Wer entscheidet das eigentlich? Ein Gedicht über Alle Dummköpfe und ihre Erfindungen.

Dieser Kack Deckel von meiner Pfandflasche geht einfach nicht mehr ab.
Jetzt hängt er mir bei jedem Schluck im Gesicht
Mein Sabber läuft an mir herab
Ich mag diesen Kack Deckel an meiner Pfandflasche nicht.

Wenigstens auf die Bahn ist immer Verlass!
Ich warte schon 15 Minuten früher am Gleis und weiß,
dass ich wohl wieder den Anschluss verpass.
Dann ist die Wartezeit trotzdem niedriger als der Ticketpreis.

Im Restaurant weicht mein Strohhalm nach 5 Minuten auf
Er ist nur noch eine undefinierbare Masse
Gleichzeitig fliegen Leute Strecken, die ich lauf´
Das liegt wohl an der Gesellschaftsklasse.

Besonders das Schulsystem floriert,
Der Lehrer kann doch gegen Stress mit Yoga entspannen
Dann kann man ganz problemorientiert
Sich wärmen an den Schulwandflammen

Immerhin sind wir noch eine Demokratie
Sind wir doch, Frau Weidel? Oder?
Denn nur jedes dritte Genie
Wählte diesen braunen Moder.

Und wer kam überhaupt auf die sau doofe Idee mit dem Joghurtdeckel?
Einmal war ein Deckel gut und sie nehmen ihn mir weg!
Wer war dieser hundsblöde Seckel?
Statt des Deckels hängt da jetzt nur noch dieser Aludreck.

Zum Glück bin ich ja perfekt
Denn ich liege niemals daneben
Und hast du hier einen Fehler entdeckt
Lass mich dir eine Brille geben.


Dromedar/Couch bzw. die Farbe des Himmels

Die Person betritt den Raum in dem die Ärztin wartet. 
„Setzten Sie sich gerne dort hin.“ Deutet auf einen Sitzplatz. Die Patientin schaut sich um, sieht nur ein sehr klein geratenes Dromedar, dort wo die Ärztin hinzeigt.
„Auf das Dromedar?“ fragt sie ungläubig. Die Ärztin lächelt, nickt und sagt „auf die Couch“. Verwundert und -unsichert sattelt die Patientin auf und blickt aus dem Fenster.
Draußen ist der Himmel grau und verdunkelt. „Es wird bald regnen“, denkt sie.
„Wie ist es ihnen diese Woche so ergangen? Seit letztem Dienstag?“
Die Ärztin schaut von ihrem Kalender auf. 
„Heute ist ja erst Samstag…Das sind 6 Tage seit Dienstag“ murmelt die Patientin.
Die Ärztin seufzt und trägt etwas auf ihrem Klemmbrett ein.
“Und wie ging es Ihnen, in der letzten Woche. Hat sich etwas geändert, welche Farbe hat der Himmel?“ fragt sie.
„Na Lila, aber das hab ich doch schon tausendmal gesagt.
Lila, Lila, Lila. Seid das mit dem Atomwerk passiert ist: Lila“
Die Ärztin nickt und seufzt. Gestern ist ihre Kazte weggelaufen, daher kann sie sich schlecht konzentrieren und fällt immer wieder in unprofessionelle Verhaltensmuster.
„Wir hatten doch darüber gesprochen…das Atomwerk wurde nicht gehackt
und der Himmel hat immer noch die Farbe…“
„- LILA! Sie wollen mir doch nur nicht die Wahrheit sagen, weil dann SIE unrecht hätten.
Aber alle, die ich frage sagen: „es ist so!“ Lila.
Sie wollen nur nichts zugeben weil die da oben sie bezahlen…“.
Die Patientin deutet mit dem Zeigefinger hoch.
“Aber das ändert ja nichts daran, mit dem Lila. Heute mehr lila als gestern. Ewas dunkler wenn sie mich fragen. Dunkellila sozusagen!“.
Die Patientin rutscht umständlich auf dem Dromedar hin und her und ist sehr aufgebracht. Sie fragt sich warum hier eigentlich alle verrückt sind? Und trotzdem sie diejenige ist die nun weiße, blaue und (zugegebenermaßen ironisch:) lila Tabletten nehmen muss. Auf der Anderen Seite des Schreibtisch fragt sich die Ärztin, wann der Dienstag kommt an dem die Patientin den Himmel als das sieht was er ist: Blau.

Der Krankenpfleger ist voluminös, genau wie die Patientin.
Nach 4 Monaten Medikamenteneinnahme hat sich ihr Bauchumfang verdoppelt.
Es ist der Tag der Entlassung: Unehrenhaft, da keine Besserung im Hinblick auf die Wahrnehmung der Farbe der Skyline auftrat, mal ganz zu schweigen von der Überzeugung mit dem Atomkraftwerk.
„Auf Wiedersehen“ meint er mit einer gewissen Ironie. 
„Auf Nimmerwiedersehen“ entgegnet die Patientin und tritt hinaus, in eine lilane Mittagssonne.

Ich dachte an das Dromedar zurück, ein warmer Rücken nur für mich in einem Raum der sonst keinerlei Verständnis für meine Gefühle oder Wahrnehmung herrschte. Dromedare sind wundersame Wesen. Komisch es in einem Krankenhaus zu finden.
122 Tage, waren vergangen. Nun stand mir die Welt wieder offen. Es hat für mich etwas befreiendes, die Welt zu sehen wie sie ist. Und dass die Menschen um mich sie nicht sahen, war heute zweitrangig.
Ich konnte ins Schwimmbad gehen, im orangen Wasser baden.
Ich konnte schwarz/weiße Eiskugeln kaufen. 
Und ich konnte im blauen Grass liegen, unter lila Himmel und im grünen Licht der Sonne darauf warten, dass alle Anderen mal richtig die Augen aufmachen und sehen, was vor ihnen liegt. 


Drei Gedichte

postreligiös

den gottesgedanken
ausschleichen lassen
aus dem gedächtnis
der menschheit
wie ein betäubungsmittel
das immer weniger wirksam
endlich abzusetzen ist

wenn der mensch aber dann
gott abgesetzt hat
und nach dem entzug
vom opium der frommen
ganz clean geworden
welche substitutionen
bemächtigen sich wohl
des himmelschreienden vakuums

klimakatastrophen

wir sind so wetterwendig
hängen die fahnen nach jedem wind

trotzen nicht dem braunen sturm
noch den überschwemmungen des kapitals

verXfachte parolen
die atmosphäre vergiftet

bis wieder stahlgewitter
am horizont aufziehen

unter kanonendonner
kugelblitze einschlagen

und am ende die ganze welt
im atomsauren regen steht

zweifel am zweifel

hab längst nicht mehr
an gott geglaubt
vielmehr

an den menschen
an die vernunft
an den fortschritt
an die wissenschaft
an die marktwirtschaft
an die algorithmen

seh ich mir aber
das unselige treiben
auf unserem planeten an
kommen mir zweifel am
nicht-an-gott-glauben


IFC Chongqing 2024

Die Konferenz fand in einem Hotel in Chongqing statt.
Es war August, das Thermometer zeigt 32,9 °C. Eine Smogwolke hing grau über der Stadt und verwandelte sie zusammen mit der Hitze in einen brodelnde Kloake aus schmelzendem Asphalt , Abgasen und verrottendem Müll. Das Hotel hatte keine Klimaanlage. Beziehungsweise es hatte eine, aber sie war kaputt. Genau wie der
Fahrstuhl.
Glenda Gusman hatte mehr von China erwartet. Vor allem mehr Effizienz.
Sie fächerte sich mit ihrem Programmheft Luft zu. Billiges Papier.
Bryce sparte gern. Oder er hatte einfach keinen Stil, schließlich war er Amerikaner. Wohl eher Zweiteres. Sein Anzug war maßgeschneidert, aber mit Paisleymuster. Er tupfte sich den Scheiß von der Stirn, während er schnellen Schrittes auf sie zueilte.
Er drückte ihr nasse Schmatzer auf beide Wangen. „Madam Gusman! Sie werden mir jedem Jahr schöner“, er zwinkerte ihr verführerisch zu. „Was ist ihr Geheimnis? Ginseng? Oder Nashornhornpuder?“, er machte eine verschwörerische Pause. „Gute Gene?“
Sie beide lachten.
„Es ist das Licht“, sagte Glenda und fasste sich sacht an die Wange. „Das Etablisment, dass Sie ausgewählt haben schmeichelt meiner Haut.“
Das war eine Lüge. Das Licht schmeichelte den staubigen Vorhängen und billigen grünen Bodenfliesen aber keinem menschlichen Wesen.
Bryce Dackelaugen wanderten zu der grellen Neonröhre an der Decke. Sie warf Schatten auf seine Stirn und ließ seine Falten tief wie den Grand Canyon erscheinen.
Bryce wandte seinen Blick wieder ihr zu und räusperte sich. „Es freut mich, dass es Ihnen gefällt. Wissen Sie, es wird immer schwerer einen passenden Ort zu finden. Vor zehn Jahren haben wir uns noch im Plazahotel getroffen und jetzt sind wir gezwungen, in solchen Absteigen zu tagen. Ganz im Vertrauen“, er kam ihr wieder näher. „Ich kann diese Schlitzaugen nicht ausstehen. Sie sind einfach nicht wie wir. Sie sind dreckig, unhöflich und Englisch sprechen sie auch nicht.“
Zhang kam auf sie zu und Bryce klopfte ihm sogleich freundschaftlich auf die Schulter. „Zhang, alter Freund, wir sprachen gerade von Ihnen!“
„Hoffentlich nur Gutes“, er überging Bryce galant und nickte Glenda zu. „Madam Gusman, schön Sie hier zu sehen, wie laufen die Geschäfte in Europa?“, fragte er in perfektem Englisch.
Glenda wandte sich Zhang zu, sodass Bryce nur noch ihre kalte Schulter zu sehen bekam und sich wohl oder über einen anderen Gesprächspartner suchen musste.
Zhang reichte ihr galant ein Glas eisgekühlten Champagner. Glenda nippte daran, die kleinen Bläschen prickelten auf ihrer Zunge. „2016 Champagne Brut Cristal“, mutmaßte sie. „Nein, Moment. 2015.“
Zhang zauberte besagte Flasche hinter seinem Rücken hervor. „Auf die Franzosen ist Verlass.“
Er prostete ihr leicht zu, bevor er einen Schluck direkt aus der Flasche trank. Sie beobachtete wie er schluckte, den nassen Film, den der Champagner auf seinen Lippen hinterließ.
„Die Geschäfte laufen. Mal besser, mal schlechter“, sagte Glenda und stellte ihr Glas auf einen Sockel neben die Figur einer chinesischen Tänzerin, der eine Hand fehlte.
„Der Markt ist da, ohne Frage, aber die Vertriebswege sind schwierig. Die Ware zu beschaffen allein. Und europäische Kunden sind wählerisch. Nur das Beste vom Besten für ihre königlichen Töchter oder neuen Stuhlbezüge.“
„Nun, Sie haben ein Händchen dafür, die richtigen Produkte auszuwählen“, sagte Zhang und machte eine Geste in Richtung Glendas weißen Kleides, das einen Saum aus zartem, weißen Pelz hatte. „Dieser Schneeleopard steht Ihnen hervorragend. Tibet 2008?“
„2009.“
„Natürlich“, Zhang lächelte.
Perfekte Zähne. Von Natur aus, nicht gemacht.
Sie erleichterte die handlose Figur um das Glas und prostete Zhang leicht zu.
Am Büffet traf sie Romanovsky. Er hatte eine Schwäche für Leopardenpelze.
Oder es war eine Schwäche von Russen im Allgemeinen. Es war eine Farce, eine Konferenz über Pelze an so einem heißen Ort abzuhalten. Das fand Romanovsky Leopard auch. Er saß hechelnd neben ihm, ein diamantenbesetztes Halsband um den Nacken, das mit einer dicken Leine verbunden war, die Romanovsky fest in der Hand hielt. Mit der anderen Hand griff er immer wieder in eine Schale mit gebratenem Fleisch und fütterte die Raubkatze mit kleinen Bröckchen.
Glenda fuhr mit ihren Fingern durch das Nackenfell des Leoparden. Das Tier grollte warnend. „Hallo Romanovsky.“
Romanovsky gab ein tadelndes Zischen von sich. „Nicht doch, Milaya. Glenda tut doch keiner Fliege was zur Leide.“
Romanovsky und Glenda lächelten sich an. Zwei Raubtiere, die sich aus der Savanne kannten und jetzt im Zoo wieder sahen.
Seine Zähne waren gemacht und auf seiner Stirn keine einzige Falte. Die Nase makellos, die Lippen rosig und aufgepolstert. Im letzten Jahr war er zehn Jahre jünger geworden.
„Wo ist denn deine Verlobte?“, fragte Glenda und nahm sich einen winzigen Teller mit noch einem winzigerem Stück Kuchen, der mit einer perfekten Rose aus Creme verziert war.
Romanovsky seufzte abgrundtief und schüttelte den Kopf. „Bedauerlich, Glenda, sehr bedauerlich. Ein Unfall. Der Zug hat sie erwischt, mitten in St. Petersburg. Ein Blutbad, sag ich dir. Hat mir die Schuhe ruiniert. Ich stand direkt daneben, musste alles mit ansehen.“
Er verfütterte ein weiteres Stück Fleisch an seine Katze.
„Das muss dich schwer getroffen haben.“
Romanovsky legte sich in tiefem Bedauern eine Hand auf seine Brust. „Ja, wirklich. Aber was soll man machen? Wollen wir nicht über erfreulichere Dinge sprechen? Wenn du das verfrühte Ableben meiner Geliebten verfolgt hast, dann hast du auch sicher schon von der Nerzfarm gehört, die ich in der Ukraine bauen lasse? Dieses
Kriegsgetue da hält einem die Behörden vom Hals. 70000 Quadratmeter. Vollautomatisiert. Alles unterirdisch. Die kleinen Bastarde sehen nie das Sonnenlicht.“
„Und lass mich raten, du bist noch auf der Suche nach Investoren?“ Glenda biss in den Kuchen. Kuchen schmeckten umso grässlicher, umso schöner sie aussahen.
Dieser hier war keine Ausnahme.
„Immer direkt auf den Punkt, so kenne und liebe ich dich“, Romanovsky zog eine zerknitterte Broschüre aus seinem Leopardenpelz und reichte sie ihr. „Ich weiß, Nerze sind normalerweise nicht dein Gebiet, aber denk nur mal an die Expansionsmöglichkeiten…“
Glenda kam nicht mehr dazu, über die Expansionsmöglichkeiten nachzudenken.
Die Fenster zerbarsten. Mehrere Männer, bis an die Zähne bewaffnet schwangen sich in den Raum. Gekleidet in schwarz. Militärstiefel. Einer der Männer schwang wie wild einen Säbel. Bei diesem Manöver verlor die Figur der chinesischen Tänzerin ihre zweite Hand.
Milaya aufgeschreckt von diesem Tumult, riss sich von Romanovsky los, der ein russisches Schimpfwort ausstieß. Fauchend jagte Milaya durch den Raum. Die Männer schossen auf sie. Glenda konnte nicht erkennen, ob sie den Leoparden erwischten, aber sie erwischten einen der Carvalhozwillinge, als der es dem Tier gleich tun und die Flucht ergreifen wollte. Er krachte auf den Boden, ein rauchendes Loch in der Stirn. Sie meinten es also Ernst. Glenda stellte ihren Teller mit dem Kuchen ab.
„Polizei?“, fragte Romanovsky und kratzte sich am Hals, während die Männer sich mit erhobenen Waffen in einem lockeren Halbkreis aufreihten.
„Eher chinesische Mafia“, mutmaßte Glenda. Die Polizei verfügte nicht über die Ausrüstung, die diese Jungs mit sich herumschleppten.
„Richtig“, zischte Romanovsky ihr zu. „Dumm von mir.“
Glenda verschränkte die Arme und lehnte sich zurück.
Bryce lief mit erhobenen Armen und wehender Krawatte auf den Anführer der Bande zu, der sich jetzt mittig im Raum aufbaute. Ein bulliger Kerl mit attraktivem Gesicht. Alter Mafia Geldadel, das sah Glenda auf den ersten Blick. Gewöhnliche Kriminelle umgab stets diese Aura aus Verzweiflung und Elend. Sie waren kriminell, weil ihre Regierung korrupt war, ihre Kinder verhungerten, jemand ihre Frau vergewaltigte oder sie Analphabeten waren. Dieser Mann war kriminell, weil das sein Familienerbe war. Das war Glenda sympathisch.
Byrce gehobene Arme waren keineswegs eine Geste von Ergebenheit, sondern von Rage. „Du“, rief er. „Was fällt dir ein, hier einfach so hereinzuplatzen? Die Rechnung für die Fenster zahle ich jedenfalls nicht. Und die Reinigung für diese Sauerei auch nicht“, er gestikulierte wild auf Carvalhos Leichnam. „Du beschämst mich, was sollen
meine Gäste denken?“
Der Mafioso runzelte die Stirn und hob leicht seine Kalaschnikow. „Das hier IFC Konferenz?“
„Seht ihr, seht ihr“, brauste Bryce auf. „Noch nicht mal Englisch sprechen diese Reisfresser. Wie soll ich bitte mit diesem Kerl verhandeln, wenn er nicht mal sagen kann, was er denn will? Gott, im nächsten Jahr gehen wir nach Mexiko. Da lernen sie wenigstens unsere Sprache, für den Fall, dass sie es irgendwann mal über die Mauer schaffen.“ Mit einem erschöpften Seufzer wandte er sich dem Mafioso zu. „Ja ja, das hier ist die IFC“, sagte er langsam und betonte jede Silbe. „Also, warum der Besuch?“
„International Ferrari Conference?“, versicherte sich der Mafioso und suchte mit dem Blick den Raum ab, bis er an dem Rednerpult hängen blieb, das auf Bryce Rede wartete. Es wurde von einem weißen Banner mit einem Saum auf feinstem Rotluchsfell geziert. IFC stand in großen schwarzen Lettern darauf. International Fur Conference.
„Wo Benedetto Vigna?“, fragte der Mafioso zweifelnd.
Glenda zog eine Grimasse. Nicht der beste Tag für diesen Kerl.
„Wer soll das sein?“, zeterte Bryce.
„CEO von Ferrari“, klärte sie Romanovsky unnötigerweise auf. „Hab ihm mal für seinen Toyboy einen Schlüpfer aus Chinchillafell verkauft.“
„Brisant“, murmelte Glenda.
Eine Entführung samt Lösegelderpressung war hier also geplant. Hätte der Mafioso seine Hausaufgaben gemacht, dann wäre er vielleicht darauf gekommen, dass Ferrari es nicht nötig hatte, Konferenzen in Abstiegen in Chongqing abzuhalten. Die einzigen, die es hier zu entführen gab, waren internationale Echtpelzhändler und
niemand zahlte Geld für Kriminelle. Was dazu führte, dass alle Echtpelzhändler in diesem Raum absolut wertlos für den Mafioso waren, was kombiniert mit der schlechten Laune, die wahrscheinlich gerade in ihm aufkam, schnell ungemütlich werden konnte.
Langsam schien sich diese Vorahnung im Raum auszubreiten, denn die Leute begannen unruhig mit den Füßen zu scharren. Blicke wanderten durch den Raum, suchten nach Fluchtwegen. Hände glitten zu versteckten Waffen in Stiefeln und Hosenbünden.
Bryce schien es auch zu kapieren. Er ließ die Arme sinken und eine Ader an seinem Hals begann zu pochen. Er lachte nervös. „Aber wir können doch über alles reden, mein Freund. Wir finden sicher eine Lösung, die uns alle hier zufrieden rausgehen…“
Bryce würde nirgendwo mehr hin gehen, denn dem Mafioso jagte ihm ohne mit der Wimper zu zucken eine Kugel in die Brust. Bryce ging röchelnd zu Boden und tastete mit fahrigen Fingern nach dem Loch in seiner Brust.
Schlechter Schütze. Glenda hatte mehr erwartet.
„Zeit zu verschwinden“, sagte Romanovsky und schwang sich mit einer eleganten Bewegung unter den Büffettisch, während er Glenda mit sich zog. Um sie herum brach währenddessen das unvermeidliche Chaos los. Die lange Tischdecke schirmte sie ab und man konnte nur an Hand der Geräusche interpretieren, was da
draußen geschah. So viel gab es nicht zu sagen, ein klassisches Massaker eben.
Glenda ärgerte sich über den Boden, der scheinbar noch nie geputzt worden war, den der weiße Stoff ihres Kleides hatte an den Knien bereits braune Flecken. Sie mochte dieses Kleid. Sehr.
„Ich kenne eine Reinigung in Moskau“, flüsterte Romanovsky. „Die kriegen das wieder raus. Und wenn du nach Moskau kommst, können wir auch gleich weiter über die Nerzfarm sprechen. Mein Bekannter aus Tschernobyl stellt so ein Kraftfutter her, damit wachsen die kleinen Bastarde innerhalb eines Monats von 10 auf 40cm. Das ist
eine Goldgrube, Glenda. Und jetzt, wo Bryce raus ist, da haben wir beide ganz andere Möglichkeiten.“
Etwas auf dem Tisch wurde von einer Kugel getroffen und fiel klirrend auf den Boden. Klebrige Limonade sickerte durch die Tischdecke und tropfte durch die Ritze, wo zwei Tische zusammengeschoben worden waren, in Glendas Haare.
Sie wischte sich die Tropfen von der Stirn und bedeutete Romanovsky auf der entgegengesetzten Seite des Tisches herauszukriechen. Er schüttelte wehement den Kopf. Feigling.
Etwas schweres krachte auf den Tisch. Vielleicht hatte der Mafioso vor lauter Wut das Rednerpult durch den Raum geschleudert.
Glenda kroch an Romanovsky vorbei, warf ihm eine Kusshand zu. „Ich seh dich dann in Moskau.“
„Ich wusste, du bist dabei.“
Sie zwinkerte ihm zu und kroch unter dem Tisch hervor. Er stand nicht weit von der Wand entfernt, sodass sie sich daran entlang schieben konnte, das Massaker im Blick. Auf beiden Seiten hatte es Verluste gegeben. Sie sah den anderen Carvalhozwilling aufgespießt auf den Säbel und den Kerl, den Säbel geschwungen hatte aufgespießt auf den Stab der chinesischen Flagge, die mal in der Ecke gestanden hatte.
„Madam“, zischte jemand. Glenda sah sich nach Romanovsky um, aber der versteckte sich immer noch unter dem Tisch. Stattdessen packte Zhang ihre Hand und zog sie recht grob hinter eine Art Geheimtür, die sich in der vertäfelten Wand auftat.
Er schloss sie und sie befanden sich in einer dunklen, engen Kammer.
Immerhin tropfte keine Limonade mehr auf Glenda. Ihr Rücken war gegen die Wand gepresst und ihre Vorderseite gegen Zhang, auch wenn der sich sichtlich Mühe gab, ihr Raum zu geben.
„Wie erfrischend“, sagte Glenda. „Jemand Lebendiges.“
„In altem Gebäuden wie diesem wurden früher versteckte Wandschränke gebaut“, erklärte Zhang. „Man wollte die Ästhetik des Raumes wahren und nicht durch Möbelstücke verschandeln.“
„Sie sind sehr gebildet für ihr Alter.“
„Und sie sind ausnehmend schön.“
Er sagte nicht für ihr Alter.
Glenda beugte sich vor und küsste ihn. Seine Lippen waren weich und sinnlich und der Kuss war von einer Qualität, die seinen tadellosen Manieren in Nichts nachstand.
Glenda zog sich zurück und konnte seine Silihuoette in der Dunkelheit nur schemenhaft ausmachen. „Shanghai 2003?“
„2002.“
„Waren sie schonmal in Frankreich?“
„Bedauerlicherweise nicht.“
Sie stützte sich mit einer Hand an der Wand ab, ihre Knie streiften seine. Es war heiß hier drin, sie spürte, wie ihr Schweiß ihr Kleid weiter ruinierte. „Ich habe ein Haus an der Côte d’Azur. Wir sehen uns dort.“
„Mandam—“, er wollte sie aufhalten, griff nach Ihrer Hand, aber Glenda hatte bereits die Türe des Wandschranks aufgestoßen. Sie zog die Glock aus ihrem Dekolte und erschoss den Mafioso. Eine Kugel präzise zwischen die Augenbrauen. Danach erschoss sie auch seine beiden verbliebenen Komplizen.
Sie bahnte sich einen Weg zwischen den Leichen und zerborstenen Möbelstücken hindurch. Die Gesellschaft der internationalen Echtpelzhändler war beachtlich geschrumpft. Unter den Verlusten war auch Romanovskys Leopard, aber den konnte man immerhin noch häuten und zu Geld machen, wohingegen die meisten der
Echtpelzhändler tot genauso nutzlos waren, wie zu ihren Lebzeiten.
Glenda schritt bis zu Bryce. Er drückte sich eine Hand auf die Brust, seine Lunge pfiff und füllte sich langsam mit Flüssigkeit.
„Bryce“, sagte Glenda und ging in die Knie. „Sie sehen nicht gut aus. Ich würde Ihnen gerne helfen, aber dann kam dieser Vorschlag von Ihnen, die nächste Konferenz in Mexiko abzuhalten und da ist mir ehrlich gesagt die Lust vergangen. Bedauerlich.“
Sie klopfte ihm auf die Schulter. „Ich hab die USA ehrlich gesagt nie so im internationalen Echtpelzhandel gesehen. Ihr Amerikaner habt einfach keinen Stil. Ihr müsst verstehen, dass nur, weil ihr den Cheeseburger erfunden habt, euch nicht die Welt gehört. Europa. Russland. China. Das ist unsere Zukunft.“
Sie richtete sich auf und strich ihr Kleid glatt. Sie stellte erfreut fest, dass es weniger ruiniert war, als sie gedacht hatte. Sie wollte schon gehen, wandte sich aber ihm nochmal zu. „Ach, und außerdem ist IFC wirklich kein guter Name. Die falschen Leute könnten durch ein wenig Geflüster schnell auf die Idee kommen, es handle sich um die
internationale Ferrari Konferenz.“
Sie zwinkerte ihm verschwörerisch zu.
Mit großen Schritten durchquerte Glenda den Raum, seufzte über den kaputten Fahrstuhl und lief dann die zwei Stockwerke nach unten auf die Straße. Der graue Smog begrüßte sie und sie winkte schnell ein Taxi herbei, dass sie aus der Stadt brachte.


Kinoabend

Irgendetwas zieht dich ins Kino. An der Kasse hängt das Preisschild: “Deine wahre Natur”. Du gibst sie ab und betrittst den Kinosaal. Das ist der Moment deiner Geburt. Das schreiende Baby auf der Leinwand bist du. 

Der Film zieht sich, aber das stört dich nicht, es bleibt spannend, das Kind wächst heran, entdeckt die Welt und sich selbst. Jeder Tag ist neu, jede Nacht enthüllt ein weiteres Geheimnis.

Alsbald kommt das andere Geschlecht ins Spiel, jetzt wird es noch spannender, ganz berauscht sitzt du da, der Film zieht dich jetzt ganz in seinen Bann. Erfüllung scheint möglich. Glück scheint möglich. Das Versprechen ist groß.

Doch bald zeigt sich: Das Leben ist klein. Die Sehnsucht erfüllt sich nicht, das Glück bleibt nicht. Der Mensch im Film tut dir plötzlich leid. Es wird dir schwer ums Herz, ja erstmals ist es wirklich unbehaglich, erstmals hegst du den Wunsch, den Kinosaal zu verlassen. 

Einmal versuchst du es sogar. Doch kannst du nicht aufstehen von deinem Sitz. Seither weißt du: Du bist als Zeuge an jenen Menschen gebunden. 

Der Mensch indes gibt noch nicht auf. Dir ist klar: Er wird nicht finden, was er sucht. Doch davon will er noch nichts wissen. Es ist ein seltsames Gefühl, das mitanzusehen. Es ist, als würde dieser Mensch dir immer fremder, als habet ihr nichts mehr miteinander zu tun. 

Es ist ein lebendiges Paradoxon: Du hast den Menschen aus dir heraus geboren, auf dass er in der Heimatlosigkeit die Heimat suche, derweil sie dort wartet, wo es ihn gar nicht gibt. 

Und auch dies ist paradox: Was dich in die Fremde treibt, das zieht dich gleichsam wieder in sich zurück. Nur musst du noch warten, bis der Mensch so weit ist. Bis sich der Teil von dir, der dort ist, seiner Sehnsucht ergibt.

Einige Jahre später ist es so weit: Der Mensch hat die Suche aufgegeben. Und dich im selben Moment wiedergefunden. Er hat dich gleich erkannt und freudig begrüßt. Jetzt kannst du aufstehen, jetzt verlasst ihr gemeinsam das Kino, jetzt kehrt ihr heim in eure wahre Natur. 

Dann sitzt ihr noch eine Weile gemeinsam im Kinosaal, schaut euch den Film gemeinsam zu Ende an. Der Mensch lebt nun in eurem Geiste. Das Leben plätschert noch eine Weile vor sich hin. Rundherum inszeniert die Welt das übliche Drama: Babys schreien, Orkane toben, Träume zerbrechen, tausend Tode stirbt das Herz. Dann lässt es los. 


Spiritualität und Wissenschaft

2 Menschen, 2 komplett unterschiedliche Leben.
Wenn sie sich gegenübertreten würden und teilen, was sie und wie sie ausleben.
Liegt das in der Menschennatur, was gegen Verhaltensweisen zu haben, wenn man dem nicht zustimmt?
In einer Nacht, an einem Tag.
Im Winter oder gerade, wenn die Sonne scheint.
Auf der Wiese, oder wenn man gerade eine Bootsfahrt betreibt.
Beiläufig oder verabredet.
Gleich alt, oder gleich jung.
Geschieden oder verliebt.
Beginnend oder ergänzend,
fangen sie zu sprechen an:
,,Glaubst du eigentlich an das, was du nicht siehst?’’
,,nö, ich muss es erst gesehen haben, damit ich es glaube.’’
,,Aber du glaubst an das, was wissenschaftlich bewiesen wurde?’’
,,Ja, tu ich.’’
,,Hast es aber nicht gesehen.’’
,,Doch, Bilder.’’
,,Dann passiv’’
,,Gut, dann wohl passiv.’’
,,Also Augenzeugen?’’
,,Ja, bedingt.’’
,,könnten auch was behaupten.’’
,,sind professionelle. Wissen doch, was sie tun.’’
,,muss es physikalisch da sein, damit du glaubst?’’
,,ich sollte dazu fähig sein, es zu sehen, ja.’’
,,finde ich schwierig.’’
,,du glaubst das blinde, also bitte.’’
,,du glaubst auch unbewusst blind.’’
,,vielleicht.’’
,,könnte ich dich dazu überzeugen?’’
,,versuchs’’
,,Lässt du dich wirklich dann darauf ein? Zum beispiel auf einen Gott?’’
,,nein, finde ich unsinnig.’’
,,Warum bist du so stur? Wirst du nie?’’
,,Nie’’
,,Wie kann man sich so sicher sein.’’
,,Wirst du jemals ungläubig sein?’’
,,Hoffentlich sage ich nie anderen Gläubigen, dass ich gläubig wäre, während ich eigentlich nicht glaube. Sprich Gebet, etc., aber er weiss was in meinem Herzen ist. Denn die Menschen, die sagen, sie glauben und es nicht tun, sind am schlimmsten. Weiss ich aber nicht, was passieren könnte. Würde aber immer zurückkehren.’’
,,ja, siehste.’’
,,Ja, sehe. Von auf grund aus anders.’’
,,kann mich damit anfreunden.’’
,,Muss aber nicht so sein. Kann auch anders in zukunft sein.’’
,,Muss nicht. Stimmt. Will ich aber und weiss ich.’’
,,Was ist denn deine haltung zu gläubigen?’’
,,sollen die machen was die wollen.’’
,,muslimen?’’
,,Ist mir zu menschenfeindlich und extrem.’’
,,wird ja immer schlimmer.’’
,,Schrecke nicht zurück, meine meinung zu sagen.’’
,,ja, deine blinde meinung.’’
,,ja, wie du glaubst.’’
,,außer das es zu deiner meinung, ein heiliges buch gibt.’’
,,gibt es zu deinem gott nicht?’’
,,Doch. Aber du lügst, ich folge meinem Glauben.’’
,,sage nur, was ich gesehen habe.’’
,,gesehen, meinung gebildet und dein glauben nicht weitergeführt’’
,,weitergeführt in…?’’
,,In Wissen.’’
,,Weiss ich ja schon.’’
,,Tust du nicht. Du täuschst dich dabei nur selber.’’
,,Du glaubst an einen Gott.’’
,,Ja. Dass die Erde als Ruhe und der Himmel als Schutzdach dient, ist dir als Zeichen nicht genug? Die Ernte von der wir uns ernähren?’’
,,Verspotte ich dich gerade?’’
,,Denkst du.’’
,,Auch wenn es so viele Prophete gegeben hat, die das Licht herbeigeführt haben.
Wenn es leuchtet, läuft ihr rein.
Wieso stehst du dann verzweifelt ins Dunkel?’’
,,Verstehe ich einfach nicht. Was ist mit dem Kopftuch?’’
,,Was ist damit?’’
,,Nur Frauen. Wieso keine Männer? Was soll ich sonst darüber denken?’’
,,Warum zählt ihr immer nach, was Gott befohlen hat und argumentiert immer darüber?
Ich dachte, alles wirkt für dich eh unsinnig. Wieso lässt du dann deine meinung nicht fallen?’’
,,hast doch auch bestimmt eine über mich.’’
,,Wer bin ich, dass ich sie offen preisgibt? Ich weiss nichts, was in deinem herzen ist.’’
,,Dein Gott tut es aber.’’
,,Hast du über ihn doch gerade auch. Er beleidigt aber im Gegensatz zu dir nicht oder sagt was über eure Person.’’
,,es ist einfach falsch was du glaubst.’’
,,du kämpfst wirklich die ganze zeit gegen mich an, bis ich nicht glaube, oder?’’
,,Ja. Du verschwendest deine Zeit. So viel Kritik, was man vom Koran sagen könnte. Als Gott meinte, dass euer Prophet seinen Sohn opfern sollte.’’
,,Um ihn im Glauben zu testen und als er dabei war, hat er ihn gestoppt und ihn mit einem Schaf belohnt. Gott hat ihn erschaffen, denkst du nicht, er dürfte mit seiner Schöpfung tun, was er will? Abraham mit dem Vogel, das war auf Gottes Befehl und er hat den Vogel wieder zum Leben erweckt. Er weiss, wie man etwas schmerzlos macht und was für wen geeignet ist und wieso.
Als Saul gegen Goliath ankämpfen musste, aber sie nichts getrunken hatten, dachten sie, sie hätten keine Kraft mehr. Haben es aber durch Gottes willen trotzdem geschafft, weil sie auf ihn gehört hatten, nicht daraus zu trinken.’’

Lebenslauf:
Der Gläubige ist der Überzeugung, dass man nutzen sollte von dem, was einem gegeben wurde.
Darin spielt bsp. Bildung, Nahrung etc. eine Rolle, also alles, von dem man profitiert.
Deshalb sollte man mit dem Nutzen gut umgehen (verbreiten, teilen, aufbewahren, für gutes und auf fairer Weise ausgeben).
Wenn man sein Bestes tut und dankbar ist, dann wird man es auch immer haben.
Dabei begleitet einen weder Furcht noch Trauer.
Es ist wichtig, dass man spendet und am besten das Geld versteckt und den Armen gibt (bzw. nicht öffentlich, damit nicht die Absicht ist, anderen zu gefallen oder zeigen, wie viel Vermögen man besitzt).
Wenn man es aber trotzdem tut, ist es keine Sünde. Es ist aber auf andere Art und Weise besser.
Denn arme Menschen begeben sich in Bedrängnis. Sie sind nicht in der Lage, sich in der Erde zu bewegen (für Handel), halten sich aber zurück (fragen nicht um Hilfe), was uns glauben lässt, dass sie wohlhabend wären.
Alle Menschen von uns streben an, tausende von Jahren zu leben. Aber ein weiteres Jahr wird nicht sündenfreier sein, als das andere. Das ist so, wie Gott uns erschaffen hat. Hätten wir auch mehrere Jahre zu leben, würde es nichts an unserer menschlichen Natur ändern.
Viele Menschen, die nicht glauben, gehen nach ihren Väter, weshalb sie automatisch denken, dass sie Recht hätten.
Oder sie verbieten etwas, was eigentlich erlaubt wurde.
Wichtig hier zu betonen ist, dass wenn ein Gläubiger das tun würde, was Ungläubige tun, wird es als Sünde aufgezählt oder macht jemanden im schlimmsten Fall ungläubig (jedoch erst, wenn man den Glauben ablehnt oder die Intention hat, Gott, Gläubige oder seine Worte zu schaden).
Nach jedem Vers des Korans wird aber betont, dass Gott allvergebend und allwissend ist.
Der Dialog sollte zeigen, wie Ungläubige keine Ermahnung annehmen, sondern nur die Verständigen.
Ungläubige kriegen Angst, sind undankbar und wirken auf uns in diesem Leben vielleicht überzeugend und beeindruckend, aber nur Gott weiss, was in seinem Herzen ist.
Wenn man etwas Gutes tut, wie zurückzahlen, dann werden Sünden erloschen.
Vermögen sollte man etwas den Eltern, Verwandten, Hilfsbedürftigen und Waisen geben.
Zinsen im Islam sind verboten.
Wenn man einen Kredit aufnimmt, soll man ihn aufschreiben lassen.
Wenn es niemanden gibt, von einem Vormund mit einem Zeugen, falls er/sie es vergessen sollte. Und das, egal ob man zu einer kleinen oder großen Summe verfügt.
Denn man sollte keinem von beidem schaden und das tun Zinsen traurigerweise.
Bei sofortigem Geschäft ist das Aufschreiben aber nicht nötig.
Wichtig ist hierbei, dass nichts verheimlicht wird.
Der Anvertraute sollte seine Verpflichtung erfüllen.
Eine hinterlegte Bürgschaft reicht aus.
Muhammed hat für die Muslime Allah darum gebeten, uns nicht zur Rechenschaft zu ziehen, wenn wir vergessen oder Fehler machen und nicht für das, was unsere Vorfahren machten.
Allah meinte jedoch zu Beginn, dass er keine Seele über seine Kapazität heraus testet.
Wir sind nicht in der Lage, jemanden rechtleiten oder Weisheit zu geben.
Es aber zu versuchen und nicht zu erzwingen, wird belohnt.
Was auch im Dialog klar geworden sein sollte ist, dass wenn man anderen Schaden zufügt (Lügt, verspottet und beleidigt), sich dabei selbst Schaden zufügt.
Allah beschreibt sich selbst als jemand, der gnädig ist.
Es wird im Koran betont, dass Gutes Vergänglich ist.
Denn wer Vorwürfe macht und beleidigt, macht ihn selbst zunichte.


Was ist das Ich?

Frage ich mich nach meinem Selbst, so merke ich, dass es das Ich nicht gibt.

Egal, was ich sage, was ich frage – wer sagt am Ende, dass ich es bin? So wie jeder andere nach seinem Ich fragen kann, so auch ich.

Ich bin nicht die Farbe, die ich mag, oder der Film, den ich gern gucke; selbst meine Gedanken machen mich nicht aus. Denn alles ist in einem stetigen Wandel, in einem Bewusstseinsstrom, der sich, durch erhebliche Täuschung, zu einem Ich manifestiert.

Warum?

Ich kann nicht in der Welt leben, mich in ihr bewegen, wenn ich nicht bin. Es braucht ein Ich in dieser Welt, das sich durch die gleiche bewegt. Ohne Ich sind wir nicht lebensfähig.

Trotzdem frage ich mich, was ich dann wirklich bin.

Wenn mein Ich nicht existiert, dann bin ich doch auch nicht wirklich echt? Oder bin ich stetige Veränderung? Auch der kräftigste und unzerbrechlichste Fels kann sich verändern; mit der Zeit wird er vielleicht zu einem kleinen Stein – egal, wie fest er war. Ein Fluss ist ein Fluss nur aus der Summe seiner Teilchen, nur aus dem Bewegen von Tausenden von Tropfen. Ohne Tropfen kein Fluss, also auch ohne Gedanken kein Ich.

Somit sollte es das Ziel sein, jegliche Ich-lichkeit zu beseitigen – den Fluss austrocknen, ihn des Wassers berauben. Etwas, was leichter gesagt als getan ist, denn der Mensch hat einen natürlichen Drang zum Leben. Am Ende sind wir alle Flüsse, die in einen großen Ozean führen. Wir wollen Teil des Ganzen sein, merken aber nicht, dass wir es bereits immer waren. Denn woher kommt das Wasser des Ozeans? Es verdunstet, steigt auf und kommt auf die verschiedensten Weisen wieder zurück – auch durch Flüsse. Statt also Teil des Ganzen sein zu wollen, sollten wir aufhören, überhaupt zu wollen und zu sein.

Wenn jeder Fluss versiegt – wie bildet sich dann ein Ozean? Und was passiert mit dem Ozean, wenn es kein Wasser mehr gibt?

Stille ist die Antwort hier. Nur wer Stille erlebt, kann sie auch verstehen. Das eigentliche Sein. Stille ist hier und jetzt. 


Verwelkend verschenken

ich habe viele Menschen ans Denken verloren

sie leben in Welten 

die es für mich gar nicht gibt

in denen Regeln viel gelten

und niemand mehr liebt.

Wenn es dort nicht so düster wäre

ginge ich mit in ihre Sphäre

bastelte mit an der Materie

glaubte gar gern an ihre Lehre

eins und eins sei zwei

und eins und zwei sei drei

null sei nichts und hundert viel

der Gang der Sonne verfolge ein Ziel.

Denn ich war noch nie so allein

in Geist und Herz noch nie so verlassen

nie sind die Brüder mir fremder gewesen

nie war mir Sterben lieber als Leben

es offenbarte sich immer ein innerer Sinn

es wuchs immer als Garten 

was ich eigentlich bin.

Doch hat man schwarze Magie vollführt

man hat die dunklen Punkte vernetzt

und daraus Mauern aus Angst gebaut

so hat man die Welt entführt

und mir die Braut geklaut

das Hirn hat den Geist ersetzt

und der äußere Zweck den inneren Sinn

der vermeintliche Zweck wuchert als Unkraut

und dieses Wachstum nennt man Gewinn.

Blühen kann hier längst nichts mehr

die Atmosphäre nährt hier nur den Schein

schon das Atmen fällt hier schwer

Geist und Seele wollen hier nicht sein

du willst nur noch verschenken

was noch hier ist von dir

verwelkend verschenken

was nicht möglich war als wir.


Der leere Stuhl

Peter spürte, wie ihm der Schreck und die Freude zugleich in die Glieder fuhr. Da stand Herat vor ihm. Peter erhob sich rasch von seinem Stuhl, um Herat zu begrüßen: „Du scheinst immer noch genau zu wissen, wo ich mich aufhalte.“ So war es seit ihrer ersten Begegnung, als er Herat und dessen Gefährtin Sepalika kennenlernte. Herat tauchte plötzlich allein oder mit Sepalika für einige Stunden auf, um dann wieder zu verschwinden.  Manchmal sogar für Jahre. Das war bereits so, als er vor vielen Jahren als buddhistischer Novize im Kloster und später in einer Einsiedelei im Wald lebte.

Peter war kurz zuvor aus Europa zurückgekehrt, um oben in den Bergen in einer abgelegenen Gegend Nahe Udewela ein Meditationszentrum zu übernehmen. Ein Jahr davor hatte er das Mönchsleben aufgegeben. Aber es hatte ihn dann noch einmal, auch diese Mal wieder aufgrund verschiedener Umstände, die er nicht wollte, nach Sri Lanka verschlagen.

Er wusste nicht, dass das letzte Mal sein würde, dass er heute Herat begegnete. Herat hatte ihn an einer Raststätte abgefangen, die sich auf dem Wege nach Kandy befand. Einmal in der Woche musste Peter nach Kandy fahren, um Besorgungen zu erledigen. Bei dieser Gelegenheit hielt er dann immer auf dem Rückweg bei der Raststätte, um eine Tasse Tee zu trinken. Peter tauchte dort immer am gleichen Tag und zur gleichen Zeit auf. Auch dies hatte Herat in Erfahrung gebracht. Peter freute das Wiedersehen natürlich, denn inzwischen waren Jahre verstrichen. Herat sagte, er wisse schon lange von seiner Rückkehr nach Sri Lanka und seiner Gewohnheit, in der Raststätte einzukehren. Doch vermeintlich sei es trotzdem reiner Zufall, dass er ausgerechnet an diesem Tag und zu dieser Zeit in der Gegend etwas zu erledigen hatte.

Herat gehörte zur „Janatha Vimukthi Peramuna“, kurz der JVP, der bewaffneten kommunistischen Guerillaorganisation, die gegen die Zentralregierung Sri Lankas kämpfte. Sie rekrutierte sich vor allem aus der mit der Regierung unzufriedenen Studenten und Universitätsdozenten. Ihr Ziel war die Errichtung einer kommunistischen Regierung in ganz Sri Lanka.

Wenige Monate zuvor waren Angehörige der Polizei, darunter auch Frauen und Kinder, von der JVP ermordet worden. Das hatte wiederum zur Folge, dass Armeeeinheiten am Tage uniformiert die Dörfer durchkämmten und nachts in Zivil, wenn sie Leute mitnahmen, die nie wiederauftauchten. Die damalige singhalesische Regierung unter der Führung von Ranasinghe Premadasa, der später einem Attentat zum Opfer fiel, bestritt, dass sie und ihre Armee irgendetwas mit den Morden an den Jugendlichen zu tun hatten. Es waren Tausende, die täglich monatelang die Flüsse hinunterschwammen oder im Gebüsch am Straßenrand durch Genickschuss hingerichtet wurden. Auch mit den abgeschlagenen Köpfen wollten die Armee nichts zu tun haben, die für jedermann sichtbar zur Abschreckung an Straßenecken aufgestellt wurden. Bezeichnenderweise hatte die Regierung, bevor sie Sri Lanka in ein Schlachthaus verwandelte, einen Tourismus-Stopp über das Land verhängt. So gab es wenige ausländische Zeugen. Dieses Verbrechen wurde von der Regierung perfekt verschleiert. Zwar gab es verzweifelte Aufklärungsversuche von Amnesty International. Aber was sie herausfanden, war nicht das, was tatsächlich geschah. So erfuhr die Weltöffentlichkeit wenig von den Verbrechen.

Herat war ein Verwandlungskünstler. Peter erkannte ihn auch dieses Mal beinahe nicht wieder. Seine traditionelle schneeweiße Kleidung, bestehend aus einem Sarong, einer Art weißem Leinentuch, das um die Hüfte gebunden wird und bis zu den Fußknöcheln herunterreicht, war bis in Höhe der Knie von einem Benjen bedeckt, einer Art kragenlosem Hemd, das über dem Sarong getragen wird. In der von Kopf bis Fuß schneeweißen Kleidung sah Herat aus, als käme er aus einem Tempel. Seine enganliegenden Haare waren kurz geschnitten und glänzten wie eine Speckschwarte. Er trug ein säuberlich ausrasiertes Lippenbärtchen. Die tief in den Höhlen eingesunkenen Augen und die weit herausragenden Backenknochen ließen eine schlimme Vergangenheit ahnen. Auch der Körper, der sich trotz der lockeren Kleidung deutlich abzeichnete, besaß etwas unnatürlich Eckiges. Die saubere gepflegte Fassade konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Mensch bis auf die Knochen abgemagert war.

Der Freund wollte nun wissen, was Herat seit ihrem letzten Treffen widerfahren sei. Und so hörte er, dass Herat seit einigen Jahren Besitzer eines Frisörgeschäfts war. Aber weil er da nur selten anzutreffen war, sei der Geheimdienst auf ihn aufmerksam geworden.

„Man hat uns in einer Reihe aufgestellt“, erzählte Herat tonlos. „Wir waren etwa zwanzig bis dreißig Leute. Die meisten waren jünger als ich. Die Fenster, des in helles Licht getauchten Raumes, waren vergittert und fest verschlossen. Ein Mann mit einem Sack über den Kopf – damit er nicht identifiziert werden konnte- ging langsam die Reihe ab und betrachtete jeden einzelnen aufmerksam durch die zwei in Augenhöhe geschnitten Löcher im Sack. Hin und wieder gab er ein Handzeichen, woraufhin derjenige, vor dem er kurz stehen blieb, abgeführt wurde.“

Herat hatte Glück. Seine Verkleidungskünste retteten ihm das Leben. Nach seiner Entlassung brach er die Verbindung zur JVP ab. Und die JVP zu ihm. Es entsprach einer altbewährten Taktik. Die JVP trennte sich grundsätzlich von einem Mitglied, sobald es sich verdächtig gemacht hat. Das lag etwa einem Monat zurück. Seitdem bekam er keinerlei finanzielle Zuwendungen mehr. „Vermutlich sind sie alle tot“, sagte er wie beiläufig, ohne sich irgendwelche Gefühlsregungen anmerken zu lassen. Beinahe schien es Peter, dass er keine Gefühlsregungen mehr besaß. Sein regungsloses maskenhaftes Gesicht ließ vermuten, dass er unter Schock stand. Seitdem lebte er von dem, was sein Geschäft ihm einbrachte. Und es war kaum genug, um damit die Miete zu bezahlen. Er hatte seit Wochen schon nichts Richtiges mehr gegessen. Als Peter aufstand, um ihn etwas zum Essen zu kaufen, hielt er ihn am Arm fest und sah Peter mit weitaufgerissenen Augen flehend an. Aber dann senkte er plötzlich den Blick und sprach wie zu sich selbst: „Ich bin es nicht mehr gewohnt, dass jemand etwas für mich tut. Ich habe keinen Hunger. Aber für eine Tasse Tee wäre ich dankbar.“

Peter wagte nicht, ihn über seine Vergangenheit zu befragen, und offensichtlich war Herat nicht gekommen, um über sich zu sprechen. Aber das hatte er ja noch nie getan – bei seinen unregelmäßigen Besuchen an den abgelegenen Orten – an denen Peter lebte. In diesem Moment wurde Peter bewusst, wie wenig er über Herat wusste. Was war er eigentlich für ein Mensch? „Ich habe ihn immer nur als revolutionären Clown kennengelernt, der mir mit kindlicher Freude seine Verwandlungskünste vorspielte“, sann Peter. Aber hin und wieder sprach Herat damals von der Zukunft. Dann strahlten seine Augen. Er träumte von einer Welt, in der es weder Polizei noch Armee geben müsste. Von einer Welt, in der die Menschen endlich einmal aus der Vergangenheit gelernt haben würden. Eine Welt, in der die Zugehörigkeit und Zuständigkeit sowohl Für- als auch Miteinander als höchstes Gesetz der Vernunft anerkannt sein würde.

Peter erinnerte sich: Damals bei einer ihrer letzten Begegnungen in Kandy, kurz nach Herats Entlassung aus dem Gefängnis, unternahmen beide einen Spaziergang kreuz und quer durch das Wäldchen, abseits von allen Wegen. Herat zeigte Peter die riesigen Krater, die ihre selbstgebastelten Bomben hinterlassen hatten. Die Armee hatte dort die eroberten Sprengkörper zum Detonieren gebracht. Er zeigte Peter den uralten Baum am stillen See, dort wo der Weg sich teilt, um sich in zwei verschiedene Richtungen irgendwo hinter hohen Bäumen zu verlieren. Der Baum, von dem Herat durch die Kugeln eines Maschinengewehrs geschützt wurde, blutete damals immer noch aus vielen Löchern eine dunkle harzige Flüssigkeit. Der See hat dort, wo dicke Bambusstämme weit in den Himmel ragen, einen kleinen Strand. Dort saßen sie schließlich eine lange Zeit und blickten schweigend auf die stille spiegelglatte Oberfläche des Sees. Der See war so klein, dass man sich mit jemandem am anderen Ufer durch Zurufe verständigen könnte. Peter kam oft zu diesem See. Im Grunde war es eher ein Teich, so klein war er. Er war immer glatt wie ein Spiegel. Die Winde, die mit dem Blättern im Baumwipfel spielten, lagen viel zu fern. Nie bewegte der Wind die Wasseroberfläche. Und doch gab es auf dieser stillen Oberfläche gelegentlich Wellen, die einen trägen Leguan trugen. Gelegentlich tauchte aus den trüben Tiefen ein Fischrücken auf und erzeugte kleine Kreise im Wasser. Die Fische waren sehr groß, vermutlich war der Teich in seiner Mitte sehr tief. Für Peter war es bisher ein stiller, friedlicher Ort gewesen. Doch Herat summte leise und nachdenklich eine Melodie. Peter kannte diese Melodie von einer Kassette mit revolutionären Liedern, die Herat ihm einmal vorgespielt hatte. Zu dieser Melodie gab es auch einen Text: „Geh hinein in den Schock, damit du aus ihm herauskommst.“ Herat nahm einen Stein und warf ihn ins Wasser. In dem Moment, in dem der Stein einschlug, tauchte in ihm das Bild eines zersplitternden Fensters auf. Er sagte zu Peter sagte: „Wie dünn und verwundbar doch unsere Haut ist. Wie sieht die Welt doch kaputt aus, wenn sie durch die Scherben eines Fensters betrachtet wird.“ Peter spürte damals, dass Herat auf eine Reaktion wartete. Doch er schwieg. Und so stellte Herat sich selbst die Frage, die er wohl von Peter erwartete: „Wenn die Welt nur meine eigene Vorstellung ist, so wie ihr Buddhisten sagt, dann gibt es sie vielleicht gar nicht in der Zukunft? Aber ist es dann nicht Verrat an der Zukunft, für die wir ja kämpfen?“ Peter erwiderte ihm: „Du fragst wie jemand, der nicht weiß, dass er träumt.“ Herat stand auf, und indem er sich anschickte zu gehen, sagte er traurig: „Ich weiß es wirklich nicht. Ich weiß nur, ich muss in diesen Krieg. Es ist meine einzige Chance rauszukommen.“ Und so war er dann wieder verschwunden. Für lange Zeit. So wie er es immer tat. Er war ihm auch damals so nah. Und doch konnte er Herat nicht helfen.

Als sich jetzt – Jahre später – beide nun in jenem Rasthaus wieder wiedertrafen, war Herat nur noch ein Schatten seiner selbst. Er hatte alles verloren, all das, wofür er kämpfte – vor allem Sepalika, seine langjährige Gefährtin war nicht mehr am Leben. Ein Beben durchfuhr seinen Körper, als er Peter zuflüsterte, dass ihre gemeinsame Freundin Sepalika bei einem missglückten Überfall auf die Polizeistation in Kataragama erschossen wurde. „Sie hatte Glück, denn sie wusste, wofür sie starb,“ fügte er tonlos hinzu.

Sepalika ist tot, Sepalika ist tot. Peter fühlte, wie das Blut in seinen Kopf schoss, es in seinen Schläfen hämmerte. Unwillkürlich stiegen die Bilder an seine erste Begegnung mit Herat und Sepalika in ihm auf. Eine Erinnerung an eine Begegnung, die nun eine Ewigkeit zurücklag: Peter befand sich an jener ersten Begegnung, er war noch Mönch, gerade auf dem Rückweg von seinem Bettelgang, als er an einem verlassenen Bungalow vorbeikam. Aus dem Inneren war unvermittelt ein undeutliches Geräusch zu hören. Er kehrte um, ging noch einmal zum Fenster zurück, stellte seine Bettelschale auf den Boden, um auf Zehenspitzen so tief wie möglich in das Zimmer hineinschauen zu können. Da sah er, dass sich unterhalb des Fensters im Inneren des Raumes einige Stofffetzen befanden, die sich offensichtlich bewegten. Zweifellos gab es doch Leben in diesem Bungalow. Sogleich beschlich ihn ein unangenehmes Gefühl in der Magengegend, das immer dann auftaucht, wenn in unmittelbarer Nähe Hilfe notwendig ist. Dabei dachte Peter nicht gleich daran, dass es ein Mensch sein könnte. Vielleicht war es eine Hündin, die hier ihre Jungen geworfen hatte und nun in Not war. Auf jeden Fall wollte er das Haus nun genauer untersuchen. Wenn es in diesem Haus Leben gab, musste es ja auch von außen hineingelangt sein. Und tatsächlich fand er bald darauf eine Tür, die nur angelehnt war. In dem Moment, als er recht unbekümmert über die Türschwelle schritt, wurde ihm plötzlich bewusst, dass er schon seit Jahren keine Angst mehr empfand. Das buddhistische Gewand symbolisierte vollkommene Besitz- und Harmlosigkeit. Selbst im Urwald schien das Gewand wie ein Schutz vor wilden Tieren. Peter war also eine Randerscheinung, mit der niemand etwas anfangen konnte. Und er hatte sie gelernt zu lieben: diese Gleichgültigkeit. Für diesen Schutz, den er empfand, und die Freiheit, die ihm gewährt wurde, bedurfte es nur dieser Kleidung. Als Individuum machte sie ihn unsichtbar. Die Kleidung repräsentierte nicht ihn, sondern eine Weltanschauung. Wer oder was auch immer mit ihm als Mönch zu tun hatte, konnte ihn sofort einordnen. Er war nichts anderes als ein zweieinhalbtausendjähriger wunderbarer Gedanke. Und genau so sollte es auch damals bei der ersten Unterhaltung mit Herat wieder sein. Nachdem Peter den kleinen Flur, die ersten Zimmer durchschritten hatte und jetzt die letzte Tür öffnete, die in das Zimmer führte, welches er von außen durch die Gitterstäbe gesehen hatte, sprang eine dunkle Gestalt mit weit aufgerissenen Augen auf die Füße, um noch im Sprung sofort wieder zu erstarren. Der starre Blick verwandelte sich augenblicklich in kindliches Erstaunen. Der von schwarzen Barthaaren zugewachsene Mund zog sich, so schien es Peter, nun zu einem Lächeln in die Länge. Ohne seinen Blick von Peter abzuwenden, tastete seine rechte Hand in Richtung eines Bündels, das neben ihm lag und schüttelte es heftig. Daraufhin erhob sich noch eine zweite Gestalt und rieb sich die Augen. Die zweite Gestalt strich sich das lange schwarze Haar aus dem jungen noch kindlichen Gesicht. Es war ein Mädchen. Ihr Alter zu schätzen war nicht leicht, denn asiatische Mädchen sehen jünger aus als sie in Wahrheit sind. Aber zweifellos war sie noch ein Teenager. Während der Bärtige etwa Anfang zwanzig war. Da durchfuhr Peter ein freudiger Schreck. Ja doch- ja natürlich- Peter hatte ihn nur nicht gleich erkannt. Wegen der vielen Barthaare. Er war jener verrückte Bettler, der ihm vor einigen Tagen mitten auf der Straße den Weg versperrte. Peter hatte ihn vorher auf seinem Spendengang noch nie gesehen, er musste ein Vagabund sein. Dieser hatte ein Brot aus seiner schmutzigen Tasche gezogen, es in zwei Hälfte gebrochen und die eine Hälfte in Peters Schale gelegt. Das Brot ging gerade noch in seine Schale hinein, denn sie war bereits voll der Spenden, die Peter zuvor erhalten hatte. Aber damit nicht genug, so legte er ihm auch noch ein paar Münzen in die Schale, bevor Peter es verhindern konnte. Peter bat ihn höflich, das Geld aus der Schale zu nehmen. Schließlich verbieten die Regeln den Besitz von Geld. Aber dies tat er nicht. Stattdessen belehrte er Peter ärgerlich, dass er als Mönch gefälligst anzunehmen habe, was man ihm gebe. Auch das gleiche Mädchen, welches jetzt neben ihm stand, war damals in seiner Nähe. Dieses Pärchen hatte Peter schon damals fasziniert. Sie wirkten auf ihn so verwundbar. So völlig ausgeliefert. In einer Welt, die für sie nur Verachtung empfand. Aber die beiden erkannten Peter nicht wieder. Ihr freundliches Lächeln galt wieder einmal nicht ihm, sondern seinem Gewand. Sie sahen Peter immer noch mit großen Augen und einem erstaunten Lächeln an. Es war also nicht damit zu rechnen, dass sie ein Wort an ihn richten würden. So entschloss sich Peter, erst einmal den jungen Mann anzusprechen, denn er hoffte, dass er englisch sprach. Peter erwiderte das Lächeln und fragte freundlich: „Kennen wir uns nicht? Habt ihr mir nicht eine Gabe gereicht?“ Ohne die geringsten Veränderungen seiner Gesichtszüge nickte er zustimmend. Es war also nur eine Höflichkeitsfloskel. In Wahrheit erinnerte er sich an gar nichts. Auch das Mädchen hatte nun den Blick gesenkt und lächelte nur zurückhaltend vor sich hin. Zwischen ihnen stand eine unsichtbare Wand. Immerhin hatte Peters Mönchsgewand ihnen die Angst genommen. Dies allein war offensichtlich nicht Grund genug, um sich mit ihm zu unterhalten. Peter schien, als ob beiden seine Anwesenheit unangenehm sei. Schließlich waren sie gerade erst aufgewacht und hatten womöglich erst einmal wichtigeres zu tun, als sich auf eine Unterhaltung einzulassen. So blieb ihm zunächst nichts anderes übrig, als sich freundlich zu entschuldigen und den Rückweg zu seiner Behausung anzutreten. Sie ließen es bereitwillig geschehen, aber als Peter draußen war, rief ihm der junge Mann durch das Fenster nach: „Wirst du uns auch nicht verraten?“ Peter verneinte. Doch als er am Abend zurückkam, waren sie nicht mehr da. Sicher hatten sie seinen Worten nicht geglaubt. Es war die erste Begegnung mit Herat und Sepalika. Diese beiden seltsamen Menschen hatten bereits damals bei der ersten Unterhaltung seine Neugier geweckt. Er glaubte, dass sie seinesgleichen seien. Er musste sich etwas einfallen lassen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Natürlich kannte er die Regel: Ein Mönch besucht niemanden unaufgefordert. Er musste sie entweder dazu bringen, ihn zu besuchen oder ihnen eine Möglichkeit geben, ihn einzuladen. Eine dritte Möglichkeit wäre, eine Begegnung zu inszenieren.

Wenige Tage nach dieser ersten Begegnung hatten einige Tausend Anhänger der Untergrundbewegung JVP an einem einzigen Tag fast sämtlich Polizeistationen überfallen und durch eine Art Blitzkrieg große Teile Sri Lankas unter ihre Kontrolle gebracht. Doch die Regierung mobilisierte rasch die Armee und schlug den Aufstand nach wenigen Tagen nieder.

Herat holte Peter aus seiner Erinnerung in die Gegenwart zurück. Inmitten der Erstarrung und des Schweigens hörte Peter ihn wie durch einen Filter sagen: „Als der Buddha starb, war der Tod genau wie das Leben für ihn nichts weiter als eine biologische Tatsache.“

Nun fasste ihn Peter seinerseits fest ins Auge und erwiderte: „Nun, die Natur ist verschwenderisch. Sie schöpft aus dem Überfluss. Euch dagegen mangelt es an allem. Ihr seid wie Verdurstende, die bis zum Hals im Wasser stehen. Sepalika hatte sich selbst zum Opfer gebracht – noch vor ihrer natürlichen Lebensspanne. Sie hat der Natur ins Handwerk gepfuscht. Sie dachte immer nur an andere und hat dabei übersehen, dass sie auch existierte.“ Peter hatte sich nicht mehr unter Kontrolle. Seine Stimme zitterte, seine Gefühle begannen sich zu überschlagen. Er packte Herat am Arm und sah ihn flehend an. „Ist Selbstzerstörung nicht die Zerstörung des einzigen Maßstabes, der es uns ermöglicht, die Welt zu verstehen. Sieh dich doch mal selbst an. Du bist nicht die Spiegelung dessen, was du am meisten liebst, sondern die Wirkung dessen, was du am meisten hasst. Und je mehr du selbst zu dieser Wirkung wirst, umso ähnlicher wirst du ihre Ursache sein. Du glaubst gegen die Welt zu kämpfen, aber in Wahrheit kämpfst du gegen dich selbst. Hör doch bitte endlich auf zu kämpfen. Sieh doch nur, was du dir angetan hast. In Wahrheit hast du immer nur mit dir selbst gekämpft.“

Herat hatte wieder seinen Stuhl zurückgezogen und hielt den gesenkten Kopf in beiden Händen. Plötzlich erhob er sich wieder vom Stuhl, während er seinen erschöpften Körper mit den Händen an der Tischkante abstützte. Und wieder nagelte er Peter mit den von schlaflosen Nächten blutrot unterlaufenen Augen fest. „Die, gegen die wir kämpfen, würden sich bei deinen Worten ins Fäustchen lachen.“ Peter unterbrach ihn: „Aber ihr wollt, dass ihnen das Lachen vergeht“, und fügte hinzu: „Darum seid ihr euch ähnlich. Hass kommt nicht durch Hass zur Ruhe, sondern durch Nicht- Hass kommt der Hass zur Ruhe. Der Hass hat euch genauso blind gemacht wie eure Feinde. Ihr hättet sie nur mit dem schlagen können, was sie nicht besitzen: Mit Liebe.“ Herat zuckte zusammen und verzog das Gesicht, als habe er Zitronensaft im Mund. Doch bevor er etwas sagen konnte, fügte er schnell hinzu: „Ihr hattet Freunde im Volk gewonnen und auch in der Armee. Viel mehr als damals. Aber durch eure brutale Ungeduld habt ihr die Gunst derer verspielt, die eigentlich auf eurer Seite standen. Ihr hattet als Idealisten begonnen und endet als brutale Fanatiker, die das Volk tyrannisierten. Auch diesmal wandtet ihr euch gegen das Volk.“

Herat, der nun wieder saß, fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, als ob er verzweifelt versuchte, sich an irgendetwas zu erinnern. „Du hast recht“, murmelte er schließlich. „Aber der Grund für die Grausamkeit liegt ganz woanders. Der Grund liegt in unserer mangelnden Menschenkenntnis. Unsere anfänglichen Erfolge zogen Kriminelle an wie das Licht die Motten. Als wir bemerkten, dass wir von Dieben, Betrügern und Totschlägern durchsetzt waren, da war es bereits zu spät. Um uns von diesem Abschaum zu reinigen, hätten wir Leute aus unseren eigenen Reihen erschießen müssen. Doch wir waren wie betrunken vom eigenen Erfolg. Wir waren so mächtig und zahlreich geworden, dass die Führung die Kontrolle verlor. Sie interessierte sich nur noch für ihren Erfolg. Es kümmerte sie wenig, dass durch ihre Maßnahmen das Volk in Angst und Schrecken geriet. Die meisten von ihnen bezahlten dafür mit ihrem Leben. Aber selbst, wenn wir alle draufgehen: Es wird unserer korrupten Regierung nichts nützen. Sie selbst säen die Saat, die sie am Ende doch vernichten wird. Bei jedem Aufgehen der Saat wird sie stärker, widerstandsfähiger und einflussreicher sein. Darin besteht der Unterschied zwischen uns und unseren Feinden. Im Gegensatz zu uns haben sie nichts im Krieg dazugelernt. Wir aber werden wiederkehren. Nicht weil wir es wollen, sondern weil wir wiederkehren müssen. Du sagst, dass uns der Hass mit unseren Feinden verbindet und Hass nur durch Nicht- Hass zur Ruhe kommt. Du glaubst an diese Zusammenhänge: Tag und Nacht, Ebbe und Flut, die Beziehung zwischen Sonne, Erde, Mond und Sternen. Nein, die Luft reinigt sich nicht dadurch, dass die Wolken aufgelöst werden, die der Wind zusammengetrieben hat, sondern dadurch, dass sich die Spannung zwischen Wind und Wolken steigern muss, um sich in einem Gewitter zu entladen. Wind und Wolken bedingen einander. Es bleibt nun einmal ihr Schicksal, sich in einer letzten gewaltigen Umarmung gegenseitig zu vernichten. Aber dann wird die Luft rein sein. Der Boden wird dann wieder fruchtbar für eine geraume Zeit sein. Bis sich wieder ein Wind erhebt und Wolken zusammengetrieben werden. Aus diesem Kreislauf gibt es kein Entrinnen. Du glaubst, dass du dein Leben dadurch bewahren kannst, weil du dich den Gesetzen der Vernunft unterwirfst. Aber ich sage dir, es gibt Wichtigeres als die Erhaltung des bloßen Lebens. Wenn du deine Hand in einen Ameisenhaufen steckst, dann rennen die Ameisen nicht davon, um ihr Leben zu beschützen. Sie greifen an, immer wieder, ganz gleich wie viele du in deiner Hand zerquetscht. Denn es gilt etwas zu bewahren, das weitaus wertvoller als das Leben ist. Aber wenn sich schon der Kampf gegen das Unrecht im Kampf der Ameise offenbart, um wie viel mehr muss es sich im Menschen offenbaren. Aber wenn du diesen Kampf gegen das Unrecht preisgibst, dann gibst du dein Menschsein preis.“

Nach den letzten Worten sank Herat wieder in sich zusammen. Er hüstelte verhalten in ein Taschentuch. War es nur Erschöpfung oder war er vielleicht sehr krank? Peter spürte, dass er sich um ihn sorgte- und zugleich seine eigene Verlegenheit. Ihm schien, als täte er Herat andauernd Unrecht. Auch mit allem, was er für ihn empfand. Seine Worte hatten Peter tief beeindruckt, aber er wollte sich seine Zuneigung nicht anmerken lassen. Er würde es wohl als ungelenke Vertraulichkeit empfinden. „Er stellte mein Menschsein in Frage und hatte mich damit schachmatt gesetzt. Dabei habe ich es mich entwöhnt, mich mit anderen Menschen zu vergleichen,“ dachte Peter. Aber Herats Bemerkung zwang ihn nun doch zu einem Vergleich. Ging es Peter darum, Mensch zu sein oder Mensch zu werden? Diese allseits so gepriesene Vervollkommnung der menschlichen Evolution war für den Buddha bestenfalls eine Begleiterscheinung, aber eben kein Ideal. Peter fühlte instinktiv, dass die Richtung dieser Argumentation zu verhängnisvollen Missverständnissen führen würde. Also beschränkte er sich, darauf hinzuweisen, dass der Buddha jene Faszination und tiefe Ehrfurcht vor dem Leben – die gegebenenfalls auch die Vernichtung des eigenen Lebens in Kauf nimmt- gekannt haben muss. Der Buddha stammte schließlich aus der Kriegerkaste und hatte eine Ausbildung in allen damals bekannten Waffengattungen erhalten.

So entgegnete er Herat: „Die Überlieferung sagt, dass der Buddha ein großer Kämpfer war und das Kriegshandwerk von Grund auf gelernt und gemeistert hatte. Eingedenk dieser Tatsache muss also die Gewaltlosigkeit, die der Buddha lehrte, etwas anderes bedeuten, als was ihr darunter versteht. Was für dich Vernachlässigung des Menschseins bedeutet, war für den Buddha des Menschseins höchste Vollendung. Im Gegensatz zu dir fehlte dem Buddha jene Voraussetzung, die den Kampf notwendig fordert. Denn jeder Kampf beruht auf Notwendigkeit. Kampf ist das Mittel, von dem sich eine Wendung der Not versprochen wird. Aber solche Notwendigkeit war für den Buddha nicht Ausdruck des Menschseins, sondern die Mangelerscheinung, die Notdurft, welche das Menschsein zur Hölle werden lässt. Indem er so die Ursache oder den Kern aller Kriege in sich selbst entdeckte, war es nur noch eine Frage der Zeit, diesen seit Urzeiten bestehenden Krieg gegen die Notdurft in sich selbst zu führen und schließlich zu beenden. So war für den Buddha nie der Kampf Ausdruck von Edelmut, sondern vielmehr die Gewaltlosigkeit. In den überlieferten Schriften über die Aussagen des Buddhas steht geschrieben: ´Die Edlen stellen sich nicht zum Kampf´. Und so hat es bis auf den heutigen Tag nie einen Krieg im Namen des Buddhas gegeben.“

Herat hatte, ohne Peter zu unterbrechen, aufmerksam zugehört. Aber nun schüttelte er den gesenkten Kopf. „Du hast mich nicht verstanden“, sagte er traurig. „Ich kämpfe nicht gegen die Notdurft, sondern gegen die Ungerechtigkeit. Sieh mich doch an. Sieht so einer aus, der nur an die Befriedigung seiner Bedürfnisse denkt? Du weißt nicht, wie viele Menschen mir ihr Leben zu verdanken haben. Auch du würdest ohne meine Hilfe längst nicht mehr hier sein. Als damals die Polizei die Bauern in deiner Gegend vertrieben, weil das Land, das sie bewohnten, verkauft werden sollte, verhinderten wir gerade noch rechtzeitig die Fortsetzung dieser Maßnahme. Das hatte zur Folge, dass du in deiner Stätte von einer Invasion heimatloser Bauern verschont geblieben bist. Diese wären nämlich so zahlreich geworden, dass sich ihre Hütten an deinem Haus angelehnt hätten. Übrigens beobachteten wir dich seit Jahren und wussten, dass du dort Lebensmittel unter der Bevölkerung verteilt und eine Erste- Hilfe- Station eingerichtet hattest. Durch deine Unterstützung konnte ein Spielplatz für die Dorfkinder gebaut werden. Ganz zu schweigen von den Kinderfesten, den Ausflügen und sportlichen Wettkämpfen, die du organisiert und finanziert hattest. All dies bewahrte dich, von unserer Organisation auf die gleiche Stufe all dieser religiösen Scharlatane gestellt zu werden, die das Volk nur ausbeuten. Wir hatten eine Todesliste von jenen angefertigt, die sich im Namen der Religion am Volk bereichern. Hättest du dies alles nicht für die Bevölkerung geleistet, wärst du auch auf diese Liste gekommen. Denn als du damals plötzlich in diesem Herrenhaus auftauchtest, welches dir ein Mönch anvertraute, um daraus ein Meditationszentrum zu errichten, wurden wir auf dich aufmerksam. Aber du ließest dir nichts zu Schulden kommen. So wurdest du von uns verschont. Und doch stelltest du uns zuweilen auf eine harte Probe. Zum Beispiel hatten wir unseren Jungs erzählt, dass du ihnen bei einer Begegnung Essen und Trinken geben würdest. Aber als sie eines nachts, nachdem sie in den umliegenden Dörfern alle Ausweise der Bauern eingesammelt hatten, um somit die Identifizierung durch die Polizei zu erschweren, an deinem Haus vorbeikamen, da waren sie müde, erschöpft und gebeugt vom Gewicht ihrer schweren Maschinenpistolen und wären dir für eine kleine Zuwendung sicher dankbar gewesen. Aber du hast ihnen lediglich den Weg erklärt und dann ziehen lassen. Und ein anderes Mal, als wir eine Ausgangssperre über das ganze Land verhängten, wagtest du es, mit deinem Motorrad in der Gegend herumzufahren. Zum Glück gehörte ich zu jener Mannschaft, welche die Straßen bewachte. Ich saß im Gebüsch, als du an uns vorüberfuhrst und bemerkte gerade noch rechtzeitig, als sich einer unserer Leute anschickte, dich mit seinem Gewehr aus dem Sattel zu schießen.“

Seine Offenbarungen verschlugen Peter die Sprache. Herat nahm dies mit sichtlichem Vergnügen wahr und ließ eine Minute der Genugtuung verstreichen, bevor er wieder zu sprechen begann. „Es ist wahr, dass nie im Namen des Buddhas ein Krieg geführt wurde. Aber ist unser Kampf, unser Krieg gegen die Ungerechtigkeit ist Ausdruck einer tief verwurzelten Sehnsucht nach Frieden, Harmonie und Freiheit, nach einem Pfad der Reinheit, wie er seit Urzeiten in unserem Blut liegt und auf seine Verwirklichung wartet. Wir sind wie die Lemminge, die aus einem uralten Instinkt heraus in die gleiche Richtung rennen. Es kommt nicht darauf an, ob wir einzig überleben oder nicht, sondern die wahre Richtung beibehalten. Nur darauf kommt es an- sowohl für uns als auch für folgende Generationen. Wir sind der Ausdruck eines Naturgesetzes. Und ihr, die nicht in diesen Krieg ziehen, die an abgelegenen Orten in Höhlen nur eure eigene Befreiung zum Ziel habt, könnt bestenfalls mit unserem Verständnis, aber nicht mit unserer Billigung rechnen. Zwar richtet ihr in eurer Harmlosigkeit keinen Schaden an, aber für die Menschheit seid ihr bedeutungslos. Ihr seid die Ausnahme. Ihr seid die Relikte einer längst verflossenen Zeit, nach der wir uns sehnen. Ihr habt von uns nichts zu befürchten. Ihr steht unter Denkmalschutz wie die Ruinen der alten Klöster und Königsstädte, die nun nicht mehr das sind, was sie einst waren. Aber sie weisen doch auf den Geist ihrer Erbauer hin, auf Freiheit und Gerechtigkeit als Grundlage einer schöpferischen Kraft, die sich einst wohltuend und segensreich über das gesamte Land ausbreitete. Diese uralte Tradition der Gewaltlosigkeit aus der Zeit des Friedens habt ihr euch zur Unzeit – und somit zu Unrecht angeeignet. Die Welt ist in Unordnung! Ihr bringt nicht die Welt in Ordnung, sondern nur euch selbst. Aber wir führen durch unseren Krieg die Menschheit zu jenem Ausgangspunkt,

Während Herat sprach, stieg Peter der Gedanke auf, dass es vielleicht nicht immer ein „Richtig“ und ein „Falsch“, sondern auch ein „Richtig“ und ein „Richtig“ geben könnte. Nur eine Wahrheit kann ich nicht aushalten. Selbst der kategorische Imperativ ist ein Schreckgespenst. Aber nein, dass behielt er für sich. Denn er wusste, Herat würde dies nicht verstehen. 

