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Wie zuvor der Versuch der Buchdruck-Finanzierung durch Vorbestellungen ist nun auch das Abonennten-Modell des Verlierer Verlags gescheitert, es bestand keinerlei Interesse. Im Forum herrscht ebenfalls tote Hose. Die Menschheit ist einfach eine komplett selbstentfremdete Spezies. Kommunikation und Introspektion der Art, wie sie hier angeboten wird, sollte eigentlich völlig natürlich sein, geistige Wesen natürlicherweise anziehen wie die Motten das Licht. Der Mensch hat mit seiner geistigen Natur aber nichts mehr zu schaffen, er ist jetzt im Verstand zuhause. In dessen Version der ‘Wirklichkeit’. Und damit auch in dessen Version der eigenen, der Selbstwirklichkeit. Da bewegt sich nicht mehr viel. Und wenn, dann aus einer Dynamik heraus, die aus dem Schach als “Zugzwang” bekannt ist. Mit Bewegung infolge echter innerer Führung hat es nichts zu tun.

Was wäre eigentlich die Vision für den Verlierer Verlag gewesen? Organischer Fluss, in dem immer mehr Leben entsteht. Ganz natürlich. Indem immer mehr Wesen, die von der Quelle herkommen, in ihn hineingetragen werden. In welche Richtung es gegangen wäre und welche Verzweigungen entstanden wären, ist völlig offen. Das ist ja das Spannende an organischem Wachstum. Vielleicht hätte ein in Deutschland ansässiger Mensch den Verlag dort als Unternehmen registriert und die Bücher in den Buchhandel gebracht. Oder jemand hätte per Crowdfunding den Magazindruck ermöglicht.  Vielleicht hätten wir Sponsoren gefunden, die es ermöglicht hätten, den Schreibwettbewerb auch im Jahr 2027 durchzuführen und sogar ein jährliches “Best of” in Buchform zu veröffentlichen. Wir hätten sogar Lust auf einen zweiten Wettbewerb 2026 gehabt, und zwar zum Thema “Transzendentale Erfahrungen und das Leben danach”. Vielleicht hätten sich auch ganz andere Projekte ergeben. Beispielsweise liebäugeln wir mit der Idee eines kostenlosen einmonatigen Einzel-Retreats für an innerem Wachstum interessierte Schreibende in Südostasien unter der Auflage, dass sie alles in dieser Zeit Geschriebene sozusagen “live” auf unserer Webseite veröffentlichen. Hintergrund ist natürlich, dass du den Menschen eigentlich erstmal aus dem gewohnten gesellschaftlichen Kontext herausreißen musst, willst du je so etwas wie seine eigene Stimme hören.

Dass wir diese Stimme hören wollen, ist überhaupt nicht selbstverständlich. Die Menschheit will sie nicht hören, sie setzt im Gegenteil alles daran, dass du keine eigene Stimme hast und auch niemals eine findest. Die Gründe dafür hat Nick Williams gut formuliert:

”Wir leben nicht wirklich, wir spielen nur Leben – wir spielen das Leben in der sterilen Sicherheit des gesellschaftlichen Spiels. Es ist im Grunde nur Theater. Diejenigen von uns, die der Realität am stärksten ausgesetzt sind, sind natürlich diejenigen, die sich am unteren Ende dieser Pyramide befinden – wir sind hier allen ausgeliefert, weil wir keinerlei Macht besitzen. Wir genießen auch keinen Respekt, denn die Menschen respektieren nur Macht.  Es ihnen egal, was mit jenen geschieht, die im „Spiel versagt“ haben. Sie blicken auf sie herab. Sie spielen keine Rolle – sie haben keine Stimme, und das ist eine andere Art zu sagen, dass sie „bedeutungslos“ sind. Je mehr Macht wir haben, desto besser können wir uns vor allem schützen, was uns widerfahren könnte und was wir nicht wollen (mit anderen Worten: Je mehr Macht wir haben, desto weiter sind wir von der tatsächlichen Realität entfernt). Daraus ergibt sich eine der großen Ironien des Lebens: Diejenigen von uns, die der Realität ausgesetzt sind und daher etwas zu sagen hätten, haben keine Stimme. Während diejenigen von uns, die an der Spitze stehen (in der „Eliteposition“), völlig von der Realität abgekoppelt sind, werden sie gerade deshalb zu denjenigen, denen wir zuhören, zu denjenigen, denen die Stimme der Autorität verliehen wird – die privilegierte Stimme der Macht…”

Die Menschen kapieren einfach nicht, dass es nichts mit ihrer eigenen Stimme zu tun hat, wenn sie im Rahmen ihres Facebook- oder Twitter-Profils ihr Sternzeichen teilen und ihre Meinung kundtun. Sie wissen nicht einmal, wo die eigene Stimme anfängt. Wo das eigene Leben anfängt. Wer und was sie jenseits der Bühne überhaupt sind.

