
“Wir werden verschwinden. Die Dinosaurier mussten weichen. Es gab das Zeitalter der Reptilien. Jetzt ist das Zeitalter der Primaten. Wer weiß? Vielleicht sind als Nächstes die Insekten an der Reihe. Das liegt nicht in unserer Hand. Es ist nicht göttlich vorherbestimmt. Wir sind zufällig hier und wir werden wieder verschwinden. Und der Planet wird heilen. Der Planet wird heilen, denn genau das tut er.
Er heilt sich selbst. Er ist ein Organismus, der sich selbst heilt. Er verändert sich und wächst. Er wird all unseren ausgedienten Müll in sich aufnehmen und zu etwas anderem werden, aber er wird noch mindestens ein paar Milliarden Jahre – oder wie lange auch immer – um die Sonne kreisen.
Diese ganze Idee, dass wir den Planeten retten müssen, indem wir keine Windeln auf die Mülldeponie werfen – das ist viel zu kurzsichtig. Das bringt gar nichts. Man muss sich selbst ändern. Und das werden wir nie tun, denn es geht ums Geld – hier und jetzt. Jeder will Geld und ein Spielzeug. Jeder hat ein Handy, das Pfannkuchen backen und einem die Eier kraulen kann.
Niemand will also für Unruhe sorgen, niemand will sich ändern; bloß nichts ändern. Es läuft doch alles so schön – oder auch nicht, aber wir leben noch. Ich glaube, wir haben großartige Gaben verschwendet. Ich glaube, den Menschen wurden großartige Gaben zuteil: aufrechter Gang, räumliches Sehen, der opponierbare Daumen, ein großes Gehirn, Werkzeugherstellung. Werkzeuge herstellen, großes Gehirn, noch größeres Gehirn, bessere Werkzeuge herstellen. Sprechen, Sprache entwickeln: „Nimm das hier und tu es dort hinein.“ Wir lernten Sprache, das Gehirn wuchs durch die Sprache, wir entwickelten uns weiter.
Wir hatten großartige Gaben, und wir haben sie alle aufgegeben – für Geld und für Gott. Gott und Mammon, beides. Wir haben sie den Hohepriestern überlassen. „Das ist deine Aufgabe, das ist Gottes Wille.“ So heißt es, die Leute sagen: Es ist Gottes Wille. Er tut ohnehin, was er will – wozu also beten? Man betet für etwas. Okay, er hat mein Gebet nicht erhört. Tja, es ist Gottes Wille. Aber wenn es Gottes Willen ist, warum hat man dann überhaupt gebetet? Er macht ja doch, was er will. Wir haben uns dem Aberglauben hingegeben – primitivem Aberglauben, primitivem Mist, primitivem Mist.
Da ist dieser unsichtbare Mann am Himmel, der auf uns herabblickt, genau verfolgt, was wir tun, und sicherstellt, dass wir nichts Falsches machen- wenn doch, steckt er uns in die Hölle, wo wir ewig brennen. So ein Mist schränkt uns enorm ein. Er schränkt unser Gehirn ein. Wir halten uns also selbst klein. Und dann wollen wir Spielzeug, technische Spielereien und Gold. Wir wollen glänzende Dinge und Geräte, die wir einstöpseln können, damit sie riesige Sachen für uns erledigen. Aber all dieser Mist ist nichts wert. Er ist nichts wert. Wir haben alles aufgegeben.
Und die Amerikaner, die ebenfalls großartige Voraussetzungen hatten… Wenn man sich die Theorie der demokratischen Herrschaft ansieht – der Selbstverwaltung… Okay, der Anfang war holprig. Sie hielten Sklaven. Frauen durften nicht wählen. Wer keinen Grundbesitz hatte, durfte nicht wählen. Gut, sie sind falsch gestartet. Aber die Ideen waren gut. Tja, wir haben das verdammt noch mal vermasselt. Wir haben es verdorben. Wir haben es verdorben mit diesem ganzen Zeug: Dingen, Materialien, Gütern, Spielen, technischen Spielereien, Spielzeug, Gadgets, Besitz anhäufen: Ich habe einen größeren Truck, das ist ein neuer Truck, der ist größer als meiner, hier ist ein großer Truck – oh, den hole ich mir.
Was auch immer passiert ist oder noch passieren wird – ich bin raus. Ich betrachte das alles aus der Distanz. Ich habe mich sozusagen von dem Ganzen „scheiden lassen“. Ich sage mir: „George, emotional bist du hier nicht mehr involviert. Es berührt dich nicht, wie auch immer es ausgeht. Also schau einfach zu. Hab Spaß.“
Ich sage es mal so: Wenn man auf diese Welt kommt, bekommt man ein Ticket für die Freakshow. Und wenn man in Amerika geboren wird, bekommt man einen Platz in der ersten Reihe. Manche von uns dürfen dort mit Notizbüchern sitzen. Und ich bin so ein Notizbuch. Ich beobachte die Freakshow, mache mir Notizen, spinne mir Geschichten dazu zusammen und rede über die Freaks. Dabei sind diese Freaks auch nur Menschen, genau wie ich; sie sind alle gleich – wir sind alle gleich. Ich bin nicht besser, nicht anders; ich bin jetzt einfach nicht mehr Teil davon. Ich halte Abstand, ich stehe abseits, weil ich mich selbst aus dem Getümmel herausgenommen habe. Der Ausgang der Dinge ist mir egal. Ich feuere niemanden mehr an, damit ein bestimmtes Ergebnis eintritt. Man sagt ja: Kratz an einem Zyniker, und du findest einen enttäuschten Idealisten. Und ich gebe zu: Irgendwo tief unter all dem glimmt noch ein kleines Flämmchen des Idealismus. Ich würde mir so sehr wünschen, dass sich alles ändert, aber das geht nicht. So läuft das nicht. Und was schrittweise Veränderungen angeht – nun, der Scheißhaufen scheint einfach zu hoch zu sein.”
George Carlin
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