Herat hatte zu Ende gesprochen. Er schwieg noch eine Weile. Und als er sah, dass Peter nichts hinzuzufügen hatte, erhob er sich schwerfällig und verließ den Raum auf schwachen, abgemagerten Beinen. Er ließ Peter ohne Abschied zurück, ohne sich nur einmal umzudrehen. Ebenso wie es immer seine Art war. Peter blieb noch eine Zeitlang am Tisch mit dem leeren Stuhl, der ihm gegenüberstand, sitzen. Und wenn er sich nun fragte, was ihm an diesem Abschied am tiefsten in der Erinnerung blieb, dann fiel ihm immer wieder dieser leere Stuhl ein.

Peter hatte noch viele Jahre später bis zu seiner endgültigen Rückkehr nach Deutschland in allen Städten, Dörfern und Ortschaften Sri Lankas in der Hoffnung Ausschau gehalten, dass ihm Herat noch einmal begegnen würde. In der Hoffnung, dass er Herat auch nur einmal von Weitem sehen würde. Allein um zu wissen, wie es Herat geht. Um zu wissen, dass er noch lebt. Zu wissen, dass er unsterblich ist.


Sichtweise

Es gibt ein Sehen der Augen,
das nicht Realismus entspricht.
Es ist das Sehen des Dünkels,
der Menschenwürde zerbricht.

Es ist das Verachten von Farben …,
die Haut, für die Dumpfen ihr Stolz.
Es ist das Errichten von Mauern,
die Fäulnis im rassischen Holz.

Es sind bei der Teilhabe Grenzen,
Behinderten achtlos gesetzt.
Es ist das Posaunen von Lügen,
des Menschen, der hassend laut hetzt.

Es ist das Horten von Reichtum,
den Ärmsten der Armen geraubt.
Es ist das Missachten der Würde,
des Krösus, der besser sich glaubt.

Es ist das Bangen des Egos,
das täglich um sich ängstlich kreist.
Es ist das Vertuschen von Unrecht,
das heuchelnd auf andere weist.

Es ist die Gewichtung der Werte,
durch Äußerlichkeiten geprägt.
Es ist eine Unsichtbarmachung,
durch Vorurteil früh grundgelegt.

Es ist Kultivieren des Hasses,
in Kindheit schon indoktriniert.
Es ist das Verwehren von Freiheit,
das zur Unterdrückung nur führt.

Es gibt ein Sehen der Augen
das nicht Realismus entspricht.
Es ist eine Stigmatisierung
mit der diese Welt niemals bricht.


Keep Smiling

Mausklick. Tab zu. Mausklick. Tab auf. Ich war wieder da. Wieder da an meinem Arbeitsplatz, in meinem Büro, an meinem Schreibtisch. 08:30 Uhr – willkommen zurück im Alltag nach sechs Wochen Abwesenheit. Alles sah aus wie immer, aber fühlte sich anders an. Ich saß auf dem gleichen Bürostuhl, mit der wackligen Armlehne. Meine Notizen türmten sich in meinem Ablagefach wie zuvor. Nur einige Klebezettel, die ich vor meinem plötzlichen Weggang am Monitor angebracht hatte, verloren ihre Haftung und zeugten von längerer Missachtung meinerseits. So wie es auf deinem Schreibtisch aussieht, sieht es in deinem Kopf aus. Ordnung ist das halbe Leben. Ich nahm die Klebezettel und warf sie in den Papierkorb. Geordneter fühlte ich mich dadurch jedoch nicht. Ich war noch alleine im Büro, das ich eigentlich zusammen mit Christiane besetzte und starrte auf meinen Monitor. Alles kam mir so fern vor. Ich versuchte mich zu erinnern, was eigentlich wirklich meine Tätigkeit in diesem Betrieb gewesen ist. Es war, als wäre ich aus einem anderen Universum angereist. Was machen die Menschen hier nur? Ich schaute auf ein Plakat, das an der Wand hing: „Ihre Wirkung entfaltet die Arbeit erst, wenn sie auf ihr Publikum stößt.“ Ein Zitat einer Tänzerin aus Zeiten des ersten Lockdowns während der Corona-Pandemie. Achso. Kulturbetrieb. Alles für die Kunst. Tolle Projekte, wenig Geld. Falls man den Sinn mal nicht erkennt, dann steckt er auf jeden Fall tief. Herzblut. Na dann mal los. Ich fing also an meine E-Mails abzuarbeiten. 621 E-Mails. Ob die Menschen wirklich Antworten erwarten? Vielleicht wären die auch alle etwas für den Papierkorb? Ich markierte alle E-Mails und überlegte, ob es ernsthafte Konsequenzen hätte, wenn ich sie einfach löschen würde. Ich hob die Markierung wieder auf und begann die Nachrichten zuerst nach Spam- oder Newsletter-Mails zu scannen. Die konnte man nämlich einfach so und ohne schlechtes Gewissen ungelesen löschen. Das gefiel mir gut, denn sie gaben mir das Gefühl, etwas erledigt zu haben, ohne sich angestrengt haben zu müssen. Backspace, backspace, backspace … Und schon wieder was geschafft. Prima gemacht.

9 Uhr und Christiane betrat unser Büro. Schluss mit backspace, Schluss mit Ruhe. „Halloooo, wie schön, dass du wieder da bist!“ stürmte sie strahlend auf mich zu und drückte mir einen Blumenstrauß mit einem kleinen Willkommens-Geschenk in die Hand. „Du bist ja schon fleißig.“ Sie legte ihre Sachen ab und zog ihre Jacke aus, die vom Regen draußen ganz nass war. Ich wunderte mich, wie man so strahlen kann, wenn gerade alles so grau ist und nutzte die Zeit, um schnell aus dem Büro zu verschwinden. „Ich hole mal Wasser für die Blumen.“
Auf dem Gang entschleunigte ich mich und ging in Ruhe in die Büroküche. Alles sah aus wie immer, jeder Handgriff konnte ohne Probleme abgespult werden. Selbst die Deckenlampe flackerte immer noch. Willkommen Zuhause – auf Arbeit. Ich streckte mich, um an die Glasvase ganz oben im Regal heranzukommen und balancierte sie eingespannt zwischen Daumen und Zeigefinger herunter. Als ich sie sicher packen konnte, stellte ich sie in die Spüle und drehte den Wasserhahn auf. Wasser drin, Blumen rein, fertig. Ganz hübsch.

Als ich zurückkam platzierte ich die Blumen auf meinem Schreibtisch und bedankte mich bei Christiane. Wir breiteten die Arme aus, koordinierten kurz hölzern, wer seine Arme um welche Seite des anderen schlägt und landeten in einer solide ausgeführten Umarmung. Dabei wusste ich gar nicht genau, ob ich nur peinlich berührt war oder mich wirklich freute. Ich lächelte einfach. Lächeln ist immer gut. Keep smiling und so.
„Und, geht’s dir eigentlich jetzt besser?“
Wie geht es einem nach sechs Wochen als Außerirdische im Raum- und Zeitgefüge zwischen Leere, Antriebslosigkeit, Leben und Abwesenheit? Ein Druckgefühl machte sich langsam in meinem Kopf breit. Es war kompliziert. Es war erdrückend. Keep smiling.
„Ja, ich bin wieder guter Dinge. Freue mich wieder hier zu sein.“
Christiane war sichtlich aufgeregt und begann von den letzten Wochen zu berichten. Sie erzählte, wie sehr sie mich vermisst hatte, von einigen Projektentwicklungen, Neuigkeiten aus dem Team, und dass sie kaum wusste wohin mit der ganzen Arbeit. Dabei brach sie häufig im halben Satz ab und sprang nicht nur vor mir, sondern auch innerhalb der Themen hin und her. Trotz allem hatte sie Zeit gefunden neben dem stressigen Job und Familie noch das Geschenk und die Blumen für mich zu besorgen. Ich war gerührt – und beeindruckt von ihrer Stärke. Als ich das Geschenk öffnete musste ich ehrlich grinsen. Es waren Filzstifte. Christiane wusste, dass ich meine Notizen am liebsten bunt gestalte.
„Während du weg warst, habe ich oft deine Stifte benutzt. Ich dachte, du könntest Neue gebrauchen.“
Wie Recht sie hatte. Bunte Farbe im Leben kann nicht schaden.
Ich bedankte mich nochmal mit einer weiteren, diesmal herzlicheren, Umarmung bei ihr. Die Arbeit rief. Wir gingen an unsere Plätze, um dem Ruf zu folgen. Christiane und ich saßen uns gegenüber, aber wir konnten uns dabei nicht sehen, da die Monitore vor unseren Gesichtern standen. Wenn wir miteinander sprechen wollten, rollten wir deshalb immer mit unseren Bürostühlen ein Stück an den schwarzen Kästen vorbei. In diesem Moment konnte sie daher nicht sehen, dass ich gar nicht anfing zu arbeiten, sondern stattdessen noch etwas meinen Gedanken nachhing. Tab auf. Tab zu.
Während ich da so hing, kam eine Gruppe anderer Kollegen und Kolleginnen freudig mit schnellen Schritten ins Büro, um mir um den Hals zu fallen. „Mensch, schön, dass du wieder da bist! Du wurdest vermisst.“ Hi hi, ha ha, ja, ich freue mich auch. Eigentlich fühlte sich das alles ja ganz schön an und wie lieb die alle sind, dachte ich. Positiv denken, Gefühle zulassen. So fühlte es sich doch gleich viel leichter an. Wir scherzten etwas herum und als die Bürobande wieder aus dem Raum flatterte, erschienen mir die Blumen plötzlich gleich viel bunter. Gewitterwolken weg, Sonnenschein rein. In diesem Moment fühlte ich mich wieder angekommen und etwas lebendiger. Na dann mal ran ans Werk. Die Gunst der Stunde nutzen. Du kannst alles schaffen, wenn du nur willst. Wieso hatte mir eigentlich niemand einen Kalender mit weisen Sprüchen geschenkt? Weil ich mir die ja auch selbst denken kann, wenn ich nur will. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied. Ha!

Den Rest des Vormittags ritt ich auf dieser positiven Welle, sodass ich kurz vor dem Mittagessen wieder drin war in der hippen Kulturszene. Erste Meetings waren überstanden, Updates zu Projekten abgeholt und die To Do Liste für den Rest meines Lebens war geschrieben. Alle waren suuuper lieb und suuuper aware, aber auch totaaal busy. „Ich habe noch ungefähr 200 unbeantwortete E-Mails in meinem Postfach.“ hörte ich von irgendwo. Wow – herzlichen Glückwunsch. Ich überlegte, meine Löschungsgedanken preiszugeben, aber entschied mich dazu, das Mail-Podest dieser Person nicht einzureißen. Als ich auf die Chefin traf, hieß sie mich herzlich willkommen und sagte mir, dass ich in Zukunft am besten auf mich selbst achten soll und immer klare Grenzen ziehen muss. Aye, aye!

12 Uhr – Essenszeit. Auch das hatte Christiane vermisst. Wenn unsere Terminpläne es zuließen, verbrachten wir schon immer die gemeinsame Mittagszeit. Wir schlenderten in die Kantine, unterhielten uns über das Wetter und darüber, welches Gericht wir wohl wählen würden. Zu beiden Themen gibt es ungefähr drei Varianten: Sonne, Wolken oder Sonne-Wolken-Mix und Spaghetti Bolognese classico, Gemischter Salat mit Brot oder Chili sin Carne. An diesem Tag präsentierte der Himmel mittlerweile einen Sonne-Wolken-Mix und unsere Mägen verlangten nach Bolo classico.
Ich war etwas aufgeregt davor in der Kantine noch weiteren Teammitgliedern zu begegnen, die nachfragen könnten, wie es mir wohl geht, aber gleichzeitig freute ich mich auf die wirklich wichtigen Informationen, die man nur in der Kantine ergattern kann – der Gossip, das Miteinander, das Dazwischen. Als wir die große Flügeltür öffneten, wurden all meine Ängste mit einem Windstoß weggeblasen.
Die Kantine war so voll mit Menschen und Gelächter, dass sich niemand um mich scherte und die ausgelassene Stimmung auf mich abfärbte. Christiane und ich holten uns am Tresen unsere Spaghetti ab und setzten uns in die Menge. Da der Geräuschpegel ohnehin zu laut war, um sich in Ruhe zu unterhalten, genoss ich meine Nudeln und die schöne Ruhe im Lärm. Ich lauschte den umliegenden Gesprächen. Was, Hannes hat gekündigt? Die Neue ist voll nett. Es wäre schön, wenn die Geschäftsführung sich mal zu Möglichkeiten des Überstundenabbaus äußern würde. Wusstest du schon, dass Peter aus der Technik mit der einen Schauspielerinnen aus „Hamlet“ zusammen ist?

45 Minuten später landete ich wieder gesättigt, zufrieden und etwas müde an meinem Schreibtisch.
Das Telefon klingelte:
„Mehnert, Kulturhaus Phönix, hallo?“
„Guten Tag, hier ist Laura Friedrich. Spreche ich mit Magda Mehnert?“
„Ganz genau. Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“
Die Frau am anderen Ende der Leitung hielt kurz inne. Ich rechnete mit dem Anliegen einer Künstlerin zu einem der neuen Projekte. Meistens riefen mich Personen an, die ich bereits kannte. Manche von ihnen konnten echt anstrengend sein. Besonders wenn sie glaubten ihre Pappmaché-Figur eines undefinierbaren Gebildes im Zentrum der Bühne könnte das Größte sein, was die Menschheit je gesehen hat. Es wäre folglich logisch, deshalb meine gesamte Arbeitszeit in dieses eine Projekt zu investieren. Aber wo bleibt da das Herzblut? Keep smiling – aber vor allem think positive, dachte ich. In den letzten Wochen hatte ich einige Vorstellungsrunden verpasst. Laura Friedrich klang sehr nett und gehörte sicher einer wohlwollenderen Spezies an. Erstmal zuhören.
„Ich rufe an, weil mein Vater Hans Friedrich ist.“
Aha.

Oh Gott.
Ruckartig drehte sich mein Magen herum und meine Müdigkeit wandelte sich in totale Alarmbereitschaft. Ich fiel aus der Zeit. Keep smiling? Bringt nichts. Sieht die ja nicht. Ich brachte ein kurzes „Ok.“ hervor, räusperte mich, rutschte auf meinem Stuhl auf und ab und wurde von Heiß-Kaltwellen überwältigt. Konnte ich jetzt hier mit Christiane im Raum überhaupt frei sprechen? Ich lugte langsam über meinen Monitor, um zu erspähen, ob sie eine Gefahr für mich darstellen könnte. Sie ertappte mich und schaute mich im gleichen Moment interessiert an, weshalb ich sofort wieder in meine ursprünglich Sitzposition zurückschnellte. Ich spürte wie sie meine Unsicherheit erfasste und ihre Ohren sich förmlich von ihrem zu meinem Tisch herüber wölbten. Ich entschied mich, souverän und einsilbig zu bleiben.
„Ok. Also, äh, hallo – schön, dass du anrufst.“
Schön, dass du anrufst. So ein Scheiß, dachte ich. Souverän war auch anders. „Hallo, ich versuche mich gerade wieder ins Alltags-, Berufs- und Menschenleben einzugliedern. Was für eine Überraschung, dass sich das Familienleben nun auch meldet. Schön, dass du mich zu den regulären Öffnungszeiten anrufst verdrängter Teil meines Lebens.“ wäre wohl der vollständige Satz gewesen. Hans Friedrich ist auch mein Vater. Laura Friedrich ist meine Halbschwester. Dass ich eine Halbschwester habe, war mir seit 14 Jahren bekannt und ich wollte diesen Fakt ursprünglich in meinem Leben unkommentiert und ohne weiteres Zutun einfach so stehen lassen. Da hatte ich meine Rechnung ohne Laura gemacht. Aber ok. Es kommt alles anders, als man denkt. Gibt das Leben dir Zitronen, mach Limo draus. Probleme lösen heißt zuhören. Tschaka. Genau, das tat ich. Laura sagte: „Entschuldige, dass ich dich im Büro überrasche. Ich hatte letzte Woche schon versucht anzurufen, aber da du nicht da warst, dachte ich, ich versuche es nochmal. Es ist der einzige Kontakt, den ich von dir oder deiner Schwester herausfinden konnte.“
Danke Google.
Laura hatte eine tiefe Stimme und sprach sehr ruhig. Ich fand es ziemlich mutig, dass sie sich traute anzurufen, statt einfach ein E-Mail zu schreiben und fragte mich, wie aufgeregt sie wohl sein muss und ob sie auch so schwitzen würde, wie ich. Ich merkte ihr nichts von dem an und hörte ihr weiter zu. Sie erzählte mir, dass sie 21 Jahre alt ist, in einer kleineren Stadt in meiner Nähe lebt und Gesundheitsmanagement studiert. Währenddessen blitzten verschiedene Gedanken im Loop in meinem Kopf auf: Warum ruft sie jetzt an? Will sie jetzt ein enges Schwesternverhältnis aufbauen?

Sehen wir uns eigentlich ähnlich? Ich mag sie. Muss ich davon dem Rest meiner Familie erzählen?
Was, wenn ich einfach auflege, den Raum … die Stadt … das Land verlasse, zurück in das Universum, aus dem ich gerade erst kam. Währenddessen klickte ich nervös mit einem Kugelschreiber parallel im Rhythmus meines wippenden Fußes.
„Ich will dich eigentlich auch gar nicht lange stören. Ich wollte dich erstmal nur fragen, ob du bereit dazu wärst, dich mit mir für ein Telefonat mit mehr Ruhe für einen späteren Zeitpunkt zu verabreden?“ Puh. Zeit zum Durchatmen. Das klang nicht schlecht. Ich legte den Kugelschreiber ab, setzte mich aufrecht hin und zog meine schmerzenden Schultern nach hinten.
Sie wollte also kein Treffen auf einem großen Platz in der Innenstadt, auf dem wir uns wie mehrjährig Vermisste in die Arme fallen und in Tränen ausbrechen. Entsprechende Fernsehteams der einschlägigen Privatfernsehsender können zuhause bleiben. Es wird nichts zu sehen geben. Juchu.
„Äh, ja klar. Das können wir gerne machen. Übermorgen 14 Uhr?“
„Prima, das klappt. Es freut mich, dass du dir die Zeit nimmst. Dann bis Mittwoch!“
„Schön, bis Mittwoch. Mach‘s gut!“
Stille. Ich hatte nicht gemerkt, dass ich mittlerweile allein im Raum war.

13:15 Uhr. Ich drehte mich eine Runde auf meinem Bürostuhl, als Christiane reinkam und mir einen Kaffee auf den Tisch stellte. „Hast du kurz Zeit, damit ich mit dir etwas zur Ressourcenplanung besprechen kann?“
Keep smiling.


Traumschläfer

Tief im Nichts. Klänge voller Wehmut füllen Schritte meiner schweren Stiefel, Geräusche gleichen einer Teilstille dieser Nacht. Im Dreivierteltakt, Ton um Ton, wird eine Welt um mich erschaffen. Zwischen zwei Atemzügen liegt eine eisige Stille in diesem kargen Wald.

Schnee fällt nicht – er steht im Raum.
Durch diese kaltgepunktete Wand laufe ich, laufe den einzigen Weg, der mir sinnvoll erscheint.

Mein Verstand hat sich verlangsamt, um kein Zögern zu manifestieren.

Wie – und verdammt nochmal, wo bin ich?“

…schwirrt es in meinem Kopf. Mein Blick wagt es zögerlich, in den purpurschimmernden Himmel zu blicken.

Ich falle.

Zuckerwatteartige Gebilde. Bäume. Erdschichten. Alles.

Kaninchen mit seltsamen gelben Pfoten und schwarzen Ohren huschen durch mein Sichtfeld – Laufband- eines betrübten und berauschten Clowns aus alten Tagen.

Ein Lächeln umspielt meine Lippen, als mich eine rote Nase aus weichem Material mitten auf die Stirn trifft.

Hört ihr mich, da draußen?

…frage ich mich, mit leiser Hoffnung im Herzen.

Ein rauchendes Knistern erfüllt mein Zwischensein.

Hey… Jan… du musst… zurück…“

…würde ich nicht eh schon schweben – meine Luftsprünge wären legendär.

Einleiten. Egal wer mich da hört und überwacht – holt mich raus.

Dreizehn Atemzüge lang verschwimmt meine Hoffnung schrittweise zu Furcht. Mein „Bitte“ wird langgezogen:

BIT– in dieser, und –TE in der letzten Ebene.

Während meine Augen sich an das Licht gewöhnen, meine Stimme sich den Weg in diese Ebene erkämpft, frage ich mich:

Warum nur habe ich diese Stufe ‚Letzte Ebene‘ getauft?

Wie lässig ich durch diese Ebene wandern kann.

Lächelnd, der Welt zuwinkend.“…denke ich.

Ich, Tim, 39 Jahre alt.
Naja – 39 „Letzte Ebene“-Jahre.

Wenn unsere Berechnungen korrekt sind, bin ich irgendwas zwischen 6000 und 12000 Jahre alt.

Schleifenstrommessung nennt das Fenja, aus meinem Team.

Was weiß ich denn…

…pfeift es durch meine Gedanken.

Meine Finger beginnen bereits zu zittern – Nachwirkungen der Kontrastmittel zur Visualisierung und Verbindung mehrerer Ebenen.

Es macht süchtig. Ich weiß das.
Wie alle Drogen. Alle Gelüste dieser Ebene.
Im Gleichklang in meinen Venen.

Ich, Tim, 39, werde kein weiteres volles Jahr auf dieser Ebene mehr verbringen können – dessen bin ich mir bewusst.
Meine Frau nicht.

Ein Zittern erfasst meinen Körper. Der Boden kommt plötzlich näher.
Zu schnell. Zu hart.

Ich falle.

Schwärze.

Ich erwache. Kratze mir letzte Asphaltkrümel einer Krankenhausauffahrt aus dem Gesicht, umringt von vier schemenhaften Gestalten.

Ein „Alles OK?“ mit großem Fragezeichen in acht Augen erwischt meine zentrale Steuereinheit.

Ich winke ab, fasle etwas von:

„Bin selbst Arzt.“

Wische mir kleine Blutflecke aus dem Gesicht.

Beim Aufstehen spiegle ich mich in einem Autofenster:

„Ich bin Dorian Greys Gemälde – bereits im letzten Akt.

Ich stolpere zurück in meine Abteilung. Stütze mich am Schild ab:

„Neurologie und Schlaflabor – Leitung Dr. Tim Fritz“

Von zwei Schrauben werde ich also noch gehalten…

…huscht es durch meinen Kortex.
Mein Lächeln gleicht keiner Emotion.

Mein Team sitzt bereit.
Alle wissen es. Es ist Zeit.

Fenja hält meine Hand, fragt mich wortlos.
Ich nicke nur, setze mich – fallend – auf die Liege.

Es ist Zeit.

…sage ich mit ungleicher Stimme.

Alle Stimmen, aus allen Tagen, huschen durch meinen Verstand.

Es ist Zeit, euch die Ebenen zu zeigen!“

Fünf Gesichter starren mich an.
Auf-geregt werden Spritzen auf-gezogen. Türen ab-geschlossen.

Innerhalb von nur zwei Minuten schließen wir alle aus.

Ich falle.

Jede Ebene zerstört Teile meines Nervensystems.
Erst 13 Wochen seit der Entdeckung.

Niemand hätte es für möglich gehalten, dass wir – ich – beweisen kann, dass wir Menschen alle Traumschläfer sind.

Wach ist nur die Ruhephase für unser Gehirn.
Gehirnaktivität wurde 67 Jahre völlig falsch interpretiert.

Der Traum ist die existente Form der Informationsrelation.
Alles, was existiert, ist Information.
Und Information ist nicht löschbar. Nicht zerstörbar.

Nur diese wache Hülle wird zerfallen.
Nach diesem Trip kann ich nicht mehr zurück in meine wache Form.
Mein Fleisch ist wahrhaftig innerlich verbrannt.

Ich bin hier – und überall.
Mein Geist ist unendlich weit.
Ich fühle das Meer rauschen – mit und durch jedes Sandkorn.

So viele Welten sind hier verbunden.
Ich sehe Gestalten wie zerfließender Lehm.
Unklare Ränder. Grob erfasst.

Ich verschwimme – um drei Wimpernschläge später erneut zu sein.

Etwas zieht an mir.
Ich versuche zu schreien.
Ich werde Aus- und wieder -einander gerissen.

Scheiße… Ich kann nichts sehen… Wo bin ich?

Ich fühle – halbmechanisch – eine Hand in meiner.

Ach Liebling… Was hast du getan?

…sagt eine Frau.
Meine Frau.

Ich drehe meinen Kopf in Richtung, in der ich dich vermute.
Meine blinden Augen füllen sich mit Verzweiflung.
Meine Lippen brechen bei jedem Impuls.

„Was ist passiert?“

…wispere ich in den kalten Saal hinaus.

Ein Rascheln geht durch den Raum.
Ein Räuspern – unsicher – nähert sich meinem Kopf.

Jan… Ich bin’s. Fenja.

„Wir können noch nicht genau sagen, was passiert ist. Aber du bist einfach… wie soll ich
sagen… durchgerutscht. Am Ende bist du wieder hier angekommen. Bist auf der Letzten
Ebene.“

Kopfschüttelnd fügt Fenja noch hinzu:

Es tut mir leid.“

Ich versuche zu nicken.
Ich drehe meinen Kopf.

„Schlaf gut, mein Herz…“

…flüstert mein verzerrter Mund.

Das letzte Rauschen durch meinen Körper erzeugt diesen Gedankenzug:

Verdammt guter Name… Letzte Ebene.

691.200 schwache Herzschläge sind vergangen.

Heute steht meine Frau an meinem Grab.
Ich bin ihr näher als Wind im Haar.
Ich spüre alles.

Kann den Regen hören – wie eine Sonate von Chopin umfasst er mein gewaltiges Herz.
Ich zerfließe – und bin doch konstant.

Vermeintlich unsichtbar erfasse ich alle Gedanken.
Erfasse so viel unfassbaren Schmerz – und Heuchelei.

Blende aus, was nicht von Belang.
Lass mich hernieder bei einem kleinen Schimmer.

Blicke auf – in grüne Ränder. Voller Furcht. Voller Wut.

Versuche, meine Tochter zu erreichen.
Alle Ebenen stehen mir frei – bis auf eine.

Deine.

Seltsam.



Zwischen Nebel und Puder

Es war der Schrei eines unbekannten Kameraden, der mich aus dem Schlaf riss. Wir mussten wohl angekommen sein. Der Morgen machte sich breit und es wunderte mich nicht, dass die Sonne sich nicht blicken ließ. Warum würde sie auch? Es wäre nicht so, als würde man uns den nostalgischen Sonnenschein schulden. Stattdessen etablierte sich ein trostloses Grau um uns herum. Ein wenig heller als das der Nacht. Ich hatte bereits vergessen, wie viele Grautöne ich gesehen hatte. Keine Nacht war komplett duster gewesen und kein Tag wagte es, in seiner Vollkommenheit zu strahlen. Es waren alles nur verschiedene Schattierungen von einem Grau, das einen an die frostige Ausweglosigkeit erinnern sollte. 

Meine Augen waren so schwer, dass ich erst nach mehrfachem Versuchen es schaffte, sie offenzuhalten. Das laute Klopfen in meinem Kopf hatte seit Tagen nicht mehr ausgesetzt und schien sich mit der Schifffahrt nur noch verschlimmert zu haben. Der Motor und mein Gehirn ein vereintes Dröhnen. Es überraschte mich nicht im Geringsten. Ich war noch nie eine Person gewesen, die das Meer wertschätzte.

Mein Blick klebte an der Linie, wo Meer und Horizont verschmelzen. Das Grau umschlug uns wie ein Nebel von einer Welt, die von jeder Hoffnung befreit wurde und sich in etwas düsteres verwandelt hat, von dem es sich nicht mehr lösen kann. Der Himmel sowie das Wasser, das langsam an uns vorbeiglitt. Ich kniff meine Augen zusammen, aber ich konnte nichts sehen. Alles war plötzlich so fern, als wäre es nur ein böser Traum gewesen. Vielleicht war es das auch. In den letzten Wochen trat ich Augenblicken gegenüber, die sich dieser Realität nicht würdig fühlten. 
Die Tage änderten sich und mit ihnen verfolgte uns das Grau. 

Wir waren einer der Letzten gewesen. Jeder wusste es. Es wurde von Glück gesprochen, andere redeten von Kapitulation, manche von einem Gott. Ich glaubte an keinen Gott. Auch wenn es das Letzte war, das Genossen von mir im Horror der Nacht Hoffnung gab (wenn so etwas noch existierte) verdammte ich ihre Naivität. Wie konnten ihre Gedanken in ihren letzten Sekunden einem Gott gelten, der uns im kalten Nimmerland verbittern ließ? Wann hätten sie verstanden, dass sie keine Hilfe erfahren würden, weil uns schon längst nicht mehr zu helfen war? Den Hass, den jeder Einzelne von uns verspürte, galt nicht etwa den Gegnern, die gleichermaßen wie wir ängstlich an ihren Waffen klebten. 
Es galt der biologischen, bitterlich niedrigen Chance, in dieser Welt geboren worden zu sein und jetzt eine fälschliche Ehre und Dankbarkeit vortäuschen zu müssen.

Neben mir wanden neugierige Gesichter ihren Blick dem Ende der Reling zu. Narben mit tief liegenden Augen umgaben mich. Zwei Monate lang sah ich sie vor mir. Manche waren gar nicht wiederzuerkennen. Allerdings wusste ich nicht, was ich versuchen würde zu erkennen. Die Menschlichkeit war längst verblasst.

Auch ich wagte nun meinen Kopf zu drehen. Tatsächlich war an der Linie zum Horizont ein schmales Festland zu erkennen. Ich wusste nicht recht, was mich eigentlich erwarten würde. Bisher hatte ich noch nicht darüber nachgedacht. Wie leichtsinnig dies auch gewesen wäre! Doch beim Anblick des Hafens bekam ich es nicht mit der mir erwarteten warmen Sehnsucht zu tun. Ich dachte, wenn ich erst einmal zu Hause wäre, dann würde ich es schon verstehen. 

Ja, wenn mich die vertrauten vier Wände einschließen würden, dann ist es vielleicht so, als wäre man nie fort gewesen. Meine Mutter würde uns am Sonntag wieder einen Apfelkuchen backen und ich würde ihn auf dem zerkratzten Holzstuhl auf unserer schmalen Veranda essen. Der Apfelhändler würde sich erneut mit dem Briefträger streiten, weil er mal wieder die dreckigen Zeitungen auf seiner Feinkost abgelegt hätte.
Die Sonne würde scheinen und aus der Ferne würde man das vertraute Läuten der Kirchglocken hören. 
Vielleicht würde ich sogar Olivia besuchen. 

Das raue Holz brummte unter meinen Stiefeln und rüttelte ein Gefühl der Unsicherheit in mich hinein. Erst dort bemerkte ich auch, dass ich in meiner linken Hand eine Zigarette hielt. Ein blonder Kamerad hatte sie mir gestern in die Hand gedrückt. Es wäre ein Grund zu feiern, sagte er zu mir. Natürlich hatte ich sie nicht angezündet und war beim Beobachten der dynamischen Wellen des Meeres eingeschlafen. Schultern rempelten mich an und drückten meinen schmalen Leib zwischen ihnen. Aufgeregtes Murmeln machte sich auf dem Deck breit. Einige unter uns nahmen ihre Helme ab. In den leeren Augen war etwas wiederzufinden. War es Hoffnung?  Erlösung? Vielleicht war es der Trost, irgendwann in der Zukunft wieder man selbst sein zu können. 

Als ich vom Schiff trat, warf ich die trockene Zigarette ins Wasser und setzte meinen Fuß auf den heimatlichen Boden des Hafens. Ich schritt vorbei an Massen von Menschen. Sie alle warteten auf etwas. Einige von ihnen kauten auf ihren Nägeln und beobachteten ihren Nächsten beim Empfangen ihres Sohnes mit einem Blick der Eifersucht. Andere weinten. Unerklärlich, ob aus Trauer oder Freude. Die Uniformen vermischten sich mit den bunten Gewändern der Fremden, und obwohl die Menge der Menschen kein Ende zu nehmen schien, war deutlich zu sehen, dass sie sich nicht untermischen konnten. Und es niemals würden. Nicht etwa, weil ihre Kleidung anders war. 
Morgen Mittag würden sie durch die Straßen ihrer Heimat schreiten und jeder Blinde würde erkennen, dass sie hier nicht hingehörten.

Als wären sie von einem Klassenausflug zurückgekommen, ganz ohne Koffer und Besitztümer, schlossen sie ihre Mütter in ihre Arme. Für einen Augenblick stand ich wie festgewurzelt auf der Stelle und sah mir das Spektakel an, in dem ich mich wieder fand. Ich wusste, es würde das letzte Mal sein, dass ich die meisten von Ihnen sehen würde. Wir alle hatten mehr oder weniger dasselbe Schicksal erlitten. Wir alle waren auf eine Art und Weise gleich gewesen. 
Aber wie sie dort nun vor mir in die Arme ihrer Geliebten liefen, ließ sie irgendwie anders aussehen. Fast so, als hätte jeder Einzelne von ihnen ein eigenes Leben, mit dem sie sich von dem Nächsten abheben. 
Eigene Familie, eigenes Glück, eigenen Schmerz. 
Doch auch sie wussten, dass sie für immer, für den Rest ihrer Tage, etwas mit den Uniformen teilten. Etwas in ihnen würde sie für immer unsichtbar an die Tage, Wochen, Monate binden, die sie fort waren. 

„Ich werde dies nicht zulassen“, dachte ich. 
„Das ist das letzte Mal, dass ich an all das erinnert werde.“ 
Denn nur einer, der den gleichen Terror wie man selbst erlitten hatte, könnte ihn auch wieder in einem hervorrufen. Dem war ich mir sicher.

So nahm ich einen letzten Atemzug und begab meinen Körper wieder in Bewegung. 

Die Arme meiner Mutter nahten mich förmlich zu zerdrücken. 

„Oh, wie haben wir dich vermisst!“ 
Ihre warme Wange presste gegen meine.

„Wir?“

Ich wusste, sie konnte nicht meinen Vater meinen. 
Vielleicht hatte sie vorher in der Zeitung recherchiert, welche Sätze man am besten zu seinem von der Front zurückkehrenden Sohn sagen würde. 
Oder sie hatte bei den anderen Müttern gelauscht. 
Ich war mir auch nicht sicher, wie man sich angemessen verhalten sollte. Also tat ich so, als würde ich ganz genau verstehen, was meine Mutter redete.

„Und wie! Wie froh ich war, als von eurer Rückreise erzählt wurde.“

Ihre goldene Kette drückte zwischen uns. 

„Kapitulation Mutter.“

„Was auch immer.“ 

Sie sah anders aus als auf dem Foto, das ich mit mir trug. Sie bewegte sich anders. Bei jedem Schritt, den sie machte; jedem Wort, das sie sagte, hatte ich das Gefühl, einer Figur aus der Puppenkiste zuzusehen. Etwas, das zuvor dagewesen war, fehlte nun. Ich konnte noch nicht genau meinen Finger drauflegen, was es war. 

„Deine Haare sind ja ganz zerzaust“, und ihre leicht schrumpelige Hand fuhr durch meinen braunen Schopf.

„Das muss die Seeluft gewesen sein. Du weißt, auf der See ist es windig, Mutter.“ 

„Da hast du wohl recht.“ 

Wir gingen fort und ich ließ den lauten Hafen hinter mir. 

Wir liefen durch die Stadt. Links und rechts von der Straße lagen Trümmer und der Asphalt war dreckig und rau. Die Menschen liefen mit dem Blick auf den Boden durch die Gegend, bis ich vor ihnen stand. Da sahen sie mich an. Und ihr Blick bohrte in mich hinein. Tiefer und tiefer, bis sie das fanden, nachdem sie suchten und ich ein Stück leerer war. 
Sie gingen weiter und blickten wieder auf den Boden, aber ihre Augen blieben bei mir. 
Ich konnte es fühlen. 
Sie sahen mich nicht an und doch waren sie bei mir. Und je weiter wir so gingen, desto mehr Augen trug ich an meiner Seite. Sie zerdrückten mich. Ganz langsam pressten sie gegen meine Brust, gegen meinen Kopf, gegen meine Haut, dass ich glaubte zu ersticken. 
Verdammt, warum sahen sie mich an? 
Was war es, das sie in mir zu sehen glaubten? 

Es darf keinen tapferen Eindruck auf meinen Vater gemacht haben, wie ich so durch die Türangel fiel. Mit schwerem Atem und schwitziger Stirn stolperte ich über die Schwelle hinein ins Elternhaus. Meine Mutter trat hinter mir ein und mit dem lauten Klicken der Tür in ihr Schloss fielen alle Augen von mir. Erlösung. 
Zwei Augen fanden mich jedoch. 
Es waren die meines Vaters. 
Er saß am Esstisch inmitten eines Rings aus Rauch, den seine Zigarette um ihn formte. Die Zigarette in der Rechten, die Zeitung in der Linken. Langsam wurde das Blatt gesenkt und unsere Blicke trafen einander. Ich wusste nicht recht, was ich sagen sollte, also blieb ich lieber still. Es waren bestimmt nur ein paar Sekunden, aber es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, bis er endlich den Mund aufmachte. 

„Pass auf der Treppe auf. Die dritte Stufe ist morsch.“

„Jawohl.“ 
Und mit diesen Worten ging ich in mein Zimmer. 

Meine Oase hatte sich nicht im Geringsten von dem Bild, das ich in meiner Erinnerung trug, verändert. Die sandgelbe Tapete, die an einigen Ecken abblätterte, mein kleiner brauner Holzschreibtisch in der rechten Ecke, die alten, mit Flecken besetzten Gardinen hinter meinem Bett. 
Ein bekannter Duft stieg in meine Nase. Der spezielle Geruch seines Heims, den man nur wahrnimmt, wenn man lange Zeit fort gewesen war. 
Meine Eltern hatten sich wohl an dem freien Platz im Hause bedient, denn auf dem Parkett stapelten sich Berge an frischer Wäsche. 
Warum sie nicht das leerstehende Zimmer meines Bruders nutzten, begriff ich nicht, aber hinterfragte es nicht weiter. 
Ich wollte mich gar nicht mehr sorgen. 
Überhaupt hatte ich es satt, mir den Kopf über jegliche Dinge zu zerbrechen. 
Ich war hier. 
Ich war sicher.
Das war alles, was zählen sollte.

Meine Mutter rief mich, wie damals zu essen, doch ich hatte keinen Appetit. 
Ich sehnte mich nur danach, die Ruhe zu verinnerlichen, die ich schon so lange nicht mehr genießen durfte. Nach all dieser Zeit hatte ich zum ersten Mal keine Aufgabe, sondern durfte einfach nur sein.
Ich sein. 
Auch wenn ich verlernt hatte, wie das eigentlich ging. 
Doch in besagter Nacht sollte ich schnell zu der Erkenntnis kommen, dass mich diese Ruhe nicht so einfach finden würde. 

Vorerst wurde ich in dem Glauben gelassen, frei von jeglichem Schmerz zu sein.
Vielleicht war es meine Naivität, vielleicht war es der Fakt, dass ich für Wochen kaum geschlafen hatte, doch ich beharrte auf diesen Glauben, den mir mein Inneres vortanzte. 
Ich entspannte und genoss das Gefühl der weichen Matratze unter meinem Rücken. Die Nacht schloss sich um mich und ich schlief ein. 

In meinen Träumen formte sich eine große Blumenwiese vor mir. So bunt, dass man hinterfragte, ob man all diese Farben überhaupt kennen würde. Tulpen, Sonnenblumen, Narzissen so weit das Auge reichte. Sie alle strahlten mir entgegen und hießen mich willkommen. Ihr süßer Nektar hatte eine Intensität, dass wenn ich meinen Mund öffnete, seinen Zucker auf meiner warmen Zunge schmecken konnte.
Langsam wagte ich einen Schritt über den farbenfrohen Boden unter meinen Füßen und ging vorwärts. Ich sollte nirgendwo ankommen. Es gab kein Ziel. Alles, das existierte, war eine warme Atmosphäre, die mir eine Umarmung spendete. Die Sonnenstrahlen küssten meine Haut und ich spürte, wie sie sich zu erhitzen begann. Es musste Sommer sein. 

Und während ich so ging, erfüllte mich ein komisches Gefühl. Ich fühlte mich gut… Ja, fast frei? Doch ich war nicht bestimmt, dieses Gefühl zu hinterfragen. Ich wusste, ich sollte lediglich hier sein. Meine Hände streiften im Gehen an den vorbeiziehenden Sträuchern entlang, wie ich es als Kind immer tat, wenn mein Bruder und ich Fangen in den Feldern gespielt hatten. 
In der Ferne formte sich vor mir ein kleiner Punkt. 
Ich konnte nicht erkennen, was es war, und bewegte mich langsam in seine Richtung. Er nahm langsam eine menschliche Statur an und aus ungefähr hundert Meter Entfernung erkannte ich, dass es ein kleiner Junge war. 
Er saß allein im Gras und rupfte eine Blume aus der Erde. 

„Was machst du da?“, fragte ich ihn. 

„Ich pflücke Blumen.“ 
Ich stand nun vor ihm. 

„Für wen?“ 

Er sah mich nicht an und pflückte mit seinen kleinen, dicklichen Fingern eine strahlend gelbe Narzisse aus dem Boden. 

„Für meine Eltern.“ 
Ich beobachtete ihn für eine Weile. Er sah so friedlich aus und hatte eine Unschuld an sich, die nur Kinder mit sich tragen. 

„Das ist aber nett von dir. Deine Eltern werden sich bestimmt freuen.“ 

„Das bezweifle ich“, sagte der kleine Junge zu mir. 

Ich wurde traurig und konnte nicht anders als nachzuhaken, auch wenn eine Person mit gutem Benehmen es wohl dabei gelassen hätte. 

„Wieso denn das? Hast du keine guten Eltern? Jeder Mensch freut sich wohl über Blumen.“ 

Er verharrte einen Augenblick und ließ den bunten Strauß in seiner Hand sinken. 

„Es sind die Blumen für mein eigenes Grab.“ 

Ich starrte ihn an. Noch immer hatte er den Blick auf den Boden gerichtet und suchte nicht nach meinen Augen. Seine Worte ein Karma für meine schlechten Manieren. 
Um mein Missgeschick auszugleichen, beschloss ich mich auf meine Knie zu setzen, vielleicht würde er mich dann ansehen. 

„Ich… ich verstehe nicht“, sagte ich. „Bist du krank?“ 

Und mit der Sekunde, in welcher ich diese Worte aussprach, setzte sich der Kopf des Jungen in Bewegung. Seine Augen trafen meine und mein Atem erstickte. Das Blut schoss mit einer gewaltigen Geschwindigkeit durch meine Venen, während mein Herz zu pumpen begann. Sein Blick war alles, was ich brauchte, um zu erinnern.

„Sie weinten, als sie meinen Körper fanden.“ 
Sprach das bekannte Gesicht nun endlich, mit dem Blick auf mich gerichtet. 

„Es … es war nicht meine Schuld…, wenn ich doch nur gewusst hätte“, verzweifelte ich. 
„Du musst verstehen, es war nicht meine Absicht! Das musst du mir glauben! Ich… ich bin kein Mörder.“

Doch die blauen Augen sahen mich nur still an, während sich eine rote Flüssigkeit an seinem kleinen, zierlichen Körper breitmachte. 

„Ich werde es gut machen. Es wird alles gut werden, in Ordnung? Bleib einfach hier, ich werde deine Eltern finden und dann… dann kannst du ihnen die Blumen geben, ja?“ 
Bettelte ich, während salzige Tränen an meinen Wangen herunterliefen. 

Ich tastete verzweifelt an seinem blutenden Körper, suchte nach einer Art Rettung, einem Beweis, dass ich es nicht war – nach irgendetwas. Ich konnte nicht noch einmal versagen. Doch ich wusste, es war zu spät. Es gab nichts, das ich tun könnte. Mit einer Schwäche sank der kleine Junge in meine Arme und klimperte mit seinen hoffnungslosen Augen. 

„Ich wollte so vieles werden“, sprach er. 
„So viele Orte sehen, so viele Menschen treffen, so viele Dinge lernen.“ 

Der Fluss unter meinen Augen tropfte langsam auf ihn herab. 

„Hättest du dich doch nur in jener Nacht anders entschieden.“ 

Und ich nickte. Ich nickte, weil ich wusste, er hatte recht. 

„Es tut mir leid. Es tut mir leid, Junge.“

Weinend saß ich auf den Knien, mit einem reglosen Körper in meinen Händen, als würde es irgendetwas ändern. 
Die Blumen waren fort. Es war ein Grau über uns gezogen. 
Der Himmel war grau. 
Das Gras war grau. 
Die einzige Farbe, das knallig rote Blut an den Klamotten des Kindes, das nun auch an meinen Händen klebte. 

Der nächste Tag kündigte sich mit brummenden Motorgeräuschen auf der Straße vor meinem Fenster an und für eine sehr lange Zeit bewegte ich mich keinen Zentimeter aus meinem Bett heraus. 
Mit einem starren Blick an die Decke gerichtet, dachte ich über mein verfluchtes Schicksal nach. 
Die Morgensonne schien schon grell durch meine verfilzten Gardinen und blendete mein linkes Auge. 
Was bedeutete es noch, Mensch zu sein, in einer Welt, die kaum noch menschlich war? 
Die durchgeschwitzte Matratze unter mir drückte eine unbequeme Feuchtigkeit auf meine Haut. Ich war nicht mehr eingeschlafen. Den gesamten Morgen sah ich das Gesicht des Kindes vor mir. Ich dachte, ich werde wahnsinnig. 
Ich war doch inzwischen fort von all dem. 
Warum werde ich trotzdem noch verfolgt? 

Am Frühstückstisch servierte mir meine Mutter zwei Eier auf einem Stück Brot. Daneben stellte sie einen Kaffee in einer rot getöpferten Tasse. Ich hob mein Besteck in Gedanken versunken, doch dann stach mir ein Dorn ins Auge und etwas brach in mir auf. 
Das Eigelb war noch leicht flüssig und tropfte langsam an der Kruste der Stulle herunter. Ich ekelte mich vor der dickflüssigen Lösung und wurde sogar etwas zornig. Sie wusste doch, dass ich meine Eier doppelt gebacken esse. Oder gerührt, sogar gekocht, aber niemals mit flüssigem Dotter. 
Ja, selbst wenn sie auf ihrem Sterbebett läge, selbst wenn sie an der schwersten Form einer Demenz litte, würde sie niemals vergessen, wie sehr mich diese gelbe Flüssigkeit anekelte. 
Ich verstand nicht, warum sie dachte, dass dies nach meiner Reise nun anders sein würde. 
Warum ich plötzlich anders sein würde. 
Mit einer lauten Stimme und meinen Händen in Fäuste geballt machte ich ihr klar, dass ich das Brot nicht essen würde und sie mich besser kennen müsste.

Ich stampfte aus der Küche, aus dem Haus. Rückblickend weiß ich gar nicht, warum es mich so wütend machte, aber in dem Moment brodelte es förmlich in mir. 
Ich machte mich auf den Weg zum alten See. 
Früher war ich dort immer hingegangen, wenn ich es zu Hause nicht mehr aushielt. Dann saß ich dort. Manchmal für Stunden und starrte auf das kalte Wasser. 
Er kannte mich schon und ich kannte ihn. Manchmal redete ich sogar mit ihm. Dann, wenn ich mir sicher war, dass wir ganz allein waren. Er antwortete mir nie. Das brauchte er aber auch nicht. Es genügte, dass er mir zuhörte. 

Die Straßen meiner Heimat waren kälter als sonst und das, obwohl es bald Sommer werden würde. Die Sonne schaffte es nicht, die trostlosen Gassen mit ihrer Wärme zu füllen. Ich sah noch nicht einmal Vögel auf meinem Weg, die mir doch sonst so lieblich ins Ohr gezwitschert hatten. Selbst die Tiere fühlten sich hier nicht mehr willkommen. 
Mein Fuß trat gegen einen kleinen Stein, der auf dem Asphalt lag und kickte ihn ein Stück vorwärts. Er kullerte ein wenig und kam dann zum Stillstand. Ich trat erneut gegen ihn. Dieses Mal stärker, sodass er weiter rollte. Immer weiter, wie ein verstoßener Außenseiter, haute ich meinen Fuß gegen das Mineral, bis er gegen eine Steinmauer prallte. 

Mein Blick wurde endlich gehoben und ich sah gegen eine wohlbekannte Hauswand.
Es war das Haus von Olivia. 
Ich war so abgelenkt mit meinem dummen Spiel gewesen, ich musste aus Gewohnheit den Weg zu ihrem Haus eingeschlagen haben. Ich zögerte. 
Das letzte Mal, als wir uns sahen, sind wir uns fast an die Kehle gegangen. 
Oh, wie wütend sie auf mich war, als ich mich freiwillig zum Dienst gemeldet hatte. Und wie zornig ich war, weil sie nicht verstand, dass ich meinem Bruder helfen wollte. 
Ich hatte oft überlegt, was ich sagen würde, wenn ich sie je wiedersehen sollte. Doch ich war nie zu einem finalen Entschluss gekommen. Sollte ich klopfen, ihr in die Arme fallen und sie um Vergebung bitten? Sie hatte ja so recht gehabt. 
Ich hätte niemals gehen sollen. Ich hätte sie niemals so verärgern sollen. Wie dumm ich gewesen war. 
Oh Olivia, kannst du mir noch verzeihen? 
Es ist doch noch nicht zu spät. 
Oh Olivia, nimm mich in deine Arme und lasse mich nie wieder los. Lass mich nie wieder gehen. 

So nahm ich all meinen Mut zusammen und schritt die kleine Treppe zu ihrer Haustür herauf. Die gelbe Farbe blätterte noch immer von ihrem Holz ab. Keiner hatte sie gestrichen, als ich fort war. Die leere Vase stand noch so vertraut auf der Fensterbank vor dem Esstisch, an dem wir so oft den wässrigen Kaffee ihrer Mutter tranken. 
Ich würde hunderte dieser Kaffees trinken, wenn sie mir jetzt die Tür öffnen würde. 
Und so klopfte ich. 
Fest und überzeugt gegen die gelbe Tür. Vielleicht ein wenig zu fest, denn mit dem ersten Klopfer stieß ich sie ein Stück offen. Jemand hatte sie geöffnet lassen. Vielleicht erwartete sie mich bereits. Vielleicht hatte sie von meiner Rückkehr gehört, dachte ich. Oder sie würde mir gleich entgegen stürmen und mich so um Vergebung bitten, wie ich um ihre. 
Hach Olivia, dir sei vergeben. 

So trat ich über die Türschwelle und stieß die Tür ein Stück weiter auf. Ich erwartete, ihren Vater wie üblich vor mir auf dem Sessel im Wohnzimmer zu finden. Doch der Sessel war leer. Ich rief nach ihrem Namen und lauschte. Doch es kam keine Antwort. So trat ich weiter ins Haus. Es war chaotisch im Erdgeschoss. Sehr untypisch für ihre Familie. Überall lagen Kleider auf dem Boden. Die Stühle waren gekippt und die Garderobe im ganzen Haus verstreut. Hatten ihre Brüder wieder verstecken gespielt und nicht aufgeräumt?
Ich konnte mir nicht erklären, was hier vor sich ging. Warum es so aussah, als ob sie alles stehen und liegen gelassen hatten. 
Wie ein Detektiv schlich ich einen Schritt weiter und machte mich auf Spurensuche. 

Hinter mir hörte ich einen Pfiff. Ich drehte mich um und draußen vor der Tür stand eine fremde Frau. 

„Sind sie eine Nachbarin? Wissen Sie vielleicht, wo Olivia ist?“, fragte ich die alte Dame, doch sie starrte mich nur leer an. 

Ihre Augen sahen abwechselnd in mein rechtes und mein linkes Auge. Eine bedrückende Stille umschlang uns. 
Ihr Blick verriet mir alles, was ich wissen musste. Ich verstand und nickte. Sie nickte zurück. 

„Jemand hatte sie an die Gestapo verraten“, sagte sie traurig. 

Mehr wollte ich gar nicht hören. 

„Eine Freundin?“, gaben ihre rauen Stimmbänder von sich. 

Eine Leere zog über mich. 

„So in der Art“, sagte ich und verließ das leerstehende Haus. 

Ich setzte mich an den See und ließ meinen Blick über seine glatte Oberfläche schleichen. Der Himmel malte ein falsches Blau auf meinen alten Freund. Auch er war nicht mehr derselbe. 
„Warum mein Freund“, fing ich an, ohne mich umzusehen, ob wir allein waren. 
„Warum kommt das Alte nicht mehr zurück, obwohl die Kulisse doch dieselbe ist?“ 

Doch er hörte mir schon gar nicht mehr zu. Und mit einem leisen Wind fiel mein Kopf in meine Knie und ich fing an zu weinen wie ein Kind, dem man sein Spielzeug wegnahm. 

Meinen Sommer habe ich damit verbracht zu vergessen, oder vielmehr; mit einem kläglichen Versuch, mein Seelen zerreißendes Elend loslassen zu können. 
Noch gelang es mir nicht. Tag und Nacht wurde ich von all dem heimgesucht, von dem ich dachte, es an einem fernen Ort zurückgelassen zu haben. Nichts wurde zurückgelassen. Und nichts hatte mich hier wieder so empfangen, wie ich es einst mit wehendem Taschentuch verabschiedet hatte. Es herrschte irgendetwas Neues. Etwas Unbestimmtes, das mir nicht gefiel. 
Mutter und Vater sahen es nicht. Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass keiner es sehen würde. 
Kein Mensch auf der Straße, kein Kassierer im Supermarkt, kein Pfarrer fühlte dieses Klima, das uns aber doch alle umgab. 
Warum musste ich es sehen? 
Warum kroch es wie ein Parasit unter meiner Haut und befiel mich mit Albträumen und Unbehagen?
Ich wünschte mir nichts mehr als des Bürgers pure Naivität. Sie ließ sie nachts schlafen. Ließ ihre Anhänger mit einem Lächeln zur Arbeit gehen. 
Ich wurde verdammt, keiner dieser Menschen zu sein. Der Kirche legte ich lange keinen Besuch mehr ab. 
Das Kreuz, das ich tragen musste, war, die Welt als das zu sehen, was sie ist.

Beim Essen sprach meine Mutter oft das Vaterunser. Ich sollte es jeden Tag fromm und ehrlich beten, dann würde es mir schon besser gehen, sagte sie. Doch für mich waren Gebete schon lange nichts mehr als leere Worte. Ich wollte um keine Vergebung bitten, wollte nach keinem Segen fragen. Ich wollte mir selbst vergeben können. Selbst büßen müssen. 
Und wenn es einen Himmel gäbe, dann würde ich dort keinen Platz haben. 

Manchmal schickte mich Mutter gegen meinen Willen zum Gottesdienst. Ich ging zwar jedes Mal los, endete aber nie in der Kirche. Dies hielt ich allerdings geheim vor ihr. Ich wollte sie in dem Glauben lassen, dass der Heilige Geist ihren Sohn Stück für Stück reinigen würde. 

An einem Tag, es war ein Sonntag im Juli, schritt ich wieder los und schlenderte gewohnt über den Marktplatz hinter dem alten Friedhof. Es wuselten ein paar Menschen durch die bunten Obst- und Gemüsestände. Sie gingen mit leeren Beuteln, die darum bettelten, gefüllt zu werden, von einem Stand zum nächsten. 
Ein paar ältere Damen standen zusammen und erzählten sich den neuesten Tratsch der Stadt. Ich sah ihnen aus der Ferne zu. Gebannt lauschten die Drei einer Vierten, die wohl etwas Skandalöses sagen musste, denn sie alle schlugen gehässig ihre Hand vor den Mund und kicherten. 

Ich ließ meinen Blick über die Menge schweifen. Beobachtete die Individuen in ihrem natürlichen Habitat und studierte ihre Bewegungen. Vielleicht versuchte ich auch, etwas von ihnen zu lernen. Wie man sich angemessen in der Öffentlichkeit verhält und kein Aufsehen durch Inkompetenz erregt. Es würde bestimmt Bücher geben, die sich mit solchen menschlichen Studien auseinandersetzten, dachte ich nach. Ich machte eine Notiz an mein Selbst, später in der Stadtbücherei nach etwas Derartigem zu suchen und schenkte meinem Blickfeld währenddessen keine Aufmerksamkeit. Zu meinem Bedauern verweilten meine Augen in der Zeit auf dem Rücken einer mir bekannten Person. Als der junge Mann sich im Gespräch mit dem Obsthändler drehte und sein Gesicht offenbarte, wurde mein Fokus blitzartig zurückgezogen. 
Es war einer meiner damaligen Kameraden. 
Ich erstarrte aus Panik. Ich hatte nicht damit gerechnet, so früh mit meiner Vergangenheit konfrontiert zu werden.
Ich versuchte so zu tun, als hätte ich ihn nicht gesehen und machte mich langsam auf meinen Rückzug. Doch es war schon zu spät, denn keine Sekunde später hörte ich schon, wie mein Name durch die Menge hallte. 
Noch einmal tat ich so, als hätte ich ihn nicht gehört. Doch ich wusste nach dem zweiten und dritten Mal, dass er rief, musste ich meine Tarnung aufgeben. 

„Ich glaube es nicht!“, sagte er mit einem Strahlen, das mich fast schon blendete. 
„Was machst du denn hier?“ 

Ich versuchte, mich zu konzentrieren. Vielleicht könnte dies gut werden. Vielleicht würde es mir einen Abschluss geben, wenn ich es nur versuchen würde. Mit der Intention, wach und dominant zu wirken, schob ich meine Schultern straff zurück und hob mein Kinn leicht an.

„Ach du weißt schon, nur ein bisschen trödeln“, sagte ich also und setzte ein falsches Lächeln auf. 

Er lachte.

„Was auch sonst. Hör mal, lass uns doch einen Kaffee trinken. Du hast mir doch sicher viel zu erzählen.“ 

Ich willigte ein und wir setzten uns in das alte Hofcafé, zwei Straßen weiter. 

Vincent war in meiner Kompanie gewesen. Er war ein bisschen älter als ich und half mir am Anfang, mich zurechtzufinden. Wir kämpften nicht oft an einer Seite, aber in jener Nacht waren wir für den gleichen Zug eingeteilt gewesen. 
Er sah gut aus. Sein braunes Haar fiel ihm perfekt ins Gesicht und er hatte eine Frische an sich, die ich längst verloren hatte. Mit seiner glatten Haut, vollkommen frei von Narben, glaubte man, Aphrodite höchstpersönlich hätte ihn gesegnet. 
Man könnte ihn für einen normalen jungen Mann halten. Er würde sich bestimmt gut untermischen können, dachte ich. Nichts deutete darauf hin, dass es ihm schwerfallen würde, einer von ihnen zu sein. 
Sein Grinsen reichte von einem Ohr bis zum nächsten und er berichtete mir stolz von seiner Arbeit und seiner Schwester. Von seinen Eltern und seinem Pfarrer. Von seiner Geliebten und dem neuen Haus. Mit jedem Wort, das er sagte, verlor ich ein Stückchen Hoffnung und Sympathie. 
Er war all das, was ich nicht war.

„Freut mich, dass dir deine Heimat so viel Wohl bekommt, Vincent“, sagte ich mit der weißen Kaffeetasse in der Hand, die einen Kontrast zu ihrem Inneren darstellte.

 „Ja. Ich meine verstehe mich nicht falsch, nichts macht mich stolzer, als mein Land zu verteidigen, aber ich bin ebenso froh wieder heim zu sein.“

Seine Worte strudelten mit einer gewissen Leichtigkeit aus ihm heraus. So als hätte er dieses Gespräch schon unzählige Male geführt. 

 „Erzähl mir von dir, mein Freund. Was hat ein stolzer Bürger wie du die letzten Wochen getrieben?“ 

Mit der Frage pausierte ich. Ich war davon ausgegangen, dass zumindest meine Gleichgesinnten so fühlten wie ich. Dass die, die dabei gewesen waren, nur wie ich fühlen konnten. Vincent sah mich brüderlich an.

„Komm schon, was stimmt nicht?“, fragte er nach einer Weile und der Ton seiner Stimme ließ es fast schon so klingen, als ob er sich zutiefst um mich sorgen würde. 

Ich konnte ihn wohl nicht so erfolgreich täuschen, wie ich es mir erhofft hatte. 
Es war nicht so, dass ich mich ihm unbedingt anvertrauen wollte, aber Vincents Präsenz, mit seinem autoritären Verhalten, zwang mich förmlich dazu.

„Ich …“
Begann ich, doch meine Gedanken tummelten sich, sodass ich gar nicht wusste, wo ich starten sollte. Ich nahm einen Atemzug, wie es mir mein Klassenlehrer immer geraten hatte. 

„Hast du manchmal Albträume, Vincent?“, fragte ich ihn ehrlich. 
„Denkst du manchmal nach, was für ein Leid wir ausgelöst haben?“ 

Die Frage schien ihn zu verwundern. Er hatte wohl angenommen, ich würde mich lediglich um meine Arbeit oder das Wetter beschweren.

„Was ist denn los mit dir? Jetzt hab dich mal nicht so.“ 

Ich starrte ihm in seine grünen Augen. 

„Du willst mir sagen, du fühlst dich kein bisschen schlecht? Du kannst mir ehrlich ins Gesicht gucken und behaupten, wir seien keine schlechten Menschen? Du hast nicht blind jemandem gehorcht, der von Hass erfüllt und durch Zerstörung angetrieben wurde?“, sprach ich. 

Vincent setzte sich gerade auf, wie er es oft an der Front getan hatte, wenn er uns schlechte Neuigkeiten gut zu reden versuchte.

„Hör mir zu, kleiner. Wir haben lediglich Befehle ausgeführt. Entweder wir oder die.“ 

Ich sah Vincent an. Er wurde mit einem Mal hässlich. Ein Schatten sprang über ihn und sein strahlendes Grinsen verdunkelte sich, als wäre ein Gewitter in sein Gesicht gezogen.
Wie ein Schaf kaute er auf seinem Stück Brot herum. Es widerte mich förmlich an, ihm ins Gesicht zu gucken. 

„Entweder wir oder die …“, wiederholte ich. 

„Waffen sind gemacht, um sie zu nutzen, Junge. Kein Gewehr kann einen Frieden schließen.“ 

Er war wie ein Wolf, der sich als Schaf getarnt hatte, und es ärgerte mich, es nicht früher gesehen zu haben. Ich ärgerte mich, ihn an mich herangelassen zu haben und dem Irrtum gefolgt zu haben, ein weißes Fell passend zu meinem gefunden zu haben. 
Mit seiner Aussage schwappte meine Geduld über und all das, was mein Lamm innehielt, strudelte aus mir heraus. 

„Vielleicht hätten wir das Gewehr ablegen müssen. Hättest du dann Frieden geschlossen, Vincent? Es war lediglich deine Waffe, die dich zum Töten gebracht hat?“ 

„Natürlich nicht und das weißt du auch. Glaub aber bloß nicht, dass die Männer auf der anderen Seite dasselbe getan hätten.“ 

Eine Pause lag zwischen unseren Worten und Vincent schmatzte sein Brot noch immer vor sich her. Ich wollte es ihm am liebsten aus der Hand reißen und den heißen Kaffee über ihn ergießen. Vielleicht war ich auch ein Wolf. Aber ein anderer als Vincent es war. 

„Sei doch mal dankbar, dass du es geschafft hast, zurückzukehren“, klopfte er mir löblich auf die Schulter. 

Da war wieder dieses Wort. Dankbarkeit. Seit meiner Ankunft wurde von nichts anderem mehr gesprochen. Mein Leben lang sollte ich nun alles hinnehmen. Für alles dankbar sein, bloß weil ich es geschafft habe zu leben. Bloß weil ich geschafft habe, dass mein Blut noch durch meine Adern fließt. 

„Ich soll dankbar sein?“, schnaubte ich. 

„Verdammt, ich wäre lieber gestorben, als so eine Last Tag für Tag mit mir herumzuschleppen. Krieg schafft böse Männer, Vincent. Männer, die blind Böses befolgen und sich dann einreden, alles richtig gemacht zu haben. Es war nicht unsere Schuld, hm? Wessen dann? Die unseres Offiziers? Die der Partei? Du denkst, das sind die Bösen? Warum bekommst du nicht in deinen Kopf, dass wir genauso schlimm sind wie sie? Die Männer, die Befehle geben, sind grausam, aber die Männer, die sie befolgen, sind entsetzlich.“ 

Wild fuchtelte ich mit meinen Armen um mich her und schrie, mit einem mir unangenehmen Schmerz, der meine Stimme brechen ließ, meinen alten Genossen an. Der Kaffee tropfte meine Hand herunter und bildete einen See auf dem braunen Holz des Tisches. Ich hasste ihn. Hasste dieses Café, diesen Tag, dieses ganze gottverdammte Leben. 
Er stand auf und hob seine Stimme nun endlich passend zu meiner. 

„Du denkst, du hast die Welt verstanden, ja? Du entscheidest, was richtig und was falsch ist?“, er schmiss seine Servierte wütend auf den Tisch. 

„Du bist ein feiges Muttersöhnchen, dem jedes Stück Härte fehlt. Du warst eine Belastung für unsere Kompanie. Ich hätte dich an der Front sterben lassen sollen, wenn du es dir doch so wünschst“, hauchte er mich an. 

Ich hatte ihn noch nie so erlebt. Vincent war immer eine Person gewesen, die den kühlen Kopf bewahrt hat. Deswegen hatten wir ihm alle so vertraut. Doch wie er nun vor mir stand und mich mit seinen gehässigen Worten verfluchte, verblassten mit einem Mal all die alten Erinnerungen an ihn.

„Mit dir ist etwas gewaltig falsch, Junge und es wird dich für den Rest des Lebens begleiten. Das war nicht der Krieg, das ist dein krankes Gehirn. Schon immer gewesen.“, 

Er kam mir näher und streckte seinen Zeigefinger in mein Gesicht, so als ob er mich mit seinen Worten bedrohen wollte.

„Vielleicht solltest du dir Hilfe holen, hm? Zum Psychiater gehen und ein bisschen reden? Aber das wirst du nicht machen, weil du ganz genau weißt, dass keiner einen Job an Verrückte vergibt. Und das bist du. Verrückt.“

Mit dem goldenen Abschluss verließ er den Tisch und ließ mich mit meinem Kaffee allein zurück. Ich sah ihm nicht nach – es gab nichts, dem ich hinterher sehnen wollte. Selbst das, was in den bösen Stunden damals als reiner Engel gewirkt hatte, entpuppte sich nun als Teufel. War denn noch irgendetwas so, wie es schien?

Wochen zogen an mir vorbei, wie Güterzüge an einem Schwarzfahrer. Egal, wie stark ich versuchte, auf ihn heraufzuklettern, ich wurde trotzdem jedes Mal erbarmungslos heruntergeworfen. Und so wartete ich auf den nächsten Zug, doch wenn er kam, raste er lediglich mit einer enormen Geschwindigkeit an mir vorbei. 
Es war sinnlos. 
Ich hatte meine Arbeit als Maurer wieder aufgenommen. Ich wusste, sie nahmen mich nicht aufgrund meiner starken handwerklichen Fähigkeiten, sondern ausschließlich wegen des großen Bedarfs zum Wiederaufbau unserer erbärmlichen Stadt. 
Ich war erneut ein Mittel geworden. 
Dieses Mal sollte ich genau das wieder herrichten, was meinesgleichen auf der anderen Seite zerstört hatten. Der Widerspruch brachte mich manchmal sogar fast zum Lachen. 

Was sie wohl da drüben gerade täten? Dort gab es sicherlich jemanden, der so dachte wie ich. Und uns unterschied nichts, als auf verschiedenen Seiten geboren worden zu sein. Wir kämpften nicht wegen Stolz zum Vaterland. Wäre ich dort drüben gewesen, dann hätte ich genauso ihrem Offizier gefolgt, wie in diesem Leben ich meinem gefolgt war. 
Die Aktionen, die man ausführte, beruhten auf keiner unabhängigen philosophischen Ideologie, der man folgte, egal welcher Boden unter seinen Füßen war. Ich zumindest fühlte mich mit diesem Deutschland nicht verbunden. Im Krieg kämpfte man lediglich wegen des Befehls, den ein übergeordneter Mann gab. 
Doch was machte ihn zu etwas Höherem? 
Was stellte einen Menschen so hoch, dass er über das Leben unzähliger Individuen entscheiden durfte? 
Und wie dumm waren die Männer, dass sie über sich entscheiden ließen? 
Wenn keiner es wagt zu hinterfragen, erhält eine Person allein die totale Kontrolle über ihren Verstand. Jeder Einzelne von ihnen überzeugt davon, etwas ganz Großes zu sein, etwas beizutragen und etwas zu verändern. Doch spätestens dann, wenn sie ihren besten Freund vor sich verbluten sehen, verstehen sie, dass nichts von all dem an Ehre gebunden ist. Dass alles, was sie für den Mann sind, nur eine weitere Marionette ist. 
Seine schwarzen Puppen, die im kalten Nimmerland mit einem Gewehr vor weißen Puppen stehen. Und die Schießwaffen in ihren Händen, Sinnbilder von Gleichheit und Chance, verlieren im Schatten der gezogenen Fäden ihre Bedeutung, denn niemand ist dem anderen überlegen und doch herrscht kein Gleichgewicht. 
Wer zuletzt schießt, hat verloren. 
Doch wer zuerst schießt, wird kein Gewinner. 

Es waren einige alte Soldaten unter meinen Kollegen beim Bau. Sie waren wegen desselben Grundes wie ich dort. Man dachte, man könnte seinen Alltag zurückgewinnen, doch mehr als ein Fremder zu sein war gar nicht möglich, wenn an jeder Ecke – still und schmutzig – Erinnerungen lungerten. Man konnte sie fühlen, wenn wir neben den Trümmern standen und unseren Kaffee tranken. Sie warteten auf einen und schlichen sich langsam, mit jedem Atemzug, den man nahm, in den Körper, wo sie sich wie ein Dunst um seine Organe schlang. Dann machten alle Männer zusammen Mittagspause und versammelten sich in einer großen Gruppe, als würde Gemeinschaft einem Schutz bieten. Als wäre man dann stärker als das Elend, das einen finden würde.
Ich schaute so manches Mal, mit der warmen Tasse in meiner Hand, hoch in den Himmel. 
Dort stand ich in der Menge und war verschwunden.  

Die Tage wurden langsam wärmer und die Nächte, in denen ich wach lag, endlich kürzer. Jeder Tag war auf seine Art und Weise gleich geworden. Trotzdem fühlte ich mich wie ein Fremder in meinem eigenen Körper. Manchmal überlegte ich, ob ich mich überhaupt richtig verhielt oder ob andere Worte angebrachter wären. 
Als hätte ich komplett verlernt, ein Mensch zu sein. 

Ich grübelte, ob ich meine alte Gewohnheit wieder aufnehmen und mit dem Schreiben anfangen sollte. Mein Bruder sagte mir immer, dass Autoren schreiben, weil keiner das Offensichtliche begreifen würde. Doch als Schriftsteller müsste ich eine klare Idee davon haben, was hinter dem Vorhang versteckt liegt, um ihn offen zu ziehen und das Problem dem Publikum präsentieren zu können. Aber bei dieser Geschichte war ich nicht die Person, die die Fäden zog, ich war einer der ahnungslosen Zuschauer, der gebannt auf eine Enthüllung wartete. Somit müsste ich mit etwas Anderem meine Stunden verbringen. Irgendein Hobby, dem ich meine Zeit und mein Erbarmen widmen könnte.
Das machten doch vernünftige Leute heutzutage, nicht wahr?
Ich war mir nicht einmal mehr sicher, was die Leute eigentlich so taten, um nicht verrückt zu werden. Die Gesellschaft, die mich jeden Tag umgab, fühlte ich mich unheimlich fremd und mich fing an, eine gewisse Panik einzuholen, meine Persönlichkeit endlich unter die Menge mischen zu müssen. Nicht auffällig sein zu dürfen.
Ich konnte nicht riskieren, in eine Anstalt gesendet zu werden, denn auch wenn ich Vincent mit der unschuldigsten Seite meiner Seele hasste, hatte er recht. Meine Zukunft wäre vorbei. 
Niemand gab eine Stelle an Verrückte. Ich hatte es selbst gesehen.

Ein alter Nachbar war Monate vor mir an die Front gezogen, nach seiner Heimkehr fiel ihm jeder regelrecht zu Füßen, so als hätten sie einen Helden empfangen. Doch es dauerte nicht lange, bis man bemerkte, dass irgendetwas an ihm gebrochen war. Er sagte ungewöhnliche Dinge, reagierte zu oft mit einem gewaltigen Zorn auf belanglose Sachen, seine Antworten kamen zu spät oder gar nicht. Man schickte ihn zum Arzt und er unterzog sich einer psychologischen Behandlung. Es muss ihm geholfen haben, er wurde wieder einer von uns. Ein oberflächlicher und einfältiger Bürger, doch er sollte sich keine Hoffnungen machen – einen Posten erhielt er nie wieder. 
Er hat sein Land zwar tapfer verteidigt, aber mehr als ein stiller Beweis für Opferbereitschaft würde er nie sein. 
Der Mann hatte gelebt für seinen Staat, wäre gestorben für seinen Staat, doch selbst gefeierte Patrioten durften aus ihrer Tapferkeit nichts ernten.
Diesen Job übernahmen andere Männer.

Ich blickte herunter auf meine Füße, die schlaksig über den Asphalt liefen. Beim Anblick meiner zierlichen Glieder überlegte ich, ob mein Wohlbefinden möglicherweise aus dem Mangel meiner physischen Bewegung stammen könnte. Aber mein Gedanke war ebenso flüchtig wie belanglos. Ich war nie ein Sportler gewesen. Meine Arbeit war mir bereits anstrengend genug. Schon nach dem Zementmischen letzte Woche konnte ich meine Arme für drei ganze Tage kaum spüren. 
Es waren Momente wie diese, die mich daran erinnerten, dass weder mein Überleben noch der Tod eines Kameraden an irgendetwas anderes gebunden waren als dem puren Zufall. In meinem Körper gab es keinen Muskel, der mich hätte retten können und mein Verstand hatte dort schon längst kapituliert. Leben und Tod – sie folgten keiner Logik, keinem Plan. Es gab keinen geheimen Trick, kein Training, das einen vorbereiten könnte. Wenn der Tod dir gegenübertrat, war dein Schicksal bereits entschieden.

Auf dem Bau hatten wir heute früher Schluss gemacht. Ein für mich seltener Umstand, der mir plötzlich ungewohnt viel Zeit schenkte. Zu viel Zeit. Mein ausgeklügelter Tagesplan war präzise konstruiert, weniger aus Notwendigkeit, sondern viel mehr aus Angst vor den leeren Minuten dazwischen. Sie bedeuteten grauenvolles Philosophieren. Ich wollte nicht nach Hause, noch weniger wollte ich an den verräterischen See, der nun mehr über mich wusste, als es mir lieb war. 

