
Köln. – Der gefeuerte ehemalige Philosophie-Professor Hans Niemand (WR berichtete) im Interview
Alles sei eins und nichts, behaupten Sie in Ihrem Buch “The Mathematics of Unity Consciousness”.
Niemand: Das Ego tut natürlich alles, um sie zu bekämpfen, aber die Erkenntnis, dass alles eins ist, ist keine große Sache. Es ist auch keineswegs mysteriös oder schwer zu begreifen. Tatsächlich muss man es gar nicht begreifen, denn Erkennen ist kein Begreifen. Alles, was nötig ist, um Einheit zu erkennen, ist die Abwesenheit des falschen Selbst. Es wird nur ein wenig komplex, weil so etwas wie ein Selbst nicht wirklich existiert. Und wie tötet man einen Geist?
Man kann also nichts tun, um zu der Erkenntnis zu gelangen?
Die Sufis lehren Wege, wie man es schafft, ebenso wie wahre Zen- oder Qi-Gong-Meister oder der Kurs in Wundern. Die auf Ihrer Plattform oft erwähnten Lehrer des direkten Pfades haben andere Dinge mit dir vor, doch auch die Erkenntnis der Einheit ist Teil der ultimativen Reise. Sie ist nur nicht das letzte Wort. Sie ist eher eine unvermeidliche Folge der Einnahme der ‘ultimativen Medizin’, wie Nisargadatta es nennt. Der Bewusstseinswandel, der vonstatten geht, bleibt dir erhalten, solange du träumst. Wie ein neues Paar Augen, wenn du so willst. Nicht die physischen Augen des dualen Geistes, sondern die Augen des Herzens, die Augen der Weisheit, die in der Lage sind, durch die Erscheinung hindurch direkt in das Herz der Einheit zu blicken. Es ist ein liebevoller Blick, daran besteht kein Zweifel. Daher ist er von Natur aus ekstatisch, obwohl sich diese Ekstase als tiefe Traurigkeit zeigen kann, da der Blick aus deinem liebevollen Innersten unendliches Mitgefühl mit sich bringt. Wenn ein Stein Schmerz empfindet, würdest du den Schmerz des Steins spüren. Die Traurigkeit kann überwältigend sein, genau wie die Ekstase. Einfach weil die Liebe überwältigend ist. Weil sie unendlich ist.
Wie entwickelt der Mensch dieses neue Paar Augen?
Niemand: Finde heraus, dass du durch die Verschiebung des Aufmerksamkeitsfokus zu dem Ding selbst wirst, das du betrachtest und dessen Bewusstsein erlebst. Werde zum inneren Zeugen des Dings. Erkenne dich als Subjekt und Objekt jeder Erfahrung.
Sie behaupten aber, das alles eins ist – und gleichsam nichts?
Niemand: Das ist ja keine neue Erkenntnis, sondern tausende Jahre alte Weisheit. Die von Generation zu Generation fortgetragen wurde. Nur eben jenseits der lächerlichen Ego-Welten. NIsargadatta hat es gut formuliert: “Liebe sagt: ‘Ich bin alles’. Weisheit sagt: ‘Ich bin nichts’. Zwischen beiden fließt mein Leben.”
Warum ist die Welt ein solcher dystopischer Albtraum?
Niemand: Wegen Ihnen. Ihr Unwille aufzuwachen steckt hinter all dem Drama. Ihr Ego macht das alles. Und es kümmert sich nicht darum, ob Sie oder alle Wesen aller Welten leiden – solange es funktioniert, solange es seine Festung stärkt und Ihre Chancen auf ein Aufwachen oder auch nur die Möglichkeit des Aufwachens gegen Null hält. Darum geht es. Dahinter steckt kein strafender Gott, keine Rache von Mutter Natur und kein mutierendes Virus. Was wir sehen, ist die Unfähigkeit einer Spezies, die Kräfte des Egos zu überwinden. Sie sehen Ihre eigene Niederlage in einem spirituellen Kriegsspiel – und alles, was da draußen geschieht, sind die Konsequenzen dieser Niederlage. Der Triumph des Egos sieht unweigerlich hässlich aus, denn das Ego nährt sich von Illusionen, Drama und Kontrollwahn. Damit die ganze Täuschung funktioniert, muss sich alles sehr real anfühlen. Gedankenprogrammierung reicht nicht aus – es braucht auch emotionales Drama um Hoffnung und Angst. Kombiniert man beides, gelangt man unweigerlich zu dem dystopischen Albtraum, den wir heute erleben. Er wird von der erschaffenden Spezies als „Realität“ bezeichnet – obwohl er nur ein Spiegel der inneren Dystopie eines versklavten Kollektivs ist. Und alles beginnt mit Ihnen.
Warum hört man so wenig von Ansätzen, die unsere Realität als Illusion und das eigene Ego als dystopischen Herrscher entlarven?
Niemand: Warum Hat man mich gefeuert? Warum sind Milliarden wissenschaftshörig? Warum gehen Milliarden in die Kirche gehen, während die tiefgründigsten spirituellen Lehren kaum jemand kennt? Es ist ein Wunder. Ein Wunder fast so groß wie das Wunder namens Leben.
Der wahre spirituelle Lehrer kann mit dem Psychiater verglichen werden, der mit einem Patienten konfrontiert wird, der an einer paranoiden Psychose leidet. Als er den Patienten mit der Tatsache konfrontiert, dass ihn in Wirklichkeit niemand ausspioniert, weil sich niemand für ihn und sein Leben interessiert, entwickelt dieser den tiefen Verdacht, dass der Arzt selbst Teil der Verschwörung ist.
Stellen Sie sich nun vor, Sie wären dieser Psychiater. SIe sind aber nicht nur mit einem paranoiden Patienten konfrontiert, sondern umgeben von purem Wahnsinn. Die Angehörigen des Patienten, das Krankenhauspersonal und jeder, dem Sie außerhalb der Klinik begegnen – sie alle sind verrückt. Es ist nicht nur schwer zu verstehen, Es ist kaum zu begreifen, dass Ihnen jemand glaubt, wenn Sie behaupten, der einzige vernünftige Mensch in der Stadt zu sein. Die Gesellschaft wird alles tun, um Sie in die Patientenrolle zu drängen. Und das zu Recht, aus ihrer Sicht.
Dieses Wunder ist ein Symptom von Mayas Triumph. Es ist ein Wunder, weil eigentlich alles und jeder, der und das im Bewusstsein erscheint, magnetisch von der Wahrheit angezogen und mit ihr rückverbunden wird. Einfach, weil es seine Natur jenseits der Erscheinung ist. Doch vorerst hat das Ego gesiegt. Den eingebildeten Stimmen wird geglaubt. Die Irren haben die Medizin in der Tasche. Aber sie wird abgelehnt. Und anders als der Psychiater können Sie sie niemandem aufzwingen.