Hautcreme — oder Häutung

Ich mag Glück genauso gern wie jeder andere, aber es ist nicht das Glück, das einen auf die Suche nach der Wahrheit treibt. Es ist ein rasender, fiebriger, kratzender Wahnsinn, der einen dazu bringt, der Lüge ein Ende zu setzen, koste es, was es wolle, führe es in den Himmel oder in die Hölle. Hier geht es nicht um höheres Bewusstsein, Selbstfindung oder das Paradies auf Erden. Hier geht es um blutverkrustete Schwerter und Buddhas verrottenden Kopf und Selbstverstümmelung, und jeder, der etwas anderes behauptet, verkauft etwas, das nicht existiert.
Der Kaiser trägt keine Kleider, und früher oder später wird jeder sehen, was direkt vor seinen Augen liegt. Wenn das geschieht, wird es vielleicht zu einem großen Wandel kommen – einer Massenflucht weg von der Komplexität und Sinnlosigkeit aller spirituellen Lehren. Eine Abkehr nicht nach außen, nach Japan, Indien oder Tibet, sondern nach innen, zum Selbst – hin zu Selbstständigkeit, Selbstbestimmung, zu einem vernünftigen Umgang damit, herauszufinden, was hier eigentlich vor sich geht. Ein Neuanfang. Aufrichtige, intelligente Menschen, die die Vergangenheit hinter sich lassen und neu beginnen. Indem sie sich fragen: „Okay, wo stehen wir? Was wissen wir mit Sicherheit? Was wissen wir mit Gewissheit?“
Hier ein einfacher Test: Ist es beruhigend und tröstlich? Sorgt es dafür, dass es dir warm und wohlig ums Herz wird? Versetzt es dich in einen angenehmen emotionalen oder mentalen Zustand? Geht es um Frieden, Liebe, Ruhe, Stille oder Glückseligkeit? Spricht es von einer besseren Zukunft oder einem besseren Morgen? Wenn es dir ein gutes Gefühl gibt, wenn es dein Selbstwertgefühl stärkt, wenn es dir sagt, dass alles in Ordnung ist, so wie es ist, wenn es dir Verbesserungen, Vorteile oder eine Erhebung verspricht, oder wenn es suggeriert, dass jemand anderes besser oder über dir steht; wenn es um Glauben, Vertrauen oder Verehrung geht; wenn es das Bewusstsein erweitert oder verändert; wenn es Stress abbaut oder die Entspannung vertieft, oder wenn es therapeutisch oder heilend wirkt, oder wenn es Glück oder Linderung von Unglück verspricht – wenn es um all das oder Ähnliches geht, dann geht es nicht ums Aufwachen. Dann geht es darum, im Traumzustand zu leben, nicht darum, abrupt daraus zu erwachen.
Wenn es sich hingegen anfühlt, als würdest du bei lebendigem Leibe gehäutet, als würdest du in einem langwierigen Prozess ausgeweidet, wenn du spürst, wie sich deine Identität auflöst, wenn es dich körperlich verdreht, deine Gesundheit schwächt und dein Leben aus der Bahn wirft, wenn du spürst, wie die Liebe in dir stirbt, wenn der Tod dir besser erscheint, dann ist es wahrscheinlich der Prozess des Erwachens. Oder eine heftige Blähung.
Jed McKenna