In Gedanken versunken bekam ich gar nicht mit, dass jemand mit mir zu reden schien. 

„Hallo?“

Die Stimme war klar und hell und riss mich aus meinen Gedanken zurück ins Hier und Jetzt. Mein Blick traf auf ein junges Mädchen vor mir, dort erkannte ich erst, dass sie auf etwas zu warten schien – offensichtlich auf eine Antwort von mir. Ich war gemeint. 

„Was?“, schnaubte ich unhöflicher als beabsichtigt.

Das Mädchen blickte mich misstrauisch an. In ihrem Blick lag etwas, das mich bereuen lassen sollte, so schnippisch auf sie reagiert zu haben.

„Wenn du mal hochgucken würdest, könntest du vielleicht auch sehen, was die Welt um dich herum so treibt“, lachte sie etwas amüsiert an meiner Isolation. 

Ich sah sie leer und fragend an, wie ein Neugeborenes, das nicht versteht, was ihm gesagt wird. Was wollte sie nur von mir? Meine Körpersprache musste es Meilen weit deutlich gemacht haben, dass man mich besser nicht ansprechen sollte.

„Entschuldige. Gab es etwas, das Sie mich gefragt haben?“, brachte ich endlich heraus und bereute sofort, das Mädchen gesiezt zu haben. 

Sie musste ungefähr in meinem Alter sein, vielleicht ein wenig jünger. Aber sie reagierte nicht auf meinen peinlichen Fehler.

 „Wo komme ich denn zum Friedhof?“

Sie warf eine lockige Strähne gekonnt hinter ihre Schulter, die dort absichtlich verweilte, als gehöre sie dahin. Ihre Frage verwunderte mich und regte eine gewisse Neugier in mich, sodass meine Haut zu kitzeln begann.

„Friedhof? Du scheinst den Toten ja zu betrauern, wenn du nicht einmal weißt, wo er liegt“, sagte ich mit einem mir fremden Sarkasmus. 

Ich konnte mir nicht erklären, woher meine Worte kamen, geschweige denn der Tonfall. Es war mehr, als ich die letzten drei Tage mit irgendwem gesprochen hatte. Sie verdrehte die Augen. Ich musste etwas Falsches gesagt haben.

„Ich bin neu hierhergezogen. Aber wenn du mir nicht helfen willst, gehe ich nun weiter.“ 

„Nein nein, nicht doch. Komm, ich führe dich zu ihm. Wenn es dir nichts ausmacht.“

Sie sah mich misstrauisch an. So, als ob sie ihre Optionen gerade abwägte und ich war mir sicher, dass meine Chancen nicht sonderlich vielversprechend aussahen.

„Ich verspreche, nicht mehr so unhöflich zu sein. Es tut mir leid“, sagte ich ehrlich. 

Ich meinte es auch so.

Es war, als ob jemand Fremdes mich einnahm und mit dem Mädchen sprach. Jemand Besseres und kompetenteres als ich es war. Warum ich unbedingt bei ihr bleiben wollte, wenn ich die Präsenz von jeder anderen Person zurzeit unter allen Umständen mied, erfüllte meinen Kopf mit Fragen.

„Nun gut.“, wägte sie schließlich ein und wir begannen über den Marktplatz zu schreiten. 

Sie war ein hübsches Mädchen mit langen braunen Haaren und einem dezenten Pony, das im Wind wehte. Über ihrer schmalen, linken Schulter hing eine rote Handtasche mit goldener Schnalle, die im richtigen Winkel die Sonne grell in meine Augen blitzen ließ. 

„Du sagst, du bist neu hierhergezogen?“

„Ja. Mein Bruder hat hier gewohnt und meine Mutter schleppt uns nun allesamt in diese Stadt.“

Sie pausierte und ihr Schritt verriet mir eine Veränderung in ihrem inneren Geist. Als wäre eine Erinnerung in ihrem zierlichen Kopf schwerer als der Körper, den sie vorantragen musste.

„Dein Bruder? Wo ist er jetzt? Vielleicht kenne ich ihn.“

Ich würde ihn nicht kennen. Ich kannte regelrecht niemanden in dieser Stadt. 

„Er ist drüben gefallen.“

Stille. 

„Ich sagte ihm, er solle nicht gehen, aber er hörte nicht auf mich. Wenn ich ehrlich bin, dann verachte ich ihn ein wenig dafür, verstehst du?“, sie sah mich an und ich nickte, so als würde ich sie verstehen. 

„Ja, ich kenne das.“ 

„War jemand aus deiner Familie fort gegangen?“, fragte sie mich und ich nickte erneut wie eine Wackelkopf Figur. 

„Mein großer Bruder. Er liegt nicht fern von deinem.“ 

Wir gingen weiter durch die schmalen Straßen und kamen nach einiger Zeit beim Friedhof an, doch an der Pforte angelangt kam ich nicht zum Halt. Ich wollte nicht gehen. Ihre pure Präsenz ließ meine Lunge endlich atmen und mein Gehirn wieder konventionell funktionieren. Sie schien wiederum alles andere als konventionell, was mich äußerst neugierig machte. Also begleitete ich sie noch weiter bis hin zum grauen Stein, der eine frische Gravur trug. 

„Ich hasse Soldaten“, sagte sie, während wir auf den Stein starrten. 
„Sie kehren zurück und erwarten eine Ehre für all das Elend, das sie ausgelöst haben. Es sind verdammte Pioniere, die sich einreden ein Opfer, von etwas geworden zu sein. Und jeder lobt sie auch noch dafür.“ 

Ich hörte ihr mit einem Blick zu, der verstecken sollte, dass sie meiner leidenden Kreatur eine detaillierte Beschreibung lieferte. 

„Hasst du deinen Bruder deswegen?“ 

Die Worte schossen zu schnell aus mir heraus, dass ich hätte bemerken können, wie unhöflich meine Frage war. Sie dachte eine Sekunde nach. 
Der Grund, warum ich zu erwarten schien, pure Ehrlichkeit von ihr zu ernten, war mir fremd. 

„Ja“, sagte sie mit einer gewissen Trauer. 
„Aber ich hätte ihn früher oder später sowieso zu hassen gelernt.“ 

Sie sah mich nicht an, sondern hatte ihren Blick auf den Stein zu unseren Füßen gerichtet, als würde sie nach einer Erklärung in den Buchstaben auf seiner Inschrift suchen. Ich verstand nicht und wandte meine Sicht nun auch auf das Gestein.

„Wieso denn das?“ 

„Weil der Krieg etwas Böses in ihm entfacht hat, das schon lange in seiner Seele gebrannt haben musste. Sonst wäre er nicht gegangen.“

Das Mädchen faszinierte mich, wie es noch nie jemand getan hatte. Ich fühlte mein Wesen fast schon als begriffen, wäre ich nicht einer dieser Leute gewesen, über die sie so klug zu reden wusste. 
Der Gedanke, sie könnte mich bei meiner Wahrheit zu hassen lernen, erfüllte mich mit Angst. 
Ich kannte sie nicht, aber jede Faser meines Leibs sehnte sich nach ihrer warmen Anerkennung. 

„Man kann keine gute Person sein, wenn man mit einer Waffe in den Krieg gezogen ist, meinst du?“, und sie drehte sich endlich zu mir, sodass sich unsere Augen trafen. 

Es war kein Blickaustausch zweier Fremder. Etwas an ihr schien mir so vertraut und nah, als würde sie mich regelmäßig in meinen Träumen besuchen.

„Ein Mann, der eine Waffe ausgehändigt bekommt, ist ein Opfer. Ein Mann, der sie behält, ist ein Teufel.“ 

Ich sah nicht von ihren Augen fort und bevor ich es realisierte, stimmte ich ihr schon zu. 

Sie zog einen weißen Umschlag aus ihrer Tasche und legte das Pergament auf das Grab ihres Bruders. Meine Augen folgten jede ihrer sanften Bewegungen und ich ertappte mich bereits bei Fragen um den literarischen Inhalt ihres Souvenirs. Schließlich gingen wir zurück durch die großen Metallbögen, die den Ausgang markierten. Sie drehte sich. 

„Also vielen Dank.“, und sie setzte den ersten Schritt in die nächste Straße. 

„Moment!“, rief ich und die braunen Haare kamen wieder zum Stillstand 

„Wann kann ich dich wieder sehen?“

Sie grinste mich nur an und die kleinen Grübchen, die sich auf ihren reinen Wangen bildeten, brannten für alle Ewigkeit ein Bild in meiner Erinnerung. 
„Zwei einsame Friedhofsgärtner müssen doch wohl zusammenarbeiten“, sagte ich in der Hoffnung, dass mein schlechter Humor sie bei mir behalten könnte. 
Es schien zu funktionieren, denn sie kam wieder zurück zu mir. 

„Du kennst noch nicht einmal meinen Namen.“ 

Sie hatte recht. Ich hatte ganz vergessen, danach zu fragen, ihre Worte waren mir wichtiger gewesen. Und wie könnte mir ein Name wichtig sein, wenn ein Engel ihrer Art es wagte seine Zeit auf Erden mit mir zu verbringen.

„Dann sag ihn mir.“ 

„Ilse.“

Das braunhaarige Mädchen strahlte mir freundlich entgegen. Sie würde mich in den Himmel fliegen oder unter der Erde verrotten lassen, dem war ich mir sicher. Ich wusste nur noch nicht, welches der beiden es sein würde. 

„Wann kann ich dich wieder treffen, Ilse?“, fragte ich erneut. 

„Morgen nach dem Kartenspiel mit meiner Großmutter kann ich dich sehen. Bei dem großen Baum hinter der Kirche. Aber komm nicht zu früh, Großmutter lässt sich gerne Zeit.“ 

Ich nickte. 

„Beim großen Baum also.“ 

Ich wusste, wo er stand. Wenn man sich gegen ihn lehnte, hatte man eine wunderbare Aussicht über den See.

„Dann bis morgen, Ilse“, lächelte ich. 
Es war das erste ehrliche Lächeln auf meinen Lippen, seitdem Mutter mir vor meiner Abreise eine Kopie von Shakespeares „Macbeth“ geschenkt hatte.

„Warte!“, hörte ich ihre himmlische Stimme hinter mir herrufen und dieses Mal war ich es, der sich umdrehte. 

„Du schuldest mir auch einen Namen.“ 

Die Zahnräder in meinem Kopf begannen sich langsam zu drehen. Ich war mir nicht im Reinen, was ich ihr sagen sollte, also rückte ich flott mit meiner ersten Idee heraus. 

„Nenn mich Christian.“

Mein alter Name war verdreckt. Nichts, das ich dem zarten Wesen vor mir zur Last geben wollte. 
Christian war wie ein neues Hemd – noch unbefleckt.
Ich wollte jemand anderes sein. 
Einen Neuanfang.
Zumindest für einen Augenblick.

„Bis morgen, Christian“, sagte sie und wir gingen auseinander. 

Am nächsten Tag wartete ich wie versprochen bei dem großen Baum am See. Ich war früh dran, falls ihre Großmutter sie doch eher ziehen ließe. Mein alter Freund – der See – sah mich an. Irgendwie war mir fast peinlich, so vor ihm gesehen zu werden. Folglich starrte ich zurück. Vielleicht, so hoffte ich, verstand er, dass, wenn er selbst sich verändert hatte, ich es wohl auch durfte. 
Ein Wind kam auf und fegte über sein Wasser, sodass die Seerosen auf seiner Oberfläche leicht zu tanzen begannen.

Da hörte ich Schritte. Leicht und vorsichtig. 

„Ilse.“

Das Mädchen schritt langsam auf mich zu. Es war schon spät geworden, denn die Sonnenstrahlen fielen nur noch schwach durch die Baumkronen am anderen Ufer auf uns herab.

„Tut mir leid, dass ich zu spät bin. Du solltest Großmutter echt mal sehen, wenn jemand es wagt, sie im Bingo zu schlagen.“ 

Sie zog sich eine graue Strickjacke über die Schultern, der Abend war kühl geworden.

„Dann muss noch eine Runde gespielt werden und noch eine Runde. So lange, bis sie deutlich mehr Siege hatte als alle zusammen“, fuhr sie fort.

Gleichzeitig sah ich ihr zu, wie sie die Perlmuttknöpfe durch die kleinen Löcher ihrer Jacke steckte und lächelte. 

„Ach was, ist doch halb so schlimm. Ich bin gerne hier“, log ich. 

Der See wusste es besser. Seit meinem Zusammenbruch war ich ihm ferngeblieben. In Anlehnung an meiner Lüge tobte er vor sich hin, in dem Versuch, mich zu verraten. Doch Ilse schien nicht seine Sprache zu sprechen.

„Ah warte. Ich habe da noch etwas für dich.“

Ilse kramte in ihrer mir bereits bekannten Tasche herum. 

„Für mich?“, fragte ich überrascht. 

Sie zog ein Armband aus dem braunen Beutel heraus. Ein Lederband, das ein blaues Amulett an sich trug, ruhte in ihrer Handinnenfläche. Ich hatte so etwas schon einmal gesehen. Ein kleines blaues Auge blickte mich, eingefasst in das dunkelbraune Band, an.

„Ein Nazar Amulett. Es schützt dich vor dem Bösen, wenn du es bei dir trägst. Ich erinnerte mich noch, eins zu Hause zu haben, deswegen bin ich ein wenig zu spät gekommen.“

Ich starrte das Armband an und blickte dann wieder hoch zu ihr. 

„Du musst mir nichts schenken.“

Sie verdrehte ihre Augen und legte mir das Armband mit ihren zarten Fingern um mein rechtes Handgelenk.

„Sieh es als eine Art brüderliche Spende. Du kannst den Schutz gegen das Böse gebrauchen. Ich habe auch eins.“

Sie zog ihren Ärmel der Strickjacke hoch. Um ihren Puls zeigte sich ein ähnliches Armband. Ihres war weiß.

„Eine Spende kann ich wohl nicht ablehnen, oder?“
Ich musterte unser passendes Schmuckstück. Uns verbindet nun etwas, dachte ich. Sie grinste.

„Nein, das kannst du nicht.“

Danach zogen wir los, Richtung alter Stadtpark.

„Glaubst du an Gott? Es wirkt besser, wenn du nicht an Gott glaubst.“

Ich schlenderte langsam vor mich her und ließ die Frage in mir kreisen.

„Nein.“ Entschloss ich und sie nickte bestimmt, als hätte sie nichts anderes erwartet.
„Ich auch nicht.“
„Du glaubst aber an andere Kräfte?“

Ich deutete auf mein Armband. 
So etwas war nicht üblich in unserer kleinen Stadt. 
Zu allem, das nicht nach Weihwasser roch, wurde großer Abstand gehalten. Dann wiederum, war Ilse nicht keine übliche Person in unserer Stadt. Überhaupt war sie keine übliche Person im Vergleich zum Rest der Welt.

„Meine Großmutter war vor einigen Jahren mal über den Sommer in Griechenland. Da hat sie mir die Armbänder mitgebracht“, sagte sie und passte sich meinem schlürfenden Gehtempo an.
„Sie sagte mir, dass kein Gott existieren würde. Aber Schutz und Glück, genauso wie Böses und Hass immer um uns herum sind. Man muss es nur suchen, dann findet man. Oder es findet dich das, was dich sucht“

Ich hörte ihr gebannt zu. Ihre Wörter strudelten so weise aus ihr heraus, dass man das Gefühl bekam, die Welt in seiner Komplexität zu verstehen.

„Du und deine Großmutter. Ihr versteht euch gut?“

Sie lächelte. So als ob der Gedanke an sie ihr Herz erwärmen würde. Für einen Moment wünschte ich mir, dass irgendeine Person da draußen auch so an mich denken würde.

„Sehr. Sie versteht mich besser als jeder andere. Du würdest sie mögen, Christian.“

Ich malte mir bereits aus, wie sie wohl aussehen würde. Ob sie dieselben leuchtenden Augen wie die ihrer Enkelin hätte. Dasselbe schelmische Grinsen, das einen in ihren Bann zog. 

„Meinst du? Vielleicht lasse ich sie im Bingo gewinnen und gewinne sie gleich für mich.“

Wir lachten und setzten uns auf eine Bank. Es war spät und der Himmel nahm ein dunkles Blau an. Neben einer staubigen Wolke war sogar schon ein erster Stern zu sehen, wenn man genau hinsah.

„Christian?“, sagte sie nach einer Zeit leise und ich drehte mich zu ihr.

„Ja?“

„Versprichst du mir, immer ehrlich zu sein? Auch wenn es der Rest der Welt nicht ist, wirst du immer die Wahrheit sagen? Ich kann niemanden Anderem trauen.“

Ihre grünen Augen bohrten sich in mich und ich glaubte, mich in dem kleinen Regenwald vor mir zu verirren.

„Ich verspreche es.“

Sie musterte mich und blieb eine Sekunde stumm. 

„In Ordnung. Du hast mein Vertrauen, Christian. Für alle Tage hast du mein Vertrauen.“

„Du hast meine Ehrlichkeit, Ilse.“

Wir saßen noch einige Minuten still auf der Bank und sahen zu, wie die Sterne ihren Platz am Horizont fanden.

„Ich muss gehen, Christian. Ich sehe dich morgen. Zur selben Zeit.“

Ich nickte.

„Soll ich dich nach Hause begleiten?“, bot ich an, in dem Versuch mehr über sie zu erfahren. 

Über das Haus, in dem sie wohnte, das Leben, das sie lebte.

„Nein, ich werde Großmutter erst einmal von dir erzählen. Sie soll nicht denken, ich verheimliche ihr etwas.“

Ich verstand.

„In Ordnung. Bis morgen, Ilse.“

Anschließend zog die Nacht über mich, während ich dem Mädchen zusah, wie sie langsam nach Hause schritt. Ich glaubte nicht, dass sie in meinem Alter sein könnte. Ein toter Mann muss Ilse mit seiner Seele besessen haben. Anders konnte ich es mir nicht erklären.

Tag für Tag trafen wir uns unter dem großen Baum. Tag für Tag zogen wir gemeinsam durch die Straßen und ich begann mich langsam nicht mehr wie ein Fremder in meinem Körper zu fühlen. Ich sah all die Menschen lächelnd vor mir und ich begann zu verstehen, warum sie lachten. Jenes, dem ich mich so blind gegenüber fühlte, nahm langsam wieder Farbe an. Ich fühlte, ein Teil der zwar leeren, aber glücklich machenden Ästhetik zu werden. Zudem war Christian eine Persönlichkeit, die ich voller Freude angenommen hatte, auch wenn ich wusste, dass er nicht wirklich ich war. Aber er ließ mich vergessen.
Und das war alles, das für mich augenblicklich zählte.

Wenn es nach mir ginge, wäre ich am liebsten die ganze Zeit Christian. Andererseits war mir auch bewusst, dass dies nicht möglich war. 
Vor meiner Familie, vor meinen Kollegen, da war ich noch immer der Alte. Daher sehnte ich mich schon morgens beim Aufstehen, Ilse am Nachmittag zu sehen und für einen Moment, sei es nur eine Stunde, frei von all dem zu sein. 

Manchmal saßen wir nur unter dem Baum und redeten. Andere Male wanderten wir durch die Felder und schwiegen uns an.
Ich hatte sogar ihre Großmutter getroffen. Wie versprochen, habe ich sie im Bingo gewinnen lassen und machte jedem am Tisch damit eine große Freude. Sie sah Ilse gar nicht mal so ähnlich, wie ich vermutet hatte, jedoch hatten beide dieselben stechenden Augen. 
Sie war die Art von Mensch, welcher nur über eine bestimmte Anzahl von Themen zu reden wusste und wenn sie dies tat, stellte sie sicher, jedes Mal denselben Wortlaut zu benutzen. Ihr Meinungen über Dinge blieben immer gleich, ganz unabhängig davon, was mehr Sinn ergibt. 
Ich wusste, dass es Ilse so manches Mal zur Verzweiflung brachte. Der Fakt, dass jemand nicht auf ihre doch so ausgeklügelten Argumente hörte, gefiel ihr nicht. Normalerweise wäre ich derselben Meinung gewesen. 
Menschen wie diese stecken auf der Stelle fest und sind so festgebissen auf ihr Ideal der Welt, dass sie blind an Veränderungen vorbeilaufen und nicht das geringste Interesse daran haben, eine klare Sicht zu erhalten.
Doch in Zeiten wie meinen sah ich es anders.
Der Stillstand von Ilses Großmutter gab mir ein seltsames Gefühl an … Komfort? 
So als ob alles gleichgeblieben wäre. So als könnte doch noch alles gut werden, weil bereits alles gut ist und es auch nie anders war. 

„Komm doch gerne öfter vorbei, Junge“, hatte sie zu mir gesagt. 
„Vielleicht schlägst du mich ja eines Tages.“ 

Sie lachte und wir aßen gemeinsam Apfelkuchen. 
Ilse hielt sich an ihre Worte und zog mich zweimal in der Woche mit zu dem roten Backsteinhaus. Dort spielten wir also am Nachmittag stundenlang mit ihrer Großmutter Bingo in ihrem riesigen Garten und genossen die freien Sommertage in ihrer Vollkommenheit. 
Es waren meine liebsten Tage in der Woche. 

„Du musst nicht immer mitkommen, weißt du?“, sagte Ilse zu mir, während sie sich mit einer gewissen Lässigkeit eines Abends gegen den großen Baum lehnte.
„Der Besuch soll keine Last für dich werden. Du weißt bestimmt Besseres mit deiner Zeit zu tun, als mit einer Seniorin und ihrer Enkelin Stunden lang Würfel auf einen Tisch zu werfen.“

Sie sprach ihre Worte, als wäre es ihr egal, was ich antworten würde. 
War ich ihr egal?
Zunächst drehte ich mich zu ihr und starrte sie mit großen Augen an. Ich hoffte, dass dies kein Versuch von ihr war, mich loszuwerden. Ich wusste nicht, was ich ohne unsere Treffen machen würde. Wer ich überhaupt sein würde. Nach einiger Zeit fasste ich endlich Sprache.

„Es gibt nichts, mit dem ich meinen Nachmittag lieber verbringen würde, Ilse.“

Unsere Augen trafen sich und hielten einen unsichtbaren Draht zwischen ihnen. Beide Augen waren mit Angst gefüllt. Zum ersten Mal sah ich Angst in Ilses Augen. Es war eine süße Qual.

„Ehrlich?“

„Ich habe versprochen, immer die Wahrheit zu sagen, oder?“

Sie nickte und guckte auf den Boden. Der Draht brach und die Angst wurde vom Wind weggetragen.

„Verzeihe meine Unsicherheit. Du musst verstehen, dass ich der puren Ehrlichkeit wie deiner noch nie zuvor entgegengetreten bin.“ 

Meine Haare wehten vor meinen Augen und nahmen mir für einen Augenblick die Sicht, sodass ich nur ihre zarte Stimme hörte. Wie ein Engel hörte sie sich an. Oh, wie schuldig ich mich fühlte, ihren Zauber so zu beflecken. Doch Christian starrte sie lediglich weiter an.

„Ich muss nicht verstehen, um dich zu begreifen, Ilse.“
„Du musst nicht ehrlich reden, um ehrenhaft zu sein, Christian.“

Ich erinnere mich an den Tag, an dem der kalte Regen gegen mein Zimmerfenster prasselte. Das Wasser fiel in Eimern vom Himmel und ergoss sich auf den Asphalt vor meinem Haus. Es war das, was die Natur nach der wochenlangen Hitzewelle brauchte. Zu meinem Glück war es alles andere als ich gebrauchen konnte. Regen bedeutete, dass ich Ilse nicht sehen würde. 
„Bei Regen werde ich nicht kommen.“  
Diese Worte hatte sie mir immer wieder eingetrichtert, wenn wir uns für den nächsten Tag verabredeten. Ich starrte aus dem Fenster. Der graue Himmel machte keine Versprechen, heute noch weiterzuziehen und Platz für das süßliche Blau zu machen. Der Egoismus machte mich etwas wütend. 
Zornig stand ich am Fenster und überlegte, was ich mit mir anstellen sollte. Es war Wochenende, das bedeutete, ich hatte nicht einmal Arbeit, die mich ablenken würde. 
Ich war ganz allein. 

Mein braunes Holzbett umschlang mich für den halben Tag, aber ich schlief nicht. Mir war, als würde ich krank werden. Zitternd lag ich unter meiner dünnen Bettdecke und murmelte vor mich hin. Verdammte meinen Körper, hasste mein Zimmer, ich wollte nur fort, nur zu Ilse. Doch obwohl der Drang zu gehen förmlich ein Feuer in mich hineinbrannte, schaffte ich es nicht, mich aufzuraffen und mein Bett zu verlassen. Der lediglich Wille, das Einzige, was mich ans Aufstehen erinnerte. Ich würde es tun. In zehn Minuten würde ich es tun, nahm ich mir vor und beobachtete den Minutenzeiger auf der goldenen Armbanduhr auf meinem Nachtschrank. 
Zu dem Zeitpunkt ahnte ich es noch nicht, aber die nächsten Momente würden mein Leben erneut kraftvoll durcheinanderwirbeln, wie eine unachtsame Hand, die beim Griff in die Jackentasche versehentlich deren gesamten Inhalt auf dem Boden zerstreut.
Während ich die Minuten herunterzählte, haftete mein Blick auf die dunkle und zerkratzte Holzoberfläche des kleinen Tisches neben meinem Bett.
Dafür, dass es eine so signifikante Rolle in meinem Leben spielte, brauchte ich gekonnte sechs Minuten, um zu bemerken, dass etwas auf der Eiche fehlte. 
Es war das Armband. 
Ich erstarrte, als meine Nervenzellen das Bild mit ihrer Logik verknüpften. Ilses Armband fehlte. Sofort sprang ich auf und schob meine Ärmel hoch, doch mein Puls war nackt und einsam, verlassen von seinem engen Freund der letzten Wochen. Panik schoss in mich hinein und strömte kalt an meinen Gliedern herunter. Ich hatte es gestern auf den Nachtschrank gelegt. Dem war ich mir sicher. 
Mit einer Geschwindigkeit, die rekordfähig war, riss ich zahlreiche Schubladen auf, wühlte in alter Kleidung herum und zerstreute meinen Schreibtisch in meinem gesamten Zimmer. Doch das Lederband war nicht aufzufinden. 
Meine Knie trafen sich mit dem Parkettboden, der unter meinem Gewicht ein knirschendes Geräusch von sich gab. Mit einer Angst, die zu groß war, um eine Träne zu vergießen, rollte ich mich, wie ein Fötus, in meinem Elend herum. Die Arme umschlangen meine Knie, als könnten sie mir eine warme Illusion von Halt geben. Man glaubte kaum, ich sei bereits erwachsen. 

Ich hatte keine Bedeutung ohne dieses Armband. Alles, was ich war, all das, was ich mir frech erlogen hatte, war fort. Christian war fort. 
Möglicherweise wurde ich gewarnt. Das Böse hatte mich wieder gefunden und ließ mich allein, ohne Zuflucht. 
Ich hatte das Nazar Auge verloren und wusste, es würde nicht lange dauern, bis das Kriegsomen mich wieder in seine Arme nehmen und mich langsam, aber sicher zu einem Verrückten machen würde. 
Der Sommer war vorbei. 
Ängstlich versteckte ich mich unter meiner Bettdecke. Ich wagte es nicht einmal, mich zu drehen. Nur am Abend beschloss ich zum See zu gehen, in der Hoffnung, Ilse würde doch erscheinen. Sie kam natürlich nicht. 
Stattdessen badete mich der Regen in seinem Ozean. 
Der Fisch, der ich einst gewesen war, der mit so einer Leichtigkeit durchs Wasser glitt, hatte sich in einen Stein verwandelt, der auf den Meeresboden zuraste. 

Ein paar Glühbirnen der Straßenlaternen waren ausgefallen und markierten eine düstere Stelle auf der sonst gelb flimmernden Straße. Als mein Fuß über die Schwelle zur Dunkelheit trat, fühlte ich, wie die schwarzen Arme mich in ihr Inneres zogen. Es war, als würde ich für kurze Zeit unter den Toten weilen. Christian war nicht da. Ich war nicht da. Wir existierten beide nicht mehr und hatten es auch nie getan. So trat ich wieder in den Lichtkegel, doch obwohl mich der Strahl der Glühbirnen traf, erhielt mein Erscheinungsbild noch lange keine Bedeutung.
Schleppend trug ich mich in mein Elternhaus und legte mich zurück ins kalte Bett. Meine Kleidung war noch nass, doch ich vergas sie mir von meinem Leib zu ziehen. Stattdessen badete ich meine Matratze in demselben Schicksal wie dem meinen. Ich musste auf den nächsten Tag warten. 

Schwarz zog sich um mich. 
Keine Finsternis, sondern viel mehr ein emotionaler Schatten, der sich wie ein giftiger Nebel um sein Opfer legte. Zwar war es unmittelbar Nacht geworden, doch ich hatte weder ein Gefühl dafür, welche Uhrzeit es war, noch war ich mir sicher, ob ich auch tatsächlich eingeschlafen war. Zu viele Dinge schossen mir gleichzeitig durch den Kopf, auf der Suche nach einer Lösung für mein Dilemma, doch gleichzeitig war mein Leib so schwer und gefüllt mit Schlafhormonen, dass es selbst zu anstrengend gewesen wäre, meinen Ringfinger anzuheben. 
Hin und wieder zog eine Stelle in dem Dampf des Nebels frei und offenbarte mir Bilder, bei denen es mir kalt den Rücken herunterlief. 

Zerrissene Menschen, denen jede Aussicht zur Identifizierung genommen wurde. Ihr Fleisch war grau und würde sich bald nicht mehr großartig von dem dreckigen Boden unterscheiden, den sie so tapfer erkämpft hatten. Der Prozess der Verwesung hatte bereits begonnen und die Körper, in denen einst das Leben nur so spross, verrotteten wertlos vor meinen Augen. 
Ich beobachtete sie mit einem gewissen Bedauern. Das Staatswappen wehte noch auf ihrer Brust und sollte erinnern, wofür sie gestorben waren. Auf meiner Brust wehte auch ein Wappen. Ein anderes als das der jungen Männer, die mir zu Füßen lagen. 
Es war ein See der Toten, der kein Ende zu nehmen schien. All die Menschen, manche kein Tag älter als ich, wurden von der verrosteten Sense des Todes geküsst. Bloß war ich es, der sie küsste. 

Der Gestank der Verwesung kroch mir mit einem Elend in die Nase und schlich sich langsam durch meine Luftröhre bis hin zu meinem Magen, sodass seine brodelnde Säure aus mir herausströmte. 
Es wiederholte sich die ganze Nacht. Immer wieder wurden mir im Dunst des kalten Nebels Erinnerungen darangegeben, wer ich eigentlich war.
Der kleine Junge mit dem gebrochenen Arm. Karl, dessen Eingeweide mir ins Gesicht flogen, bis nichts mehr von ihm übrig war. Die fremden Soldaten, die eine weiße Fahne wehten und sich uns erbarmten, lediglich, um von unseren Schießwaffen durchlöchert zu werden. All die Körper, die wir liegen ließen, als wären sie wertlose Tiere. 
 Ich schrie vor Horror und schlug mit Fäusten um mich, doch kam weder ein Ton aus mir heraus, noch bewegte ich mich auch nur einen Zentimeter. 

„Ich bin nicht böse. Ich bin nicht böse!“ 

Ich schrie es wieder und wieder, bis es mich erhören würde. Bis diese Visionen aufhörten. Es fühlte sich an, als würde ich all das Grauen noch einmal von vorne erleben. 
Der Nebel machte sich erneut breit und mein Bruder lag vor mir. Mit einer leeren Augenhöhle grinste er mich an. 
„All das für deine Hilfe.“

Ich verstand nicht. 

„Was für meine Hilfe?“

Ich schüttelte die reglose Leiche vor mir.

„Was für meine Hilfe?“

Ich schrie es lauter. Doch es kam keine Antwort mehr. Mit dem mir einst so bekannten Grinsen, noch immer auf seinen Lippen, lag er mir zu Füßen. 
Es waren so viele Körper vor mir, dass alle Zugehörigkeit verblasste. Alles, was ich sah, waren Menschen, ohne Herkunft und ohne Heimat. Und die Tränen strömten mein Gesicht herunter, sodass ich ihren salzigen Geschmack auf meiner Zunge schmeckte. An dem Punkt war ich mir nicht mehr sicher, ob ich halluzinierte, alles nur träumte, oder von einer üblen Schlafparalyse befallen wurde. Ganz egal, was es war, ich schwor mir, mich nie wieder schlafen zu legen.

Der Nebel zog auf und hinterließ mich genauso, wie er es sich erhofft hatte. Mit Horror und Reue.
Ich erhielt Bewusstsein und wachte in meinem Erbrechen und den nassen Klamotten vom Tag zuvor auf. Zitternd trat ich unter die Dusche und sah dem Wasser zu, wie es auf meiner blassen Haut herunterlief. Und auch wenn ich mich sorgfältig schrubbte, wurde ich nicht sauber. Ich hatte Dreck an mir, den nichts wegspülen konnte. 

Gegen Nachmittag lief ich zu dem roten Backsteinhaus. Meine Füße setzten nicht mehr richtig auf und ich taumelte, wie ein Betrunkener, vor mich hin. Es kostete mich jede Kraft, die ich noch übrighatte, nicht auf den Boden zu sinken und aufzugeben. Völlig außer Atem lief ich auf Ilse zu und kam vor ihr mit einem Keuchen zum Stopp. 

„Was ist denn mit dir los, Christian?“

Für eine Sekunde starrte ich sie lediglich an, unwissend, wen sie meinte. 
Christian. 
Ich war Christian. 
Er war Vergangenheit. Doch sie sollte es nicht wissen. Also stammelte ich weiter, im Versuch, mein Ich aufrechtzuerhalten.

„Ach, ich bin noch so schwach vom Training.“

Ich war stolz, dass mir so etwas eingefallen war. Es schien mir passend für Christian. Auch wenn ich mir bewusst darüber war, seit Jahren keinen Sport gemacht zu haben.
Sie zog eine Augenbraue prüfend hoch und bohrte ihre grünen Augen examinierend in mich hinein.

„Du bist noch ganz zerzaust.“

Schnell fuhr ich mit meiner nackten Hand durch meinen Schopf und starrte beschämt auf meine Füße. Ich musste schlimm ausgesehen haben. Ilse machte ich nichts vor, dem war ich mir bewusst. Sie durchschaute mich schon ab der ersten Sekunde, doch das nette Mädchen, das sie war, ersparte mir eine Erklärung.

„Komm schon. Großmutter wartet.“

Sie zog mich über die Türschwelle des Backsteinhauses, durch den Flur, hinaus in den bunten Garten, wo die alte Dame bereits auf uns wartete. Ich begrüßte sie mit einem laschen Händeschütteln und setzte mich auf den freien, metallischen Gartenstuhl. Er war durch die Sonne stark erhitzt worden und das schnörkelige Muster auf seinem polierten Eisen versenkte sich wie ein Brandmal in der Haut meines schwachen Rückens. Benommen von der Nacht zuvor rutschte ich auf meinem Platz umher.

Es war, als hätte ich verlernt, zu spielen. Ich konnte mich nicht daran erinnern, wie ich mein Blatt ausfüllen musste, um die Regeln zu befolgen. Und das, obwohl ich es den gesamten Sommer unzählige Male getan hatte. Generell konnte ich mich an nichts erinnern. Der letzte Tag lag noch immer in einem Nebel und ich konnte beim besten Willen nicht mehr wiedergeben, was ich gestern eigentlich so trieb. 

Verzweifelt beobachtete ich Ilse und ihre Großmutter beim Spielen und nahm ihre Verhaltensweisen auf. Nach einer Weile fing ich an zu verstehen und mischte mich, wie ich fand, gut unter meine Mitspieler. Ich würfelte, ich kreuzte die Zahlen auf meinem Blatt an und ich sagte Bingo. 
Verdutzt blickten mich beide an. 
Hatte ich etwas Falsches gesagt? 
Doch nach mehrfachem Prüfen stellte auch die alte Dame fest, dass ich gewonnen haben musste.
Mir war, als kippte die Stimmung am Tisch. So hatten wir doch nicht die letzten Male gespielt, oder? Ich wusste es nicht mehr. 
Also spielten wir eine zweite Runde und ich gewann erneut. 
Ilses Großmutter warf mir einen feurigen Blick zu und verschwand in die Küche, um uns ein Stück Kuchen zu holen.

„Was machst du denn da?“
Ilse lehnte sich vor und zischte mich wütend an.

„Was meinst du?“
Die alten Bingo Blätter wehten sachte in einer Brise im Wind.

„Was ist nur los mit dir? So wird das hier Stunden dauern.“

Ilse war nicht glücklich. Sie starrte mich an, als hätte ich ein Verbrechen begangen. Mein Kopf sank nun in meine Hände und ich rieb meine Schläfen.

„Ich … Ich weiß nicht Ilse.“
Ich war müde. Mein Kopf brummte, wie er es vor Wochen tat. Bevor ich sie getroffen hatte. 

„Es nimmt alles wieder seinen Lauf. Ich bin so müde, so müde, Ilse.“

Ich jammerte vor mich hin, noch immer mit dem Kopf in meinen Händen und den Ellenbogen auf der kalten Oberfläche des gewebten Tisches.

„Hast du denn nicht geschlafen, Christian?“

Sie nahm meine Hand, doch mir war unbehaglich zumute. Ich konnte es einfach nicht mehr. 

„Nein, nein … Ich …“
Stammelte ich eine Sekunde zu spät. Also nahm ich tief Luft und sah sie endlich an. Doch Ilse machte schon den Mund auf.

„Du heißt gar nicht Christian, oder?“

Ich beobachtete, wie ihre Worte ihre Lippen in Zeitlupe verließen. Sie sprach es wie ein Gebet, doch ich sollte nicht die Person sein, die gesegnet wird.

„Nein.“

Es war ein Moment leise und wir starrten uns an wie zwei Puppen, die voreinander gesetzt wurden und nicht die Kraft hatten, von der ihr gegenüber wegzusehen.

„Du warst an der Front, habe ich recht?“

Die Frage hing still in der Luft, doch sie verlor langsam an Bedrohlichkeit.

„Ja.“

Ilse sah mich an. 
Es war, als würde sie mich zum ersten Mal richtig ansehen. 
Überhaupt wurde ich für das erste Mal in meinem Leben richtig gesehen.


Schopenhauer

Schopenhauer erhob sich von seinem Meditationskissen. Wieder war es ihm nicht gelungen, das Denken völlig zum Schweigen zu bringen. Was, fragte er sich, wenn es darauf gar nicht ankommt? Das Erleben mentaler Stille, dachte er sich, ist schließlich auch nur eine phänomenale Erfahrung. Was, wenn man den mentalen Fluss einfach ignoriert? Was, wenn man einfach alle Erfahrung ignoriert, und sei sie noch so direkt oder subtil?

Er setzte sich zurück aufs Kissen. Diesmal konzentrierte er sich nicht auf den Atem, um den Gedankenfluss zu verlangsamen. Auch das Ziehen im Rücken ließ er links liegen. Er ließ die gesamte Zeit-Raum-Existenz links liegen.

Plötzlich war: nichts.  Und er war eins mit diesem Nichts, dieser Leere, dieser Dunkelheit und Stille. Noch im selben Moment offenbarte sich: Dieses Nichts, das er war, war voll. Es war der Grund aller Fülle. Es enthielt alle Welt.

Schopenhauer öffnete die Augen. Was er philosophisch begriffen hatte, das erlebte er jetzt: Alle Wirklichkeit war Vorstellung, alles Dasein war ein Traum. Er aber war im Realen angekommen. Sein Körper saß hier in Zeit und Raum, er aber war in jener Leere aufgelöst – die sich zu einer unermesslichen Fülle ausbreitete.

Bis zu diesem Moment hatte es geschienen, als ob sein Bewusstsein im Feld des Relativen verankert gewesen sei. Doch dieser Anker war nun verschwunden.  Und die Wurzel seines Wesens offenbar geworden. Seine eigentliche Wurzel. Die Wurzel seines wahren Wesens.

Schopenhauer erhob sich abermals vom Kissen. Er setzte sich an den Schreibtisch. „Sprache“, schrieb er, „versagt, wenn sie als Instrument zur Darstellung des Transzendenten dienen soll.“

Er legte den Stift zur Seite und lehnte sich zurück. Dann nahm er den Stift abermals in die Hand, besah ihn von allen Seiten, lächelte, küsste ihn. Er wusste: Das Schreiben hatte ihm gedient. Es hatte das Denken vertieft. Und das Denken hatte ihn aus dem Glauben an eine objektive Welt ins Reich des Subjektiven getrieben, bis an den Rand des relativen Bewusstseins. Und diese Arbeit war nötig gewesen, zumindest für ihn. Er hatte kraft des Denkens zunächst die Welt auflösen müssen – und dann auch sich selbst. So dass der Sprung ins Nichts im Grunde gar kein Sprung mehr war. Sondern eine ganz und gar natürliche Bewegung des Bewusstseins. Die folgerichtige Heimkehr zu seiner wahren Natur. Was er sich denkend erschlossen hatte, das realisierte er jetzt mit jeder Faser seines Wesens: Subjekt und Objekt waren eins. Und gleichsam nichts.

Wenn es aber darum ging, diesen Bewusstseinszustand zu beschreiben, dann versagte die Sprache. Der Verstand kam nicht mehr mit. Das subjektive Ich, das der Verstand verkörperte, existierte hier nicht. Hier war das Ich anderer Natur, hier war das Auge eins mit dem, was es sah. Und wusste gleichsam, dass es die Welt nur erträumte.

Und eben darin lag seine Lebendigkeit: seine zeitlose Lebendigkeit. Die Zeit war das Kind des Lebens des wahren Selbst. Das Leben als geborenes Wesen indes war das Kind der Zeit. Das wahre Selbst stand jenseits von Geburt und Tod, das wirkliche Leben war die Dauer selbst. Es war nicht abhängig von der Raum-Zeit-Mannigfaltigkeit, ganz im Gegenteil, die Mannigfaltigkeit war abhängig von ihm, das gesamte phänomenale Universum samt seinen Gesetzen war selbstauferlegte Form. Vom unsterblichen Selbst erschaffene Form, Wirklichkeit gewordene Möglichkeit, als relatives Bewusstsein Entstehen und Vergehen zu erfassen. Erträumte Wirklichkeit vielmehr, erträumte Trennung von Subjekt und Objekt. Die undurchdringliche Dunkelheit aber war die wahre Essenz jeder Trennung, jeder Form, ja des Lichts selbst.

Geborene Wesen waren ans Raum-Zeit-Feld gebunden. Sie durften von der Gebundenheit erfasst werden, sie durften Schicksal erfahren. Das aber, was sie da erfasste, das umfasste ihre wahre Essenz. Und während ihr Schicksal, ihr Leben und Sterben, in ihrer wahren Essenz enthalten war, blieb diese davon unberührt.

Schopenhauer schrieb kaum noch. Worte blieben belanglos. Die Konten waren geschlossen, die Bücher ausgeglichen, alle innere Notwendigkeit war aufgelöst. Der Körper war alt, dem Sterben nah. Das innere Feuer aber, das glühte wie nie. Manchmal fragte er sich, wie sein Leben wohl verlaufen wäre, wenn die Transformation früher stattgefunden hätte. Zweifellos bestand das höhere Glück darin, im Bewusstsein so harmonisiert zu sein, dass die tiefe Freude an der grenzenlosen Freiheit jederzeit die selbstauferlegte Form durchwirkte. Zweifellos hätte diese Harmonie ihre Früchte im Sein und Werden getragen. Aber leicht stellte er es sich nicht vor. Es war ja so schon schwer genug gewesen. Schon der negative Philosoph war den Menschen ja ein Dorn im Auge. Und jede Tiefendurchdringung der Welt zu schwer, zu viel. Er wäre wohl noch einsamer gewesen, dachte er sich. Vielleicht wäre er als Bettler verendet. Oder im Dschungel verschwunden. Jung gestorben wäre er. Die Schlangen hätten ihn verschlungen. Er hätte sich nicht gewehrt.

In seinem letzten Winter schrieb Schopenhauer seine letzten Worte: „Der Geist will hier nicht sein.“


Heldendämmerung

Zwei alte Männer in Pyjama stehen an der Kasse im Supermarkt. In jenem Stadtviertel, in dem Viertel, ein Viertel vom Viertel, also ein Achtel. Halbacht stehen sie. Dann Dreiviertelacht, es ist vorauszusehen, dass sie bis acht nicht stehen werden. Denn kurz
vor Zehn vor Acht rammt der Hintermann dem Vordermann seinen Einkaufswagen in die Kniekehle. Der Vordermann schlägt mit den Hufen aus, schlägt den Hintermann samt Wagen noch weiter nach hinten, worüber die dahinter Stehenden rückwärts taumeln.
Der Hinterkentaur stößt erneut zu. Der Vorderkentaur dreht sich um und schaut dem Hinter-Kentaur tief in die Augen. Da sich dieser von den stechenden Blicken nicht beeindrucken lässt, schlägt der Vorderkentaur mit den Hinterbeinen aus und schleudert
dem Hinterkentaur den Einkaufswagen weg. Es entbrennt ein heftiger Kampf. Aus der allgemeinen Kakophonie im Areal der Kämpfenden rings um die Kontrahenten kann man heraushören, dass einige Zuschauer den Hintermann unterstützen, der Vordere habe sich vorgedrängt, eingeschlichen, hindurchgepresst, nein, der Vordere sei im Unrecht, sagen die anderen, die Fans des Hinterkentaurs aber behaupten, der Vordere habe angefangen zu schubsen. Egal, mal sehen, wer stärker ist, wer sich durchsetzen wird. Unentschieden, noch ist alles unentschieden, ungewiss der Ausgang.
Inzwischen haben sich die meisten Zuschauer entschlossen unentschlossen zu bleiben, sie feuern jeweils jenen an, der gerade in Führung ist: Wer zuschlägt wird angefeuert. Ein Könner setzt sich auf die Kühltruhe und übernimmt die Rolle des Kommentators. Ein
anderer tritt in den Ring und übernimmt als Schiedsrichter. Indes entbrennt an der Nebenkasse ein zweiter Konfliktherd: Krimi und Bruni stehen vor der Kasse nebenan und streiten um den Vortritt.
Ein Teil der Zuschauer hat sich zurückgezogen, die Hinterbänkler, die schweigende jedoch nicht ganz schweigende Mehrheit. Da hört man nur murmelnde Laute, die man zur Zeit jedoch nicht deuten kann, wohin sie führen mögen. Noch immer ist alles
unentschieden.
Eine Zuschauerin will heraus aus dem Bedrängnis und wird noch enger eingeklemmt. Sie versucht, sich mit den Schultern Freiraum zu schaffen, kann sich aber wegen der sperrigen Gestalt vor ihr nur einige Millimeter bewegen, ihre linke Schulter rutscht ab, die Schulter der Herausstrebenden und die Schulter des Widerständlers reiben sich aneinander.
Indes hat Krimi Bruni bereits beleidigt, Worte sind gefallen, die einen langen Krieg mit sich ziehen werden und ein Hausverbot. Die eingeklemmte Frau kann nicht erahnen, was für eine Tragödie sich gerade einige Meter vor ihr an der Kasse abspielt, was für Rache-Züge in die Wege geleitet werden. Ihre linke Schulter rutscht immer wieder ab am Widerstand des Vordermanns. Sie möchte einfach heraus und seitwärts entfliehen, die historischen Dimensionen der Kämpfe sind ihr nicht bekannt, die Schulter tut weh,
Sperrmüll hat sich ringsum angehäuft.
Die Eingeklemmte schielt zur Ausgangstür. Da steht auch so ein breiter Typ und versperrt den einzigen Ausgang. Einer, der sich schon seit dem frühen Morgen darauf vorbereitet hat, sperrig zu sein, Hindernis zu sein für jene, die ausbrechen wollen, die
versuchen, zu entkommen. Vielleicht ist es auch ein Security Man und wartet auf Verstärkung. Ob jemand die Polizei verständigt hat? Jene dicht Gedrängten rühren sich nicht von der Stelle, wollen keine Sekunde die Zweikämpfe vor den Toren verpassen, sie
drehen alle die Köpfe nach rechts und dann nach links, synchron, um die Tennisbälle zu verfolgen.
Eine Welle fließt von innen nach außen und erreicht die Ränder des Publikums. Ein älterer kleiner Herr, der auch gerne etwas gesehen hätte, aber dieses nicht kann, versucht zwischen die Schulter der Vordermänner und Vorderfrauen zu lugen und wechselt ständig seinen Standpunkt. Bis er, rückwärts tretend, in eine Pfütze tritt. Mehrere Bierflaschen sind aus den Regalen gerollt und ausgelaufen, in der Pfützen suhlen sich Flusspferde, die jedoch an den sportlichen Wettkämpfen im Zentrum kein Interesse zeigen.
Der Sperrige vor dem Ausgang wird sehr heiter und lacht laut und ausgiebig. Daraufhin sehen alle in Richtung Hauptkampfplatz zu der Runde der alten Pyjama-Herren, der verkleideten Kentauren. Einer aus dem Publikum schreit: »Ich will ´raus!« Worauf der
Sperrige an der Tür hellhörig wird und strafend in die Richtung des Schreienden sieht. Dieser bleibt eingeschlossen.
»Ich will ´raus!« wird von der Menge jedoch als »…Krankenhaus!« verstanden.
Daraufhin rufen einige nach einem Arzt, ob ein Arzt im Raum sei.
»Ich will ´raus!« schreit es wieder aus der gleichen Ecke, und die anderen verstehen wieder. »Krankenhaus!«. Einer ruft die Sanitäter an.
»Platz da für die Sanitäter!« Ein vervielfältigter Schrei. Niemand weiß, woher die Sanitäter kommen, irgendwo zwängen sie sich durch die Menge, es sind aber keine Sanitäter, nur drei Jungs in roten Jacken. Die sich aber nicht fortbewegen, auch nicht auf
die Forderungen nach sofortiger Hilfe, obwohl keiner weiß, ob und wo die Verletzten zu finden seien. Es schreit aus mehreren Ecken »Hilfeee!«. Einer der Jungs in roten Jacken lacht ohne Grund, der zweite verlegen, der dritte lacht überhaupt nicht.

Ein neuer Fokus entsteht . Auf der Welle eines Strudels rotieren einige Zuschauer oben, auf den Köpfen und Schultern der anderen, werden wieder nach unten gezogen, die von unten nach oben gedrückt., Krimi und Bruni halten sich noch immer fest an ihren
Einkaufswagen und stoßen mit denselben aneinander.
Jeder versucht sich hinter seinem oder einem fremden Einkaufwagen zu verschanzen, festzuhalten, sobald er abhebt, einige klettern hinein und rollen sich ein. Inzwischen ist der wahrhaftige Rettungsdienst eingetroffen.
Der Sanitäter, der sich als als erster durch den Hauptpulk durchdrängen kann, hört knapp an seinem Ohr »Krankenhaus!« oder etwas anderes mit«..«Haus«« am Ende oder mit »aus« oder »´raus«. In dem Moment, als das missverständliche Wort sein Ohr mit
Wucht trifft, spürt er einen Schlag auf den Kopf und sackt in sich zusammen. Einer tritt ihm auf die Finger, darüber wird er wieder wach. Der Schläger ist jener, den er für den zu Rettenden gehalten hat, der aber nicht gerettet werden will. Er will nur noch nach Hause, nachdem er das Wort«..Haus!« so oft gehört hat. Alle wollten sie plötzlich nach Hause, die Zeit der Sehnsucht nach dem Zuhause ist angebrochen.
Der Retter aus dem Rettungswagen aber hat nichts zu lachen, zumal er sehr enttäuscht gewesen ist, als ihm eine sichtlich gesunde Person die Tür geöffnet hat. Es sollte aber eine kollabierende Person sein, eine Person, die imstande ist eine Tür zu öffnen, habe
kein Anrecht auf Rettung durch einen Rettungsdienst.
Von dieser Enttäuschung kann sich der Sanitäter auch nach Stunden nicht erholen, vom Schlag auf den Kopf erholt er sich rasch, er hat einen widerstandsfähigen Kopf. Der Retter jedoch hat nichts zu lachen, nichts zu trinken und nichts zu schnupfen. Und der zu
Rettende überragt ihn mehr als eine Nasenlänge, er hat auch Fäuste, die überzeugen können. Bis zu den Kantauren in Pyjama kann der Retter nicht vordringen.
An der anderen Kasse stehen noch immer Krimi und Bruni ,umzingelt von Zuschauern. Sie haben noch einige Schritte bis zum großen Tor. Die Zuschauer drücken sich von einem Kampfplatz zum anderen durch und berichten über den aktuellen Stand. Ein
Angestellter holt seinen Kollegen aus dem Lagerraum, damit dieser auch etwas sehen kann. Sie holen Stühle und stellen sich darauf, zwecks Übersicht. Auch geben sie dem Volk da unten Auskünfte über den Score. Aus den Rädern der Streitwagen funkeln Blitze, die Botschaften funken, sie wirbeln Staub auf, aus den Regalen fliegen Kaugummi-Päckchen an die Wände, vielleicht auch andere Packungen, die man kaum lesen kann im Flug und sie deshalb als Kaugummi-Päckchen bezeichnet, eine Verharmlosung, sie prallen an der Wand gegenüber ab und fallen auf den Boden, eine explodiert, weitere Retter stoßen voran und nähern sich dem Kern der Auseinandersetzungen, sie suchen gezielt nach verletzten Zuschauern aber auch nach solchen, die keine Zuschauer mehr
sind und in die Kämpfe eingegriffen haben, die zu retten ist schwieriger, die zu Rettenden wehren sich gegen die Rettung. Krimis Haar weht in einem Wirbelwind, aus den Rädern der Streitwagen sprühen weiterhin Funken, die Pyjama-Männer schreien, die Sieben mageren Jahre kämen, alle Fenster werden geöffnet, einhundertdreißig Flusspferde gähnen in ihren Pfützen, die Wagenschieber, die noch ihre Wagen schieben, schmachten und schniefen, Fähnchen schwenkend, Angestellte versuchen die Masse zu beruhigen, einer bläst ins Horn, worauf die Wagenschiebenden ihre Wagen frei rollen lassen und zum Ausgang galoppieren, doch der Sperrige steht da und hält die Wacht.
Die Flusspferde in den Pfützen gähnen weiter und weiter, irgendeiner am Ufer ruft »Wir müssen die Ranger holen!«, ein anderer hat bereits angerufen, die Stimme am anderen Ende der Leitung bohrt genüsslich in der Nase und sagt immer wieder »Ich habe Sie nicht verstanden, ich habe sie noch immer nicht verstanden«, je höher sie in der Nase vorankommt, desto weniger versteht sie, ihre Nase hat sich selbstständig gemacht vom Kopf. Die Nase wächst und der Kopf schrumpft, ich habe sie noch immer nicht verstanden, der andere sagt ja, ja , die Ranger kommen. Als die Ranger eintreffen, geraten sie mit den Sanitätern aneinander, ich habe sie noch immer nicht verstanden, schreit es unentwegt aus dem Handy, ein Angestellter sagt, es sei ein Automat mit Fabrikationsfehlern, den müssen wir aussortieren. Indes sind die Nasenlöcher der Frauenstimme auf dem Display planetengroß geworden hinter der Milchstraße und voller schwarzer Materie.


Er

Er lebt allein,
die Fenster zu,
das Haus verlässt er nicht.

Er lebt allein,
weil mit ihm sein,
das will ein Jeder nicht.

Er schließt die Fenster zu,
hat endlich seine Ruh‘,
denn Andre will er nicht.

Er sitzt zuhaus,
tag ein, tag aus,
denn Arbeit lohnt sich nicht.

Er denkt sich,
Geld, was bringt das schon,
beugen für den kargen Lohn.
Beugen für die Miete, Hohn,
Beugen für den eignen Sohn,
Beugen für die haushohen Emissionen,
Strom, Telefon und des Landes höchsten Thron.

Er sagt sich,
Nein, bloß ohne mich.
Als ob ich dämlich, wie die andern nämlich,
täglich, wie die Schnecken ähnlich,
aus dem Hause krieche,
nur um grämlich und erbärmlich,
und, wie ich rieche, siechend,
abends mich hier einzuschließen.

Er schaut nun aus dem Fenster raus,
sind da Kinder vor dem Haus?
Sowas will er gar nicht schauen,
die lauten Dinger, wie sie wimmern und Lieder trillern, braucht er kaum.

Ein andres Fenster fällt ihm auf,
drin sitzt ein Fremder, schaut hinaus,
schaut mürrisch, giftig, einsam aus.

Er flüstert,
immer diese Faulen,
die wollen ja unser Geld nur klauen,
wollen immer nur auf andre bauen,
und trauen sich nicht, mich anzuschauen.

Er hebt die Hand zur Scheibe an,
er klopft wie rasend, klopft, und dann-
dann sieht er, und es wird ihm bang,
der Fremde klopft im selben Klang.

Er sieht auch ganz so aus wie er.
Er sieht den ollen Stiesel,
und sieht sich selbst im Spiegel.

Und er, der Mensch, er sieht es nun.
Was er und andre Menschen tun,
das tun wir, um uns auszuruhen,
das tun wir nur zum wiedertun.


Die Mauer der Tränen

Ich ging zum Fenster, blickte durch die Gitter auf den verwaisten Innenhof. Im Flur hörte ich schon den Roboter, der das Frühstück verteilte. Ich stellte mich an die Tür, wartete, dass sich die Klappe öffnete und lugte über das Tablett hinweg hinaus. Kein Zeichen von Leben auf dem Flur. Wie immer. Der Roboter reichte mir das Tablett. “Guten Appetit!”

Ich nahm das Tablett, stellte es auf den Tisch, aß ein paar Happen, stand dann reglos mitten im Zimmer und wartete, bis die Wand  aufging. Der 3D-Simulator fuhr aus, die Tür öffnete sich. Ich stieg hinein. Der Sessel fuhr aus, ich setzte mich. Ich wählte wie immer das Programm ‘Virtuelle Reisen’, wie immer ‘Alleinreisend’. Dann ‘Segelboot’, ‘Pazifik’, ‘Zufällige Koordinaten’, ‘Zufällige Wetterverhältnisse’ und ‘Ohne Steuerautomatik’. 

Wie immer knotete ich mich gleich am Anker fest und sprang vom Bug ins Meer. Der Anker riss mich mit in die Tiefe, Mit jedem Meter wurde es dunkler und kälter. Bald schon erste Zeichen von Sauerstoffmangel, das Adrenalin schoss mir ins Blut, der Körper inszenierte die übliche Panikreaktion. Ich blieb ganz ruhig, auf das Gefühl des Sinkens fokussiert. Schließlich verlor ich das Bewusstsein und trat aus dem Körper in den Geist. 

Elisa und mein Vater begrüßten mich, wir spazierten eine Weile den ewigen Fluss entlang. Dann flogen wir flussaufwärts zur Quelle, tauchten ein, verloren uns, tauchten wieder auf, fanden uns wieder. Elisa brachte uns in eine neue Welt. In eine Welt im Bau vielmehr, noch war sie nicht bewohnt, noch flossen die Ideen ein. Es war ihre Welt, ich erkannte es sofort. Das Prinzip der Harmonie stand im Vordergrund, Wachstum zur Blüte hin. Inspiriertes Herz, Einzigartigkeit der Entfaltung. Was hier einmal leben würde, würde unvergleichlich sein und immer bleiben. Weil es sich auf seine eigene, unverwechselbare Art stetig neu erfinden würde. Eine Künstlerwelt, aber weiblicher Natur. Kein Glasperlenspiel, keine ätherischen Sphären geistiger Klarheit, sondern Schöpfung des Herzens, Spiele der Liebe, der Form zugewandt, in der Schönheit zuhause. 

“Ihre virtuelle Reise endet in zwei MInuten”, hörte ich die weibliche Computerstimme ankündigen. Ich verabschiedete mich. trat zurück in den Körper und schlüpfte aus der Maschine. Die Maschine verschwand zurück in der Wand.  

Ich legte mich erschöpft ins Bett. Jedes virtuelle Ertrinken schwächte die physische Lebenskraft. Es ging natürlich keine Kraft verloren, das geht sie ja nie, die Kraft verlagerte sich bloß. Ich merkte das allein schon daran, wie angenehm das virtuelle Sterben geworden war, wie leicht der Übergang fiel, wie tief ich ins Geistige sank. 

Nach einer Weile ging die Wand abermals auf. Der Monitor fuhr aus. Ich stand aus dem Bett auf und setzte mich davor. 

“Guten Morgen Herr Anton. Wir wollen uns heute noch einmal Ihrer Vergangenheit widmen. Bitte nennen Sie die drei einschneidendsten Erlebnisse Ihres Lebens.”

“Eins:Die Geburt meiner Tochter.”, sagte ich nach kurzem Nachdenken. 

Dann zögerte ich kurz. “Einschneidend”, das klang nach scharfer Klinge und Blut, nach Wunde und Trauma. Ich fragte vorsichtshalber nach. 

“Hier einige Synonyme für den Begriff “Einschneidend”: Tiefgreifend. Wegweisend. Prägend.”

“Okay”, sagte ich, “dann habe ich es richtig verstanden”, korrigiere meine Antwort aber trotzdem: 

“Erstens: Meine Tochter zum ersten Mal im Arm zu halten.”   

“Das kann ich mir vorstellen”, lächelte die AI. 

“Zweitens: der Selbstmord meiner Tochter.”

Abermals kam ich ins Nachdenken, auch das schien mir eigentlich nicht korrekt. Ich war schließlich nicht einmal zugegen gewesen, hatte nicht einmal ein genaues Bild dazu im Kopf. “In der Leichenhalle ihre kalte Hand zu halten”, korrigierte ich.

PTA 47 senkte den Blick, nickte fast unmerklich, ein Moment schweigenden Mitgefühls. Simulierten schweigenden Mitgefühls, versteht sich. PTA 47 war der Psychotherapeut unter den humanoiden Robotern im “Gesundheitszentrum”. Tiefenspsychologisch programmiert. Daher auch das simulierte Interesse an meiner Lebensgeschichte.

“Drittens: Meinen Vater tot aufzufinden.”

Auch das stimmte so eigentlich nicht. Als ich unter Deck gegangen war und ihn reglos in seiner Koje hatte liegen sehen, hatte ich ja nicht gedacht: “Mein Vater ist tot.” Sondern versucht, ihn wachzurütteln, ihn wach zu schreien. Aber vergebens. Und so war ich zurück an Deck gerannt und hatte in Windeseile die Küstenwache alarmiert, den Anker gelichtet, den Motor angelassen und das Boot mit durchgedrücktem Gashebel zurück in den Hafen gelenkt. 

“Die Krebsdiagnose meines Vaters”, korrigierte ich. 

Ich hatte mit im Sprechzimmer gesessen. Und war in dem Moment zum ersten Mal in meinem Leben in mir zusammengesunken. Ich muss damals 12 gewesen sein. 

“Die zwei Jahre mit meinem sterbenden Vater”, korrigierte ich kurz darauf abermals.

Vor allem die Wochenenden auf dem Boot. Sein Wunsch, mir die Liebe zum Segeln zu vermitteln. Die Liebe zum Ozean. Seiner Weite. Und Tiefe. Die Liebe zur Freiheit dort draußen. Zur Unberechenbarkeit, die zur Freiheit gehört. Zur Unberechenbarkeit des Windes, der Wellen, der Strömungen, des Himmels. Zur ständig lauernden Gefahr,  zur täglichen Herausforderung und Anstrengung, zur Verantwortung füreinander. Und die Liebe zur Ruhe nach jedem Sturm, für das Glitzern des Wassers in der Morgensonne, für die Seevögel, die uns jeden Tag besuchen kamen, für die Gruppen von Delfinen, die uns hier und da eine Weile lang begleiteten. Für den nächtlichen Blick hinauf zum Sternenhimmel. Für jeden Sonnenauf- und -untergang am unendlichen Horizont. Und nicht zu vergessen. Die Liebe für das Boot. Bis in die kleinste Batterie, bis in die hinterste Dichtung, bis in die letzte Schraube hinein. Mein Vater zeigte und erklärte mir das alles nicht nur, sondern ließ mich auch überall selbst Hand anlegen, bis er sicher war, dass ich nicht nur das Segeln beherrschte, sondern auch das Boot kannte, es fühlte, ihm die nötige Pflege und Wartung zukommen ließ und jede anfallende Reparatur eigenständig durchzuführen in der Lage war. Die Tage waren dem Boot gewidmet, das einmal mir gehören sollte. Die Abende aber galten meinem geistigen Erbe. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist: die Geschichten aus seiner Kindheit. Die schönen frühen Erinnerungen. Bis zur Machtübernahme Pinochets, der Ermordung Allendes, der Verhaftung seiner Eltern. Mich beeindruckte vor allem sein grundsätzlicher Blick auf das Leben, der seine Geschichten durchzog. Mein Vater verstand die Welt und auch die Menschheit als Einheit. An persönliches Schicksal glaubte er nicht. “Mein Krebs ist nicht mein Krebs”, sagte er oft. “Was einem Menschen widerfährt, widerfährt unweigerlich allen Menschen. Jeder einzelne erlebt und trägt das Leben jedes anderern mit.” 

Auf seinen Grabstein ließ mein Vater sich einen Auszug aus Allendes letzter Rede eingravieren: „Arbeiter meines Vaterlandes: Ich vertraue auf Chile und sein Schicksal. Andere werden diesen grauen und bitteren Moment, in dem der Verrat die Oberhand gewinnen will, überwinden. Seid weiterhin im Wissen, dass sich viel früher als später die großen Wege wieder öffnen werden, auf denen freie Menschen wandeln werden, um eine bessere Gesellschaft aufzubauen…“  

“Es muss eine schlimme Zeit gewesen sein”, simulierte  PTA 47 abermals Mitgefühl.

“Unsere Zeit ist um”, sagte der Roboter schließlich. “Auf Wiedersehen, Herr Anton.”

PDA 47 verschwand vom Bildschirm, LFP 6 erschien. LFP 6 hatte mich seit der Inhaftierung hier begleitet. Und war als leitender forensischer Psychiater maßgeblich dafür verantwortlich, dass ich immer noch hier war.

“Ist die Wut noch da, Herr Anton?”

“Nein.” 

“Aber auf bestimmte Menschen schon noch, oder?”

LFP 6 bezog sich natürlich auf den eigentlichen Grund meiner Inhaftierung. Elisas Lehrer hatten sich bedroht gefühlt, ihre Mitschüler, einige ihrer Freundinnen und Freunde. Und selbst ihre Mutter. 

“Nicht mehr”, sagte ich. “In den Wochen nach Elisas Tod suchte ich noch Schuldige, da brauchte ich die Wut noch. Als Puffer. Den reinen Schmerz habe ich erst hier gefühlt. Allein in meiner Zelle. In dem Moment ist alle Wut verpufft.”   

Es stimmte tatsächlich. Es stimmt grundsätzlich, denke ich. Zunächst ist Schmerz einschneidend. Letztlich aber erweist er sich als herausschneidend. Das Leben als großer Chirurg, als Anatom vielmehr, der heimlich dein Wesen seziert. Leben als Weg des Tao: Immer mehr von dir fällt weg, immer weniger von dir ist hier: Du selbst wirst aus der Welt herausgeschnitten. Was dann noch übrig ist von dir, das ist deine Wirklichkeit.

“Und Haben Sie noch Schuldgefühle, Anton?”

“Nein, eigentlich nicht.” 

“Eigentlich?”

“Schuld, aber ohne Selbstanklage. Verantwortung. Aber im Sinne unvermeidlicher Verfehlung. Ich war mit 14 schlimmer dran als Elisa. Eine Mutter gab es nie. Und als mein Vater starb, kam ich ins Heim. Trotzdem, sagt mein Herz, hättest du da sein müssen für deine Tochter. Ich weiß das auch. Ich wusste es auch damals schon. Spätestens seit unserem letzten Wiedersehen. Ich arbeitete damals in Santiago de Chile, und wir trafen uns in ihren Schulferien auf den Galapagos-Inseln. Ich kam nicht mehr an sie ran. Was mit ihr los war, sagte sie nicht. Ein Segelboot mieten wollte sie nicht. Auch nicht die Riffe entlang schnorcheln. Oder die kleineren Inseln erkunden. Sie wollte nur auf Isabela bleiben. Nur dort spazierengehen. Aber nicht etwa am Playa de Isabela oder an der Hafenpromenade, sondern immer denselben fünf Kilometer langen Pfad hinauf zur Muro de las Lágrimas, der Mauer der Tränen. Da wollte sie jeden Tag hin. Und dort den ganzen Tag lang sitzenbleiben, bis zum Sonnenuntergang.”

LFP 6  aktivierte seine automatische Suchfunkton und holte sich alle Informationen zur Mauer der Tränen ein: “Zwischen 1945 und 1959 gebaut. Aus riesigen Lavasteinen bestehend. Über 7 Meter hoch, etwa 100 Meter lang.  Gefangene einer von der Regierung auf der Insel eingerichteten Strafkolonie wurden gezwungen, große Vulkangesteine aus den Steinbrüchen herauszuschlagen und mit bloßen Händen auf den Hügel zu schleppen.  Dort mussten die halbverhungerten Männer das Unmögliche vollbringen, nämlich die riesigen Steine auch noch in die Höhe katapultieren, eine Mauer zu bilden — und das alles im Wissen,  dass der Bau einzig und allein ihrer Tortur diente.  Denn sie Mauer stand irgendwo ins Nirgendwo, einfach so mitten in der Landschaft, ohne jeden Sinn und Zweck. Die offensichtliche Zwecklosigkeit ihrer Arbeit war Teil der Tortur der Gefangenen. Erlösung brachte nur der Tod. Das Sterben aber,  das war langsam, das war schwer, das war ungeheuer qualvoll. Viele verhungerten, andere erfroren, wieder andere verbluteten an den Wunden aus den Schlägen oder wurden vom Gestein zermalmt. Viele brachen einfach tot zusammen. Fahren Sie bitte fort, Herr Anton.” 

“‘Ich höre dort oben die Schreie und Klagen der Menschen’, sagte Elisa einmal, als wir am Hafen zu Abend aßen. ‘Aber als Flüstern. Die Steine flüstern, Papa.’ Ich sah damals zwar, wie stark Elisa sich verändert hatte. Wie ernst und still sie geworden war, dass sie oft traurig drein blickte, sich in sich zurückgezogen hatte. Aber ich begriff es nicht. Weil ich das Flüstern damals selber noch nicht hörte, noch nicht hören konnte.”

“Bitte drücken Sie nun die Enter-Taste, Herr Anton. Auf Wiedersehen.”

Als ich auf Enter drückte, erschien ein weiteres humanoides AI-Gesicht auf dem Bildschirm. “Ich bin Dr. Helios 3. Das war Ihr letztes Therapiegespräch. Und die letzte psychiatrische Evaluation. Ihre Behandlung wird als Erfolg eingestuft. Aktueller Grad der Fremdgefährdung: 0,7 Prozent, Normbereich. Aktueller Grad der Eigengefährdung: 1,4 Prozent, Normbereich. Ihre Entlassung wird vorbereitet. Genauer Termin: Morgen, Montag, den 14.März, 9.15 Uhr.” 

“Ich komme morgen frei?”

Ich sah  mich schon die Klinik verlassen. Mit dem Taxi direkt zum Hafen, das Boot ausgiebig inspizieren, alle Verschleißteile, Batterien und natürlich Flüssigkeiten erneuern, Proviant kaufen und dann hoffentlich schon nächste Woche raus auf den Pazifik, weg für immer. 

“Sie kommen ins Kompetenzprogramm. Wir als Gesundheitsprogramm entlassen Sie.”

“Kompetenzprogramm, was ist das?”

“Ihr persönliches Profil an Fähigkeiten und Potentialen wird ermittelt, ein praktisches Aufgabenfeld eruiert.”

“Und wo genau komme ich da hin? Und für wie lange?” 

“Ein Ortswechsel ist nicht nötig. Die Dauer hängt davon ab, inwiefern Sie im Hinblick auf das eruierte Aufgabenfeld einer Weiterbildung bedürfen. Der etwaige Ausbau von Fähigkeiten ist noch Teil des Kompetenzprogramms.”

“Und dann, nach dem Kompetenzprogramm?”

“Erfolgt Ihre Entfaltung als freier Bürger. Aus unserer Sicht steht dem nichts mehr im Wege. Viel Erfolg, Herr Anton.”

Der Computer schaltete sich aus, der Monitor verschwand wieder in der Wand. 

Das Kompetenzprogramm dauerte nur einige Tage. Wider erwarten bestand keinerlei Interesse an meiner Laufbahn als Maschinenbau-Ingenieur.

“Ihre Kernkompetenz ist geistiger Natur”, hieß es. “Ihre Entfaltung kann vor Ort stattfinden. Der 3D-Simulator wird Ihnen von nun an Tag und Nacht zur Verfügung stehen, die zeitliche Begrenzung der virtuellen Reisen wird aufgehoben.”

Erst jetzt begriff ich: Sie wussten Bescheid. Ich ging davon aus, dass der Simulator meine geistigen Schritte verfolgte, und beschloss, ihn zu meiden. Nach dem Abendessen legte ich mich ins Bett und versuchte zum ersten Mal, ohne Hilfe des 3D-Simulators aus dem Verstand zu gelangen. Zunächst benutze ich die Bilder aus meiner Erinnerung an virtuelle Reisen. Doch so lebhaft ich mir mein Ertrinken auch vorstellte, ich kam nicht raus aus meinem Körper. Schließlich ließ ich die Imagination außer acht und fokussierte mich auf den Moment des Sterbens. “Geist hier”, suggerierte ich mir beim Einatmen. “Körper weg” beim Ausatmen. Es funktionierte. Nach einer Weile trat die physische Dimension in den Hintergrund, schließlich war sie ganz verschwunden, und ich hatte keinen Körper mehr. Vor mir die Unendlichkeit, drehte ich mich um und sah mir die Dimension, in der mein Verstandeskörper gefangen war, von außen an. Ich sah mich in meiner Zelle liegen, Dann sah ich ihre Monitore. Und lauter Kabel, die in meine Zelle führten. Offensichtlich wurden über nicht-invasive Sensoren  biometrische Daten aller Art über mich erfasst. 

“Delta: Traumloser TIefschlaf”, las ich auf einem der Monitore. 

Die Biometrik gab also nichts preis. Konnte sie ja auch nicht, der Körper blieb schließlich in dieser Dimension zurück. Samt Hirn. 

“Mentale Bewegung: 0” las ich.

“Mentale Bilder: n/o.”

“Aktueller Gedanke: n/o.”

“Gefühlsstatus: n/o.” 

Gedanken und Gefühle , Erinnerungen und Pläne konnten sie also lesen. Über meine Wirklichkeit wussten sie hingegen nichts. Sie sammelten ganz offenbar auf indirektem  Weg Daten über die geistige Welt. Was sich nach der Rückkehr als Erinnerung spiegelte, was ich mental reflektierte und dazu fühlte, das registrierten sie. Und ich sah, zu welchem Zweck sie das taten: Sie bauten an einer geistigen Landkarte. Sie erstellten eine Art Plagiat der Wirklichkeit. Aber eines, das sie kontrollierten. Eines, das Seelen für das Original hielten, in dem sie sich zuhause wähnten, derweil sie gefangen waren.

Ich rief Elisa und meinen Vater herbei und wir diskutierten meine Optionen. Eine Möglichkeit war, einfach nicht mehr zurückzukehren, jenen Körper einfach zurückzulassen. Doch das fühlte sich nicht richtig an. Und so verfolgten wir Elisas Plan: die Mauer der Tränen als Portal zu nutzen, um die physische Dimension zu manipulieren. Mittels der aus Qualen gewonnenen kosmischen Autorität der Toten mein Boot in den Hafen von Santa Isabela und mich auf den sagenumwobenen Hügel der Insel zu katapultieren.

Seither tingel ich auf dem Pazifik herum. Ohne Bordelektronik, versteht sich. So findet mich niemand. Ich navigiere, wie man es bis Anfang des 20. Jahrhunderts tat: per Kompass und Intuition. Elisa ist viel bei mir. Oft als Seevogel, manchmal als Delfin. Immer öfter aber bin ichbei ihr. Dann ist mein Körper Teil der Wirklichkeit, dann ist der Ozean der Geist, dann durchquert das Boot die zeitlose Unendlichkeit. “Wenn ich gewusst hätte, dass das möglich ist, dann hätte ich mich  nicht auf die Gleise gelegt”, sagte Elisa neulich. 

