Persönlichkeit des Menschen, sondern seine ganze simulierte Welt. Und dieses Wachstum erfolgt automatisch, sozusagen organisch, kann also nicht verhindert werden. Der Prozess kann allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt durchschaut werden.

Wird es aber in der Regel nicht. Aus dem einfachen Grund, dass dies nur möglich ist, wo der Mensch den Sprung aus der Simulation/dem Traum wagt. Dieser Sprung aber ist nicht vorgesehen, der menschliche Wahrnehmungs- und Verstandesapparat liefert keinerlei Impuls dazu. Ebensowenig kommen entsprchende Impulse aus der Simulation namens Ego oder der Simulation namens äußerer Welt.

Der Impuls zum Sprung aus dem Traum muss also anderswo her kommen. Hier beginnt die Welt der sogenannten Mystik. Ein Magnetismus der anderen Art zieht uns aus unserem Daseinstraum und dort hinein. Was uns anzieht, ist unser wahres Selbst – jener Teil von uns, der unsere Manifestation als individuelle Bewusstheit träumt.

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