Dabei wird es da ja erst spannend. Am unteren Ende der Pyramide, da, wo niemand mehr hinsieht, wo niemand mehr zuhört, da beginnt das Leben erst. Abseits des Theaters der Menschheit, dort, wo niemals jemand etwas investiert, weil dort niemand irgendeinen Wert vermutet, da beginnt die Wirklichkeit.

 

”Sobald du mit absoluter Sicherheit weißt, dass dich nichts anderes beunruhigen kann als deine eigene Fantasie, beginnst du, deine Wünsche und Ängste, Konzepte und Ideen zu ignorieren und allein nach der Wahrheit zu leben.”
Nisargadatta
Der Verlierer Verlag ist deshalb ein höchst interessantes Konstrukt, weil seine Autoren ausnahmslos zu dem größeren Kontext wach sind, in dessen Rahmen Inhalt erscheint, Leben geschieht. Wer hier liest, wird also unweigerlich mit seiner eigenen Wachheit konfrontiert.
Für die Menschen ist das völlig ungewohnt. Ich weiß noch, wie ich mich einmal meinem letzten Lehrer gegenüber über mein Leben beklagte: Es sei unerträglich, ja alles zuviel, zu schrecklich gewesen. Ein Psychotherapeut hätte jetzt nachgehakt, wir hätten vermutlich Jahre damit verbracht, “die Vergangenheit aufzuarbeiten”. Mein Lehrer indes meinte nur: “Du wolltest es so. Bis ins letzte Detail wolltest du es so.” Das meine ich. Ich war auf den Inhalt fokussiert, sah mich als Opfer – er appellierte an meine Wachheit zum Inhalt. Es ist, als würde jemand mit dem Finger schnippen und dich damit aus einem Tagtraum wecken, in dem du dein Leben verbracht hast.
Der Wachtraum hat natürlich noch viele andere Aspekte, mit einem Fingerschnippen ist es daher nicht getan. Das wiederum hat viel mit unserer unendlichen Faszination für die Inhalte zu tun – und zwar für alle Inhalte, insbesondere die extremen. Der “Tatort” ist ja nicht grundlos beliebter als “Rosamunde Pilcher”. Wir sind geil auf Drama. Das klingt krank, ist aber eher so zu verstehen, dass wir hier Zugang zu Erfahrungsebenen haben, die uns andernorts verschlossen bleiben, sprich:  Die Scheiße, die wir hier erleben können, ist einmalig. Und damit von einer höheren Warte aus überaus kostbar und liebenswert.
Wachheit zum Kontext umschließt also stets Wachheit zur Verantwortung für alle Erfahrung und Würdigung aller Erfahrung. Zugleich wächst die Distanz zur Erfahrung und zum Erfahrenden und es wird klar: Das Erfahren vollzieht sich im Rahmen eines Tagtraumes. Die Grundlage des Tagtraums des Erfahrens aber ist, dass ein Erträumter (Erfahrender) einer Welt zu begegnen (eine Erfahrung zu machen) scheint: dass jemand und gleichsam etwas ist und wird.
Und je größer die Distanz zu dieser Erscheinung, desto klarer wird. Der Traum von Sein und Werden ist von Natur aus dramatisch und muss es auch sein. Und wie die wärmende Sonne und der glitzernde Tropfen im Morgentau. so gehört auch die ganze unendliche Scheiße in der Kanalisation mit dazu. Denn alle Existenz ist schrecklich-schönes Spiel.

Gestern wurde ich gefragt, was man eigentlich konkret davon habe, aus dem Daseinstraum zu erwachen. DIe Antwort ist: gar nichts.

Wir Menschen sind von Natur aus Vampire. Ständig nach irgendetwas greifend, nimmersatt. Als aus dem Daseinstraum erwachter Vampir mutierst du zum Zombie. Du weißt jetzt, dass die Welt der Fülle essentiell leer ist. Schien das Ziel zuvor noch stets zum Greifen nah, so ist nun klar, dass es nie zu erreichen gewesen ist. Denn den heiligen Gral, dem nachzujagen unser Schicksal ist, den gibt es gar nicht. Wir sehen bloß Fata Morgana um Fata Morgana, derweil wir dürstend durch die Wüste wandern.