“Ich wusste es auch nicht”, erwiderte ich.  

“Jetzt wissen wir es”, sagte sie. “Und das ist gut. Von nun an reisen wir in diesem Wissen.”

Einmal im Jahr gehe ich auf Isabela an Land und besuche die Mauer der Tränen.  Heute sehe ich anders. Heute höre ich auch anders. Heute weiß ich: Allende machte Hoffnung, wo keine ist. Weil sie auch nicht nötig ist. Weil die Wirklichkeit anderswo ist.  Der Körper täuscht. Das Hirn täuscht. Die Welt täuscht. Die Welt ist die Mauer der Tränen, und ich höre ihr Klagelied in jedem Stein. Ich höre die Steine jetzt flüstern, ich höre das Leben mich rufen, ich höre die Gedanken der Toten. Sie erzählen nichts von einem Tod, sie erzählen nur vom Leben. Vom echten Leben, von freien Wesen auf den großen Wegen.


Chronik der Beliebigkeit

Wortanfälliger Fragenkatalog
Nennen wir es zunächst Wortschwall und suchen gute Beispiele dafür. Also ungebremst ins Metier: kann man eigentlich auch beispielen, so wie man abspielt oder vorspielt und den Ton nicht trifft? Der Schwall ergießt sich heftig. Die Worte schießen nur so hervor – sollten Worte tatsächlich der Ballistik folgen und eine Kurve beschreiben oder beschreiben wir die Kurve, die sie nehmen? Können Worte etwas nehmen oder sind sie eher etwas hilflos Erbrochenes, das herausmusste, um Druck zu lindern? Was löst diesen Schwall aus, der so beherrschend eruptiv sein kann oder gar durch eine Explosion erfolgt, die das ganze Umfeld mit Worttrümmern versilbt? Puzzeln wir uns Worte zusammen? Und welche reichen aus als Mitteilung?

Wir verfassen unentwegt Nachrichten aus den Worten, die uns zur Verfügung stehen, ohne gewiss zu sein, dass wir damit die Realität abbilden können, weil es schwer ist, die richtigen Worte zu finden, zumal die Realität stets eine subjektive ist und sich verändert, sobald wir ihr den Rücken kehren …

Katastrophe in Substantiven // Häuserzeile / Bäckerei / Fachwerkhaus / Friseur / Hofeinfahrt / Autos / Tretroller / Mülltonnen / Kopfsteinpflaster /Unkraut / Schaukel / Keller / Kinder / Zigaretten / Streichhölzer /Leitungsrohr / Leck / Explosion / Rauch / Feuer / Hitze / Scherben / Trümmer / Sirenen / Bremsen / Stiefel / Helme / Befehle / Schläuche / Wasser / Leitern / Schreie / Panik / Hände / Beine / Stürze / Absperrung / Glutnester / Qualm / Schlamm / Rinnsale / Stille

Verhütter der Worte: verschmelzen, neu formen, Torsi bilden mit viel Freiraum zum Umatmen . Aber Obacht! Wortsünder werden bestraft, denn nicht alles, was neu ist, ist auch erlaubt. Die offizielle Lesart gibt das Unaussprechliche der Wortlosigkeit hin ohne Bewährung oder Revision. Das Unaussprechliche ist allemal vorstellbar, aber wenn es passiert, werden wir dann wortlos oder erst, nachdem es passiert ist, weil es uns dann passiert und die Worte im Vorübergehen mitgerissen hat? Wir finden Worte in jeder Suchmaschine, aber wenn wir sie benutzen, sind es nicht die unseren. Worte sind an sich – wir können sie uns nicht zu eigen machen, es sei denn, wir machen eigene Worte. Und wenn sie aufhören? Halten wir doch einen Moment inne – wenn die Worte aufhören, nicht mehr da sind, uns verlassen und sprachlos machen, wofür wir aber andere Instrumente erhalten, solche wie der Liebe vorbehaltene Rauchzeichen, auf Schweinehäute geklopfte Grußbotschaften, Geständnisse in Moos, Abschiede in Hanf, die wieder nur Worte sind …

Vorgang (Unterschrift fehlt) // eingereicht / abgestempelt / eingeordnet / verwaltet / auf Wiedervorlage / letzte Hoffnung

Zerreden wir, was wir sagen wollen oder reden wir es herbei, bevor wir wissen, was zu sagen Not täte? Und wenn wir alles zu Ende geredet haben, was fängt dann an? Noch einmal – wollen wir Nachrichten senden oder genügt es, Sprache als Ansammlung von Worten zu definieren, damit es einen Sinn ergibt, Worte zu verwenden, gleich ob Sprache dabei ihr Ende erreicht?

Guter Ansatz // Wie wäre das: ein Gedicht aus Zauberworten / wie Zeitraumfidelium´ oderNesselsuchtverhalten´ / in dem der Leser selbst Verbindungen suchen muss / und sich empören darf über die Unfähigkeit des Autors

Und der Wortschwall – wohin ergießt er sich? Nur Leere kann gefüllt werden. Sind wir leer, zur Aufnahme bereit? Sind wir empfänglich für Worte, die zu einer Sättigung und deshalb in der Folge zu einem geringeren Bedarf an Worten führen müssten? Kann man sich an Worten überfressen so wie man sich heißhungrig über eine Schachtel Pralinen hermacht? Verderben die überzähligen Worte, die wir uns nicht einverleiben? Trocknen sie aus? Verflüssigen sie sich? Oder bleiben sie einfach, stauen sich an, bis sie wie eine Dammkrone brechen und eine Wortflut über uns kommen lassen, die uns umtost und den Grund wegschwemmt, auf dem wir sprechen?

Das Drama der Sprache // Sprecher: Die Wissenschaft postuliert, dass wir in jeder Sprache jedem Tier überlegen sind, weil wir Menschen sind. / A: Macht uns jede Sprache überlegen? Und wer unterliegt? Tiere kennen nicht die Schmach einer Niederlage. / B: Ich bin Wissenschaftler. Meine Sprache ist kompliziert. Werden Menschen zu Tieren, weil sie meine Sprache nicht verstehen? / C: Mein Vater sagt nie etwas, aber wir gehorchen ihm. Gehorchen wir einem Tier? / A: Ich kenne viele Tiere, aber ich rede nicht mit ihnen. / Sprecher: Es geht nicht ums Sprechen, sondern um das, was man dazu verwendet. / B: Worte? / C: Gedanken? / A (verschämt): Gefühle?

Das Motiv für die Verwendung von Sprache kann eine ungeheure Vertuschungsaktion sein. Je mehr Worte wir aufhäufen, desto leichter können wir uns dahinter verstecken. Hinter Worthalden verschwinden wir völlig. Was überwiegt, wenn wir schreibend künsteln? Ist das tatsächlich nur Intuition? Oder Schreiben wir dann automatisch, reicht unser Unterbewusstsein bis ins gedruckte Wort? Ist das die Kunst, den Wortschwall zu kanalisieren? Oder ringen wir um Worte, die dem Wortschwall entrissen, unser Werk erst ermöglichen sollen? Sind die Worte, die wir wählen, trügerisch oder ist es unsere schöpferische Überheblichkeit, die uns blendet, wenn wir, statt Wortkunst zu schaffen, nur Sprachmustern folgen? Wie konstruiert sind unsere Abbildungen des Lebens? Was ist lebendig daran, wenn wir zielgerichtet umschreiben, was ohne uns keines Zieles bedurft hätte? Foppen uns die Worte, wenn wir um Eindeutigkeit bemüht eine Auswahl treffen und mäandert womöglich ihr Sinn noch, während wir sie verdichten zu einer Nachricht, die am Ende, zum Gegenteil verkehrt, verheerenden Bestand hat?

Der Weg // Einst ging ich / sehnsüchtig /das Ende erwartend / einen Weg / entlang / doch der Weg / wollte kein / Ende nehmen / von Fremden / nehme ich / nichts / meinte er

Ist jeder Text eine künstliche Welt, im Grunde nur dem zugänglich, der sie erschaffen hat oder besteht die Kunst darin, Eintrittsmöglichkeiten zu erschreiben für Wortinteressierte, die Vergleiche mit ihrer Welt zulassen wollen? Sind die in Worte
gefassten Szenerien, die fühlenden und handelnden Charaktere eigentlicher Gegenstand des Schreibens oder müssen sie Staffage bleiben für die Zurschaustellung einer fragilen Innenwelt, die in sich stimmig sein mag, aber nur durch die Draufsicht von außen überprüfbar gemacht werden kann?

Besetzung // Eine Regenhusche / kommt darin vor / die den Boden zum Dampfen bringt / zwei träge Hunde auf dem Trottoir / liegend mit heraushängenden Zungen / kommen darin vor/ und einige wenige Passanten / die einfach um sie herum gehen / die blendende Sonne / kommt jetzt darin vor / und der schreibende Mann am Fenster

Aber was, wenn der vertraute Wortschwall einen gar nicht mehr befällt, wenn er durch die Abwesenheit von Worten ersetzt wird? Was tun, wenn das zu Beschreibende sich einer Beschreibung entzieht? Konstruktives sprachliches Innehalten – was ist schlecht daran, sich nicht äußern zu müssen? Was, wenn unsere Botschaft stumm ist, ein Schrei ohne Laut, ein Werk ohne Zeichen, erhaben in seiner Unerreichbarkeit? Was besagt die lautlose Botschaft, Botschaften zu verweigern, was sagt sie den Zuhörern, die lauschen und warten und der Anstrengung erliegen, nichts zu vernehmen? Wenn die Stille zum Medium wird, wie universell lässt sich dann berichten vom Unaussprechlichen? Und die fragenden Blicke des Publikums, werden sie dann nicht doch selbst zum Bestandteil einer Aussage, Facetten, vom Künstler fein komponiert aus den erzeugten Hilflosigkeiten?

Schweigen beherrscht die Gespräche / in den Straßencafés / nur die Smartphones zwitschern / unerhört beim Prosecco / der betäubend laut perlt

Sollten wir auf das Spiel mit den Worten verzichten zugunsten einer Außenwelt, die wir ohnehin leben? Ist die Konfrontation mit fremden Innenansichten für jene verkraftbar, die schon ihre eigenen nicht zu fassen kriegen? Machen wir viel her für
wenige, die in der Lage sind, sich auf unser Spiel einzulassen? Spielen wir überhaupt oder werden wir nicht letztendlich gespielt ein jedes Mal, wenn uns jemand zuhört?

Ein zartes Lied nur / das sachte verklingt / während die meisten schon schlafen / erfüllt von Orchesterträumen / in denen ein Bilderbuchdirigent / mit eingeübten Gesten / im Pinguinkostüm für Ordnung sorgt

Bezechter Philosoph auf dem Heimweg vom Stammtisch

Laternenbunte Regenpflaster. Den Schritt fest im Griff, damit er sich nicht der Weinlaune fügt. Gespräche schwirren. Die Welt mit den Kelchen angeschoben. Strahlendes Bewusstsein der Berauschten. Der Fuß hallt zwölfmal durch die Gasse. Die Ecke schlurft. Weiter Durchgang zum Marktplatz. Referenz dem Siegesbrunnen. Soviel Wasser floss seither im Kreis. Alles wieder aufgebaut. Nichts erinnert an die Vergangenheit. Falscher Stolz glättet auch zerklüftetste Fassaden. Feist sind die Greise in der Tram, feist die Söhne in der Spur. Die Jugend wird auf die Stehplätze verdammt. Noch immer begegnet man Menschen mit Koffern am liebsten nachts. Ihre Schatten vermitteln umfangreiches Gehen. Und sie haben keine Hand frei. Die Stadt schwillt an. Hellenen in die Ghettos, aber Platon vom Pult. Es regnet immer. Selbst das Katzenkopfpflaster schwitzt. Wo noch hin? Toxikologen haben beste Aufstiegschancen. Die Banner der Geisteswissenschaften auf Halbmast. Dass der Fortschrittsglaube überwunden ist, offenbart sich als Ente. Er lauerte nur in der Etappe. Materialschlachten der Tierverwerter zu unserem Wohl. Und wie die Dame riecht! Sie trägt Läuse auf den Lippen, die Verheißung von Beischlaf unter Großmutters Tüll. Turnkünste, Hochglanzenzyklopädien entnommen, mutieren zum Standard. Nur der archaische Schrei noch weckt den Beschäler, über der
Anwendungsvorgabe entschlummert. Die Zucht bringt Resultate. Ignoranz erwecktschon Liebe. Die Rotation unterm Scheitel enthemmt, und morgen geben sie sich wieder den Mördern hin. Entblößende Flächen zu überbrücken ist eine nächtliche Ertüchtigung. Aber wohin auch der Blick, er stößt an Ecken. Dabei täte uns das Runde gut. Woran schmiegt sich der Flüchtige? Was birgt den Zerschlagenen? Die runde Welt ist unser Halt. Kanten schuf der Mensch, sich zu verletzen. Pfauenbrust bei frühen Wunden. Und all dies Gejammer. Hat die Wölfe nicht erkannt in seiner Herde. Da fehlte der nötige Biss, wie auch die Erkenntnis, dass die wichtigste Erfahrung erwartungsgemäß den Tod bringt. Angst besiegt das Hirn vor dem Arm, der das Schwert führt. So entstehen Dynastien. Die Herrschaft bleibt. Das Blut wird Geschichte. Fehler stets zur Imitation genutzt. Das ist der Ursprung der Lernfähigkeit. Sind sämtliche Lektionen geschafft, folgt die absehbare Niederlage gegen die Endlosschleife der Gewöhnung. Dennoch unbeirrt voran: das ist Energie! Nach dem Markt Konflikt der großen Lichter, in Muttererde verankert, den Spieß bei Fuß. Der Nachtschwärmer im Flutlicht, unbeholfen, vertränt. Der Mond fixiert die Recken. Fast kreuzen sich der Speere Schatten im Zentrum, das sich senkt und den Untergrund heraufwesen lässt. Zuviel Regen die Nacht. Was da aufsteigt, sollte unten bleiben. In Chroniken heißt es, nur die Ratten hätten überlebt. Heutige Systeme sind leicht zugänglich, Ausrottung nach Tarif geregelt. Institutionalisierter Kampf, Sieg programmiert, gegen urtümliche Schrecken, von den aktuellen abzulenken. Der Mensch scheitert an Finten, seine Führer am Geist, der in den Tiefen wabert. Die Guerilla gedeiht in guten Stuben, wo sich die alten Tapeten rollen. Muster entstehen so, denen es zu folgen lohnt. Was nutzt da noch die Restauration der Macht? Und wenn sie den Kleister subventionieren wollte: der Schwamm bleibt in den Fugen. Doch er wuchert nicht üppig. Sein Werk ist von unangebrachter Gelassenheit. Eine Achtlosigkeit, und es geht ihm an die Substanz. Auch getarntes Leben ist nur bedingt geborgen. Schon immer verrieten redende Namen den Träger. Im Zeitalter der
Pseudonyme bleibt der Erkennbare auf der Strecke. Der Ausweg: sich nicht an Kanten zerschmettern, dort zurückschlagen, wo die Rundung mündet. Das Zuschnappen der Fänge überleben und aufmerksam bleiben. Der Molluske fehlt das Gebiss. Dentaler Widerstand ist höher geartet. Schlüsse? Die zieht der Weg entlang der Nacht, wo wahlverwandte Zecher im Koma ihr Zäpfchen malträtieren. Fuß und Pflaster als Symbiose auf der Bahn der Erkenntnis. Überflussphänomene, gestaut in trägen Kurven. Streckenerfolge, unzählige Richtungen im Hinterhalt. Wer misst die Gerade kurz vorm Ziel? Wen schert die Geometrie in seiner dominanten Position? Selbst ist der Leib, hilfreich und unentwegt für Überraschungen gut. Zerschlagene Knie ohne Schmerz. Splitter im Fleisch. Im Tran überwinden sich die Schwachen, nüchtern nicht einmal die Sieger. Die Strecke zwischen Quelle und Heim ringt das Erbe von Jahrhunderten nieder, doch die Ankunft macht müde – und vergessen.

Beiläufige Gesänge

Der Dichter Eike von Eikenpracht vermied es nach Möglichkeit, von lieb gewordenen täglichen Routinen abzuweichen. Ferienreisen kamen für ihn nicht in Frage, und seiner Arbeit dienende Ortsrecherchen nahm er nur vor, wenn sie unbedingt
erforderlich und lukrativ waren. Umso betroffener war er, als sein Arzt ihm eröffnete, dass ein hartnäckiges Leberleiden dringend einen längeren Kuraufenthalt notwendig machen würde.
Mit wenig Begeisterung holte er also diverse Koffer und Taschen vom Dachboden, um sie mit Wäsche, Büchern und Manuskripten zu füllen und stieg in die nächste Bahn in Richtung eines Kurbades mit strahlender Historie. Dort angekommen, nahm er seinen Tee im ersten Haus am Platze und machte sich einen Plan für seinen Aufenthalt, der hauptsächlich aus Mahlzeiten, Spaziergängen und kurzen Abstechern zur Trinkhalle mit dem berühmten Heilwasser bestand.
Schon am ersten Nachmittag entdeckte er ein kleines verträumtes Gartencafé. Da alle Tische besetzt waren, trat er an einen heran, an dem nur ein alter Herr saß, und bat darum, Platz nehmen zu dürfen.
„Selbstverständlich, Herr von Eikenpracht“, sagte der Alte sofort. „Darf ich mich vorstellen? Akerueh mein Name. Ich fühle mich durch Ihre Anwesenheit geehrt.“
„Nicht doch“, entgegnete der Dichter, obgleich er sich sehr geschmeichelt fühlte. „Ich bin auch nur ein Kurgast wie viele und quasi incognito hier.“
„Dann soll Ihre Kunst im Verborgenen blühen, wenn Sie es so wünschen. Wobei doch schon das Schreiben an sich eine einsame Angelegenheit ist.“
„Sie sagen das wie einer, der sich damit auskennt. Sind Sie ein Kollege?“
„Aber nicht doch! Ich würde mich nie mit Künstlern wie Ihnen in eine Reihe stellen. Tatsächlich bin ich nur Chronist, das Hobby eines Pensionärs, sozusagen.“
„Warum so bescheiden? Ich habe großen Respekt vor solcher Arbeit. Was ist denn Gegenstand Ihrer Aufzeichnungen, wenn ich fragen darf? Dieses malerische Städtchen?“
„O nein! Das wäre mir dann doch zu profan. Ich schreibe an einer Chronik der Beliebigkeit.“
„Beliebigkeit?“
Diese Auskunft ließ den Dichter nun doch etwas hilflos wirken. Herr Akerueh lächelte verständnisvoll und setzte zu einer Erklärung an.

„Sehen Sie, ich habe lange Jahre den Beruf eines Bibliothekars ausgeübt, weil ich Bücher liebe. Mit der Zeit aber verlor ich die Freude am Lesen. Man kann von allem zu viel bekommen, und ich war es irgendwann leid, mich an fremden Phantasien zu
ergötzen. Deshalb wandte ich mich dem Phänomen der Ordnung zu. Nicht die Inhalte der tausenden von Bänden, die mich tagtäglich umgaben, waren mehr meine Passion, sondern die Fragen der Sortierung und die hohe Kunst des Alphabets,
kombiniert mit Ziffern und Farben. Ja, die Lust, Ordnung zu schaffen, packte mich mit der gleichen Leidenschaft wie zuvor die Leselust.“
„Ein seltsamer Weg, den Sie da gegangen sind“, stellte Eike von Eikenpracht kopfschüttelnd fest. „Und für mich, der Bücher schreibt, ist es, ganz offen gesagt, schon recht befremdlich, wenn jemand die Schriften, die ich mir oft genug unter Schmerzen abringe, nur unter dem Aspekt der korrekten Einsortierung betrachtet. Aber jeder setzt nun einmal seine eigenen Prioritäten, drum möchte ich keinesfalls über Sie urteilen, mein Herr. Wie aber sind Sie denn auf Ihrem Weg der Ordnung zum Chronisten geworden, noch dazu zu einem, der der Nachwelt etwas so wenig Fassbares erhalten möchte? Empfinden Sie das Beliebige, was auch immer man darunter verstehen mag, als Wert, den es zu überliefern lohnt?“
„Aber ja doch! Für mich ist es außerordentlich befriedigend, gerade das zu dokumentieren, was so wenig Wertschätzung erfährt, obwohl es letztlich unser planloses Leben dominiert. Sie werden es erraten haben: auch der Ordnung, zu der ich stets meinen Beitrag leisten wollte, habe ich letztlich abgeschworen. Leben ist so vielfältig und im Grunde nicht kalkulierbar, da ist es doch wahnwitzig, es in Systeme und Regeln pressen zu wollen. Man kann seine Zufälligkeiten nicht zu Kunstwerken bündeln, allenfalls als Chronist verdichten.“
„Die Verdichtung der Beliebigkeit …“ Eike von Eikenpracht ließ den Gedanken auf sich wirken. „Ich muss bekennen, dass mir die Vorstellung von der Art solcher Niederschriften schwerfällt. Aber neugierig darauf bin ich allemal.“
Herr Akerueh war begeistert und griff nach einer Aktenmappe, die am Tisch lehnte.
„Zufällig habe ich aktuelle Auszüge meiner Chronik dabei. Es sind Kopien, und ich würde sie Ihnen gern überlassen. Ihre Expertise wäre mein ganzer Stolz.“
Eike von Eikenpracht nahm den dünnen Schnellhefter entgegen, dessen Deckblatt mit einem Datum und mehreren Ortsbezeichnungen beschriftet war.

„Ich werde mich heute Abend umgehend an die Lektüre machen“, versprach er. „Und sofern Sie denn morgen wieder hier sind, können wir über meine Eindrücke sprechen.”
„Lassen Sie uns so verbleiben“, bestätigte der alte Bibliothekar.
Der Dichter erhob sich.
„Jetzt müssen Sie mich aber entschuldigen. Ich habe noch einen Besuch der Trinkhalle auf dem Programm und möchte nicht nachlässig werden.“

Nach einem leichten Abendessen mit gedünsteter Forelle, auf den sonst üblichen Grauburgunder verzichtend, begab sich Eike von Eikenpracht auf sein Zimmer. Er war neugierig auf diese Chronik, erahnte da eine literarische Schatzhebung. Doch die Lektüre war ernüchternd. Er las die erste Seite, dann die zweite und legte die Blätter vor der dritten nieder.
War er einem Scharlatan aufgesessen?
Er griff das erste Blatt erneut auf und las:
Jetzt sitz mal endlich gerade noch einen Espresso bitte Silke ist wohl auch infiziert gerade als er soweit war ging nichts mehr wir dürfen nicht rückwärts in die Gasse Fleischwurst wird aus Schwein gemacht der Rest ist für Sie das hier ist eine Fußgängerzone kaum in der Rente und dann eine solche Diagnose ich möchte aber eine Tasse Kaffee der Weg ist der gleiche gestern war Neumond und dann hat sie ihn mit Gerda erwischt mein Arzt rät mir von Aufhellern ab hast du das von der
Rentenreform gelesen der Altbau steht nicht unter Denkmalschutz wenn er fragt lasse ich ihn ran die wollen doch tatsächlich den Hort schließen im Alter müffelt er ein wenig nach zehn gehe ich im Dunkeln heim wer nicht fährt braucht keinen
Parkplatz…
Das war kein schlechter Scherz, stellte er widerwillig fest. Aber was war es? Er las weiter:
Ein Café ohne Schwarzwälder Kirsch und nun vorsichtig zurücklehnen Mama hätte es nicht überlebt Sie sollten weniger rauchen er fährt einen Überkopflader offene Beine mehr sage ich nicht die Wohnung ist natürlich überteuert sie hat mir ein
Briefchen zugesteckt koffeinfrei was hat das mit Freiheit zu tun ich finde das Wasser hier salzig der Typ ist doch ein Penner stell dir vor ein Essig als Aperitif wer hat sich nur Kreisverkehre ausgedacht mein Vater ist dort gefallen aber der Masseur ist eine Zehn ihr macht es mit Gummi keine geschlossenen Vorhänge in der Nacht…

Nie war der größte lebende Dichter deutscher Zunge sprachloser, aber er spürte, dass er auf eine Kunst gestoßen war, die ihn zu neuen Grenzen leiten wollte. Und darüber hinaus. Er warf den weißen Bademantel mit dem Emblem des Hotels über
und trat hinaus in die Kühle des abendlichen Balkons. Mit geschlossenen Augen sah er den quengelnden Enkel, der zappelnd sein Pückler-Eis in sich hinein schaufelte, die Müllkutscher, die dem türkischen Kollegen ihre Hausmannskost anpriesen, die
Sekretärin, deren Chef immer privater wurde, den Steuerberater in all seiner Ratlosigkeit, die Krankenschwester mit Grenzerfahrung, den erblindenden Rentner, die kleinen verhärmten Witwen mit ihren kleinen verhärmten Träumen, all diese Möchtegerns und Willnichtmehrs … und wurde sich seiner dem Feuilleton gnädiger Weise verborgen gebliebenen, aber offenkundigen Unzulänglichkeit bewusst. Noch lange sann er nach über die willfährigen Wege der Dichtkunst, die er ein Leben lang beschritten und festgestampft hatte. In der Dämmerung, die dem Dunkel nicht weichen wollte, lauschte er dabei dem Gesang eines Amselmannes, der wohl seine Gefährtin rief.
Mitten in der Nacht stieg er dann schlaflos aus dem Bett, weil ihn etwas im Traum dazu getrieben hatte, zur Chronik von Herrn Akerueh einen Beitrag zu leisten. Doch als er mit seinem geliebten Gelschreiber vor dem leeren Blatt des Hotelblocks saß und ihm die Gesichter des Tages verschwammen zu einer Collage aus Augen, Mündern und Stimmen, da musste er sein Scheitern einsehen. Kein Kellner, der sich für Trinkgeld bedankte, war ihm präsent, keine werdende Mutter ohne Erwartung, kein Zigarre rauchender Honoratior mitten im Restaurant, keine Ausrufe angesichts des Infarkts auf dem Kiesweg des Kurparks. Einfach nichts aus diesem zurückliegenden Tag seines Lebens hatte sich ihm wirklich eingeprägt. Nur der Gesang der Amsel wollte ihm nicht aus dem Sinn. Und so pfiff er vor sich hin, immer lauter, immer länger. Letztendlich aber schrieb er diesen einen Satz, bevor er sich aufraffte und erschöpft in sein Bett fiel.

Der Cafétisch war unbesetzt. Keine Spur von Herrn Akerueh. Und dabei hatte sich Eike von Eikenpracht nach dem Mittagessen so beeilt, um pünktlich zu seiner Verabredung zu kommen. Er setzte sich und wartete eine Weile, doch zu seiner
großen Enttäuschung erschien der alte Bibliothekar nicht. So nahm der Dichter sein Notizbuch zur Hand und riss ein Blatt heraus. In schönen verschnörkelten Buchstaben schrieb er einen Satz darauf und schob den Zettel unter die kleine Blumenvase mit den Röschen. Dann stand er seufzend auf, wendete seinen Blick noch einmal in alle Richtungen und nahm dann widerwillig den Weg zurück zum Hotel.
Herr Akerueh, der sich die ganze Zeit hinter der Hainbuchenhecke versteckt hatte, die das Café von der Straße abgrenzte, trat nun hervor und ging zu seinem angestammten Tisch. Bedächtig zog er die Notiz unter der Vase hervor und las. Dann lächelte er versonnen und las ein zweites Mal: „Und der Amsel ins Belieben gestellt, erklang das Weltenlied.“

Das Schwarze Quadrat

Es zeigt unser Schwarz
kompromiss- und ausweglos
keine Grautöne
kein Exit-Licht
nur unser Schwarz

Nicht dieses angebliche Rot
das sich bei Sonnenschein
unter geschlossene Lider schleicht

Kein gleißendes Weiß
ganz da hinten
bevor uns die Sense erwischt

Nur ein Kosmos ohne Licht
ein bergender Grund
eine Rückkunft

Wäre da nicht der weiße Rand
wir könnten verschwinden

Der verbotene Raum

Ich kenne jede meiner Gehirnwindungen
habe sie mir erschlossen in langen Tagen
kurzen Nächten neben verwaisten Betthälften
und der lähmenden Auszeit dazwischen

Bin entlang gewandert wurde schwindelig
von so viel Vergangenheit und wenig Zukunft
machte Rast vor einladend angelehnten Türen
hinter denen ich Panoptiken entdeckte
aus missglückten Sehnsüchten
und planlos abgelegten Erinnerungen

Nur diese eine trotzige Pforte hielt
meinen drängenden Erkundungsgängen stand
und so oft ich mein Ohr an sie legte
lauschte ich nur einer leeren Stille

… und das Absurde

Ist der Alltag wirklich so sinnlos
wie die davor rettenden Pläne
an denen wir emsig scheitern

Während die einen ihr Leben bejammern
nehmen die anderen es in die Hand
bis es zwischen den Fingern versickert
in der Beliebigkeit seines Verlaufs

Die Illusion von Sinn treibt uns an
Tage aneinanderzureihen
und doch starb Camus bei einem Autounfall
die unbenutzte Bahnfahrkarte in der Tasche


Tara

“Wir sind schon als Kinder kleine Philosophen”, schreibe ich. Dann streiche ich den Satz wieder durch. “Negative Philosophen sind wie Babys”, notiere ich stattdessen. Aber auch das passt mir nicht, und so reiße ich das Blatt aus dem Notizheft und fange von vorne an. So geht es im Grunde den ganzen Tag, ob ich nun schreibe oder nicht. Ich habe keine gute Beziehung zu Worten, zu Gedanken. Der Verstand arbeitet zwar unablässig. Aber für mich ist er eine untaugliche Maschine. Was heißt untauglich, schädlich. Teufelswerk, würde ich fast sagen, wenn ich an den Teufel glaubte. Wo kommen die Gedanken eigentlich her? Wer oder was entscheidet über den nächsten Gedanken, der auftaucht? Wer oder was sorgt dafür, dass die Maschine nie stillsteht, dass ihr nie die Kraft ausgeht?

Ich mit Sicherheit nicht. Ich bin da doch eher das Baby, das sich darüber wundert, dass buchstäblich aus dem Nichts plötzlich diese merkwürdigen Gebilde vor dem mentalen Auge erscheinen. Gebilde, die ich in Laute übersetze. Die natürlich noch keinen Sinn ergeben, denn noch habe ich ihnen keinen Sinn gegeben. “Ehhh. Ohhh. Bahhh. Tata”. So ungefähr ist es für mich heute auch. Nur ist es nicht diese Prä-Sinnhaftigkeit. Ich befinde mich in der Post-Sinnhaftigkeit. Die Gebilde erscheinen als Worte und die Worte machen Sinn, aber es macht alles überhaupt keinen Sinn.

Prä-Sinnhaftigkeit bist du als Baby mit Sicherheit fasziniert von dem einsetzenden mentalen Spektakel. Post-Sinnhaftigkeit schreckst du eher zusammen. Da bist du auf der Lauer, da weißt du, was droht. Nämlich Sinn. Ein Moment der Unachtsamkeit, und plötzlich scheint es dir, als bedeute eines der mentalen Luftschlösser irgendetwas. Und dieser Schein ist wie ein Krebsgeschwür, der wuchert! Und ehe du dich versiehst, bist du kein Baby mehr, da bist du ein Kind, ein kleiner Philosoph. Der Krebs ist sofort metastasiert und umfasst alsbald dein ganzes Wesen, dein ganzes Leben. 

Mir tut das Kind unheimlich leid. Egal, wozu es heranwächst, ob es nun Mann wird oder Frau, Moslem oder Christ, Rechter oder Linker, Gewinner oder Verlierer, es bleibt ein Leben lang der Welpe, der sich selbst in den Schwanz beißt. Weil es ein Leben lang glaubt, dass der Punkt, an dem es steht, und der Punkt, an dem es seine Ziele erreicht, getrennt sind. Und umgekehrt: So sehr es auch dagegen ankämpft, das, was es nicht will, wird immer Teil dessen sein, was ist. Als Baby hast du noch an der Brust der Mutter genuckelt. Und wenn der Magen voll und es dir ganz warm ums Herz war, dann bist du zufrieden eingeschlafen. Jetzt ist der Magen nie mehr voll, jetzt ist es nie mehr warm genug, und du kannst nie wieder zufrieden sein. Und deshalb ist die Welt so, wie sie heute ist.

“Negative Philosophen sind wie Babys”, schreibe ich nun doch wieder nieder. “Kinder nehmen Babys nicht ernst. Können sie ja nicht. Was Babys an Lauten von sich geben, erscheint Kindern als zusammenhangloses Zeug.”  Das ist die Krux. Wir leben nicht in denselben Zusammenhängen. Meine eigene Frau versteht mich nicht. Und mein Sohn hält mich für irre. Dabei halte ich schon meinen Mund. Noch, wo ich zusehen muss, wie er sich unablässig selbst in den Schwanz beißt. Selbst merkt er es gar nicht. Und wo er es merkt, da macht er trotzdem weiter. Weil er meint, es müsse so sein, weil er in einer Welt lebt, die meint, es müsse so sein, weil er glaubt, es mache Sinn. Aber es muss nicht so sein und macht auch keinen Sinn. Das Selbst, das sich in der Polarität positioniert, ist schließlich nur ein Phantom. Das sich selbst erschafft, indem es Phantomen hinterherjagt. Das die Krankheit ist, vor der es davonrennt. Weil der Geist infiziert wurde, weil er selbst einst gejagt wurde, weil er selbst einst Phantomen zum Opfer fiel. 

Eigentlich müssten wir die Körper tauschen, mein Sohn und ich. Eigentlich ist er der Alte unter uns. Er hat seinen klar strukturierten Alltag, seine festen Prinzipien und Lebensziele, seine unumstößlichen Ansichten und Meinungen über Gott und die Welt. Früher war ich auch so. Dieser Tage singe ich zunehmend “Tutu” und “Tata” vor mich hin und pfeife dazu Melodien, die mir spontan in den Sinn kommen, fröhlich oder traurig, langsam oder schnell, je nach Lust und Laune. Ich laufe völlig ziellos durch die Welt, erschrocken und verwundert und immer wieder überrascht. Ich bin jünger als ich je war, ich bin als Rentner zum Baby geworden. Was fest und hart geworden war, ist wieder aufgeweicht bis in die Knochen, bis ins Mark hinein.          

“Du kannst dir im Leben nur brechen, was das Phantom an verknöcherter Substanz aufgebaut hat”, schreibe ich. Vielleicht glaube ich doch an den Teufel. Vielleicht ist der Teufel das Phantom, vielleicht ist das Phantom der Teufel. Ich sehe es doch an meinem Sohn, ich sehe seine Hybris. Nicht nur mir gegenüber. Gott gegenüber. Manchmal tut es mir leid, dass ich es so sehe. Dann blättere ich im Familienalbum nach Fotos von ihm als Säugling. Da ist das Göttliche noch sichtbar, da lacht es dich noch an. Dann verschwindet es allmählich. Und es wächst nur noch das Phantom.   

Im Schaufenster des Reisebüros hing ein riesiges Foto, schwarze Vögel an rotem Himmel über bunten Dächern, im Hintergrund das Meer.  Da wolle ich hin, erklärte ich. “Südindien.”, hieß es, “Genau die richtige Jahreszeit.”. Der Flug ist gebucht, ich werde also auf Reisen gehen.  Mit dem Rucksack ferne Länder durchqueren. Als ich es meiner Frau erzählte, schickte sie mich zum Hausarzt. Sie glaubte, mich habe der Schlag getroffen. Das CT war aber völlig in Ordnung. Mittlerweile ist sie überzeugt, es seien Depressionen, es sei Selbstmord. Morgens kocht sie mir jetzt Jasmintee. Sie hofft noch, dass ich  zur Vernunft komme. Die Sache abblase und stattdessen zum hundertsten Mal mit ihr im Wohnmobil an den Gardasee fahre. Es geht aber nicht, ich kann das nicht mehr. Weil es immer dasselbe ist. Bis hin zum Stellplatz, bis hin zu dem Schweizer Pärchen auf dem Stellplatz nebenan, bis hin zu den gemeinsamen Grillabenden, bis hin zum genauen Wortlaut der Gespräche zu Kotelett und Bier. Post-Sinnhaftigkeit verliert das Gewohnte einfach seinen Reiz. Da scheint dir das Vertraute nicht mehr vertraut, sondern absurd: So habe ich gelebt? Was um Himmels willen war los mit mir?

Ich habe nachgerechnet: 36 Jahre saß ich jeden Freitagabend ab 20 Uhr zur Skatrunde im “Zorbas”. 36 Jahre lang blieb es dieselbe Truppe, aß jeder immer dasselbe Gericht, trank jeder dieselbe Sorte Wein, dieselbe Sorte Bier. Dem Phantom ist diese Konsistenz ungeheuer wertvoll und wichtig.  Denn sie ist ihm lebensnotwendig. Konsistenz nährt das Phantom wie Muttermilch das Baby. Nur dich nährt sie nicht. Du sitzt nach 36 Jahren da und fragst dich: Wo sind jene Abende geblieben? Denn es ist dir, als seist du gar nicht dagewesen. Als hättest du gar nicht gelebt. Hast du ja auch nicht. Das Phantom hat gelebt. Letzten Herbst war ich noch einmal beim Skat. Aber nur kurz. Weil mir die Tränen kamen schon, als der Ouzo kam. Das kommt häufiger vor, manchmal zum Beispiel am Telefon mit meinem Sohn. Beim Frühstück mit meiner Frau sogar regelmäßig. Es ist schwer zu beschreiben, es ist dann, als habe ich diesen Menschen verloren. Als habe ich jeden und alles verloren. Als hätte ich nur als Phantom Substanz gehabt, als sei ich nur als Phantom Teil ihrer Welt gewesen. Und jetzt wieder unsichtbar geworden. Einfach verschwunden. Und es kümmert nur mich, die Phantome tanzen ihren Tanz einfach ohne mich weiter. Ich aber lebe allein in meinem eigenen Verschwunden Sein. 

Chennai. Koliken und Durchfall mit Fieber und Schüttelfrost. Der Hotelbesitzer will den Arzt rufen, ich winke ab. Der Alte klammert nicht mehr. Vielleicht hatte meine Frau ja Recht, denke ich: Vielleicht rief nicht das Leben, sondern der Tod. Die letzte Reise, denke ich. Manchmal werde ich zwischen den Fieberträumen wach. Dann summe ich vor mich hin. Aber nicht mehr “Tata”, sondern “Tara”. Vom Winde verweht. Der Film ist noch älter als ich. Die Musik aber, Itzhak Perlmans traurig-schöne Violine, die ist zeitlos. Die ist das Göttliche in uns, das nicht verweht. 

Tiruvannamalai. Das Taxi hält zwar vor der Ayurveda-Klinik, die der Hotelbesitzer empfohlen hat, mich aber zieht es anderswo hin. Mich zieht es zu den alten Männern in den orangenen Kutten, die überall an der Hauptstraße sitzen.  Einer erzählt mir von seinem verstorbenen Meister und will mir den Ashram zeigen. Auf den Dächern sitzen die Affen, auf dem Grund laufen Pfauen zwischen den Menschen umher. Ich fühle mich wohl und bleibe den ganzen Tag. Ich kaufe sogar ein Schwarz-Weiß-Foto und zwei Bücher des Meisters. Ramana Maharshi, ein großer Philosoph. Am Abend lese ich in meinem Zimmer weiter. In der Nacht träume ich, das Foto nimmt Farbe an, das Gesicht wird lebendig, die Augen strahlen mich an: “Du hast mich gefunden. Du bist ich. Du hast dich gefunden.”

Pondicherry. Das Foto im Schaufenster des Reisebüros hätte glatt vom Dach meines Hotels aus geschossen sein können. Ich fragte den Rezeptionisten gleich am ersten Tag, ob ich nicht eins der Zimmer dort oben auf dem Dach haben könne. Das seien keine Zimmer, es sei ein Apartment, das sei aber nur monatlich zu mieten, erwiderte er. “Okay”, sagte ich. Unter freiem Himmel mitten auf dem Dach steht der alte Schreibtisch, den ich neulich im Antikgeschäft erwarb., An dem sitze ich jetzt jeden Tag mit Blick über die Dächer der Stadt aufs Meer hinaus und schreibe. Keine Memoiren, keine Bilanz, gar nichts über mich, meine Vergangenheit, mein altes Leben. ich will nicht wieder als Phantom sichtbar werden, auch nicht über geschriebene Worte. Ich will anderswohin schreiben, ich will mich als zeitloser Klang erklingen hören. Jetzt, mit 78, will ich als post-sinnhaftes Baby mein neues Lied singen, das Leben ausklingen lassen.  


Des Boomerbuben Wunderborn

Des Boomerbuben Wunderborn: Abschweifungen trostpflastern seinen Weg. Eine Kuriose

Was tun zwischen Geburt und Tod? – Ich pfleg mal mein Phlegma.

Der Impuls ist nicht das Thema. Es geht immer ums Ganze. Ein Impuls regt an, löst aus, triggert und fragt nie: Wo geht’s lang? Wie soll das enden? Er initiiert das freie Assoziieren, Imaginieren und Kreieren. Er garantiert kein Gelingen noch verantwortet er Scheitern. Auf eigene Gefahr geben wir uns dem Wachstun hin. So geht Leben. Es verlangt durchgängig Reflexe und Reaktionen; seine Favoriten schaffen selbst Reflexionen und geraten in Verzückung bei Gipfelerlebnissen von Flow, Freude und Ekstase. Und vor den Aufstieg zum Olymp haben die Götter den Angstschweiß gesetzt. Nur Nike meinte lakonisch: Just do it.

Ist das meín Leben, das ich alter Ego führe?
Oder Giro vitalia: Dumm gelaufen

Hab ständig mich ab- wie ein Hund gehetzt,
die Hacken stets ab- und zu wund gewetzt,
tja, ich hatte – zu dumm –
(nehm’s mir heut’ nicht mehr krumm)
mein Merken vorab schon auf Grund gesetzt!

Umwege kosten Zeit. Solange Zeit Geld ist, gilt es, den Lebenslauf via Luftlinie zwischen Start und Ziel, Einschulung und Verrentung möglichst ohne Ehrenrunden, Ausfälle, Fehl- oder Rückschläge in Echtzeit hinter sich zu bringen. Umwege verhalten sich zum Weg wie Unkraut zu Kraut oder Beifang zu Fang. Ihnen haftet so etwas wie ein Makel oder Mangel an: Sie stören, behindern und lähmen. Wer vorankommen oder schneller weiter höher will, hasst Umwege wie Zwangspausen, die seinen Lebensdrang beschneiden. Doch zugleich zelebriert er Prozessionen, Leichenzüge, Militärparaden oder Ostermärsche als Kultakte.

Heldenreise, wunde Punkte haufenweise:
Auf gut GlückAuf ins feindliche Leben!

Weil zu oft zu dumm gekommen,
wird’s mir grade krumm genommen.
Man bügelt mich glatt,
man hat’s satt, völlig platt.
Ich bin platt. Aber nicht umgekommen!

Umgekehrt ist Geld Zeit. Wer es sich leisten kann, lässt sich nicht hetzen. Man geruht, beides genüsslich zu vergeuden. Der eine legt in seinem Park einen Irrgarten an und geht auf Weltreise. Der andre frönt 24/7-Ego-Shootings. Entscheider setzen Kommissionen ein, um dringende Beschlüsse erneut aufschieben zu ‘müssen’. Leichthin in den Tag zu leben ist nicht bei allen Woken en vogue: ‘Cancelculture! Parasiten an den Pranger!’ Freaks gilt das genaue Gegenteil als Ideal: Spiel, Freiheit, Autonomie, Würde. Nur-so-da ist Stoffwechseln ohne Zweckzwang. Für Junkies ist jede Minute ohne Trip ‘Realitätsflucht’ und vertane Zeit.

Willfährige Wallfahrer am Ort und zur Stelle:
Sechs Richtige. Alle für eine!

Taten brav, was die Mutter uns beigebracht:
Diener, Knicks, an des Nächsten Gedeih gedacht.
Du liebes Kind,
was warst Du blind!
Hab mich spät, doch noch frech davon frei gemacht.

Heiter-Spielerisches bis Leidvoll-Liederliches füllt unser Leben. Auf Umwegen werden wir human. Nur keine Umstände? Doch! Pomp and Circumstances! Und zwar für alle! Etikette und umständliche Regularien erschweren den Missbrauch. Panperspektivisches Denken umkreist zigmal das Phänomen und versteht sich auf Mitgefühl. So geht Kultur. Was immer Umwege sonst noch sind oder tun – sie fördern gedeihliches Miteinander: Zeitgewinn erlaubt Meditation und Reflexion. Fehlen sie, fehlt Entscheidendes. Insofern folge ich frohgemut dem Anspruch Apollons, des Licht-Gottes der Künste, voran Musik und Dichtung.

Erkenne dich selbst – in Grund und Boden
Ein Archäologe vom Rheinland
vergrub sich ins Graben. Kein Einwand.
Ich wollte den Grund sehn,
nicht grundlos zugrund gehn.
Stieß auf mich, zu dem vorher kein Schwein fand.

Gnothi seauton stand am Eingang des Apollon-Tempels in Delphi, wo das Orakel die Entscheidungsfragen der Pilger oral beantwortete, wie ein Dichterfürst: verführerisch und vieldeutig. Man nahm sich Zeit für die Voraussage, leider kaum für deren Ausdeutung.
Meden agan stand gegenüber: Nichts zu sehr – was man gern übersah. Das hiesige Lager betrieb gottseidank Desillusionierung, das jenseitige zum Glück Gewissenserforschung.

Im Dschungel der Großstadt der reinste Tor
Als Landei wollt, immer nur Sand gekannt,
zum Stadtei mich wandeln, vom Tand gebannt.
Geblendet vom Glamour
(Keinen Bock mehr auf Lämmer!)
ward Rührei: Bin voll vor die Wand gerannt.

Agonie bedeutet Kampf oder Wettstreit, aber auch Angst, Qual, Todeskampf. Agone sind organisierte Preisausschreiben wie die Olympischen Spiele oder die Panathenäen: Kampfkünstler und Dichtersänger eifern um die Wette nach Beifall, Lob, Ruhm und Siegprämien. Sophokles schrieb: Ungeheures gibt es viel, aber nichts ist ungeheurer als der Mensch.

Ego ist in Ago n(i)e: Von der Pike auf verlernt
Als Säugling, ganz ICH, macht’ ich Bäuerchen.
Als Kind balanciert’ ich auf Mäuerchen,
zwischen dem, was gewollt,
und, laut Mama, gesollt.
Noch piekte euch mein Ungeheuerchen!

Schon bald lag es wehrlos in Trance,
ich, halbstark, hielt nicht mehr Balance
zwischen Nächstem und mir,
der mir meist wie ein Tier
zu Leibe gerückt! Keine Chance!

Ungeheuerchen dreht nun ganz liederlich
seinen Spieß wider mich, schlichtweg widerlich.
Es piesackt mich, sticht mich,
bis im Lot und ganz dicht, ich
wieder Nächste pieke. Bin wieder ICH!

Im Mittelalter bestritten belanzte Dichter und helle Barden Ritterspiele samt Minnesänger-
krieg. Heute bietet die NLGR dem Bedürfnis der Literatur-Szene nach Sich-Zeigen und Gesehen-Werden eine irenische Arena: Nominierte kommen ohne Hauen ins Stechen.

Des Lebens Ruf an mich: Ein Zeichen setzen
Zu Anfang vergaß ich den Punkt am End
Zum Glück sah ich darin mein Fundament
Bald verschluckte ich Sil
denn es sollt nicht vergil
ben Reimschreibers keimendes Grundtalent

Aus Spaß an Freud: Mein Pfad zum Zen
Hatte -früher- neurot’sche Tendenzen: Ich bestand auf absurdesten Trenngrenzen, auch kam ich kaum aus mit dem mir von der Formnorm vorgeschriebenen Raum und gab kurz vorm Ziel auf bei Senten

Zwanghaft dramatisch? Maßlos übertrieben!
Doch mein schlimmster Fehler beim Dichten
wie im Leben war -früher- mitnichten
zu wenig Ideen,
die in mir entstehen
als Neuro-Geschehen
im Schreibhandumdrehen.
Zum Fehler stehen,
und Strafrunden drehen,
das war mein Vergehen.
Das war kein Versehen!
Heut’ kann ich’s gestehen:
Konnt’ auf keine Pointe verzichten!

Esotörichter Grenzgänger: Trifft’s dich, ist’s triftig
Wenn es mich traf, dann wusst ich: So musst es.
Denn ich kam kaum umsonst ins Prokrustes
bett, wo ich langgemacht,
eingestaucht, bang gemacht.
Längst gebucht hatt’s mein Unterbewusstes.

Dialektik, didaktisch
Den Weltgeist da aufheben, wo er im Regen liegt

Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt, lehrt Herr Brecht.
Doch wer sich sperrt, wird gezerrt, plärrt Gern Knecht,
der’s, als sie stritten, wieder erlitten.
(Wehrn Lernn war wider Knechts Herrschaft Sitten.)
Verkehrt gelehrt, Bert. Wehrn statt sperrn, Gern. Nochmal, beide, jetzt recht.

Längst gebucht hatt’s mein Unterbewusstes.

Was ist das? Satire? Groteske? Humoreske? Burleske? Ein Treppenwitz. Eine neue, fast balladeske Textart. Ein Prototyp, ohne KI generiert und im flow einer Eulennacht designt: Die Kuriose ist ein GanzKleinkunstStück, das heillose Interna offen Revue passieren lässt. Auf Augenzwinkerhöhe mit dem Lese-Komplizen wirkt sie Gehalt in Form. Prosaisch verdichtete Brücken verbinden gereimte Lyriknummern. Viel Sitzfleisch tobt süchtig, weil der Geist hin- und herwuselt: Kaum isser da, isser schon wieder weg. Wir spüren Sinnklangfetzen im Zickzackkurs nach und spinnen unverlierbare rote Ariadnefäden bis dorthinaus.

Die Kuriose liebt Skurriles bis Glatteis, Kunst und Kritik, Zitate gegen Plagiate, Knecht mit Magister, Leib samt Seele, Sinn für Irrsinn in Bekenntnis wie Protest. Humor mildert Traumen zu gemeisterten Brüchen. Schreiben als Redekur. Umtriebige Gedankengänge drängen ans Licht mit dem Anspruch, sich oben neu auszubalancieren und im Chaos ein Stück Kosmos zuzulassen. Oh wie süß (), herzlich (), zartbitter (_) ankreuzen und einmischen! Zwischen den Zeilen spielen sich wunschgemäß Glasperlen auf in Gestalt von Funktionsfußbekleidungen zum Bergsteigen, Mermaiding, Stepptanzen etc. – Wähle und bezahle.


Ende offen: EXPOnentielles Aha-Erlebnis
Um das Bildwerk der doppelten Helix
schritt ich faustisch umher: „Ich versteh nix.
Das Leben? Hat es Sinn?
Die Gene? Wer ich bin?

Felix, …

OM–HAha–HUM-pfffffm“

licher


reim-


nament-,


glück- ,


kein


_Zwar


Bin!


Die Tauben haben Hunger

Schon den ganzen Tag knurrt mir der Magen. Nur scheint der Körper alles satt zu haben, was ich ihm anzubieten habe. Ich öffne den Kühlschrank, die Tiefkühltruhe, die Hängeschränke und jedejede einzelne Schublade, aber nirgends bleibt der Blick haften, nirgends schnellt die Hand empor, nichts scheint genehm. Dabei gehe ich im Kopf sogar die Lebensmittel durch, die normalerweise vorhanden sind, aber gerade fehlen, ich könnte sie ja kaufen gehen. Aber auch das löst kein Echo aus. Jedenfalls kein positives. Aversion vielmehr, Überdruss, hier und da sogar Ekel. Es ist, als habe der Körper alles Alte, alles Bekannte, einfach bis oben hin satt. Als würde er lieber verhungern, als auch nur in Betracht zu ziehen, es noch einmal zu essen. 

Ich setzte mich an den Küchentisch. So muss es dem Buddha gegangen sein, als er sein prinzliches Dasein hinter sich ließ. Vom Gemüt her muss es ihm so ergangen sein. Vom Gemüt her kenne ich es natürlich auch. Wenn ich es Lea zu erklären versuchte, nannte ich es immer “das schwarze Loch der Seele”. Lea sah es anders: “Du bist teilweise autistisch. Und nekrophil!” Sie druckte sogar ein Zitat Erich Fromms aus und klebte es in unserer gemeinsamen Wohnung auf den Kühlschrank. Von Menschen mit nekrophil-destruktiver Orientierung war da die Rede, von einer Kraft, die darauf aus ist, alles Lebendige in tote Materie zu verwandeln. Unter dem Zitat stand handgeschrieben: “Das Leben ist schön, Max. Ich liebe dich. Deine Lea”

Eine neue Frau kommt für mich nicht in Frage. Sexueller Appetit taucht hier und da auf, das schon. Auch Sehnsucht nach Vertrautheit, nach enger Vertrautheit. Nach einem flüchtigen Kuss auf die Stirn am Morgen, nach einem wortlosen zärtlichen Blick zum Abschied. Aber was Frauen im Gegenzug wollen, das kann ich nicht geben. Nicht dauerhaft. Dauerhaft schlafe ich viel lieber allein. Dauerhaft trinke ich auch meinen Kaffee lieber allein. Ich bin überhaupt lieber allein. Und Frauen eben nicht. Damals zog ich mir den Schuh noch an und ließ mich sogar auf eine tiefenpsychologische Behandlung bei Leas Kollegen ein. Ganze zwei Jahre lang arbeitete ich an meiner ‚Beziehungsfähigkeit‘. Bis mich nicht mehr störte, was mich eigentlich stört. Bis ich selbst glaubte, dass ich gern Hand in Hand durch die Stadt lief, dass ich gern Arm in Arm einschlief. Fast ein Jahrzehnt lang roch ich nach einer Frau, nach dem Lavendelduft blümchenbestickter Bettwäsche,  nach Givenchy und Vanillieseife, nach Möse und Östrogen, nach Müsli und Selleriesaft, nach gebratenem Tofu mit frischem Salat. Fast ein Jahrzehnt lang küsste ich im Mondlicht und sagte dazu „Ich liebe dich“, fast ein Jahrzehnt lang verleugnete ich den Buddha in mir. 

Ich sitze am Küchentisch. Abermals höre ich meinen Magen knurren und spüre den Hunger dazu. Ich gehe im Geiste die Speisekarten der Imbisse und Restaurants im näheren Umkreis durch. Pizza, Döner, Gyros, Currywurst, Ente süßsauer, Pad Thai, Pho, Sushi, sogar Wagyu – mein Körper lehnt alles ab. Mein Blick schweift noch einmal in der Küche umher, bleibt an dem Zettel haften, der auf dem Kühlschrank klebt, den keine Frau öffnet, ein Zitat von Stefan Zweig: “Es ist vielleicht das einzige Stück Freiheit, das man sein ganzes Leben ununterbrochen besitzt: Die Freiheit, das Leben wegzuwerfen.” Jetzt reagiert der Körper, offenbar schüttelt er Endorphine aus, mir wird ganz warm ums Herz. Der Buddha in mir lacht. Ich greife zum Schlüssel und laufe aus der Wohnung ins Freie. 

Es ist ein Geheimnis, das den Biophilen verborgen bleibt, denke ich mir, da ich ziellos durch die Straßen laufe: Das schwarze Loch der Seele ist gar nicht schwarz. Es herrscht keine Dunkelheit dort drin. Bloß Klarheit. Grenzenlose Klarheit. Als Lea mich damals verließ, da fing die große Reise an. Der Anfang war in der Tat dunkel, schmerzhaft, schwer. Das ist er, glaube ich, immer. Allein schon von den Knoten her, die als Schmerzen daherkommen, wenn du erstmals innerlich alles hinwirfst. Kolikartige Schmerzen sind da völlig normal. Bis nichts mehr bleibt als der Atem selbst, das dauert. Bis dahin fällt Loslassen noch schwer, da tut Abschied noch weh. Ich hatte Glück, mich zog es ganz hinein ins Loch, ich fiel ganz in den dunklen Abgrund. Jahrelang fiel ich. Bis in die grenzenlose Klarheit hinein, bis ins Satori. Da bleibst du dann. Wochen, Monate, Jahre. Für immer, denkst du.  Aber nichts ist für immer.  Irgendwann fällst du zurück ins Bewustsein. Dann denkt es dich wieder, dann zwickt es dich wieder, dann scheint es dir wieder, als liefest du durch Raum und Zeit. 

Ich stehe auf dem Bahnhofsvorplatz und beobachte eine alte Dame beim Taubenfüttern. Als ihr die Handtasche runterfällt, weil sie mit beiden Armen die Tauben abwehren muss, die in dem Versuch, das Futter im Flug direkt aus der Tüte zu klauen, hektisch mit den Flügeln schlagen, eile ich ihr zu Hilfe. “Danke”, sagt sie und lacht, “seit 30 Jahren geht das so. Und es werden immer mehr. Viele Brieftaubenzüchter lassen ihre Tauben einfach frei, wenn sie wegziehen oder wenn plötzlich das Geld fehlt oder sie einfach keine Lust mehr auf ihr Hobby haben. Gezüchtete Tauben kommen aber nicht zurecht in Freiheit, die haben nie gelernt, in Freiheit zu leben. Daher warten sie hier auf mich, jeden Tag. Und was macht die Stadt? Verbietet das Taubenfüttern. Was macht die Polizei? Zeigt mich an. Nicht mal der Tierschutzverein hilft. Und die Passanten schütteln nur die Köpfe. Manche beschimpfen mich sogar.” 

Biophilie hat auch ihren Preis, die Liebe zum Leben ist auch ein Kreuz, denke ich mir und reiche ihr 20 Euro.

“Oh, danke!”, sagt sie. “Ich bin mit dem Helfer-Syndrom geboren”, lächelt sie fast entschuldigend, “da kann man nichts machen…”

Ein Engel, denke ich mir, da sie sich wieder ganz den Tauben widmet, sorgsam bedacht, die Körner gerecht zu verteilen, während sie liebevoll mit ihnen spricht.  Ein Bodhisattva, ein Buddha der Liebe, allein auf weiter Flur in ihrem Kampf gegen die Gleichgültigkeit, in ihrem einsamen Ringen für eine bessere Welt. Genauso einsam und allein wie ich. Genauso fremd unter den Menschen, genauso verloren in der Grenzenlosigkeit. Nur anders gefunden, im Herzen zuhause, im grenzenlosen Mitgefühl.

Ich gehe durch die Bahnhofshalle runter zum Fluss und setze mich auf die Ufertreppe. Mir wird kurz schwarz vor Augen. Ich muss etwas essen. Aber ich versteh schon. Mein Körper redet nicht, er spiegelt nur. Er spiegelt nur, was ich tief im Inneren weiß: Der Tod ist wunderbar. Immer mehr durchdringt die grenzenlose Klarheit dieser Tage das Bewusstsein. Ich merke es sogar im Schlaf. Immer mehr von mir verliert sich nachts, Immer weniger von mir wacht morgens mit im Körper auf. Als Blase aus Raum und Zeit erscheint die Welt, als Wolke am Himmel der Klarheit. Und ich bin der Horizont. Das Wenige davon, das morgens in der Wolke aufwacht, wacht dort nur ungern auf.  Es verweigert die alte Welt, das alte Leben, das Denken im Glauben an Grenzen immer entschiedener. Es will Blumen riechen, die es noch gar nicht gibt, es will Früchte schmecken, die noch nirgends wachsen, es will über Landschaften fliegen, für die noch kein Planet erschaffen ist. Es will sein, was ich noch nie gewesen bin. Sterben soll ich. Aber um des Lebens willen. Es muss nicht perfekt sein. Es muss nur fließen, und dafür muss es mit der Quelle verbunden sein. Sonst wird es wie hier, sonst wird die Welt ein Irrenhaus und das Kreuz sehr schwer und der Weg sehr hart, weil die Seele es nicht mag.  

Morgen gibt es nicht. Das neue Leben muss schon hier sein, hier irgendwo muss es sein. Der knurrende Magen ist mein Fluss. Der Engel und die Tauben sind mein Fluss. Und die Gruppe Drogenabhängiger, die sich 50 Meter weiter ans Ufer setzt. Einer winkt mir zu, ich winke zurück. Wir kennen uns schon seit der Jungend und trinken noch ab und an ein Bier zusammen. Ich verstehe ja. Sie wollen auch nicht hier sein. Niemand will hier sein. Nicht hier sein wollen ist hier Teil des Flusses. Die Traurigkeit, die Müdigkeit, der Überdruss gehören hier mit zum Fluss. Krank werden ist hier gesund. Wo dich selbst die Sonne nicht mehr wärmt, wo nur noch die Sehnsucht dich nährt, da verhungert die Seele. Dieses Verhungern gehört hier mit zum Fluss. Als dieses Verhungern soll ich hier fließen. 

Wie es dazu kam, das weiß ich nicht. Auch nicht, wie es wieder anders werden kann. Ich weiß nur, das neue Leben muss hier irgendwo sein. Und somit auch der Weg dorthin. Der Weg müssen wir sein. Anders kann es nicht sein, wir müssen der Weg sein. Wir müssen fließen. Der Hunger ist der Fluss. Der Hunger ist der Fluss.


Nichts und wieder nichts

« Les défaites d’un homme ne jugent pas
les circonstances, mais lui-même. »

I

Ich wollte Wein pflanzen auf Beton.
Der Wein war grün. Der Beton war weiß.
Die Trauben waren Asche. Gekeltert der Staub.
Denn niemand war trunken.
Denn die Trauben, die Asche waren, waren keine Trauben.
Denn der Staub war nicht heurig.
Denn ich wollte den Wein nie pflanzen.
Die Rebe: ich pflanzte sie nie.
Die Rebe: sie war Luft.
Der Weinstock: war Luft.
Denn ich war: der Beton.
Und ich war: hart gegen die Rebe.
Ich war: gegen den Wein.
Ich war: die Asche und auch der Staub.
Nie war ich: die Rebe.
Nie war ich: Erde dem Wein.
Den Traubenkern wärmte ich nie.
Die Erde: ich netzte sie nie.

Und nie weinte ich ihr Tränen.
Ich war Stein und Beton,
Härte: harte Erde,
Stein: steinern war ich,
Und härter.

II

Der Berg war kahl.
Ich wollte Erde schaffen auf den Berg mit eigenen Händen,
einen Garten zu stiften in den Höhen.
Doch die Erde, die ich trug, sie rann mir: durch die Finger.
Die Erde, den Berg ein Beet zu machen: sie zerrann.
Sie war Staub in den Lüften: Lufterde,
Denn ich hatte gar keine Erde für den Garten, den Fels urbar
zu machen.
Ich war kahl: ich trug keine Frucht.
Keine Hände griffen keine Erde.
Ich war das karste Herz des Felsens.
Ich war: der Fels, der steinerne Berg,
Denn leere Hände stifteten den Nichtgarten im Stein,
Denn: keine Wurzel faßte den Boden,
Denn bleicher Karst blieb der Fels im Graustein des Herzens
Luftgaben: des Luftgartens leere Gaben
Im Karstherz: karsthöhlerne Leere.


Die Spinne

„Was ist die primäre Täuschung?“, werde ich oft gefragt. „Was ist die eigentliche Grundlage dieser Angelegenheit namens Samsara, was ist die fundamentale Täuschung – die Täuschung hinter all den anderen Täuschungen, wenn man so will?“ Ich werde es Ihnen nicht verraten. Ich werde sie nicht unterhalten. „Lasst sie es selbst herausfinden“, sage ich. „Nervt mich nicht damit…“

Die Spinne war winzig – mit bloßem Auge kaum wahrnehmbar – aber gleichzeitig extrem böse. Sie saß inmitten eines riesigen, alles durchdringenden Netzes, eines Netzes der Dunkelheit. Das war eine meiner Visionen. Das Netz war natürlich das Menschenreich. Es war das menschliche Konglomerat, zu dem wir alle gehören, dem wir alle gehören. Wir alle bilden es. In meiner Vision war jeder von uns eine Erweiterung dieser kleinen Spinne, ein Fortsatz davon. Wir sind alle Fortsätze. Wir arbeiten, so gut wir können, dienen dem Bösen in all seinen Formen, folgen seinen Anweisungen und handeln nach seinen Befehlen.

So ist das mit uns – wir haben uns selbst verraten (zusammen mit allem, was gut, anständig und ehrlich ist), aber wir glauben weiterhin, etwas wirklich Großes, etwas wahrhaft Monumentales erreicht zu haben. Wir sind tatsächlich davon überzeugt, Helden zu sein, was eine Perversität grenzenlosen Ausmaßes ist. Unsere Perversität ist grotesk, und lasst euch von niemandem das Gegenteil einreden.

Ja, ich werde ihnen nie sagen, was die grundlegende Täuschung ist. Ich werde ihnen nie die Genugtuung geben! Sie müssen endlich ihren faulen Hintern hochkriegen und es selbst herausfinden. Sie müssen endlich mal ihre Hüte und Mäntel anziehen und zur Abwechslung mal raus in die reale Welt, wo nie etwas so läuft, wie man es sich wünscht, wo nie etwas so passiert, wie man es sich vorstellt.

So ein Mist, oder? Man könnte sich kein nervigeres und frustrierenderes Universum ausdenken, selbst wenn man es versuchte. Wir sehen hier ein Universum, in dem nichts jemals für einen funktioniert. Nichts klappt für einen, egal wie weit man geht, und man wird einiges tun, das kann ich Ihnen sagen. Das kann ich Ihnen versprechen. Man wird bis zum Äußersten gehen, bis zur Verzweiflung, und alles wird vergebens sein. Am Ende verkauft man seine Seele dem Teufel, und das wird einem auch nichts nützen. Aber das muss ich wohl euch überlassen, damit ihr es selbst herausfindet …

Ja, die Vision ist noch immer da. Sie ist bis heute da. Wenn ich die Augen zusammenkneife, sehe ich immer noch diese schreckliche kleine Spinne, mit ihren winzigen roten Augen, die im Schatten leuchten, geduldig und bösartig im Zentrum ihres Netzes des Bösen lauern. Ich sehe sie immer noch, dort im Herzen aller Dinge, wie sie jeden Aspekt unserer Existenz beherrscht.

Ich kann es nicht anders sehen und gleichzeitig weiß ich, dass diese hasserfüllte kleine Spinne ich bin, die ganze Zeit ich war. Das ist die Natur des Spiels, das wir spielen, verstehen Sie? Das ist das Geheimnis, das sie vor sich selbst verbergen wollen. Nur gibt es natürlich kein „Sie“. Das ist Teil der Verschwörung, Teil der Geschichte, die sie Ihnen glauben machen wollen. Es gab nie ein „Ich“.


Danke

Für alles ist gesorgt. Ich weiß, du denkst, das ist nicht so, dass es ein „Du“ gibt, das sich um alles kümmern muss, von so grundlegenden Dingen wie der Sicherung von Lebensmitteln und der Zahlung der Miete oder Hypothek bis hin zum Aufbau positiver Beziehungen zu anderen. Darum, hier nett und dort vielleicht streng zu sein, dich jedenfalls grundsätzlich so zu verhalten, wie du es für respektabel oder akzeptabel hältst. 

Aber einfach nur NEIN! Es gibt wirklich nichts, was „du“ tun kannst, außer das, was „du denkst“, dass du tust. Selbst wenn du „erkennst“, dass es kein Du gibt, hast du nichts unter Kontrolle. Nichts liegt in deiner Hand. Denn es gibt dich gar nicht.

Was auch immer du zu sehen glaubst, ist das, was du sehen sollst. Vielleicht sitzt du jetzt, da du weißt, dass es kein Du gibt, einfach nur da. Nun ja, das könnte passieren, dann ist es in Ordnung, du sitzt einfach eine Weile da. Aber wahrscheinlich wirst du dich nach einer Weile langweilen und aufstehen wollen, nicht unbedingt, aber höchstwahrscheinlich. Jetzt hast du also eine „Idee“. Hör zu, das ist nicht „deine Idee“. Du wählst deine Gedanken nicht.

Je nachdem, wo du dich in deiner Entwicklung befindest, greift die Konditionierung ein und sagt: „Das kann ich unmöglich tun“ oder „Ich würde es gerne tun, aber es ist unmöglich, so etwas steht mir nicht zu.“ Wenn es eine Idee aus dem Bewusstsein ist, kannst du darauf vertrauen, dass sie mit deinem Wohlbefinden in Einklang steht. Dann werden sich die Dinge tatsächlich fügen. Es geht nicht darum, ob sie sich auf diese oder jene Weise fügen. Es geht darum, dass du dich mit dem Bewusstseinsstrom bewegst, um dorthin zu gelangen, wohin er dich führen will. 

Du weißt nicht, wohin du gehst, weil du es nicht wissen kannst. Du gehst sowieso nirgendwo hin. Wenn du nicht weißt, wohin du gehst, wenn du es gar nicht wissen willst, kannst du dich entspannen. Du musst es einfach nicht wissen. So entsteht die Magie. Allein die Akzeptanz des Nichtwissens öffnet die Tür, die du wirklich öffnen willst. Es ist die Tür zu unbegrenzten Möglichkeiten, nicht zu Dingen, die „du“ tun, planen oder erreichen kannst. Vergiss „dich“! Es gibt kein Ich, und selbst wenn es eins gäbe, würdest du es eigenhändig verbrennen, wenn du sehen könntest, woraus es gemacht ist.

Was passiert also in meinem Traum? Ich arbeite wieder im Casino. Vorgestern Abend lag ich einfach im Bett und machte Atemübungen. Aus irgendeinem Grund machte ich einfach ewig weiter. Alle Gedanken hörten endlich auf, und der Fokus auf das Gefühl, das die Atmung erzeugte, war alles, was blieb. Dann bin ich für ein paar Stunden eingeschlafen, und das war das Ende meines Schlafs für diese Nacht. Ich bin um drei Uhr morgens aufgewacht und habe den Rest der Nacht meinen Traum des Hierseins genossen. 

Um sechs Uhr morgens bin ich mit meinem ältesten Sohn ins Fitnessstudio gegangen und habe vier Stunden lang Basketbälle für ihn unter dem Korb gefangen und war kein bisschen müde. Dann sind wir nach Hause. Ich habe Smoothies und Mittagessen für alle zubereitet. Danach habe ich ein 45-minütiges Nickerchen gemacht, es sollte länger dauern, aber meine Tochter hat angerufen und gesagt, sie sei bereit nach Hause zu kommen, also habe ich angefangen, nach Flugtickets zu suchen. Danach bin ich joggen und mit dem Hund spazieren gegangen. Der Tag war warm, die Sonne schien, ich war dankbar für meinen Körper, für die Art, in der er sich bewegen kann. 

Die ganze Welt fühlte sich einfach so gut an. Ich vergesse die unbezahlten Rechnungen, all die Schulden nach der Arbeitslosigkeit. Hör zu, es gibt sowieso keine Rechnungen, nur eine weitere dumme Erscheinung im kollektiven Traum. Dann ging ich zur Arbeit, ohne mich um irgendetwas zu sorgen. Ich fahre zur Arbeit und sehe ab und zu den Himmel und beobachte die Flüge der Vögel über mir. Ich weine, ich bin so glücklich, ich liebe diese Liebe, die alles ist, was es wirklich gibt. Ich habe meine ganze Schicht gearbeitet, das Trinkgeld war normal, nichts Übertriebenes, genau das, was ich zum Leben brauche, alles gut. 

Gegen Ende der Nacht macht sich die Erschöpfung breit, ich schaffe es nach Hause und schlafe sofort ein, da mein Kopf ins Kissen sinkt. Ich wache nach fünf Stunden Schlaf auf, bereit für einen neuen Tag, erneuert und erfrischt. Kein Haar scheint fehl am Platz zu sein, nur Entspannung, so weit das Auge reicht. Ein weiterer typischer Tag im Leben dieser gewöhnlichen Traumfigur, ein Leben, das sich oberflächlich betrachtet kaum von anderen unterscheidet. 

Nur im Inneren mag es sich unterscheiden. Da bin ich jeden Moment so unendlcih dankbar für die einfachsten Dinge. Wie wieder joggen und spazieren gehen zu können. Oder, hier in diesem Schlafzimmer zu sitzen und zu schreiben,


Smaragde schwimmen oben

Der Fluss.
Vielleicht das einzige Lebewesen, dass sich nie bewegte und doch immer im Wandel
war. Es ist jedoch wichtig zu erwähnen, dass dieser Tage die meisten Flüsse Lügner
waren. Mit ihrem perfekten Lauf in mathematisch genauen Kurven und den
makellosen Ufern versuchten sie den Beton zu kaschieren, der ihren Grund bildete.
Dieser Fluss aber hatte es irgendwie geschafft, von dieser ganz besonders humanen
Version der industriellen Weltanpassung verschont zu bleiben. Wild und herrlich
asymmetrisch wand er sich durch eine ebenso naturbelassene Landschaft aus
saftigen Gräsern, die im Frühling in den schönsten Farben blühen und ihren süßen
doch zugleich würzigen verbreiten würden, und vereinzelten, knorrigen Bäumen, die
aussahen wie alte Männer, die sich durstig über den Fluss beugten, nur um dann für
immer zu erstarren. Mit brauner, runzliger Haut, von der im Spätsommer nicht selten
mit Moss bewachsene Stücke abfielen, um dann kleinen Floßen gleich dem Meer
entgegen zu treiben, das sie aller Wahrscheinlichkeit nach nie erreichen würden,
knieten sie da und warfen ihre verzerrten Schatten aufs Wasser. 
Es war ganz ohne Zweifel ein schöner Fluss und seine Bewohner waren äußerst
stolz darauf, ihn ihr Heim nennen zu können. Und so war es mehr als ungewöhnlich,
dass an einem kühlen aber klaren Morgen im Februar eine große Stille auf dem
Wasser herrschte. Die Fische schwammen verwirrt hin und her, nicht gewohnt, das
Wasser für sich allein zu haben. In Ermangelung eines besseren Zeitvertreibs und
ganz bestimmt in Ermangelung eines ausgeprägteren Überlebenstriebes begaben
sie sich also auf die Suche, bis sie nahe der Wasseroberfläche in einem kleinen
Seitenarm des Flusses schließlich das vertraute Rudern von großen, mit schuppigen
Schwimmhäuten bewährten Füßen erblickten. Eine große Entengemeinschaft hatte
sich hier versammelt. Es handelte sich um eine Krisensitzung, auch wenn keiner so
ganz wusste, was denn nun die Krise war. Die besorgten Blicke von knapp zwei
Dutzend braunen Augenpaaren ruhten auf einer stämmigen Ente mit leicht
zerzaustem Gefieder, die im Zentrum der Versammelten auf der Stelle schwamm und
geräuschvoll schluchzte, wobei ihr Schnabel wie eine Muschelschale klapperte, die
vom Fluss über den Grund gefegt wurde.
„Ich…ich weiß einfach nicht mehr, was ich machen soll. Ich meine, das ist doch nicht
normal“, klagte Frau Waltraud Fleckenflaum.
Ein zustimmendes Schnarren ging durch die Menge.
„Sie ist doch meine Tochter“, fuhr die aufgewühlte Ente fort: „Seit ich sie habe
schlüpfen sehen, war mir klar, dass sie einmal eine Schönheit wird. Das hab ich ihr
auch immer gesagt. Erdfeder, hab ich gesagt, dir werden die Erpel einmal
scharenweise nachschwimmen, du wirst schon sehen. Uns sie war ja immer so
bescheiden, meine Tochter, hat sich immer ganz klein gemacht, wenn einer sie lobte,
aber dann gestern war sie plötzlich kaum wiederzuerkennen. Sie putzte sich gerade
das Gefieder und da überkam‘s mich, weil doch Frühjahr ist und alles und ich hab ihr,
halb im Scherze wie das bei Müttern und Töchtern so üblich ist, gesagt, dass
bestimmt schon viele junge Erpel sehnsüchtig an sie denken.“
Sie erntete vereinzelte Lacher, halb zustimmend halb beschämt, vorwiegend von
männlicher Seite.
„Aber kaum hab ich die Worte über den Schnabel gebracht, da schlägt sie wie vom
Fuchs gebissen mit den Flügeln und geht mich mit einer Wildheit an, die ich so noch
nie von ihr gesehen hab. Sie hat mich gebissen, da!“, rief sie und präsentierte der
Menge eine kleine, kahle Stelle auf ihrem Hinterkopf. 

„Danach ist sie aufgeflogen und ich habe sie seitdem nicht mehr gesehen.“
„Typisch Frau“, kommentierte Eduard Blauschwinge, woraufhin ihm das quackende
Gelächter seines Bruders Alfred und einiger nahebei rudernder Erpel beipflichtete. 
Die weibliche Fraktion konterte prompt mit beleidigtem Zischen. Ehe man sich
versah, redeten alle durcheinander und vertieften sich mit einer Vielzahl an
unzureichend sachlichen Argumenten in die faszinierende Frage nach der
Legitimation weiblicher Gefühlsausbrüche, bis sie von einem einzelnen, kehligen
Krächzen zum Schweigen gebracht wurden. Der alte Erpel, der es ausgestoßen
hatte, schwamm langsam nach vorne und die Menge machte ihm respektvoll Platz.
Seine Federn waren an den Spitzen schon verblasst und glänzten leicht auf dem
Wasser. Es sah aus, als hätte er einen persönlichen Vollmond, der ihm Tag für Tag
mit seinem unsichtbaren Licht das Gefieder versilberte.
„Ich denke, uns ist allen klar, dass wir uns hier in einer sonderbaren Situation
befinden, doch es hat keinen Sinn, sich nun in den Details des Tathergangs zu
verlieren. Wir alle schwimmen auf dem selben Fluss. Wir fressen die Gaben, die er
uns bringt und nisten an den Ufern, die er belebt. Es ist eine Symbiose. Zwischen
uns und dem Fluss, den Fischen, der Erde und auch untereinander. Wir alle haben
unsere Aufgaben in dieser Symbiose und keiner verdient es, aufgrund seiner
Aufgabe bevor- oder benachteiligt zu werden. Erdfeder ist ein geliebtes Mitglied
dieser Gemeinde. Sie gehört zu uns. Und wenn sie sich verirrt hat, ist es unsere
Aufgabe, sie wiederzufinden. Stimmt ihr mir da zu?“
„Ja, Don Drago“, schnatterte die Menge.
Don Drago hieß natürlich nicht wirklich Don Drago, obwohl er darauf bestand, aus
einem See in Italien zu stammen. Zwar war man sich im Allgemeinen einig, dass das
mehr als unglaubwürdig war (nicht zuletzt da er kein Wort italienisch sprach) und er
eigentlich im Grünlauf drüben bei Gelbfußens geschlüpft sein musste, aber aus
Respekt vor dem alten Erpel, hatte sich die Gemeinde entschieden, über diese
Ungereimtheiten hinwegzusehen.
Darauf hin zerstreute sich die Versammlung, um (teils allein, teils in Zweiergruppen)
nach der verschollenen Erdfeder zu suchen. Es zogen einige Tage ins Land. Eine
junge Ente hatte es sogar fertiggebracht, bis ins Gebiet der Menschen zu fliegen. Sie
berichtete danach jedem, der es hören wollte und auch so manch einem, der das
nicht tat, von dem sonderbaren, hohlen Spitzberg, den sie gesehen hatte und dessen
Eingänge mit Holz und warmem Bunt-Eis versperrt waren.
„Rein konnte ich nicht“, erzählte sie laut: „Aber durch das Bunt-Eis habe ich
Menschen gesehen. Geschichten habe ich ja schon viele gehört, aber sie mit
eigenen zu sehen war was ganz anderes. Sie sehen aus, als würden sie versuchen,
alle anderen Tiere nachzumachen und dabei von vorne bis hinten versagen. Wie
riesenhafte, blasse Frösche, die wie die Störche umherstaksen. Ihre Pelze sind bunt
und unförmig und wenn ich’s nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass die Pelze
selbst haarlos sind. Und die Laute erst. Wie eine Kröte, die eine Nachtigall nachahmt!
Dann sie dort eine Stunde und starrten einen zweiästigen Baum ohne Blätter an! Es
war einfach zu komisch!“ 
Und dann brach sie in einen schnarrenden Lachanfall aus beim Gedanken an solch
hinterwäldlerische Riten. Wenn sie dann aber, gefragt wurde, warum sie sich ein
solch sinnloses Spektakel eine Stunde lang angesehen hatte, schwieg sie.
Letztendlich waren es Eduard und Alfred Blauschwinge, die Erdfeder ausfindig
machten. Scheinbar ziellos schwamm sie den Fluss entlang. Die beiden Erpel
landeten erleichtert neben ihr auf dem Wasser.
„Erdfeder!“, riefen sie: „Was machst du denn so weit draußen? Komm! Wir bringen
dich heim.“

Erdfeder drehte langsam den Kopf. Durchdrang die Erpel mit ihren schönen Augen,
die in der Farbe frisch gestochenen Torfes funkelten.
„Nein“, antwortete sie schlicht.
Die Gebrüder Blauschwinge glotzten sie verwirrt an.
„Aber warum denn?“, begann Eduard.
„Du kannst hier doch nicht ganz allein bleiben. Was wenn dich ein Fuchs findet?“,
fügte Alfred hinzu.
„Jetzt hört mal genau zu“, unterbrach Erdfeder sie mit schreiend leiser Stimme: „Ich
habe nicht vor, zurückzukommen und die Füchse interessieren mich nicht.“
Mit diesen Worten schwamm sie den beiden davon.
Eine Zeit lang trieben die jungen Erpel nur fassungslos vor sich hin. Als sie sich
wieder halbwegs gesammelt hatten, entschieden sie, dass es wohl das Beste sei,
Frau Fleckenflaum und Don Drago über die Geschehnisse in Kenntnis zu setzen.
Sowie die Brüder ihren Bericht vorgetragen hatten, brach die verzweifelte Mutter
erneut in Tränen aus. Don Drago nickte streng und nachdem die drei es geschafft
hatten, Frau Fleckenflaum angemessen zu beruhigen, sagte er: „Was ihr da erzählt,
ist höchst besorgniserregend, Jungs. Das arme Ding scheint völlig verwirrt zu sein.
Seit ihr sie gesehen habt, ist noch nicht viel Zeit vergangen und so, wie ihr es
beschreibt, ist sie nicht sehr schnell unterwegs. Ich halte es für das Beste, wenn Frau
Fleckenflaum und ich zu ihr fliegen und sie zu Vernunft bringen.“
Dieser Vorschlag erschien allen Beteiligten sinnvoll, wobei man sich natürlich
erlauben könnte, die Zurechnungsfähigkeit der armen Frau Fleckenflaum in einer
solchen Situation in Frage zu stellen, und so machten sich die zwei auf, um die
verlorene Tochter heim zu holen.
Nach einigen Stunden hatten sie die Stelle gefunden, die ihnen die Brüder
beschrieben hatten und nur wenige Minuten später erblickten sie Erdfeder, die im
Gras saß und in die Ferne schaute.
„Guten Tag, junge Dame“, begrüßte Don Drago sie.
Erdfeder warf ihm einen flüchtigen Blick zu, gab aber keine Antwort.
Die Neuankömmlinge gingen an Land und setzten sich in einem wie sie es
empfanden angemessenen Abstand vor die einsame Ente.
„Mein Liebes“, begann Frau Fleckenflaum nach einer kurzen Zeit des Schweigens:
„Sollte ich etwas zu dir gesagt haben, dass dich beleidigt hat, dann tut mir das
aufrichtig leid.“
Erdfeder schüttelte langsam den Kopf.
„So höre doch auf deine Mutter, Kind“, ergriff der Don das Wort: „Sie will nur das
Beste für dich, genau wie wir alle. Was willst du denn hier draußen ganz alleine.
Ohne Gefährten, die dir helfen und denen du helfen selbst helfen könntest.“
Erdfeder sagte nichts.
„Nun ist‘s aber gut!“, rief der Alte energisch: „Die Welt ist ein gefährlicher Ort und
nicht allen ist es vergönnt, einen sicheren Platz zu finden, an dem sie glücklich und
zufrieden sein können. Jeden Tag müssen Tiere hungern und vereinsamt zu Grunde
gehen und du sitzt hier und haderst mit dem Geschenk der Gemeinschaft, das dir
gegeben wurde!“
Nun richtete Erdfeder bedächtig ihren Blick auf Don Drago. Ihre schönen Augen
blitzten feindselig. Dann öffnete sie den Schnabel und spie ihm einen Schwall grünen
Matsches entgegen.
Angewidert fuhren die beiden Vögel zurück. Don Drago war der erste, der die
Sprache wiederfand.

„Gras“, keuchte er und betrachtete den Matsch vor seinen Füßen: „Zerkautes Gras.
So also gehst du mit den Gaben der Natur um. Missbrauchst und verdirbst sie zur
eigenen Schadenfreude!“
„Erzähle du mir nichts von der Natur!“, entgegnete Erdfeder nun erstmals: „Dir hat die
Natur ein prächtiges Gefieder und ein Leben in Unabhängigkeit gegeben. Mir fesselt
es den Dreck auf die Federn und trachtet nach jedem bisschen Freiheit, das ich
versuche mir zu erhalten. Brüten, paaren, brüten, paaren, brüten, paaren. Das ist,
was die Natur mir gegeben hat, also erzähle du mir nichts von den Gaben der Natur!“
Auf diesen Ausbruch folgte fassungsloses Schweigen. Letztendlich war es wieder
Don Drago, der sich zuerst sammelte.
„Du…du weißt nicht, was du da redest, Kind. Die Unvernunft der Jugend spricht aus
dir. Doch sei es drum. Auch ich bin einst jung gewesen und kann verstehen, was du
durchmachst. Bleib du nur hier, wir werden dich nicht länger belästigen.“
Mit diesen Worten wandte er sich ab und zog die immer noch sprachlose Frau
Fleckenflaum sanft mit sich.
Sobald ihre eigenwillige Tochter hinter einer Flussbiegung verschwunden war, fand
Frau Fleckenflaum die Sprache wieder.
„Aber das können wir doch nicht machen!“, sprudelte es aus ihr heraus: „Ganz allein
hier draußen ist es viel zu gefährlich!“
„Machen Sie sich keine Sorgen, Gnädigste. Es wird keine drei Tage dauern, bis ihr
Fräulein Tochter wieder zu Vernunft kommt und zu uns zurückkehrt. Und wenn sie
das tut, werden wir das einzig richtige tun. Nämlich ihr vergeben.“
Don Drago sollte Recht behalten. Am Morgen des Dritten Tages kehrte Erdfeder
zurück. Nur entsprachen die Umstände keineswegs den von Don Drago
beschriebenen und von Vergebung konnte bei diesem Wiedersehen nicht die Rede
sein.
Bleich fiel an diesem Morgen das Licht der Sonne, die sich noch nicht ganz
entschieden hatte, ob sie nun eine Winter- oder eine Frühlingssonne sein wollte, auf
das Ufer des Flusses. Bleich fiel sie auf die Enten, die an ebenjenem Ufer schliefen.
Bleich fiel sie auf Don Drago, der verschlafen zum Fluss lief, um dort seine
Morgentoilette zu verrichten, als ein dunkler Fleck seinen Blick einfing. Der dunkle
Fleck kam näher und näher und als endlich klar zu erkennen war, was da auf dem
Fluss herankam, klappte ihm der Schnabel herunter. Es dauerte nicht lange, bis auch
andere Enten herbeiliefen und in nicht minder großem Erstaunen erstarrten.
Gebannt, ja beinahe entsetzt beobachteten sie zusammen die Ankunft des Vogels,
den sie bisher als Erdfeder gekannt hatte. Doch wer da kam, hatte nichts mit der
schüchternen Ente gemeinsam, die vor kurzem noch unter ihnen gelebt hatte. Dieser
Vogel wirkte größer, bestimmter, gefährlicher. Die drastischste Veränderung stelle
aber der Kopf. Das zierliche Braun, für das Erdfeder weithin bekannt gewesen war,
war einem unergründlichen Grün gewichen. Ebenjenem Grün, das Erdfeder vor drei
Tagen vor die Füße ihrer Mutter und die Don Dragos gespien hatte.
Mit einem Helm aus hochgewürgtem Gras also, kam dieser Vogel heran und als
seine Füße das Ufer berührten, war es, als hätte die Sonne von einem Moment zum
anderen ihre Entscheidung gefällt. Nämlich eine Frühlingssonne zu sein. Sowie sich
der fremdartige Vogel aus dem Wasser erhob, entflammte der Himmel hinter ihm und
tauchte die Versammelten in das Feuer, das im Herzen des Ankömmlings brannte.
„Erdfeder…“, Don Dragos Stimme klang schwach und heiser: „Was in des Flusses
Namen…?“
Der Vogel lachte hell auf.
„Ach, Don Drago. Was ist denn los. Widere ich Sie an?“

„Meine Tochter!“, gellte plötzlich ein Schrei aus der Menge heraus und Frau
Federflaum drängte sich aufgeregt flatternd nach vorne: „O meine Tochter, was hast
du nur getan?“
„Halt den Schnabel!“, kam die keifende Erwiderung: „Ich bin weder deine noch
sonstjemandes Tochter. Das ist vorbei. Ich bin Smaragd, das ist meine
Herausforderung.“
„Deine Herausforderung!“, lachte Don Drago kalt: „Deine Herausforderung ist nicht
weiter als ein blasses Hirngespinst deines verwirrten Verstandes, das ich nicht länger
bereit bin zu tolerieren. Eine Ente bist du. Eine Ente, die sich einen Haufen
Erbrochenes ins Gesicht geschmiert hat und es dann einen Edelstein heißt. Wir alle
haben unseren Zweck im Leben. Mag mancher auch angenehmer als der andere
erscheinen, es ist immer der eine für uns zugedachte. Erfüllen wir den nicht, was sind
wir dann wert. Welche Daseinsberechtigung kannst du deinem Gewissen nennen,
Smaragd? Wer zu lange gegen den Fluss schwimmt, der wird mit gerissen. Sieh dies
also als meine letzte Warnung. Lass dich treiben. Finde Frieden.“
Nach diesen Worten herrschte Stille. Für die Umstehenden war es, als würde das
vom Don Gesagte sich in ihren Ohren und dann in ihren Herzen einem Daunenkleid
gleich ausbreiten.
„Nein.“
Smaragds ruhige und dennoch wilde Stimme durchschnitt das Daunenkleid
gnadenlos, zerfetzte spöttisch den wärmenden Schutz und fegte dann als eisiger
Wind durch die Entenherzen.
„Du schlägst mir den Frieden vor, Don Drago und glaube mir, wenn ich dir sage, dass
ich dich dafür respektiere. Aber nein. Das ist mir nicht genug.“
„Erdfeder, du obszönes Küken!“, raste der alte Erpel: „Frieden ist es, wonach alle
Tiere streben!“
„Die Freiheit ziehe ich dem Frieden vor!“, brüllte Smaragd: „Meine Herausforderung
habe ich gestellt. Abgelehnt hast du sie und besser hättest du noch daran getan, an
ihr zugrunde zu gehen, du altes Aas! Ich habe nicht vor, einen Tag länger unter
deinesgleichen zu leben. Ich bin Smaragd, der Kotzekristall, und die Zwecklosigkeit
ist mein Anspruch!“
Mit diesem Ausruf breitete Smaragd die Flügel aus und flog davon.
                                                         II.
Einige Tage mehr waren vergangen, als Smaragd einen dicht bewachsenen Arm des
Flusses hinabschwamm. Lange, grüne Grashalme bogen sich zu ihm herab, ganz als
versuchten sie, dem prachtvollen Grün seines Kopfes nachzueifern. Und wie er so
schwamm, vernahm er plötzlich eine tiefe, säuselnde Stimme.
„Nanu, was haben wir denn da? Eine Ente mit verdrecktem Köpfchen? Wie ist denn
das passiert?“
Furchtlos trat Smaragd an Land und antwortete: „Ich selbst habe es getan und Dreck
ist es keineswegs, mein fremder Freund. Was du vor dir siehst, ist der ungeborene
Teil meines Gesichts.“
„Bitte vielmals um Verzeihung“, sprach der Fuchs höflich und erhob sich langsam aus
dem Gras: „Ich konnte ja nicht wissen. Meinen tiefsten Respekt vor Ihrer Lebensart.“
„Spar dir die Worte“, erwiderte Smaragd: „Wir beide wissen, dass sich die Zähne des
Fuchses nicht weniger tief ins Fleisch graben, nur weil er Honig im Maul hat.“
„In der Tat“, lächelte der Fuchs und offenbarte seine gelblichen Reißzähne.
Reglos standen sich die beiden gegenüber. Jedem bewusst, was der andere
vorhatte. So schnell es ging flog Smaragd auf. Sein Kopf funkelte grün in der tief
stehenden Sonne, unter seinen Schwingen bäumten sich Winde. Doch Smaragds

Körper war der einer Ente und der des Fuchses war es nicht. Einem roten Blitz gleich
fuhr das Raubtier hoch. Scharfe Zähne bohrten sich in Smaragds rechten Flügel und
zerrten ihn gnadenlos hinab. Schreiend schlug Smaragd im Dreck auf. Der Fuchs
schleuderte seinen Kopf nach links und sein machtloses Opfer wurde mitgerissen,
während sein Flügel lautlos brach. Endlich ließen die unerbittlichen Kiefer los, doch
bevor Smaragd sich aufraffen konnte, wurde ihm eine schwere Pfote auf die Brust
gelegt. Große Krallen schnitten durch das braune Federkleid. Über sich konnte
Smaragd die starren Augen des Fuchses erkennen, als plötzlich ein schnelles etwas
von lautem Gekrächze herankam und das Gesicht des Fuchses anfiel. Dieser zuckte
erschrocken zurück und knurrte das etwas an, als ein weiterer Angreifer sich von
hinten über ihn hermachte. Der Fuchs jaulte kurz auf und machte vollführte eine
halsbrecherische Rolle, wodurch beide Angreifer gezwungen waren, von ihm
abzulassen. Er knurrte noch einmal ärgerlich, dann zog er sich ins hohe Gras
zurück. 
Erschöpft und schmerzerfüllt wandte sich Smaragd seinen Rettern zu und stieß ein
überraschtes Quaken aus. Vor ihm standen die Gebrüder Eduard und Alfred
Blauschwinge.
„Ihr…ihr habt mich gerettet.“
„Natürlich“, antworteten sie im Chor.
Eduard näherte sich nun und betrachtete den zerschmetterten Flügel: „Tut es sehr
weh, Erd… Smaragd?“
„Es geht schon“, antwortete dieser tapfer: „Vielen Dank.“
„Keine Ursache. Hast du hier in der Nähe einen Ort, an dem du dich ausruhen
kannst?“, fragte Alfred und kam ebenfalls näher heran.
„Nein, ich bin…einfach umhergeschwommen.“
„Macht‘ nichts“, sagten dir beiden: „Wir werden schon ein schönes Plätzchen für dich
finden.“
Sie nahmen Smaragd in die Mitte und zusammen schwammen sie langsam (um den
Verletzen zu schonen) den Fluss entlang.
Nach einer Weile sagte Alfred: „Da! Das ist ein guter Platz, da kann man sich
ausruhen.“
Eduard aber lachte spöttisch und rief: „Dort soll er sich erholen? Hast du denn
wirklich so wenig Mitgefühl mit einem verwundeten Krieger. Den Tod wird er sich an
solch einem trostlosen Ort holen. Mir für meinen Teil ist Smaragd mehr wert. Komm,
mein Freund. Wir suchen dir einen besseren Platz.“
Smaragd war zu erschöpft, um zu widersprechen und so ließ er sich von Eduard
weiter den Fluss hinabführen. Alfred starrte den beiden einen kurzen Moment wütend
nach, dann schloss er rasch auf und nahm seinen beschützenden Posten neben
Smaragd wieder ein.
Nach einer Weile war es Eduard, der sagte: „Dort ist es schön! Das ist ein Platz, der
deiner würdig ist, Smaragd.“
„Bitte“, lachte nun Alfred: „Da war mein Platz doch tausend Mal besser. Ein schöner
Beschützer bist du mir. Aber sei es drum. Zurück können wir nicht. Smaragd ist zu
schwach, um flussaufwärts zu schwimmen. Lieber weiter den Fluss hinab, dann
zeige ich dir, was ein würdiger Platz ist, Bruderherz.“
„Nein“, meldete sich Smaragd zu Wort, der sich nicht im Stande sah, auch nur eine
halbe Meile weiter zu schwimmen: „Hier ist es gut, hier bleibe ich.“
„Ganz wie du willst, Smaragd“, sagte Eduard un warf seinem Bruder einen
triumphierenden Blick zu: „Am besten bleibe ich bei dir, damit dir nichts passiert.“
„Zwei sind besser als einer“, meinte Alfred: „Ich bleibe auch.“

„O nein, das tust du nicht“, erwiderte sein Bruder kalt: „Du ziehst los und erzählst
Frau Fleckenflaum und Don Drago was geschehen ist. Sie haben ein Recht, es zu
erfahren. Ich bleibe solange hier und beschütze Smaragd.“
„Beschützen? Dafür bist du doch gar nicht Manns genug!“
„Und wer will mir das erzählen? Du etwa?!“
„Weißt du was?“, sagte Alfred zornig: „Ich traue dir nicht! Du spielst hier doch nur den
großen Ehrenmann. Kam bin ich weg, versuchst du etwas unanständiges, gib‘s doch
zu! Schwimm lieber du zurück und ich passe auf.“
„Verräter wittert überall Verrat, ist es nicht so?“, entgegnete Eduard.
„Nun gut“, Alfred versuchte, sich zu beruhigen: „Lassen wir Smaragd doch einfach
selbst entscheiden, wer von uns hierbleiben soll.“
Smaragd jedoch war inzwischen der Ohnmacht nahe und hatte von dem Gespräch
der beiden kaum etwas wahrgenommen.
„Jetzt willst du ihn auch noch mit solch einer Entscheidung belasten!“, rief Eduard:
„Komm, Smaragd, wir bleiben hier.“
Mit diesen Worten packte er Smaragd sanft mit dem Schnabel und führte ihn in
Richtung Ufer.
„Das lasse ich nicht zu, Schurke!“, rief Alfred und zog nun seinerseits Smaragd von
seinem Bruder weg. 
Empört hielt dieser dagegen. Alfred packte Smaragd mit dem Schnabel am Hals und
zog kräftig. Eduard zischte ihn wutentbrannt an und schnappte sich Smaragds
Bürzel, um diesen durch brutale Kraft seinem Bruder zu entziehen. Smaragd stieß
ein kraftloses doch schmerzerfülltes Krächzen aus.
„Siehst du, was du tust? Du tust ihr weh!“, schrie Alfred.
„Ich werde nicht zulassen, dass sie dir in die Fänge kommt!“, brüllte Eduard und
entwendete Smaragd mit einem gewaltigen Ruck Eduards Griff und drückte seinen
Schutzbefohlenen schützend unter sich, während er die wütenden Angriffe seines
Bruders abwehrte.
Smaragds Kopf wurde Unterwasser gedrückt. Der Fluss strömte ruhig und
gleichmäßig in seine Lungen. Er versuchte zu schreien, doch das Wasser erstickte
ihn und die streitenden Erpel hörten ihn nicht. Eduards Griff war fest. Genauso
unbeweglich, wie die betonen Flussgründe deren Abwesenheit man sich hierzulande
so sehr rühmte.
Smaragd zappelte und warf sich hin und her. Der Fluss spülte ihm durch die Federn
und wusch die grüne Farbe heraus. Es war alles vergebens.
Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis die Gebrüder Blauschwinge bemerkten, dass
sie sich um eine Leiche zankten. Nachdem der allgemeine Schock überwunden war,
folgte die brüderliche Versöhnung mit rührender Geschwindigkeit. Alfred musste
seinem Bruder zustimmen, dass es sich hier durchaus um einen würdigen Ort
handelte, um Smaragd hier sich selbst zu überantworten. Während die grüne Farbe
auf der Wasseroberfläche davontrieb, zogen sie Smaragd an Land um diesen Ort
nach einem respektvollen Moment des Schweigens für immer zu verlassen. Sie
erzählten niemandem, was vorgefallen war. Frau Fleckenflaum lebte weiter, Don
Drago lebte weiter. Und als sie es schließlich nicht mehr taten, gab es schon andere,
die ihren Platz im Gefüge der Natur einnehmen konnten. Keiner fand je den
verrotteten Entenkadaver. 
Außer den Fliegen. Und den Würmern.
Die grüne Farbe trieb den Fluss hinab. Was aus ihr wurde? Tja, keine Ahnung, ich
weiß eben auch nicht alles. Vielleicht hat sie ein Kind gefunden, das am Fluss spielte
und damit einen Erpel gemalt. 
Wäre das nicht was?


Aphorismen und Traktate

Von der Kritik am Menschen

Vom Normalmenschen

* Der Normalmensch ist, wie es ihm sein angeborenes Wesen vorgibt. Ich bin, wie ich will. *

Vom Neurologen

* Es ist seltsam: Gehe ich mit Unterleibschmerzen zum Urologen, und diagnostiziert er beispielsweise  eine Blasenentzündung, so sagt er, meine Blase sei krank; dies werde er kurieren. Gehe ich mit Ohrenschmerzen zum Ohrenarzt, so sagt er, mein Innenohr sei krank; dies werde er kurieren. Gehe ich mit Magenschmerzen zum Internisten, so sagt er, mein Bauch sei krank; dies werde er kurieren. Gehe ich aber zum Neurologen, so sagt er, ich sei krank. Warum ist das so? *

Des Dichters Seele

* Des Dichters Seele ist und bleibt ein Ort von wenig Heiterkeit. *

Vom Sportlichen

* Überall sehe ich Bräunungs – und Fitnessstudios und makellose Körper auf der Werbung dafür. So lange es überall auf der Welt durch den Menschen, sei er sportlich oder nicht,  Kriege und Gewalt gibt, bedarf es keiner tüchtigen Körper, sondern tüchtiger Geister. Diese gibt es im Regelfall nirgendwo. *

Vom Tier Mensch

* Der Mensch ist im Normalfall leider nicht zum Wachsen oder Werden da, sondern nur zum Sein. Davon aber versteht er viel, wenn auch nur mit tausend Lebenslügen. Trotzdem: Gleichsam einem Tier frißt, scheißt und schläft er. Am Ende seiner Tage muß er Abschied nehmen und tut sich mit dem Nirvana schwer. Im Laufe seines Lebens begegnen ihm viele unerträgliche, narzißtische Kränkungen. Alle körperlichen Krankheiten zusammen richten in ihm keinen annähernd so großen Schaden an, wie die Herabwürdigungen, die ihn dauerhaft bis zur Persönlichkeitsstörung prägen. Nichtsdestotrotz läßt keiner den anderen in Frieden. Wozu ist das Leben da? *

Wo kommen wir her?

* Es gibt für die Entstehung des Menschen zwei bedeutsame Theorien: Die eine ist die Evolution, die andere ist die Schöpfungsgeschichte. Bei der einen fehlen wichtige Bindeglieder, die bis heute nicht gefunden worden sind. Bei der anderen stellt sich die Frage, warum ein allmächtiger Gott wissentlich zwei zunächst vollkommene Menschen schuf, die danach aber zu mutierten Sündern werden und dieses weitervererben würden, denn der Mensch handelt bei seiner Aggression oftmals nicht aus einem angeborenen oder erworbenen Zwang, den man vielleicht noch entschuldigen könnte, sondern aus einer zutiefst empfundenen Leidenschaft, die naturgemäß begrüßt und bejaht wird. Dieses wiederum impliziert die volle Schuldfähigkeit. Wer also wird der Richter sein, die Evolution, also niemand, oder Gott? Wie wird er urteilen, und was sind seine Motive, falls er welche hat? *

Sie sind wie alle

* Den größten Bewertungszwang von allen haben Psychotherapeuten und Psychologen. Sie brüsten sich des Übermenschen und der Erkenntnis vom Leben schlechthin. Jede Abweichung davon nehmen sie mit Schadenfreude zur Kenntnis, bestätigt sie doch scheinbar die eigene Unfehlbarkeit. Und doch sind sie vom Normalmenschen kaum oder gar nicht zu unterscheiden, denn auch sie unterliegen

1. dem Bewertungszwang

2. dem Moralismus gegen andere

3. der Ablehnung

4. der Egozentrik

5. der Eitelkeit

6. der Zufriedenheit nach Vollfraß

7. der zentralnervösen Paralysesymptomatik nach überdosierter Applikation      von Ethanol (Lallen und Torkeln nach Saufen)

8.dem mangelnden Gespür für den nächsten, obwohl es der Beruf eigentlich anders lehrt. *

Von der Ausdauer

* Der kluge Schüler sitzt seine Schulzeit ab, der gescheite Knacki seine Strafe, der begabte Lehrling seine Ausbildung. Die Besten unter uns wissen es genauer: Sie sitzen das ganze Leben ab. Welch Ausdauerleistung und Prüfung der Geduld!*

Vom Zweifel

* Es waren stets der neurasthenische Zweifel und das eher subjektiv – abstrakte Denken, die mich lächerlich erschienen ließen. Und doch besitzen sie eine große Legitimität, denn die größte vernachlässigte Fehlerquelle im Denken ist und bleibt die maßlose Sicherheit darin. Zwar scheint sie makellos, nicht widerlegbar und offenkundig richtig. Aber doch zeigt die Geschichte: Was gestern galt, gilt heute nichts mehr, was gestern richtig war, ist heute falsch. Sogar: Was gestern bewiesen wurde, ist heute nichts mehr wert. Falls der konkrete Denker ausnahmsweise der subjektiven Denkweise zugänglich gemacht und somit ad absurdum geführt werden konnte, welch Zweifel sind in seinem Gesicht! *

Das Ende

* Es war in der Zeit, als die Apokalypse dem Menschen den Garaus gemacht hatte. Auf den Feldern verwesten die menschlichen Kadaver, um dem Boden Dünger zuzuführen. Es war ein Vertreter Gottes, der auch an meiner Tür klingelte, um mir den Prozeß zu machen. Ich lag wie so oft im Bette, da es mein irdisches Schicksal war, an Depressionen und übelsten Magenschmerzen zu leiden, und das über die meisten Jahre meines Lebens. Ich sagte: „Was fällt Ihnen ein, mich daniederliegend im Bette und leidend zu stören? Wenn Sie über mich richten wollen, warum sind Sie nicht viel früher gekommen, um endlich Schluß zu machen?„

Ich bekam für meine durchaus objektiven Frechheiten die schlimmste aller erdenklichen Strafen: Ich wurde zu ewigem Paradies verurteilt, und das ohne die Möglichkeit, jemals begnadigt zu werden! *  

Der Kluge

* Sage ich, ich sei klug, hält man mich für eitel, arrogant und versnobbt. Sage ich, ich sei dumm, so glaubt es jeder. *

Der Großkotz

* Nur wenige haben sich vor mir nicht großgetan. *

Was ist die Persönlichkeit?

* Das  seelische Gesamterscheinungsbild eines Lebewesens ist die Persönlichkeit. Die schlechte Persönlichkeit gibt es überall, nur wer blind ist, sieht sie nicht. Eine gute Persönlichkeit ist geprägt von tief empfundenen {moralischen} Erkenntnissen, die den {moralischen} Geist voraussetzen. Die Formel ist recht einfach: Kein Geist, keine Erkenntnisse, schlechte Persönlichkeit, oder wenn man so will, keine Persönlichkeit. *

Von der Erziehung

* Es war einmal ein kleines Mädchen, das wurde antiautoritär erzogen. Es war dieselbe, die Jahre später alles forderte und nichts wußte. Es war einmal ein kleiner Junge, der wurde autoritär erzogen. Es war derselbe, der Jahre später wegen seines Aggressionsstaus mehrere Morde begangen hatte und dafür lebenslänglich bekam. Wie bloß erzieht man richtig? *

Der Liebenswerte

* Nur der Liebenswerte ist durch Liebenswürdigkeiten zu erfreuen. *

Die Diktatur

* Die älteste Diktatur ist die des einzelnen. Teils wird sie überschattet von staatlichen Diktaturen, aber irgendwann ist es Zeit, jede solche über Bord zu werfen und durch eine andere Regierungsform zu ersetzen. Was bleibt, ist das angeborene menschliche Verhalten, welches auf Fremdbestimmung und Zuweisung abzielt und das tägliche Zusammenleben im Kern bestimmt. Es hat sich als negativ und unabänderlich erwiesen. Es gibt also keine Möglichkeit, den Anspruch auf diese Fremdbestimmung und der damit verbundenen Diktatur zu beseitigen. *     

Von der Überzeugung

* Als ich noch jung war, hatte ich wie jedermann Überzeugungen, seien es gute oder schlechte gewesen. Waren es nicht die einen, so waren es andere. Aber im Laufe der Jahre hat sich bei mir gezeigt, daß jede Überzeugung nur so lange Bestand hatte, wie sie nicht durch neue Erfahrungen oder Einsichten ersetzt und abgelöst wurde. Aus diesem Grunde fällt es mir heute recht schwer, überhaupt eine Idee oder einen Gedanken, sei er eigens oder fremd, als revolutionär, genial oder als Maßstab für die Welt zu erachten. Das Moment der Täuschung des unvollkommenen Menschen wird auf lange Zeit gesehen deutlich erkennbar. Es kann daher  für uns im Denken und Handeln keine Sicherheit geben, selbst wenn wir tausend Jahre leben sollten. *

Von der Erfahrung

* Im Alter habe man an Lebenserfahrung gewonnen, so sagt man. Die differenzierte Betrachtung aber läßt wie so oft zweifeln: So gibt es nicht nur erfahrene Menschen im hohen Alter auf der einen und naive Kinder auf der anderen Seite, sondern auch diejenigen, die aus dem langjährig Erlebten keine Konsequenzen ziehen und solche, die gering an Jahren sich anhand des Erfahrenen einer gnadenlosen Selbstkritik unterwerfen. Darüber definiert sich der Jüngling von hundert Jahren und auch der jungenhafte Menschenkenner. *

Von der Bluttat

* Nicht nur bei Proleten ist der Täter ein Held und das Opfer ein Feigling, habe der Täter auch noch so perfide gehandelt. *

Von der Freundschaft

* Die Freundschaft obliegt dem Menschen durch seine Geburt nur ausnahmsweise. Zu schnell findet man sich gegenseitig langweilig, ja unerträglich. Obwohl der Mensch von Natur aus gesellig ist, hat er es nur zum oberflächlichen Beisammensein gebracht, um nicht in die Einsamkeit zu geraten. Der jeweils andere ist in aller Regel gleichgültig. Wird doch ausnahmsweise die Freundschaft angeboten, so wird sie zum größeren Teil durch Ausreden oder angeblich mangelnde Zeit abgelehnt und zum kleineren Teil sogar empört zurückgewiesen. Sollte es aber doch einmal zu einer Beziehung kommen, die den Anschein der Freundschaft hat, so solle man genau darauf achten, daß zwischen beiden Liebe herrsche, falls es hier auch nur zu geringen Unregelmäßigkeiten kommen sollte, offenbart sich der Verräter an der Sache. Also schon wieder einer, der für die Freundschaft nichts taugt. *

Was der Mensch nicht verträgt

* Das eine oder andere wird dir der Mensch verzeihen, aber eines nie: Wenn du ihn verläßt, und das, obwohl er selbst nicht anders handeln würde! *

Von der Arbeit

* Es gibt etwas, was in Deutschland traditionell seit jeher maßlos überbewertet wird: Die Arbeit nämlich. *

Das verbockte Abitur

* Es ist immer dasselbe: Wer denken kann, schafft das Abitur nicht. *

Der typische Deutsche

* Die Deutschen sind ein sonderbares Völkchen. Stets brauchen sie etwas, an das sie fest glauben können. Früher war es einmal der Kaiser, danach der Führer, anschließend Adenauer und vielleicht auch Kennedy. Am Ende rundete Kohl dieses Bild ab. Heutige wesentliche Idole außer dem Amtsarzt sind mir nicht bekannt, aber es ist wohl nur eine Frage der Zeit. *

Von der Intelligenz

* Wer folgerichtig und gegen seine Erfahrung denken kann, der ist wirklich intelligent und bewundernswert. *

Vom Kriege

* Wer in den Krieg zieht und gute Waffen schmieden kann, der ist gut beraten. Wer aber die meisten Panzer bauen kann, der gewinnt ihn. *

Der Feind

* Es gibt in der Welt liebe Jungs und böse Buben. Ist das Feindbild erstmal da, gibt es nur noch böse Buben. *

Der Meister der Erzählung

* Der Meister der Erzählung tut sich mit der Mathematik sehr schwer. Umgekehrt ist es dasselbe. *

Vom Urologen

* Immer wenn ich urologisch untersucht worden bin, denke ich nachher anders als vorher. *

Die Frohnatur

* Nie habe ich einen größeren Haß verspürt, als gegen den, der ständig guter Stimmung ist. Er findet alles positiv, obwohl es soviel Schlechtes gibt. Bricht er sich ein Bein, so freut er sich, daß er sich nicht beide gebrochen hat. Verliert er hundert Mark, so freut er sich, daß es nicht zweihundert waren. Ist ihm übel, so wäre wohl ein Herzinfarkt schlimmer gewesen. Er schimpft mich destruktiv, weil ich seine Manie nicht teilen möchte. Diese Menschen haben den Bezug zur Realität teilweise verloren, ohne davon zu wissen. Dennoch sind sie im allgemeinen beliebter als der schwere Melancholiker, weil der Umgang mit ihnen Flügel verleiht. Es handelt sich hierbei aber um eine pathologisch frohnatürliche Konfiguration. *

Der Menschliche

* Es heißt, ich solle menschlich sein. Also gut, wen soll ich umbringen? *

Vom Genie

* Die meisten Genies gibt es in psychiatrischen Krankenhäusern. *

Warum der Hund Männchen macht 

* Alle Säuge – und Wirbeltiere sind sehr gelehrig und intelligent. Sie verfügen wie wir über ein ausgeprägtes Bewußtsein, nur daß sie es nicht sagen können. Nehmen wir beispielsweise den Hund oder die Katze. Der Hund erkennt sehr frühzeitig den Zusammenhang zwischen Männchenmachen und Leberwurst. Die Katze bemerkt sehr bald, daß Scheißen auf dem Katzenklo und nicht schnurrend vom Balkon zusätzliche Streicheleinheiten nach sich ziehen. Je größer die Belohnung und somit das Motiv ist, desto größer sind die Lernerfolge; ja Vierbeiner werden regelrecht zu Rettungshunden ausgebildet, und suchen mit großem Erfolg nach Verunglückten. Katzen werden mit großem Erfolg dressiert und springen im Zirkus von Hocker zu Hocker, über den Dompteur hinweg und anschließend durch einen Ring aus Feuer.

Ändern sich allerdings die Gegebenheiten und Umstände, so erkennt man die Grenzen des unmittelbaren Intellektes, das heißt der Hund sucht ohne Erfolg beim Nachbarn nach Verletzten, die Katze scheißt in den Kaninchenstall der Schwiegermutter und der Papagei krächzt ohne Sinn und Verstand „Papa hat ‘ne Freundin„, was ihm die Kinder beigebracht haben und Mama nun zufällig hört. Ebenso ist es beim Menschen. Ist das Motiv ein hohes, so sind die Lernerfolge in aller Regel entsprechend. Ist es das Diplom, das lockt, so wird es erreicht werden. Ist es die Promotion, die lockt, so wird auch sie erreicht werden. Habilitation? Kein Problem, ein gewisses Talent natürlich immer vorausgesetzt. In den verschiedensten Situationen des Lebens aber scheitern vor allem Lehrer, Ärzte, Juristen, Polizisten und Psychologen. Lehrer erweisen sich als nicht subjektiv denkend, was aber dem Verständnis des Schülers dienlich wäre, Ärzte stellen vor allem bei angeborenen und nicht gleich sichtbaren Veränderungen der Organe die Diagnose des Simulantentums, Juristen verhängen keine harten Strafen gegen gefährliche Gewaltverbrecher, Polizisten schlagen unbescholtene Ausländer und Psychologen destruktivisieren den Patienten, weil dieser eine andere Meinung hat. Unter diesen Umständen der Praxis, die durchaus von dem Gelernten abweichen kann, versagen sie fast alle. Es ist nichts Neues: Was der Bauer nicht kennt, frißt er nicht. *

Es gibt keinen Gott

* Man muß nur lange genug leben, um zu sehen, daß es keinen Gott gibt. Alles im Leben ist nur die Folge und Folgesfolge des Vorangegangenen. Ein Gott, heiße er Allah oder Jehova oder Mannitou, passt da nicht hinein. Aber selbst wenn es ihn doch geben sollte, verdiente er tatsächlich Anerkennung? *

Das Brett vor dem Kopf

* Das größte Brett vor dem Kopf hat ohne Zweifel der Sozialphobiker. Er ist daher der meistgehaßte homo sapiens überhaupt. Frag’ die Lehrer, Ausbilder, Erzieher, aber auch Bekannte, Nachbarn oder Schwiegermutter, alle sagen über ihn dasselbe: Schuld am Elend aller ist nur er allein. Ihm wird eine größere Aggression entgegengebracht, als dem größten Schweinehund, da es mit der Geduld des zivilisierten Menschen nicht weit her ist. Wieso aber bekommt ausgerechnet er den Nobelpreis? *

Vom Weibe

* Warum ich nie geheiratet habe, werde ich in letzter Zeit, der ich nunmehr fünfundreißig Jahre zähle, oft gefragt. Ist die Frau zum Geiste eher fähig als der Mann? *

Das Trauma

* So mancher Kindheitstraumatisierte neigt später zur lebenslänglichen Selbstaufwertung. Es werden dabei vor allem allgemein akzeptierte Werte wie Schönheit, Reichtum, Männlichkeit und Intelligenz dargestellt und für sich beansprucht, treffen sie tatsächlich zu oder nicht. Darauf angesprochen lernt man schnell, daß im Leben fast nichts interessant ist, und die Kritik an der eigenen Person schon gar nicht. Dementsprechend hat man auch noch nie von einer erfolgreichen Therapie dieser Wesensstörung gehört. * 

Gut und Böse

* Es fällt mir schwer zu glauben, daß Gott nur gut und Satan nur böse ist. Zumindest fänden beide auf der bewohnten Erde kein adäquates Gegenstück. *

Der Trieb zum Verbrechen

* Der Trieb zum Verbrechen kommt bei einigen Probanten gleich nach den lebensnotwendigen Trieben wie Hunger, Durst, Schlafen und Fortpflanzung. Es ist ein Märchen, ein Verbrecher werde zum Verbrecher erzogen. Genauso wie jeder andere auch sein individuelles Wesen, welches sich als lebenslänglich unveränderbar erwiesen hat, von seinen Vorfahren in die Wiege gelegt bekommt, wird auch er als Träger seiner in diesem Falle schlimmen Merkmale geboren. Die Erziehung kann zwar nicht gänzlich ignoriert werden, sie dient aber lediglich zur geringen Verstärkung oder Milderung des ererbten Potentials. Wie stark nun der Trieb zum Verbrechen sein kann, zeigt wieder einmal die Geschichte: Die Alten Römer waren Barbaren und haben noch gekreuzigt, aber dennoch hat es auch dort zum Teil schwerste Straftaten gegeben. Nichts und niemand wird also die aktive oder passive Durchführung von Unrecht jemals restlos verhindern können, weder durch Androhung von Repressalien noch durch den Einsatz einer bewaffneten Armee. *

Von den physiognomischen Fragmenten

* Die Physiognomik ist zwar keine vollkommene Wissenschaft, sie hat bei mir aber trotzdem einen hohen Stellenwert, denn sie spiegelt ein hohes Maß an Menschenkunde wider. Die meisten Menschen sind tatsächlich so, wie sie aussehen, vielleicht klug oder dumm, vielleicht lieblich oder gewalttätig. Am liebsten ist mir das klar geschnittene, charaktervolle Gesicht. Ein klarer Kopf, zwei klare Augen und ein klares Wort prägen diesen Menschen. Bisweilen gibt es aber bemerkenswerte Ausnahmen von der Regel, bei deren Beurteilung man sich gehörig verschätzen kann. Die Natur macht halt, was sie will. *

Der Individualist

* Es gibt nur sehr wenige Menschen, die unabhängig von Lob und Tadel sind. Man nennt sie Individualisten. *

Wer ist mutig?

* Die mutigsten Männer der Weltgeschichte sind die ängstlichsten zugleich gewesen. Nur wer Angst hat und sie überwindet, ist mutig. Die Heldentat als solche, die völlig angstfrei ausgeführt wurde, ist kaum eine Notiz wert. *

Von der eigenen Art

* Die größte Aggression geht bei Mensch und Tier meistens gegen die eigene Art. *

Das Ursache – Wirkungs – Prinzip

* Hier auf der Erde und wahrscheinlich auch in den meisten Bereichen des Universums gilt das Ursache – Wirkungs – Prinzip. Es gibt also keine Ursache, die nicht eine Wirkung nach sich zöge. Umgekehrt ist es dasselbe: Es gibt keine Wirkung, die nicht auf einer Ursache fußte. Ist es aber nicht denkbar, daß es Teilabschnitte des Weltalls gibt, die für uns uneinsehbar sind und in denen dieses Gesetz keine Anwendung findet? Dies hieße, erführen wir davon, daß dort Dinge geschähen, die wir nur mit einer Art Zauber erklären könnten, da sie außerhalb unserer Erfahrung liegen. Ein Mensch, den man in diese Welt transformieren würde, müsste wahrscheinlich alsbald sterben. *    

Von der Verhältnismäßigkeit

* Gut und Böse oder Wert und Unwert sind nicht objektiv darstellbar oder meßbar. Der eine erschaudert beim versehentlichen Zertreten eines Regenwurmes, wiewohl der nächste Eintritt zahlen würde für eine mittelalterlichen Vierteilung, aber natürlich nur dann, wenn der andere umgebracht wird. Wer ist gut und wer ist schlecht? *

Warum Nashornscheiße gut schmeckt

* Schopenhauer lehnte einst das Leben ab. Er hieß den Menschen nur im weiteren Sinne ein denkendes Wesen, da er sich des allgegenwärtigen Problems des Daseins nicht bewußt sei. Aber genaugenommen muß dies so sein, denn das Leben erhält seinen Antrieb im Regelfall zunächst aus dem Selbsterhaltungstreben, der Freude am Sein und dem Unvermögen, die Zwielichtigkeit und Qual desselben zu erkennen. Nur so ist es möglich, eine Generation nach der anderen zu schaffen, die auch in Zukunft keine Fragen stellen oder Existentielles je in Zweifel ziehen wird. Somit ist das Fortbestehen der eigenen Art in jedem Falle gewährleistet, das Ziel der Evolution erreicht. Sollte aber das Selbsterhaltungsstreben, aus welchem Grunde auch immer, erlöschen, und sollte die Freude am Sein durch eine Depression ersetzt werden, dann wird unter diesen Umständen schnell dem Dümmsten klar, daß das Problem des Seins eines der schwierigsten und wichtigsten überhaupt und das Leben ein Nichts ist. Der Pillendreher würde aussterben, wenn er überlegen könnte und ihm klar würde, welchen Job er macht! *

Eine subjektive Beschreibung der Angst

* Die Angst ist der unendliche Strudel, der mich hoffnungslos ohne Wiederkehr davontreibt. *

Vom Respekt

* Zuneigung kann nicht erzwungen werden, Respekt kann und muß erzwungen werden, notfalls mit Gewalt. *

Von der Sensibilität

* Die Sensibilität ist eine sehr positive Eigenschaft. Schade aber, daß sie meistens nur gegen sich selbst Anwendung findet. *

Der Urknall

* Die Astrophysiker betrachten den Urknall als die Wiege allen Lebens. Da Energie und Materie kompatibel seien, habe sich letztendlich alles Lebendige aus dieser Energie entwickelt, woher sie auch immer stammen möge. So fänden wir infolgedessen Sterne, Sonnen, Monde und Planeten, die durch ausgeglichene Schwerkräfte in vorzüglicher Weise zusammenwirkten und somit das Universum zusammenhielten und insbesondere die richtigen Bedingungen auf der Erde (Temperatur, Druck, Atmosphärenbeschaffenheit, Wasser, fruchtbare Böden und so weiter). Diese Theorie ist plausibel und nicht von der Hand zu weisen. Doch ich bleibe hartnäckig – wozu dieses skurrile Wunder? *

Vom Werte des Lebens

* Moralisch und ethisch gesehen ist ein Leben unbezahlbar und mit Gold nicht aufzuwiegen. Im täglichen Dasein aber spüren wir nur den Wert, der uns von anderen beigemessen wird. Dieser ist absonderlicherweise denkbar gering. *

Die Widrigkeit

* Es gibt für jede Widrigkeit jemanden, der sie gut findet. *

Der freche Grinser

* Den frechen, auf die Nerven fallenden Grinser gibt es überall. Sein Motiv ist, höre es sich trivial an oder nicht, der Narzißmus. Er wird durch Prägung gefördert und durch die Unmündigkeit des Betreffenden nicht revidiert. Und wenn der Grinser nicht gestorben ist, dann grinst er morgen immer noch. *

Vom Lernen und Lehren

* Es ist schon erstaunlich, wieviel Wissen sich der Mensch im Laufe seines Bestehens angeeignet hat. Jedoch zeigt er sich in nichts phantasieloser, als im Weitervermitteln seiner Kenntnisse. Dies führt mitunter sogar so weit, daß an sich begabte Menschen eine weiterführende Schule verlassen müssen, weil sie dem einfühlungslosen Unterricht nicht folgen können. Sie gelten dann absurderweise als nicht talentiert genug. Falls sie sich aber trotzdem weiterbilden möchten, bleibt ihnen nur noch das autodidaktische Studium, welches viele derselben im übrigen bestehen. Ein weiteres und groteskes Beispiel spiegelt sich ganz besonders deutlich in der Computerkunde wider: Der Rechner ist ein sehr extravaganter Schüler, denn er reagiert nicht auf Beschimpfungen und ist nicht der Ausbildung verweisbar. Tatsächlich muß ihm auch in Form seiner Sprache und im Sinne seiner Subjektivität alles ganz genau erklärt werden, kleinste Unregelmäßigkeiten führen hier sofort zum Mißerfolg, denn er macht genau das, was man ihm sagt, also auch die Fehler, die aus den ungewollt übertragenen Unklarheiten oder Mehrdeutigkeiten resultieren. Also bleibt nur der Weg, der seelenlosen Maschine mit möglichst großem Vorstellungsvermögen und Hingabe zu begegnen, ein Weg, der im allgemeinen beim gewöhnlichen Schüler keine Anwendung findet. Und was sehe ich trotzdem bei abgeschlossenen Programmen, die am Ende auf den Systemen laufen? Fehler, Fehler, Fehler! *

Von der Anerkennung

* Anerkannt wird nur der, der den eigenen subjektiven Idealen und Werten entspricht, seien sie geistig oder nicht. So mag der Lehrer den guten Schüler, der Trainer den athletischen Sportler, der Meister den geschickten Lehrling, der Knacki den erfogreichen Bankräuber und der Feldwebel den gehorsamen Soldaten. Eine allgemeine Anerkennung erlangt derjenige, der abgesehen von fachspezifischen Fragen keine weiteren stellt. Wehe dem, der diesen Idealen nicht entspricht! *

Von der Wahrnehmung

* Es ist die angeborene feinpsychologische Wahrnehmung, die mich an mir selbst und anderen Fetischismen, Atavismen, verborgene Strömungen und wunderliche Triebe erkennen läßt und fast mit einem zwanghaften, also quälenden Beobachtungsstreben einhergeht. Zugegeben: Dies ist wahrscheinlich der Stoff, aus dem gute Literatur gemacht wird, aber glaubt mir, könnte ich tauschen, ich würde es sofort tun! *

Vom Heißhunger

* Bei einigen Menschen wird durch nichts die Verwandtschaft zum Tiere deutlicher als beim Fressen. *

Der Egozentriker

* Der Egozentriker denkt naturgemäß auffällig ichbezogen. Es ist der Schaden anderer, den er nicht nur billigend in Kauf nimmt, sondern als erstrebenswertes Ziel betrachtet, um sich daran zu erfreuen und zu befriedigen. Nichts ist ihm heiliger als sein Recht, nichts empört ihn mehr als das Recht anderer, denn selbige sind nach seiner Denkart unbedeutender als ein Stein am Wegesrand. Dieser Charakterzug ist nicht abhängig von der Nationalität, Kultur oder vom Intellekt. Milde Fälle dieser Untugend sind egoistisch, besonders krasse Fälle egomanisch zu nennen. Bei letzteren muß die Gesellschaft etwas unternehmen, um Schaden von ihr abzuwenden, obwohl sie ja selbst aus der Summe der drei genannten Typen nebst einigen scheinbaren Sonderlingen besteht. Fünfundzwanzig Jahre Gulag werden bestimmt für Abhilfe sorgen. Ist diese Forderung etwa radikal? *

 Von der Bedürftigkeit

* Der Mensch ist auf der einen Seite die selbsternannte Krone der Schöpfung, aber auf der anderen das bedürftigste Wesen des Universums.  Kein Tier, keine Mücke, kein Elefant stellt so hohe Ansprüche an das Leben wie wir. Ob Kleidung, Nahrung oder Unterkunft, alles muß erarbeitet oder beschafft werden. Wo sich der Wolf mit einer einfachen Höhle begnügt und dort sogar Welpen zur Welt bringt, benötigen wir unser Haus mit der entsprechenden Einrichtung. Wo das Rind mit einfachem Gras vorliebnimmt, benötigen wir hochwertige Mischkost. Wo das Schwein annähernd nackt herumläuft, benötigen wir je nach Jahreszeit verschiedentliche Kleidungsstücke. Wo sich der Elchbulle mit einigen Quadratkilometern Revier zufriedengibt und dabei aber trotzdem andere Tiere außer eben Elchbullen duldet, roden wir weite Flächen, um sie der intensivierten Landwirtschaft und den Riesenstädten zuzuführen. Wo in der Natur im Sinne eines Regulativs ein Massensterben einsetzt, begegnen wir ihm mit verbesserter Medizintechnik und Lebensmittelimporten. Die Befriedigung unserer Bedürfnisse, so verständlich sie zunächst auch sein mag, haben wir nach und nach in immer größerem Umfange gegen alle natürlichen Widerstände durchgesetzt. Am Ende werden es unsere eigenen Bedürfnisse sein, an denen wir ersticken. *

Vom Alkohole

* Der Alkohol ist nicht nur ein gefährliches Suchtmittel, er kann auch bei der Arbeit an ungefährlichen Maschinen – und dazu mag die Schreibmaschine ja  gehören –  inspirierend wirken und zum Beispiel die Erstellung von Aphorismen begünstigen. *

Von der Lernbehinderung

* Man kann eine Lernbehinderung beim Erwachsenen, wenn man einmal von seinen Schulzeugnissen absieht, in der einen Gruppe in einem Gespräch spontan erkennen, in der anderen nicht. In der erstgenannten Gruppe wird man das Gefühl nicht los, es mit einem großen, naiven Kinde zu tun zu haben, welches nie erwachsen geworden ist und seine Umwelt infantil erkundet und einschätzt. In diesem Zusammenhang bin ich sogar schon von einem dreißigjährigen Manne zu einem Spiel im Sandkasten eingeladen worden. In der anderen Gruppe ist der Defekt nicht ganz so offensichtlich zu erkennen: Im Gespräch zeigt sich der Mensch zunächst interessiert, weltoffen, verständnisvoll und erfahren. Keine Spur eines konfusen Charakters. Aber: Wenn man diese Personen etwas besser kennengelernt hat, bringt man auch ihre Wertvorstellungen in Erfahrung. Und genau das ist der Knackpunkt. So ist dem einen beispielsweise der Fußball und seine Lieblingsmannschaft hoch und heilig, so daß er viel Zeit damit verbringt, Sportsendungen zu sehen, Fanartikel zu kaufen und selbst die eine oder andere Partie auf der Wiese zu spielen. Ihr Verlust oder der der Lieblingsmannschaft kann dann eine ernsthafte Krise auslösen, obwohl doch der Fußball keine Bedeutung hat und für niemanden, ausgenommen Berufsspieler, Vor – oder Nachteile bringt. Fußball – welch großer Wert! Ein weiteres Beispiel wäre, wie gelegentlich auch zu sehen, sein Automobil in den Mittelpunkt seines Denkens und Strebens zu stellen. Der Wagen ist dann das ein und alles, er wird gewaschen, poliert, gewachst, inspiziert, übertrieben mit Zubehör ausgestattet und zur Schau gestellt. Bei einem Totalschaden ist dann das Leben nichts mehr wert. Der Wagen – welch großer Wert! An den Werten sind sie, neben den Zeugnissen natürlich, zu erkennen! *

Von der Psychose

* Die Psychose ist der nichtzugängliche Irrglaube. Gemessen an dieser Definition gibt es sehr viele Kranke in diesem Lande, wenngleich auch nicht immer im rein medizinischen Sinne. *

Das Matriarchat

* Nicht in allen Familien ist der Mann und Vater das führende Familienmitglied schlechthin. So sieht man auch in manchen Ehen ein dominantes Alphaweibchen, welches die Herrschaft an sich gerissen hat und sich zum Bestimmen geboren sieht. Läßt der Ehemann, vielleicht sogar groß an Wuchs,  sie gewähren – die Kinder haben sowieso nichts zu sagen – und ist sie zudem klein und mager,  nimmt die Gemeinschaft fast lächerliche Züge an. *

Die Selbstverleugnung nach außen

* Die Lüge gegen andere ist nicht viel älter als die Lüge gegen sich selbst. Auf diese Weise sollen als unerträglich empfundene  Gedanken, die an der eigenen Heiligkeit rühren, ausgeschaltet werden. Aber wartet nur, irgendwann kommt alles ungefiltert wieder! *

Vom Wesen des Menschen

* Das eigentliche, ungeschminkte Wesen des Menschen ist besonders beim Kinde deutlich erkennbar, weil es naturgemäß weniger gehemmt ist als der Erwachsene und in der Hauptsache keine Vorbehalte kennt. Daher läßt es gut sichtbare Einblicke in sein Seelenleben zu, denn es weint in jedem Fall, wenn es traurig ist, und es schreit in jedem Fall, wenn es wütend ist. Ist es fröhlich, so lacht es. Die Kombination der dargestellten Emotionen untereinander und die Häufigkeit der Einzelgefühle lassen dann, wenn nicht vollständige, so doch gewisse Rückschlüsse auf den jeweiligen Charakter zu. Diese Offenkundigkeit verliert sich jedoch im Zuge der weiteren Entwicklung bis zum Abschluß der individuellen Persönlichkeit. Es ist demnach in aller Regel nicht mehr zu erwarten, daß man bei einer Rüge des Chefs in Tränen ausbricht, bei dem Verlust seiner Brieftasche ärgerlich schreit oder sich kranklacht, wenn einer mit dem Namen „Pustekuchen„ vorstellig wird. Das Grundwesen aber, sei es heimtückisch, entgegenkommend oder wie immer, bleibt völlig unverändert, nur daß man es nicht mehr auf Anhieb erkennen kann. Außer Kinder zeigen nur noch (enthemmte) Betrunkene, wer sie wirklich sind. *

Von der Zukunft

* Der Mensch ist so beschaffen, daß sein Handeln und Wirken zukunftsorientiert zu nennen sei. Daher darfst du ihm alles nehmen, aber nicht den Glauben und die Hoffnung, daß alles besser werde. *

Vom Glücke

* Das Glück ist nicht nur von äußeren Faktoren abhängig. Vielmehr spielen auch biochemische Prozesse im Gehirn eine wichtige Rolle. Arbeiten sie anlagebedingt unregelmäßig oder gestört, ist kein Glück zu erreichen, so sehr man sich auch anstrengt. *

Von Beamten

* Manche Beamte sind so dumm und kleinkariert, daß sie beim Totschlag einer Fliege die Mordkommission benachrichtigen. *

Vom Nachbarn

* Kraule ich des Nachbarn Hund, so gewinne ich einen neuen Freund. Kraule ich des Nachbarn Frau, so gewinne ich einen neuen Feind. Wo liegt eigentlich der genaue Unterschied? *

Von den heiligen Schriften

* Es gibt wohl keine langweiligeren und mit mehr leeren Versprechen versehene Bücher als die religiösen. Ob Bibel, Koran, Talmud oder Mannitous’ heilige Symbolrollen  – chchchchchchchchch………. *

Das Konzept

* Ob beruflich oder privat, gesellschaftlich oder familiär, mir fehle das Konzept oder auch der Plan für die Zukunft, schimpft meine Umwelt. Wie soll wohl ein feingeistiger Mann wie ich, der es allenthalben zu dulden gelernt hat und dessen Schmerzgrenze oft weit überschritten war, lebendig – dynamische Projekte verwirklichen wollen? *

Von der Programmatik des Seins

* Es zeigt sich oft, daß eineiige Zwillinge in derselben oder einer ähnlichen Lage am selben oder einem anderen Orte dasselbe denken und empfinden. Dies gilt überraschenderweise selbst dann, wenn sie sich noch nie im Leben begegnet sind, wie es eben bei Geschwistern, die nach der Geburt voneinander getrennt wurden, vorkommt. Das beweist, daß nicht nur unser Äußeres durch die Erbmasse vorherbestimmt ist, sondern gleich die komplette Persönlichkeit mit ihm. Somit ist auch der freie Wille eines jeden Lebewesens mit Zweifeln zu versehen, denn es geschieht nicht das, was das Individuum will, sondern nur das, was die erbliche Prädestination der Kreatur als freien Willen suggeriert. *

Von der vergammelten Gurke

* Für die Tiefenpsychologie gibt es nur sehr wenige treffende Bewertungen. Auf jeden Fall aber ist sie unseriöser, als vergammelte Gurken zu verkaufen.*

Der Rechtsradikale

* Das Bezeichnende für den Rechtsradikalen ist sein auffallend blödes Gesicht.*

Der Psychiater

* Was ich dem Psychiater nicht verzeihe, ist seine Reduktion meines Seins auf einen neurologischen Zustand. *

Vom Abstrahieren

* Die Abstraktion ist die Fähigkeit, Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen. Was aber ist wesentlich oder unwesentlich?*

Der Verdacht

* Wer einmal im Verdacht stand, dumm zu sein, wird nie mehr auf die Beine kommen. *

Depression

* Wer nie die schwerste Depression erlebt hat, der war nie erschüttert. Wer nie erschüttert war, der hat nie am Selbstverständlichen gezweifelt. Wer aber nie am Selbstverständlichen gezweifelt hat, ist künstlerisch und wissenschaftlich bedeutungslos. *

Vom Christus

* Was den Christus unsterblich gemacht hat, war sein lebendiger Geist. Umso erstaunlicher ist es, daß er ihn ausgerechnet dem Erdenmenschen empfehlen wollte. *

Vom Paradiese und der Möglichkeit der Unsterblichkeit

* Im Paradiese, die meisten Menschen wissen es nicht, weil sie es nie genau nachgeschlagen haben, gab es dem Bibeltext zufolge zwei bedeutsame Bäume: Den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse und den Baum des Lebens. Von dem einen haben Adam und Eva bekanntlich gegessen, wurden somit erbsündig und erkannten fortan naturgemäß den Unterschied zwischen Recht und Unrecht, wiewohl das Streben des Menschen zumeist in die negative Richtung weist. Danach wurden sie aus dem Paradiese vertrieben und der Baum des Lebens von einem mächtigen Engel bis zum heutigen Tage bewacht, der die potentielle oder totale Unsterblichkeit ermöglicht hätte. Allein die erste und bislang einzig genossene verbotene Frucht hat also das Weltgeschehen entscheidend beeinflußt. Kaum auszudenken, wie das Leben auf der Erde heute aussehen würde, hätten die ersten Menschen auch noch von der zweiten Frucht gegessen, denn dann würden, die totale Immortalität vorausgesetzt, alle Schurken keines Todes mehr sterben, um der Einsicht, Rückkehr und Erholung Raum zu geben, wie es die Welt zum Beispiel nach Franco, Hitler oder Stalin und seinen Nachfolgern erlebt hat. Allein „nur„ dem Sündenfall, hält man die Schöpfung für authentisch, verdankt die Erde ihren gegenwärtigen Phänotypus. Aber: Man muß Adam und Eva eines zugute halten: Sie kannten die Lüge (noch) nicht. *

Die Welt als Wille und Vorstellung

* Alles um uns herum muß als subjektive Vorstellung in unser Bewußtsein fließen, wollen wir existieren. So gibt es scheinbar triviale Sinneseindrücke wie Sehen, Hören oder Riechen auf der einen Seite – auch sie müssen erst einmal, so wir nicht schlafen oder andersartig ohnmächtig sind, im Zerebrum ausgewertet und im Theater des Bewußtseins aufgeführt werden, um uns einen Eindruck von der unmittelbaren Umwelt zu verschaffen –  und die geistig – intellektuellen Zusammenhänge, die uns gleichermaßen umgeben und erkannt werden wollen auf der anderen Seite. Während die Sinnesorgane mehr oder weniger automatisch funktionieren und ihre Eindrücke weiterleiten, müssen die intellektuellen Zusammenhänge durch lebenslängliches Lernen erarbeitet werden. Dieser Prozeß gilt für alle Lebewesen, aber für Pflanzen natürlich nur im weiteren Sinne, da sie wahrscheinlich ohne Bewußtsein auskommen müssen. Das lebenslängliche Lernen führt nun besonders bei häufig wiederkehrenden Tätigkeiten zu schnellen und folgerichtigen Assoziationen, es wird folgerichtig reflektiert, es spiegelt sich der einst erlernte Teil der Intellektuellen, zusammenhängenden Welt wider. Jedoch kenne ich nur sehr wenige Menschen, die ein außerordentliches Gespür für den anderen entwickelt hätten, und das, obwohl wir doch jeden Tag Umgang und Kontakte pflegen, jeden Tag Menschen sehen. Gerade dieser Teil der umgebenden intellektuellen, zusammenhängenden Welt ist im gewöhnlichen Falle wenig ausbaufähig. Zwar gibt es den einen oder anderen talentierten stillen Beobachter, doch zählt er zumindest im eigenen Lande nichts. *

Vom schweren Leide

* Das eigene Leid, gar chronisch, ist schwer zu ertragen. Das fremde Leid ist gar nicht zu ertragen. *

Von der Bildung

* Das triviale Imitieren eines anderen, das Erlernen leichteren Stoffes oder auch das anstrengende Studium, alles jeweils unter fremder Führung oder unter Bezugnahme auf ein Vorbild, sieht man überall. Für die eigene Überlegung bedarf es des Genies. *

Die Aufgabe des anderen

* Es scheint, als wäre das Zurücklassen eines anderen für den gewöhnlichen Menschen, habe er ohnedies ein Feindbild oder auch nicht, die leichteste aller Übungen. Nein, ich werde auch beim nächsten Mal zögern, nein ich werde immer zögern, gleich, wer vor mir steht. *

Der Computer

* Was einen guten Computer ausmacht, ist die große Festplatte, der große Arbeitsspeicher und der starke Prozessor. Obwohl ich den Menschen nicht unmittelbar mit einem Computer messen möchte, sei ausnahmsweise doch dieser Vergleich erlaubt: Wer die schwierigste aller selbstauferlegten Aufgaben lösen möchte, nämlich ein unkonventioneller Denker mit individualistischen Strömungen zu werden, muß wissen: Einen guten, ja genialen Dichter oder Denker ohne phänomenalem Langzeitgedächtnis, also Festplattenkapazität, und ohne hervorragendem Kurzzeitgedächtnis, also Arbeitsspeicher, und ohne analytischem Verstande, also Prozessor, gibt es nicht und wird es nie geben. *

Von der Eitelkeit

* Absurderweise gilt es seit jeher als großer Wert und bedeutsam, reich, schön, erotisch oder intelligent zu sein, obwohl man dadurch weder das ewige Leben noch eine Stelle neben dem Lieben Gott beanspruchen könnte. Falls es als großer Wert gelten würde, die stinkensten Exkremente zu produzieren, würden sich die Menschen gegenseitig mit Scheiße bewerfen, um zu demonstrieren, sie seien mehr als der andere. *

Vom Ärgern

* Jeder Mensch, vom Hilfsarbeiter  bis zum mehrfach promovierten Esel,  ist zu ärgern, kennt man seine subjektiven Werte. Selbige sind einfach nur in Zweifel zu ziehen, so erkennt man beim Gegenüber bald den Zustand der empfundenen Wertlosigkeit oder Minderwertigkeit. Während man noch bei Doofi kundtun kann, man vertrage mehr Bier als er, so wird beim Arzte die Diskreditierung seiner Doktorarbeit als Abhandlung über Vitamin C Wirkung zeigen. Gelten wollen sie alle, jeder auf seinem Niveau. *

Von der unerwarteten Frucht

* Die meisten Frauen wollen, in der Regel schon wenn sie jung sind, niedliche kleine Kinder. Dies liegt, schieben wir einmal den allen sich geschlechtlich vermehrenden Geschöpfen angeborenen Fortpflanzungstriebe beiseite, am Diktat ihrer weiblichen Natur. Auf diese Weise entsteht eine Generation nach der anderen, ohne daß sich jemals einer ernsthaft Gedanken darum gemacht hätte, wie sich die entwickelnde Leibesfrucht im späteren Leben verhalten wird. Ach, ist der Kleine drollig! Dudidudidudi! Aber nicht nur der Papst oder Mutter Theresa waren einst süße Kindlein, sondern auch die größten Verbrecher der Weltgeschichte, wie sie auch alle geheißen haben mögen. Auch sie waren einmal, von unerwünschten Schwangerschaften abgesehen, geliebte und gewollte Säuglinge, denen zumindest seitens der Mutter große Liebe und Fürsorge zuteil wurde. Wissen die Frauen wirklich nicht, welch möglicherweise unkalkulierbare genetische Zeitbombe sie in die Welt setzen, obwohl sie doch die Leibesfrucht vom Manne in bester Absicht empfangen haben? *

Der Katalysator

* Ein Katalysator ist ein Stoff, der durch seine bloße Anwesenheit eine chemische Reaktion auslösen oder beschleunigen kann, ohne dabei selbst verbraucht oder verändert zu werden. Überraschenderweise kann man dieses Beispiel aus der Chemie zumindest im weiteren Sinne auch auf den Menschen übertragen, denn es gibt Personen, die durch ihre zufällige, pure Anwesenheit Beschimpfungen und körperliche Gewalt auf sich ziehen, ohne je einem etwas getan zu haben. Wie dieses Rätsel zu erklären ist, entzieht sich meiner Kenntnis.*

Vom geschorenen Schafe

* Ist man erstmal ein paar Jahre älter, schaut man irgendwann verwundert auf seinen Körper und erkennt darauf die Wunden und Narben seines Lebens. Nicht alle sind auf Mißgeschicke oder Unfälle zurückzuführen, einige finden ihre Ursache auch in handfesten Auseinandersetzungen mit dem Menschen, vielleicht sogar mit dem Tiere. Zählt man nur diese zusammen, fragt man sich unwillkürlich auch für den Fall, daß man stets zurückgebissen habe, ob dies wirklich ein unausweichliches Schicksal sei. Ich persönlich kenne niemanden, der gänzlich ungeschoren geblieben wäre. *

Von jemandem, der auszog, die Wahrheit zu verkünden und nicht mehr lange lebte

* Es war einmal ein Mann, der war psychologisch außerordentlich begabt. Seine Begabung ging so weit, daß er schon nach kurzer Zeit des Kennenlernens ein sehr treffendes Psychogramm erstellen konnte. Dieses beinhaltete fast immer die Unvollkommenheit des einzelnen. Seine scharfe Logik und Beweisführung war dabei so unwiderlegbar, daß der angesprochene Mensch, gekrümmt vor Schmerz, es nicht vorzog, an sich zu arbeiten, sondern den Begabten durch einen listigen Anschlag zu töten. Und da solle einmal einer sagen, man habe nur zu Zeiten der Antike oder des Mittelalters den Überbringer der schlechten Botschaft umgebracht! *

Vom Lesen

* Manche Menschen können gut von den Lippen ablesen. Andere Menschen können gut aus den Händen lesen. Ich kann hervorragend aus dem Gesicht lesen, sei sein Ausdruck gespielt oder nicht. *

Von der schulischen Moral

* Die Schulen von heute wollen den Wichten neben dem gewöhnlichen Unterricht auch moralische und ethische Werte vermitteln, soweit sie dazu in der Lage sind. Und das ist auch gut so. Interessanterweise wird damit aber gleichzeitig zugegeben, daß die Schüler sie bedingt durch ihre bloße Geburt nötig haben. *

Der Giftanschlag

* Versuche ich mich selbst zu vergiften, so bekomme ich eine Zwangseinweisung ins Irrenhaus. Versuche ich meinen Feind zu vergiften, so bekomme ich einen guten Rechtsanwalt. *

Von der Klugheit

* Es gibt wohl kaum ein Thema, das dem Menschen wichtiger wäre, als das der eigenen Klugheit, in welcher subtilen Form auch immer. *

Von der Ablehnung

* Ich mag stehen, wo ich will, ich werde überall, bereits als Deutscher unter Deutschen, abgelehnt. Dieses weitreichende Phänomen kränkt mich weniger, als daß es mich überrascht, da wir doch teilweise in großen Städten zusammenleben, weil wir anscheinend bereits von Natur aus gesellig sind. Wie weit ist es da noch zum Mord am Türken, Inder oder Indianer? *

Vom Freitode

* Der Freitod wird meistens als „Selbstmord„ bezeichnet. Diesen Begriff konnte ich nie teilen, da der „Mord„ stets ein niederes Motiv zur Basis hat und nicht die Verzweiflung, den Schmerz oder das Elendsein. *

Vom organisierten Gewaltverbrechen

* Verbrechen, insbesondere Gewaltverbrechen, hat es immer schon gegeben und wird es immer geben. Was sich früher jedoch als Tat einzelner oder kleinerer Banden zeigte, ist heuzutage landesweit bei den Neonazis organisiert. Ihr Ziel ist der illegale Umsturz, um danach den Trieb zum Gewaltverbrechen auf legale Weise befriedigen zu können. *

Von der plötzlichen Idee

* Immer werde ich, selbst bei Gelehrten und denen, die sich dafür halten, für klug befunden, wenn ich einen Gedanken äußere, der dem Gesprächspartner nicht eingefallen wäre, selbst dann, wenn er recht trivial ist. *

Der schmerzliche Verlust des anderen

* Es gibt keinen schmerzlosen Verlust des anderen, wenn man, ungeachtet dessen, ob man sich vorher noch mit ihm gestritten hat, immer noch eine gewisse Wertschätzung für jenen empfindet. *

Von der Verneinung

* All das, von dem der Mensch glaubt, er könne es nicht erreichen, wird von ihm verneint. *

Von der Rache

* Der Mensch rächt sich ohne zu zögern. Ich räche mich, wenn überhaupt, erst nach langem Zögern. *

Vom Vergessen

* Das erste, was der Mensch vom anderen denkt, ist, als hinge ein Schild um seinen Hals, er sei bedeutungslos. Daher ist niemand schneller vergessen als letzterer, ein paar Tage reichen da schon aus. *

Vom Honorar der Berufe

* Der Arzt bekommt bei falschen Diagnosen garantiert sein Honorar. Der Handwerker bekommt bei falschen Diagnosen garantiert seine Kündigung. *

Die Qual der Qualen

* Es gibt keine größere Qual, als das Lernen uninteressanten Stoffes. Dazu gehören in erster Linie die Naturwissenschaften, insbesondere die Mathematik. *

Vom Supermanne

* Seit jeher betrachtet der Mann den anderen Mann als das, was er selber ist: Als Waschlappen und Feigling. *

Vom Frondienst

* Es ist nicht einfach, in einem Lande zu leben, in dem zumindest im beruflichen Sinne der Frondienst am anderen als Selbstverständlichkeit betrachtet wird. *

Von der Uniformität

* Die Uniformität oder auch Zugehörigkeit zu einer Gruppierung sind stammesgeschichtlich mit die ältesten vererbbaren Merkmale überhaupt. Nur sind sie bedauerlicherweise der größte Feind des Individuellen, der Bildung von Persönlichkeit und des Schaffens großer Werke. Nicht meine Sache. *

Von der Prägung

* Die Prägung des Menschen findet nicht nur, aber hauptsächlich in der Zeit des Werdens statt, nämlich in seiner Kindheit und Jugend, also bereits zu jener Zeit, in der er ohnedies leicht beeinflußbar ist. Sie bezieht sich ausnahmslos auf alle Sprößlinge und nur wenige werden sich ihr im späteren Leben entziehen. Diese Prägung stellt neben dem vererbten Charakter, der Bildung und Erziehung, die natürlich auch schon prägende Elemente beinhalten können, das Fundament für die spätere Persönlichkeit dar und verfügt schon früh über eine gewisse Robustheit, hat sie erst einmal stattgefunden. Beispiele dafür gibt es genügend: Jeder ist schon einmal bei einer falschen Antwort ausgelacht worden, von welcher Seite auch immer. Also: Intelligenz und Wissen sind wichtig, will man bestehen. Jeder hat irgendwann die Erfahrung gemacht, daß nur der makellose Körper erotisch ist und das andere Geschlecht anzieht. Also: Hinein in den nächsten Fitneßklub, will man sich letzten Endes reproduzieren. Jeder kennt die Außenseiterrolle, die ihm zugewiesen wird, trägt er öfters abgewetzte Kleidung.  Die Robustheit der Prägung nimmt am Ende solch feste Formen an, daß ihre Inhalte als oberes, unerschütterliches Gesetz angenommen werden, das Denken maßgeblich bestimmen, demzufolge nicht nur gegen sich, sondern irgendwann auch gegen andere zur Anwendung kommen und der geschulte Beobachter sie als irreversibel begreifen muß. Wer sind die wenigen, die sich trotz aller prägenden Erlebnisse diesem Regelkreis entzogen haben und nun eigene Wege gehen? *

Von der Verheißung

* Kleine Kinder lockt man mit Sahnebonbons. Erwachsene lockt man mit dem ewigen Leben. *

Vom schreibenden Menschen

* Es gibt in Deutschland und andernorts mehr schreibtalentierte Menschen, als man glaubt. Welcher Verlag, ob größer oder kleiner, wird sie je drucken? *

Der Fremde

* Sage mir, wie ein Volk seine Kinder behandelt, und ich sage dir, wie es seine Fremden behandelt. *

Von der Arschkarte

* Sollte ein Elternteil eines Kindes oder sogar beide egozentrisch irre Strömungen verspüren, so ist ihr Kind nur zu bedauern, denn es hat bereits zu diesem frühen Zeitpunkt die Arschkarte des Lebens gezogen. *

Von der Vollkommenheit

* Wer auch immer die Erde geschaffen hat, er oder sie hat sie vollkommen geschaffen. Nach langer Überlegung, ich weiß, ich mag mich täuschen, scheint nur der Mensch auf ihr nicht vollkommen zu sein. *

Du lachst dich kaputt

* Sollte jemandem in der Öffentlichkeit ein Mißgeschick passieren, lachen diejenigen am lautesten, die in ihrer Jugend am meisten narzißtisch gekränkt worden sind. *

Tagträume

* Je dümmer ein Mensch ist, desto mehr Tagträume hat er. *

Von Gott und der Welt

* Ich konnte nie erkennen, daß sich Gott in die Belange dieser Welt eingeschaltet hätte. Er läßt den Menschen schalten und walten, wie er {der Mensch} will. Er läßt Gutes geschehen, und er läßt Schlechtes geschehen. Das ganze geht sogar so weit, daß selbst der mitleiderregenden gequälten Kreatur in größter Not keine Anhörung gewährt wird, und das, obwohl selbst dem größten Verbrecher in seinem Leben dann und wann schon einmal jemand leid getan haben dürfte. In Deutschland und anderen Ländern ist die unterlassene Hilfeleistung strafbar. *

Vom verbotenen Triebe

* Der Mensch ist das einzige Tier, dessen Triebe und Neigungen teilweise durch Moral, Gesetz oder Religion einer Einschränkung unterliegen. Doch hätte jedem Verfasser jedweder ethischen Konvention von vornherein klar sein müssen, daß der verspürte Trieb, welcher es auch immer im einzelnen sei, zumindest auf Dauer seine Auslebung fordert. *

Der Moralist

* So sehr ich auch in mir moralische Tendenzen verspüre und erkenne, so sauer kann ich werden, wenn ich einen Typus von Mensch sehe: Das zufriedene Arschgesicht! *

Wie wird man einhundertundzwanzig Jahre alt?