Der Zombie weiß: Fülle ist eine Erscheinungsform der Leere, und die eigene Existenz ist eine solche Erscheinungsform. Und alles Suchen und Finden, alles Greifen und Halten, alles Gebären und Werden und Sterben ist Teil dieser Erscheinunsform. Und zwar nur diesen einen flüchtigen Moment lang, den es gar nicht gibt. Einen Zombie-Moment lang scheint es, als lebten Zombie-Wesen ihr Zombie-Leben in einer Zombie-Welt. Und dieser Zombie-Zeitenraum, diese Fata Morgana der Schöpfung, entsteht allein aus Liebe. Und der Zombie weiß: Er ist diese Liebe.

Spirituelles Erwachen hat nichts mit dem vielzitierten Egotod zu tun. Das Ego stirbt nicht. Denn es hat nie gelebt. Das Ego ist eine vom Wahrnehmungs- und Verstandesapparat gebaute Simulation. Genau wie die Welt es ist, in der das Ego zu leben wähnt. Grob gefasst bilden folgende Grundpfeiler das Fundament dieser Simulation: die Illusion von Grenzen/Abgrenzbarkeit. Die Illusion von Beständigkeit/linearer Zeit. Die Illusion von Macht/Kontrolle. Und die Illusion von Sicherheit.

Aus diesen Illusionen wächst nicht nur die territoriale Persönlichkeit des Menschen, sondern seine ganze simulierte Welt. Und dieses Wachstum erfolgt automatisch, sozusagen organisch, kann also nicht verhindert werden. Der Prozess kann allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt durchschaut werden.

Wird es aber in der Regel nicht. Aus dem einfachen Grund, dass dies nur möglich ist, wo der Mensch den Sprung aus der Simulation/dem Traum wagt. Dieser Sprung aber ist nicht vorgesehen, der menschliche Wahrnehmungs- und Verstandesapparat liefert keinerlei Impuls dazu. Ebensowenig kommen entsprchende Impulse aus der Simulation namens Ego oder der Simulation namens äußerer Welt.

Der Impuls zum Sprung aus dem Traum muss also anderswo her kommen. Hier beginnt die Welt der sogenannten Mystik. Ein Magnetismus der anderen Art zieht uns aus unserem Daseinstraum und dort hinein. Was uns anzieht, ist unser wahres Selbst – jener Teil von uns, der unsere Manifestation als individuelle Bewusstheit träumt.

Dass und was der Mensch will, das liegt nicht in seiner Hand. Er hat auch keine Kontrolle über die Geschwindigkeit und den Inhalt seines Gedankenflusses. Und was er tut, das wird durch ihn getan, derweil er sich als Ursache missversteht. Währenddessen bleibt jedes auferlegte Ziel stets unerreicht, Gedachtes stimmt nie, und was immer getan wird, ist nie geschehen. Das ist der Witz am Ganzen.
Das Ich-Bewusstsein ist eine Tortur. Darum schlafen wir ja so gern. Tiefschlaf ist temporäre Befreiung vom Ich-Bewusstsein. Leider geht die Tortur gleich am nächsten Morgen weiter. Wir sind daher gezwungen, Strategien zu entwickeln, um das Unerträgliche erträglich zu machen.
Durch Rituale zum Beispiel. Und jede andere Form von Suchtverhalten. Oder durch unaufhörliche Aktivität und Beschäftigung. Bis wir das große Unbehagen nicht mehr spüren. Beziehungsweise in der Lage sind, es auf die sogenannte ‘äußere Welt’ zu übertragen. Gesellschaftliche Missstände dafür verantwortlich zu machen. Andere Menschen. Oder unser eigenes Schicksal samt unserer persönlichen Beziehungen. Das Unbehagen hat jetzt ein Gesicht: ein äußeres Gesicht.
Was die Psychologie nicht begreift, ist, dass all unsere Fluchtversuche völlig natürliche Reaktionen auf eine unerträgliche Grundsituation darstellen. Die Psychologie geht davon aus, dass nur ein krankes Ich Befreiung von sich selbst anstrebt, während ein gesundes Ich sich selbst bejaht und selbstbejahend entfaltet. Und es gibt ja auch genügend Menschen, die genau dies anstreben, und genügend Beispiele von Menschen, die jenes “gesunde Ich” repräsentieren.
Im hier besprochenen Kontext aber hat das mit Gesundheit nichts zu tun. In diesem Kontext stellt das Wettrennen der vermeintlich Glücklichen vielmehr die Perfektionierung der Selbsttäuschung und Selbstentfremdung dar. Seit tausenden Jahren läuft die Menschheit in eben diese Richtung. Das versprochene Paradies gefunden hat sie nicht. Es hat sich bloß das Rennen verselbstständigt. Die Auseinandersetzung mit der Grundsituation, der Tortur des Ich-Bewusstseins, aber, die ist auf der Strecke geblieben. Weil der Mensch es so wollte: weil er so gewollt wurde. Weil das allumfassende Bewusstsein den Witz auf diese Art erzählt.
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