* Um ein sehr hohes Alter zu erreichen, muß man selbstverständlich körperlich und geistig entsprechend erblich disponiert sein. Fehlt nur die körperliche Veranlagung, so stirbt man vorher an Krankheiten, fehlt nur die seelische und somit das Glücks – und Belohnungssystem, so tut man gut daran, sich zur rechten Zeit zu erschießen, um die quälende Zeit bis zum natürlichen Ende abzukürzen. Wann der genaue Zeitpunkt des Suizids gekommen ist, muß jeder für sich entscheiden. *

Wer ist verrückt?

* Ich reagierte auf Umwelteinflüsse empfindlich wie eine Mimose, sagt man über mich, sei verrückt gar. So lange allerdings der Leichenstapel am Wegesrand keine Beachtung findet und man sich auch ansonsten im alltäglichen Leben wertlos gegenübersteht, sind alle anderen verrückt, nur ich bin nicht verrückt. *

Der Fall Mareike B.

* Es war einmal eine attraktive junge Frau im Alter von etwa zweiundzwanzig Jahren. Sie hatte in ihren Kindertagen ein schweres Trauma erlitten, und zwar das einer Vergewaltigung. Ihr war also zu jener Zeit ohne Zweifel großes Unrecht widerfahren, bedenke man dabei, daß sie wahrscheinlich dieses schreckliche Ereignis für den Rest ihres Lebens nicht vergessen können und es daher im Laufe der Zeit immer wieder zu ungewollten und natürlich schmerzhaften Erinnerungen an die Tat kommen werde. Jedoch waren ihr Wesen und Charakter – sie bekundete dabei, einen Gott zu kennen – immer schon identisch mit dem der meisten Menschen – dominant, eitel, aufgeblasen und uninteressiert am Wohle anderer. Wie bloß ist dieser Fall unter den geschilderten Umständen insgesamt zu betrachten? *

Aus dem Tagebuch eines unbekannten Arbeitsverweigerers

* „Ich bin seit zehn Jahren beschäftigungslos und will auch in Zukunft nicht arbeiten, weil ich ansonsten für die Dauer der Arbeitszeit mit dem Weltmenschen Kontakt hätte, dessen Gegenwart mir nicht sehr lange erträglich scheint. Gott sei Dank habe ich ohnedies viele Krankheiten, die ich unter diesen Umständen nur allzu gerne zur Schau stelle!„

Kommentar von mir: Ich bin wohl einer der wenigen, der Verständnis für diese Einstellung aufbringen kann. Wenn sich der Arbeitslose dadurch seine individuelle Identität bewahren kann und ansonsten an seiner Persönlichkeit großen Schaden nähme, warum nicht? *

Vom Triebtäter und Überzeugungstäter

* Der Triebtäter ist nur selten erfolgreich zu therapieren. Der Überzeugungstäter ist gar nicht zu therapieren. *

Vom Respekt im Alter

* Zum Glück nimmt der einem entgegengebrachte Respekt im Alter immer weiter zu. Man braucht dann die Leute nicht mehr so oft anzuschreien, um seinen Anspruch auf Wertschätzung zu dokumentieren. *

Vom Dichter

* Gerade der differenzierte Dichter ist wohl ein Mensch, der ganz besonders auf Zuspruch, Rat und Ermutigung angewiesen ist, wolle er nicht bedingt durch seine Neurasthenie und Krisenanfälligkeit am Leben verzweifeln und auch weiterhin hervorragende Texte schreiben. Die Verlage tun also gut daran, ihre Schützlinge zu hätscheln und zu schlecken. *

Von der Liveshow

* Für das Böse ist die Erde wohl eine Riesenpeepshow, in der es seine voyeuristische Neigung zutiefst befriedigen kann. Seine Hauptdarsteller arbeiten völlig ohne Gage und alle machen mit, so motiviert sind sie, und sie werden auch morgen noch ihre geforderte Leistung erbringen. Prognose: Hoffnungslos, denn die Katze läßt das Mausen nicht. *

Die innere Qual

* Nur wer ganz bei der Sache ist, fragt ständig und so lange, bis er befriedigende und vollständige Antworten erhalten wird. Der Antrieb hierfür können sein: Beruflicher Ehrgeiz, Faszination an einem bestimmten Themengebiet, beispielsweise der Technik oder Literatur, und vor allem die erlittene und erduldete Qual, die krankheits – oder umstandsbedingt ausgelöst wurde. Je länger nun die Qual anhält und je weniger die Ursachen  am Ende noch existieren, desto mehr handelt es sich dabei um die sogenannte innere Qual, bei der kein Arzt und kaum ein Psychologe helfen können. Sie ist die Triebfeder für den Zweifel an der Welt. Sie ist nicht die Geburt der Philosophie, so doch ihre Fortführung. Sie verhilft je nach individueller Begabung zu neuen Erkenntnissen und Einsichten, die sich mitunter sogar aufzuschreiben lohnen, um ihre Inhalte der Nachwelt zu hinterlassen. Daher: Es gibt kaum historisch bedeutsame Schriften ohne innere Qual als Motiv! *

Vom akzeptablen Manne

* Die Frau verhält sich oft recht wunderlich und scheint manchmal nicht von dieser Welt zu sein: Den einen Mann, der hartnäckig und ausdauernd um ihre Gunst wirbt, schenkt sie keinerlei Beachtung, auch dann nicht, wenn er unter ihrem Fenster eine Serenade singt, und den anderen verfolgt sie zur Not über den ganzen Globus und dichtet ihm eine größere Aura an, als dem Souverän des Universums. Die Beatles zeigten das, und die Rolling Stones zeigten das auch. *

Vom Pädophilen

* Diejenigen, die am lautesten fordern, der pädophile Mörder müsse auf dem Marktplatz hängen, schlagen zu Hause ihre Kinder. Sind sie viel besser? *

Von der Verschiebung

* Früher wurden Polen, Juden und Politische innerhalb von Auschwitz und Dachau geschlagen und umgebracht, und keiner hat protestiert. Heute werden Polen, Juden und Politische außerhalb von Auschwitz und Dachau geschlagen und umgebracht, und keiner protestiert. *

Vom wundersamen langen Leben

* Werde ich erst einmal vom Amtsarzt als gesund befunden, bald erhalte ich bei Behörden den Nimbus der Unsterblichkeit. Gerne stelle ich mich Wissenschaftlern und Biologen, um zu klären, warum ich nicht sterben müsse und andere doch. *

Vom Besserkönnen

* Der Mensch kritisiert meist das, was er selbst nicht besser kann. *

Von den verschiedenen zeitlichen Dimensionen

* Der depressive Mensch kennt die Dimension des Zukünftigen nicht. Klar, daß er erschaudert. Der Normalmensch kennt die Dimension des Vergangenen nicht. Mich wundert, daß er nicht auch erschaudert. *

Von der Lotterie des ewigen Lebens

* Es wird uns in allen Religionen prophezeit, daß das bestehende böse System der Dinge nicht ewig dauern, sondern zu einem Zeitpunkt, den wir nicht kennen, durch die Apokalypse beendet würde. Einfach ausgedrückt wird dann der liebenswerte, geläuterte und vor allem gottgläubige Mensch gerettet und zu ewigem Leben geführt werden, und der gottlose oder schlechte Mensch wird vernichtet werden. Jedoch ist die Liebenswürdigkeit eines Lebewesens und auch seine Bereitschaft, ein hohes Geschöpf im Universum anzuerkennen, bereits fest in seinen Genen verankert. Dasselbe gilt für das Schlechte und den Atheismus. Demzufolge kann also nur derjenige gerettet werden, der durch die Zufälligkeit seiner Geburt die richtige Genkombination mit auf seinen Lebensweg bekommen hat. Gemäß dieses Gedankens haben manche Menschen also das ewige Leben geerbt, und andere nicht. Die Karten des ewigen Lebens sind daher denkbar ungerecht verteilt. Ausnahmen von dieser Regel mag es selbstverständlich geben, wie es Ausnahmen gibt von allen Regeln. *

Der Richter

* Der deutsche Richter von heute hat nichts mehr drauf und seine Tätigkeit grenzt an Strafvereitelung im Amt. So wird der Täter im Prozeß durch des Richters übertriebene Fürsorge geschützt und das Opfer durch allzu kühles Befragen wütend gemacht. Die hohe Kriminalität im Lande läßt sich durch solch ein Verhalten bestimmt nicht eindämmen. *

Von der Offenbarung

* Nachdem sich Gott also eines Tages offenbart und die Amtsgeschäfte auf der Welt übernommen haben wird, werde ich ihm, falls ich dann noch Gelegenheit dazu erhalten sollte, eine entscheidende Frage stellen, nämlich wie er seit seinem Rückzug von der Erde den Menschen dem Menschen überlassen konnte. *

Von der Schöpfung

* Gott schuf die Erde und den Menschen. Was das sollte, ist nicht klar. *

Von der geforderten Leistung

* Vom Normalmenschen kann man eine Leistung erzwingen. Vom Genie kann man eine Leistung nicht erzwingen. *

Der Wahn vom eigenen Werte

* Der Mensch verfolgt sein ganzes Leben lang nur ein einziges Ziel, nämlich das Herbeidiskutieren des scheinbar hohen Wertes der eigenen Persönlichkeit, aus welchem er gerne die Berechtigung seiner Existenz und ihrer genetischen Fortführung ableitet. Da unglücklicherweise fast alle Menschen und deren Kinder aus diesem Holze geschnitzt sind, darf kaum angenommen werden, daß sich die Welt jemals zum Besseren wenden wird. *

Von der Strukturreform des Gesundheitswesens

* Seit das Gesundheitswesen mehrfach reformiert worden ist, bekommen die Ärzte endlich das, was sie verdient haben: Nichts. *

Von der rechtmäßigen Ohrfeige

* Sollte jemand besonders frech zu mir sein, so sage ich ihm, er solle es sein lassen. Ist er dann immer noch frech zu mir, wiederhole ich, er solle es sein lassen. Ändert sich dann immer noch nichts, bald knallt es. Es ist klar, daß sich durch solch eine Maßnahme die durch den anderen empfundene geringe Wertschätzung nicht steigern läßt, nein, im Gegenteil, sie ist jetzt natürlch noch geringer als vorher. Aber er wird sich nicht mehr trauen, mir dies zu sagen oder zu zeigen, und damit kann ich gut leben. Bei Zyklopen, Bären, Haifischen oder türkischen Preisringern sollte man allerdings eine differenziertere Taktik ausgearbeitet haben. *

Von der Oktroyierung

* Jeder will, daß ich bin wie er. *

Von der narzißtisch motivierten Handlung

* Das Leben des Menschen ist üblicherweise nicht mehr, als die Summe seiner narzißtisch motivierten Handlungen. *

Der Irre

* Das typische Klischee des Irren besteht darin, daß es sich bei ihm um jemanden handele, der unmotiviert, blutgierig und sinnlos Menschen in Stücke hackt und sie anschließend in der Tiefkühltruhe einfriert. Er wird also mehr oder weniger als nichtzugänglicher Triebtäter und somit als ernste Gefahr dargestellt und beschrieben. So wahr diese Definition in seltenen Einzelfällen sein mag, so sehr karikiert sich der Mensch damit selbst, denn die Geschichte des Verbrechens ist nicht die Geschichte des leidenden, seelisch schwerkranken Patienten, sondern es ist seine eigene, triebhafte und dem irrationalen Feindbilde zugewandte Geschichte. Den Menschen darauf hingewiesen, kann man sich schon baldiger Empörung sicher sein. *

Das Paradoxon

* Jeder Mensch behauptet von sich, er sei intelligent. Wenn ich das auch behaupte, dann bin ich dran! *

Von der zufälligen Zucht

* Seit der Mensch lebt, hält er sich Haustiere und züchtet sie. Der Sinn der Zucht besteht darin, gewollte und ihm nutzbare Eigenschaften des Tieres weiter zu fördern und zu verbessern. Sollte er die Zucht allerdings übertreiben, so entstehen Kreaturen, die seiner Forderung nach Nutzbarkeit und Leistung zwar völlig genügen, doch zeigt sich oft, daß diese Tiere auf der anderen Seite chronisch krank und streßanfällig sind oder nicht sehr lange leben. Eine gewollte Zucht gibt es beim Menschen unmittelbar nicht, jedoch gelegentlich eine unbeabsichtigte, zufällige. Betrachtet man das Genie, so ist es fast immer eine solche. Schon sein Großvater war zufällig ein launischer, oftmals schwermütig verstimmter und ziellos handelnder Mann, der eher zufällig eine Frau kennenlernte, die krankhaft reizbar, schlaflos, nervös und ängstlich ihr Dasein fristete. Sollten sich die aus dieser Verbindung hervorgegangenen Nachkommen wiederum mit zufällig ähnlich strukturierten anderen Nachkommen kreuzen, so entwickelt sich daraus eine Generation, die rein seelisch kaum existenzfähig ist. Daraus erklärt sich die hohe Selbsttötungsrate der Unglücklichen, aber auch deren enorme Genialität und ihr Talent zum Schreiben, Malen oder analytischen Denken. Die hervorragende Begabung ist mehr Fluch als Segen, und sie ist in Anbetracht des normalerweise eher langen Lebens des Menschen schlimmer als die Hölle. Ein Genie zu sein – welch Qual! *

Wer ich bin

* Ich bin der, der da zweifelt, wo sonst keiner zweifelt. Ich bin der, der vieles schwernimmt, wo sonst alle heiter sind. Aber ich bin auch der, der vieles sagen kann, wo sonst keiner auch nur die Gegenwart des Gesagten wahrgenommen hat, und es ist die Genauigkeit meines Ausdrucks, die mich kennzeichnet. Es ist ein Schattendasein, das ich führe, ich weiß nicht, was es bedeutet. *

Von der Konditionierung der Umgebung

* Da die Prügelstrafe in Deutschland immer noch zumindest im familiären Umfelde erlaubt ist, gar von der Umwelt empfohlen wird, ist der Konditionierung der unmittelbaren Umgebung seitens der Eltern immer noch Tür und Tor geöffnet. Erst bei der unmittelbar schweren Körperverletzung am Kinde oder seiner Tötung erscheint so langsam mal ein müder Staatsanwalt. Es ist beschämend, daß selbst im einundzwanzigsten Jahrhundert das Kind als naturgemäß rechtloser Sklave seiner Eltern und der Gesellschaft betrachtet und so behandelt wird. Es stimmt, daß genau diese Kinder bei einer entsprechenden erblichen Veranlagung dieselben sind, die später ein durchweg narzißtisch – destruktives Verhalten bis hin zum Verbrechen zeigen werden. Diese Ernte, die das Volk nun ohne es zu wollen einfährt, ist dieselbe, die sie einst gesät oder begünstigt hat und sich nun beklagt! *

Von der Beurteilung des anderen

* Nie höre ich dümmeres Zeug, als bei der Beurteilung und Charakterisierung eines anderen. *

Das Mißverständnis

* Zwar habe ich noch nicht mit allen sechs Milliarden Menschen auf der Welt gesprochen, trotzdem kenne ich zur Zeit niemanden, der gründlicher und tiefer mißverstanden worden wäre, als ich höchstselbst. Dies gilt für meine Gesamtpersönlichkeit genauso wie für meine Literatur. *

Von der Zumutbarkeit

* Es gibt Menschen, die überlegen sich, ob die Aufnahme einer zugewiesenen Arbeit zumutbar ist. Dann gibt es Menschen, die überlegen sich, ob eine angeordnete Dienstreise zumutbar ist. Auch gibt es Menschen, die sich überlegen, ob das Wohnen in einem Hause an einer großen Straße zumutbar ist. Ich hingegen überlege mir, ob das Leben zumutbar ist. *

Von berühmten Leuten

* Die Welt beachtet den Menschen oft erst dann, wenn er gestorben ist und preist dann posthum sein Genie, falls es vorhanden gewesen sein sollte. Ich beachte den Menschen schon im Diesseits. *

Der Arbeiter

* Im Zuge von Vorurteilen unterstellt der Arbeiter oftmals dem Gymnasiasten, Studenten oder Professor Arroganz und Geringschätzung. In der Praxis zeigt sich jedoch oft das Gegenteil, seine eigene Arroganz ist am Ende größer und weniger erträglich, als die eingebildete oder dem Professor zugewiesene, wenn natürlich auch nicht in Hinsicht auf seinen (einfachen) Beruf. *

Von der himmlischen Hilfe

* Bist du schon viele Jahre oder Jahrzehnte gläubig, so blicke objektiv auf dein Leben zurück und erkenne, wie oft dir dein Gott während dieser Zeit geholfen habe: Kein einziges Mal. *

Der Sündenbock

* Keiner wird in Deutschland mehr verspottet als der Künstler. *

Der Vergleich

* So manch kluger Schimpanse ist klüger als ein dummer Mensch. *

Von der irrationalen Empörung

* So mancher Mensch ist empört, daß ich auch nur lebe. *

Von der Beobachtung

* Das Schöne am Normalmenschen ist seine offene Psychologie. In ihr kann ich schön lesen wie in einem klar strukturierten, packenden Thriller. Jeden Tag erlebe ich dabei Altbekanntes wie neu zu Entdeckendes. Der Mensch gibt sich dabei nicht die geringste Mühe, seinen Antrieb oder sein Motiv zu verschleiern, denn ich habe bei der Beobachtung einen entscheidenden Vorteil: Man traut mir nichts zu! *

Der Doktor

* Ich habe schon mit so manchem Gelehrten gesprochen. Bei vielen wurde mir schnell klar, was sie wußten: Nichts. *

Von den verschiedenen Perspektiven

* Die einen verspotten mich, da ich dumm sei, die anderen hassen mich, da ich klug sei. *

Die gelungene Beweisführung

* Der Beweis, daß sich der Mensch nicht selbst erfolgreich regieren könne und daher göttliche Hilfe in Anspruch nehmen müsse, ist längst geführt. Wie lange noch? *

Von offenen Mündern und tauben Ohren

* Jeder quatscht mich voll und keiner hört mir zu. *

Kind, Normalmensch und Persönlichkeit

* Was das Kind vom Erwachsenen unterscheidet, weiß jeder und ist einfach zu erklären: Das Kind ist naiv, leichtgläubig, infantil, unerfahren, einfach zu beeinflussen und ohne Kenntnis über die Konsequenzen seines Verhaltens. Darauf angesprochen wird das Kind natürlich nicht verstehen und alles Aufklärende ignorieren. Was den Normalmenschen von der Persönlichkeit unterscheidet, weiß keiner, ist aber auch einfach zu erklären: Der Normalmensch ist naiv, leichtgläubig, infantil, unerfahren, einfach zu beeinflussen und ohne Kenntnis über die Konsequenzen seines Verhaltens. Darauf angesprochen wird der Normalmensch natürlich nicht verstehen und alles Aufklärende ignorieren. Er ist halt ein richtiger Kindermensch. *

Der Kaiser von China

* Kaum ist ein Mensch geboren, erhebt er Anspruch auf die Krönung zum Kaiser von China. *

Die Krücke

* Seit langer Zeit gehe ich an virtuellen Krücken. Mir hält also keiner die Türe auf, obwohl ich es verdient hätte. *

Krieg im Himmel

* Satan der Teufel hatte es einst gewagt, eine Revolution im Himmel anzuzetteln, bei der er gemäß der Heiligen Schriften ein Drittel aller Engel, die sogenannten Dämonen, mit in seinen Sog gezogen und gegen Gott rebelliert hatte. Natürlich mußte er – es ist nicht klar warum, denn er hätte es als kompetenter Engel mit größter Macht besser wissen müssen – seinen Kampf ausgerechnet gegen Gott führen, dem möglicherweise mächtigsten Wesen des Universums überhaupt, von dem er hätte wissen müssen, daß er ihn verlieren würde. In ihm wurde er dann auch tatsächlich von Gott gepackt und mitsamt seinen Dämonen aus dem Himmel ausgerechnet in den Bannkreis der Erde und nicht etwa in die Umgebung der Venus geschleudert, den er aufgrund Gottes Fügung bis heute nicht mehr verlassen konnte. In ihm kocht seither große Wut, denn er weiß, daß am Ende des Systems der Dinge nach dem Kopfe des sündigen Menschen auch sein eigener rollen werde. Und so scheut er keine Mühen, seine Wut zumindest an dem Weltenmenschen zu stillen, indem er die komplette Erde fortgesetzt irreführt und sie somit dem Untergang weiht. Kann mir einer vernünftig erklären, wie die bewohnte Erde zu ewigen Leben geführt werden soll, wenn ein solch mächtiger Engel wie Satan der Teufel an der ohnedies schon verkorksten Erbmasse des Menschen rühren kann und darf und es ihm daher also ein leichtes ist, dem verleitbaren Menschen glaubhaft das Verbrechen als schmackhaft und erstrebenswert darzustellen? *

Ausnahmsweise hat die Psychologie recht

* Die Psychologie sagt, daß die Identität eines Menschen im wesentlichen in seinem angeborenen Charakter zu finden sei und dieser nicht beeinflußbar wäre durch Religion, Philosophie, Psychotherapie, Ermahnung, Strafe oder Aufklärung. Ausnahmsweise gebe ich der Psychologie, gestützt auf meinen eigenen Beobachtungen, recht. *

Die Schuldsuggestion

* Ich habe in meinem kuzen, aber bewegten Leben nur wenige Menschen kennengelernt, die nicht versucht hätten, mir Schuld, die ich gar nicht hatte, zu suggerieren oder eigene Schuld auf mich zu projizieren. Immerhin aber ahnt der Mensch dunkel, daß auch er irgendwann zahlen wird. *

Der Meister des subjektiven Schwachsinns

* Die selbsternannte Krone der Schöpfung ist der Meister des subjektiven Schwachsinns. *

Der Irrtum

* Da gibt es die einen, die immer den anderen die Schuld geben, und da gibt es die anderen, die wissen, daß die einen immer den anderen die Schuld geben. Unglücklicherweise geraten nun alle in Verdacht, immer den anderen die Schuld zu geben, selbst dann, wenn die anderen tatsächlich einmal schuld haben sollten.*

Der Lump

* Das Lumpsein lohnt sich in dieser Welt. Für mich ist das zwar nichts, aber der Lump mußte seit Anbeginn dieser Welt, von schweren und auch aufgeklärten Straftaten einmal abgesehen, nie Verantwortung oder Vergeltung fürchten, da das Jüngste Gericht bis heute nicht getagt hat. *

Diazepam und Pils

* Die Schmerzen sind gegangen, die Zweifel sind zerronnen und auch die Angst ist nicht mehr da. So schön das auch ist, am nächsten Morgen geht alles wieder von vorne los. *

Von der ersten Sünde

* Der Sündenfall ist jedermann bekannt, Adam und Eva haben von der verbotenen Frucht gegessen. Dieser Vorgang wird als erster Sündenfall überhaupt verstanden. Genaugenommen besteht der erste Sündenfall allerdings darin, einen Menschen zu schaffen, von dem hätte klar sein müssen, daß er sündigen werde. *

Der Status des Menschen

* Hermann Hesse schrieb einmal in seinem „Steppenwolf„, daß der Mensch zum höheren Denken nicht fähig sei, und Gott sagte, daß der Mensch nicht in der Lage sei, auch nur einen seiner Schritte zu richten. Das stimmt, das stimmt……*

Die Schule als Ort des Verbrechens

* Zweifelsohne ist es wichtig, junge Menschen in Schulen zu unterrichten, damit sie im späteren Leben bestehen können. Zwar haben die Lehrer eine pädagogische Ausbildung absolviert, jedoch bestehen auch sie zum größeren Teil aus geistlosen Normalmenschen, die dementsprechend den anderen grundsätzlich ablehnen. Wenn sich nun diese Ablehnung gegenüber einem Erwachsenen auch nicht gleich in Mord und Totschlag manifestieren wird, weil von diesem eine Gegenwehr zu erwarten wäre, so zeigt sie sich doch sehr bald und feigerweise beim einen oder anderen Schüler, der dem Lehrer im Zuge seiner Ablehnung zum Feindbild geworden ist und ihm natürlich nichts entgegenzusetzen hat. Früher wurden diese Kinder vom Lehrer völlig legal verprügelt, heute werden sie „nur„ noch beschimpft, verspottet und bloßgestellt. Die Schüler aller Zeiten hatten unter solchen Lehrern zu leiden, die von ihrer Persönlichkeitsstruktur, wie so häufig beim Normalmenschen, nichts weiter waren als nichtzugängliche Triebverbrecher. Bei der Ausbildung zum Pädagogen werden seine Ckaraktereigenschaften nicht geprüft, aber wie sollte auch eine solche Prüfung aussehen, denn jedermann hätte doch die Möglichkeit, sich als fürsorglich zu tarnen oder darzustellen. *

Prägung und Persönlichkeit

* Wer von Natur aus allzu prägbar ist, wird wohl nie eine Persönlichkeit werden, denn er denkt nicht das, was seinem eigenen Geiste entsprungen wäre, sondern nur das, was ihm durch wiederholtes Geschehen als scheinbar wahr oktroyiert wird.*

Der Hauptschüler

* Hauptschüler sind doof und wollen nichts lernen. *

Vom Egoismus

* Wie oft unterstellt man dem anderen Egoismus und lehnt ihn daher ab, ohne zu bemerken, daß sich der Egoismus längst zutiefst in die eigene Struktur eingegraben hat. *

Vom Verstehen

* Jeder verlangt von mir Verständnis oder Verstehen, nur mich versteht keiner. Allerdings muß ich objektiverweise anfügen, daß meine differenzierte Psyche selbst für mich als Kenner der normalkranken oder gesundindividuellen Menschenseele immer wieder Überraschungen bietet. *

Die Fun – Generation

* Manche zumeist junge Menschen erwarten vom Leben, es habe eine einzige gute Unterhaltung zu sein. Irgendwann merken sie, daß dieser Anspruch nicht erfüllbar ist und weinen dann bittere Tränen. Es ist doch nicht zu glauben……. *

Von den vertauschten Rollen

* Der Normalmensch, der in dieser absurden Welt lebt und sie gutheißt oder sie zumindest gleichgültig hinnimmt, ist genaugenommen ein Fall für die Psychiatrie, weil ihm Einsicht und Zugänglichkeit fehlen und sie ihm auch nicht zu vermitteln sind, selbst dann nicht, wenn er über einen hohen Intellekt verfügen sollte. Der scheinbar psychisch kranke Patient, der nun also zum Beispiel nach einem Nervenzusammenbruch in die nächste Heilanstalt eingewiesen und schon bald von seinen Ärzten pathologisiert werden wird, ist im Grunde doch derjenige, der gesunderweise seelisch so sehr auf das Geschehen seiner Umwelt reflektiert, daß es ihm so schlecht geht, daß er erst einmal, mit welchen Mitteln auch immer, beruhigt werden muß. Was wäre das für eine Welt, in der folgerichtigerweise alle Normalmenschen in einem Krankenhaus interniert und die emotional Reflektierenden wieder nach Hause geschickt werden würden! Schnell wird klar: Krank ist gesund, und gesund ist krank. *

Der Status der Frau

* Männer sind insgesamt gewalttätiger als Frauen, dies liegt an den in ihrem Blute zirkulierenden Testosteronen. Frauen sind jedoch emotional wesentlich kälter als Männer. Die Richterinnen zeigen das, die Lehrerinnen und die Ärztinnen. *

Die intellektuelle Schrift

* Verfaßt jemand eine intellektuelle Schrift, die inhaltlich durchaus gerechtfertigt sein mag, unterstellen ihm zumeist diejenigen, die seine Texte überhaupt nicht verstanden haben, er wolle bloß angeben und habe eine Profilneurose. Den möglichen Avantgardisten in ihm erkennen sie nicht. *

Von meinen Texten

* All diejenigen, die meine Texte kritisieren, weisen sich nur allzu gerne als Kenner aus, da sie früher in Deutsch gut gewesen seien. *

Der Naturbursche

* Schon die angebliche oder tatsächliche Kraft und Stärke eines Mannes allein reichen meist aus, um ihn für die Frau erotisch und somit wertvoll erscheinen zu lassen. Auf viele und gesunde Nachkommen. Ja ja, der Affe läßt grüßen…….*

Von den Schwierigkeiten einer Persönlichkeit

* Es ist nicht einfach, eine Persönlichkeit zu sein. Durch meinen Einblick in die normalmenschliche Psyche aber und dem Verständnis ihrer selbst sehe ich mich oft gezwungen, das Verhalten und Auftreten des Menschen zu entschuldigen, da er nichts dafür könne. Aber es nervt, es nervt, bald habe ich keine Lust mehr…..*

Vom Verschweigen

* Ich habe in meinem Leben noch niemanden getroffen, der mir nicht irgendwann etwas verschwiegen hätte. Ich merke das, ich merke das. *

Die zweifelhaften Ansichten deutscher Ärzte und Psychologen

* Die deutschen Ärzte und Psychologen meinen, wer einmal an „Selbstmord„ (ein schreckliches Wort, es müsste viel eher „Freitod„ heißen) denke, ihn aber nicht versuche zu begehen, der sei noch normal. Wer es aber doch versuche, der sei krankhaft veranlagt und so zu behandeln. Ich aber meine, wer es in dieser Welt ab einem gewissen, vielleicht reiferen Alter noch nicht versucht habe, sich selbst zu töten, der sei nicht normal. Daß ich mir mit dieser Einstellung nicht allzu viele Freunde gemacht habe, ist klar, aber ich nehme es gerne in Kauf. *

Von der Treue zu Gott

* Als ich noch gläubig war, da ging es mir schlecht. Als ich dann nicht mehr gläubig war, ging es mir nicht schlechter. Mir scheint bald, man brauche nur dann einen Gott, wenn man ewig leben will und annimmt, man bekomme das ewige Leben von Gott, sei man ihm gegenüber nur treu genug und fest im Glauben. Da es mir nun ohne Gott nicht schlechter geht und ich im übrigen auch nicht unsterblich sein möchte, brauche ich also keinen Gott. Aber Moralist möchte ich trotzdem sein, und ich versuche zumindest vor mir selbst treu zu sein.*

Vom Aussehen

* Sieht jemand häßlich aus, ist dies ohne Zweifel schon eine schwere Bürde. Unglücklicherweise kommt irgendwann der erste, der ihm dies auch noch sagt, und der erste wird nicht der letzte gewesen sein. *

Das verheimlichte Studium

* In manchen Kreisen darf man nicht erwähnen, daß man einmal studiert habe. *

Von den unterschiedlichen Schlafgewohnheiten

* Ich schlafe, und dies wird niemanden sonderlich überraschen, nachts und mit geschlossenen Augen. Dabei träume ich süß. Vor allem Lehrer, Ärzte, Juristen, Polizisten und Psychologen aber schlafen tagsüber und mit geöffneten Augen. Auch sie träumen dabei süß. Was aber machen sie dann nachts?? *

Von der großen Klappe

* Eine große Klappe zu haben, bei der nichts dahinterstecke, verdächtigen sie sich gegenseitig. Eine große Klappe aber haben sie alle. *

Mein schulischer Werdegang

* Die Summe all meiner edukativen Mißerfolge ist nicht die Bilanz meiner Dummheit, sondern die Bilanz der Ablehnung, gar des Hasses gegenüber meiner Person. *

Man sieht sich

* Die Redewendung „Man sieht sich„ ist wohl die eleganteste Form, dem anderen mitzuteilen, er sei einem gleich. *

Der Freund

* Ich wußte gleich, er sei nicht mein (wahrer) Freund. Ob der andere, und das möglicherweise zurecht, über mich dasselbe dachte, ist nicht klar. *

Der ehrliche Arzt

* Derjenige Arzt, der ganz offen sagt, er interessiere sich nicht für meine Gesundheit und mit diesen Worten weitergeht, ist mir bald lieber, als einer, der aus lauter Unmotiviertheit und Ablehnung viele oberflächliche Fehldiagnosen stellt, sich sinnlos im Kreise dreht und von daher unwirksame Medikamente verschreibt, die ohnedies von der Solidargemeinschaft bezahlt werden müssen. *

Die schnelle Bewertung

* Warum hält der eine Mensch den anderen so schnell für doof und irre, obwohl ihn diese Eigenschaften selbst sehr schmerzen würden? *

Der legitime Totschlag

* Ich glaube, die meisten Doofmänner würden den Totschlag aller Intellektuellen unterstützen. *

Keine Kompetenz

* Die psychiatrischen Kliniken halten einen bloß vom Sterben ab, sonst nichts.*

Aggression

* Ich habe noch niemanden kennengelernt, der nicht irgendwann gegen mich aggressiv geworden wäre. *

Von der Lust zu leben

* Empfindet man nicht fortgesetzt die Lust zu leben, ist das Leben nicht zu schaffen. *

Das Tier

* Die Gier, die Gier ist das Tier in dir, heißt es. Das stimmt natürlich nicht, denn die Gier, die Gier ist der Mensch im Tier. *

Wer schreibt den Roman?

* Ich zweifle zu sehr am Leben, sagen alle über mich. Doch wenn jetzt keiner mehr zweifelt, wer schreibt dann die Romane? *

Der potentielle Mörder

* Ich glaube, die meisten Menschen sind als potentielle Mörder einzustufen. Wäre der Mord nur erlaubt, gar als erstrebenswert hingestellt, würdest du erleben, wie viele Leichen es mit einem Mal gäbe. Was? Das stimmt überhaupt nicht? Schau sie dir nur an, die Menschen, wie sie sind im großen und kleinen, und erkenne, daß ich recht habe. *

Von meiner Identität

* So viele Psychiater ich schon kennengelernt habe, so sehr hat mich keiner von ihnen auch nur annähernd richtig beschrieben, zumal sie wähnen, jeder Wimpernschlag oder Furz bedeute etwas. *

Der Gefallen

* Gleich, welchen Gefallen ich den Leuten aus welchem wichtigen Grunde auch immer ausgeschlagen habe, alle dachten, ich wolle ihnen nicht helfen. *

Mensch und Kind

* Das Normalkind glaubt alles, der Normalmensch glaubt gar nichts. *

Von der psychologischen Beobachtung

* Einst wurde ich zur Beobachtung in die Psychiatrie eingewiesen. Nachdem ich die Ärzte zwölf Tage lang beobachtet hatte, hatte ich die Nase von diesem einfallslosen Volke voll und bin einfach abgehauen. Zur Nachahmung empfohlen. *

Von der falschen Einschätzung

* Der Mensch traut mir nur Schlechtes zu, nichts Gutes, auch dann, wenn er mich schon länger kennt. *

Erstaunliche Verhältnisse

* Zur Anerkennung bedarf es erstaunlicher Leistungen. Zur Ablehnung bedarf es gar nichts. *

Vom Sein

* Wer ist wie er ist, und auch so bleibt wie er ist, ist nichts. *

Der Liebe Gott

* Der Liebe Gott ist leider nur ein Gott der von Natur aus Glücklichen. Die anderen hat er dummerweise vergessen. *

Der überraschende Chef

* Dein Nachbar mag zwar ein netter Kerl sein, aber falls er zufälligerweise dein neuer Chef werden sollte, wirst du erleben, wer er wirklich ist. *

Die Indizien der Schöpfung

* Einen solchen Menschen zu schaffen, wie ich ihn kenne, bedarf es vieler Irrtümer oder eines trunkenen Zustandes. Das auch dies wieder kein Beweis gegen einen Gott ist, weiß ich wohl, aber es mag ein Indiz sein. Indizien, die für einen Gott sprechen, gibt es selbstverständlich auch, fast alle stehen in den Heiligen Schriften. *

Vom lauten Lachen

* Je dümmer ein Mensch ist, desto lauter lacht er. *

Er ist nicht edler

* Wie der Affe ist auch der Mensch prägbar. *

Der Schuleschwänzer

* Schwänzt ein Schüler, weil er es wegen der Sechsengeber einfach nicht mehr aushalten kann, fortgesetzt die Schule, so wird dies von seinen Lehrern als neue Qualität des Verbrechens angesehen. *

Das Vorbild

* Da nicht nur Kinder, sondern auch manch erwachsene Menschen durch Nachahmen lernen, ist es wichtig, stets ein gutes Vorbild abzugeben. *

Im Himmel stirbt man nicht

* Im Himmel kann man es bestimmt gut aushalten. Man hungert nicht, man trauert nicht, man wird nie krank und man verreckt nicht. Verrecken tut man nur auf der Erde, und es kann jeden treffen, sei der entsprechende Mensch gerade religiös oder nicht. *

Der frühe Tod

* Die wenigen Menschen, die tatsächlich etwas zu sagen haben, sterben meist früh. *

Der Prolet

* Je dümmer ein primitiver Prolet ist, desto hübscher ist seine Freundin. *

Vom Wasserstoff

* Ein einzelnes Wasserstoffatom ist denkbar klein und leicht. Welche Größe, Masse und Gravitation aber viele Wasserstoffatome annehmen können, zeigt die Sonne, um die die Planeten kreisen und welche aus Wasserstoff besteht, der in ihr zu Helium fusioniert wird. *

Die Schöpfung der Welt

* Selbstverständlich kann ich erkennen, daß diese Welt nicht durch die Evolution, die nichts anderes als die absurde Summe vieler Biozufälle ist, geschaffen worden ist, sondern durch eine geschickte Hand, zu gut ist die Erde durchkonstruiert. Die Evolution ist in beispielsweise drei Milliarden Jahren nicht in der Lage, auch nur eine einzige lebendige Zelle zu erzeugen, die womöglich auch noch fortpflanzungsfähig ist. Der Urheber dieser geschickten Hand gibt sich allerdings nicht eindeutig und nachweisbar zu erkennen, so sehr die religiösen Menschen an dieser Stelle auch protestieren werden. *

Vom Kontakt zum anderen

* Jeglicher Kontakt zum Menschen ist unangenehm. *

Taube Ohren

* Nichts fällt dem Arzte schwerer, als einem Patienten mit schwerer Sorge zuzuhören. *

Die promovierte Unpersönlichkeit

* Die Promotion ist oft nur ein eitler Scheißdreck, denn auch der Promovierte kennt nur sich selbst und nicht den anderen. *

 Der Pazifist

* Das Bezeichnende für den Pazifisten ist oft, daß er erst nach einem schweren Krieg oder allerlei Gewalttaten, an denen er vielleicht sogar selbst teilgenommen hat, zum Pazifisten geworden ist. Er hätte schon davor ein Pazifist sein sollen, dann wäre nichts passiert. *

Von der Größe

* Eine Größe ist nur deswegen groß, weil sie von bestimmten Gruppen subjektiv für groß gehalten wird. Über ihre tatsächliche Größe aber, und welche kann es nebst Moral und Geist noch geben, wird nichts Zwangsläufiges ausgesagt. *

Der Wolf

* Ist ein Mensch beispielsweise fünfzehn Jahre alt, so sieht man ihm diese Jugend nicht nur allermeistens an, sondern hört sie auch in einem Gespräch schnell heraus, zu offenkundig ist nicht unbedingt seine mangelnde Bildung, aber seine mangelnde Erfahrung. Ich möchte zu gerne wissen, was beispielsweise in dem Kopfe eines Wolfes vor sich geht, der etwa dieses Alter erreicht hat und gemäß seiner Schöpfung kaum in der Lage sein wird, eben dieses zu überdauern. Viel Erfahrung hat er also auch nicht, aber trotzdem schafft er es, mit seinen Kumpels in der Tundra zu überleben. Wie macht er das, wobei man sich vor Augen halten sollte, daß so manch ausgewilderte Mensch verhungern würde? *

Der Verbrecher

* Es gibt nur einen Weg, den typischen Verbrecher zu läutern und ihn zu einer Einsicht zu führen: Die konsequente narzißtische Demontage seiner selbst, und zwar an einem Orte, an dem er dieser Konfrontation nicht ausweichen kann, vielleicht in einem Gefängnis oder Lager. Die härtesten Fälle sind allerdings auch so nicht behandelbar. *

Der erziehungsberechtigte Schulmeister

* Überall sehe ich die Zuteilung eines Nachteils an einen anderen, damit er daraus lerne, und dies nicht nur vor Gericht. *

Von der Männlichkeit

* Nur wenige Männer haben sich mir gegenüber nicht als Supermann dargestellt. Bei den anderen habe ich stets eines vermißt: Sie konnten nicht fliegen. *

Von den Finanzen

* Bei den hohen Schulden, die Deutschland inzwischen hat, wird bald klar, wem unser schönes Land eigentlich gehört: Den Banken. *

Welch seltsames Leben

* Seit ich existiere, lebe ich wie der Christus inmitten meiner Feinde, auch wenn seine Persönlichkeit mit meiner nicht vergleichbar ist. *

Von mir

* Meine Biographie ist für jeden Verrückten ein großer Trost, he he…..*

Was ist die Psychologie?

* Die Psychologie ist die Kunst zu wissen, was der andere denkt, obwohl er es nicht sagt oder zeigt. *

Das Unwirklichkeitsgefühl

* Mit meinen optischen Unwirklichkeitsgefühlen gehe ich nunmehr ins fünfundzwanzigste Jahr. Trotzdem erkenne ich die Wirklichkeit klarer und schneller, als die meisten Gesunden. *

Von der Reife

* Sind die Frauen erst einmal etwa achtzehn Jahre alt, halten sie die meisten Männer desselben oder eines anderen Alters für oberflächlich. Wie sehr sie selbst davon betroffen sind, merken sie nicht. *

Irren ist menschlich

* Irren ist menschlich, heißt es. Man könnte auch sagen, die nichtpsychotische Fehleinschätzung der Realität ist ihm, dem Menschen, eigen. Auf moralischem Gebiete kann sie im übrigen erheblichen Schaden anrichten. *

Der Neurotiker

* Treffen sich zwei Neurotiker, lehnen auch sie sich gegenseitig ab. *

Unerträglich

* Eine arrogante oder dumme Frau ist für mich weniger erträglich, als ein arroganter oder dummer Mann. *

Von der Begeisterung

* Ich habe schon zu viele gute oder schlechte Ideen scheitern gesehen, als daß ich heute noch begeisterungsfähig wäre. *

Welcher Schüler ist begabt?

* Den Intellekt eines Schülers erkennt man an seiner hohen Schwänzquote. *

Lyrisch und perfide

* Das Weib ist dem Manne in puncto Lyrik weit überlegen. In puncto Heimtücke auch. *

Eine Klarstellung

* Die Persönlichkeit zeichnet sich nicht durch ständiges Verleugnen der eigenen Triebe aus, sondern durch deren wertlose Betrachtung durch dieselbe. *

Ehe und Beziehung

* Es gibt nur wenige Männer mit einer ausgeprägten Persönlichkeit. Unter Frauen ist der Anteil noch geringer, so daß gerade sie zur dauerhaften Liebe, Ehe und Zuneigung denkbar ungeeignet sind. *

Des Menschen Wort

* Des Menschen Wort zählt ja doch nichts, auch dann nicht, wenn er sich schon längere Zeit mit einem bestimmten Themengebiet auseinandergesetzt haben sollte. *

Die Kurvenreduktion

* Viele ichbezogene Frauen beziehen ihre Anerkennung über ihren wohlgeformten Körper, falls er gerade vorhanden sein sollte. Darauf, daß diese Anerkennung auch in Zukunft nicht versiegen wird, können sie sich mehr oder weniger verlassen, denn mit dem triebhaften Manne, der nach ihr giert und sie verlangt, dürfen sie auch dann noch rechnen. Beispielsweise aber nach einer schweren Brustkrebsoperation müssen sie erkennen, was sie tatsächlich wert sind: Nichts. *

Neurasthenie

* Als Neurastheniker bin ich gut für nichts. Das Sozialamt schreibt das jeden Tag. *

Die zweifelhafte Erkenntnis

* Jeder weiß, warum meine Texte nicht gedruckt worden sind. *

Vom Kotzen

* Geht von einem Lehrer eine ständige schwere Destruktivität aus, verstehe ich nichts mehr, da ich laufend damit beschäftigt bin, meinen Brechreiz zu unterdrücken. *

Das Schlaraffenland

* Der einzige Beruf, bei dem man fürs Nichtskönnen Geld bekommt und sich außerdem vor niemandem zu verantworten hat, ist der medizinische. *

Die gute Literatur

* Diejenige Literatur, die von jedem Leser gutgeheißen wird, gibt es nicht, auch dann nicht, wenn sie wirklich guten Inhaltes sein sollte. *

Die stinkende Ablehnung

* Unter der gegenseitigen Ablehnung im alltäglichen Leben ist die Ablehnung der Frau dem „falschen„ Manne gegenüber wohl die vehementeste, selbst dann, wenn die Frau widerlich stinken oder fette Beine haben sollte. *

Vom Schnappelchen

* Einst hatte ich eine Freundin, die so albern und blöde war, daß sie beim Essen ständig „happi happi„ und „namni namni„ sagte. Nach zwei Wochen habe ich Schluß gemacht. *

Lärm

* Lärm, um mich herum nichts als Lärm. *

Massenhysterie

* Wie sehr sich der Mensch durch nichts beeinflussen läßt, zeigt besonders deutlich der Silvestertag: Jeder schreit und tanzt und lacht und knallt, bloß weil es die anderen auch tun. Fiele allerdings gerade an diesem Tage für jedermann ein Sack Geld vom Himmel, wäre auch ich recht amüsiert. *

Das Programm

* Im Computer läuft ein (elektronisches) Programm. Im Menschen läuft ein (genetisches) Programm. Auch hier zeigt sich wieder: Es gibt keinen freien Willen. Und sollte es doch einen geben, wäre ich auf seine genaue Definition sehr gespannt. *

Ich kenne ihn

* Ich merke, wer der andere ist. Sonst kann ich nichts. *

Berühmte Hungerhaken

* Mensch, bin ich groß und mager. Nur James Stewart, Franz Kafka und Karl Jaspers hatten bei derselben Größe noch weniger Speck auf den Rippen. *

Die triviale Ansprache

* Gerne wird der Redner einer scheinbaren oder tatsächlichen trivialen Ansprache als Dummschwätzer abgetan. Ich persönlich höre bei einem solchen Redner nicht grundsätzlich weg, da sich bei so manchem eine verborgene Genialität gezeigt hat. *

Der übersehene Fehler

* Gerade diejenigen Menschen, die sich ihres hohen, unübertrefflichen Verstandes rühmen, machen, in welcher Disziplin auch immer, einen Fehler nach dem anderen. Ohne es zu merken, freilich. *

Einfach irre

* Treffen sich zwei Egozentriker, versagen sie sich den gegenseitigen Respekt, weisen sich gegenseitig Schuld zu und verlangen die harte Bestrafung des jeweils anderen. Die wirklich Irren laufen also frei herum. *

Scheiß Karten

* Es ist die andauernde Unfähigkeit, mich wohlzufühlen, die mich charakterisiert. Habe ich mir das etwa ausgesucht? *

Der passende Bräutigam

* Kippt ein Ehemann beim Anlehnen seiner Frau fortgesetzt von der Couch, liegt dies nur selten an ihrem Übergewicht. Vielmehr ist es seine mangelnde Persönlichkeit, die das erfolgreiche Anlehnen verhindert. Daher sollte nicht nur die übergewichtige Frau bereits vor der Ehe prüfen, ob der Bräutigam eine ausgeprägte Persönlichkeit darstellt. *

Der Ehrendoktor

* Ist man nur prominent genug und stellt man sich fortgesetzt als Moralist dar, hagelt es bald Ehrendoktortitel en masse. *

Der Dummkopf

* Überraschenderweise stören sich nur wenige Dummköpfe an ihrer Dummheit.*

Das Wagnis

* Überall gespielter Frohsinn und gespielte Gelassenheit. Keiner wagt, vor dem anderen zuzugeben, daß auch er einmal schlecht drauf ist, da er fürchtet, dann an Wertschätzung oder Zuwendung zu verlieren. *

Vom Interesse an der Welt

Der Intellekt eines Menschen und sein Interesse an der Welt gehen zumeist Hand in Hand. Ist ein Mensch besonders lernschwach, hat er auch in der Regel Interesse an wenig oder gar nichts. Und hat er erst einmal Interesse an wenig oder gar nichts, wird er dadurch auch nicht klüger. Es ist ein Teufelskreis. *

Hoch lebe die Dummheit!

* Bekanntlich gibt es große und kleine Menschen, dicke und dünne, schwarze, weiße, gelbe oder australische. Im Kopfe aber, also im Denken und Handeln, sind sie alle erstaunlich gleich. Die Uniformität des Denkens aber schafft nicht etwa die Freiheit des einzelnen, sondern bloß Dummheit für jeden. Leider, leider ist dem Menschen dieser Gedanke nicht nahezubringen, und so wird er auch in Zukunft nach dem Motto „Hurra, hoch lebe die Dummheit!„ leben. *

Die Geister, die er rief

* Gott schuf den schuldunempfindlichen Menschen und wunderte sich, daß er schlecht sei. *

Der wirkliche Sklave

* Befehle ich dem Menschen, eine Handlung auszuführen, die er freiwillig nicht ausführen würde, versuche ich also, ihn das tun zu lassen, was nicht er will, sondern das, was ich will, so ist er empört und verweigert den Befehl. Und dieses Verhalten ist ja durchaus auch verständlich und nichts Ungewöhnliches. Gebe ich ihm jedoch eine tiefe Überzeugung, selbst dann, wenn sie völlig irrational sein sollte, dann tut er das, was ich will, und nicht das, was er will. Nicht der Befehl schafft den wirklichen Sklaven, sondern die Vermittlung einer Überzeugung. Viele politische und religiöse Führer haben dies längst vor mir verstanden. *

Eine Typenbeschreibung

* Als Individualist bin ich Herr meiner Persönlichkeit, nicht aber meines Magens. Beim Normalmenschen ist es genau umgekehrt. *

Das groteske Verhalten

* Das wunderliche Verhalten wird zumeist als Dummheit gedeutet, im Wahne, man selbst sei von ihr nicht betroffen. *

Das Motiv

* Das Motiv eines Studenten, Medizin zu studieren, ist nur selten ein ethisches oder moralisches. *

Vom Gymnasium

* Im Jahre 1977 hatte man mir etwas ganz Schreckliches angetan: Man hatte mich zum Gymnasium versetzt! *

Von der medizinischen Promotion

* Bei vielen Ärzten kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, sie seien früher bei der falschen Promotionsberatung gewesen. *

Satan ist nicht schlechter

* Niemanden hasst Jehova mehr, als die Kinder dieser Welt. *

Das Ego

* Jedes Verbrechen wird im Namen des Egos begangen. *

Krank im Kopf

* Wer nie krank ist im Kopf, ist krank im Kopf. *

Von der Unabhängigkeit im Denken

* Ihr extravaganten Geister, wo seid ihr? *

Uniform

* Auch die Individualisten sind untereinander alle gleich. *

Von einer fiktiven Welt

* Angenommen, es gäbe auf der gesamten Welt nur einen einzigen Erwachsenen und ansonsten nur Kinder, die nie erwachsen werden würden. Hätte da der Erwachsene nicht einen besonders schweren Stand, da er genau wüßte, daß sein Wirken oder Streben niemals Früchte tragen wird? Genauso ergeht es dem differenzierten Dichter oder Schreiber, der sich von lauter Kindermenschen umgeben sieht; seine Lage ist aussichtslos. *

Im Namen des Feindbildes

* Nur wenige Menschen sind nicht bereit, im Namen ihres Feindbildes zu töten.*

Vom Herrgott und vom Püppchen

* Kann der Herrgott dem gutaussehenden und inzwischen zur Persönlichkeit gereiften Manne, der da auf der Erde wandelt, ein schöneres Geschenk bereiten, als ihm ein hübsches Püppchen, welches ihn bis zum Ende seiner Tage stützt, ergänzt und begleitet, zum Weibe zu geben? *  

Aufs Maul hauen

* Haut der eine Normalmensch dem anderen Normalmenschen ordentlich aufs Maul und beobachtet dies ein dritter Normalmensch, so fragt sich dieser dritte Normalmensch nicht, was das wohl sollte. Bekommt aber auch er ein paar aufs Maul, dann fragt er sich, was das wohl sollte. *

Was soll das?

* Jehova fordert vom Menschen die uneingeschränkte Anerkennung seiner selbst als Souverän des Universums. Doch keiner verdirbt sich selbige so sehr wie er durch fortgesetztes Nichtstun. Und tatsächlich spiegelt sich Jehova in nichts wider, außer in den gemachten Dingen, die uns umgeben. *

Von der Erde

* Gott hätte das selbsttragende Kabinett des Grauens namens Erde nicht schaffen dürfen. *

Interessant

* Interessant wird es immer dort, wo einer „zurecht„ Gewalt, in welcher Form auch immer, erlitten hat, weil ich dann nämlich fassungslos vor den Rationalisierungen des Täters stehe. Oftmals sind sie „moralisch„, „ethisch„, „religiös„ oder „politisch„ motiviert, also absurd begründet. *

Wie geht das?

* Die gesamte Planzenmasse dieser Erde lebt von nur 0,03 % Kohlendioxid in der Erdatmosphäre. Erstaunlich. *

Von Ärschen

* Treffen sich zwei Menschen, halten sie einander für Ärsche. Was sie nicht wissen: Recht haben beide. *

Schizophrenie

* Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich mich der Schizophrenie nicht  nahe  fühle. *

Das Studium

* Allzu eitle Menschen studieren wohl nur fürs Ego, nicht aber aus dem Grunde der Bildung oder Wissenschaft. *

Die Anerkennung der Respektsperson

* Es gehört wohl zum Genie, daß es Respektspersonen und solche, die sich dafür halten, selten anerkennen wird. *

Der Weibsroboter namens Mann

* Das gutaussehende Weib weiß verdammt genau, daß sie mit dem gewöhnlichen Manne alles machen kann. Bloß an der Persönlichkeit beißt sie sich die Zähne aus, und das ärgert sie. *

Von der Kirche

* Unzählige Menschen sind im Namen der Kirche umgebracht worden. *

Das Motiv des Feminismus

* Viele derjenigen Frauen, die früher autoritär erzogen worden sind, finden sich später bei den Feministinnen wieder. *

Meine Arbeitsweise

* Diejenigen meiner Texte, die „Von der Kritik am Menschen„ heißen und welche ich heutzutage recht schnell formulieren kann, kannte ich früher bloß als dunkles Gefühl oder Vorahnung. Es brauchte dann noch etwa zehn oder fünfzehn Jahre, bis ich sie tatsächlich aufschreiben konnte. Auch heutzutage habe ich wieder Vorahnungen oder dunkle Gefühle bezogen auf das, was ich in vielleicht weiteren zehn Jahren aufzuschreiben in der Lage sein werde. Auf die künftigen Texte von mir bin ich sehr gespannt, falls ich dann überhaupt noch leben sollte. *

Es lebe das differenziert denkende Internetforum!

* Keinen einzigen meiner kürzeren oder längeren Texte konnten die Teilnehmer der Internetforen, in welchen ich meine Verse zum besten gegeben habe, sauber interpretieren! *

Welch hoher Preis!

* Das aggressivste Lebewesen dieser Erde ist zugleich dasselbe, das im Laufe der Erdgeschichte in ungeheuren Massen verreckt ist. *

Vom Prahlen

* Der Normalmann prahlt gerne mit der Summe seiner Erfolge bei den Frauen. Ich prahle gerne mit der Summe der Frauen, die ich zurückgewiesen habe oder mir vom Hals schaffen mußte. *

Vom Christen

* Am Christen ist üblicherweise nichts Christliches, er lügt und betrügt wie alle.*

Schön doof

* Unter den mir in meinem Leben begegneten Trotteln waren die promovierten die größten. Sie konnten sich kaum merken, daß ich Klaus heiße und nicht Augustin. *

Der leichte Glaube

* Daß einer schuld habe, glaubt’s sich leicht. *

Der moralische Unterschied

* Daß der Mensch schlecht ist, liegt zum einen natürlich an seiner angeborenen Freude am Schlechten, zum anderen aber auch an seiner mangelnden Fähigkeit, moralisch zu differenzieren. *

Gewaltig

* Der Umstand, daß Gott etwas solch Gewaltiges und Differenziertes wie die Sonne gebastelt hat, nur um im Vergleich dazu etwas solch Triviales wie den Menschen zu schaffen und zu nähren, wundert mich. *

Vom Wohlergehen

* Am wohlsten fühle ich mich unter sympathischen Verrückten. *

Die Vorherrschaft

* Das größte Schlachtfeld des Universums ist wohl die bewohnte Erde. Dort führen nicht nur Menschen Kriege um die Vorherrschaft über sie, sondern gemäß der Heiligen Schriften auch noch Gott und Satan. Schämen sollten sich alle drei Parteien. *

Wenn ihr wüßtet

* Abgesehen von meinem Namen sage ich nie, wer ich bin. So läßt’s sich gut beobachten. *

Das Doktorkabarett

* Die Doktoren hatten unter meinem Spott am meisten zu leiden, ich weiß es. *

Neues vom Psychiater

* Nur mein Psychiater versteht mich. *

Vom heiteren Irrsinn

* Mich wundert, daß der Mensch heiter sei, weil es doch in dieser Welt eigentlich gar nichts zu lachen gibt. Tatsächlich verhält er sich wie ein Wahnsinniger, der in den Abgrund springt, um lustig zu fallen. *

Des Genies Thesen

* Es liegt wohl im Schicksal des Genies, daß seine Thesen vom Menschen zwar verifiziert und gefeiert werden, sie bei ihm {dem Menschen} jedoch nicht zur Anwendung kommen. *

Der Akademiker

* Nur wenige Akademiker haben Talent zu ihrem Beruf. *

Hab’ ich recht?

* Genaugenommen dürfte der Pazifist nicht die Polizei rufen, wenn er bedroht wird, denn die Polizei könnte ja Gewalt ausüben. *

Kollektiv krank

* Bis heute weiß ich nicht genau, ob die Normalmenschlichkeit eine kollektive Geisteskrankheit ist oder nicht. *

Vom Erkennen

* Der Mensch glaubt, erkennen zu können. Aber schon den Umstand, daß er nicht wirklich erkennen kann, erkennt er nicht. *

Von der Wirtschaft

* Stets sucht die Wirtschaft den empfindungslosen Alleskönner für wenig Lohn.*

Von der Rechtfertigung

* Bin ich wo, bald muß ich mich rechtfertigen. *

Psycho

* Mein halbes Leben habe ich damit verbracht, mir uneinsichtige Irre vom Hals zu schaffen. Daß ich nicht selbst verrückt geworden bin! *

Von Narren

* In meinem Leben erhielt ich viele Einladungen. Doch was hatte ich bei Narren zu suchen? *

Sexuell veranlagt

* Alle Menschenartigen (homo sapiens, Gorilla, Orang – Utan, Schimpanse) sind wohl sehr sexuelle Tiere. *

Keine Sexualität

* Nach meiner Schätzung waren etwa die Hälfte derjenigen Frauen, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, frigide oder sexuell gehemmt. *

Der Könner

* Auch die edelsten Könner eines Faches haben große Anfangsschwierigkeiten beim Erlernen eines neuen Faches. *

Der Bastler

* Genaugenommen sind die handelsüblichen Computer von heute nur etwas für Bastler, da es die Rechnerindustrie nicht geschafft hat, ihre Produkte über das Stadium des Prototypen hinaus weiterzuentwickeln. *

Der Kämpfer

* Nur ungern würde ich mich als Kämpfer bezeichnen wollen. Falls aber doch, so würde ich mich als Kämpfer in einer moralischen Sache betrachten wollen. Meine Waffe ist dabei nicht etwa das Schwert, sondern der Spiegel. Der Mensch, der sich darin sieht, erschrickt bald tief und ist für eine Zeitlang gelähmt, denn solch einem fürchterlichen Monstrum hat er noch nie gegenübergestanden. Manche lernen aus diesem Erlebnis, die meisten aber vergessen oder verdrängen bald wieder. Es sind also nur kleinere Siege, die ich erringe, aber immerhin, es bewegt sich etwas und es fließt kein Blut. *

Blind

* Keiner will die Freundschaft, doch sie hat so viel zu bieten! *

Das ist nicht viel

* Das einzig Gute an der Diktatur ist es, daß es unter ihr keine Arbeitslosigkeit und keine (Straßen)kriminalität gibt. *

Welch Schicksal

* Die ärmsten Kreaturen, die es überhaupt gibt, sind die tiefleidenden Genies. *

Vom Prager Fenstersturz

* Manche Menschen sind auch nur gut als Hauptdarsteller der Neuverfilmung des Prager Fenstersturzes. *

Die Matrone

* Ein junges Mädchen ist oft hübsch und rein anzusehen. Es gibt jedoch nichts Häßlicheres, als eine alte Matrone. *

Vom Kommunismus

* Den größten Müll, Schutt und Schrott hat in der Weltgeschichte wohl der Kommunismus hinterlassen. *

Absurd?

* Eher zweifle ich das Konkrete an, als das Abstrakte. *

Vom Verlangen

* Gibt es eine quälendere Sache, als das langanhaltende und unerfüllte Verlangen? *

Schnell, schnell

* Ich bin nun fast vierzig Jahre alt und habe in meinem Leben viele Mädchen kennengelernt, die nun, zumindest körperlich, zu Frauen herangereift sind. Die meisten von ihnen konnten es kaum erwarten, bereits in jungen Jahren zu heiraten und Kinder zu bekommen. Der Antrieb oder das Motiv hierzu sind mir bis heute gänzlich schleierhaft. *

Feierabend

* Spätestens dann, wenn man bei der Arbeit ständig auf die Uhr sieht, um zu schauen, wann endlich Feierabend ist, sollte man sich eine neue Arbeit suchen. *

Ohne Entwicklung

* Wie das Tier, so ist auch der Normalmensch kaum in der Lage, sich gegen seine Gefühle, Empfindungen oder Triebe zu entscheiden, denn hierzu bedarf es der charakterlichen Stärke und der Unterordnung unter ein höheres (geistiges) Ideal. Diese Eigenschaften aber besitzt er nicht. *

Pädagogisch wertvoll

* Gerne legt der Lehrer dem Schüler seine schlechtgeschriebene Klausur nach der Durchsicht als Beweis seiner vermeintlichen Schuld und Ekelhaftigkeit auf den Tisch. *

Des anderen Kopf

* Gerne fordert der Normalmensch des anderen Normalmenschen Kopf, aber wehe, ihm selbst wird auch nur ein Haar gekrümmt! *

Nichts

* Der nichts ist, hält am meisten von sich. *

Des Menschen Thesen

* Gerne stellt der Mensch private Thesen auf, die er dann für allgemeingültig hält. *

Welcher Professor kann diese Frage beantworten?

* Warum ist eigentlich immer nur die schlechte Wirtschaftslage stabil und nicht die gute? *

Junge Junge

* Alle Leute dürfen ihre Kinder schlagen, nur den Verbrecher, den darf keiner schlagen, sonst gibt es ein Verfahren. *

Gesunder Schlaf

* Die Statistik sagt, daß fünf Millionen Deutsche unter Schlafstörungen leiden. Zumindest am Arbeitsplatz aber kann man das nicht beobachten. *

Rekordzahlen

* Der Hass auf Arbeitslose und auch die Anzahl der Geistesgestörten haben zu unseren Zeiten ein Rekordniveau erreicht. *

Führungspersönlichkeiten?

* Wo ich gehe und stehe, sehe ich selbsternannte „Führungspersönlichkeiten„, mal mit und mal ohne Lernschwäche. *

Die Bananen schmecken auch ihm

* So sehr der Mensch seine Verwandtschaft zum Affen leugnet, so sehr verhält er sich wie letzterer. *

Unzugänglich

* Nicht nur Dummköpfe sind uneinsichtig oder unzugänglich, es sind auch viele Akademiker betroffen. *

Schnell abhauen

* Dort, wo die Destruktivität vorherrscht, also fast überall, dort werde ich nicht sein. *

Blubbersäusel

* Groß ist die Anzahl deren, die nicht deutlich, klar und zielgerichtet sprechen können. Oftmals höre ich nur „blubber blubber„, „schnabbeldiwutz„, „hennemenne„, „säuselsäusel„ „hualp“ oder ähnlich. So höre ich mich an, wenn ich kotzen muß. *

Nirgendwo

* Ein nettes Wort hört man wohl auch nirgendwo. *

Lernfähig

* Von einem geschickten Dummkopf lernt man mehr, als von einem promovierten Vollidioten. *

Übel

* Am übelsten ist der narzißtisch oft Gekränkte in verantwortlicher Position. *

Haut alle ab

* Bin ich nicht leichtlebig, amüsant und unterhaltsam, schon bin ich „out„. Mir ist’s gleich, ich will ohnehin keinen sehen, mit dem ich nicht ernsthaft reden kann. *

Geht’s gut?

* Nimmst du das Weib nicht ernst, so wird es dir gut ergehen! *

Literatur und Medizin

* Die differenziertesten Berufe sind wohl die des Schriftstellers und des Mediziners. Jetzt wird klar, warum es so viel mittelmäßige Literatur und so viele bedeutungslose Ärzte gibt. *

Verwundet

* Der Normalmensch reflektiert seine seelischen Wunden über seine Annahme, er sei besonders wichtig und bedeutungsvoll. Ich reflektiere meine seelischen Wunden über meine Texte. *

Weg damit

* Zum Niederreißen allgemein anerkannter, aber völlig falscher Dogmen bedarf es wieder einmal des Individualisten. *

Kein Unterschied

* Jede Menschenrasse hatte ihren Massenmörder. *

Von der Mitteilung

* Gesegnet seien jene, die nur wenig sagen. Erwürgt gehören solche, die gar nichts sagen. *

Vom Papst

* Der Papst erhebt Anspruch darauf, seine katholische Religion sei die einzig wahre und richtige. Grund dazu hat er, denn die Erde ist eine Scheibe und die Sonne kreist um die Erde, auch wenn diese Thesen längst revidiert worden sind.*

Vom Arbeiter und Akademiker

* Keinesfalls blicke ich auf den Arbeiter herab, da er „nur„ Arbeiter ist. Selbstverständlich respektiere ich seine mitunter schwere und mühsame Tätigkeit, bloß um seine Familie zu ernähren. Aber genauso will ich des Akademikers Arbeit nicht überbewerten, denn allzu oft krachen des Konstrukteurs Brücken ein, allzu oft sind des Arztes Diagnosen abenteuerlich und allzu oft ist des Pädagogen Wissen zweifelhaft. *

Von der Ärztekammer

* Ein Arzt muß dem Patienten bei der Diagnose der Mandelentzündung schon beide Beine absägen, damit die Ärztekammer endlich schaltet und dem Chirurgen die Approbation entzieht. *

Der Patient hat die Staupe! Schnell ins Krankenhaus!

* Gehe ich zum Arzt, und stellt dieser eine Diagnose, so ist mein erster Gedanke stets, ob diese Diagnose wohl stimmt. *

Da hilft nür lüften

* Diejenigen Menschen, die mich ständig wegen meiner nervösen Winde verurteilen, pupsen auch nicht übel! *

Schlechte Philosophie

* Anlagebedingt hat der Mensch kein besonders großes Problembewußtsein. Dieser Umstand ist die Ursache für die außerordentlich schlechte Philosophierfähigkeit desselben. *

Der Vernunftsmensch

* Besonders übel ist’s mit dem Vernunftsmenschen, denn er würgt aus Überzeugung, sollte ihm dies vernünftig erscheinen. *

Tief

* Gehe ich tief in mich, und dazu habe ich ein gewisses Talent, resultieren daraus recht gute Gedanken und Texte. Saufe ich dabei, gehe ich noch viel tiefer, so daß ich bald vom Stuhl fliege. Nachdem ich mit ein paar blauen Flecken wieder aufgestanden bin, schreibe ich hevorragende Texte. *

Vom Traume

* Jeder Traum ist wohl als eine Art Halluzination im Schlaf zu erachten. *

Hä?

* Bei nichts wird der Mensch aggressiver, als wenn er einem etwas erklärt und dieser es fortgesetzt nicht versteht. *

Technisches

* Meistens sind es die Lehrer der technischen Fächer, die die Persönlichkeit des Schülers nicht deuten können. *

Mäßig

* Mit den Intellektuellen ist es wie mit anderen Menschen auch: Im allgemeinen sind sie mäßig, im Berufe mittelmäßig und im besonderen saumäßig. *

Profund

* Auch der profund Ängstliche ist nach außen hin profund Supermann, zu groß ist seine Angst, ausgelacht zu werden. *

Vom autonomen Nervensystem

* Ständig ist mir vegetativ übel. Aber wenn ich in die Tiefe der menschlichen Seele schauen kann, bleibt mir wohl auch nichts anderes übrig. *

Vom Dressieren

* Blicke ich auf mein Leben zurück, erkenne ich bald, in welchen erpresserischen Knechtschaften ich mich einst befunden habe und welche Druckmittel es dabei im einzelnen gegeben hat:

  1. Die Kindheit – Druckmittel: Von der Umwelt akzeptierte häusliche Gewalt.
  2. Die Schulzeit – Druckmittel: Zensuren, psychische Gewalt und Drohungen.
  3. Die Militärzeit – Druckmittel: Psychische Gewalt, Haftstrafen und Drohungen.
  4. Die Lehr – oder Hochschulausbildung: Kompromittieren und Sechsengeben. *

Mutter läßt es krachen

* Zur Abendbrotzeit schaue ich schon einmal fern. Die Werbung zu dieser Uhrzeit ist meist eine medizinische, so daß unter anderem Werbung für Abführmittel zu sehen ist, damit Mutter auch morgen noch feste krachen kann. Bei dieser Vorstellung vergeht mir zumeist der Appetit, auch wenn die Darstellerinnen stets saubergewaschen sind und weiße Zähne haben. *

Gleiches Aussehen

* Die meisten Gewaltverbrecher haben ein auffällig ähnliches Gesicht. *

Von Kindern

* Alle Menschen dürfen, zumindest in unserem Lande, Kinder bekommen und auch erziehen, auch solche Menschen, die es mit ihren Kindern überhaupt nicht gut meinen und von der Kindeserziehung nicht das mindeste verstehen. *

Erlebtes schlecht verdaut

* Die Depression ist die Übelkeit der Seele. *

Fruchtbar

* Am fruchtbarsten sind jene, die nur Scheiße zu vererben haben. *

Knifflig

* Die besten Gedanken kommen mir meistens erst nach einer kniffligen Situation. *

Habilitiert und schlecht

* Der moralische Schwachsinn zieht sich bis in die höchsten Intellektuellenkreise. *

Von Nutten

* Die ersten, die merken, daß ein lieber Junge ein lieber Junge ist, sind die Nutten. *

Gut für meine Texte

* Unterhalte ich mich mit einem Menschen, so gibt er, ohne es zu wissen oder zu ahnen, viel von sich preis. Zu viel preis. *

Kann man die Welt objektiv definieren?

* Das selbständige Denken ist mir auf keiner Schule vermittelt worden, obwohl es sehr wichtig gewesen wäre, daß die Lehrer mich und die anderen Schüler dazu angeregt oder ein verständliches Beispiel dafür gegeben hätten. Ich mußte mich selbst dazu ermuntern, denn ohne eigenes Denken ist eine auch nur annähernd objektive Darstellung der Welt, befreit von allen dogmatischen Durchseuchungen, unmöglich. *

Von Weihnachten

* In der Vorweihnachtszeit tun die Menschen so, als stünde das große Glück unmittelbar bevor. In der Weihnachtszeit tun sie so, als sei das große Glück nunmehr erreicht oder eingetroffen. Worin aber besteht das große Glück eigentlich? *

Wichtig

 * Eine Leserin meiner Texte unterstellte mir einst, mein Denken sei von einer schweren Ernsthaftigkeit geprägt. Ja, und ist ihre Welt, in der nichts wirklich wichtig ist, wirklich besser? *

Von Bekanntschaftsinseraten

* Die schwierigsten Frauen sind solche, die man über die Zeitung kennenlernt. *

Die egozentrische Verblödung

* Die Psychologie und Psychiatrie definieren mehrere Sorten von Verblödung. So sind etwa die epileptische oder schizophrene Spätverblödung  für diese Wissenschaften nichts Neues und recht gut dokumentiert. Vergessen aber haben sie die verächtlichste Form der Verblödung: Die egozentrische Verblödung nämlich, bei der der betroffene Mensch am Ende nicht mehr zwischen subjektiv und objektiv, Recht und Unrecht, Moral und Unmoral unterscheiden kann. *

Ein Orgasmus ist nichts

* Die Aggression ist es wohl, die beim Menschen den größten und auch am meisten befriedigenden Trieb darstellt. *

Die zweifelhafte Erläuterung

* Wenn sich zwei Normalmenschen mit ihren typischen Minderwertigkeitsgefühlen begegnen, erläutern sie sich gegegnseitig, warum die Welt nicht auf sie verzichten kann. *

Eine Irre als Pflegerin?

* Die Auswahl an Schwestern in psychiatrischen Krankenhäusern ist zum Teil höchst ungeschickt. So hat beispielsweise die typisch egozentrisch irre Frau dort als Krankenschwester nichts verloren. Auch hier merken die Psychiater wieder einmal nichts, wie alle Ärzte oder Fachärzte. *

Gebt acht!

* Nichts fällt dem Menschen schwerer, als achtzugeben oder aufzupassen. *

Au backe

* Es ist wunderlich: Verspürt der Mensch eine schwere Einsamkeit, tut er alles, ihr zu entfliehen. Ist er wieder zweisam oder mehrsam, lehnt er wie gehabt alle anderen Menschen ab. *

Von Fielmann

* Daß es einem schlecht ergehe, ist nicht zu erkennen, bloß weil er es nicht explizit sagt, nein? Die Brillen gibt’s bei Fielmann. *

Sie gleichen sich

* Mit den Intellektuellen ist es wie mit Proleten: Sie sind von Ihrer absurden Sache überzeugt. *

Die Ausschlußdiagnose

* Stellt sich in bezug auf einen anderen Menschen die Frage nach der Ursache seines scheinbar fehlerhaften Handelns und liegt diese nicht unmittelbar auf der Hand, so bedient man sich gerne der Ausschlußdiagnose. Auf diese Weise entstehen leicht Simulanten, Faule, Bescheuerte, Bummelanten, Lügner und Schwerverbrecher, bloß deshalb, weil man die subjektiven Motive des anderen, die im einzelnen vielleicht sogar recht ehrenwert gewesen sein mögen, von vornherein, da sie einem wegen ihrer Subjektivität einfach nicht in den Sinn gekommen sind, ausschließt. *

Von der Hoffnung

* Gibt es keinen Gott, so gibt es keine Hoffnung. *

Wer einmal aus dem Blechnapf frißt

* Einmal Verbrecher, immer Verbrecher. *

Was ist an ihm?

* Der Verbrecher hat immer eine Freundin. Der liebe Junge nicht unbedingt. *

Von Adam und Eva

* Der Mensch ist von Natur aus nicht zur Persönlichkeit bestimmt. Die Frau ist hiervon mehr betroffen, als der Mann. Es scheint also, als werde die Unpersönlichkeit zumindest zum Teil geschlechtsverbunden vererbt. Ist dies ein Rudiment aus den Tagen Adams und Evas? *

Das Seebeben

* Erst jetzt, nach dem Seebeben und seinen 200000 Toten in Asien, sagen auch andere, Gott solle sich warm anziehen, wenn er erscheine. *

Jetzt wißt ihr’s

* Was, ich bin ein asozialer Säufer? Und warum ich saufe? Wißt ihr es wirklich nicht? Damit ich euch besser aushalten kann! *

Ganz schön viele

* Sie vermehrten sich, und sie vermehrten sich, also wurden sie viele. Aber wissen tun sie nichts. *

Wissenschaftliches

* Vielleicht war ich in meinem Leben kein guter Schüler, zumal der Unterricht und die Vorlesungen, die ich in jungen Jahren genossen habe, von den Professoren recht starr, unflexibel und dogmatisch abgehalten wurden. Aber ich habe stets aus meinen Fehlern, die auch ich zweifelsohne in meinem Leben begangen habe, gelernt. Lernt man aus seinen Fehlern, setzt dies aber natürlich voraus, daß man diese zunächst zur Kenntnis nimmt und vor sich selbst zugibt. Genau hier aber hakt es besonders bei den Intellektuellen; dieselben Fehler werden immer wieder begangen, da es an Einsicht, Zweifel und Bescheidenheit mangelt. Die meisten Wissenschaftler sind also keine guten Wissenschaftler. *

Der Lektor

* Bei den meisten Lektoren ensteht rasch der Eindruck, daß sie des Lesens kaum fähig sind. Führte ich einen womöglich namhaften Verlag, würde ich aus diesem Grunde, aber auch aus dem Umstand heraus, daß ohnedies 99,99 Prozent aller Manuskripte wegen der Flut an Manuskripten zurückgeschickt werden müssen, bestenfalls einen Umtüter einstellen; das spart massiv Kosten. *

Hmm, lecker!

* Immer dann, wenn die Statistiker wieder einmal eine Wahrscheinlichkeit von beispielsweise nur 1 : 150000000 ausgerechnet haben, hagelt es noch am selben oder spätestens am nächsten Tage gebratene Enten. *

Der legale Überfall

* Der Überfall, der eine Summe Geldes fordert oder die Gesundheit, das Leben oder die Rechte anderer bedrohen, ist selbstverständlich bei Strafe verboten. Fast alle Vorgesetzten oder Erziehungsberechtigten dieser Welt scheinen sich aber nicht daran zu halten. So überfällt der Meister gern den Gesellen oder Lehrling in der Weise, daß er wütend und schreiend auf sie zurennt, bloß weil er mit deren Arbeitsleistung nicht zufrieden ist. Gern überfällt der Lehrer den Schüler mit der Rückgabe einer schlecht geschriebenen Klassenarbeit, mit der er ihn verhöhnt. Gern schlagen vulgäre Eltern ihre Kinder, bloß weil diese mit nassen Hosen nach Hause gekommen sind. Noch einmal: Der Überfall ist bei Strafe verboten, aber wenn es sich dabei nicht um einen strafrechtlich faßbaren Fall handelt, ist der Überfall ein häufig und gern angewandtes Mittel der Repression. *

Hinfort!

* Je egozentrischer oder ichbezogener ein Mensch ist, desto schneller und vehementer resultiert daraus seine Ablehnung des anderen; eine abweichende Meinung mag hier bereits ausreichen. *

Psychologie und Physik

* Die Physik ist eine hübsche Wissenschaft. Sie beobachtet und beschreibt die Welt und das Universum in technisch – mathematischer Weise und leitet daraus Formeln und Gesetze ab. Sie dient also der technischen Wahrnehmung der Umgebung und hat somit natürlich einen gewissen Stellenwert. Die Psychologie hingegen befaßt sich mit dem Menschen und seinem Verhalten. Da dieser zumindest seine nähere Umwelt in viel größerem Maßstab beeinflußt, als es die Physik mit ihren unveränderlichen, fast langweiligen Gesetzen tut, ist der Psychologie die größere Aufmerksamkeit zu schenken. Versteht man die Psychologie des Menschen, versteht man die Welt besser, als es die Techniker können, die schon wieder einen Furz nachgewiesen haben, dessen Existenz ohnedies bereits bekannt war. *

Militant

* Immer dann, wenn man den subjektiven Idealen oder Meinungen des Humanisten, Christen oder Pazifisten widerspricht, reagieren diese seltsam militant. *

Die Schimäre

Oft sehe ich, daß der in seiner Jugend narzißtisch oftgekränkte Mensch wähnt, sollte er, wie es ihm in seiner Vergangenheit ja fortlaufend suggeriert wurde, schon keinen unmittelbaren, edukativen, intellektuellen oder sozialen Wert verkörpern, so sei er doch sensibler, schöner, reicher, sportlicher oder ethisch besser, als andere Menschen. Teilt man ihm nun glaubhaft mit, ja, kann man ihm sogar beweisen, daß auch seine Gedanken bloß ein Zerrbild der Realität sind, so schmerzt es ihn ungeheuerlich.

Pervers

* Die meisten Lehrer oder Erzieher sollte man dazu zwingen, sich in einer Talkshow namens „Was bin ich für ein Perverser?„ zu outen. *

Gottvertrauen

* Viele Gläubige meinen, Gott werde es schon richten. Daß das nicht stimmt, zeigt die Realität gründlich. *

Der Zeuge Jehovas

* Treffe ich einen Zeugen Jehovas, sprudelt aus ihm die schwere Überzeugung. *

Das sinnvolle Vergessen

* Persönlichkeit bedeutet, das Ego und aufgeprägte Scheinwerte zu vergessen. *

Die tiefe Liebe

* Die tiefe Liebe zwischen Mann und Frau ist wunderschön. Schade, daß es sie nur im Kino gibt. *

Wirklichkeit und Transzendenz

* Es ist die Welt zwischen Wachen und Schlafen, die ich ganz gut erläutern kann. *

Der gute Schreibstil

* Der gute oder sehr gute Schreibstil bedeutet nichts anderes, als Reinheit und Eleganz im Schreiben. *

Die Arbeitgeber werden immer frecher

* Ich kann mich nicht erinnern, daß ich auch nur auf einer einzigen Arbeitsstelle nicht irgendwann mit Kündigung bedroht worden wäre, für den Fall, daß der Chef seinen Maximalgewinn oder meine unbedingte Dienerschaft gefährdet sah.*

Klaus macht das schon

* Da ich ein lieber Junge bin, bin ich selbstverständlich bereit, dem einen oder anderen einmal einen Gefallen zu tun, und das ganze natürlich unentgeltlich. Gerade in letzter Zeit aber klingelte bei mir pausenlos das Telefon; ständig klingelte es an der Tür, alle wollten von mir einen Gefallen erledigt wissen. Am Ende mußte ich mich der zahlreichen Zugriffe erwehren, und dann folgte das, was folgen mußte: Die vielfache moralische Verurteilung meiner Wenigkeit. *

Unmündig

* Mündig zu sein bedeutet, die eigene Psychologie zu kennen und in diese, falls nötig, korrigierend einzugreifen. Die eigene Psychologie aber bleibt dem Menschen zumeist verborgen, dementsprechend bleibt seine Unmündigkeit fortgesetzt erhalten. *

Der Skatspieler

* Gerne beschimpfen sich die Skatspieler gegenseitig als blöde. *

Undeutlich

* Viele Lehrer können nicht deutlich machen, worum es in ihren Fächern eigentlich geht.*

Das Superzeugnis

* Ein Zeugnis mit lauter Einsen zu bekommen, ist eine denkbar schwierige Aufgabe. Ein Zeugnis mit lauter Sechsen zu bekommen, ist noch schwieriger. Zumindest in letzterem Punkt habe ich total versagt. *

Tod dem Schnupfen!

* So mancher Mediziner hat im Laufe der Jahrzehnte den Nobelpreis bekommen. Mal war er dafür, daß der Arzt einen biochemischen Mechanismus entdeckt hat, mal war er dafür, daß der Arzt an Antibiotika geforscht hat, oder er war dafür, daß der Arzt für irgendein Leiden eine neue, vielversprechende Behandlungsmethode  entworfen hat. Den Supernobelpreis aber gebührt demjenigen Mediziner, der uns alle und für immer endlich, endlich von den Niagarafällen  befreit. Ha ha ha hatschiiii!!! *

Vom Leben

* Das Leben bereitet einem bloß Mühe, und viele existentielle Fragen bleiben völlig unbeantwortet. Wer dies erkennt, ist klug, aber diese Erkenntnis macht einem das Leben auch nicht gerade erträglicher. *

Prägbar

* Wäre Gott prägbar wie der Mensch, wäre er übel wie dieser. *

Frauenfeindlich?

* Von den vielen Frauen, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, hatte keine einzige etwas wirklich Wichtiges oder Wesentliches zu sagen. *

Ausgeglichen

* Ärzte und Patienten stehen sich oft in feindlichen Lagern gegenüber. Die Mediziner beklagen sich oft über die Distanzlosigkeit ihrer Patienten, und damit haben sie bestimmt recht. Die Patienten hingegen beklagen sich oft über die Erfolglosigkeit ihrer Ärzte; auch sie haben recht. *

Schlimme Sache

* Selbstverständlich wünsche ich keiner Frau auf der Welt, jemals in ihrem Leben vergewaltigt zu werden. Doch muß ich feststellen, daß solche Frauen, die eben doch vergewaltigt worden sind, zum Sex fortgesetzt nicht mehr zu gebrauchen sind. *

Hätte er doch ein anderes Fach studiert

* Gerne betrachtet der Psychiater einen neuen Patienten als langweiligen Standardfall (Depression, Ängstlichkeit, nervöse Beschwerden et cetera). Daß der Patient aber möglicherweise klüger als der Arzt selbst ist, darauf kommt er im Leben nicht. *

Ich freu’ mich schon

* Es möge der Tag kommen, an dem erfolglose Ärzte in einer Reihe durchgeohrfeigt werden. *

Mitschuld

* Daran, daß es frauenhassende Männer gibt, dürften die Frauen ein wenig mitschuld sein. *

Da ist noch keiner drauf gekommen

* Deutschland ist ganz einfach schuldenfrei zu bekommen: Man übertrage simpel alle Schulden der Republik, diese dürften sich wohl auf über eine Billion Euro belaufen, auf mich. Somit wäre der Staat schuldenfrei und ich würde einfach nicht zahlen, weil ich es natürlich nicht könnte. Genial einfach. *

Bianca

* In den Vorabendprogrammen der verschiedenen Fernsehsender laufen oft langweilige Billigproduktionen. So handelt es sich beispielsweise bei der neu produzierten Serie „Bianca„ im ZDF um einen inhaltslosen Softporno. *

Begabt

* Der höchstsensible Mensch, der dazu noch sprachbegabt ist, wird, sofern die Verlage endlich einmal mitspielen, ein guter Dichter werden. *

Geld

* Geld ist nichts anderes, als auf Papier gespeicherte Arbeits – und Materialleistung. *

Doof?

* Die Doofköpfe merken mitunter mehr, als ich es von vornherein angenommen hätte. *

Vom Strafgesetz

* Der Mensch muß leider zur Moral gezwungen werden, freiwillig übt er sie nicht aus. Das pure Vorhandensein der Strafgesetzgebung zeigt dies deutlich. *

Das subjektive Ideal

* Begegne ich dem Menschen, so teilt er mir bald mit, ich hätte mich an seinen subjektiven Idealen, die er natürlich für objektiv hält und welche im einzelnen recht irrational und kleinkariert sein können, versündigt. Daraus wiederum resultiert bald die mir nicht unbekannte Ablehnung meiner Person. *

Der psychologische Parameter

* Die Subjektivität und Gesamtpersönlichkeit eines Menschen zu einhundert Prozent zu erkennen, ist nicht möglich. Es gibt bei ihm einfach zu viele Parameter, die zwar gesetzt, aber aufgrund ihrer Subjektivität nichr klar erkennbar sind. Die besten Psychologen versagen hier. Wirklich erkennen kann nur derjenige, der seine Parameter und Schalter auf dieselbe Stellung gesetzt sieht, wie genannter Mensch. *

Von Medikamenten

* Die meisten Medikamente, die es auf dem Markt gibt, sind nur eingeschränkt wirksam oder gar nicht wirksam. Die Patienten merken dies natürlich, nur die Ärzte, die merken dies natürlich nicht und verschreiben fleißig weiter. *

Schicksal oder nicht?

* Ich glaube nicht an eine Art Schicksal, aber an eine Art erbliche Disposition, die den Menschen in seiner körperlichen und seelischen Erscheinungsform in wesentlichen Teilen ausmacht. Aber auch hier könnte man sich überlegen, ob die erworbene Erbkombination nicht schon wieder etwas mit Schicksal zu tun hat. *

Die profunde Blamage

* Nichts fürchtet der Verbrecher mehr, als eine Situation, die er wegen der Aussichtslosigkeit seiner Gewaltandrohung – andere Mittel kennt er kaum – nicht verhindern kann und in welcher man ihm seine Angst, beispielsweise in einem Gerichtsverfahren, ansieht. *

Das Fallbeil

* Erst, wenn er vor der Guillotine steht, empfindet der Verbrecher ein leichteres Unbehagen und einen leisen Zweifel.  *

Undifferenzierte Auslese

* Die Auslese der Frau in bezug auf die Männerwelt ist oftmals unklug und recht grobmaschig. Gerne verlangt sie nach irgendeinem Manne, der dann eigentlich nur noch in ihre körperliche Idealvorstellung passen muß; bald bekommt sie ihn. Erst nach ein paar Jahren der Ehe stellt sie fest, wer er wirklich ist und läßt sich dann wieder scheiden. *

Die Angstidentifikation

* Ein altes Motiv beim Menschen ist unter anderem die Angstidentifikation. Nicht nur Geiseln bei einem Banküberfall oder Ehefrauen aggressiver Männer stimmen der jeweiligen machtausübenden Person zu, sondern die Angstidentifikation zieht sich sogar bis in höchste politische und religiöse Kreise, in denen bedrohlich auftretende radikale Gruppierungen oder ein Gott als gewaltiger Übervater ängstlich anerkannt werden. *

Die Zugabe

* Mit der Zugabe eines Fehlers assoziiert der Mensch die Zugabe, er sei ein geringerer, als er es gerne hätte. Also gibt er keinen Fehler zu. *

Leichte Beute

* Je dümmer ein Mann ist, desto einfacher ist er für eine Frau zu haben. *

Stehfix

* Wenn „Viagra„ nicht „Viagra„, sondern „Stehfix„ heißen würde, würde es wohl kein Mann kaufen. *

Talent zum Geist

* So ziemlich jedes bescheuerte Fach kann man wohl an einer Universität oder Hochschule studieren. Nur den Geist, den kann man nirgendwo studieren. Das bedeutet viel Eigenarbeit. Welch schwieriges Studium! *

Denn sie wissen nicht, was sie tun

* Sei der Mensch gescheit oder nicht: Die Aggression nach außen und die Empfindlichkeit nach innen, was er offenbar nicht richtig erkennen kann, liegen in seinen Genen begründet, welche er sich natürlich nicht selbst ausgesucht hat. Dieser Umstand mag ihn in gewisser Weise entschuldigen, wenn auch nicht von jeder Schuld freisprechen. *

Ich weiß auch nicht alles

* Neulich hörte ich, das Genre des Aphorismus’ soll wohl das schwierigste aller Prosagenres sein. Ist mir noch gar nicht aufgefallen. *

Klammer auf die Nase und zupacken

* Sich gegenseitig aus der Scheiße zu ziehen, ist ein hoher Wert. Dieser Wert wird auch Freundschaft genannt. *

Kein Aktivist

* Keinesfalls bin ich ein Aktivist, bloß bin ich ein Beobachter. *

Intelligenz kontra Erfahrung

* Vor allem aber ist es die Erfahrung, die den Könner ausmacht. *

Ermüdend

* Dummköpfen und Intellektuellen muß man alles sagen. *

Genau

* Gleich, woher der Mensch nun stammt, aus dem afrikanischen Urwald oder aus dem Garten Eden: Nichtzugänglich ist er in jedem Fall. *

Unzufrieden

* Es soll doch Menschen geben, die ihr ganzes Leben lang unzufrieden waren. *

Vom Aberglauben

* Ist der christliche Glaube ein Aberglaube? *

Seltsam

* Frauen sind entweder beleidigt oder haben Migräne. *

Das Klima kippt um

* Ein Winter unter fünfzehn Grad Plus ist in Nordeuropa wirklich ein außergewöhnlich kalter Winter. *

Von der Aufklärung

* Laut Immanuel Kant ist die „Aufklärung„ die Herausführung des Menschen aus seiner selbstverschuldeten „Unmündigkeit„. Die „Unmündigkeit„ wird hierbei definiert als Unvermögen des Menschen, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Ganz bestimmt hat Kant mit dieser Philosophie recht gehabt, jedoch hätte er bedenken müssen,  daß der Mensch nicht belehrbar oder läuterbar ist; sein Streben war daher leider vergebens. *

Vom Selbstbewußtsein

* Das Selbstbewußtsein des Normalmenschen, sollte es gerade vorhanden sein, stammt gewöhnlich aus seiner angeborenen Arroganz und aus seiner geringen Hemmung im Denken und Handeln, nicht jedoch aus dem Umstand heraus, daß er tatsächlich edel oder vollkommen wäre. Mein Selbstbewußtsein, sollte es gerade vorhanden sein, stammt gewöhnlich aus meinen komplizierten psychologischen Überlegungen, die mir sagen, wer ich wirklich bin und wer der andere wirklich ist und welche die Widerlegung des arroganten, ichbezogenen Arguments zum Ziele haben. Sollte mein Gegenüber allerdings überhaupt nicht zugänglich sein, so erkenne ich dies bald und gehe einfach weiter. Das psychologische Selbstbewußtsein ist harte Arbeit, das arrogante eine ererbte und somit leicht anzuwendende Arbeit mit anschließendem irrationalen Glücksgefühl.*

Referenzlos

* Frauen sind zumeist referenzlos. *

Der Privatfaschismus

* Die Faschisten sind bekannt dafür, daß sie nur eine einzige Meinung kennen, nämlich die eigene, die eigene radikale. Diese hat die Ermordung Andersdenkender und Minderheiten zum Ziele, ferner das Anzetteln von Kriegen. Diese Absichten sind ohne jeden Zweifel übel, sehr übel sogar. Da aber so gut wie jeder Mensch nur seinen eigenen Thesen folgt und andere gar nicht erst hören möchte, sei festzuhalten, daß es sich auch bei diesem Umstand um eine Art (milderen) Faschismus handelt, um einen Privatfaschismus nämlich. Der Faschismus ist politisch organisiert, der Privatfaschismus genetisch. *

Arroganz

* Vieles ist verboten, nur die Arroganz, die ist nicht verboten, obwohl sie so viel Schaden anrichtet. *

Nanu

* Gerne wähnt der Doktor, sein Wort zähle etwas. *

Ein anonymer Telefonanschluß ist vorteilhaft

* Viele von denjenigen, die bei mir anrufen, können nicht sagen, was sie eigentlich wollen. *

Der verschwiegene Titel

* Will man jemanden zum Lachen bringen, so muß man nur glaubhaft einen Dummkopf spielen. *

Unfähig

* Männer sind zur Freundschaft nicht fähig, und auch Frauen sind zur Freundschaft nicht fähig, ich schrieb oft darüber, ich weiß es wohl. Warum also sollte ich annehmen, daß verschiedene Geschlechter zur Ehe fähig sind? *

Von Köchen

* In welcher Kantine oder in welchem Imbiß ich auch stehe, ständig stecken sich die Köche ihre Finger in den Mund. *

Sondermüll

* Medikamentenreste gehören selbstverständlich nicht auf den Hausmüll, sondern zurück zum Apotheker und somit letztlich auf den Sondermüll. Und ein solches Zeug soll ich schlucken? *

Ohne ihn geht’s nicht

* Der von der Medizin meistverteufelte Stoff ist der Alkohol. Wo aber wäre die Weltliteratur heute, wenn es unter den Schreibern keinen einzigen Schluckspecht gegeben hätte? *

Von der Stimmung

* Mit der seelischen Verfassung gehen die Gedanken Hand in Hand. *

Gelehrt?

* Kaum ein Gelehrter tritt als solcher auf, bloß handelt es sich bei ihm um einen promovierten Normalmenschen. *

Pathologisch

* Normalerweise merke ich, wessen Seele krankhaft veranlagt ist; es sind, nebenher bemerkt, recht viele. *

Ich hör’ nicht hin

* Begegne ich dem Normalmenschen, bald nennt er mir seine Forderungen. *

Die Jungfrau

* Ich habe schon Frauen kennengelernt, welche ihr ganzes Leben lang alle um sie werbenden Männer abgelehnt haben. *

Meine Aufgaben

* Im Laufe meines Lebens stellte mir der Mensch viele Aufgaben. Interessante waren nicht darunter. *

Das Schulzeugnis

* Das Zeugnis ist nicht immer die objektive Refelexion der Leistungen des Schülers. Nicht selten ist es die Reflexion der Rache der Lehrer. *

Freundschaft und Psychoanalyse

* Ein kluger Freund versteht seinen Kameraden besser, als ein guter Psychoanalytiker. *

Sprache und Musik

* Mit der Sprache ist es genauso wie mit der Musik: Während der eine Redner nur grunzen kann, kann der andere das Unmögliche ausdrücken. Und während der eine Komponist nur stumpfsinnige, molodie – und inhaltslose Musik zusammenstellen kann, ist des anderen Musik von großer Reinheit, Folgerichtigkeit und Schönheit. *

Wer hat recht?

* Wenn man jeden hört, hat jeder recht. *

Ungünstig

* Nur sehr wenige Frauen sind bereit, um einen Mann ihrer Gunst zu kämpfen. *

Ohne Bedeutung

* Weiber heulen schonmal. Das bedeutet gar nichts. *

Die Prüfung

* Die bestandene schwierige Prüfung sagt über die Persönlichkeitsstruktur oder Reife des Prüflings nichts aus. *

Weiser

* Weiser geworden zu sein, bedeutet immer, die noch in der jüngeren Vergangenheit subjektiv als richtig eingestuften Werte durch neuere, besser durchdachte Werte zu ersetzen. *

Der Schachspieler

* Gegen einen guten Spieler über mehrere Stunden Schach zu spielen, ist harte Arbeit. *

Der liebe Junge

* Mitunter aber treffe ich noch einen lieben Kerl unter den Menschen; dann scheint mir, es sei nicht alles verloren. *

Von Rhythmen und Regeln

* Spätestens dann, wenn man in einem neuzulernenden Fach einen Rhythmus oder eine Regelmäßigkeit erkannt hat, weiß man, womit man es zu tun hat. *

 Gehirn und Computer

* Einen sehr guten Computer zu bauen, ist ohne Zweifel eine schwierige Aufgabe. Das Gehirn einer Kreatur aber wächst nach der Zeugung einfach so heran. *

Der Autist

* Ein Autist ist einer, der sich für überhaupt nichts interessiert. Ich bin also nur von Autisten umgeben. Schnarch schnarch…….*

Verkehrte Welt

* Der Normalmensch schafft sein Studium, der Individualist den Nobelpreis. *

Blutrausch

* Durch die Bibel zieht sich eine Blutspur von der Schöpfung bis zur Apokalypse. *

Ohne Wertvorstellung

* Erwarte ich einen vermeintlichen Dummkopf oder erwarte ich einen vermeintlichen Intellektuellen, reagiere ich in beiden Fällen gleich: Ich schau’ ihn mir einmal an. *

Der Terror geht weiter

* Einst litt ich an einer Prostatitis, und es ging mir wirklich schlecht. Bald wandte ich mich an Professor Hastig, der schlief den ganzen Tag. Dann gelangte ich zum Vollstrecker, dessen Untersuchung nicht erträglich war. Am Ende landete ich bei Doktor Taugenichts, der die Wahnvorstellung hatte, die Apotheke Gottes werde es schon richten; ich erhielt nur unwirksame pflanzliche Präparate. Ein unpromovierter und pfiffiger Urologe, der am Ende neu in die Stadt gekommen war, hatte es schließlich geschafft und mich von meiner Krankheit erlöst; sonst würde ich wohl auch nicht mehr unter euch weilen. Dauer: Vier Jahre! *

Der erfolgreiche Lehrer

* Guten und konstruktiven Unterricht kann man wohl nur dann geben, wenn einer oder mehrere wirklich etwas wissen wollen, alles andere hat keinen Sinn. *

Das beschränkte Genie

* Das Genie aber versteht sich zumeist nur auf ein einziges Fach, wenn auch auf hervorragende Weise. Desweiteren aber kann es recht beschränkt sein, wie alle anderen Menschen auch, ansonsten handelte es sich bei ihm ja um ein Universalgenie. Das Universalgenie hingegen trifft man natürlich noch seltener an, als das Genie. *

Das Buch

* Ein Buch lesen und es scheiße finden, kann ein jeder Dummkopf. *

Nett, nett

* Für gewöhnlich ist der Mensch nur dann nett, wenn er es muß, beispielsweise beim Chef. *

Die Sprache des Menschen

* So ist es halt mit dem Menschen: Wo es nichts Wichtiges zu sagen gibt, da redet er den ganzen Tag, und wo es wichtig wäre, ein klares Wort zu formulieren, dort schweigt er töricht. *

Von der Antwort

* Eine befriedigende Antwort zu geben, ist der Normalmensch für gewöhnlich nicht bereit. *

Die Beurteilung des Sachverhalts

* Oftmals wurde ich weggeschickt als einer, der dies ohnehin nicht beurteilen könne, auch dann, wenn ich einen Vollidioten vor mir hatte. *

Die neue Kollektion aus Frankreich ist da

* Viele Frauen lassen sich auf die Größe Ihrer Büstenhalter reduzieren. Für den Dummkopf ist das etwas. Was mich betrifft: Nichts wie weg! *

Man muß abwägen können

* Hole ich mir eine Frau ins Haus, ist der Ärger mit ihr oftmals größer, als die Sache wert ist. *

Von der Leidenschaft

* Eine Leidenschaft zum Berufe machen zu können, ist ein Privileg und ein wesentlicher Schritt zum Glück. Wohl dem, der das schafft. *

Nicht wirklich

* Die meisten Menschen halten sich für außerordentlich bedeutsam. Doch höre ich ihr Geschwafel, oder lese ich ihre Texte, so wird mir übel. *

Werbung ist zumeist saudoof

* Immer wenn ich Hunger habe, esse ich einen Snickers. *

Kein Abitur

* Der eigene Gedanke ist nicht abiturkompatibel. *

Der Bioroboter

* Nicht Herr der eigenen Seele zu sein, bedeutet immer, ein erblich projiziertes Programm des Narzißmus’, ungeachtet aller Einwände, abzuarbeiten. Dies macht den betreffenden Menschen bloß zu einem Bioroboter, nicht aber zu einem objektiv denkenden Menschen. Die meisten Menschen sind hiervon betroffen und merkem es nicht. Die Facetten des Narzißmus’ sind sehr reichhaltig und spiegeln sich in tausend Kleinigkeiten wider, die ich mit schöner Regelmäßigkeit zumindest unterschwellig wahrnehmen kann. *

Nicht besonders

* Spreche ich mit dem Menschen, so fehlt es ihm einfach an Größe. Er befindet sich im Korsett der Kleinkariertheit und des Schubladendenkens. An ihm ist einfach nichts Besonderes. *

Zitat von Georg Christoph Lichtenberg

* „Es ist eine Frage, welches schwerer ist: Zu denken oder nicht zu denken. Der Mensch denkt aus Trieb, und wer weiß nicht, wie schwer es ist, einen Trieb zu unterdrücken. Die kleinen Geister verdienen also wirklich nicht die Verachtung, mit der man ihnen nun in allen Landen zu begegnen anfängt.„

Kommentar von mir: Herr Lichtenberg, die kleinen Geister, wie Sie sie nennen, verspüren keinen Trieb zu denken, daher sind sie Kleingeister. Die breite Masse hingegen verspürt immerhin den gelegentlichen Trieb zu denken, das reicht dann bis zu einfachen Tätigkeiten. Die geniale Höchstleistung aber gebührt dem Individualisten, der nicht nur mit dem Trieb, sondern sogar mit dem Zwang zu denken daherkommt. So ist es richtig. *

Wie gut, daß keiner weiß, daß ich in Wirklichkeit blöde bin

* Die Intellektuellen spielen zuhauf bloß in der Kreisklasse, keinesfalls aber in der Bundesliga. *

Altes Motiv

* Auch bei gescheiterten Ehen spielt der Egoismus des einzelnen wieder einmal eine zentrale Rolle. *

Einsam

* Immerfort ist das Genie einsam. *

Stimmt’s?

* Die Nazis werden bevorzugt von arbeitslosen Doofschülern gewählt. *

Ich bin nicht nur lustlos

* Es ist mir ein stetes Vergnügen, intellektuelle Thesen zu durchlöchern. *

Entzündung und Bionik

* Manche Entzündungen sind so stabil und hartnäckig, daß man sich im Sinne der Bionik dieses Mechanismus’ bedienen sollte, um daraus eine Maschine, welche auch immer, zu konstruieren, die immerfort läuft und nicht gewartet zu werden braucht. *

Intellektuell

* Es gibt recht viele Formen des Intellekts. Diese nennen sich zum Beispiel „linksintellektuell„, „rechtsintellektuell„, „jungintellektuell„,  „höchstbegabt„ oder wie immer. Von „labil intellektuell„ habe ich bislang noch nichts gehört, obwohl auch dieser Zustand durchaus existiert. Die besten Schriftsteller scheinen aus diesem Holze geschnitzt zu sein. *

Vom Schicksal

* Das Schicksal hat kein Recht, dem Menschen so viel Sorge zu bereiten. *

Wer kann die Wahrheit definieren?

* Der Mensch kann ganz schön arrogant sein: So behauptet er zum Beispiel, die Wahrheit zu kennen. *

Das Phänomen

* Tritt ein Phänomen nur dreimal nacheinander in Erscheinung, schon halten die Narren selbiges für eine Gesetzmäßigkeit. *

Warum nicht?

* Alle Wirtschaftsprofessoren dieser Welt können die hohe Arbeitslosigkeit nicht verringern. *

Hausgemacht

* Der schlechte Ruf der Psychiatrie ist zum Teil begründet; ihr liegt die Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit der Ärzte zugrunde. *

Hängt ihn höher

* Willst du fortgesetzt beschimpft werden, mußt du anfangen zu schreiben. *

Unmöglich

* Welcher Mensch kann beweisen, daß es den Osterhasen nicht gibt? *

Der Dummfick

* Weitaus mehr Menschen sind das Produkt eines Dummficks, als daß sie das Produkt der tiefen Liebe ihrer Eltern wären. *

Die Welt im Wandel

* Allein dem Menschen ist die Macht gegeben, seine Umwelt zu verändern. Zu dumm, daß er dabei die Folgen seines Handelns nicht genau abschätzen kann. *

Wir entlasten die Umwelt

* Sollte des Arztes Promotionsurkunde allerdings von griffiger Konsistenz sein, so taugt sie noch zum Arschabwischen. *

Hübsch

* So sehr sich auch der Lektor über das vorgelegte Manuskript empört, so wenig kann er selbst was Hübsches schreiben. *

Vom Lottospielen

* Kein Mensch würde auf den Gedanken kommen, beim Lottospiel die Zahlenkombination 1 – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 zu wählen. So doch ist ihre Ziehung genauso wahrscheinlich, wie die Ziehung einer jeden anderen Kombination auch. An diesem Beispiel wird besonders deutlich, wie sinnlos das Lottospielen zumindest in bezug auf den Hauptgewinn ist, wiewohl es immer wieder einmal den einen oder anderen Volltreffer gegeben hat und weiter geben wird. *

Das Weltnetz

* Bedingt durch die schwer arrogante Verweigerung der Verlage wandten sich die Schreiber und Autoren vermehrt dem Internet zu, um dort ihre Texte zu publizieren. Auf diese Weise ist eine regelrechte literarische Subkultur entstanden, die mitunter Erstaunliches zu bieten hat. Es muß also nicht immer ein Buch von Peter Suhrkamp oder Samuel Fischer sein, auch das Netz hat zum Teil Hervorragendes zu bieten! *

Titel und Wirklichkeit

* Eine Führungspersönlichkeit oder Führungskraft ist also ein Mitarbeiter der gehobenen Etage, der von der Psychologie des Menschen recht viel verstehen sollte, um eben diesen zu führen. Was dabei aber im einzelnen herauskommt, ist zum Teil höchst lächerlich….*

Mit dem Tiere verbunden

* So ist es halt mit dem Menschen: Er glaubt nunmal, Herr dieser Welt und etwas Besonderes zu sein. Dazu gehört wohl auch, daß er seine tierische Abstammung immerfort leugnet. Doch auf Dauer kann ihm dies nicht gelingen: Ist sein Kühlschrank gut gefüllt, so frißt auch er. Ist ihm wohl und hat er gut verdaut, so freut auch er sich und grinst dazu; drückt das Bäuchi, bringt Scheißen bald Erleichterung. Krault man ihn, so schließt auch er genießend seine Augen. Bei guter Pflege kann auch er recht alt werden: Bis zu achtzig Jahre! Wer will bei diesen erdrückenden Indizien noch von etwas Besonderem sprechen?! *

Der Künstler

* Besonders der Künstler aber liebt die Harmonie und den Genuß. Selbstverständlich ist er dabei bereit, Harmonie und Genuß über seine Werke weiterzugeben. Versagt man ihm allerdings die Anerkennung selbiger oder beachtet man ihn nicht weiter, so stirbt er in vielen Fällen. *

Das Schulgenie

* Besonders das Schulgenie aber zeigt sich besonders beschränkt im Erkennen desjenigen, welches ihm nicht unmittelbar an einer Lehranstalt beigebracht worden ist. *

Der schwierige Gedanke

* Etwas Schwieriges zu lesen, ist schwierig. Etwas Schwieriges zu schreiben, ist noch viel schwieriger. *

Hüaaaaaaa……

* Sehe ich den einen oder anderen Rocker, so bin ich wohl gewohnt, er trage eine Lederjacke. Zeigt diese jedoch noch Fransen, bald glaube ich, er reite zum letzten Duell am Rio Grande.  Reite wohl…..*

Von der Nacht

* Stets war ich ein Freund der Nacht, denn ich liebe ihre Atmosphäre, ihre Stille und Kühle. *

Seelisch gesund?

* Das Fernbleiben von Halluzinationen und Wahnideen allein heißt nicht, daß ein Mensch geistig normal sei. *

Brief an die Normalmenschen

* Schreibe ich einen Brief an mir unbekannte Normalmenschen, so schreibe ich in der Anrede normalerweise natürlich „Sehr geehrte Damen und Herren!„ oder ähnlich. „Liebe Arschlöcher!„ träfe es besser. *

Fruchtlos

* Mit Narren und Egozentrikern kann man sich nicht unterhalten. *

Revierverhalten

* Genauso wie der Hund etwa zeigt auch der Mensch ein ausgeprägtes Revierverhalten. Wie sonst ist es zu erklären, daß es in vielen Prozessen vor den Amtsgerichten um Nachbarschaftsstreitigkeiten geht, deren Inhalt bloß der überhängende Zweig des Apfelbaumes ist? *

Einfach schreiben!

* Ich empfinde keine besondere Lust, mich durch intellektuelle Bücher zu quälen, wiewohl mir die Erfordernis des einen oder anderen intellektuellen Gedankens oder Buches durchaus einleuchtet. *

Der zufällige Blitz

* Hat ein Mann ein Alter von beispielsweise zwanzig Jahren erreicht, und hat
er in seiner Kindheit und Jugend desöfteren in der Bibel gelesen, um sich zu
einem anständigen Christen zu formen, und wird er nun zufällig vom Blitz
erschlagen, so kommt er in den Himmel. Wird der Mann nun nicht vom Blitz
erschlagen, und hat er später ein Alter von beispielsweise vierzig Jahren
erreicht, und sind ihm aufgrund seiner inzwischen höheren Erfahrung im Leben
ernste Zweifel und Bedenken am Glauben gekommen, die eine eher atheistische
Einstellung zum Leben nach sich ziehen, und wird er jetzt erst zufällig vom
Blitz erschlagen, so kommt er in die Hölle. Und ist er erst einmal sechzig
Jahre alt geworden, hat er möglicherweise bedingt durch neue Einsichten
wieder zum Glauben zurückgefunden. Sollte er also nunmehr zufällig vom Blitz
erschlagen werden, so kommt er wieder in den Himmel. Nicht nur die Evolution
kommt nicht ohne Zufälle aus, sondern auch der Glaube und die Schöpfung. *

Nicht amüsant genug

* Wohl will der Mensch unterhalten werden. Wird er es nicht, geht er gelangweilt weiter. *

Kein Vertragen

* Der Individualist ist einer, der sich mit dem Menschen nicht verträgt. Grund dazu hat er. *

Vom Islam

* Der Islam bedeutet nichts weiter, als organisierter Rückschritt. *

Die philosophische Befriedigung

* Besonders jene Leser meiner Texte, welche nach dem Studium selbiger eine philosophische Befriedigung  erleben, halten meine Texte für besonders gelungen. *

Opportunismus

* Frauen sind zumeist sexuelle Opportunistinnen; kommt zufällig der „richtige„ Mann, so schmust sie bald mit ihm, denn selbiger läßt sich ohnedies nicht lange bitten. *

Cool

* Je dümmer eine Frau ist, desto eher hält sie das coole Gehabe eines scheinbaren Supermannes für echt und begehrenswert. Hat er noch ein paar Haare auf der Brust, ist das Paar komplett. *

Ohne Anerkennung

* Stehen sich ein paar Menschen gegenüber, bald finden sie sich gegenseitig uninteressant, scheiße und doof. *

Gonzo hat das Rennen gemacht

* Lieber läßt sich eine Frau von Gonzo schwängern, als von einer Persönlichkeit, sollte ihr Gonzo gerade besser gefallen. Ich bleibe dabei: Die Frau ist nichts. *

Überrascht

* Befinde ich mich in der Nervenheilanstalt und fragt mich der Chefpsychiater, wie ich mich selber sehe, so antworte ich stets, ich sei der literaturgeniale Hausneurastheniker mit Dopaminmangel und narzißtischer Persönlichkeitsstörung. Das haut jeden Psychiater um. *

Es gibt nicht nur Besserwisser

* Besonders die Verzweifelten und Davongejagten aber lieben meine Texte sehr. Mit einer solchen Reaktion habe ich, um ehrlich zu sein, in den Anfängen meiner Schreiberei gar nicht gerechnet. Doch die Rechnung geht tatsächlich auf: Gerade diese Personen nämlich, denen der Mensch so sehr zugesetzt hat, wissen also aus eigener Erfahrung, daß ich mit meinen Texten im wesentlichen recht habe. *

Sterben

* Angst zu sterben ist wie sterben. *

Destruktion

* Die Destruktion ist es wohl, die den Menschen zu allen Zeiten besonders fasziniert hat. *

Bloß nicht

* Wieviel Mühe ich doch jeden Tag habe, mich nicht zu erschießen! *

Von der Achterbahn

* Immer, wenn ich total besoffen bin, fahre ich im Bett Achterbahn. Das sind vielleicht schnelle Fahrten! Huiiiiiiiii! *

Der Deutschlehrer

* Des Deutschlehrers Interpretationen von Goethe und Schiller sind einfach spitze.  Seine Interpretationen in bezug auf den Schüler nicht. *

Von meiner Feindin

* Sollte meine Freundin fortgesetzt ein langes Gesicht ziehen und schlechte Laune haben, kann sie sich ja gerne einen neuen Freund suchen. *

Rente

* Genaugenommen ist mein Leben nichts weiter als die Summe der Zuweisungen anderer. Erst wenn ich in Rente sein werde, werde ich halbwegs von diesem Pack erlöst sein. *

Sex

* Die meisten Frauen sind nicht gut im Sex; sie sind zu passiv. Der Grund dafür mag vielleicht sein, daß sie wähnen, etwas Verbotenes oder Unsauberes zu tun. *

Die Lehrausbildung

* Eine Lehrausbildung zu absolvieren, halte ich für recht sinnlos. Die Lehre ist nur ausnahmsweise nicht uninteressant, sie dauert viel zu lange und dem Auszubildenden wird zumeist nichts gezeigt oder beigebracht, alles soll er sich irgendwie abschauen. Häufig wird der Lehrling mit völlig ausbildungsfremden Tätigkeiten konfrontiert, wie etwa den Hund des Meisters ausführen, die Toiletten säubern, das Frühstück für die Gesellen einkaufen und derlei. Arbeitet er insgesamt nicht schnell genug, wird er auch noch mit Kündigung bedroht, da der Chef weiß, daß er jederzeit einen neuen Lehrling bekommen kann. Lehrlinge werden in vielen Fällen bloß ausgenutzt, man kann hier nicht mehr von einem Lernprozeß mit Abschlußprüfung sprechen. *

Bizarr

* Ist man erst einmal verrückt geworden, ist es natürlich schwierig, einen vernünftigen, logischen Text zu formulieren. Die beste Literatur jedoch ist ausschließlich von Verrückten geschrieben worden. Sehr bemerkenswert, unter diesen Umständen. *

Unrein

* Manche Menschen sind so unrein, daß man ihre Unterwäsche nur noch zum Sondermüll geben kann. *

Mein Gesicht

* Der Mensch sagt mir, wie er gerne sein möchte. Ich sage ihm, wie er wirklich ist. Darüber erklärt sich mein narbiges Gesicht. *

Seltsames Verhalten

* Wie viele Menschen es doch gibt, die nicht wissen, wie man sich bei anderen Leuten verhält! *

taedium vitae

* Gibt es beim Menschen eine größere Bürde, als den genialen Ekel am Leben? *

Dünger kann so preiswert sein

* Manche Menschen sind so eitel und ichbezogen, daß sie ihre Scheiße zu Edelkompost erklären. *

Frankenstein lebt!

* Die meisten Menschen hätten Angst vor Frankensteins Monstrum. Doch sind die meisten Menschen tief von seinen Eigenschaften durchseucht. *

Sind wirklich nur die Deutschen schlecht?

* In der gesamten Weltgeschichte hat es niemals eine Nation oder ein Land  gegeben, welches nicht den Gegnerholocaust unterschrieben und für richtig erklärt hätte. *

Schauma

* Manche Menschen blubbern so blöde, daß man meint, sie hätten Schauma – Shampoo getrunken. *

Von der Todessehnsucht

* Mag es auch nur ein einziges Genie ohne Todessehnsucht geben? *

Scheiße

* Aus Scheiße etwas zu bauen, nennt sich Kunst. Mit dreißig Doktortiteln nur Scheiße zu bauen, nennt sich Wissenschaft. *

Aggression

* In meinem Leben haben mich doch glatt mehr Menschen als Tiere gebissen. *

Arbeit und Beschäftigung

* Beschäftigung ist gut, Arbeit ist schlecht. *

Gott und Auschwitz

* Seit Auschwitz wissen wir nicht, daß es keinen Gott gibt. Seit Auschwitz wissen wir, daß ein Gott zweifelhaft ist. *

Guten Appetit!

* Kein Mensch zögert, mir mein Essen wegzunehmen, wenn ich seine Meinung nicht teile. *

Der vernünftige Gedanke

* Eine vernünftige Arbeit kann man wohl nur im außergesellschaflichen Bereich vorstellen. *

Verstand und Erfahrung

* Der Verstand teilt mit, wie es sein könnte. Die Erfahrung teilt mit, wie es wirklich ist. *

Pöbeln und Stottern

* Die meisten Stotterer können beim Pöbeln augezeichnet sprechen. *

Unbekannt

* Einem Unbekannten mag man mit Zweifeln gegenübertreten. Da der Mensch sich aber selbst kaum kennt, wundert es mich, daß er nicht an sich selbst  zweifelt. *

Umwelt und Nikotin

* Überraschend viele Menschen, die Ökoparteien wählen, vergiften sich mit Nikotin. *

Die Freude am Schlechten

* So manch schlechter Mensch mag wohl doch hier oder dort in sich gegangen sein und versucht haben, sich zu läutern. Doch wittert er die gefahrlose Pöbelei, bald wird er rückfällig werden. *

Von meinen Arbeitsgewohnheiten

* Nur Narren arbeiten tagsüber. *

Gedankenrasen

* Wann kommt endlich der Tag, an dem ich auch nur für eine einzige Stunde an gar nichts denken kann? *

Der Zwang

* Ein Christ, dessen Gedankenzwänge blasphemischen Inhaltes sind, muß wohl tief leiden, gleich, ob er von diesem Zwang weiß oder nicht. *

Beneidenswert

* Wohl dem, der bei Dalli Dalli und einem Glas Wein glücklich ist. Ich kann das nicht. *

Langeweile

* Ich langweile mich lieber allein, als zu zweit. *

Genie und Wahnsinn

* Kein Genie ohne Psychopathologie. Jene Menschen, die hier oder dort als genial erachtet werden oder sich selbst als genial empfinden, aber keine Spur von Wahnsinn in sich tragen, sind ohne Zweifel begabt, aber nicht genial. *

Depression und Aggression

* Neulich las ich, daß die Psychologie einen Zusammenhang zwischen Depression und Aggression kennt. Jetzt weiß ich, warum mich meine immerfort jaulende Schwester so oft gebissen hat. *

Von Friedhöfen

* Auf der Welt gibt es doch glatt mehr Tote als Lebendige. *

Er ist doch nicht nur kalt

* Wie sich doch der Normalmensch freuen kann, wenn ich ihm ein nettes Wort sage. *

Kind und Mensch

* Daß Kinder Anleitung und Erziehung bedürfen, ist klar. Aber auch der erwachsene Mensch braucht in den meisten Fällen Anleitung und Führung, um seine Persönlichkeit zu formen. Aus Erfahrung aber weiß ich, daß er diese Vorstellung ablehnt. *

Lernen und Unterhaltung

* Das Lehren, das mit guter Unterhaltung kombiniert wird, ist das beste Lehren. Die gute Unterhaltung öffnet die Sinne des Schülers. *

Doofer Suizid

* Aus welch nichtigen Anlässen heraus sich doch einige Menschen selbst umbringen wollen! *

Neues vom Weibe

* So manch dummes, aber gutaussehendes Weib ist nichts weiter, als ein östrogenaufgeblasenes Vollmondgesicht mit vorzüglichen Referenzen fürs Hurenhaus. *

Das arme Schwein

* Erst, wenn man kein Bett mehr zum Schlafen hat, ist man ein richtig armes Schwein! *

Von der Handschrift

* Manchmal scheint mir, je dümmer ein Mensch ist, desto schöner ist seine Schrift. Umgekehrt scheint es nichts anderes zu sein, obwohl es paradox klingt. Das Umgekehrte wäre eher zu erwarten gewesen. *

Von meiner Erwartung

* Seit ich keine Erwartungen mehr an das Leben stelle, bin ich ein Stückweit glücklicher geworden. *

Der Atheist

* Warum feiern Atheisten Weihnachten? *

Der Konstrukteur

* Auch des Konstrukteurs Lebensführung kann bisweilen destruktiv sein. *

Von Deutschland

* In keinem Land der Welt werden junge Menschen so sehr für dumm gehalten, nur weil sie jung sind, wie in Deutschland. Thomas Mann beispielsweise hat seine „Buddenbrooks“ bereits mit sechsundzwanzig Jahren geschrieben. *

Von meiner Mutter

* Meine Mutter sagte neulich einmal, wer sein Herz schnell hergebe, nehme es auch bald wieder. Auch ein hübscher Aphorismus. *

Die Gabe

* Alle Eigenschaften und Attribute der Geschöpfe sind doch nur vererbt. Sollte ich also etwas Hübsches schreiben können, so ist es wohl meine Eigenschaft, nicht jedoch mein Verdienst. Stolz bin ich bei einer neuerlichen kostenlosen Publikation natürlich trotzdem. *

Der Spitzbube

* Wird in der Zeitung ein Spitzbube gesucht, schon verdächtigen sich die Narren gegenseitig. *

Der Linkshänder

* Bei Linkshändern kann ich nur Dummköpfe oder Intellektuelle erkennen. Eine intellektuelle Mitte ist hier nicht zu verifizieren. *

Die wahre Religion?

* Es gibt keine einzige Religion, die alles erklärt, obgleich die Gläubigen dies bestreiten. *

Tja…..

* Ich bin nunmehr erst achtundvierzig Jahre alt, doch wieviel Freunde und Bekannte etwa meines Jahrgangs sind längst vor mir gegangen….. *

Für Juristen

* Die Summe aller Indizien ergibt keinen Beweis, sondern einen Verdacht. *

Das Kinderbuch

* Es gibt keine schwierigere Aufgabe, als ein gutes Kinderbuch zu schreiben. *

Vom Klagen

* Nur derjenige, der auch für andere da ist, hat das Recht zu klagen. *

Ein weiteres Indiz für den menschlichen Egoismus

* Bei dem Stichwort „Bratwurst“ beispielsweise denkt jeder Mensch, die wird mir schmecken, und nicht, die wird dem anderen schmecken. *

Gute Ingenieure

* Die besten Ingenieure sind meistens bekennende Nichtmathematiker. *

Wut

* Das Bezeichnende für den Menschen unserer Tage ist seine große Wut. *

Das Leben – ein Geschenk?

* Des Lebens Lohn ist und bleibt ein kümmerlicher. *

Ungefiltert?

* Solche Menschen aber, welche sehr sensibel sind, teilen gerne mit, sie erlebten das Dasein in geringerer Weise gefiltert und eher pur. Dies stimmt nicht ganz: Sie reflektieren Umwelteinflüsse einfach emotional wesentlich heftiger, als es der gewöhnliche Mensch tut. So ist es richtig. *

Du sollst

* Was ich doch nicht alles sollte in meinem Leben! *

Ärztearroganz

* Der Begriff „Ärztearroganz“ allein und für sich ist nicht beständig. Arrogante Menschen gibt es überall, aber bei Ärzten sind die Folgen ihres Handelns sehr viel dramatischer und spektakulärer, als es beim gewöhnlich arroganten Menschen der Fall ist. Der vom Operationstisch gefallene Patient geht natürlich sehr viel leichter und schneller durch die Presse, als die vergessene Schraube des arroganten Klempners. *

Das letzte Jahrhundert

* Gerade das Zwanzigste Jahrhundert war wohl das Jahrhundert der ungehörten Gebete. *

Nicht mit mir

* Was soll ich? Einen Menschen vergessen? Unmöglich! *

Scientology

* Die Scientologykirche ist nichts weiter, als eine kriminelle esoterische Wundertüte. Nichts wie weg! *

Meinungsfreiheit

* Das Schöne an der Meinungsfreiheit ist, daß ich ohne Konsequenzen zu befürchten meine Umwelt reflektieren darf. Der Nachteil freilich ist, daß mir jeder Narr sagen darf, wie doof er mich findet. *

Vom Bewußtsein

* Woher das Bewußtsein des Menschen stammt und wie es genau funktioniert, ist den Wissenschaften bis heute völlig unklar. Und tatsächlich: Wo genau sollte man mit einer Überlegung ansetzen, um eben dieses Rätsel zu lösen? Aber dennoch ist mir neulich eine Überlegung oder Idee in den Sinn gekommen: Der Physik ist es bekannt, daß Masse und Energie zueinander kompatibel sind. Wenn man auch nur einen kleinen Stein in den Händen hält, so besteht dieser nur aus materialisierter Energie. Umgekehrt gilt es genauso: Verschmilzt man zwei Wasserstoffatome zu Helium, wiegt nach dieser Fusion das Heliummolekül weniger als die vorherigen Wasserstoffatome, da ein Teil der Masse in Form von Energie abgestrahlt worden ist. Das ganze klingt nach Hexerei, aber doch ist es Realität! Sollte es nun eine weitere, bislang unbekannte Energiedarstellung geben, die sich Bewußtsein nennt und welche eine Wandlung der Traubenzuckerenergie des Körpers darstellt, so wäre hiermit eine dritte Wandlungsform definiert. Energie wäre dann also nicht nur zu Materie kompatibel, sondern auch zum Bewußtsein! Demgemäß wäre Energie Leben. Das Gehirn muß demnach die Fähigkeit besitzen, eine Energiewandlung ins Bewußtsein vorzunehmen. Sollte man sich diesen Mechanismus im Sinne der Bionik abschauen können, wäre es demnach irgendwann möglich, einen Roboter mit Bewußtsein zu schaffen, der gemäß seiner Elektronik und Programme arbeitet – der natürliche Mensch lebt ja im Grunde genauso, nur daß er statt der Elektronik ein Gehirn aus Eiweiß besitzt und die Programme eine Mischung aus angeborenem Wesen, Erfahrung und Bildung darstellen – und dafür ein Bewußtsein hat. Somit wäre der erste künstliche Mensch geschaffen, der diesen Namen auch verdient hätte und welcher eben nicht aus bereits bestehendem Leben erschaffen wurde, wie dies bei gewöhnlichem Leben ja der Fall ist, sondern der in einer Werkstatt zusammengeschraubt und welchem am Ende der Odem des Lebens eingehaucht wurde. Kleine Kinder haben zunächst für die ersten zwei, zweieinhalb Jahre kein Bewußtsein, weil ihre Gehirne die Energiekonvertierung erst noch lernen müssen. Ein Schlafender hat – mal abgesehen von seinen Träumen – auch kein Bewußtsein und auch beim narkotisierten Patienten ist das Bewußtsein durch die Lähmung der Bewußtseinsareale ausgeschaltet. Auch der Tote hat kein Bewußtsein mehr, weil seine Traubenzuckerkonvertierung für immer beendet ist. Ganz offenbar bedarf es zur Wandlung ins Bewußtsein keiner hohen Energie, wie es beispielsweise nötig wäre, wollte man aus Energie Materie herzustellen. Allein die gewandelte Traubenzuckerenergie scheint hier auszureichen, ein Bewußtsein abzubilden. Ist dies alles nur Physik? *

Vom Ende

* Welcher Tod ist besser? Derjenige, auf welchen man sich vorbereiten kann, weil man beispielsweise schwer erkrankt ist, oder derjenige, der einen beispielsweise wegen eines Unfalls blitzartig und unvorhergesehen ereilt?

Selbstkritik

* Was kennzeichnet den Individualisten? Selbstkritik, Selbstkritik. *

Projektionen

* Gemessen an den jahrzehntelangen Projektionen, welchen ich ausgesetzt war, müsste ich der dümmste, stinkendste und häßlichste Schwerverbrecher der Weltgeschichte sein. *

Christ und Moralist

* Ein atheistischer, aber anständiger Mensch ist mir lieber, als ein heuchelnder Christ. Auch der gottlose, aber anständige Mensch sollte nach seinem Tode wiederauferstehen dürfen. Diese Vorstellung aber wird in den Heiligen Schriften nirgendwo erwähnt. *

Das Wesen

* Die Gehirne aller Menschen sind anatomisch völlig gleich. Bestenfalls mag es noch einen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Gehirnen geben. Was dabei aber in bezug auf das Wesen herauskommt, kann im einzelnen höchst differenziert sein: So hat es genauso einen Adolf Hitler gegeben wie einen Albert Schweitzer, genauso eine Margot Honecker wie eine Mutter Theresa. *

Das vernünftige Rezept

* Es empfiehlt sich, beim Arztbesuch die richtige Diagnose und einen entsprechenden Medikamentenvorschlag mitzubringen Jetzt kann sich der Arzt nur noch beim Datum und der Unterschrift täuschen . *

Von schweren Jungs

* Man könnte meinen, daß sich die Knackis in den Gefängnissen gut verstehen, weil sie doch alle die Destruktion zur Basis haben. Und was passiert am Ende? Sie bringen sich gegenseitig um. *

Distanz und Denken

* Eine gesunde Distanz zum Menschen ist mein Markenzeichen, ferner Beobachten, Denken und dabei schweigen. *

Die wahre Liebe

* Eine gute Frau erkennt man unter anderem daran, wie lange sie auf ihren Liebsten warten kann. *

Selbstgemacht

* Im Gegensatz zum Normalmenschen habe ich in meinem Theater stets selbst Regie geführt.*

Der Scheißhaufen

* Nur der Mensch verleugnet seinen Scheißhaufen. *

Insubordination

* Wie sehr sich doch der Mensch ärgert, wenn ich seinen Willen nicht tu! *

Von Pleitebetrieben

* Fast alle autoritär geführten Betriebe gehen langfristig pleite, weil sie keinen Raum für Kreativität und gute Einfälle bieten. *

All ihr Mädchen………

* Im Einkauf bin ich teuer und mein Klub ist elitär. Doch wer es geschafft hat, weiß, ich bin meinen Preis wert. *

Meine armen Nerven

* Ich leide an neurotischen

  1. Unwirklichkeitsgefühlen
  2. Entzündungen
  3. Gedankenketten
  4. Hypochondrien
  5. Schmerzen

Ist das nicht prima? Alle Punkte gehören wohl in die Kategorie „Hysterie“ Wer außer mir gibt das zu? Aber ansonsten bin ich ein ganz Lieber, wenn ich mich nicht gerade wieder auf bissige Weise über die Welt lustig mache. *

Trotzdemglaube

* Der Begriff „Glaube“ ist Unsinn. Es müsste vielmehr „Trotzdemglaube“ heißen.*

Die himmlische Forderung nach Moral und Ethik

* Ich kenne keinen einzigen Menschen, mich eingeschlossen, der sich immer so verhält, daß er in den Himmel kommen kann. *

Prima!

* Zu meinen Zeiten brauchte man noch ein Empfehlungsschreiben vom Papst, um eine Lehrstelle zu bekommen. Heutzutage findet man keine Auszubildenden mehr, die sich drei Jahre langweilen wollen. Die Jugend hat dazugelernt! *

Von Sekten

* Mich hat immer gewundert, wie sehr sich Jehova von Sekten auf der Nase herumtanzen läßt, die nichts anderes zu tun haben, als in seinem Namen zu kassieren. *

Selbsternannt

* Glaube ich den Leuten, bin ich nur von Genies umgeben. *

Der Intelligenztest

* Ein Intelligenztest alleine sagt über einen Prüfling nicht viel aus. Hier wird nur die logische Überlegung gefordert. Vielmehr spielen auch Intuition, Eingebung, Pychologie, Gedächtnis, Phantasie und Erfahrung eine wesentliche Rolle. Ein guter Logiker ist nicht zwangsläufig auch beispielsweise ein guter Dichter.*

Der Alkohol als Trost

* Die Biographie vieler Trinker ist haarsträubend. *

Beeindruckend

* Wo ich auch war in meineem Leben – stets habe ich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Positiv empfundene Eindrücke, wie etwa Aufmerksamkeit, Witz und Können, wie negativ empfundene Eindrücke, wie etwa Beschimpfungen, beißende Satire und narzißtische Demontagen gegen üble Proleten und anmaßende, promovierte Nichtskönner, halten sich hier in etwa die Waage. Auch hier zeigt sich wieder: Ich bin kein Mann von der Stange. *

Überall Narzißmus

* Einzig der Narzißmus nährt das psychologische Überleben des Normalmenschen. *

Gleichgeschlechtlich

* Mich wundert oft, wie viele Spitzendenker und Spitzenkünstler homosexuell sind. *

Mord

* Alle Götter schauen beim Morden zu, alle.*

Phobien

* Zu keiner Zeit bestimmte die Angst das Leben der Menschen so sehr, wie in unseren Tagen. Die neurologischen Praxen quellen über vor Patienten. *

Unglaubwürdig

* Auch die Kommunisten fahren gerne einen Mercedes. *

Brot und Spiele

* Die Masse brüllt nach Brot und Spielen; die Glotze liefert sie. *

Die religiöse Tradition

* Traditionell werden religiöse Lehren von Generation zu Generation weitergegeben. Der Umstand aber, daß ein Gott nicht hilft, wird nicht gelehrt und muß erst von jeder Generation jeweils aufs neue schmerzlich erfahren werden. *

Kleiner Widerspruch

* Mein ist die Rache, spricht der Herr, während wir unsere Feinde lieben sollen.*

Nervenzellen

* Was Nervenzellen, und dies nicht nur beim Menschen, alles können! *

….denn sie werden das Himmelreich schauen

* Die geistig Armen kommen in jedem Fall in den Himmel, die Gescheiten müssen sich ihn verdienen. *

Kleingläubig

* Ich bin nicht ungläubig, ich bin kleingläubig! *

Aus Schaden wird man klug

* Der Vorsichtige ist immer klug. Der Unvorsichtige wird erst aus Schaden klug.*

Die vernünftige Residenz

* Für den selbsternannten Supermann gibt es nur einen einzigen guten Platz, nämlich das Affengehege im Zoo. *

Aus dem Verkehr ziehen

* Frankenstein muß leider mehr als nur eine Leiche hinterlassen, um endlich Sicherungsverwahrung zu bekommen. *

Das tierische Erbe

* Das tierische Erbe hinter sich zu lassen, ist nicht immer einfach. Doch wo man es hinter sich läßt, beginnt das eigentliche, objektive Denken. *

Frauen und Essen

* Wie man doch Frauen durch gutes Essen bestechen kann! *

Arbeit und Schaffen

* Man kann wohl an jeder Arbeit werden und wachsen, wenn man das Schaffen und die Konstruktion als Ideal begreift. Auch scheinbar geringerwertige Arbeiten bekommen dadurch einen Sinn. *

Persönlichkeitsstörungen

* Wo ich geh’ und wo ich steh’, sehe ich Persönlichkeitsstörungen. Eine häufige Persönlichkeitsstörung scheint mir die antisoziale Persönlichkeitsstörung zu sein. Oftmals geht sie Hand in Hand mit einer entsprechenden Physiognomik und dem Trieb zur Selbstdarstellung. *

Von unserer Gesellschaft

* Wie kaputt doch unsere Gesellschaft ist. Sie ist versoffen, ichbezogen und verroht. Bei Naturvölkern sind die Menschen psychisch wesentlich stabiler und gesünder, auch wenn es dort kein Automobil gibt, keinen Fernseher und keine Uhr aus Gold. *

Des Genies Leben

* Des Genies Leben ist zumeist unstetig und voller Aufbegehren gegen alle Obrigkeiten. Aber interessant ist ein solches Leben allemal, viel interessanter, als ein spießig – schnurgerades Leben. *

Keine eigene Meinung

* Das angepasste Wohlverhalten beim Chef ist doch besonders schleimig. *

Eigenbrötler

* Ja ja, ich bin wohl ein Eigenbrötler. Im übrigen bin ich privatgelehrt dazu. *

Schach und Leben

* Neulich habe ich wieder einmal eine Partie Schach gespielt. Die Hälfte des Schachspiels besteht doch aus Psychologie. Nein, was sage ich? Die Hälfte des Lebens besteht doch aus Psychologie! *

Kultur

* Kultur bedeutet immer, mit seinen Trieben und Instinkten maßzuhalten und die ererbte Bestie in sich zu bändigen. Nur wenigen gelingt es.*

Der Garten Eden

* Gerade im Sommer wandele ich nur allzu gerne durch die Natur und den Garten Gottes, der so vortrefflich für uns bereitet wurde. *

Die Seele

* Wohl verheilen auch seelische Wunden – doch die Narben bleiben. *

Der Gedanke

* Es gibt wohl kaum einen ernsten Gedanken, der zumindest auf Dauer unausgesprochen bleiben kann und will. *

Von Klausuren

* Schreibt jemand einhundert Klausuren und bekommt er dafür neunundneunzigmal eine Sechs und nur ein einziges Mal eine Eins, so hat er allein durch diese seinen Verstand bewiesen. *

Bsssssss………

* Kommen beim Einschlafen die Mücken, so bin ich recht bald ein Fall für die nächste Nervenheilanstalt. *

Das Experiment

* Neulich hatte ich wieder einmal einen Kaspertag und stellte mir mit Vergnügen vor, man müsse einmal ein paar Egozentriker für eine Stunde in einen Raum sperren und dabei beobachten, wie sie einander wütend befehlen. Aber nein, wozu diese Vorstellung? Dies ist ja schon gängige Praxis in allen Gefängnissen!*

Problemlösungen

* An wievielen Problemlösungen ich doch schon nahe dran war – und wußte es nicht! *

Das Krebsgeschwür

* Nicht das Krebsgeschwür macht aus dem Patienten einen Zombie, sondern die Chirurgen, die ihn so hinterlassen. *

Die Feile

* Vor circa dreißig Jahren habe ich in geistiger Umnachtung eine Schlosserlehre begonnen. Im ersten Lehrjahr gehörte ein vierzehntägiger Feilkursus dazu. Gar nicht arm an Streichgedanken rieb ich die Feile meines Banknachbarn, als dieser zum Frühstücken ging, mit Öl ein. Der feilt heute immer noch. *

Dumm

* So sind sie, die dummen Männer, jederzeit bereit, einander auszulachen. *

Das Begehr

* Wie sehr sich doch die Frau schwertut, mit des Mannes Begehr vernünftig umzugehen! *

Von Kreisen

* In der Natur ist doch alles, im großen wie im kleinen, am Kreisen. Die Elektronen kreisen um die Atomkerne, die Monde kreisen um die Planeten, die Planeten kreisen um die Sonnen und die Sonnen kreisen um Schwarze Löcher. *

Der Spinner

* Um ein typischer Spinner zu werden, bedarf es wohl zweier Umstände: Zum einen (in größerem Maßstabe) das übertriebene, angeborene Verlangen nach Anerkennung und zum anderen  (in geringerem Maßstabe) im Leben erlittene, erhebliche narzißtische Kränkungen. Jetzt haben wir einen waschechten Angeber. In der Psychologie wird unter anderem dieses Verhalten als „Hysterie“ bezeichnet. Wie so oft ist auch diese Störung völlig unabhängig von Bildung und Verstand. *

Das Genie tanzt nicht

* Ich und Tanzen? Im Leben nicht! *

Die Erwartung der Frau

* Wie oft hätte ich schon heiraten können, wenn ich meine Meinung und Modevorstellung verleugnet hätte! *

Apokalypse

* Seit der Mensch die Heiligen Schriften kennt, erwartet er fortgesetzt die Apokalypse und das Ende der Welt. Tatsächlich gab es in der Erdgeschichte immer wieder Katastrophen, welche als Apokalypse hätten gedeutet werden können. Was mag man daraus lernen? Es bleibt wirklich nur abzuwarten; erst, wenn kein Bakterium mehr furzt, ist sie wohl da, die Apokalypse. Vorher nicht. *

Der Bestseller

* Schaue ich mir im Buchhandel einen Bestseller an, oft kann ich nichts Gescheites daran finden. *

Die Grenze

* Die psychologische Wissenschaft diskutiert, wo sich die Grenze zwischen Sensibilität und Krankheit befindet. Meine Meinung: Es gibt keine Grenze. *

Die örtliche Betäubung

* Immer, wenn ich vom Zahnarzt komme, hängt meine Schnauze runter. Eine Frechheit ist das! *

Sind wirklich alle deutschen Parteien demokratisch?

* Die härteste Diktatur in Deutschland ist die der Grünen Partei. Hinter Windmühlen, Photovoltaikanlagen und Norweger – Pullovern kommt gleich und nur noch die Guillotine. *

Edukativer Rassismus

* Auf keiner Schule wird so sehr der Überarier erwartet und gefordert, wie auf dem Gymnasium. *

Die Missgeburt

* Für den Gewaltverbrecher gibt es nur eine einzige gute Beschreibung: Es handelt sich hierbei um eine unheilbar geisteskranke Missgeburt. *

Von Filmen

* Welchen Film ich mir auch immer anschaue: Nie geht eine Filmfigur zum Kacken! *

Von Fehlern

* Wer viel zweifelt, macht wenige Fehler. Wer wenig zweifelt, macht viele Fehler. *

Von Luftpumpen

* Von den medizinisch – promovierten Luftpumpen sind doch die Urologen die erbärmlichsten! *

Von der Zahngesundheit

* Junge Junge, wie viele Menschen doch vergammelte Zähne haben! *

Vom Loswerden meiner Wenigkeit

* Interessant wurde es immer dann in meinem Leben, wenn man mich loswerden wollte. Ich habe die unglaublichsten Ausreden gehört, die meisten davon waren recht dümmlich verpackt, nur wenige wurden psychologisch geschickt übermittelt. *

Selbsttötung

* Wie unglücklich doch jene Menschen sein müssen, die nur noch die Suizidvorstellung zum letzten Troste haben. Doch gehören die meisten von ihnen zu den Besten ihres Faches. *

Ist Klaus dumm?

* Als dumm haben mich immer nur und ausschließlich narzißtisch Gekränkte beschimpft. *

Die Lehrerkonferenz

* Bereits zu meinen Jugendtagen habe ich Lehrerkonferenzen stets als Narrenrunden bedauert. *

Die Dicke

* Bei manchen vollgefressenen Frauen scheint mir der Charakter ähnlich wie der Körper zu sein: Gewichtig. *

Vom Federstahl

* Was wären die Maschinen dieser Welt ohne Federn! *

Die Bibel

* Bis heute ist keine Interpretation der Bibel einwandfrei, scheint mir. All jene Deutungen letzterer mögen aber eine Näherungslösung zur Hauptaussage darstellen. *

Feige

* In unserer ichbezogenen, eitlen und vor allem aggressiven Gesellschaft muß man sich ständig seiner Haut erwehren. Gut für den, der das kann. Die Schwächsten unter uns sind hauptsächlich psychiatrische Patienten, gerade über sie werden viele Dreckskübel ausgeschüttet, da eine Gegenwehr praktisch nicht zu erwarten ist. Welch widerliche, feige Verbrechen! *

Die Dinge des Lebens

* Nicht die Dinge des Lebens kennt der Mensch, er fragt auch gar nicht nach ihnen. Bloß ist er, wie alles Lebendige bloß ist. *

Schule und Individualismus

* Niemanden hasst der Lehrer mehr, als den Individualisten, denn letzterer zweifelt an seiner Autorität, seinem Können und seiner Persönlichkeit. Grund dazu hat er. Daß dies die anderen Schüler gar nicht merken! *

Unseriöse Anwälte

* Gerne schüchtern Rechtsanwälte potentielle oder tatsächliche Prozessgegner ein. Tatsächlich geht die Rechnung auf: Auf Richter, die undifferenzierte und dümmliche Urteile unterschreiben, kann man sich ja mehr oder weniger verlassen. *

Von meinen Gästen

* Meine Gäste habe ich mir stets mit großer Sorgfalt ausgesucht. Doch wo die Wahl getroffen war, hat es nie an Fleisch, Bier und Scherzen gefehlt. *

Denkprozesse

* Der Denkprozesse gibt es viele. Oftmals werden sie aber zu früh als abgeschlossen angesehen. Auch hier fehlt es wieder am Zweifel. *

Erwartung und Überraschung

* Der sensible Mensch befürchtet viele Übel, der unsensible nicht. Narben aber tragen sie alle am Ende, der eine zu seiner Erwartung, der andere zu seiner Überraschung. *

Superlative

* Es gibt doch für fast jede Fähigkeit jemanden, der sie noch besser beherrscht.*

Zu erläutern

* Wer kann mir erläutern, was eine Zahl ist, was Leben ist, was Energie ist? *

Das verborgene Talent

* Was manche Menschen können, läßt man sie nur einmal allein! *

Wertvoll?

* Wieviele Menschen doch ihren selbsterwählten und selbsternannten Werten nicht genügen! *

Wohlstand

* Alle politischen Diktaturen wollen mehr oder weniger den Wohlstand für alle befehlen. Doch ohne Anreiz, Anerkennung, Belohnung und Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit gibt es am Ende keinen Fortschritt, nichts Neues oder Modernes, nichts von Qualität und Güte. Die besten Produkte stammen alle aus der freien Welt. *

Säugetiere sind am aggressivsten

* Eher wird man von einem ichbezogenen Wildschwein gebissen, als von einem Haifisch, eher von einem übelgelaunten Nashorn umgenatzt, als von einem Krokodil ersäuft. *

Das Geheimnis

* Es gibt kein einziges Geheimnis, welches nicht auf Dauer ans Tageslicht käme.*

Vom Straßenverkehr

* Der täglichen Egoismen gibt es viele. Dummerweise werden Sie nur im Straßenverkehr geahndet. *

Theater

* Ich brauche keine teure Eintrittskarte fürs Theater, sei seine Vorstellung auch noch so interessant. Ich gehe einfach spazieren und bin dabei wie immer aufmerksam – überall Theater, überall. *

Der Sammelband

* Manche Leute brüsten sich damit, beispielsweise Göthe, Schiller und andere Größen beispielsweise in einem Sammelband gelesen und meinetwegen auch noch verstanden zu haben. Uneitel und spitzbübisch wie ich nunmal bin, verschweige ich gerne, daß ich zum Teil in denselben Büchern stehe. *

Vom Neide

* Die größten Neidbildner sind wohl Intellekt und Reichtum. *

Atheisten

* Die Atheisten sind nicht wirklich ungläubig: Sie glauben an die eigene, gottgleiche Herrlichkeit. *

Selbsterkenntnis

* Selbst begabte und intellektuelle Menschen haben mitunter enorme Schwierigkeiten, sich selbst zu deuten. *

Der Mörder

* Für den gewöhnlichen Mörder ist Mord nichts anderes, als gute Unterhaltung.*

Bauernfänger

* Wieviele Glaubensrichtungen doch meinen, nur sie führten zum ewigen Leben!*

Selbstbildnis

* Ich gehe davon aus, daß ich hoffnungslos und unheilbar verrückt bin. Allerdings zeige ich einen Rest Realitätsbezug. Ich kenne also beide Seiten des tiefen Grabens zwischen Wirklichkeit und Illusion. Welch klasse Grundlage für meine Texte! *

Objektiv?

* Es gibt keine objektive Wahrheit, wiewohl der Mensch tief an sie glaubt. Jede Wahrheit ist subjektiv. Wie oft habe ich schon beim Menschen scheinbar objektive Wahrheiten subjektivieren müssen und dann – beim allmählichen Verstehen des Gegenübers – in lange Gesichter geschaut! *

Modediagnose Schilddrüse

* So oft die Ärzte an mir eine Schilddrüsenerkrankung diagnostizieren mochten, so oft habe ich ihnen nicht geglaubt. Wäre ich all die Jahre wirklich krank gewesen, so läge ich heute längst im Grab. Am Ende habe ich aber dennoch meine Schilddrüse genauer untersuchen lassen, fast nur deswegen, um die Ärzte endlich ad absurdum zu führen. Der Ultraschallbefund war unauffällig, die Hormonwerte im Blute völlig normal. Daher: Besonders bei Ärzten mmer mitdenken! *

Das Einmaleins

* Bis heute zähle ich mit den Fingern und wirke dadurch dämlich. Doch wo ich einfach denken kann, dort tu ich es auch. Nicht immer kompliziert denken, wer einfach zählt, zählt komfortabel! *

Geisteskrank

* Manchmal muß man geisteskrank sein, um die Wahrheit zu erkennen. *

Animalisch

* Den Vernunftmenschen gibt es nicht. Zu sehr werden auch wir von Trieben und Instinkten beeinflusst, zu sehr hat auch bei uns das Unterbewußte seinen Stellenwert. *

Der bedingungslose Glaube

* Je gescheiter man ist, desto mehr zweifelt man am Glauben. Die Dummen leben auch hier und wie so oft komfortabel: Sie glauben einfach an das, was der Pfarrer gepredigt hat und stellen keine Fragen. *

Der aufrechte Gang

* Der aufrechte Gang und der gerade Rücken sind keinesfalls der Garant für Intellekt und Weisheit. Vielmehr sind sie eine Spielart der Evolution, an die ich bis heute im übrigen nicht völlig glaube. Aber wegdiskutieren kann man sie auch nicht, zu offenkundig sind Anpassungen, Selektionen und Mutationen, die neue Spielarten hervorbringen. *

Die Erläuterung

* Der Psychiater ist ein Mensch, der dem Patienten erklärt, wie das Leben geht.*

Das schwierige Schauspiel

* Sich dumm zu stellen, ist gar nicht so einfach! *

Kein Selbstbewußtsein

* Wer ständig rumspinnt und sich selbst aufwertet, gibt damit gleichermaßen zu, das er es nötig hat. Soll das etwa selbstbewußt sein?

Lüge und Wahrheit

* Wer lügt, bekommt bald Ärger. Wer die Wahrheit sagt, noch viel mehr. *

Keine Hilfe

* Selbst der Jesus Christus, Gottes Sohn, ist barbarisch am Kreuze gestorben. Wie sollte ich Erdenwurm also erwarten können, daß mir der Himmel auch nur einen einzigen Cent schickt? *

Von unserer Welt

* Wir leben alle auf derselben Welt, doch wie unterschiedlich und zum Teil dümmlich sie gedeutet wird! *

Hochnäsig

* Auch die Hochnäsigen stinken auf dem Klo. *

Ende

* Nur wer denken kann, ist froh, daß das Leben endet. *

Literarischer Erfolg

* Man stelle sich dumm und sei dabei aufmerksam! *

Zweifelhafte Pflegeheime

* Leider ist meine Schwester viel zu früh von mir gegangen. Ein Jahr lag sie noch im Pflegeheim, bevor sie starb. Sie lag den ganzen Tag in ihrem Spastibett und bekam nichts als Spastiessen – für 4000 Euro im Monat! *

Die Kängurugastritis

* Ich möchte zu gerne wissen, was die Ärzte über ihre Patienten ins Patientenblatt schreiben, und dabei auch noch annehmen, sie hätten recht damit. Schreiben sie vielleicht, der Patient sei dumm, schreiben sie vielleicht, der Patient rede zuviel, schreiben sie vielleicht, der Patient glaube nicht an die unumstößliche und heilige Diagnose der Kängurugastritis? Na ja, immerhin bilden meine Texte einen gewissen Gegenpol zum promovierten Irrsinn. Wer wissen möchte, wie die medizinischen Fakten sind, der lese mit Vergnügen meine Texte!*

Schlaf schön!

* Hatte ich eine Freundin – und dies war in meinem Leben ja höchst selten der Fall! – schaute ich oft als erstes darauf, ob sie mir nachts zugewandt oder abgewandt schlief. *

Die Erzählung

* Wie man doch lebt, wenn man erzählt! *

Man glaubt es kaum

* Wenn man einmal grüne Männchen und feindliche Spione wegläßt, werden in der Psychologie und Psychiatrie mehr Wahrheiten ausgetauscht, als man meint!*

Fehlerhaftes Denken

* Ständig muß ich den Normalmenschen verbessern oder anregen. Bei Ärzten  beispielsweise  mußte ich schon oft eine mögliche Diagnose in den Raum stellen, an die der Mediziner noch gar nicht gedacht hatte, bei Konstrukteuren mußte ich die Statik korrigieren, bei Nachbarn mußte ich auf Vorurteile aufmerksam machen und auch am Rechner tun sich viele schwer. Auch sind viele Ausschlußdiagnosen alles andere als einwandfrei, in welchem Genre auch immer. Hierbei spielen, wie immer beim Normalmenschen, Aufprägung, Fahrlässigkeit, mangelnder Zweifel, Doktrinen und Wunschdenken eine erhebliche Rolle. *

Die Verbeugung

* Wenn ich mich in meinem Leben vor jedem selbsternannten Bürgermeister verbeugt hätte, wären heute meine Bandscheiben ruiniert! *

Blöde

* Auch der Dummkopf beschimpft andere gern als dumm. Nicht in jedem Falle aufgrund einer Projektion – er glaubt oft, was er schimpft. *

Ich bin ein ganz Lieber……

….bis es reicht. Dann kommt nämlich mein kräftiges Organ zum Einsatz! Auf diese Weise habe ich bereits distanzlose Drücker verscheucht, niveaulose Schmarotzer, freche Verkäuferinnen und auch so manche Majestät – um nur einige Beispiele zu nennen. *

„Deutsche Verhältnisse“

* Die Schweizer sprechen gerne von „deutschen Verhältnissen“, wenn sie unseren Arbeitsmarkt meinen. Und tatsächlich: Der Doktor auf dem Erdbeerfeld, der Professor bei McDonald’s und der talentierte Ingenieur am Fließband der  Milchwerke können in Deutschland von den Sozialbehörden verlangt werden. Sträubt man sich dagegen, wird einem nur allzu gerne suggeriert, man sei sich wohl zu fein für solche Arbeiten. Allerdings wird dabei nur allzu leicht übersehen, daß jede Berufsausübung auch etwas Erfüllendes beinhalten sollte. Nur so können sehr gute und sinnvolle Arbeiten abgeliefert werden, nur dann ist man motiviert, nur dann lebt man und vegetiert nicht, nur so ergeben sich Sinn und Farbe in der Existenz. Der reine Brotberuf ist daher nur für Grobschlächtige geeignet, ansonsten ist eine, trotz des inzwischen eingeführten Mindestlohnes, schlechtbezahlte Knechtschaft garantiert – und genau diese bekommt so manchem Feingeist nicht. Die Zumutbarkeitsregeln in Deutschland müssen also dringend revidiert werden. *

Mann und Frau

* Allein die Frau besteht dadurch, daß sie hübsch sei; der Mann muß sich stets empfehlen. *

Das Handwerk

* Nie war ich wirklich für das Handwerk zu gebrauchen, und schon gar nicht um sieben Uhr morgens. Dies hängt nicht nur mit meinem extravaganten Biorhythmus zusammen, sondern auch damit, daß ich mich stets nur für das geistige Konstruktum und die Lösung seiner Problematik interessiert habe. Die Lösung einer schwierigen Aufgabe ist in hoher Weise befriedigend; seine Ausführung in der Werkstatt jedoch profan und langweilig, obwohl auch ich in meinem Leben natürlich schon handwerklich gearbeitet habe –  aber es war eben nie meine Lebenseinstellung. *

Ungerechter Sozialstaat

* Wenn jemand jahrzehntelang fleißig war und  an seinem Haus abbezahlt hat und mit einem Mal arbeitslos wird, ist – brutal gesprochen – sein Haus weg. Wenn ein anderer jahrzehntelang fleißig war, aber sein Geld verprasst hat, ist gar nichts weg. Soll das etwa gerecht sein? *

Gott und Bewußtsein

* Allein die Existenz und Gegenwärtigkeit des menschlichen Bewußtseins könnte  einen Gott beweisen, scheint mir. *

Unfassbar

* Das menschliche Gehirn besteht aus über achtzig Milliarden Nervenzellen. Mit nur einem Ziel: Zu pöbeln. *

Der Tanz

* Der Tanz ist nichts anderes, als die affektive Beteiligung zu einer Melodie. So mir mitgeteilt wurde, soll sie Freude bereiten. *

Philosophieren und Dichten

* Philosophieren und Dichten heißt einordnen. Erfährt das Dasein eine gedankliche Einordnung, so weiß man, womit man es zu tun habe. Die Zweifelhaftigkeit und Zwielichtigkeit des Lebens verlieren damit wohl nicht ihre Grundlage, jedoch verlieren sie an Einfluß und Bedeutung. *

Geschöpfe der Nacht

* Je später der Abend, desto interessanter die Gäste, sagt man. In der Tat: Jene Menschen des Nachtlebens, welche ich kennengelernt habe, waren meist geistiger, genauer und mit weniger Bewertungszwängen behaftet, als sonst üblich. Hier werden viele Wahrheiten ausgetauscht, die sich tagsüber nicht blicken lassen. *

Die Wohltat

* Wie man doch durch gute Musik beeinflussbar ist! Auch ich lasse mir hier ab und zu mein limbisches Nervensystem massieren. *

Manchmal

* Wie dämlich ich doch mitunter sein kann! Auch ich sehe manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht…. *

Der Gegner

* Im Leben kommt es doch nur darauf an, sich Ärger vom Hals zu halten oder zu schaffen. Mir scheint, daß man neben einer gewissen körperlichen Konstitution auch über eine gewisse argumentative Stärke verfügen müsse, um eben jenes Ziel zu erreichen – die meisten meiner Gegner sind nicht mehr wiedergekommen! *

Die Überlegung

* Um etwas Wichtiges mitzuteilen, bedarf es der genauen Überlegung. Um etwas Wichtiges zu verschweigen, muß noch viel genauer nachgedacht werden!*

Vom Herbste

* Besonders im Herbste aber wird die Vergänglichkeit besonders deutlich, wiewohl sie im Frühjahr natürlich durch einen Neubeginn abgelöst wird. Wie auch immer: Diesen herrlich melancholischen Zaubergarten während jener Herbsttage möchte ich nicht missen! *

Keine Ignoranz

* Ich kann nicht nur Schlechtes aufzeigen oder mich selbst bedauern: Immerhin hatte ich immer genügend zu essen, ich wurde in keinen Krieg geschickt und auch die Pest hat mich nicht ereilt. So doch werde ich weiterhin wandeln, darlegen und reflektieren; alles andere wäre Ignoranz und Unterlassung, die der Welt bestimmt nicht dienlich wären. *

Schlecht und dumm

* Ist ein Mensch schlecht, so ist es schlecht. Ist er dumm dazu, so ist es noch schlechter! *

Lebenslügen

* Mit lauter Lebenslügen lebt’s sich komfortabel. Mit dem „homo sapiens“ aber hat das nichts mehr zu tun! *

Zu hoch gegriffen

* Auch die Bauernliese fordert Cary Grant. *

Der Neue

* Kommt erst einmal, aus welchem Grunde auch immer, der Neue, bald bin ich für mein Herzchen nur noch Luft. Und mit sowas soll ich einst liiert gewesen sein? *

Der Verlust

* Zweifelsohne hat das Leben auch immer etwas mit Verlust und Hinnehmen zu tun. *

Das Strafgesetz

Das Strafgesetz garantiert nicht die Sicherheit der Bürger – sie garantiert volle Gefängnisse! *

Heimat

Wie oft ich doch in meinem Leben neben mir stand und mit der Welt, ja dem Sein, nichts anzufangen wußte! Ein solcher Mensch kann wirklich nur noch Dichter und Schriftsteller werden, um nicht völlig zu verzweifeln und einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen – hier kann ich SEIN!

Der Vogel

* Hat jemand eine Meise, bald merke ich das. Aber: Wir wollen hübsch alle Meisen gelten lassen! *

Demokratie und Diktatur

* Keine Regierungsform ist vollkommen, obwohl natürlich die freiheitliche Grundordnung tausendmal besser ist, als sich ständig bevormunden zu lassen. Auch hält die Diktatur nur solange vor, bis sich das Volk in seiner Gesamtheit erhebt und alle Herrscher davonjagt. Die Demokratie hingegen zeigt innere Schwächen: Sie ist ständig angreifbar, ausnutzbar und zeigt zuwenig Resistenz gegen radikale Gruppierungen – eines Tages wird man die Demokratie behördlich – paragraphisch – gerichtlich verbieten lassen können. Welch ein Festschmaus für die Nazis! *

Paranoide Persönlichkeitsstörung

* Mit Verwunderung sehe ich manchmal, wie der eine oder andere Mensch jedes mögliche Unheil auf sich bezieht und es auch schon für eingetreten hält. *

Leistung

* Für unsere Leistungsgesellschaft bin ich nicht zu gebrauchen. Selbst bei den Milchwerken muß man genügend Tüten stapeln können, um anerkannt zu werden. Was mich betrifft, so zeige ich wohl beim Schreiben (hoffentlich) eine gute Leistung, jene Ideen aber, die dahinter stecken, sind in der Badewanne, beim Kopfstand, beim Spazierengehen und vor allem wieder in der Nacht entstanden – für mich gibt es keinen gewerblichen Job! *

Die Mitte

* Ungezählt sind jene Menschen, die sich ständig und narzißtisch in den Vordergrund spielen. Was erwarten sie wohl? Eine kreisende Bewunderschaft? Die so zum Kreisen Bestimmten allerdings zeigen keinen geringeren  egozentrischen Wahn: Eines Tages werden sie noch Panzer auffahren, um die Mitte zu klären. *

Der Tagelöhner

* Man höre und staune: Ich bin zu Zeiten meines Lebens auch schon einmal Tagelöhner gewesen. Ich war mir nicht zu fein dazu! Wenn ich eines dabei gelernt habe: Vorschuß geben lassen. Ich habe keine Lust auf Rennerei!

Der Triebkonflikt

* Seelisch gesund bleibt man nur, wenn man keine Konflikte in sich trägt. Ich habe aber oft Konflikte beim Menschen beobachten können, die bei erblich disponierten Patienten zu neurotischen Aggressionen, Depressionen, Verhaltensstörungen oder zu Zwängen geführt haben. Was mich dabei immer gewundert hat, war, daß dem Patienten in den meisten Fällen wirklich nichts bewußt war! Darauf angesprochen erntete ich oftmals Ignoranz und selten eine schamhafte Reaktion – hier wurde verstanden! *

Aus dem vollen schöpfen

* Es bekommt dem Menschen nicht besonders gut, wenn er aus dem vollen schöpfen könne: So ist zum Beispiel der Arbeitsmarkt besonders groß – hier können sich die Arbeitgeber geistlos bedienen und die Regeln machen; dies zum Schaden des Arbeitslosen – er ist nur noch eine Verwaltungsnummer. Ein weiteres Beispiel: Frauen haben hübschen Zugriff auf die Welt der Herren; der Bewerber gibt es hier genügend. Kommt nicht der eine, bald kommt der nächste oder andere, bis er gefunden ist – der Traumprinz. Noch ein Beispiel: Lektoren gehen besonders schlampig und faul mit den eingereichten Manuskripten um – es ist ja genügend da zum Drucken. Was habe ich aus all dem gelernt? Ich bin nicht der eine, ich bin nicht der nächste; bei mir ist garantiert ein Korb vorprogrammiert, wenn mir schöne Augen gemacht werden. So manchen Lektor habe ich herzhaft beschimpft, wenn er keinen Respekt zeigte. Und die Arbeit? Ich bin ein freier Mann, Arbeiten hinschmeißen und nach Hause fahren hat mir oft recht gut gepasst! *

Meine Auffassung

* Könne und schweig’ dazu! *

Kratzspuren an meiner Hand

* Wie doch der Kater übel gelaunt ist, wenn seine hübsche Freundin mal wieder nicht wollte! *

Psychologie

* Vieles in der Psychologie ist dummes Zeug; nur weniges konnte ich verifizieren und für mich übernehmen. *

Die Glaubenskrise

* Der Aussteiger muß wissen, daß man auch ohne Kirchen und Sekten gläubig sein kann. Es gibt keine unbedingte Wahrheit, und bei Religionen schon gar nicht. Eine Glaubensgemeinschaft ist auch außerhalb jener Institutionen jederzeit möglch, die sich im Namen Jusu Christi versammelt. Und wer dabei noch Gutes tut, kann bestimmt nichts falschmachen! Dies zumindest wäre meine Religion. Ist sie eine schlechte? * 

Ilse Koch ist überall

* Ilse Koch, die Ehefrau eines KZ – Lagerkommandanten, hat übel sadistisch gehandelt und dafür lebenslänglich erhalten. Doch solch übler Frauen gibt es viele, wenn zunächst auch nur im verborgenen. Kommt die Zeit der Anarchie und der möglichen Machtausübung, bekommt ihr Wesen einen praktikablen Anstrich – mehr noch, als bei Männern. Dies gilt übrigens nicht nur für Deutschland, sondern für die ganze Welt! *

Materialismus

* Nie habe ich mir in meinem Leben etwas aus Konsum gemacht. Allerdings müssen natürlich die Grundbedürfnisse gedeckt sein. In meinem Fall: Unterkunft und Heizung ohnedies, ferner Weizenbier, Schreibmaschine und ein Fahrrad. Hier spiegelt sich bei mir ein Hauch von Glück wider! *

Kabarett

* Welch schwieriges Genre, Menschen zum Lachen zu bringen! *

Irrational

* Stets muß damit gerechnet werden, daß der Mensch irrational reagiert. Wunderlicherweise gilt dies auch dann, wenn eine klare Entscheidung auf der Hand liegen muß, um beispielsweise Unheil abzuwenden. Hier helfen leider nur noch Zwangsmaßnahmen. *

Der Tierarzt

* Wer wissen möchte, inwieweit sich der Mensch vom Tiere unterscheidet,  wende sich an einen erfahrenen Tierarzt: Die Medikamente sind keine anderen, ja es gibt sogar Psychopharmaka in diesem Bereich! Auch veterinäre Operationen ähneln sehr denen der Humanmedizin. Ich bleibe dabei: Wir sind nichts Besonderes, wir sind keine Menschen, sondern Menschenartige. Wir sind zu sehr Tier, als daß wir vollkommen wären. *

Finanzieller Frieden

* Wer Geld hat, muß ständig zahlen. Nur wer kein Geld hat, kann genußreich ausschlafen! *

So ist’s richtig

* Nicht den Täter soll der Psychologe therapieren, dessen Opfer soll er trösten! *

Das Jugendamt

* Warum kommen bei Verbrechern die Kinder ins Heim und nicht die Eltern in die Forensik? *

Das Schnitzel Cordon Bleu

* Manche Verbrecher sind so ichbezogen, daß sie im Gefängnis erst einmal ein Schnitzel Cordon Bleu bestellen und sich wundern, daß sie es nicht bekommen. *

Satan

* Auch die Kirchen kommen nicht ohne Feindbild aus: Es ist Satan der Teufel.*

Sozialismus

* Die Idee des Sozialismus’ ist nicht tot – sie läßt sich nur nicht finanzieren! *

Das freche Weib

* Kein Mensch wirbt um eine nutzlose Sache; so doch werden die meisten Frauen umworben. Arm an Persönlichkeit bekommt es Ihrer Eitelkeit recht gut – sie fühlen sich enorm aufgewertet und werden frech. *

Die Grenze

* So mancher Egoist hat bei mir seine Grenzen abstecken wollen. Nie aber habe ich die Höhe jener Grenzen mitteilen oder darlegen wollen – bei mir gab es gleich einen Verweis, mit oder ohne Schwitzkasten. Bei anderen Entscheidungen hätte ich mich bloß lächerlich gemacht. *

Welch Regentschaft

* Dort, wo es an Persönlichkeit mangelt, regiert der Affe! *

Massenbetrug

* Honeckers bestellte Jubelchöre waren nicht dümmer, als unsere Werbung! *

Der Denkanstoß

* Fast jeden Tag nehme ich Denkanstöße wahr. Jene Impulse fallen bei mir für gewöhnlich auf fruchtbaren Boden – ich denke gerne zuende. Woraus sonst sollten meine „Aphorismen und Traktate“ gemacht sein? *

Narzißmus

* Der Begriff „Narzißmus“ ist in meinen Texten sehr häufig anzutreffen. Doch genau dieser Narzißmus ist es, der die Wurzel allen Übels ist. Keine negative Aussage über den Menschen – von denen es bei mir ja sehr viele gibt – ohne den Narzißmus als Motiv. *

Neid trotz Überfluß

* Neidische Menschen werden selbst dann noch neidisch, wenn sie bereits alles besitzen, aber eine Sache noch nicht, die sich meinetwegen der Nachbar gekauft hat. *

Philisophische Motive

* Wer bald vergißt, lebt komfortabel, wer nicht vergißt, wird Philosoph. *

Nicht anders

* Hat sich ein Normalmensch erst einmal von einer sensibel – melancholischen Episode erholt, bald ist er wieder wie vorher – mit Fremdbestimmung und Zuweisung. *

Der Anspruch

* Auch der Häßliche, Kranke, Behinderte läßt nur die Elite gelten. *

Die freie Entfaltung der Persönlichkeit

* Die freie Entfaltung der Persönlichkeit ist eine recht hübsche Sache. Durch die Widrigkeiten des Lebens aber wird sie nur allzu oft zunichte gemacht. Von wievielen Könnern hätten wir gehört, über wieviele Könner hätten wir gestaunt, was bloß ist uns alles vorenthalten worden, nur weil sich ein jeder um seine Existenz zu kümmern hat? *

In Ruhe arbeiten

* Mir scheint, daß die meisten genialen Werke der Geschichte zu Hause entstanden sind und nicht auf der Arbeit. *

Krankheitsängste

* Die Hypochondrie ist das Schicksal des Genies. *

Die Bestimmung

* Wer wenig weiß, taugt gut fürs Leben. Wer viel weiß, taugt gut für die Psychiatrie. *

Brüche in der Logik

* Man kann über das Weib diskutieren, wie man will: Es wird immer eine Spur irrational bleiben. *

Scheinbare Schwäche

Sehr selten treffe ich einen anständigen Christen und bewundere seine Liebe und Führsorge. Allerdings sollte er immer darauf achtgeben, daß er sich nicht lächerlich macht – der Normalmensch hält stets Ausschau nach scheinbarer Schwäche. *

Marktwirtschaft

* Keine Wirtschaftsform produziert mehr psychisch Kranke, als die gewinnorientierte Marktwirtschaft. *

Der Tiefgläubige

* Welch Talent man doch für den Glauben benötigt! Hier kann ich nicht mithalten. *

Verschenkte Zeit

* Die Hälfte meines Lebens habe ich damit verbracht, unnütze Fragen zu beantworten. *

Der Harte

* Der Supermann ist immer eine kranke Fehlprägung. *

Sinnlos

* Wie arm doch der Mensch an Sinnen ist! *

Das destruktive Paradies

* Die Lehrer werden nicht zu hoch bezahlt: Sie pöbeln ja ganz ausgezeichnet! *

Der Übervater

* Mich wundert immer, wieviele Mädchen und Frauen eine Art Übervatervorstellung im Kopfe tragen. *

Die Kränkung

* Wie doch die gekränkte Seele des Normalmenschen nach Anerkennung giert!*

Schauspieler, Dichter und Revolutionäre

* Was man doch nicht alles auch ohne Abitur bewerkstelligen kann! *

Der böse Klaus

* Ich bin besser, als mein Ruf! *

Nur die Hälfte sagen

* Der begabte Psychiater tut gut daran, dem Patienten nicht alles zu sagen. Umgekehrt sollte es nichts anderes sein! *

Erzählkunst

* Wer ein guter Dichter ist, der kennt die Wahrheit. Letztere kann einem aber gehörig zu schaffen machen. Und tatsächlich kenne ich keinen einzigen fröhlichen Erzähler! *

Der Schlafanzug

* Ein Arzt, der zur Operation mit Holzschuhen und Jogginghose erscheint, verdient unser Mitgefühl – er konnte seinen Schlafanzug nicht finden. *

Eigene Vorstellung

* Nie war ich artig – aber anständig! *

Der Mann

* Ein liebes Weib und eine differenzierte Arbeit machen den Mann zum Manne. *

Vorsicht!

* Was mir oft an Ärzten auffällt, ist ihr grobfahrlässiger Größenwahn. *

Seelisch motiviert

* Die Psyche des Menschen ist das Schicksal dieser Welt. *

Im Dunkeln tappen

* Was mir neulich auf der Zunge lag, war, der Akademiker verstehe etwas von seinem Fache, aber nichts von sich selbst. Hier muß ich mich korrigieren: Er versteht ja von beidem nichts! *

Mißlungen?

* Die besten Künstler sind jene, die mit Ihren Werken stets unzufrieden sind! *

Das formale Deutschland

* In Deutschland braucht man keine guten Kenntnisse, sondern gute Zeugnisse. Umgekehrt wäre es viel besser. *

Wirtschaftliches

* Nie war ich weder an Wirtschaft interessiert, noch talentiert dazu. Ich weiß nur, was man gut verkaufen kann, nämlich außer Lebensmittel fast gar nichts. Die vielen Firmen und Geschäfte, die ständig kommen und gehen, zeigen es. *

Kranke Erbmasse

* Bei entsprechend labiler Disposition möchte der Normalmensch anderen antun, was ihm selbst angetan worden ist. Es geht hier um angeborene, zunächst latente Machtgelüste, die durch widrige Umstände aktiviert werden. Welch kranke Gene! *

Religiöser Wahn

* Wie schädlich eine Konfession oder Sekte sein kann, zeigt die hohe Psychiatriequote ihrer Aussteiger. *

Ratschläge

* Wenn ich all jene Ratschläge befolgt hätte, die mir in meinem Leben erteilt worden sind, läge ich heute längst im Grab! *

Falscher Beruf

* Es gibt zunächst nicht den schlechten Arzt, Lehrer oder Psychologen. Es gibt aber den Normalmenschen, der jene Berufe ergreift – genau hier liegt das Grundproblem. *

Die Delmenhorster Mordserie (eines Krankenpflegers)

* Nicht nur Ärzte halten Ihre Patienten für lästiges Pack, wegen deren sie sich morgens aus dem Bette bequemen müssen – auch Krankenpfleger und Krankenschwestern sind hiervon betroffen. *

Frau am Steuer, das wird teuer

* Selbstverständlich sollte man weder Vorurteile haben, noch populistisch denken, aber ich muß doch festhalten, daß es im Straßenverkehr fast immer Frauen waren, die mich fast umgenatzt hätten, hätte ich nicht gut aufgepaßt. Es fehlt ihnen einfach an räumlicher Vorstellung. *

Volljährig

* In Deutschland ist man mit achtzehn Jahren volljährig. Damit aber hören Fremdbestimmung und Zuweisung noch lange nicht auf. *

Realphilosophie

* Mein Genre ist die Kurzprosa, es wurde aber auch schon „Realphilosophie“ genannt. *

Füße auf dem Tisch

* Manchem meiner Besucher brauchte ich nicht mitzuteilen, er solle sich bei mir ganz wie zu Hause fühlen – weitere Besuche waren damit natürlich gänzlich ausgeschlossen. *

Betrug

* Wie sich doch der betrogene Betrüger ärgert! *

Mord

* Bei nahrhafter Kost wird auch der Verbrecher alt. *

Zeugnistag

* Über schlechte Zeugnisse kann man sich nur dann ärgern, wenn man sie auch abholt! *

Märchenstunde

* (Hoffentlich) vorurteilsfrei spreche ich mit allen Menschen. In diesem Zusammenhang traf ich auch einmal einige Mormonen, die mir ihre Religion erläuterten: Gott sei ein Mensch, denn er habe Lebewesen in seinem Ebenbilde erschaffen – also sei auch er ein Mensch. Dieser lebe im Himmel und wolle, daß es dem Menschen gut gehe. Na ja….. *

Mist

* Eine Langzeitpsychotherapie kann für den Patienten recht aufreibend und belastend sein. Und ich weiß von vorherein, was dabei herauskommt: Nichts als Mist. *

Vergeben

* Das Vergeben setzt voraus, daß der Täter bereue. Die wenigsten tun es. *

Schlecht beseelt

* Wie unrein doch die Seele so manchen Weibes ist! *

Der Henker

* Ich möchte einmal wissen, was sich der Henker bei seiner „Tätigkeit“ denkt. *

Agnostizißmus

* Der Agnostizißmus ist eine hübsche philosophische Strömung, die sich damit befaßt, daß nicht nur mit „Ja“ oder „Nein“ geantwortet könne. Sie kennt durchaus auch die Antwort, daß eine Frage nicht zu klären sei. Alle Glaubensfragen gehören dazu. *

Der irdische Ruin

* Gott schuf die Erde und den Menschen. Ihre Verwaltung übernahm letzterer – mit katastrophalen Folgen. *

Identisch

* Alle Normalmenschen sind untereinander völlig gleich. Sind Sie es nicht, sind es keine Normalmenschen. *

Ungünstige Konstellation

* Was dem Menschen stets bei seinem Streben und Wirken fehlte, war Glück. Nicht ein Quentchen davon war ihm vergönnt. *

Ungesellig

* Nicht jedermanns Freund zu sein, ist ein Merkmal der Persönlichkeit. *

Der mündige Bürger

* Der mündige Bürger muß immer auch Skeptizist sein. Vieles – auch Intellektuelles – bedarf einer Überprüfung. *

Funktionieren müssen

* Jeder Tag, an dem man robotten mußte, ist ein verlorener Tag. *

Die Kur

* Man wollte mich bereits mehrfach zu einer Kur schicken. Was nützt es mir? Auch in Kureinrichtungen gibt es einen Tagesablauf (Sport, Gymnastik, Wandern, Sitzungen). Solange ich nur hüpfen kann, bleibe ich lieber zu Hause.*

Der Normalhaufen

* Der Straßenverkehr ist ein Ort, an dem sich die Normalmenschen einander über den Haufen fahren. *

Luxus

* Man nehme sich die Zeit, an manchen Tagen auch einmal gar nichts zu machen!*

Das Parteibuch

* Das richtige Parteibuch braucht man überall, und dies nicht immer nur im rein politischen Sinne! *

Der Zeuge

* Zeuge zu sein, ist immer eine undankbare Aufgabe. Alles wird tausendmal angezweifelt, und wenn man noch so recht hat. Nie wieder Zeuge! *

Das Paßwort

* Was? Es gibt keine sicheren Kennwörter? Doch, zumindest eines: Autofensterkloaufrollpudelmütze! *

Vom Verkündigen

* Wie will man bloß beispielsweise Contergankindern den Glauben schmackhaft machen? *

Die Strafe

* Strafrechtler sind schlechte Normalmenschen, die noch schlechtere Normalmenschen ins Gefängnis schicken. *

Nach Harmagedon

* Es ist eine Frage, ob der Liebe Gott bei der Wiederauferstehung Persönlichkeitsstörungen berücksichtigen wird oder nicht. *

Die Akte

* Bei so manchem Egoisten findet sich eine fette Polizeiakte. *

Werdet viele

* Der Katholizismus nimmt manche Gebote zu genau. So sollen wir fruchtbar sein und viele werden. Dieser Auftrag ist doch längst erfüllt – das Boot ist voll! *

Kinder und Religion

* Kinder sollten nicht streng religiös erzogen werden, denn hieraus leitet sich eine unnatürliche Entwicklung ab. Sollen sie vielmehr spielen und toben – wer will, kann sich noch viel später, meinetwegen erst im Erwachsenenalter, mit geistigen Angelegenheiten befassen, also zu einer Zeit, in welcher man die Verse auch verstehen kann und sie nicht nur blindlings auswendig lernen muß. *

Dominanz

* Jede Dominanz des Normalmenschen – und selbige erlebe ich fast jeden Tag – findet ihre Ursache in seinen Affengenen. *

Drangsal

* In der Drangsal zeigt sich die Persönlichkeit. *

Das üble Tageswerk

* Manche Menschen sind so schlecht, daß sie jeden Tag einen destruktiven Haufen, gleich eine Müllhalde, hinterlassen. *

Zurückärgern

* Bei psychologischem Talent kann man glänzend zurückärgern! *

Das ungefragte Publikum

* Was wäre der Angeber ohne sein Publikum! *

Meine Traktate

* Meine religiösen Traktate sind ein ständiges Für und Wider. Zu einem konkreten Ergebnis bin ich nie gekommen. Hier spiegelt sich wieder einmal mein Agnostizißmus. *

Der vermeidbare Scherbenhaufen

* Wie doch der Normalmensch vieles ignoriert und es darauf ankommen läßt! *

Von Diskotheken

* Warum bloß glaube ich stets, in Diskotheken von narzißtischen Charakteren mit Selbstüberschätzung umgeben zu sein? Nach einem Eimer Bier im Gehirn ist es mir aber gleichgültig. *

Wozu meine Texte?

* Erkenntnisse beseitigen innere Konflikte, außerdem sind sie für den Leser eine gute Argumentationshilfe fürs und im Leben!

Im Individualismus liegt Wahrheit

* Mehr noch, als im Wein, denn der Individualismus praktiziert stets eine Neuorientierung und Neubewertung der Dinge des Lebens. Allgemeingültige Thesen und eingefahrenes Denken werden hier aufgezeigt und eine Änderung angeregt – wenngleich auch nur mit mäßigem Erfolg. *

Debatten

* Der Debatten über mich gab es viele – den meisten bin ich ferngeblieben. *

Straßenseite wechseln

* Wohl dem, der dem Normalmenschen in seiner kranken Geringschätzung ausweichen kann! *

Befriedigend

* Die Note „Befriedigend“ ist sehr aufschlußreich: Ab dieser Ebene ärgern sich die Lehrer nicht mehr über das scheinbare oder tatsächliche Versagen des Schülers.

Das Gericht

* Alle Menschen verfügen über bestimmte Rechte. Trotzdem billigen sie einander diese Rechte nicht zu. Also muß das Recht über Gerichte durchgesetzt, ja erzwungen werden.  Welch Uneinsicht! *

Die Sozialbehörde

* Ich kenne keine einzige Sozialbehörde, der mein leerer Magen nicht gleichgültig wäre. *

Schwere Krankheiten

* Diese gottbetrogenen armen Patienten mit schweren Krankheiten! *

Der Sozialstaat

* Ein Sozialstaat ist ein Staat, in welchem gesunde Normalmenschen zur Unterstützung kranker und beschäftigungsloser Normalmenschen gezwungen werden (müssen). *

Schadenersatz

* Ein Arzt, der wieder einmal keine Wiedergutmachung am Patienten zahlen will, ist doch auch empört, wenn man ihm fahrlässig in seine Kapitalistenkuffi fährt! *

Der absurde Nazi

* Auch arbeitslose Nazis beziehen Hartz IV. Sie beziehen also von demjenigen Staat Geld, den sie ablehnen. Auch sind, fällt mir gerade noch ein, schwule Nazis, wie gelegentlich zu sehen, besonders absurd. *

Bewährungsversager

* Wie wenige Verurteilte doch von einer Bewährungsstrafe beeindruckt sind! *

Klaus der Bürgerschreck

* Überall dort wird der zivile Ungehorsam zur Pflicht, wo allgemein anerkannte, aber zum Teil absurde Werte, Normen und Regeln nichts als Unrecht nach sich ziehen. Hierzu bedarf es etwas Mut – den habe ich. *

Die christliche Selbstverleugnung

* Christ zu sein bedeutet immer, sämtliche Egoismen, von denen ich auch nicht ganz frei bin, fortgesetzt zu verleugnen. Welch schwierige Forderung vom Himmel! *

Von Tarzan

* So sehr, wie die Frau meint, die meisten Männer wären oberflächlich, so gerne betrachtet und fordert sie den Athleten. *

Überrollt

* So lange es den Menschen gibt, so lange beschäftigt er sich unter anderem mit Religionen. Hier gab und gibt es viele Deutungen, Interpretationen und Annahmen. Doch wurden sie bis heute alle von Fakten überrollt – alle! *

Immerhin

* Alle Normalmenschen lehnen mich ab, alle Persönlichkeiten erkennen mich an.*

Frisch geschieden

* Frisch geschiedene Frauen halten nicht viel Einsamkeit aus – bald muß der Neue her. Der bin ich aber nicht! *

Das Pferd

* Wieso bloß läßt sich ein Pferd reiten? *

Die Verdauung

* Wieso bloß kommt die Verdauung nicht ohne Gährung und Fäulnis aus? *

Das unvergessliche Erlebnis

* Wird ein Lump zum Arzt, können die Patienten was erleben! *

Französische Revolution

* Du meine Güte – wieviel Köpfe bloß rollten während der Französischen Revolution?  Auch hier zeigen sich wieder Überzeugungen und damit verbundene Feindbilder. *

Hierarchien

* In der Welt gibt es viele Hierarchien; die meisten von ihnen und ihr selbsternannter Rang darin sind lächerlich. *

Wahre Worte

* Nichts ärgert den Menschen so sehr, wie die Wahrheit! *

Laut

* Keiner ist im Handeln, Sprechen und Wirken lauter, als der typische, ichbezogene Verbrecher. Er findet bei seinen Forderungen einfach kein Maß. *

Rehabilitation

* Die Juristen fordern nur so lange eine Rehabilitation nach der Verbüßung einer Strafe, wie sie nicht selbst von einer Straftat betroffen sind! *

Die Entwicklung

* Bei wievielen Menschen doch die Persönlichkeitsentwicklung im Alter von circa sechzehn Jahren stehenbleibt – manche liegen sogar noch darunter! *

Gläubige Augen

* Keine Krankenschwester oder Sprechstundenhilfe zweifelt an den Diagnosen ihrer Ärzte – auch nicht bei der Diagnose eines Kiementumors mit Metastasen. *

Meine Großmutter

* Nachdem meine Großmutter von ihren Organen her für gesund befunden wurde, lebte sie noch ganze zehn Tage! *

Das Glück in der Ferne

* In der Ferne braucht niemand sein Glück zu suchen – der Normalmensch wird ihm überall begegnen! *

Der Prozeß

* Jeden Tag wird mir der Prozeß gemacht. Stets lautet die Anklage darauf, daß ich jemandes Meinung nicht teile. Das Urteil: Trennung.

Ewiges Leben

* Gerne droht der Katholizismus seinen Schäfchen bei Fehlverhalten mit Exkommunikation. Folglich geht das ewige Leben verloren. Allerdings muß ich anfügen, daß das ewige Leben im Himmel vergeben wird und nicht vom Pfarrer oder Papst auf Erden. *

Brüderlich

* Allein im Feindbild ist der Mensch brüderlich vereint! *

Die Abweichung

* Der Narziß läßt keine Abweichung des anderen von seinen absurden Theorien ohne schlimme Bewertung. *

Von Schäfchen

* Wer zum Schlechten nicht fähig ist, wird bald zum Opfer der Gesellschaft. *

Bedeutungslos?

* Das Leben, das ich führe, ist uneitel und daher für meine Umwelt mangels Herzeigen von scheinbaren Werten bedeutungslos. Umso mehr staunen die Prolls nicht schlecht, wenn ich mit einer hübschen Puppe spazierengehe oder mit einem Mercedes dahergebraust komme – daß der mir nicht gehört, weiß ja keiner. *

Das akzeptable Domizil

* Manchmal scheint mir, ein Knacki fürchte keine Gefängnisstrafe. Grund dazu hat er: Drei Mahlzeiten am Tag und im Winter wird geheizt! *

Das immergesunde Genie

* Es gibt nur eine einzige Möglichkeit zum unbedingten Glück: Die Zufälligkeit der richtigen Erbmasse. *

Mumien, Monstren und Mutanten

* Wie genau muß man sich wohl Sodom und Gomorrha vorstellen? *

Lieber Beine hoch mit Camel Filter

* Wieso bloß schicken alle Psychiater ihre Patienten zur Arbeit? *

Narzißtische Persönlichkeitsstörung

* Der Psychologie sind viele Persönlichkeitsstörungen bekannt. Die schlimmste und gefährlichste Persönlichkeitsstörung ist nach meiner Auffassung die narzißtische. Letztere tritt nach Verbrechen, Kriegen, Katastrophen und Kränkungen zwar nicht bei allen Patienten ein – auch hier spielt die genetische Empfänglichkeit wieder einmal eine nicht unerhebliche Rolle – hat sie aber erst einmal Fuß gefaßt, führt sie in vielen Fällen bis zu Suizidideen. Daher: Erlittene Traumata immer ernstnehmen und behutsam therapieren! *

Die kriminologische Lerntheorie und die biologistische Einschätzung

* Die kriminologische Lerntheorie geht davon aus, daß das Verbrechen im wesentlichen erlernt ist – dabei täuscht sie sich gewaltig! Welche Eigenschaften führen zum Verbrechen? Der schwere egozentrische Wahn, Freude am Schlechten, Skupellosigkeit, mangelnde Zuneigung zum nächsten und die Unfähigkeit, Schuld zu erkennen und zu empfinden – alles angeboren! *

Trotzhandlung?

* Mit Verwunderung erkenne ich manchmal, daß der Mensch genau das Gegenteil von dem tut, was von ihm erwartet wird. Dieses Verhalten kann nicht immer nur mit einer Trotzhandlung erklärt werden. *

Ba Ba Ba Banküberfall!

* Nichts ist unsinniger, als ein Banküberfall. Es gibt hier verschiedene Parameter, die gesetzt sind und von niemandem beeinflußt werden können. Diese Parameter führen zu einem gewissen Lohnensquotienten – und letzterer ist denkbar schlecht! Die Parameter im einzelnen: Gibt es viel Geld zu rauben oder wenig? Die Kassenbestände sind normalerweise reduziert, es gibt also nur wenig zu rauben. Ist die Strafandrohung hoch oder niedrig? Sie ist hoch mit locker fünf Jahren Haft wegen schweren Raubes. Wie hoch ist die Aufklärungsquote? Weiß icht nicht. Fünfzig Prozent? Kein geringes Risiko! Bei diesem nachvollziehbar schlechten Quotienten muß man wissen – man bleibt besser zu Hause. *

Meine Konflikte

* Meine Grundproblematik und meine seelischen Konflikte bestehen doch nur darin und deshalb, daß und weil ich mit dem Normalmenschen nicht auskomme – hier wird sich auch nichts mehr ändern. *

Klaus das Genie

* Ist der Arzt ein hochintelligenter Gesprächspartner, bin ich ein Genie! *

Ungeeignet

* Ein ichbezogener Mensch darf keine Führungsämter bekleiden, denn er wird mit neuen Formeln und Gesetzen daherkommen, die in sich aber keinen Bestand haben.  *

Frühpension

* Wenn ich auch gar nichts besitze, so gibt es doch eine Sache, um die man mich beneiden könnte – Zeit! *

Raum, Zeit, Natur und Mensch

* Die Welt um uns herum sollte sich in unseren Gedanken spiegeln – tut sie aber nur unzureichend. *

Der Professor

* So manchen Professor kenne ich nur als narzißtischen Oberlehrer. *

Ich bin soooooo müde

* Was auf der Arbeit nicht alles verlangt wird: Gesundheit, Aufmerksamkeit, Dienerschaft, wenig Lohn, schnelle Auffassungsgabe, Jasagen, Anpassung und Gehorsam. Habe ich noch etwas vergessen? *

Wer kann es erklären?

* Kein Genie ohne Schulschwierigkeiten! *

Von Heini

* Genaugenommen mußte ich Neurosenheini bei der Literatur landen, denn nur sie bietet die Grundlage und die Möglichkeit, das wichtige Problem des Lebens zu ermessen und zu erörtern. *

Philosophie und Mathematik

* Die höchste Wissenschaft ist die Philosophie, die niedrigste die Mathematik. *

Das Tier

* Kein Scheitel täuscht mich. *

Argumente

* Man freut sich ja, wenn ein Mensch, der im Leben tief gelitten hat, als gerechten Lohn das ewige Leben erhält. Allerdings muß angefügt werden, daß er gerade durch sein (erzwungenes) Leiden Überlebensvorteile hatte – der nächste wird andere (erarbeitete) Argumente vortragen müssen. *

Ungerecht

* Langes Leiden führt zu Persönlichkeitsstörungen und macht ungerecht. *

So sollte es sein

* Keine Medizin ohne Philosophie, keine Lehramt ohne Pädagogik, keine Religion ohne Moralismus. *

Die Extraeinladung

* Bei Frauen brauchte ich stets eine interessante Extraeinladung – auffordernde Augen alleine haben mir nie ausgereicht. *

Der Spezialist

* Ich ging zum Spezialisten und traf auf einen Dilettanten! *

Zwecklos

* Nicht ist der Mensch zu ermahnen – er wird ein Affe bleiben. *

Der allein wahre Gott

* Der Götter gibt es einige: Sie heißen Jehova, Allah oder Mannitou. Doch der allein wahre Gott heißt „Narzißmus“, denn ihm wird die meiste und größte Liebe zuteil. *

Praxensterben

* Einst war im Gespräch, Ärzte nur noch nach erfolgreicher Behandlung zu bezahlen. Glück für die Ärzte, daß dies nie umgesetzt worden ist – die Folge wäre ein Praxensterben gewesen! *

Erfolgreiche Lehrjahre

* Wer in der Jugend zu lernen weiß, weiß im Alter zu unterscheiden. *

Vom Schnauzen

* Der Normalmensch schnauzt nach unten – dies ist einfach und feige. Der Individualist schnauzt nach oben – dies ist mutiger und vor allem in vielen Fällen gerechter! *

Wohlsein

* Im bunt – mildem Herbste erkennt man die Dinge des Lebens; sie spiegeln Glück und Harmonie. *

Von Klaus’ Rübe

* Wie doch das Weib mein dummes Gesicht anerkennt, nicht aber meinen Individualismus! *

Der Kindermensch

* Ein Doofmann ist wohl leicht als solcher zu erkennen; besonders aber seine Kinderpsychologie verrät ihn. *

Krank

* Nicht jeder, der an Depressionen leidet, ist ein Genie. Doch kenne ich keine geniale Biographie ohne Depressionen. *

Illegitim

* Keine Idee dieser Welt kann und darf einen Leichenstapel rechtfertigen. *

Die Zicke

* Auch die promovierte Zicke ist eine Zicke. *

Neurasthenie

* Mein Talent habe ich teuer bezahlt – zu teuer! *

Vorher

* Ich möchte zu gerne wissen, wieviele meiner Gedanken schon vorher einmal von irgendjemandem gedacht worden sind. *

Die Visitenkarte

* In dieser Welt hält man einander für dümmlich – auch mich. Umso überraschter sind die Gelehrten, Gleichgültigen und Zufriedenen, wenn ich ihnen gelegentlich etwas besser Durchdachtes, Neues oder in sich Schlüssiges vorstelle. *

Außen vor

* Die destruktiv – distanzlosen Normalmenschen wundern sich immer, wenn ich meine Wohnungstüre nicht öffne! *

Erotik oder von Klaus’ Lebensunterhalt

* Vor vielen Jahren besuchte ich gelegentlich Diskotheken (welche ich mitunter als Konkubinenforen empfand). Mein rosa Puppengesicht konnte ich eigentlich immer recht gut vorzeigen, obwohl ich hier keinen Narzißmus empfand. Bald schon geschah es, daß mir ein hübsches Mädchen schöne, lüsterne Augen machte – sie wollte angesprochen werden. Gemäß ihres Wunsches gesellte ich mich also zu ihr und sagte ihr ein paar nette Worte. Bald schon knisterte und knasterte es vor Erotik. Sie nahm mich mit zu sich und es knisterte und knasterte noch mehr vor Erotik. Nachdem ich mich kräftig vollgefressen hatte, bin ich einfach abgehauen – reingefallen! *

Keinesfalls

* Dem labilen Normalmenschen darf keinesfalls eine Waffe gereicht werden – er wird sie einsetzen. *

Der Wunschberuf

* So mancher Mensch hat Suizid begangen, weil er nicht in seinem Wunschberuf arbeiten konnte oder durfte. Ich persönlich kann es wohl verstehen. *

Die Punkerin

* Einst kannte ich eine hübsche Punkerin. Das eine oder andere Mal ruhten meine Blicke genießend auf ihrem filigranen Gesichte mit den mandelförmigen, braunen Augen. Jenem Genuße aber stand bald wieder mein Talent im Wege: Sie war eine gleichgültige, ichbezogene Schmarotzerin – ich kam nie wieder. *

Billig

* Im Einkauf bin ich teuer, und die Mädchen sind so billig! *

Unverwundbar

* Kaum ein narzißtisch Gekränkter strebt nicht nach Größe – und somit nach Unverwundbarkeit. *

Bedingt

* Ist der Normalmensch unbedrängt und vollgefressen, sagt er schonmal ein nettes Wort. Aber nur dann. *

Der Butler

* Kaum einer, der nicht wähnte, ich sei sein Butler. Wenn er mich aber noch wie in England gut bezahlen würde, könnten wir ins Geschäft kommen. *

Gestapo und Stasi

* Was soll ein Staat, der sich einer Staatssicherheit bedient, schon für ein Staat sein? *

Das Aufmerksamkeitsdefizit

* Die Standarddiagnose beim Psychiater ist oft das Aufmerksamkeitsdefizit des Patienten. Auch bei mir. Und das bei meinen Texten! *

Von Knastmethoden

* Der dominante und gewaltbereite Mensch, vielleicht ein Rocker oder Bandenmitglied, stellt viele Forderungen, an denen er in bezug auf ihre Legitimität und Durchsetzbarkeit nicht zweifelt. Werden sie trotzdem verweigert, schreitet er halt zur Tat und es kommt eben zur Anwendung von Gewalt. Wird er dabei aber zu seiner völligen Überraschung umgeboxt, stellt er fest, daß sein Begehr in diesem Falle nicht mehr durchsetzbar ist. An seiner Forderung freilich ändert dies nichts und er wird weiter (woanders) fordern. *

Früher Individualismus

* Wer bereits in jungen Jahren eigenständig denkt, ist klug. Allerdings steht er nun vor einer schwierigen Aufgabe, sich nämlich seiner Lehrer und Erzieher zu erwehren – die Übermacht ist enorm! *

Unfrei

* Ein kluger Mensch meinte einmal, er komme einfach nicht mit dem unfreien Menschen aus. Verstehe ich wohl – er meinte den Normalmenschen. *

Die Kuschelmaus

* Die liebe, anschmiegsame Kuschelmaus ist mir tausendmal lieber, als die runde Sexbombe. Es gibt kein größeres Glück auf Erden, als sich tief geliebt zu fühlen. Der Verlust jener Liebe, aus welchem Grunde auch immer, gehört zu den schlimmsten Zäsuren, die man erleben kann. Dem Proll wäre es gleich – die nächste Konkubine, die nach Tarzan strebt, wartet schon. *

Einfallsreich

* Was, ich bin faul? Na, meinetwegen – aber einfallsreich! *

Der Spiegel

* Je eitler ein Mensch ist, desto mehr Spiegel hat er im Hause. Bald nickt er sich freundlich zu…..*

Die Dissertation

* Ich hätte normalerweise keine besondere Lust, eine medizinische Dissertation zu studieren, denn erstens merke ich alle Rechtschreibfehler, und zweitens ist mir die Geschichte vom Räuber Hotzenplotz seit meinen Kindertagen bekannt. *

Herbert der Säger

* Warum bloß werden alle psychischen Krankheiten mit einer Motorsäge assoziiert? *

Die Beleidigung

* Sind die Weiber beleidigt, schweigen Sie. Die längste hat bei mir drei Tage durchgehalten – ich habe mich köstlich amüsiert! *

Unsere Umwelt

* Allein der Mensch hat sich seine eigene Umwelt erschaffen. Allerdings ist er für sie weder bestimmt noch gemacht. *

Die Episode

* Jeder Mensch bekleidet eine kurze Episode in der Weltgeschichte. Wohl dem, der das richtige Geburtsdatum hat und wohl dem, der den richtigen Geburtsort hat. * 

Existenzphilosophie

* Je älter man wird, desto mehr merkt man, wofür man gelebt habe, nämlich für gar nichts. Es mag einen Einwand geben, nämlich daß wir uns dem Herrn würdig erweisen sollen, von ihm das ewige Leben im Paradiese zu empfangen. So doch sind die Bedingungen und Voraussetzungen dafür nicht für alle Menschen gleich: Zu unterschiedlich sind die Lebensverhältnisse, zu unterschiedlich die Charaktere, zu unterschiedlich die Gesundheit und das Schicksal des einzelnen. Es müßte eine einhaltliche Grundlage geben, damit sich der Mensch frei entscheiden könne, welchem Herrn er dienen möchte – dem Guten oder Schlechten, dem Schöpfer oder dem Narzißmus. *

Die aufgeprägte Schuld

* Wer nach dem Masturbieren oder Trinken von Alkohol Schuld empfindet, ist darauf geprägt worden. Fast jeder ist prägbar, doch von Fall zu Fall in sehr unterschiedlichem Maße. Genannte Tätigkeiten sind kein Sündenfall und stehen in keinem Strafgesetzbuch. * 

Typisches Verhalten

* Begegnet man einem Verbrecher, spiegelt sich in ihm die tiefe Abneigung des anderen. *

Die Säge

* Beim (seltenen) Serienmörder wird ganz schön gesägt. Wie kann man dabei auch noch so dumm sein, Spuren wie DNS, Finger – und Schuhabdrücke oder Kleidungsstücke zu hinterlassen? Wie kann man so dumm sein, auch noch “Trophäen” mit nach Hause zu nehmen? Solche Taten sind keine Beziehungstaten, also schwierig aufzuklären, und ohne Spuren könnte der Täter für lange Zeit genußreich weitersägen. Selbstverständlich ist dieser Text keine Aufforderung, eine Tat besser zu planen, sondern nur ein Hinweis auf das irrationale Handeln (neben der kranken Tat selbst natürlich) des Psychopathen. *

Der Sunnyboy

* An seltenen Tagen fühle ich mich auch schonmal frisch und munter, keine Gedanken sind am Kreisen. Dann passiert es auch einmal, daß ich unbefangen am Grinsen bin. Jene, die mich so sehen, halten mich gar für einen Sunnyboy. Ich persönlich sehe es natürlich nie – ich grins’ ja nicht in den Spiegel! *

Das geplatzte Stelldichein

* Ganz selten kommt es bei mir doch zu einem Rendezvous. Nicht selten war ich dann aber der Irre oder Schlimme und wurde in diesem Zusammenhang weggeschickt. Unsinn! Wäre ich wirklich der Irre oder Schlimme, säße ich längst im Knast oder der Forensik! *

Das Gutachten

* Ein Gutachten zu schreiben, kann eine sehr differenzierte Aufgabe sein. Die meisten Gutachter, ungeachtet ihrer Profession, versagen hier. Die größte Fehlerquote ist hier in der Psychologie zu finden – der (zum Teil sogar promovierte) Unsinn kennt hier keine Grenzen! Ein so manches Zehnminutendoofgutachten hat so manchem unbescholtenen Patienten zehn Jahre Forensik eingebrockt –  während gefährliche und unheilbare Straftäter vorzeitig entlassen werden! Welche Richter unterschreiben bloß jene Dilettantengutachten, um die zugefallene Tür juristisch abzusichern? *

Wenige

* Nur wenigen Frauen habe ich erlaubt, von der Süße meiner erotischen Frucht zu kosten. *

Die Suggestion

* Werbung hat wohl auch immer etwas mit Identifikation zu tun. So wie der scheinbar vollkommene Werbende will man auch sein! *

Belangloser Massenmord

* Gemäß der Zeugen Jehovas werden bei Harmagedon alle in biblischer und dogmatischer Hinsicht ungehorsamen Menschen vernichtet werden. Auch hier braucht man also wieder das richtige Parteibuch. Hier wird also ein religiös motivierter Massenmord nicht nur erwartet, sondern sogar billigend hingenommen. *

Die Sicht der anderen

* Wie man ist, erklären uns im allgemeinen die anderen, heißt es. Nicht alles davon stimmt natürlich. Die eine oder andere Wahrheit aber ist wohl dabei, man staunt immer wieder. *

Selbstwahrnehmung

* Keine Dichtkunst ohne feine Selbstwahrnehmung! *

Die Amerikaner

* Das dümmste Volk der Welt sind die Amerikaner. Aber in einem sind sie uns voraus: In der Behandlung der Verbrecher. Kein Mensch ändert sich, und der emotionslose, eiskalte Irre wird immer eine Gefahr bleiben. Daher die langen Haftstrafen der Gesetzesbrecher, die nun keine Taten mehr (außerhalb der Mauern und Zäune) begehen können. *

Fahrlässige Tötung

* Kommt es, beispielsweise im Straßenverkehr, zu einer fahrlässigen Tötung, muß immer geprüft werden, ob und inwieweit dem Täter seine Tat gleichgültig ist. Normalerweise sollte eine Bewährungsstrafe davon abhängig gemacht werden, ob der Täter glaubhaft bereue. Tut er es nicht, sollte Haft verhängt werden. *

Asozial

* Asoziale Menschen erkennt man auch daran, ob und wie oft etwas zum Fenster hinausgeworfen wird. *

Evolution

* Ich kenne zwei Arten von Evolution, nämlich sowohl die biologische, als auch die technische. Eine moralische Evolution hat es nie gegeben, so doch hätten wie sie bitter nötig. *

Gereifte Gedanken

* Jeder Tag bringt neue Eindrücke mit sich. Die Einordnung letzterer erfolgt bei mir fast nie am selben Tage; der Grund der Dinge wird erst langfristig manifest und offenkundig. Daher war es mir in jungen Jahren auch nicht möglich, eine vernünftige Philosophie vorzulegen. Erst ab einem Alter von circa dreißig Jahren nahmen meine Texte ihren Lauf. *

Das Lexikon

* Das Leben der Normalmenschen ist langweilig und ohne Bedeutung. Keiner von ihnen steht im Lexikon. *

Schädlich

* Jeder Mensch hat Überzeugungen. Naturgemäß werden sie als wahr und richtig eingestuft. Seine Kinder werden nunmehr in jenen Überzeugungen erzogen; dies kann für die Kinder sehr schädlich sein. *

Meine Themen

* Meine Themen sind doch immer dieselben: Religion, das Weib, das Verbrechen, das Genie, der Individualist, Bildung und Erziehung, das promovierte Versagen. Fehlt noch etwas? *

Das Meisterstück

* Wer in seinem Leben nie gearbeitet hat, ist wohl ein Künstler für sich. Wer danach noch die Frührente schafft, hat seine Meisterarbeit vorgelegt!

Die Erholung

* Wahrlich, ich sage euch: Ich benötige eine Erholungszeit von mindestens einer Woche, sollte ich auch nur eine halbe Stunde mit einem destruktiven Normalmenschen gesprochen haben! *

Disziplin

* Zumindest eines haben mir die meisten Normalmenschen voraus: Arbeitsdisziplin! Die Disziplin ist wohl die Unterstellung der eigenen Bedürfnisse unter ein höheres Ideal, in diesem Falle der Arbeit. Ich arbeite ja auch (an meinen Texten), aber nur dann, wenn ich munter bin, im Sommer auf Badehose und auch das Bier im Kühlschrank habe ich keinesfalls vergessen. Auch wechseln sich Arbeitsperioden zur Nacht und am Tage ab. Ungewöhnlich, nicht wahr? Aber die Qualität meiner Texte stimmt doch auch! *

Spät gemerkt

* Als ich noch ein Kind war, hielt ich Erwachsene für weise, intelligent und allwissend. Erst, als ich selbst erwachsen war, merkte ich, wie dumm  sie sind! *

Zweifelhafte Organisation

* Die Ärzteschaft ist über die Ärztekammer organisiert – narzißtisch organisiert. Beim Fehlverhalten eines Mitgliedes braucht man sie daher wohl gar nicht erst anzuschreiben. Hier hilft eben nur, dem behandelndem Arzt ein paar Backpfeifen zu verpassen – alles andere merkt er sich nicht! *

Keine Kenntnis

* Das große Glück sei nicht beim Weibe zu suchen, denn es ist unwissend. *

Das Telefonbuch

* Im Telefonbuch stehen viele Doktores. Keiner von ihnen ist von Bedeutung. *

Gestört

* Daß ich Persönlichkeitsstörungen erkennen kann, wird man mir nach dem Studium meiner Texte wohl zutrauen. Letztere treffen aber nicht nur einfache, ungebildete Bürger. Es sind auch viele Akademiker betroffen. Jener Umstand führt sogar bis zu geisteskranken Psychiatern und gestörten Lehrern. *

Früher

* Früher quiekten die Mädchen auf vor Vergnügen, wenn ich zufällig um die Ecke getorkelt kam und sie mein rosa Puppengesicht erblickten. Heute schaut mich keine mehr an! *

Eitelkeit

* Die Eitelkeit ist eine rechte Seuche der Menschheit, denn sie geht immer gegen den anderen und betrifft so viele. *

Der Junggeselle

Schöneaugenmachen suggeriert dem Manne immer, er sei der Richtige. Gleich fühlt er sich in seiner Männlichkeit bestätigt, gleich fühlt er sich als Mann anerkannt. Darauf spekuliert die Frau (in den meisten Fällen wohl auch mit Erfolg). Was dieses weibliche Verhalten wert ist, zeigen die Besten unter uns: Sie sterben als Junggesellen. *

Wer ist der Richtige?

* Die Nymphomanin nimmt jeden, die Gewöhnliche den Passenden, die Jungfrau keinen! *

Die Spende

* Die Gläubigen spenden für die Kirche. Ich spende für die Hungrigen! *

Individualismus

* Wie mir doch Ehe, Familie und Kinder fern sind!

Der Normallehrer

* Gerne lasse ich mich belehren, aber nicht beschimpfen! *

Gebildet

* Wie doch auch Gelehrtenmeinungen dümmlich sein können! *

Verschwiegen

* Der Normalmensch erläutert sein Genie. Das wahre Genie aber schweigt. *

Das Grab

* So sehr sich der Normalmensch im Leben aufbläst, so bedeutungslos wird auch er im Grabe ruhen. *

Tausend Frauen

* Ein Mann, der tausend Frauen hat, ist interessant. Ein Mann, der tausend Frauen wegschickt, ist viel interessanter. *

Das Geschenk

* Nie habe ich für Frauen bezahlt – ich habe sie ja nicht einmal geschenkt genommen. *

Edel

* Wie doch der edle Körper anerkannt wird; der edle Mensch aber wird nur ausnahmsweise beachtet.  *

Männlich?

* Der (selbsternannte) Supermann hat’s auch nicht immer leicht, denn er benötigt für sein Wirken und Sein stets Utensilien, die als solche ungewöhnlich sind. Die Utensilien im folgenden: Eine extra starke Zahnpasta für das strahlende Siegerlachen, ein Brusttoupet für die Männlichkeit und Valium gegen Ängste und Zweifel. Da bleibe ich doch lieber bei Satire und Spielwitz; jene Eigenschaften brauche ich nicht zu pflegen, denn sie gehören einfach zu mir. *

Erkenntnisse

* Der Sinn des Lebens darf nicht darin bestehen, zu glänzen. Der Sinn des Lebens muß darin bestehen, zu erkennen. *

Gold

* Nie in meinem Leben war ich neidisch; der Materialismus lag mir stets fern. In diesem Zusammenhang habe ich beispielsweise Ärzten ihre Goldzähne herzhaft gegönnt – wenn sie nur etwas dabei könnten! *

Schlecht und schlau

* Nicht jeder schlechte Mensch ist dumm. Der schlaue, schlechte Mensch nutzt seinen Verstand, um listige Schlechtigkeiten auszuhecken. *

Seine Meinung

* Wie gerne sich doch der Normalmensch bei mir seine Meinung abholt! *

Der (selbsternannte) Kulturmensch

* Bei der Behandlung seiner Feinde zeigt sich der wahre Kulturmensch! *

Futurismus

* Die wahren Futuristen sind doch wir heute, denn wir leben so, wie es die Menschen der Vergangenheit vorhergesagt haben. *

Scheinwissenschaften

* In der Welt mag es einige Scheinwissenschaften geben. Die Psychiatrie und Psychologie stehen hier weit vorn, gleich gefolgt von der Urologie. *

Selbständig

* Satan der Teufel gab dem Menschen das Feindbild. Den Rest hat der Mensch selbst übernommen. *

Klüger als gedacht

* Meine psychologischen Gutachten sind besser, als die der Psychologen oder Therapeuten, denn ich ziehe bei Gesprächen gern ein dummes Gesicht. Alsgleich erfahre ich die narzißtischen Werte meiner Gegenüber, die mich nunmehr für soooo dumm halten. Kommt alles ins Gutachten! *

Die Lehre

* Die wahre, reine Lehre gibt es nicht, ansonsten lebten wir alle im Paradiese. *

Die stolzen Eltern

* Bei manchen Eltern hat man den Eindruck, daß sie sich mit ihren Kindern narzißtisch als wertvoll darstellen möchten. Sollten die Eltern allerdings – und einiges spricht ja dafür – als etwas dümmlich erweisen, sind es die Kinder genetisch bedingt für gewöhnlich auch. Mit solchen Kindern kann man gar nicht glänzen – unmöglich! *

Bäcker, Schlosser, Handwerker, Lehrer und Rechtsanwälte

* Wie mir doch die Berufe zuwiderlaufen. Allein die Erläuterung des Lebens ist eine sinnvolle Aufgabe – hierfür bin ich auf die Welt gekommen, hierfür bin ich Mensch und kein Affe. *

Verzweiflung

* Gott vergebe allen Suizidanden, denn sie waren tief verzweifelt. *

Klaus beobachtet

* Habe ich einen Verdacht, so ist dies das eine. Stimmt mein Gefühl dazu, so weiß ich, daß ich recht habe. *

Der letzte Ausweg

* Das Genie ist auch daran zu erkennen, daß es stets eine Prise Gift zu Hause habe – für den Notfall. *

Die Täuschung

* Ich habe nichts gegen den Glauben, aber gegen Religionen, denn sie täuschen immerfort. Ich habe nichts gegen Wissenschaften, aber gegen Wissenschaftler, denn sie täuschen zumindest oft. *

Akademischer Unfug

* Wenn der Papst destruktiv, Thomas Alva Edison dumm, Adolf Hitler (den ich natürlich nicht gerade empfehlen kann) führungsschwach und Albert Schweitzer distanzlos sind, wissen wir, was die Psychologen können. *

Extravaganter Lebenswandel

* Erläutert jemand sein Genie, so frage ich stets als erstes, ob er früher auch Klos beschmiert und Scheiben eingeschmissen hat. Wird dies verneint, kaufe ich ihm sein Genie einfach nicht ab. *

Auf der Flucht

* Kennt man das Feindbild des Menschen, so weiß man, ab welcher Ebene man abgelehnt und davongejagt wird. *

Das Forum

* Wessen Begehr es ist, vom Balkon zu scheißen, wird bei den Nazis ein prima Forum finden! *

Interessant

* Interessante Argumente habe ich viele – hören will sie keiner. *

Wer steckt dahinter?

* Die Katastrophen des Zwanzigsten Jahrhunderts waren so übel und gravierend, daß man fast annehmen muß, sie hätten ohne das Zutun einer bösen, höheren Macht nicht zustande kommen können. *

Das Mikroskop

* Dort, wo der Affe durchs Mikroskop blickt, wird es keine vernünftigen Wissenschaften geben. *

Die Wahrnehmung des Unbewußten

* Daß das Unbewußte nicht zugänglich ist, liegt in der Natur der Sache. Nur der Talentierte weiß jene Partikel zu deuten, die gelegentlich an die Oberfläche sprudeln. *

Hundekacke

* Der Proll frißt keine Hundekacke, weil er destruktiv ist. Der Proll frißt Hundekacke, weil sie ihm gut schmeckt. *

Ordnung im Kopf

* Kultur bedeutet nicht, ins Theater zu gehen. Kultur bedeutet, seine Seele zu ordnen. *

Reine Ergebnisse

* Die naturwissenschaftlichen Ergebnisse sind auch deswegen so präzise und exakt, weil sie ohne Vorurteile, irrige Überzeugungen und Feindbilder hergeleitet werden können. Die Geisteswissenschaften müssen hier mehr leisten; Geisteswissenschaften erfordern ein reineres Denken. *

Arbeitslosigkeit muß nicht sein

* Natürlich muß Arbeitslosigkeit nicht sein. Man fahre einfach im Rollstuhl zu McDoof. McDoof nimmt jeden – für wie lange, weiß keiner. *

Der virtuelle Weihnachtsmann

* Hat man erst einmal eine Psychose weg, bald sieht man jeden Tag den Weihnachtsmann. Dies muß nichts Schlimmes oder Schlechtes sein – es sind ja Geschenke zu erwarten! *

Ab und zu

* Kein Doktor ist dumm. Aber er könnte gelegentlich nachdenken. *

Der Schauspieler

* Ein guter Schauspieler ist daran zu erkennen, daß man nicht merkt, daß er schauspielert. Wenn man merkt, daß man es nicht merkt. *

Soziales

* Wer aber dort spricht, der spreche mit Maß; wer aber dort schweigt, der schweige mit Bedacht. *

Widerspruch

* Bereits zu meine Schülertagen war ich ein Schwerverbrecher: Ich wagte den Widerspruch. *

Arabien

* Zumindest in einem sind uns die Araber voraus: Das Weib muß in der Öffentlichkeit schweigen. *

Das Faszinosum

* Gibt es eine faszinierendere Welt, als die der seelischen Erkrankungen? *

Du darfst

* Ich habe eine Meise – das darf ich! *

Dependent

* Der moralische Grundsatz, daß man Vater und Mutter ehren solle, hat natürlich eine völlige und uneingeschränkte Legitimation. Daraus darf aber keinesfalls eine dependente Persönlichkeitsstörung der Kinder abgeleitet oder hierüber begründet werden. *

Das außerordentliche Motiv

* Philosophisch motivierte Suizide sind viel interessanter, als psychologisch – medizinische. *

Des Menschen Denken

* Das Denken des Menschen ist evolutionär vorgegeben. Es geht doch immer nur um Bananen und Fortpflanzung. *

Der Gammler

* So mancher Gammler auf der Straße sagt doch glatt etwas Schlaueres, als der Professor an der Universität. *

Verderben

* Der Liebe Gott, der alles Denken übertrifft, bediente sich der Wissenschaften, um unsere Erde zu erschaffen – und sein Werk ist vortrefflich. Unsere titelverseuchten Wissenschaftler aber hatten nie etwas anderes zu tun, als jene Konstruktion fortgesetzt zu verderben. *

Auch Klaus muß irgendwann gehen

* Der Tod? Was bedeutet mir der Tod? Vor meiner Geburt war ich milliarden Jahre tot, und es hat mich nicht geschert. Vom Balkon werde ich trotzdem nicht springen. *

Weitergehen

* Kein Normalmensch wird anders – und schon gar nicht besser. Aber wenn er mir trotzdem noch einen Gefallen tun möchte: Er möge weitergehen! *

Geniale Kapriolen

* Schläft jemand fortgesetzt mit einem Revolver unterm Kopfkissen, lebt er dabei nur nachts und betreibt außerdem schöne Künste, so handelt es sich bei ihm ganz offensichtlich um einen Individualisten – hier fehlt nicht viel zum Genie! *

Pervitin

* Manche Dichter (auch namhafte) schreiben so langweilig, daß man eine Schachtel Pervitin benötigt, um das Buch komplett zu lesen. *

Die Prollkneipe

* Wer einmal in einer Prollkneipe gewesen ist, weiß, daß der Mensch nicht zum Glauben bestimmt ist. *

Kranke Gene

* Der Anspruch auf eine Verbeugung, stehe nicht gerade der Papst vor einem, ist immer auf eine kranke Gengruppe zurückzuführen. *

Gleich

* Wer immer gleich sein möchte, muß wissen, daß er damit auch gleich dumm ist. *

Mordbereitschaft

* Die Schreierei im Kleinen zeigt immer die Mordbereitschaft im Großen. *

Soziale Intelligenz

* Wie doch der Mensch das einzige soziale Wesen ist, welches nicht über soziale Intelligenz verfügt. *

Der Spastiplatz

* Du meine Güte, wie oft mir doch in meinem Leben ein bedeutungsloser Spastiplatz zugeordnet worden ist. In der Familie war das so, in der Lehre war das so, und auch im Studium war es nichts anderes. *

Denkhemmung

* Mitunter muß ich mich mit Denkhemmungen herumärgern. Je mehr ich dann ein Ergebnis wünsche, desto mehr geht es in ein psychologisches Widerlager hinein. *

Arbeiten

* Natürlich gibt es kein Recht auf Faulheit, aber es gibt auch keine Pflicht zum Frondienst. *

Die Unterredung

* Fast immer sind es die Besten, die fliehen. Sie fliehen aus der Schule, sie fliehen aus dem Lande, sie fliehen sogar aus der Klapse. Ihre Begründungen hierfür sind stets erstaunlich lückenlos und einwandfrei – nach einer aufmerksamen Unterredung merkt man es. *

Die Liese

* Die typisch dumme Liese erkennt man unter anderem am Schunkelzwang bei Heino. *

Das Portal

* Seit einigen Jahren gibt es im Internet Portale für die Bewertung medizinischer Leistungen. Diese Portale sind sehr sinnvoll und auch lange überfällig: Sie bilden einen Gegenpol zu den ärztlichen Patientenblättern, in denen das falschabgesägte Bein als neurotische Hypochondrie abgetan wird. *

Es geht ihm gut

* Der Normalmensch hat es gut, denn er kennt den Begriff der “Schuld” nicht. Entweder er empfindet keine, oder er leugnet sie. *

Gedankliches

* Manchmal scheinen mir meine Gedanken nicht differenziert genug zu sein, und vielleicht ärgert es mich. Doch höre ich das Gerede meiner Umwelt, dann weiß ich, daß ich schlau bin! *

Schwer

* Die Dummen haben’s doch doppelt schwer: Erstens können sie keine höheren Berufe ergreifen, und zweitens bleibt ihnen der höchste aller Genüsse unzugänglich: Die geistige Erkenntnis! *

Die Androhung

* Lebe ich vom Sozialamt, bekomme ich eine Kürzungsandrohung. Gehe ich zur Arbeit, bekomme ich eine Kündigungsandrohung. Wer schlau ist, wählt die Kürzungsandrohung – hierfür braucht man nicht aufzustehen. *

Oftbestraft

* Auch von den Jahrgangsbesten hört man später nichts mehr. Es sind die Oftbestraften, die von sich reden machen. *

Das Lumpenproletariat

* Wie doch die Themen der Prolls immer dieselben sind, nämlich Kacke, Weiber, Schnaps und Fußball. *

Der schlaue Patient

* Die Psychiater fordern den Nobelpreis; ihre Patienten bekommen ihn. *

Ungewöhnlich

* Die besten meiner Texte sind mir beim Scheißen eingefallen. *

Raffiniert

* Das perfekte Verbrechen gibt es nicht – aber das raffinierte! *

Unkenntnis

* Die sprichwörtliche Zufriedenheit der Dummen rührt doch nur daher, daß sie die tausend Widrigkeiten des Lebens, welche diese auch immer sein mögen, nicht erkennen können. *

Blausäure

* Hätte ich zur rechten Zeit Blausäure geschluckt, hätte ich nur weniges versäumt, aber vieles vermieden. *

“Ist doch wahr!”….

* …..schrie er, und fand seine abstrusen Behauptungen legitimiert. *

Besser

* Wissen ist gut, Erkenntnisse sind besser. *

Erklärungszwänge

* Seit dreißig Jahren ärgere ich mich mit Erklärungszwängen herum. Nichts hilft. Einen positiven Effekt aber haben sie, nämlich diese Texte. Ich erkläre das Leben. Einzig diesen Zwang mag ich gelten lassen, ja er ist fruchtbar. *

Gratulation

* Die dumme Frau nimmt Tarzan, die gewöhnliche den Nützlichen, die kluge Frau die Persönlichkeit. Lasset uns letztgenannter gratulieren. *

Frische Milch ist gesund

* Ich habe bestimmt nichts gegen emanzipierte Frauen.  Doch auch der Mann sollte seine Seele wahren. Die zu sehr emanzipierte, ja herrisch – egozentrische Frau sollte wissen, daß ihr beispielsweise noch im Mittelalter ihrem Wesen und ihren Fähigkeiten entsprechend ein angemessener Platz zugewiesen worden wäre: Das Ziegenmelken nämlich. *

Der Nachlaß

* Der Normalmensch stirbt, ohne überlegt zu haben. Der Individualist hinterläßt zumeist ein paar interessante Werke. *

Keine Lust mehr! Ende!

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